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Die Rolle des Körpers im Kontext von Inklusion und Exklusion

Essay 2016 7 Seiten

Ada Pädagogik / Erziehung / Beratung

Leseprobe

Das zu behandelnde Thema des Essays thematisiert eine Diskussion über die Rolle des Körpers (und dessen Normierung) im Kontext von Inklusion und Exklusion.

Die Formulierung ״Die Rolle des Körpers“ kann man sehr weitgefächert sehen. Es gibt verschiedene Ansichten, welche sich auch historisch immer wieder verändern, jedoch hat der menschliche Körper in der heutigen Gesellschaft einen sehr hohen Stellenwert. Anfänglich fragt man sich jedoch, was der Körper denn überhaupt genau ist, wo er anfängt, wo er aufhört und welche Handlungsprozesse dem Körper zuzuschreiben sind. Wenn man einen Körper wahrnimmt, hat man im Hintergedanken immer Erwartungen, Interpretationen und schon Bewertungen dieses Körpers gegenüber. Von Anfang an zeigt der Körper eine individuelle Wahrheit, so wie er wirklich ist. Oft wird der Körper als Produkt und Produzent der Gesellschaft angesehen und beschrieben. Ebenfalls wird der Körper als ein Instrument der Selbstinszinierung dargestellt. Schon auf Grund Differenzie- rungs- und Individualisierungsprozesse produziert die Gesellschaft eine moderne, sich immer wieder anpassende und ständig wandelnde Körperlichkeit. Die Themen Inklusion und Exklusion spielen immer und überall eine große Rolle, ob unbewusst, automatisch oder überlegt. Allein das Spielen mit Gedanken wie Heterogenität, Homogenität, Anders-Sein, Gleichberechtigung usw. bestimmen die Teilhabe und Nicht-Teilhabe der Individuen. Hierzu passt eine Aussage von Dederich, in der es darum geht, wenn man über Inklusion spricht, man auch gleichzeitig von Exklusion reden muss (Dederich, 2006, S.12). Beide Begriffe Stehen in Wechselwirkung zueinander. Wenn man von einem der beiden Begriffe spricht, findet das Synonym automatisch seine Existenz. Um überhaupt inkludierende Aktivitäten ergreifen zu können, muss Exklusion bereits als soziale Tatsache identifiziert und als Defizitmerkmai ausgeschlossener Gruppen zugeschrieben werden.

Da es ein sehr weitgefächertes und vielfältiges Thema aufweist, ist es gleichzeitig auch sehr wichtig für die heutige Gesellschaft, sich damit auseinanderzusetzen. Wir, und somit auch unsere Körper repräsentieren die Gesellschaft und hierbei Begriffe wie Inklusion und Exklusion. Ob automatisch oder bewusst, Tag täglich spielen diese Begriffe eine große Rolle. Nicht nur im Bereich der Kultur wird über dieses Thema viel geforscht und gesprochen. Auch im Zusammenhang mit Behinderung wird das Thema oft erwähnt, jedoch auch in den Bereichen Medizin, Religion, Politik, Ästhetik usw. Meiner Meinung nach ist die Rolle des Körpers ein wichtiger Diskussionspunkt in der heutigen Gesellschaft, da diese in gewisser Maßen die Gesellschaft formt, über diese Thematik tauscht man sich heutzutage viel zu selten aus. Hierbei sollte nicht nur die Theorie berücksichtigt werden, sondern viel mehr Bedeutung der Praxis zukommen.

Die Aufgabe wurde durch nachfolgendes Zitat untermauert: ״Die Art und Weise, wie Kultur einen Körper denkt, welche Sichtweisen vom Menschen sie in ihn hineingelegt oder aus ihm heraus liest, zeigt, was in dieser Kultur als schön und wertvoll, als erwünscht oder unerwünscht, als Ideal oder als Problem angesehen wird. Auf diesem Weg werden aber auch die Grenzen einer Kultur sichtbar: welche Erscheinungsformen des Körpers sie akzeptiert und welche sie verwirft, wie sie ihn wertschätzt oder verachtet, wie sie ihn religiösen, politischen, medizinischen, ästhetischen oder hygienisch-diätisehen Überzeugungen unterwirft, welche Spielräume und Toleranzen sie ihm gewährt und wann sie mit harten oder weichen Regulationspraktiken eingreift.“ (Dederich, 2007, S.68).

Dieses Zitat verdeutlicht die Dualität in der wir leben. Ohne ״hässlich“ gibt es kein ״schön“, ohne ״dick“, kein ״dünn“ usw. Wie ein Körper in den verschiedenen Kulturen wahrgenommen und beurteilt wird, bestimmen die bestehenden Normen. Jede Kultur hat gewisse Ideale, welche man so gut wie möglich beachten und nacheifern sollte, um nicht ״schräg“ angeschaut zu werden. Wenn man von diesen Idealen abweicht, erlebt man schon Inklusion und Exklusion. Natürlich ist es wünschenswert, dass es verschiedene Kulturen gibt, um Erfahrungen zu sammeln und Vielfalt zu entwickeln. Dies gehört selbstverständlich zur Natur der Evolution dazu. Zu vergessen ist jedoch nicht, dass diese Unterschiede mit Offenheit und Verständnis betrachtet werden müssen. Jeder sollte seinen Lebensstil führen dürfen, solange er sich nicht negativ auf dessen Umwelt auswirkt oder Anderen Schaden zufügt.

