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Das Selbstporträt und das Phänomen Selfie. Geschichtlicher Hintergrund, Anfertigungsgründe und Konsequenzen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2017 34 Seiten

Kunst - Fotografie und Film

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Vorwort

II. Hauptteil
1. Das Selbstporträt
1.1 Begriffliche Definition
1.2 Die Geschichte des Selbstporträts
2. Das Selfie
2.1 Begriffliche Definition und Merkmale
2.2 Vom Selbstporträt zum Selfie
3. Das Selfie: Erscheinungsform des Selbstporträts oder neues Genre?
3. Psychologische & soziologische Gründe für die Anfertigung
4. Konsequenzen der medialen Selbstvisualisierung: Identitätsarbeit

III. Schlusswort

IV. Quellenverzeichnis
1. Literaturverzeichnis
2. Verzeichnis der Quellen aus dem Internet
3. Abbildungsverzeichnis

I. Vorwort

Das Phänomen Selfie geht derzeit als viraler Trend um die ganze Welt. Jugendliche, junggebliebene Erwachsene oder sogar die Großmutter von nebenan - es gibt kaum jemanden, der nicht bei einer passenden Gelegenheit sein Smartphone zückt um eine Selbstfotografie herzustellen und diese wiederum im Anschluss in den sozialen Netzwerken mit Freunden und Bekannten zu teilen. Sogar öffentliche Personen wie Politiker oder Hollywoodstars haben dieses Medium für sich entdeckt und gewähren mit ihren Bildern den Fans und Followern über Facebook, Instagram und Co. vermeintlich authentische Einblicke in ihr Privatleben. Die meisten Berühmtheiten teilen ihr Leben aber nicht aus Dankbarkeit ihren Fans gegenüber, sondern schlichtweg zur Selbstvermarktung.

Aber woher kommt das Selfie überhaupt? Ist es eine komplett neue Erscheinung – gar eine neue Kunstgattung? Oder ist es eine folgerichtige Weiterentwicklung des Selbstporträts? Was macht den Reiz und somit die Popularität der Selbstbildnisse aus? Und welche Veränderungen ergeben sich durch den Trend in uns selbst, in unserer Welt- und Selbstsicht?

Die vorliegende Arbeit liefert mögliche Antworten auf diese Fragen.

Um dem Wandel der verschiedenen Intensionen zur Herstellung von Selbstbildnissen auf den Grund zu gehen, wird zuerst die Geschichte des Selbstporträts selbst von der antiken Kultur bis in das hier und jetzt beleuchtet. Darauffolgend wird die Entwicklung des Selfies seit Anbeginn der Fotografie verglichen mit kunsthistorischen Selbstporträts.

Um die Ausmaße des Selfie Hypes besser zu verstehen und die Beliebtheit von Selbstporträts nachvollziehen zu können, werden im Anschluss psychologische und soziologische Gründe für die Anfertigung von Selbstbildnissen ausgeführt. Abschließend werden die Konsequenzen dieses Trends für die Identitätsarbeit veranschaulicht.

II. Hauptteil

1. Das Selbstporträt

1.1 Begriffliche Definition

Mit einem Bildnis ist die „individuelle Darstellung eines Menschen auf einem Bild durch einen Künstler“ gemeint, wobei der Maler dabei versucht Wesenszüge und Charaktereigenschaften im Bild festzuhalten.[1]

Das Selbstbildnis oder auch Selbstporträt, als besondere Art des Porträts, ist eine „[...]Selbstdarstellung der Physiognomie eines bildenden Künstlers mit den Mitteln der Malerei, Grafik, Plastik oder Fotografie.“[2] Gerade das Künstlerselbstporträt spiegelt dessen Selbsteinschätzung und sein Verhältnis zur Gesellschaft wieder.

1.2 Die Geschichte des Selbstporträts

Je nach Künstler variieren Bedeutung und Motivation für die Gestaltung eines Selbstbildnisses und lassen sich zudem von historischen Zusammenhängen leiten. Der folgende historische Überblick soll exemplarisch Meilensteine in der Entwicklung des Selbstporträts beleuchten sowie später die Verbindung von Selbstbildnis und Selfie nachvollziehbar machen.

