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Leistungssport im Kindesalter. Pädagogische Erwartungen und Umsetzung in der Praxis

Am Beispiel des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04

Examensarbeit 2005 108 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das System Leistungssport

3. Charakteristik des Kindesalters
3.1 Kinderwelt ist Bewegungswelt
3.2 Spiel als existentielle Grundlage der Kindheit

4. Normumwelt des heranwachsenden Fußballprofis
4.1 Lebensbereich Familie
4.2 Lebensbereich Schule
4.3 Lebensbereich Freizeit
4.4 Lebensbereich Sozialkontakte
4.5 Kurze Zwischenbilanz
4.6 Ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung
4.7 Zeitliche Inanspruchnahme
4.8 Körperliche Beanspruchung

5. Überleitung: Von der Theorie zur Praxis

6. Leistungssport im Kindesalter am Beispiel des Fußball-Bundesligisten FC Schalke

6.1 Nachwuchskonzept

6.2 Zusammensetzung der Mannschaften U9 bis U12

6.3 Trainings- und Spielaufwand der U9 bis U12

7. Umsetzung der pädagogischen Erwartungen in die Praxis beim FC Schalke
7.1 Zeitaufwand
7.2 Position des Kindes innerhalb der Familie
7.3 Familienbedeutung
7.4 Elternerwartung
7.5 Schulleistung
7.6 Einmalige Schulaktion vs. Training
7.7 Freizeitverzicht
7.8 Anderes Hobby neben dem Fußball
7.9 Langeweile an trainingsfreien Tagen
7.10 Sozialkontakte zu Gleichaltrigen
7.11 Zusammensetzung des Freundeskreises
7.12 Konflikt zwischen Training und anderen Aktivitäten
7.13 Einfluss auf Gesundheit
7.14 Beeinflussung der Persönlichkeitsentwicklung

8. Vergleich zwischen der skizzierten Normumwelt und der Praxis beim FC Schalke
8.1 Äquivalenzen
8.1.1 Lebensbereich Familie
8.1.2 Lebensbereich Schule
8.1.3 Eigenmotivation und Spaß
8.1.4 Körperliche Beanspruchung
8.1.5 Ganzheitliche Persönlichkeitsent- wicklung
8.2 Diskrepanten und sich daraus ergebende Alternativen
8.2.1 Elternerwartungen
8.2.2 Soziale Komponente der Schule
8.2.3 Lebensbereich Freizeit
8.2.4 Lebensbereich Sozialkontakte

9. Zusammenfassung und Ausblick

10. Literaturverzeichnis

11. Anhang

1. Einleitung

Kann bei den dauerhaften physischen Höchstbelastungen und der Wahrscheinlichkeit von Verletzungen die körperliche Unversehrtheit junger Leistungssportler ausreichend geschützt werden? Beeinträchtigen die zeitlichen Aufwendungen den Schulerfolg, ist die Entwicklung von Freundschaften, von kulturellen Interessen überhaupt möglich oder verkümmern Begabungen, Interessen und Persönlichkeitsaspekte, die nicht dem Sporterfolg dienen?[1]

Die beiden Sportwissenschaftler Rüdiger Heim und Alfred Richartz fragen dies in dem Kompendium Erster Deutscher Kinder- und Jugendsportbericht stellvertretend für eine Vielzahl ihrer Kollegen, aber auch für Sportler[2], Trainer und Eltern.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten wird der Leistungssport im Kindesalter[3], der auch titelgebend für die vorliegende Arbeit ist, kontrovers diskutiert. Die „Debatte um die (pädagogische) Verantwortbarkeit von hochleistungssportlichem[4] Engagement im Kindesalter“[5] beschäftigt die Öffentlichkeit fortlaufend mit unterschiedlicher Intensität. Emotionen zwischen Bewunderung für die außergewöhnlichen Leistungen junger Sportler und Empörung über das vermutete Zustandekommen des Gezeigten begleiten die Diskussion.[6]

Im Bereich des Fußballs, der im Mittelpunkt der Ausführungen stehen wird, sorgt zurzeit ganz aktuell die Geschichte des 9-jahrigen Bea Patou für Aufsehen: Das außergewöhnlich talentierte, als „Wunderknabe“[7] titulierte Kind aus Kamerun lebt seit zwei Jahren in Spanien und wird vom aktuellen spanischen Meister FC Valencia umworben. Sein Vater, Donald Patou, fordert für die Dienste seines Sprösslings eine gute Schulbildung für seinen Sohn sowie einen Arbeitsplatz für sich selbst in Valencia. Die Bestürzung über diese Art des Kinderhandels zog weltweit ihre Kreise. Prominentester Fall in der Fußball-Szene zwischen Bewunderung der einzigartigen Fähigkeiten und Empörung aufgrund der Karriereumstände ist aber der Ghanaer Freddy Adu. Der mittlerweile 15-Jährige, dem die außergewöhnlichsten Fähigkeiten nachgesagt werden, erhielt einen Werbevertrag des Sportartikelherstellers Nike über 1,5 Millionen Dollar und spielt für 250.000 Dollar im Jahr in der amerikanischen Major League Soccer.[8]

