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Eine exemplarische Untersuchung der Beziehung zwischen Jesus und dem Menschen anhand eines katholischen und evangelischen Kirchenliedes aus dem 17. Jahrhundert

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 21 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Religion und die Kirche im Barock
1.1 Die katholische Kirche
1.2. Die evangelische Kirche

2. Untersuchungen zu Friedrich Spees „Ist das der Leib Herr Jesu Christ“
2.1. Untersuchung formaler Aspekte
2.2. Untersuchung des Inhaltes

3. Untersuchungen zu Paul Gerhardts „Auf, auf, mein Herz, mit Freuden“
3.1. Untersuchung formaler Aspekte
3.2. Untersuchung des Inhaltes

4. Untersuchung der dargestellten Beziehung zwischen Jesus und dem Gläubigem

Zusammenfassung

Anhang

Quellenverzeichnis

Einleitung

Diese Arbeit „Eine exemplarische Untersuchung der Beziehung zwischen Jesus und dem Menschen anhand eines katholischen und evangelischen Kirchenliedes aus dem 17. Jahrhundert“ wird im Rahmen des Hauptseminars „Deutsche Lyrik des 17. Jahrhunderts im europäischen Kontext“ verfasst. Untersucht werden sollen zwei Kirchenlieder. Als Beispiel für ein katholisches Kirchenlied dient „Ist das der Leib Herr Jesu Christ“[1] aus der Feder des Jesuiten Friedrich Spee von Langenfeld (1591 – 1635) und ein Lied des protestantische Theologen Paul Gerhardt (1607 – 1676) „Auf, auf, mein Herz, mit Freuden“[2]. Beide Autoren zählen zu den wichtigsten Vertretern kirchlicher Lyrik im Zeitalter des Barock[3]. Es wurden diese zwei Lieder gewählt, da beide die Auferstehung Christi und die damit verbundene Erlösung zum Thema haben.

Im ersten Kapitel dieser Arbeit soll die Situation der beiden großen christlichen Religionen im Deutschland des 17. Jahrhunderts kurz geschildert werden, um einen Einblick in die unterschiedlichen Intentionen der Kirchen zu geben. Das zweite Kapitel setzt sich zusammen aus einer formalen und einer inhaltlichen Untersuchung des Kirchenliedes von Friedrich Spee. Analog dazu wird das Lied von Paul Gerhardt im dritten Kapitel analysiert. Im vierten Kapitel möchte ich mich mit der Frage auseinander setzten, wodurch die Beziehung zwischen Jesus und den Gläubigen charakterisiert ist.

Die Ergebnisse dieser Arbeit sind nur für die gewählten zwei Lieder gültig. Inwieweit sie sich mit der Gemeinsamkeit der Unterschiede in den Kirchenliedern der beiden großen christlichen Religionen decken, müsste noch untersucht werden.

1. Die Religion und die Kirche im Barock

Im Zeitalter des Barock hatte das religiöse Leben einen höheren Stellenwert als in der heutigen Zeit. Machen heutzutage die Menschen oft einen Unterschied zwischen dem Glauben an Gott, der Religion, und der Institution Kirche, so bestand dieser Unterschied im 17. Jahrhundert nicht. Kirche war gleichbedeutend mit Religion. Zusätzlich gab es in dieser Zeit noch sehr enge Verflechtungen zwischen dem religiösen und dem gesellschaftlichen Leben. Ein anerkanntes gesellschaftliches Dasein war nur mit einem „aktiven“ religiösen Dasein oder zumindest dem Schein davon möglich. Durch den Westfälischen Frieden wurde 1648 festgelegt, dass die Landesfürsten über die religiöse Ausrichtung in ihren Gebieten zu entscheiden haben.

1.1 Die katholische Kirche

Seit der Zeit Karl des Großen hatte die katholische Kirche in Deutschland den „Status der Reichskirche“[4]. War Karl der Große der erste Kaiser des römischen Reiches, so wurde dieser Titel über Jahrhunderte hinweg weiter vererbt. Die durch Luther ausgelöste Reformation hat die religiöse Alleinvertretung der katholischen Kirche in Frage gestellt. Um ihre Macht und Bedeutung nicht weiter zu verlieren, wurde die Gegenreformation initiiert.

