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Herausforderungen von Public Health im Kontext von Flucht und Gesundheit. Gesundheitliche Situation und Maßnahmen zur Stärkung der Gesundheit

Hausarbeit 2017 14 Seiten

Gesundheit - Public Health

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Verzeichnis der Abbildungen

Verzeichnis der Abbildungen

Einleitung

1 Geflüchtete und Asylsuchende in Deutschland

2 Gesundheitliche Situation und Versorgung von Geflüchteten und Asylsuchenden in Deutschland
2.1 Datenlage zur gesundheitlichen Situation
2.1.1 Übertragbare Erkrankungen
2.1.2 Nicht übertragbare Erkrankungen
2.2 Gesetzlicher Anspruch auf gesundheitliche Versorgung

3 Herausforderungen für Public Health im Zusammenhang mit der gesundheitlichen Situation und Versorgung von Geflüchteten und Asylsuchenden
3.1 Definition von Public Health
3.2 Erhebung von wissenschaftlichen Daten
3.3 Aufgaben für Public Health
3.4 Schaffung von Rahmenbedingungen für die Umsetzung von Public-Health-Maßnahmen

4 Verbesserung der psychosozialen Versorgung von Geflüchteten und Asylsuchenden als Herausforderung an Public Health
4.1 Psychosoziale Situation von Geflüchteten und Asylsuchenden
4.2 Lösungsansätze zur Verbesserung der psychosozialen Versorgung

5 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Verzeichnis der Abbildungen

Abbildung 1: Anzahl der neu registrierten Geflüchteten in Deutschland von 2014 bis

Abbildung 2: Gestuftes Versorgungsmodell

Abbildung 3: Kaskadenmodell

Verzeichnis der Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung

Seit dem Jahr 2015 haben mehr als 1,2 Millionen Menschen Asyl in der Bundesrepublik Deutschland beantragt. Daraus resultieren zahlreiche Herausforderungen auf politischer, gesellschaftlicher und struktureller Ebene.

Im Rahmen dieser Arbeit sollen Daten zur gesundheitlichen Situation von Geflüchteten und Asylsuchenden sowie Anforderungen und konkrete Maßnahmen von Public Health im Kontext von Flucht und Gesundheit dargestellt werden.

Für die bessere Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Es sind dennoch stets Personen beiderlei Geschlechts gemeint.

1 Geflüchtete und Asylsuchende in Deutschland

Die Bundesrepublik Deutschland ist geprägt von Ein- und Auswanderung, zwischen 1950 und 2014 kamen 44 Millionen Menschen ins Land, 32 Millionen wanderten aus (Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, 2016). Stets haben diese Bewegungen die Zeitgeschichte widergespiegelt (ebenda).

So ist auch der jüngste Zustrom von Geflüchteten und Asylsuchenden ein Ausdruck der weltpolitischen Lage. Militärische Konflikte, aber auch Armut und politische Verfolgung haben insbesondere in den Jahren 2015 und 2016 Menschen in Deutschland Asyl suchen lassen (Frank et al., 2017, S. 25).

Abbildung 1 veranschaulicht die insbesondere im Jahr 2015 stark angestiegene Zahl der in Deutschland ankommenden Geflüchteten, die mit über einer Million angegeben wird und somit ein Fünffaches im Vergleich zum Jahr 2014 darstellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Anzahl der neu registrierten Geflüchteten in Deutschland von 2014 bis 2017 (entnommen: Statista, 2017)

Nach deutschem und internationalem Recht stehen Geflüchtete unter besonderem Schutz, sie „kommen aus allen sozialen Schichten, Kulturen und Religionen“ (Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, 2016).

Gemäß Artikel 16a Grundgesetz sowie §§ 3, 4 Asylgesetz wird Geflüchteten in der Bundesrepublik Deutschland Schutz gewährt, wenn sie sich wegen politischer, religiöser oder rassistischer Verfolgung und deren Eingriffe in die körperliche Unversehrtheit oder begründeter Furcht davor sowie vor bewaffneten Konflikten außerhalb ihres Herkunftslandes befinden.

