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Eine Untersuchung des Einflusses von Mobbing auf den subjektiven Gesundheitszustand mittels Methoden der Strukturgleichungsmodellierung (AMOS)

Hausarbeit 2017 33 Seiten

Soziologie - Methodologie und Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Betrachtung des Untersuchungsgegenstandes

2.1. Zentrale Begriffe

2.1.1. Mobbing

2.1.2. Subjektive Gesundheit

2.2. Theoretisches Modell: Mobbing als Einflussfaktor auf die

subjektive Gesundheit

2.2.1. Einfluss von Mobbing auf die subjektive Gesundheit

2.2.2. Begründete Auswahl der Kontrollvariablen

2.2.3. Hypothesen

2.2.4. Theoretische Modellübersicht

3. Empirisch-statistische Betrachtung des Untersuchungsgegenstandes

3.1. Datengrundlage, Stichprobe und Vorgehensweise

3.2. Operationalisierung und Variablen

3.3. Strukturgleichungsmodell

3.4. Konfirmatorische Faktoranalyse

3.5. Überprüfung des Kausalmodells

4. Fazit und kritische Betrachtung

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: Theoretische Modellübersicht

Abbildung 2: Strukturgleichungsmodell

Abbildung 3: körperliches, geistiges und soziales Wohlbefinden

als Faktoren erster Ordnung (CFA)

Abbildung 4: subjektive Gesundheit als Faktor zweiter Ordnung (CFA)

Abbildung 5: Kausalmodell

Einfluss von Mobbing auf subjektive Gesundheit

Abbildung 6: Kausalmodell

Einfluss von Mobbing auf subjektive Gesundheit mit Kontrollvariablen

1. Einleitung

Nachdem in den achtziger Jahren insbesondere in den skandinavischen Ländern erste Untersuchungen zu sozialen Konflikten am Arbeitsplatz (u.a. Mobbing) durchgeführt wurden, führten die Ergebnisse der Studien auch in der Bundesrepublik Deutschland zu einer großen Resonanz (vgl. Merk 2014: S. I). 2002 wurde im Rahmen einer Repräsentativstudie eine Mobbingquote von 2,7% der erwerbstätigen Personen, also circa 1.000.000 Personen, identifiziert (vgl. Meschkutat et al. 2002: S. 23ff.). Das Statistische Bundesamt ermittelte 2012 eine leicht erhöhte Mobbingquote von 5% und prognostiziert einen weiteren Anstieg von Mobbing im Unternehmenskontext (vgl. Körner et al. 2012: S. 63). Dass das Thema Mobbing heute immer noch ein sehr aktuelles Thema ist, liegt nicht nur an der zunehmenden Verschärfung von Leistungsdruck und Konkurrenz in der Unternehmenswelt (vgl. Resch 1997:

S. 3), sondern zudem an den gesundheitlichen Folgen der Betroffenen sowie den Auswirkungen für Wirtschaft und Gesellschaft (vgl. Merk 2014: S. If.).

In dieser Arbeit wird die Frage behandelt, welchen Einfluss Mobbing auf den subjektiven Gesundheitszustand hat.

Die vorliegende Forschungsarbeit besteht aus zwei übergeordneten Kapiteln, einer theoretischen Betrachtung (Kapitel 2) und einer empirisch-statistischen Betrachtung (Kapitel

3). Nachdem zu Beginn der theoretischen Betrachtung die definitorischen Grundlagen von Mobbing und dem subjektiven Gesundheitszustand herausgearbeitet und diskutiert wurden, wird im Folgenden die Einflussbeziehung von Mobbing auf den subjektiven Gesundheitszustand analysiert. Anhand der Analyse der Einflussbeziehung werden die Kontrollvariablen, die Hypothese und das theoretische Modell abgeleitet.