Die antike Kultur und das Mittelalter

Zu diesem Zeitpunkt der Geschichte, muss von einer Kunstgattung - also dem (Selbst-) Porträt - gesprochen werden, die als solche noch nicht existierte. Das Abbild eines Menschen hatte in der Antike eine völlig andere Funktion als in späteren Kunstepochen.

In der Antike und im Mittelalter wurde die handwerkliche Arbeit zwar angesehen, dekkoch wurden den bildenden Künstlern in den westlichen (also den griechisch-lateinischen) sowie in den orientalischen Kulturen nur eine sekundäre Rolle zugestanden. Selbst der griechische Philosoph Platon war der Meinung, die Malerei würde „[...] niemals an die geistigen Fähigkeiten des Dichters oder des Musikers heranreichen“.[3] Nichtsdestotrotz gibt es in diesen Kulturen schon Künstler die sich selbst porträtierten, wenn daraus auch nie selbständige Bilder entstanden. Dies bedeutet, dass die antiken Kunsthandwerker auch schon das Bedürfnis hatten sich dauerhaft zu verewigen und mithilfe ihrer Selbstbildnisse in Erinnerung bleiben wollten.[4] War es den antiken Künstlern also schon wichtig, mit ihren Selbstporträts ein Denkmal ihrer äußeren Erscheinung zu hinterlassen? Wohl eher nicht. Die griechischen Künstler entwickelten zwar die Fähigkeit, den menschlichen Körper perfekt anatomisch abzubilden, allerdings „frei von allen zufälligen individuellen Mängeln und Unregelmäßigkeiten, sowie ohne persönliche Eigenheiten und ohne jede Übertreibung in einer möglichst großen Vollkommenheit darzustellen“.[5] Somit entsteht das nicht individualisierte „Idealbild“.[6] Was aber war nun die Intension der Künstler für diese Selbstbildnisse? Man kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass die Nachbildung der eigenen Person die gleiche Funktion wie die namentliche Signatur erfüllte. Diese wurden allerdings selten ausgeführt und falls doch, stellte sie ein Markenzeichen dar, da es zwischen den Werkstätten starke Qualitätsunterschiede gab.[7]

Dennoch gehen auf griechische Künstler die ersten naturnahen Selbstporträts zurück. Als Besonderheit gilt das bis dato einzige wirklichkeitsgetreue Selbstporträt des Bildhauers Phidias: Er soll sich auf einem Schild abgebildet und dieses wiederum in die Hände einer selbstgehauenen Athenastatue beigefügt haben.[8]

Die römische Kunstepoche war zwar von ägyptischen und römischen Einflüssen geprägt, entwickelte aber das Bedürfnis, die porträtierte Person in der Plastik naturgetreu und exakt wiederzugeben.[9]

Durch die christliche Lehre des Mittelalters wurde das soziale Ansehen der Künstler noch niedriger, da die Vorstellung vorherrschte, „[...] die figürliche Kunst sei von Natur aus unvollkommen und trügerisch, da sie die Wirklichkeit nachahme [...].“[10] Somit vollzog sich von der spätrömischen zur frühchristlichen Kunst ein großer Stilwandel: Die christliche Lehre - nicht mehr der einzelne Mensch - stand im Mittelpunkt des Geschehens. Im Sinne des mittelalterlichen theozentrischen Weltbildes ist der einfache Sterbliche ist unbedeutend, wird nicht mehr porträtiert, da es als etwas Unnützes, Luxuriöses und Eigentümliches betrachtet wird. Die religiös geprägte Weltanschauung stellt Gott in den Mittelpunkt des Interesses.[11] Trotz dieser Auffassung wurden den Bildern ab dem 3. Jhdt. n. Chr. mehr Bedeutung zugestanden, da sie die Funktion erfüllten das ungebildete Volk über das Christentum zu belehren. Infolgedessen waren Künstler umso mehr daran interessiert, ihre Arbeiten per Namenszug oder per Selbstporträt als eigenhändig zu kennzeichnen. Eine Vielzahl solcher Signaturen stammt von Schreibern und Buchmalern in illustrierten Handschriften. Das vermutlich älteste Werk stammt aus dem 8. Jhdt. und findet sich in der „Historia Ignulfi“: Hier haben sich der heilige Guthlac als Autor und seine Schwester Pega, die Malerin der Miniaturen, porträtiert. (Abb.1)[12]

