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Einfluss des Quechua auf das Spanische in Peru

Bachelorarbeit 2016 34 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Historischer Überblick über Peru
2.1 Vor der Ankunft der Spanier: Inkazeit bis Kolonialzeit
2.2 Nach Ankunft der Spanier: Kolonialzeit bis heute

3 Quechua
3.1 Entstehung, Ursprung und Verbreitung
3.2 Sprecher, Probleme und soziokulturelle Strukturen des Quechua
3.3 Phonologie
3.4 Morphosyntax
3.5 Lexik

4 Spanisch in Peru
4.1 Entstehung, Ursprung und Verbreitung der persönlichen Varietät
4.2 Andenspanisch
4.2.1 Phonologie
4.2.2 Morphosyntax
4.2.3 Lexik
4.3 Küstenspanisch
4.3.1 Phonologie
4.3.2 Morphosyntax
4.3.3 Lexik
4.4 Spanisch im Amazonasgebiet
4.4.1 Phonologie
4.4.2 Morphosyntax
4.4.3 Lexik

5 Sprachkontakt zwischen Quechua und Spanisch
5.1 Bilingualismus, Diglossie und Codeswitching in Peru
5.2 Allgemeines zum Sprachkontakt Quechua und Spanisch
5.3 Ausgewählte Phänomene des Sprachkontakts
5.3.1 Benutzung von Artikeln
5.3.2 Benutzung von Zeitformen
5.3.3 Gebrauch von Geschlechtern
5.3.4 Lexik

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

8 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

„Denn überall, wohin die Spanier kamen, war es, als ob ein Feuer durchs Land rase und alles auf seiner Bahn zerstöre“ (Hahn 2011, 210).

Dieses Zitat von Pedro Cieva de León, einem spanischen Konquistador, Chronisten und Historiker Perus, beschreibt die Situation zwischen Spaniern und Ureinwohnern Perus treffend: Die Vernichtung und Verdrängung des Kulturguts der Inkakultur in allen öffentlichen Bereichen. Dies gilt nicht nur für die Zeit der Eroberung Perus durch die Spanier, sondern es kann heute immer noch teilweise festgestellt werden, dass die Kolonialherrschaft Spaniens in Peru deutliche Spuren hinterlassen hat, die bis in die heutige Zeit fortdauern.

In Verbindung mit Peru wird oftmals an ein traditionelles Land mit besonderer Kultur gedacht, der Hochkultur der Inka. Doch obwohl es in einigen Teilen Perus noch viele kulturelle Besonderheiten, Feste, Riten und Traditionen gibt, kann dies für die sprachliche Situation so nicht übernommen werden. Die indigene Inkasprache Quechua ist mittlerweile zwar kooffizielle Sprache Perus, doch ist sie längst nicht mehr so verbreitet wie sie einst war. Und dafür spielen die Spanier eine entscheidende Rolle.

Während es im prähispanischen Peru eine Vielzahl an kleinen Sprachen gab, zu denen auch Quechua zählte, setzte sich letztere im gesamten Inkareich durch, da sie von allen Völkern gesprochen wurde (vgl. Siebenäuger 1993, 32). Die indigene Sprache wurde dementsprechend im Reich der Inka, das sich vom Andengebiet Perus, Boliviens, Ecuadors und Mittelchiles bis in den Nordwesten Argentiniens erstreckte, gesprochen (vgl. Noll 2014, 68). Quechua erhielt einen besonderen Status, wurde Handelssprache sowie lingua franca im kompletten Inkareich bis in die Kolonialzeit hinein (vgl. Henk 2016, 34).

Wie das oben genannte Zitat beschreibt, kam es zu einem Wandel mit der Ankunft der Spanier in Peru. Dies ist auch auf sprachlicher Ebene zu sehen. Während im Inkareich fast jeder Quechua sprach, ging das Sprechen der Sprache durch die Eroberung der Spanier bis heute immer weiter zurück. Von 28 Millionen Einwohnern Perus sprechen aktuell nur noch weniger als 1/7 der Peruaner (> 4 Millionen) eine indigene Sprache (vgl. ebd. 27). Jedoch ist Quechua nicht die einzige indigene Sprache, die in Peru gesprochen wird. Daneben gibt es viele kleine Sprachen und Dialekte wie zum Beispiel Aimara, jedoch wird darauf nicht in der Arbeit eingegangen. Quechua wird heutzutage noch von 13,2% der Bevölkerung gesprochen, was etwa einer Anzahl von 3,3 Millionen Sprechern entspricht (vgl. ebd. 35). Peru ist somit auch das Kerngebiet der Quechuasprecher (vgl. Noll 2014, 69). Dennoch macht sich auch hier der Einfluss des Spanischen bemerkbar. Quechua wird als minderwertige Sprache angesehen, Spanisch hingegen steht für Moderne und hat einen höheren Stellenwert. Da in Peru zwei komplett unterschiedliche Sprachen und Kulturen aufeinandergetroffen sind, blieb ein sprachlicher Kontakt nicht aus. Bei diesem Kontakt lässt sich feststellen, dass Quechua einen Einfluss auf die sprachliche Varietät des Spanischen in Peru hat. Dieser Einfluss unterscheidet sich je nach Region. Gleichzeitig übt das Spanische Perus einen Einfluss auf das heutige Quechua aus. Denn wenn zwei Sprachen aufeinandertreffen, treffen ebenso zwei Kulturen aufeinander, die dann miteinander in Wechselwirkung stehen, wie am Beispiel Perus deutlich wird.