Im zweiten Teil der Forschungsarbeit (empirisch-statistische Betrachtung) werden zuerst die Datengrundlage, Stichprobe und die Vorgehensweise beziehungsweise Methodik der Analyse vorgestellt, ehe die Operationalisierung der Variablen erläutert wird. Anschließend wird das statistische Modell visuell dargestellt, welches als Grundlage für die Strukturgleichungsmodellierung mit IBM SPSS Amos herangezogen wird. Mit einer konfirmatorischen Faktoranalyse wird das latente Konstrukt von subjektiver Gesundheit getestet. In Kapitel 3.5 kann durch Darstellung des kausalen Effektes von Mobbing auf den subjektiven Gesundheitszustand und durch Diskussion der empirischen Ergebnisse überprüft werden, inwiefern die Hypothesen durch die Schätzung bestätigt oder widerlegt werden können. Im Fazit wird ein zusammenfassender Überblick gegeben und die Forschungsarbeit kritisch betrachtet.

2. Theoretische Betrachtung des Untersuchungsgegenstandes

Die theoretische Betrachtung des Untersuchungsgegenstandes gliedert sich in zwei übergeordnete Teile. Der erste Teil beschäftigt sich mit den definitorischen Grundlagen von Mobbing und subjektiver Gesundheit. Im zweiten Teil wird das theoretische Modell fokussiert und in diesem Kontext zunächst der Einfluss von Mobbing auf die subjektive Gesundheit betrachtet, wonach eine begründete Auswahl der Kontrollvariablen für das Modell stattfindet. Daraufhin werden die Hypothesen und die abschließende Modellübersicht der theoretischen Betrachtung dargestellt.

2.1 Zentrale Begriffe

Die präzise Definition eines Untersuchungsgegenstandes ist als fundamentales Element für dessen Messung notwendig, weshalb einer genauen Klärung der Begrifflichkeiten eine wichtige Bedeutung zukommt. Folglich muss im ersten Schritt eine Abgrenzung und Definition der wichtigsten Begrifflichkeiten erfolgen, um den Untersuchungsgegenstand angemessen erfassen zu können. Im Folgenden wird ein Überblick über die aktuellen theoretischen Diskussionen und definitorischen Grundlagen von Mobbing und subjektiver Gesundheit gegeben.

2.1.1 Mobbing

In der Literatur wird Mobbing nicht einheitlich und eindeutig definiert. Es findet sich eine Fülle von Definitionsansätzen, welche zwar zentrale Gemeinsamkeiten aufweisen, allerdings insbesondere in Bezug auf die zeitliche Dauer von Mobbinghandlungen variieren. Nach einer sehr allgemeinen Definition aus dem Jahr 1993 von Heinz Leymann, wird der Begriff Mobbing beschrieben als „[…] negativ kommunikative Handlungen, die gegen eine Person gerichtet sind (von einer oder mehreren anderen) und die sehr oft und über einen längeren Zeitraum hinaus vorkommen und damit die Beziehung zwischen Täter und Opfer kennzeichnen.“ (Leymann 2009: S. 14). Die wesentlichen Merkmale von Mobbing sind für ihn Konfrontation, Belästigung, eine Missachtung der Persönlichkeit des Opfers und die Häufigkeit der Angriffe (vgl. ebd.: S. 14f.). Eine Spezifikation der Definition wird von Leymann im Rahmen einer statistischen Untersuchung vorgenommen: „Mobbing ist dann gegeben, wenn eine oder mehrere von 45 genau beschrieben Handlungen1 über ein halbes Jahr oder länger, mindestens einmal pro Woche vorkommen.“ (ebd.: S. 15). Niedl erweitert die Definition von Leymann um eine asymmetrische Rollenverteilung: „Unter Mobbing am Arbeitsplatz werden Handlungen einer Gruppe oder eines Individuums verstanden, denen von einer Person, die diese Handlungen als gegen sie gerichtet wahrnimmt, ein feindseliger, demütigender oder einschüchternder Charakter zugeschrieben wird. Die Handlungen müssen häufig auftreten und über einen längeren Zeitraum andauern. Die betroffene Person muss sich zudem aufgrund wahrgenommener sozialer, ökonomischer, physischer oder psychischer Charakteristika außerstande sehen, sich zu wehren oder dieser Situation zu entkommen.“ (Niedl 1995: S. 23). Die vom Landesarbeitsgericht (LAG) Thüringen im Jahr 2001 entwickelte und insbesondere in der Unternehmenspraxis relevante Definition von Mobbing geht davon aus, dass über einen längeren Zeitraum hinweg, systematische feindselige Handlungen wie beispielsweise Anfeindungen, Diskriminierung oder Schikanieren zentrale Kriterien für Mobbing sind. Zudem müssen feindselige Handlungen den Tatbestand der Rechtswidrigkeit erfüllen, um in Zusammenhang mit Mobbing zu stehen. So ist beispielsweise eine harte aber sachliche Kritik an den Arbeitsleistungen kein Bestandteil von Mobbing, da der Tatbestand der Rechtswidrigkeit nicht gegeben ist (vgl. Landesarbeitsgericht 5 Sa 403/00). Insbesondere dieser Aspekt grenzt den Mobbingbegriff des Landesarbeitsgerichtes von den vorherigen Definitionen ab, da auch eine häufige, harte und sachliche Kritik nach Leymann und Niedl als feindselige Handlung verstanden werden kann.

