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Die Tugend Weisheit

Begriffsdefinition und Bedingungen für Weisheit sowie verschiedene Tugendsysteme

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 21 Seiten

Ethik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Tugenden
2.1 Kardinaltugenden

3. Die Tugend Weisheit
3.1. Notwendige Bedingungen für Weisheit
3.1.1 Unterscheidung des Veränderbaren vom Unveränderbaren als Bedingung der Erkenntnis
3.1.2 Gelassenheit als psychische Bedingung
3.1.3 Empathie als psychische Bedingung
3.1.4 Soziale Begabung als soziale Bedingung
3.1.5 Klugheit als sittliche Bedingung

4. Schlusswort

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Arbeit „Die Tugend Weisheit, Begriffsdefinition und Bedingungen von Weisheit“ wird Weisheit als Tugend erläutert und verschiedene Tugendsysteme vorgestellt. Weiterhin werden Bedingungen von Weisheit erörtert.

Im ersten Kapitel wird der Tugendbegriff allgemein definiert und erläutert.

Im zweiten Kapitel werden die vier Kardinaltugenden Platons thematisiert und in den Zusammenhang weiterer Tugendsysteme gebracht.

Die Weisheit als eine der vier Kardinaltugenden wird im weiteren Verlauf der Arbeit vorgestellt. Es wird der Versuch gemacht zu klären, was unter Weisheit zu verstehen ist.

Einige wesentliche notwendige Voraussetzungen, um weise zu sein, werden am Schluss eingehend dargelegt, wobei die Voraussetzung „Klugheit“, die an letzter Stelle aufgeführt wird, den höchsten Stellenwert erhält.

2. Tugenden

In der Ethiklehre ist die Tugend ein Teil der praktischen Philosophie, welcher zu klären versucht, wie der Mensch sich richtig zu verhalten hat.

Schleiermacher unterteilt die Ethik in drei Gesichtspunkte:[1]

1. Güterlehre
2. Pflichtenlehre
3. Tugendlehre

Bei dieser Unterteilung ist zu beachten, dass sich jeder Teil ganzheitlich mit der Ethik beschäftigt. Ethik wird in diesem Sinne aus drei unterschiedlichen Richtungen betrachtet, aber dennoch als Ganzes gesehen.

Die Güterlehre beschäftigt sich mit der Frage, was der Mensch in seinem Leben erreichen soll, was das Ziel des Lebens ist und was er als „höchstes Gut“[2] besitzen soll.

Die Pflichtenlehre lehrt uns Sittlichkeit im Handeln. Der Mensch soll die „sittlichen Forderungen“,[3] die ihm gestellt werden, befolgen.

Dies greift die Tugendlehre auf und erweitert die Pflichtenlehre, indem sie die Hauptgedanken der „sittlichen Vollkommenheit“[4] des Menschen in den Vordergrund stellt und zu erforschen versucht.

Dies sei nur am Rande erwähnt, um einen Einblick darüber zu bekommen, welcher Zusammenhang zwischen Ethik und Tugend besteht.

In diesem einleitenden Kapitel soll der Versuch gemacht werden zu klären, was der Begriff „Tugend“ meint.

Der Ursprung des Wortes Tugend ist im Altdeutschen zu finden. „Tugunt“ (altdeutsch) war das Wort für Tugend.[5]

Tugend leitet sich im weiteren Sinne von den Begriffen „taugen“, „Tauglichkeit“ und „Tüchtigkeit“ ab. Tugendhaft sein, meint also erst einmal nur, dass ein Mensch tauglich und tüchtig sein soll. „Die Tugenden taugen zur Führung eines guten Lebens, und wer Tugend übt, taugt etwas.“[6]

Platon definiert Tugend als „Tüchtigkeit der Seele“.[7] Der Mensch soll nicht durch Verstand Tugenden erbringen, sondern durch die Seele. Es ist also die Aufgabe der Seele tugendhaft zu sein.

Bollnow geht noch einen Schritt weiter und stellt die These auf, dass mit Tugend eine „Vorstellung von dem gemeint ist, wie der Mensch sein soll.“[8]

Der Mensch führt folglich ein gutes Leben, wenn er tugendhaft handelt und es auch selbst ist.

Tugend bezeichnet weiterhin einen Verdienst, den ein Mensch mit seinem Handeln geleistet hat. Tugend qualifiziert zum guten Handeln.[9] Nur derjenige/diejenige, der/die Handlungen gut abschließt, kann sich tugendhaft nennen. Trotzdem kann man „Tugenden nicht erstreben, sie kommen ungewollt.“[10]

Tugenden sind abhängig von Handlungen, die ein Mensch ausführt. Somit sind Handlungen eine unablässige Bedingung für Tugend.

Hat ein Mensch moralisch gut gehandelt, so war die Handlung in dieser Situation folglich tugendhaft. Nun besteht zwischen einer tugendhaften Handlung und einem tugendhaften Menschen ein großer Unterschied. Selbst tugendhaft zu sein, nicht nur so zu handeln, ist ein langer Lernprozess, der aus Einüben guter Handlungen und Gewöhnung an diese besteht.

„Darum werden uns Tugenden weder von Natur noch gegen die Natur zuteil, sondern wir haben die natürliche Anlage, sie in uns aufzunehmen, zur Wirklichkeit aber wird diese Anlage durch Gewöhnung. (…) Wir erlangen die Tugenden nach vorausgegangener Tätigkeit, wie dies auch bei den Künsten der Fall ist. Denn was wir tun müssen, nachdem wir es gelernt haben, das lernen wir, indem wir es tun. So wird man durch Bauen ein Baumeister und durch Zitherspielen ein Zitherspieler. Ebenso werden wir aber durch gerechtes Handeln gerecht, durch Beobachtung der Mäßigkeit mäßig, durch Werke des Starkmuts starkmütig.“[11]

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Tugend ist der, dass nur der Mensch als einziges Lebewesen tugendhaft sein kann. Tiere können dies nicht.

Warum?

Weil sie über sich selbst nicht reflektieren können. Sie wissen nicht, dass sie sind und tragen damit auch keine Verantwortung für ihr Tun. Tugendhaft kann nur der/die sein, der/die „in seinem Verhalten für sein Verhalten selbst verantwortlich ist:“[12]

[...]


[1] vgl. O.F. Bollnow, S. 19

[2] O.F. Bollnow, S. 19

[3] ebenda, S. 19

[4] ebenda, S. 19

[5] vgl. J. Fellsches, S. 21

[6] J. Fellsches, S. 21

[7] O.F. Bollnow, S. 21

[8] ebenda, S. 21

[9] vgl. A. Anzenbacher,

[10] O.F. Bollnow, S. 24

[11] Aristoteles, S. 1103a 23-1103b 3

[12] O.F. Bollnow, S. 22

Details

Seiten
21
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638401623
ISBN (Buch)
9783638891325
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v42030
Institution / Hochschule
Folkwang Universität der Künste
Note
1,3
Schlagworte
Tugend Weisheit

Autor

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Titel: Die Tugend Weisheit