Diese Arbeit wird sich dementsprechend mit der gegenseitigen Beeinflussung der Sprachen beschäftigen. Zunächst wird ein Überblick über die Geschichte Perus vor der Ankunft der Spanier gegeben. Zunächst steht die Inkazeit im Fokus, abschließend wird die Historie Perus von der Kolonialzeit bis in die Gegenwart dargestellt. Die historische Entwicklung des Landes gibt somit die nötigen Hintergrundinformationen, um den Sprachkontakt verstehen zu können. Danach wird die sprachliche Struktur des Quechua dargelegt. Dazu wird auf Entstehung, Ursprung und Verbreitung des Quechua eingegangen. Darüber hinaus werden sprachliche Besonderheiten sowie die Quechuasprecher, deren soziokulturelle Strukturen und Probleme aufgeführt. Im nächsten Schritt liegt der Schwerpunkt auf den spanischen Varietäten des Kastilischen in Peru. Hier werden ebenfalls die Entstehung, der Ursprung und die Verbreitung sowie die sprachlichen Merkmale thematisiert. Danach wird der Sprachkontakt Spanisch – Quechua dargelegt. Hierzu müssen zunächst Definitionen zu den Begriffen Bilingualismus, Diglossie und Codeswitching in Peru gegeben werden. Anschließend werden ausgewählte Aspekte des Sprachkontakts verglichen und die gegenseitige Beeinflussung deutlich gemacht.

Die Arbeit wird dem Bereich der Soziolinguistik zugeteilt, da der Sprachkontakt einer Beeinflussung von kulturellen, sozialen und gesellschaftlich bedingten Aspekten unterliegt. Um ein detailliertes Bild des Sprachkontakts darlegen zu können, werden ebenfalls Aspekte der Politikwissenschaften, Soziologie und Anthropologie mit einbezogen.

2 Historischer Überblick über Peru

Um den Sprachkontakt Quechua – Spanisch besser nachvollziehen zu können, wird zunächst ein Überblick über die Geschichte Perus gegeben.

2.1 Vor der Ankunft der Spanier: Inkazeit bis Kolonialzeit

In der vorkolonialen Zeit entwickelte sich in Peru ein indianisches Herrschaftsgebiet: Das Reich der Inka (vgl. Berschin 2005, 27).

Laut einer Legende zog eine Gruppe von Geschwistern von Tambotoco, einem Berg in Paucartambo, aus nach Cusco. Diese Geschwister entstammten der Legende nach dem Sonnengott Inti (vgl. Julien 2003, 19). Manco Capac und seine Schwester Mama Occlo wurden auf die Erde geschickt, um den Menschen eine Herrschaft aus Toleranz und Freundlichkeit zu errichten. Ihnen wurde ein goldener Zauberstab mitgegeben und dort, wo dieser im Boden ohne Probleme stecken blieb, sollte das neue Reich entstehen (Aufmvolk 2016). Die Geschwister fanden in der Stadt Cusco den Ort für die Gründung des neuen Reiches. Da in diesem Gebiet bereits andere Volksgruppen angesiedelt waren, wurden diese teilweise vertrieben und getötet (vgl. Julien 2003, 22). Generell waren viele unterschiedliche Stämme in Peru angesiedelt, die jeweils ihre eigenen Sprachen gesprochen haben. Da sich die Inka, zu denen eben das auf die Erde geschickte Geschwisterpaar gehörte, immer mehr ausbreiteten, wurde den anderen Völkern auch deren Sprache, das Quechua, auferlegt. Somit wurde Quechua zur Nationalsprache des Inkareiches, denn es hatte die Funktion einer Verwaltungsund Handelssprache; Quechua war also die offizielle Sprache des Reiches (vgl. Noll 2014, 68). Daneben haben die einzelnen Völker trotzdem noch ihre eigenen Sprachen und Dialekte aufrechterhalten (vgl. Pottier 1983, 21), denn nach dem Zerfall des Inkareiches sind die Indianerstämme zunächst wieder zu ihren Sprachen zurückgekehrt, so gut dies unter dem Einfluss der Spanier möglich war (vgl. Siebenäuger 1993, 36).