Hinsichtlich der Wahrnehmung von Mobbing durch das Opfer ist insbesondere die subjektive Wahrnehmung der Betroffenen essentiell. Dies bezieht sich sowohl auf die Interpretation von Mobbinghandlungen, als auch auf die Dauer und Häufigkeit dieser Handlungen. Dementsprechend kann Mobbing nicht von einer Mindestdauer oder Häufigkeit der Handlungen abhängig gemacht werden, da das subjektive Erleben sowie die Frustrationstoleranz des Individuums zu einer unterschiedlichen Wahrnehmung führen. Dieser subjektive Charakter von Mobbing kann dazu führen, dass betroffene bereits nach sehr kurzer Zeit Mobbing als solches in hoher Intensität wahrnehmen (vgl. Merk 2014: S. 3f.). Im Kontext dieser Arbeit wird auf die Definition von Niedl zurückgegriffen. Da die Intensität von Mobbing unterschiedlich erlebt wird und von Niedl der Zeitraum nicht eindeutig spezifiziert wird, muss bezüglich der zeitlichen Dimension die subjektive Wahrnehmung berücksichtigt werden.

2.1.2 Subjektive Gesundheit

Wenn man den Begriff Gesundheit näher betrachtet, so lässt sich schnell feststellen, dass dieser scheinbar so eindeutige Begriff, aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet, ein hohes Maß an Untersuchungsspielraum bereitstellt. Natürlich ist es naheliegend, bei der Betrachtung von Gesundheit zuallererst einen medizinischen Blickwinkel einzunehmen. Ein Krankheitsmodell aus der Biomedizin versteht unter Gesundheit die „[…] Abwesenheit von Krankheit, genauer genommen [die] Abwesenheit von Erregern, Abweichungen von Normwerten und messbaren Fehlfunktionen […]“ (Vonneilich 2016: S. 45). Gemäß dieser Definition wird Gesundheit verstanden als ein Normwert, welcher sich durch Krankheit zu einem negativen Zustand verändert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterstützt zwar diese Auffassung, nimmt jedoch zudem eine Ergänzung vor. Sie versteht Gesundheit als einen „[…] Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen“ (WHO 2014: S. 1). Vor allem diese Auffassung entspricht dem sehr positiven gesellschaftlichen Verständnis von Gesundheit. Die Definition der WHO enthält jedoch einige Elemente, welche nicht ohne weiteres zu erfassen sind. So stellt eine der zentralen Herausforderungen dieser Ausarbeitung die Erfassung des körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens dar, da es sich dabei um überaus subjektive Zustände handelt.

Aus der Perspektive eines Mediziners stellt der subjektiv empfundene Gesundheitszustand einen ebenso wichtigen Untersuchungsgegenstand dar, wie dessen objektive physiologische Untersuchung. Denn „[…] ein medizinischer, psychologischer oder sprachtherapeutischer Befund - muss keineswegs mit dem Befinden der Betroffenen, mit ihrem subjektiv Erlebten übereinstimmen“ (Franke 2012: S. 25).

„Subjektive Vorstellungen hängen von den allgemeinen und konkreten Umständen ab, unter denen sie zum Thema werden, wobei Geschlecht, Alter und Gesundheitszustand besonders zentrale Einflussfaktoren sind.“ (Flick 1998: S. 8).