Im Jahr 2015 wurden 441.899 Asylerstanträge gestellt, im Jahr 2016 722.370 und von Januar bis April 2017 69.605 (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), 2017b). Mehr als ein Drittel dieser Anträge entfielen auf Asylsuchende aus Syrien, Afghanistan und Irak (BAMF, 2017b).

Die Verteilung der in Deutschland ankommenden Geflüchteten und Asylsuchenden erfolgt nach dem Königsteiner Schlüssel, wonach ein Anteil von ungefähr 50 Prozent auf Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg entfällt und die anderen 50 Prozent den übrigen Bundesländern zugeteilt werden. (BAMF, 2017a).

2 Gesundheitliche Situation und Versorgung von Geflüchteten und Asylsuchenden in Deutschland

Geflüchtete und Asylsuchende sind im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung aufgrund der erlittenen Erfahrungen von Krieg, politischer Verfolgung und Gewalt, der Bedingungen während der Flucht, einer teils unzureichenden präventiven und kurativen Versorgung in den Herkunftsländern sowie der Herausforderungen in Deutschland gesundheitlich besonders belastet (Frank et al., 2017, S. 25; Bühring, 2015). In dem Kapitel dieser Arbeit werden Daten zum Gesundheitszustand und zur gesundheitlichen Versorgung von Geflüchteten und Asylsuchenden dargelegt.

2.1 Datenlage zur gesundheitlichen Situation

Umfassende Daten über die gesundheitliche Situation von Geflüchteten und Asylsuchenden in Deutschland fehlen bislang größtenteils (Razum, Bunte, Gilsdorf, Ziese Bozorgmehr, 2016). In den Erstaufnahmeeinrichtungen werden die gesundheitlichen Bedarfe sowie Erkrankungen bundesweit nicht einheitlich erfasst, die Durchführung der Aufnahmeuntersuchungen wird jeweils durch die oberste Landesgesundheitsbehörde geregelt (Bozorgmehr, Nöst, Thaiss Razum, 2016). Bundesweiter Standard hingegen ist die Untersuchung auf Lungentuberkulose (Frank et al., 2017, S. 32). Nach dem Transfer aus den Erstaufnahmeeinrichtungen erfolgt kaum noch eine Erfassung von gesundheitlichen Problemen und Bedarfen (Bozorgmehr et al., 2016). Bestandsaufnahmen aus eingeschränkter Datenlage liegen dennoch inzwischen vor (Frank et al., 2017, S. 32).

2.1.1 Übertragbare Erkrankungen

Als Infektionskrankheiten werden impfpräventable Erkrankungen wie Masern, Windpocken, Mumps, Keuchhusten, Influenza und Hepatits A genannt (Frank et al., 2017, S. 32 ff.). Aber auch das Auftreten von Tuberkulose, Gastrointestinalen Erkrankungen, Skabies, Diptherie, Hepatits B, Meningokokken- und Pneumokokken-Erkrankungen, Röteln und Kleiderlausbefall wird dokumentiert.

2.1.2 Nicht übertragbare Erkrankungen

Im Vordergrund der nicht übertragbaren Krankheiten stehen die psychischen Erkrankungen, Schätzungen zufolge sind etwa vierzig Prozent der Geflüchteten psychisch erkrankt, insbesondere an einer Traumafolgestörung (Bühring, 2015). Diese umfasst „die posttraumatische Belastungsstörung, Depressionen, Angststörungen, chronische Schmerzen und somatoforme Störungen“ (Frank et al., 2017, S. 34).

Bühring (2015) untersuchte, dass Frauen auf der Flucht insbesondere aufgrund sexueller Gewalt stärker belastet sind als Männer und dass der psychische Gesundheitszustand unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge häufig noch schlechter ist. Sie haben während der Flucht oftmals Gewalt erlebt und sind zudem von Einsamkeit sowie Isolation betroffen und stehen nicht selten unter Druck, ihre Familie im Herkunftsland finanziell unterstützen zu müssen (ebenda).