Das Reich der Inka wurde ursprünglich Tawantinsuyu genannt und hatte seinen Verwaltungssitz in der Hauptstadt Cusco und wurde von dort aus unter Manco Capac regiert (vgl. Henk 2016, 49) der als Sonnengott dargestellt wird (vgl. Hahn 2011, 26).

Quechua war, wie schon erwähnt, nicht von Anfang an im gesamten Inkareich verbreitet, erst durch die von den Inkas durchgeführte Umsiedlungspolitik wurde die Sprache mehr und mehr verbreitet. Die inkaische Expansion begann im 13. Jahrhundert aus dem Cusco-Becken heraus. Innerhalb eines Jahrhunderts konnte die Region um Cusco 50-70km kontrolliert werden (vgl. ebd. 28). Damit die andern besetzten Völker Quechua erlernten, wurden loyale Untergebene, die den Namen mitmaq trugen, in eroberte Gebiete geschickt, um dort Quechua zu unterrichten und zu verbreiten. Gleichzeitig wurde den Söhnen der Oberschicht der unterworfenen Völker auferlegt, nach Cusco zu gehen um Quechua dort zu erlernen (vgl. ebd. 49f.).

Innerhalb von drei Generationen schafften es die Inka ab dem 13. Jahrhundert die vielen kleinen Indianervölker unter eine Herrschaft und demzufolge ein riesiges Gebiet unter ihre Kontrolle zu bringen. Dazu zählten die Regierungen von Pachacutec Yupanqui, Topa Yupanqui und Huayna Capac (vgl. ebd. 22). Unter dem ersten Herrscher Manco Capac wurden zunächst Verwaltungsstrukturen in Cusco aufgebaut, hier stand die Unterwerfung der anderen indigenen Völker am Anfang. Unter den ersten vier Sapa Inkas (Herrscher) kam es demzufolge kaum zu einer Ausdehnung des Inkareiches, sondern nur zu einer Unterwerfung der Cusco umliegenden Völker. Darauffolgend kamen sechs Herrscher an die Macht, die eine aggressive Expansionspolitik betrieben (vgl. ebd. 22).

Quechua wurde folglich im Laufe der Jahre immer mehr unter den indigenen Stämmen verbreitet. Bereits zu Beginn des 15. Jahrhunderts war die gesamte Cuscoregion dem Inkareich zugehörig. Es kam zur Herausbildung verschiedener Institutionen und die Machtkonsolidierung im Cusco-Becken legte den Grundstein für einen rasanten Expansionismus. Durch die Expansion entstanden auch Machtansprüche für den Zugriff auf Güter und Ressourcen. Im Jahre 1450 wurde der Bereich des Titicacasees unterworfen und 1470 wurde das südliche Ecuador und Chimor eingenommen (vgl. ebd. 28f.). Hier zeigt sich, dass sich das Inkareich zu dieser Zeit in ganz Peru und über seine Grenzen hinaus ausbreitete. Generell war die Vorgehensweise gegen andere indigene Völker eher brutal als friedlich (vgl. ebd. 29). Das Reich erlebte demnach mit der Herrschaft des Inka Hayna Capac ab 1493 - 1527 seine größte Ausdehnung und Quechua entwickelte sich von einer Verwaltungsund Handelssprache zur offiziellen Sprache (vgl. Herling 2013, 704).

Nach seinem Tod kam es jedoch zum Streit um die Nachfolge der Herrschaft zwischen dem Erstgeborenen Huascar und dem Lieblingssohn Atahualpa. Atahualpa gewann schließlich die Nachfolge nach verlustreichen Bürgerkriegen. In Folge dessen wurde das Land geschwächt und in zwei Parteien geteilt. Hieraus resultierte ein Vorteil für die Spanier in Bezug auf ihre spätere Eroberungspolitik (vgl. Gnärig 1981, 19).

2.2 Nach Ankunft der Spanier: Kolonialzeit bis heute

Die Eroberung Mittelund Südamerikas fand in drei Etappen statt, wobei in der letzten Etappe die Andenhochländer, zu welchen Peru zählt, eingenommen wurden (vgl. Noll 2014, 57).