Bei den meisten solcher Signaturen handelt es sich allerdings nicht um wirkliche Selbstporträts, da sich die Bilder nur durch Namen oder Inschriften einer Person zuordnen lassen, jedoch lässt sich das Bedürfnis der Identitätsbekundung erkennen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Guthlac & Pega „Historia Ignulfi“ 8. Jhdt

Die Renaissance als Geburtsstätte des realistischen Selbstporträts

Die kirchlich geprägte christliche Symbolik tritt mit dem Ende der Gotik um 1400 zurück und macht Platz für eine naturwissenschaftlich interessierte Geisteshaltung. Mit dem Humanismus wird die bewusste Darstellung der sichtbaren und naturgetreuen Welt zum künstlerischen Ziel. Das Selbstporträt der Maler entsteht, da diese sich nicht mehr als bloße Handwerker, sondern nun als selbstbewussten, allseits gebildeten Menschen begreifen und sich mit dem Selbstbildnis ein Denkmal setzen. „Kennzeichnend für das neue Weltbild in der bildenden Kunst ist das Porträt. Die dargestellten Gesichter [...] betonten das Besondere des Einzelwesens Mensch [...] die Natürlichkeit des Ausdrucks. Realismus wurde wichtig.“[13]

Auch wenn schon früher Selbstporträts bekannt sind, so beginnt die Geschichte des autonomen Selbstporträts, inklusive Initialen und biographischer Angaben auf ihren Werken, erst mit der Epoche der Renaissance.

Die ersten freien Porträts, also frei von religiösen oder monarchischen Bindungen, entstehen in Italien. Die Anwendung von Anatomie, Lichtführung, Perspektive und Farbgebung werden nun von den Künstlern perfekt beherrscht.[14]

Nach allgemeiner Auffassung gilt Albrecht Dürer (1471-1528) als einer der ersten Maler, welcher autonome Selbstbildnisse anfertigt. Während eines Italienaufenthaltes gelangt er durch die dortigen Erfahrungen zu der Überzeugung, Künstler wären ein Teil der gesellschaftlichen Elite. Folglich demonstriert er mit seinen Selbstbildnissen sein Können, nutzt diese aber auch um seine eigene Physiognomie und Persönlichkeit zu erkunden.[15]

So entsteht zu dieser Zeit das Selbstbildnis als autonome Kunstgattung und löst sich aus der Porträtmalerei. Sein „Selbstbildnis mit Pelzrock“ erhielt neben seinem Monogramm „AD“ und der Datierung selbstbewusst die Inschrift „So schuf ich, Albrecht Dürer aus Nürnberg, mich selbst mit charakteristischen Farben im Alter von 28 Jahren." (Abb.2)[16]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Albrecht Dürer „Selbstbildnis im Pelzrock“ 1500

17. Jahrhundert

Der Barock wird vom Gruppenbildnis mit seinen kirchlichen und höfischen Auftraggebern dominiert, doch auch Einzelporträts entstehen von Bürgerlichen, bei welchen die zu dieser Zeit studierte Physiognomie wiedergeben werden.