Außerdem werden Atemwegserkrankungen, unspezifische Schmerzsymptome, Krankheiten des Verdauungssystems, aber auch orthopädische und dermatologische Erkrankungen bei Geflüchteten und Asylsuchenden aufgeführt sowie in starker Abhänigigkeit zum Herkunftsland Krankheiten der Zähne (Mohammadzadeh, Jung Lelgemann, 2016).

2.2 Gesetzlicher Anspruch auf gesundheitliche Versorgung

Nach § 2 Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) i.V.m. § 242 Abs. 2 Sozialgesetzbuch Fünftes Buch erhalten Asylsuchende nach 15 Monaten Aufenthalt in Deutschland Zugang zu allen Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Vorher ist die gesundheitliche Versorgung durch § 4 AsylbLG bis auf die in § 6 AsylbLG geregelten und gesondert zu beantragenden Ausnahmen auf die Akutbehandlung, Vorsorgeleistungen und Schwangerenbetreuung beschränkt.

3 Herausforderungen für Public Health im Zusammenhang mit der gesundheitlichen Situation und Versorgung von Geflüchteten und Asylsuchenden

Neben gesellschaftlichen und politischen Faktoren wurde und wird das öffentliche Gesundheitssystem der Bundesrepublik Deutschland durch die große Anzahl von Geflüchteten und Asylsuchenden vor neue Aufgaben gestellt, dabei insbesondere die von Einsparungen und Personalrückgang gekennzeichneten Public-Health-Strukturen (Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, 2015). Daraus ergeben sich verschiedene Herausforderungen für den Bereich von Public Health.

3.1 Definition von Public Health

Public Health wird als „die Wissenschaft und die Praxis der Verhinderung von Krankheiten, Verlängerung des Lebens und Förderung der Gesundheit durch organisierte Anstrengungen der Gesellschaft“ definiert (Acheson, 1988, WHO, 2011, zit. n. Robert Koch-Institut (RKI), 2016). Bei Public Health geht es also darum, der Bevölkerung als Ganzes oder einer Bevölkerungsgruppe Verhältnisse zu schaffen, welche ihre Gesundheit ermöglichen (Habermann-Horstmeier, 2017, S. 16).

Nach Artikel 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948 (Resolution 217 A (III) vom 10.12.1948) hat jeder Mensch das „Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet“.

Artikel 1 Abs. 2 Grundgesetz erkennt die Menschenrechte uneingeschränkt an und wirkt somit auch verpflichtend für den Bereich von Public Health.

3.2 Erhebung von wissenschaftlichen Daten

Für evidenzbasierte Maßnahmen im Rahmen von Public Health und deren flexible Anpassung an sich ändernde Verhältnisse sind die umfassende Erhebung von Gesundheitsdaten, aber auch die Erfassung von sozialen Rahmenbedingungen und der Aufbau von bedarfsgerechten Forschungskapazitäten unerlässlich (Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, 2015). In diesem Zusammenhang ist im Sinne des Salutogenese-Modells von Antonovsky zu erforschen, welche Ressourcen Geflüchtete und Asylsuchende aufbringen, die dazu beitragen, sie gesund zu erhalten oder gesund werden zu lassen (Bengel, Strittmatter Willmann, 2001, S. 24 ff.).

3.3 Aufgaben für Public Health

Anhand der vorliegenden und im Kapitel 2 aufgezeigten Daten zur Gesundheit sowie Versorgungslage von Geflüchteten und Asylsuchenden lassen sich bereits jetzt Aufgaben für Public Health ableiten.

Dazu gehören Maßnahmen zur Verbesserung gesundheitlicher Versorgungsstrukturen (Bozorgmehr et al., 2016). Es wird befürwortet, dabei das Hauptaugenmerk auf die Koordination der Versorgung, Entwicklung bundesweiter Standards, Verbesserung des Impfstatus sowie Anpassung der Erstaufnahmeuntersuchungen zu legen (ebenda).

Zur frühzeitigen Erkennung und Behandlung von Infektionskrankheiten (Beermann et al., 2015) sowie von akuten und chronischen Krankheiten (Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, 2015) und zur Diagnostik und Therapie psychischer Erkrankungen (Bühring, 2015) wird ein niedrigschwelliger Zugang zur Gesundheitsversorgung, welche über die Erstaufnahmeuntersuchung hinausgeht, diskutiert.