Eine der wichtigsten Erneuerungen im Rahmen der Gegenreformation war die Reform des Priesterstandes und einiger Orden. Hinzu kamen Neugründungen, wie z. B. die Englischen Fräulein oder auch der Jesuitenorden; dieser war ein wirksames Werkzeug in der Rückeroberung „verlorener Gebiete“. Die Societas Jesu hat auch eine große Rolle auf dem Gebiet der Kultur gespielt; so entwickelte sich in dieser Zeit das Jesuitentheater, zahlreiche Schulen und Kollegien. Die Reform beinhaltete auch stärkere hierarchische Kontrollmechanismen innerhalb der Kirche, bessere Ausbildung der Geistlichen und stärkeres Durchgreifen in den Fragen des Zölibates[5].

Besondere Aufmerksamkeit wurde dem religiös-kulturellen Leben geschenkt. „Die Präsentation des Glaubens nach außen und die in den Tages- und Jahresablauf eingreifende Glaubenspraxis war in vieler Hinsicht als Gegenmodell zum asketisch wirkenden Protestantismus entwickelt worden“[6]. Bis in die heutige Zeit sind Teile dieses Lebens erhalten geblieben. Die Kirche verfolgte bestimmte Ziele. Einerseits wollte sie ihre Macht und Präsenz zeigen, dies wurde durch die pompöse Ausgestaltung der Gotteshäuser, teure Gewänder der „Akteure“ und die Atmosphäre aus Weihrauch, Kerzen und festlicher Musik erreicht. Andererseits wollte sie die Gläubigen enger an sich binden, um ihren Status nicht zu verlieren. Durch die Aufnahme der volkstümlichen Elemente – Wallfahrten und Prozessionen – wurden die Katholiken zu einer aktiven Teilnahme an den Gottesdiensten und kirchlichen Festen bewogen.

Zusätzlich wurde die Wirkung der Sakramente gestärkt. Den Höhepunkt bildete das Altarsakrament, das in protestantischen Kirchen nur symbolischen Charakter hatte.[7]

1.2. Die evangelische Kirche

Die protestantische Kirche geht zurück auf Martin Luther. In protestantischen Gebieten stellte der Landesherr gleichzeitig das Oberhaupt der Landeskirche dar. Für viele Protestanten in Deutschland galt die lutherische Auffassung des Verhältnisses von Staat und Kirche. „Das innere, geistliche Wesen des Menschen ist frei, während die äußere, leibliche Natur unfrei ist“[8] . Einerseits hieß es für den praktizierenden Protestanten, dass er sich den politischen Entscheidungen seiner Landesherren unterwerfen muss und Anlehnung nicht erlaubt ist. Andererseits, und dies ist bis in die heutige Zeit erhalten, muss sich der Mensch in erster Linie für sein Tun vor Gott rechtfertigen. Er steht ihm bis zu einem gewissen Punkt frei, auf welche Weise er Gott dienen will und kann.

In evangelischen Ländern existierten im 17. Jahrhundert keine Klöster mehr und das Zölibat wurde abgeschafft, dies hatte mehrere Auswirkungen auf das religiöse Leben. Einerseits kam der Familie des Geistlichen eine besondere Rolle zu. Man betrachtete sie als Vorbild. Dies führte dazu, dass neben der Kirche die Familie zum Ort der Religion wurde. Da Einwohner protestantischer Gebiete über einen höheren Bildungsstand verfügten, wurde die Lektüre der Lutherbibel zum festen Bestandteil der praktischen Ausübung des Glaubens. Erleichtert wurde der Zugang zur Religion auch durch die Tatsache, dass Gottesdienste in deutscher Sprache abgehalten wurden. Frauen, die keine geistigen Ämter, z. B der Äbtissin, mehr bekleiden durften, verloren in der Kirche an Bedeutung. Allerdings wurden die Pfarrersfrauen zu einer inoffiziellen Institution[9].

Die Beichte hatte keinen öffentlichen Status mehr, d.h. der Mensch beichtete nicht bei einem Geistlichen, sondern vor Gott selbst. Die Anzahl der Sakramente nahm ab, ihre Bedeutung im Vergleich zu der katholischen Kirche jedoch zu. Besonders gut lässt sich diese Tatsache am Beispiel des Taufsakramentes feststellen. Für Protestanten war und ist es die Aufnahme des neugeborenen Kindes in den Bund mit Gott. Im katholischen Glauben beinhaltet die Taufe gleichzeitig die Waschung von den Sünden. Die evangelische Kirche glaubt bis heute an die Unschuld und die reine Seele des Kindes.