Unter dem Themenschwerpunkt „Laienverständnis von Gesundheit“ betrachtete Claudine Herzlich unterschiedliche Bereiche von subjektiver Gesundheit und bildete drei Dimensionen, welche bei genauerer Betrachtung sehr gut mit den einzelnen Bestandteilen der WHO- Definition in Verbindung gebracht werden können. Die „negative Dimension“ von Gesundheit wird verstanden als die Abwesenheit von Beschwerden und Krankheiten. Dies deckt sich recht eindeutig mit dem zweiten Teil der Auffassung der Weltgesundheitsorganisation. Unter der „funktionalen Dimension“ versteht Herzlich die Möglichkeit, den alltäglichen Handlungsanforderungen ohne physische oder psychische Einschränkungen gerecht werden zu können. Übertragen auf die Definition der WHO entsprechen die beschriebenen nicht vorhandenen physischen und psychischen Beschwerden dem körperlichen und geistigen Wohlbefinden. Abschließend bildet Herzlich die „positive Dimension“, welche sich, entgegen der beiden vorherigen Dimensionen nicht mit der Möglichkeit von negativen Einflüssen beschäftigt, sondern durch Gesundheit die Begünstigung von positiven Zuständen wie Lebensfreude, Fitness und Wohlbefinden betrachtet (vgl. Mueller/Heinzel-Gutenbrunner 2001:

S. 9). Vor allem die Determinante Wohlbefinden entspricht der Auffassung der WHODefinition nach welcher von körperlichem, geistigem und sozialem Wohlbefinden gesprochen wird. Herzlichs Modell konnte im Rahmen einer Befragung der Cambridge Universität mit etwa 9000 Befragten gestützt werden (vgl. ebd.: S. 9).

Angelehnt an die vorangegangene Argumentation, wird subjektive Gesundheit im Rahmen dieser Hausarbeit als latentes Konstrukt gebildet, welches sich aus den Kategorien körperliches, geistiges und soziales Wohlbefinden sowie der Abwesenheit von Gebrechen und Krankheiten zusammensetzt.

2.2 Theoretisches Modell: Mobbing als Einflussfaktor auf die subjektive Gesundheit

Die Auseinandersetzung des Menschen mit seiner Arbeitsumwelt und in diesem Kontext auch das mögliche Auftreten von sozialen Konflikten am Arbeitsplatz ist seit vielen Jahren ein häufig diskutiertes Thema in Forschung, Gesellschaft und Politik. Der Begriff Mobbing, erstmals in den achtziger Jahren in den skandinavischen Ländern untersucht und ab den neunziger Jahren auch in Deutschland von großem Forschungsinteresse geprägt, ist inzwischen zu einem in der Öffentlichkeit sehr bekannten Schlagwort geworden (vgl. Merk 2014: S. 1f). Im Zentrum der „Mobbingforschung“ stehen zumeist die Folgen für die betroffene Person und in diesem Zusammenhang der Einfluss von Mobbing auf die Gesundheit. Dabei wird häufig ein ursächlicher Kausaleffekt von Mobbing auf auftretende Stressreaktionen sowie damit verbundene Krankheitsbilder postuliert (vgl. ebd.: S. 26-36; vgl. Niedl 1995: S. 59-62; vgl. Meschkutat et al. 2002: S. 67-81). Es stellt sich die Frage, ob und inwiefern Mobbing am Arbeitsplatz einen Einfluss auf die subjektive Gesundheit von Betroffenen nimmt.

2.2.1 Einfluss von Mobbing auf die subjektive Gesundheit

In der Fachliteratur lassen sich zahlreiche Indizien dafür finden, dass Mobbing einen erheblichen Einfluss auf das subjektive Gesundheitsempfinden hat (u.a. Leymann 1993, Niedl 1995, Resch 1997, Zapf 1999, Meschkutat 2002, Merk 2014). Wie in Kapitel 2.1.2 beschrieben wurde, soll dieses vor allem durch die Dimensionen körperliches, geistiges und soziales Wohlbefinden sowie die Abwesenheit von Gebrechen und Krankheiten dargestellt werden. Somit soll auch der Einfluss von Mobbing auf diese Dimensionen zunächst theoretisch im Einzelnen betrachtet werden.