Rembrandt Harmensz van Rijn (1606-1669) ist der populärste Maler dieser Zeit und verhilft dem Selbstbildnis zu einer fast ebenbürtigen Stellung neben den anderen Gattungen. Seine bis dato nie dagewesene Vielfalt an Selbstporträts verdeutlicht, dass Rembrandt diese zu Forschungs- und Versuchszwecken genutzt haben muss: Die über 60 Selbstbildnisse in unterschiedlichen Techniken - unter anderem Malereien und Radierungen - zeigen ihn vom jungen, stolzen und wohlhabenden Mann bis zum Greis. Bei der schonungslosen Analyse seines Lebens blieb er stets realistisch und ließ nie einen körperlichen Makel aus. Es macht den Eindruck, als ob gerade das Alter mit der „verblassenden Schönheit“ für ihn den Reiz ausmacht, weil so die Gesichtszüge deutlicher werden und die Charakterzüge besser herausgearbeitet werden können.[17]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3 (Links): Rembrandt „Selbstbildnis mit Mütze, lachend“ 1630

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.4 (2. von links): Rembrandt „Selbstbildnis mit gerunzelter Stirn“ 1630

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.5 (2. von rechts): Rembrandt „Selbstbildnis mit aufgerissen Augen“ 1630

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.6 (Rechts): Rembrandt „Selbstbildnis mit offenem Mund“ 1630

So lassen sich seine Selbstbildnisse typisieren in „tronies“, also eigenständige Darstellungen von Charakterköpfen, mit welchen er verschiedene Gesichtsausdrücke studierte (Abb.3-6), und in „in assistenza“ beziehungsweise Historienbilder, in denen Rembrandt zwar deutlich identifizierbar ist, aber teilweise in unterschiedliche Rollen schlüpft und somit verschiedene Identitäten annimmt (Abb.7).[18]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.7: Rembrandt „Selbstbildnis als Apostel Paulus“ 1661 n

18. und 19. Jahrhundert

Fast jeder, der über ausreichend finanzielle Mittel verfügt, lässt sich nun porträtieren. Allerdings werden wieder Attribute wichtig, um die Persönlichkeiten in Rang und Klasse unterteilen zu können. Ein weiteres Merkmal des 18. Jahrhunderts ist das Herausarbeiten der individuellen Persönlichkeit in den Bildnissen unter anderem durch das Hervorheben markanter Gesichtsmerkmale oder typischer Gesichtsausdrücke. Der Beginn der Moderne schlägt sich auch in der Malerei des 19. Jahrhunderts nieder; insbesondere in Frankreich werden durch Künstlergruppen sehr vielfältige, neuartige Malweisen entwickelt, was sich auch in den Selbstporträts der Maler niederschlägt.[19] Das Selbst wird zunehmend hinterfragt und damit kommt nun ernsthaft die Frage auf, ob man das Selbstporträt als eigenes Bildgenre betrachten kann. Rund 250 Jahre später hat der Niederländer Vincent van Gogh (1853-1890) ein anderes Verständnis von einem Selbstporträt als sein Landsmann Rembrandt: Er hinterfragt sich nicht nur aus reiner Neugier, sondern selbstzerstörerisch und voller Zweifel. Das Malen ist für van Gogh eine Möglichkeit sich auszudrücken, genauso bedeutend wie das gesprochene Wort.

Die meisten seiner Selbstporträts entstanden in den letzten Lebensjahren und die unnatürlich hohe Anzahl lag zum Einen daran, dass er meist einen Mangel an Modellen hatte und zum Anderen an seinem akribisch genauen Selbststudium: Zwar zeigen seine Abbildungen kaum Emotionen, vermitteln dem Betrachter durch die Verwendung bestimmter Farbkontraste und Formsprache jedoch genau, in welcher Gefühlslage der Maler sich befindet. Die tiefsten Abgründe seines Innersten zeigt er wohl im „Selbstbildnis mit verbundenem Ohr“ welches ihn in seiner persönlichen wie künstlerischen Krise darstellt (Abb.8).[20]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.8: Vincent van Gogh „Selbstbildnis mit verbundenem Ohr“ 1889

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.9: Francis Bacon „Selbstporträt“ 1973

20. und 21. Jahrhundert

Die Selbsterforschung in Selbstporträts ist im 20. Jahrhundert beispiellos und es entstehen immer neue Selbstporträttypen wie Akt-Selbstporträt oder Selbstbildnisse, die persönliche Leidenschaften, Krankheit, Schmerz und körperliches Leid thematisieren.