Kolumbus, der 1492 zum ersten Mal den amerikanischen Kontinent erreichte, sowie andere portugiesische Seefahrer berichten, dass es im Süden Amerikas, speziell in Peru, Bodenschätze wie Gold und andere außergewöhnliche Schätze wie zum Beispiel Lamas als Lasttiere oder Handelsboote mit Segeln und Rudern gäbe (vgl. Hahn 2011, 217). Francisco Pizarro, ein Spanier aus Extremadura in Spanien segelte zunächst von Panama aus immer wieder nach Peru. Bei diesen Expeditionen kam es zum freundlichen Kontakt mit den Indianern, wobei gleichzeitig eine schleichende Unterwerfung der Indianervölker begann, ohne dass diese wussten, was mit ihnen geschah. Zurück in Panama kam es zur Berichterstattung. Die Bitte, Peru erobern zu dürfen, wurde jedoch abgelehnt. Deshalb segelte Pizarro zurück nach Spanien, um dort die Erlaubnis des Königs Karl V. einzuholenund dies mit Erfolg. Pizarro brachte bereits erbeutete Schätze, Lamas, Kostbarkeiten und Indianer als Übersetzer zum Beweis mit. Pizarro wurde durch seine Expedition zum Gouverneur und militärischen Oberbefehlshaber ernannt (vgl. ebd. 219ff.). Somit begann 1531 unter dem Kommando Pizarros die Eroberung des Inkareiches (vgl. Noll 2014, 58).

Im Zuge der Eroberung Perus wurden zunächst viele Indios gefangengenommen. Diese sollten dann Spanisch lernen, um als Dolmetscher fungieren zu können (vgl. Henk 2016, 51). Durch List und Intrigen schafften es die Spanier, die Inka zu täuschen und alles zu beherrschen. In Folge dessen wurde der zu der Zeit herrschende Inka Atahualpa in spanische Gewalt gebracht und 1533 getötet Die Ermordung Atahualpas sorgte für den Untergang des Inkareiches. Das gesamte Reich brach zusammen, es gab kaum Widerstände, was bedeutet, dass die Spanier das inkaische Herrschaftsgebiet fast ohne Probleme einnehmen konnten (vgl. Gnärig 1981, 20). Dass es kaum Widerstände gab, hängt unter anderem damit zusammen, dass das Inkareich aufgrund des Erbfolgestreits geschwächt und in zwei Parteien geteilt war. Somit wurde 1533 auch die Hauptstadt Cusco durch Pizarro eingenommen. 1538 wurde Bolivien, das damals unter dem Namen Alto Peru bekannt war, erobert. Peru wurde 1542 zum Vizekönigreich ernannt und dem alle spanischen Territorien mit Ausnahme Venezuelas untergeordnet waren (vgl. Noll 2014, 58ff.). Cusco blieb jedoch nicht die Hauptstadt; bereits am 18.01.1535 gründete Pizarro in Lima die Hauptstadt der Könige (vgl. Hahn 2011, 256).

Die Inka ließen sich ihr Gebiet weder ohne weiteres wegnehmen noch akzeptierten sie die Spanier als neue Herrscher. Es gab dementsprechend auch Aufstände von Seiten der Indios. Zwar ging der Hispanisierungsprozess an der Küste von Lima aufgrund von Modernisierungen der Wirtschaft, Verbesserungen der Transportwege und ähnliches schneller voran, wodurch es zum engen Kontakt zwischen Einheimischen und Spaniern kam. Der letzte indianische Widerstand vollzog sich jedoch erst 1780/81 unter Tupac Amaru (vgl. Herling 2013, 70). Die Spanier hatten gleichzeitig ihre Mittel, die Einheimischen zu unterwerfen. Zur Unterwerfung der Indigenen wurde unter anderem das Encomienda - System eingeführt – eine der Unterwerfungsmethoden der Spanier. Dies ist eine Form christlich motivierter Sklaverei zur Ausbeutung der Indios. In Folge dessen kam es zur Umsiedlung ganzer Dorfgemeinschaften. Dabei wurde oftmals die gesamte angestammte Ordnung zerstört und keinen Wert auf die Inkakultur gelegt (vgl. Gnärig 1981, 20). Durch diese Methode wurde auch die Missionierung, also das Konvertieren zum Katholizismus sowie die Hispanisierung der Indios vorgenommen (vgl. Valiente Catter 2016, 11).

Eine weitere Maßnahme im Hispanisierungsprozess war die Mestizierung. Hierbei kam es zur Heirat von Spaniern und Indianerinnen.