Die Sicherstellung einer adäquaten psychosozialen Versorgung in Anpassung an die verschiedenen Bedürfnisse und Bedarfe von Geflüchteten und Asylsuchenden stellt eine weitere Aufgabe für Public Health dar (Gilan, 2016).

3.4 Schaffung von Rahmenbedingungen für die Umsetzung von Public-Health-Maßnahmen

Geflüchtete und Asylsuchende brauchen eine Perspektive für ein Leben in Deutschland sowie entsprechende Lebensbedingungen, welche ihre Integration fördern (Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, 2016).

Public Health hat zu berücksichtigen, dass Geflüchtete und Asylsuchende unterschiedlicher Herkunft sind, somit sprachliche und interkulturelle Kommunikationsbarrieren sowie verschiedene Auffassungen gegenüber einer eigenen Erkrankung und medizinischen Behandlung bestehen (Pluntke, 2016). Fortbildung für alle Personalkräfte im Bereich der Versorgung von Geflüchteten und Asylsuchenden könnte dazu beitragen, ein Verständnis für unterschiedliche Krankheits- und Rollenbilder sowie Ausdrucksweisen zu erreichen (Mohammadzadeh et al., 2016). Die Lösung von Sprachbarrieren ist für eine Einbindung in die gesundheitliche Versorgung unerlässlich (Bozorgmehr et al., 2016). Dafür wird die verstärkte Hinzuziehung von Dolmetschern, aber auch die Nutzung von technischen Sprachmittlungslösungen angeregt (ebenda).

Es wird die Auffassung vertreten, bei der Verteilung Geflüchteter und Asylsuchender auf die einzelnen Bundesländer deren unterschiedliche Erfordernisse an gesundheitlicher und sozialer Versorgung zu berücksichtigen (Frank et al., 2017, S. 31). In diesem Zusammenhang erscheint auch der Vorschlag diskutabel, in den Massenunterkünften Frauen und Kinder räumlich abgetrennte Bereiche zum Schutz vor Gewalt zu schaffen (Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, 2015).

4 Verbesserung der psychosozialen Versorgung von Geflüchteten und Asylsuchenden als Herausforderung an Public Health

Die Verbesserung der psychosozialen Versorgung stellt einen Aspekt der Aufgaben für Public Health dar. Bei der Entwicklung von entsprechenden Maßnahmen sind die Belange von Geflüchteten und Asylsuchenden mit posttraumatischer Belastungsstörung und anderen psychischen Erkrankungen ein Anliegen im Rahmen dieser Arbeit.

4.1 Psychosoziale Situation von Geflüchteten und Asylsuchenden

Nach Böttche, Heeke Knaevelsrud (2016) sind Geflüchtete und Asylsuchende neben den traumatischen Erlebnissen im Herkunftsland und während der Flucht auch durch Postmigrationsstressoren wie aufenthaltsrechtliche Aspekte durch die Art und Dauer des Asylverfahrens, die Unterbringungssituation, den durch das AsylbLG eingeschränkten Zugang zum Gesundheitssystem sowie individuelle Faktoren wie Diskriminierung, Sprachbarrieren und den Verlust sozialer Kontakte belastet. Auch die unsichere Lebensperspektive in Deutschland kann psychische und körperliche Beeinträchtigungen mit sich bringen (Mohammadzadeh et al., 2016).

In diesem Zusammenhang ist die Aussage festzuhalten, dass es Geflüchteten und Asylsuchenden gelingen kann, diese Belastungen ohne psychiatrische Behandlung oder Psychotherapie zu bewältigen, wenn eine gute Tagesstruktur realisiert, Ressourcen genutzt und Coping-Strategien entwickelt werden, sie soziale Unterstützung erfahren und in Integrationsmaßnahmen eingebunden werden (Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), 2016).