Die skizzierten Beispiele erfüllen jedes auf seine Weise die Dichotomie, die Rüdiger Heim vom Kinderleistungssport zeichnet:

Auf der einen Seite (...) die ungeheure Faszination, ja fast mythische Wirkung, die von den heranwachsenden Siegern (...) ausgeht und die nicht zuletzt gerade auf das Alter der (...) Sportler zurückgeführt werden kann. Auf der anderen Seite (...) junge Sportler als Gefangene im Räderwerk einer unbarmherzigen Leistungsmaschinerie (...), deren Kindheit und Jugend – zerrieben zwischen unbändigem Ehrgeiz der Eltern, gewissenlosen Trainern und Funktionären, politischen und wirtschaftlichen Interessen – auf dem Altar der Medaillen geopfert werden.[9]

Eine Ursache für eine derart zwiespältige Bewertung ist nicht zuletzt die Tatsache, dass dem Leistungssport sowohl fördernde als auch hemmende Wirkung auf die Entwicklung des Kindes eingeräumt werden. Grundsätzlich außer Frage steht, dass sportliches Engagement - an dieser Stelle ist die breitensportliche Orientierung gemeint - von Kindern auch noch in der heutigen Gesellschaft gern gesehen wird.[10] Schon der altgriechische Philosoph Platon (427-347 v.Chr.) nahm einen positiven Einfluss „von Gymnastik und Leibesübungen auf die Charakterbildung“[11] an.

Doch der leistungsorientierte Kindersport wird bei zum Teil den gleichen Aspekten völlig diametral bewertet. Kritiker stellen dabei die organisatorischen Rahmenbedingungen des Leistungssports wie den Zeitaufwand und die Spezialisierung in den Vordergrund ihrer Argumentationen, Befürworter dagegen mehr die persönlichkeitsrelevanten Aspekte.[12] So wird auf der einen Seite mit „dem zur Kinderarbeit entarteten Kinder-Leistungssport“[13], so der holländische Sportpädagoge Bart Crum, „neben gesundheitlichen Gefahren die Risiken einer sozialen Isolation und intellektuellen Verkümmerung, einer gravierenden Beschränkung der Freizeit und einer bedenklichen Beeinträchtigung der harmonischen Persönlichkeitsentwicklung“[14] gleichgesetzt. Die zeitaufwendige Verwicklung in dem Leistungssport führe zu einer Kanalisierung der Interessen sowie der sozialen Kontakte der Kinder, eine „Monokultur“[15], wie es Stefan Größing ausdrückt, entstehe. Die Produktion von „Sozialkrüppel[n]“[16] sei die mögliche Folge.

Doch wo die Kritiker beispielsweise eine Verarmung der sozialen Kontakte anführen, sehen die Befürworter des Kinderleistungssports eine Möglichkeit zur Stiftung sozialer Bindungen und durch die Arbeit in der Trainingsgruppe auch sozialer Werte[17], die für das spätere Leben der Kinder durchaus als wertvoll erachtet werden können. Es wird grundsätzlich auf das kindliche „Recht auf Entfaltung seiner Begabungen“[18] sowie den Spaß verwiesen, der die sportliche Betätigung sowie das Leisten den Heranwachsenden macht.[19] Im Leistungssport erlebten die Kinder Erfolge, indes auch die eigenen Grenzen, sie eigneten sich durch die perspektivische Trainingsarbeit die positiv besetzten Persönlichkeitsmerkmale Zielstrebigkeit und Beharrlichkeit an.[20] Kurz gesagt: Durch den Leistungssport, der zudem als eine sinnvolle Freizeitgestaltung gesehen wird[21], könne der Nachwuchssportler „Erfahrungen machen, die ihm sonst vorenthalten blieben.“[22] Neben der schon erwähnten persönlichkeitsrelevanten Leistungsorientierung sind hier ebenfalls ganz anderweitige Aspekte wie das häufige Reisen, das mit dem Leistungssport einhergeht, oder die Möglichkeit der Identitätsentwicklung beispielhaft zu nennen. Am kompaktesten legitimieren Ommo Grupe und Michael Krüger in ihrer Einführung in die Sportpädagogik den Kinderleistungssport. Das Duo betont, dass

im sportlichen Training und Wettkampf Erfahrungen gesammelt und Tugenden gelernt werden, die für soziales Zusammenleben von prinzipieller Bedeutung sind, wie beispielsweise Gegensätze erfahren, akzeptieren und fair austragen können, sich an Regeln halten, den Gegner als Partner verstehen und zugleich mit ihm zu kämpfen, siegen und verlieren zu können. Im Wettkampf- und Leistungssport zeigt sich das Bestreben, Mittelmäßigkeit und Dilettantismus zu überwinden, außergewöhnliche Herausforderungen anzunehmen, sogar gezielt aufzusuchen, um am Ende das Ziel, im Wettkampf zu bestehen oder die erhoffte und angestrebte Leistung zu erfüllen, zu erreichen.[23]