Grundlegend kann man sagen, dass alle Handlungsweisen und Aktionen die wir mit unserem Körper ausführen, bis hin zu simplen Dingen wie Sport, von der Gesellschaft und der Kultur geprägt sind, in der wir leben. Jede Handlung, jeder Gedanke eines Menschen führt zu einer Deutung oder einem Urteil. Schon die Tatsache, dass es verschiedene Kulturen gibt, zeichnet die Ungleichheit der Menschlichkeit aus. Jede Kultur hat eine andere Werte, Toleranzgrenzen, Sitten Idealvorstellungen und geht anders mit seinem Körper um. Robert Gugutzer sagt in einem seiner Texte, dass der Körper einerseits ein Teil der Natur und hierbei gleichzeitig deren Gesetzen unterworfen ist, andererseits unterscheidet sich die Art und Weise, wie ein Körper wahrgenommen, gelebt und bewertet wird, je nach Epoche, Kultur und Gesellschaft (Gugutzer, 2015, S.8). Diesem Zitat kann ich zustimmen, da jeder Einzelne mit seinem Körper, auf seine Art und Weise von der Natur geboren und von den natürlichen Prozessen wie Z.B. Essen, Trinken, Schlafen, Wachen usw. anhängig ist, die wiederrum kulturelle Unterschiede aufweisen. Die Problematik meiner Meinung nach ist hierbei, dass der Mensch mit seinem Körper in vielen Fällen nicht so aufgenommen wird, wie er ist, sondern kategorisiert und in eine ״Schublade“ gesteckt wird. Wie schon am Anfang erwähnt, wird der Körper oft auch als gesellschaftliches Phänomen: zum einen als Produkt, zum anderen als Produzent der Gesellschaft (Gugutzer, 2015. S.8) dargestellt. Mit der Beschreibung ״Produkt“ ist in diesem Sinne gemeint, wie mit dem Körper in Abhängigkeit von gesellschaftlichen Strukturen umgegangen wird, also was mit dem Körper gemacht wird. Der Ausdruck ״Produzent“ hingegen beschreibt das Zusammenleben von Menschen, somit, was der Körper selbst macht und wie er handelt.

Die Medien, Produkte der Gesellschaft, spielen die Themen der dualen Menschheit. Einige Blicke in die aktuellen Zeitschriften, die Nachrichten, youtube Kanäle, oder Fernsehsendungen, welche heutzutage viele körperbezogene Themen behandeln, genügen, um zu erkennen, wie das Individuum angeleitet wird sich der Gesellschaft anzupassen. Von nun an stellt man sich nur noch die Frage, wie die Haut straffer wird, wie man Haarausfall verhindern kann, wie die Haut schneller bräunt, wieviel Prozent Körperfett man besitzen sollte usw. Wenn man sich einmal einen Einblick in die Idealvorstellungen eines Körpers verschafft oder sich nur mit der Frage auseinandersetzt, wie denn der ״ideale“ Körper auszusehen hat, nimmt das Streben nach diesem Bild seinen Lauf. Während solchen Veränderungen wird nicht nur das äußere Erscheinungsbild verändert, sondern man nimmt auch auf eine gewisse Art und Weise andere innere Werte an. Hierbei wird deutlich, wie oberfläch- lieh und einfältig die Gesellschaft teilweise ist. Individualität wird aufgegeben, um sich der Masse anzupassen.

Wenn man nun von diesem Schema abweicht, sich aus der Gesellschaft ausklingt und eine für sich andere Idealvorstellung seines Körpers bildet, wird man von der Gesellschaft als ״anders“ und ״nicht-normal“ wahrgenommen. Die Begriffe ״Normal“ und ״Abnormal“, welche häufig in diesem Zusammenhang genannt werden, werden meist als absolute Begriffe verwendet, Stehen jedoch eigentlich in wechselseitiger Beziehung zueinander (Dederich, 2007, S.139). Wenn man das Wort ״Normal“ nutzt, muss es ohne weiteres einen Kontrast, also das ״Abnormale“ aufweisen können. Als Normalität versteht man das Naturgemäße, das von der Gesellschaft, in der man lebt, am häufigsten abgebildete Idealbild, die durchschnittliche Veranlagung eines Lebewesens oder Gegenstandes. Als ״normal“ kann man hierbei zum Beispiel bezeichnen, dass es ״normal“ ist, zwei Ohren und zwei Augen zu haben. Unterschiede kristallisieren sich dann heraus, wenn einem etwas nicht mehr vertraut vorkommt. Exklusion fängt meiner Meinung nach nicht erst an, wenn man jemanden körperlich ausschließt und nicht teilhaben lässt, sondern schon, wenn man einen Gedanken fasst, in dem man feststellt, dass eine gewisse Person ״anders“ ist, als die vorgegebene Idealvorstellung und Durchschnittsmaße der Gesellschaft. Ich jedoch finde, dass es von großer Stärke zeigt, sich von der Gesellschaft abheben und lösen zu können. Außerdem ist es wichtig, immer man selbst zu bleiben und Andere zu akzeptieren, wie man selbst auch akzeptiert werden möchte. Diese Körperveränderungen die man auf Grund der Gesellschaft vollzieht, können auch

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Details

Seiten
7
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668686403
Dateigröße
380 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v420598
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Note
2,0
Schlagworte
Inklusion Körper Exklusion Rolle des Körpers Dekonstruktion von Behinderung Behinderung Konstruktion von Behinderung
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Titel: Die Rolle des Körpers im Kontext von Inklusion und Exklusion