Die während eines Mobbingprozesses wahrgenommene Belastung für die Betroffenen besteht darin, dass ein eskalierendes und dynamisches Geschehen als nicht abwendbar wahrgenommen wird und dadurch über einen längeren Zeitraum ein Stressor auf die Betroffenen wirkt. Eine solche Stressreaktion wird nach dem transaktionalen Stressmodell von Lazarus und Launier auf eine Wechselwirkung zwischen betroffener Person und Umwelt sowie einen Rückkopplungsprozess zurückgeführt. Stress wird dann erlebt, wenn die Anforderungen der Umwelt die eigenen Fähigkeiten oder Möglichkeiten übersteigen oder diese im Widerspruch zu den Erwartungen des sozialen Umfeldes stehen. Personen welche unter Mobbing leiden, fühlen sich häufig nicht in der Lage, sich dem Mobbingprozess zu entziehen und verfügen dementsprechend in ihrer Wahrnehmung nicht über die notwendigen Fähigkeiten oder Möglichkeiten beziehungsweise Ressourcen, den Mobbingprozess abzuwenden (vgl. Merk 2014: S. 26f.). Die daraus resultierende Stressreaktion wird als Ursache für eine Vielzahl auftretender Krankheitsbilder herangezogen. Verstärkt wird der Effekt zusätzlich dadurch, dass im Verlauf eines Mobbingprozesses immer wieder neue und sich wiederholende Stressreize in Form von Mobbinghandlungen auftreten. Da sich die betroffene Person gedanklich mit der Stresssituation beschäftigt und sich damit die verletzenden und demütigenden Situationen immer wieder vor Augen führt, fällt es dem Betroffenen schwer sich zu erholen. Der daraus resultierende Eskalationskreislauf versetzt den Körper in einen permanenten Alarmzustand, weshalb der menschliche Organismus durch die Aktivierung des vegetativen Nervensystems und die Ausschüttung von Stresshormonen auf die Belastung reagiert (vgl. ebd.: S. 26-29).

Durch Mobbing über einen längeren Zeitraum können sogenannte psychosomatische Krankheiten auftreten, welche sich vor allem als Stressreaktionen in Form körperlicher Symptome äußern. Diese können sich von Kopfschmerzen und Übelkeit, über Schlafstörungen und Appetitlosigkeit, bis zu Atembeschwerden und Herz-, Kreislauferkrankungen erstrecken (vgl. Resch 1997: S. 9f.).

Des Weiteren können im Zusammenhang mit Mobbing einige psychische Funktionsstörungen wie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Hypersensibilität, Ängste oder Depression auftreten (vgl. Meschkutat et al. 2002: S. 79; vgl. Resch 1997: S. 14ff.) „[Diese] körperlichen und psychischen Beschwerden wirken sich stark auf die Kommunikation und die Interaktionen innerhalb der beruflichen Sphäre wie auch im privaten Bereich aus, da der Betroffene seine Ängste auf seine Umgebung überträgt und sein Selbstwertgefühl stark in Mitleidenschaft gezogen ist“ (Merk 2014: S. 34). Durch ein überempfindliches Verhalten gegenüber sozialen Kontakten oder Passivität durch Depression kann das soziale Wohlbefinden nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch im Privatleben beeinträchtigt werden. Somit lassen sich auf allen betrachteten Dimensionen negative Auswirkungen beobachten.

2.2.2 Begründete Auswahl der Kontrollvariablen

Um die reine Einflussstärke von Mobbing auf den subjektiven Gesundheitszustand zu erfassen, soll durch Integration von ausgewählten Kontrollvariablen in das Modell der kausale Effekt von Mobbing auf den subjektiv empfundenen Gesundheitszustand bereinigt werden (vgl. Urban/Mayerl 2011: S. 81f). Die Auswahl der Kontrollvariablen basiert auf der in Kapitel 2.1.2 dargestellten Gesundheitsdefinition der WHO. Deshalb sollen Kontrollvariablen verwendet werden, welche auf die zentralen Dimensionen von subjektiver Gesundheit (körperliches, geistiges und soziales Wohlbefinden) wirken.

Als arbeitsrelevanter Zeit- und Leistungsdruck wird das individuelle Erleben von hohen Anforderungen am Arbeitsplatz im Zusammenwirken mit möglichen Beeinträchtigungen verstanden (vgl. Handrich et al. 2015: S. 7). Nach Leymann zeigt sich dies entweder in einem quantitativen oder in einem qualitativen Zuwachs von Arbeit (vgl. Resch 1997: S. 7f). Aufgrund dieser Arbeitsverdichtung entsteht Zeit- und Leistungsdruck, welcher mit einer hohen Belastung (Stress) für die Gesundheit einhergeht. Bezogen auf das geistige Wohlbefinden wird Zeit- und Leistungsdruck als Kontrollvariable in das Modell aufgenommen.