Ähnlich wie van Gogh thematisiert Francis Bacon (1909-1992) sein inneres Missbehagen mit sich und seiner Umwelt. Die von ihm empfundene Einsamkeit und Depression drückt er in stark verunstalteten Selbstporträts aus, welche eher an monströse Fratzen erinnern (Abb.9).[21]

Auch werden nun Maske und Verkleidung Zentrum des Schaffens: Das künstlerische Schaffen von Frida Kahlo (1907-1954) besteht größtenteils aus Selbstporträts. Im Gegensatz zu Francis Bacon leidet sie nach einem Unfall an körperlichen Schmerzen und verdeutlicht die ihr widerfahrenen Grausamkeiten ebenfalls in ihren zahlreichen Bildern (Abb. 10).[22]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.10 Frida Kahlo „Die gebrochene Säule“ 1944

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.11: Cindy Sherman „Untitled #412 (Clowns)“ 2003-04

Besonders Cindy Sherman (1954) ist sich selbst in ihren fotografischen Selbstporträts ihr liebstes Thema und spielt ähnlich wie Rembrandt mit unterschiedlichen Posen und Rollen. In diesen Selbstdarstellungen steht allgegenwärtig die stereotype Rolle der Frau in unserer heutigen Gesellschaft im Vordergrund (Abb.11).[23]

Die vorherigen Ausführungen konnten verdeutlichen, dass es keinem Künstler ausschließlich um die anatomische Richtigkeit in seinen Selbstbildnissen ging, vielmehr waren und sind sie auch heute noch bestrebt Identitätsbekundungen, Gefühle, seelischn Verfassungen oder Stimmungen zum Gegenstand ihrer eigenen Abbildungen werden zu lassen.[24]

So verraten die Selbstbildnisse aus der Kunstgeschichte immer sehr viel mehr über die Person, als was nur über die körperliche Erscheinung zu erfassen ist. Gleichwohl fand jeder Künstler über die Jahrhunderte hinweg stets seine eigenen Ausdrucksmittel sich selbst zu erforschen und sich näher zu kommen.

2. Das Selfie

2.1 Begriffliche Definition und Merkmale

Das Wort „Selfie“ wurde erstmals im Jahr 2002 in einem australischen Internetforum verwendet und ist somit nachgewiesen australischen Ursprungs. Erst seit 2011 ist der Begriff auch im deutschen Sprachraum namhaft, doch schon im darauffolgenden Jahr wurde es viral bekannt und vom Time Magazine unter die Top 10 der Schlagwörter des Jahres gewählt.[25] „A photograph that one has taken of oneself, typically one taken with a smartphone or webcam and shared via social media.“[26] ist die vom Oxford Dictionary geprägte Definition des Selfies, welche Endes des Jahres 2013 formuliert wurde. Gemäß dieser Definition sind für das Selfie also zwei Dinge entscheidend: Die Fotografie wurde von der abgebildeten Person auf Armeslänge oder vor dem Spiegel selbst angefertigt und seine Verwendung dient vorrangig als Kommunikationsmittel. Das heißt, dass es bereits mit der Absicht erzeugt wird, dieses über Social Media Plattformen zu veröffentlichen und eine Anschlusskommunikation - welche schriftlich fixiert zum wesentlichen Bestandteil des Selfies wird - stattfindet. Ein weiteres korrelierendes Merkmal ist die Adressatensituation: Selfies werden „räumlich entgrenzt, an unterschiedlichen Orten, in verschiedensten Situationen, von einem oft nicht eindeutig umrissenen Publikum rezipiert.“[27]

[...]


[1] Ilg, Raimund (Hrsg.): Kompakt-Wissen Kunst. Kunstgeschichte – Künstlerische Gestaltung – Werkbetrachtung. Hallbergmoos:

STARK Verlag GmbH, 12012, S. 93 f.

[2] Selbstbildnis, https://de.wikipedia.org/wiki/Selbstbildnis, aufgerufen am 28.06.2017.

[3] Calabrese, Omar (Hrsg.): Die Geschichte des Selbstporträts. München: Hirmer Verlag GmbH, 2006, S. 31

[4] Vgl.: ebd. S. 31 f.