4.2 Lösungsansätze zur Verbesserung der psychosozialen Versorgung

Zu diskutieren sind multimodale Konzepte, also eine Kombination aus psychotherapeutischer Behandlung und sozialarbeiterischer sowie rechtsberaterischer Betreuung sowie der Gewährleistung eines leichten Zugangs zur allgemeinen medizinischen Versorgung (Böttche et al, 2016). In einem fachübergreifenden Konzept sollen auch Angebote zur Integration wie Sprachkurse, Fort- und Ausbildungsangebote sowie der Einsatz von professionell und speziell geschulten Dolmetschern Berücksichtigung finden (ebenda).

Die Vernetzung unterschiedlicher Fachbereiche, welche im Bereich Public Health eine Rolle spielen, wurde und wird vor allem in psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer geleistet und weiterentwickelt (ebenda). Deren Dachorganisation, die Bundesweite Arbeitsgemeinschaft Psychosozialer Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer e.V. (BafF e.V.) zeichnet sich verantwortlich für die Initiierung verschiedener Projekte wie „Nachhaltige Verbesserung der Aufnahmebedingungen für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge“ und „Daten für Taten: Indikatoren für Inklusion“ (BAfF e.V., 2017).

Die DGPPN (2016) fordert die Aufnahme von regelhaften Screenings auf psychische Erkrankungen bereits bei der Erstuntersuchung und eine sich bei Bedarf daran anschließende zeitnahe fachärztliche Behandlung. Es werden auch die Bereitstellung von Informationsmaterial über psychische Erkrankungen in den besonders häufigen Sprachen sowie eine Sensibilisierung aller in die Betreuung und Begleitung besonders belasteter Geflüchteter und Asylsuchender involvierten Kontaktpersonen als relevant vorgetragen (ebenda).

Einen weiteren Ansatz für die Optimierung der psychosozialen Versorgung bildet das in Abbildung 2 dargestellte gestufte Modell nach Schneider, Bajbouj Heinz (2016), welches die unterschiedlichen Versorgungsbedarfe aufgreift. In Stufe 1 werden vulnerable Personen zunächst beobachtend begleitet. Stufe 2 beinhaltet ein niedrigschwelliges Angebot durch speziell geschulte Laienhelfer oder über internetbasierte Angebote, die Stufen 3 und 4 bieten in Abhängigkeit von der Art und Schwere der Erkrankungen dolmetscherbegleitete oder muttersprachliche Gruppen- oder Einzeltherapien durch hochqualifizierte ärztliche und psychologische Psychotherapeuten oder Psychiater (ebenda).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Gestuftes Versorgungsmodell (eigene Abbildung, entnommen: Schneider et al., 2017)

Zu veranschaulichen ist auch das ebenfalls auf eine gestufte, schnell zugängliche und bedarfsorientierte Versorgung orientierte Kaskadenmodell, welches unter fachlicher Begleitung von Psychotherapeuten Personen aus der Gemeinschaft der Geflüchteten als Gesundheitslotsen und Traumaberater einsetzt (Elbert, Wilker, Schauer Neuner, 2016).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Kaskadenmodell (entnommen: Elbert et al., 2017)

Weiterhin ist festzuhalten, dass die Schaffung eines frühzeitigen Zugangs zu einer umfassenden, bedarfsorientierten psychosozialen Versorgung nicht nur den gesundheitlichen Zustand vulnerabler Geflüchteter positiv beeinflusst, sondern auch die steigenden Kosten einer Spätbehandlung vermeidet (Gilan, 2016).

Versorgungsstrukturen sollten so entwickelt werden, dass Geflüchtete und Asylsuchende weder benachteiligt, noch bevorzugt werden, um Akzeptanz der Allgemeinheit und somit Integration zu schaffen (Bajbouj et al., 2017).

Unter Bezug auf die Ausführungen in Kapitel 3.2 ist festzuhalten, dass eine wissenschaftliche Begleitung geschaffener Maßnahmen erforderlich ist.

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Details

Seiten
14
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668689978
ISBN (Buch)
9783668689985
Dateigröße
612 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v421644
Institution / Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Magdeburg
Note
1,3
Schlagworte
Flucht Asyl Psychische Situation Geflüchtete Salutogenese Migration

Autor

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