Die Befürchtung in naher Zukunft arbeitslos zu werden löst eine chronische Stressreaktion aus, führt im persönlichen Umfeld zu sozialen Spannungen und geht häufig mit einem wahrgenommenen Mangel an sozialer Anerkennung einher (vgl. Albani et al. 2008: S. 14ff.). Aus diesem Grund soll die Befürchtung arbeitslos zu werden als eine weitere Kontrollvariable für das psychische und das soziale Wohlbefinden in das Modell integriert werden.

Stressreaktion im Kontext der Arbeit führen zu starken Belastungen und damit zu einer Beeinträchtigung des Gesundheitsempfindens. Durch Bewältigungsstrategien (Coping) versuchen Betroffene dem Stress entgegenzuwirken. Diese Bewältigungsstrategien zeichnen sich durch einen erhöhten Konsum von Zigaretten, Alkohol oder koffeinhaltigen Getränken (u.a. Kaffee und Energiegetränke) aus, wodurch der Gesundheitszustand negativ beeinflusst wird (vgl. Müller-Seitz 1991: S. 25; vgl. Dahlgren/Whitehead 1991: S. 11). Speziell Rauchen als gesundheitsschädliches Verhalten (vgl. Adams et al. 2011: S. v) soll im Kontext dieser Arbeit als Kontrollvariable für das körperliche Wohlbefinden aufgenommen werden.

2.2.3 Hypothesen

Angelehnt an die im vorangegangenen Textverlauf erarbeiteten theoretischen Grundlagen, soll im nächsten Schritt die Hypothese formuliert werden. Diese betrachtet den erwarteten kausalen Effekt von Mobbing am Arbeitsplatz, auf den subjektiv empfundenen Gesundheitszustand.

H1: Wenn eine erwerbstätige Person am Arbeitsplatz gemobbt wird, dann verschlechtert sich deren subjektiver Gesundheitszustand.

2.2.4 Theoretische Modellübersicht

Ausgehend von den bislang erworbenen Erkenntnissen kann das folgende theoretische Modell gebildet werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Theoretische Modellübersicht

3. Empirisch-statistische Betrachtung des Untersuchungsgegenstandes

Auf Grundlage der theoretischen Betrachtung des Untersuchungsgegenstandes kann im Folgenden durch eine empirisch-statistische Analyse des postulierten Einflusses von Mobbing auf die subjektive Gesundheit die in Kapitel 2.2.3 formulierte Hypothese überprüft werden. Dazu werden zunächst die Stichprobe, die Datengrundlage und die Methode vorgestellt. Anschließend wird die Operationalisierung der Variablen beleuchtet. Danach wird das endgültige statistische Modell illustriert und es erfolgt die Darstellung und Diskussion der empirischen Ergebnisse.

3.1 Datengrundlage, Stichprobe und Vorgehensweise

Das nachfolgende Kapitel veranschaulicht zunächst die verwendete Datengrundlage sowie die Stichprobe des zugrundeliegenden Datensatzes und stellt anschließend die Herangehensweise der Untersuchung vor. Die der Untersuchung zugrundeliegenden Daten stammen aus der allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) aus dem Jahr 2014. Der ALLBUS wird bereits seit dem Jahr 1980 alle zwei Jahre erhoben, wobei das Fragenprogramm zum Teil auf konstanten und zum Teil auf variierenden Fragen beruht. Thematisiert werden einstellungs- und verhaltensbezogene Elemente sowie Fragen des sozialen Wandels in Deutschland (Wasmer et. al. 2014: S. 6).

[...]


1 Siehe Anhang 1: 45 Mobbinghandlungen nach Leymann.

Details

Seiten
33
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668688568
ISBN (Buch)
9783668688575
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v421158
Institution / Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern
Note
1,3
Schlagworte
AMOS Strukturgleichungsmodellierung Mobbing Gesundheit Subjektive Gesundheit

Autor

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