Ein generelles Problem der Hispanisierung stellte die Sprache dar. Die Einheimischen sprachen nur Quechua beziehungsweise ihre Muttersprachen und Dialekte. Deshalb kam es zunächst zur Gefangennahme von Indigenen, damit diese Spanisch lernen und als Dolmetscher fungieren konnten. Doch für eine Festigung der spanischen Herrschaft war dies zu wenig. Um die Indios als Arbeitskräfte nutzen und die Missionierung erfolgreich durchführen zu können, ging es für die Spanier so nicht weiter, da sich das Spanische noch nicht, wie durch die Spanier gewünscht, durchgesetzt hat. Deshalb kam es zur Ausbreitung des Quechua als lengua general während der Kolonialzeit (vgl. ebd., 36). Die spanischen Eroberer förderten somit zunächst den ungewollten den Gebrauch des Quechua und setzten dieses in der Missionierung ein, da die Sprache Quechua die Verständigung in diesen Gebieten förderte. Somit erhielt der Sprachraum des Quechua während der Kolonialzeit seine größte Ausdehnung, andere lokale Sprachen wurden verdrängt. Gleichzeitig wurde durch die Verwendung des Quechua das System der Encomienda, die Missionierung und Mestizierung der Bevölkerung verstärkt (vgl. Noll 2014, 62). Während die Inkalultur weitgehend vernichtet wurde, wurde das Quechua als Mittel zum Zweck genutzt. So war es aber nicht die ganze Zeit über, denn mit der Herrschaft der Bourbonen ab 1770 kam es zu drastischen Änderungen. Dazu zählte, dass die Hispanisierung fortan nur noch in spanischer Sprache stattfinden sollte (vgl. Henk 2016, 53). So wurde auch das letzte Überbleibsel der Inkakultur in den Hintergrund gedrängt.

Bis heute prägt die Kolonialzeit die Gesellschaft Perus. Während an der Küste nahe Lima überwiegend die spanische Kultur zu finden und alles sehr modern ist, zeigt sich in den Anden das Gegenteil. In dieser Gegend sind noch Bräuche und Kulturen der indigenen Vorfahren zu finden. Auch Quechua wird noch immer von einem gewissen Anteil der Bevölkerung gesprochen. Dennoch lässt sich hier schon eine Tendenz erkennen, dass Quechua immer mehr an Einfluss und Bedeutung verliert. Als Beispiel sei hier der Bezirk Junin in den Anden genannt. Sprachen dort 1940 noch 75% der Bevölkerung Quechua, waren es 1993 nur noch unter 10% (vgl. Noll 2014, 84). So lässt sich bereits eine Tendenz zum Spanischen erkennen, denn auch wenn sich die gesamte Bevölkerung in Betracht gezogen wird, kann festgestellt werden, dass von 28 Millionen Menschen, die in Peru leben, nur 3,3 Millionen Quechuasprecher sind (vgl. Henk 2016, 35).

Die Gründe für den Rückgang, das Ansehen und die sprachlichen Merkmale des Quechua werden im weiteren Verlauf der Arbeit dargelegt.

3 Quechua

3.1 Entstehung, Ursprung und Verbreitung

Die Bezeichnung Quechua richtet sich ursprünglich nach einer Volksgruppe, die den Namen die „Quechuas“ trug (vgl. von Gleich 1982, 18). Dieser Stamm lebte an der Küste Zentralperus und der näheren Umgebung. Das Quechua, das dort gesprochen wurde, bildet den Prototyp dieser indigenen Sprache. Der Ursprung der Sprache liegt vermutlich in den ersten Jahren unserer Zeitrechnung. Dieser Prototyp des Quechua breitete sich dann im Laufe der Jahrhunderte immer weiter aus und wurde zur Verkehrssprache (vgl. Henk 2016, 36). Laut Torero kam es bereits 880 n. Chr. zu einer ersten Expansionswelle, bei der viele Gegenden quechisiert wurden (vgl. Siebenäuger 1993, 32). Quechua wurde schließlich auch von den Inkas zur offiziellen Sprache des Inkareiches ernannt. Von da an hatte es den Status einer Verwaltungssprache (vgl. Henk 2016, 36). Daneben gab es immer noch weitere indigene Sprachen insbesondere Aimara und Puquina in der Andenregion (vgl. Pottier 1983, 22). Diese konnten Quechua zahlenmäßig aber nie annähernd erreichen, sodass sich das Quechua nahezu problemlos ausbreiten und durchsetzen konnte.

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Details

Seiten
34
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668683525
ISBN (Buch)
9783668683532
Dateigröße
839 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v419724
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
1,7
Schlagworte
einfluss quechua spanische peru

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Titel: Einfluss des Quechua auf das Spanische in Peru