[5] Beyer, Andreas (Hrsg.): Das Porträt in der Malerei. München: Hirmer Verlag GmbH, 2002.

[6] Müller, Hans Herman (Hrsg.): Duden Kunstgeschichte. Von der Antike bis zum 21. Jahrhundert.

Mannheim: Duden Verlag, 2009 , S.38.

[7] Vgl.: Calabrese, 2006, S. 34.

[8] Vgl.: ebd., S. 35.

[9] Vgl.: Müller, 2009, S.45 f.

[10] Vgl.: Calabrese, 2006, S. 35.

[11] Vgl.: Cordes, 1994, S.14.

[12] Vgl.: Calabrese, 2006, S. 35 f.

[13] Felgentreu, Simone und Prof. Dr. Nowald, Karlheinz (Hrsg.): Kunst. Gymnasiale Oberstufe. Berlin:

Duden Paetec GmbH, 12011 S.75.

[14] Vgl.: Cordes, 1994, S.13.

[15] Vgl.: Eiglsperger, Birgit: Blick in den Spiegel - Selbstporträts von Künstlerinnen & Künstlern, http://www.uniregensburg.de/ Fakultaeten/ phil_Fak_I/Kunsterziehung/ dokumente/studium/materialien/Ulm_Selbstportraits.pdf, aufgerufen am 29.06.2017.

[16] Vgl.: https://www.pinakothek.de/kunst/meisterwerk/albrecht-duerer/selbstbildnis-im-pelzrock, aufgerufen am 29.06.2017.

[17] Vgl.: Cordes, 1994, S.30.

[18] Vgl.: Eiglsperger, http://www.uniregensburg.de/Fakultaeten/ phil_Fak_I/Kunsterziehung/ dokumente/studium/materialien/ Ulm_Selbstportraits.pdf, S. 8 f.

[19] Vor allem die Künstler Cezánne, Degas, van Gogh und Gauguin gelten als Wegbereiter der Moderne.

[20] Vgl.: Beyer, 2002, S.337 & S.341.

[21] Vgl.: Eiglsperger, http://www.uniregensburg.de/Fakultaeten/ phil_Fak_I/Kunsterziehung/ dokumente/studium/materialien/ Ulm_Selbstportraits.pdf, S. 14 f.

[22] Vgl.: Eiglsperger, http://www.uniregensburg.de/Fakultaeten/ phil_Fak_I/Kunsterziehung/ dokumente/studium/materialien/ Ulm_Selbstportraits.pdf, S. 15.

[23] Vgl.: Oelze, Sabine: Kunst: Das Ich als Kunstwerk: Vom Selbstporträt zum Selfie.

http://www.dw.com/de/das-ich-als-kunstwerk-vom-selbstporträt-zum-selfie/a-18812939, aufgerufen am 05.07.2017

[24] Vgl.: Eiglsperger, http://www.uniregensburg.de/Fakultaeten/ phil_Fak_I/Kunsterziehung/ dokumente/studium/materialien/ Ulm_Selbstportraits.pdf, S. 16 f.

[25] Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Selfie, aufgerufen am 28.06.2017.

[26] Selfie, https://en.oxforddictionaries.com/definition/selfie, aufgerufen am 03.07.2017.

[27] Autenrieth, Ulla: Das Phänomen Selfie. Handlungsorientierungen und Herausforderungen der fotografischen Selbstinszenierung

von Jugendlichen im Social Web. In: Lauffer, Jürgen / Röllecke, Renate (Hrsg.): Lieben, Liken, Spielen. Digitale Kommunikation

und Selbstdarstellung Jugendlicher heute. München: kopaed, 2014, S. 52 f.

Details

Seiten
34
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668799660
ISBN (Buch)
9783668799677
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v421642
Institution / Hochschule
Akademie der Bildenden Künste München
Note
1,5
Schlagworte
Selfie Porträt Konsequenzen Anfertigungsgründe

Autor

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Titel: Das Selbstporträt und das Phänomen Selfie. Geschichtlicher Hintergrund, Anfertigungsgründe und Konsequenzen