Lade Inhalt...

Grundbegriff Sozialisation

Hausarbeit 2005 15 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Der Sozialisationsbegriff

3. Die Aspekte von Sozialisation
3.1. Die Soziabilisierung
3.2. Die Enkulturation
3.3. Die Individuation

4. Die Phasen der Sozialisation
4.1. Die primäre Sozialisation
4.2. Die sekundäre Sozialisation
4.3. Die tertiäre Sozialisation

5. Die Sozialisationsinstanzen
5.1. Die Familie
5.2. Die Schule
5.3. Die Peer-groups
5.4. Die Medien

6. Schlussfolgerungen

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Jeder Mensch durchläuft in seiner Biographie verschiedene Altersstufen und immer begleitet ihn dabei die Sozialisation. Wir begegnen und erleben sie nicht bewusst mit, aber sie ist da und hört nie auf. Überall im Alltag wird man mit etwas Neuem konfrontiert, man lernt stetig dazu, entwickelt sich weiter, reift und eignet sich im Laufe seines Lebens immer wieder neue Verhaltensweisen an. Dies weiß man durch Erfahrungen. Doch was ist das eigentlich ganz genau – die Sozialisation? Was passiert mit einem Menschen während des Sozialisationsprozesses? Und vor allem, wann passiert was? Wie werden wir zu einem Mitglied der Gesellschaft? Aus diesem Grund habe ich mich auch für das Thema entschieden. Es betrifft mich persönlich, interessiert mich sehr und da die Sozialisation ein lebenslanger Prozess ist, werde ich nicht ausschließlich unbewusst erlebte Prozesse wiedererkennen, sondern mir darüber hinaus noch Wissen für die Zukunft aneignen.

Das Ziel meiner Arbeit ist es, einen Überblick und eine Zusammenfassung der Thematik Sozialisation darzustellen. Allerdings erhebt die Arbeit keinen Anspruch auf eine vollständige Ausarbeitung des Themas, da die Sozialisation sehr breit gefächert und vielschichtig ist. Deswegen werde ich auch nicht während meiner Ausführungen auf die geschlechtsspezifische Sozialisation und die Sozialisationstheorien eingehen, denn dieses Thema allein bedarf einer eigenständigen Hausarbeit und würde den Umfang meiner Arbeit mehr als sprengen. Ich werde mich vor allem auf die unterschiedlichen Begriffsdefinitionen, auf die Phasen und Aspekte der Sozialisation eingehen, aber auch auf die Sozialisationsinstanzen. Dabei werde ich mich auf die Familie, die Schule, die Peer-groups und die Medien konzentrieren. Für meiner Erarbeitungen werde ich mich besonders auf Bücher von Klaus Hurrelmann, Peter Zimmermann, Hans Joas und Ludwig Helbig beziehen.

2. Der Sozialisationsbegriff

Der Sozialisationsbegriff wurde erstmals von Emile Durkheim, einem französischen Soziologen, am Anfang des 20. Jahrhunderts in die Literatur eingebracht (vgl. Gudjons 2003, S. 149). Mit diesem Begriff wollte Durkheim erklären, wie der Mensch seinen gesellschaftlichen Charakter entwickelt und natürlich auch die eigene Persönlichkeit. In der Pädagogik fand der Begriff lange Zeit keine Beachtung im Gegensatz zu anderen Wissenschaften, wie zum Beispiel der Soziologie und der Psychologie. Erst in den 60er Jahren wurde er in die pädagogische Diskussion eingeführt und gewann große Bedeutung (vgl. Gudjons 2003, S. 149f.). Im Laufe der Zeit ändere sich aber die Bedeutung des Sozialisationsbegriffes und heutzutage gibt es sehr viele verschiedene Definitionen. „Sozialisation ist ein meist präreflexiv ablaufender Prozess, bei dem über Interaktionsbezüge bestimmte, für soziales handeln notwendig erforderte Verhaltensweisen bzw. Einstellungen erworben werden“ (Kaiser, Kaiser 2001, S. 153). Eine weitere Definition lautet: „[Sozialisation ist ein] Prozeß, in dem der Mensch in die ihn umgebene Gesellschaft und Kultur hineinwächst und zu einem gesellschaftlich handlungsfähigen Subjekt wird“ (Peuckert. In: Schäfers 2001, S. 321; Einfügung: J.H.). Beide Autoren stimmen inhaltlich mit ihrer Meinung überein, denn beide behaupten, dass man während der Sozialisation sich etwas aneignet und sich weiterentwickelt. Bei Kaiser und Kaiser steht jedoch die Aneignung von sozialem Handeln im Vordergrund und bei Peuckert die Vergesellschaftung. Eine Zusammenfassung des Sozialisationsbegriffes gibt Klaus Hurrelmann mit seiner Definition zu dieser Thematik:

Sozialisation bezeichnet [...] den Prozess, in dessen Verlauf sich der mit einer biologischen Ausstattung versehene menschliche Organismus zu einer sozial handlungsfähigen Persönlichkeit bildet, die sich über den Lebenslauf hinweg in Auseinandersetzung mit den natürlichen Anlagen, insbesondere den körperlichen und psychischen Grundmerkmalen, die für den Mensch die „innere Realität“ bilden, und der sozialen und physikalischen Umwelt, die für den Menschen die „äußere Realität“ bilden (Hurrelmann 2002, S. 15f.; Auslassung: J.H.).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Sozialisation der Erwerb von bestimmten Verhaltensweisen, Normen und Werten beinhaltet, die für das Leben des Menschen in einer bestimmten Gesellschaft notwendig sind. Diese werden von Generation zu Generation weitergegeben. Ein weiterer Schwerpunkt der Sozialisation ist, das Verstehen der Umwelt zu erlernen und sich sein eigenes Leben zu gestalten. Dabei ist es auch wichtig eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. „Persönlichkeit ist als spezifisches Gefüge von Merkmalen, Eigenschaften, Einstellungen und Handlungskompetenzen, das einen einzelnen Mensch kennzeichnet, zu verstehen. Zur Persönlichkeit eines Menschen gehören von außen beobachtbare Verhaltensweisen, Werthaltungen, Wissen, Sprache wie auch innere Prozesse und Zustände, Gefühle und Motivationen“ (Zimmermann 2000, S. 17). Wichtig hinzuzufügen ist, das die Sozialisation ein lebenslanger Prozess ist, der beispielsweise nicht abrupt nach der Jugendphase aufhört (vgl. Helbig 1993, S. 9). Jeder Mensch entwickelt sich stetig weiter und lernt neue Dinge dazu.

Das Verständnis des Sozialisationsbegriffes in der Erziehungswissenschaft lässt sich mit dem Verständnis dieses Begriffes in der Soziologie vergleichen. In dieser Wissenschaft wird Sozialisation wie folgt definiert: „ Durch die Sozialisation entwickeln die Menschen spezifische Fähigkeiten zum sozialen Handeln. [...] Durch die Sozialisation werden auch die spezifischen Merkmale von Individuen geformt, weil sie nicht nur ein Aneignungsprozess ist, sondern auch ein Prozess der Identitätsbildung“ (Joas 2003, S. 124; Auslassung: J.H.). Durch diese Definition wird deutlich, dass das Verständnis des Sozialisationsbegriffes in den beiden Wissenschaften inhaltlich übereinstimmt. Sowohl in der Soziologie als auch in der Pädagogik spricht man von dem Erlernen sozialen Handelns sowie von einer Identitäts- bzw. Persönlichkeitsbildung. Da es in der Erziehungswissenschaft sehr viele verschiedene Definitionen von Sozialisation gibt, kann man davon ausgehen, dass dies in der Soziologie ebenfalls der Fall sein wird. Es wird immer unterschiedliche Definitionen mit anderen Schwerpunkten und kleinen Differenzen bezüglich des Inhalts geben.

3. Die Aspekte von Sozialisation

3.1. Die Soziabilisierung

Für das Gelingen bzw. Misslingen von Sozialisation sind insbesondere die Altersstufen Kindheit und das Jugendalter von großer Bedeutung. Man kann in der Sozialisation drei Aspekte unterscheiden, und zwar die Soziabilisierung, die Enkulturation und die Individuation (vgl. Helbig 1993, S. 9).

„Soziabilisierung ist Voraussetzung, da dadurch die Sozialisation in allen ihren Aspekten überhaupt möglich wird“ (Helbig 1993, S. 10). Dieser erste Aspekt bezieht sich auf das erste Lebensjahr „und bezeichnet die sich vollziehende (oder vernachlässigte) emotionale Fundierung des Säuglings“ (Helbig 1993, S. 10). Ein Neugeborenes ist zunächst hilflos und benötigt Zuwendung. Diese Zuwendung bekommt es meist durch die Mutter, Eltern oder andere Dauerpflegepersonen, indem man dem Säugling Nahrung gibt, aber auch Liebe und Zärtlichkeiten sowie ihm andere Bedürfnisse erfüllt. Während der Soziabilisierung wird ein sogenanntes „Weltvertrauen“ bzw. „Urvertrauen“ von dem Kind hergestellt. Diese Art Vertrauen umschreibt das Verhältnis des Kindes zu den Eltern, also den Bezugspersonen, und damit auch zu anderen Personen sowie zu der Umwelt. Wenn dieses Vertrauen nicht hergestellt werden konnte, fehlt die emotionale Fundierung des Kindes und somit kann es nicht sozial handeln (vgl. Helbig 1993, S. 10). Es können Entwicklungsstörungen auftreten „wie übermäßige Angst (Trennungsängste), Aggressivität, Pessimismus, Unfähigkeit zur vertieften Sozialbeziehung und intensives Abhängigkeits- und Dominanzstreben“ (Huppertz, Schinzler 1988, S. 228).

[...]

Details

Seiten
15
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638402187
ISBN (Buch)
9783640863273
Dateigröße
564 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v42106
Institution / Hochschule
University of Sheffield
Note
1,3
Schlagworte
Grundbegriff Sozialisation Tutorium Vorlesung

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Grundbegriff Sozialisation