2. Untersuchung zu Friedrich Spees „Ist das der Leib Herr Jesu Christ“

2.1. Untersuchung formaler Aspekte

Friedrich Spees Osterlied „Ist das der Leib Herr Jesu Christ“[10] ist ein Beschreibungslied, das die Qualitäten einer schönen Gestalt, des Leibes Jesu, ins Auge fasst[11]. 1628 erschien es zum ersten Mal in Mainz ohne Angabe des Autors. Es wurde erst später Friedrich Spee zugeschrieben. Im 17. Jahrhundert lag das Lied in verschiednen Fassungen vor. Dies wirkte sich jedoch nicht auf dessen Aussagegehalt aus. Dieser blieb im Wesentlichen unverändert.[12]

„Ist das der Leib Herr Jesu Christ“ besteht aus sechs Strophen mit je vier Versen. Am Ende jeder Strophe befindet sich der einzeilige Refrain „Alleluja, Alleluja“; es handelt sich hierbei um liturgischen Freudengesang.

Das Versmass ist ein vierhebiger Jambus,

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[13]

der in der ersten und zweiten Zeile der zweiten Strophe durch eine Zäsur eine Senkung weniger besitzt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Reimschema, a a b b, ein Paarreim, tritt in allen Strophen in gleicher Form auf. Alle Verse enden mit einer männlichen Kadenz. Der Paarreim, der die Aneinanderreihung von Verspaaren begünstigt, erreicht, in Verbindung mit den betonten Endungen und den Vergleichen, die das Lied beherrschen, dass sich die Gemeinde in Gottesdiensten das Lied besser merken kann. Das Lied wird einprägsamer. Die genannten Charakteristika lassen die Annahme zu, es handle sich um Volksliedstrophen.

2.2.Untersuchung inhaltlicher Aspekte

Das Lied befasst sich mit der Betrachtung des Leibes Jesu. Betrachtung meint in diesem Zusammenhang die meditative Struktur[14]. Die erste Strophe leitet die Leibesvisitation ein. Sie beginnt mit einer sich über zwei Verse erstreckenden rhetorischen Frage „Ist das der Leib, Herr Jesu Christ,/der Tod im Grab gelegen ist?“[15] Gefolgt wird diese Frage von einem Aufruf an die potentiellen Zuhörer bzw. Mitbetrachter, sie sollen kommen, um sich die „Leibgestalt“ anzuschauen und zu vergegenwärtigen. Der Autor bezweckt damit, dass dem Lied die volle Aufmerksamkeit gewidmet wird und leitet es thematisch ein. Die Singenden sollen ihren Geist öffnen, um die Herrlichkeit erkennen zu können.

[...]


[1] Becker. Geistliches Wunderhorn. S. 200

[2] von Cranach-Sichart. Paul Gerhardt: Wach auf, mein Herz, und singe. S. 67/68

[3] vgl. Meid, Volker: Barocklyrik. S. 101 u. S. 104

[4] Niefanger, Dirk. Barock. S. 53

[5] ebd. S. 55

[6] Niefanger, Dirk. Barock. S. 53

[7] ebd. S. 54

[8] ebd. S. 56

[9] Niefanger, Dirk. Barock. S. 55

[10] siehe Anhang

[11] Becker, Hansjakob. Geistliches Wunderhorn. S. 203

[12] Becker, Hansjakob. Geistliches Wunderhorn. S. 201

[13] ebd. S. 200 Im Folgenden erfolgen Zitate aus den Liedern unter Angabe des Autors, der Strophe und der Verse.

[14] vgl. Kurz. Zur Bedeutung der „Betrachtung“ in der deutschen Literatur im 17. und 18. Jahrhundert. S. 231f.

[15] Spee. Strohe 1. Vers 1 + 2

Details

Seiten
21
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638401654
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v42034
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
2
Schlagworte
Eine Untersuchung Beziehung Jesus Menschen Kirchenliedes Jahrhundert

Autor

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Titel: Eine exemplarische Untersuchung der Beziehung zwischen Jesus und dem Menschen anhand eines katholischen und evangelischen Kirchenliedes aus dem 17. Jahrhundert