Die Debatte um den Kinderleistungssport und deren Einfluss auf die Entwicklung der Aktiven, die also bedeutend durch den Blickwinkel auf die Diskussion bestimmt wird, hat darüber hinaus auch die bildungs- und sportpolitische Ebene nicht unberührt gelassen. Am 4. Juni 1983 beschloss der Hauptausschuss des Deutschen Sportbundes in Stuttgart die Grundsatzerklärung Kinder im Leistungssport.[24] Diese Rahmenbedingungen für einen ethisch vertretbaren Kinderleistungssport sollten allzu extreme Auswüchse und damit die vorangegangen geschilderten hemmenden Entwicklungseinflüsse auf die Aktiven möglichst verhindern:[25]

Als Grundsatz für den Leistungssport mit Kindern hat uneingeschränkt zu gelten, daß deren Entwicklung nicht zugunsten kurzfristiger Erfolge im Sport leiden darf. (...) Der Leistungssport des Kindes darf auch auf das künftige Leben als Jugendlicher oder Erwachsener keine negativen Einflüsse nehmen.[26]

Seine von Grund auf positive Einstellung zum Kinderleistungssport begründet der DSB mit dem „natürliche[n] Bedürfnis der Kinder, ihre sich entwickelnden Kräfte an den verschiedensten Aufgaben und untereinander zu messen“[27] sowie mit vier potenziellen Auswirkungen der leistungssportlichen Betätigung. Der Leistungssport könne bei Kindern die körperliche, seelische und geistige Entwicklung fördern, durch Erfahrung des eigenen Könnens Selbstvertrauen schaffen, zu sozialem Handeln anregen und den Erfahrungs- und Erlebnisraum des Kindes erweitern. Allerdings müsste hierzu eine frühe Spezialisierung sowie eine reine Leistungs- und Erfolgsorientierung vermieden werden.[28]

Grundsätzlich werden also zwei Problemlagen angeschnitten: Zum einen soll das Training im Kinderleistungssport kindgemäßer gestaltet werden und zum anderen rückt die Persönlichkeitsentwicklung des Aktiven, die auch mit der Koordination vom Leistungssport mit anderen Lebensbereichen wie Freizeit oder Sozialkontakte in Verbindung steht, vermehrt in den Vordergrund.[29]

Doch der tatsächliche Einfluss dieser Grundsatzerklärung auf die Praxis wurde auf breiter Ebene angezweifelt. Elf Franke stellt stellvertretend fest,

daß diese ethischen Steuerungsversuche sowohl von den Befürwortern als auch den Gegnern des Kinderleistungssports zwar als redliche Bemühungen angesehen wurden, sie aber meist so realitätsfern konzipiert waren, daß sie kaum Auswirkungen auf die Praxis hatten.[30]

Karlheinz Scherler, der besonders die Unverbindlichkeit der Sprache in der Grundsatzerklärung kritisiert, spricht dieser sogar jeglichen Einfluss auf die Entwicklung des Leistungssportes ab. Grundsatzerklärungen seien Absichterklärungen, nicht aber Bedingungsangaben oder Wirkungsbeschreibungen.[31] Der Hamburger Sportwissenschaftler fordert: „Wer sich dem Alltag des Leistungssports von Kindern (...) nähern will, darf bei solchen Feiertagsreden nicht stehen bleiben.“[32]

Nach der Fortschreibung der Grundsätze für die Kooperation zur Förderung des Leistungssport ab 1986 und der weiteren Grundsatzerklärung des DSB Belastbarkeit und Trainierbarkeit im Kindesalter 1989, in der den aktiven Kindern aufgrund der Belastungen „eine Sondersituation für die Persönlichkeitsentwicklung“[33] zugesprochen wird, wurde Scherlers Forderung 1992 endlich Rechnung getragen. Die Rahmentrainingskonzeption für Kinder und Jugendliche im Leistungssport Weibliches Kunstturnen ist die erste dieser Art und berücksichtigt bei den Richtlinien zum Aufbau eines langfristigen Trainingsaufbaus verstärkt die Entwicklung persönlicher Faktoren der jungen Kunstturnerinnen. Mögliche pädagogische Maßnahmen (Beratung, Hausaufgabenbetreuung), ideelle (Karriereplanung) und materielle Hilfen (Fahrtkosten, Trainingsmaterialien) für die Sportler werden konkretisiert.[34]

An dieser Stelle ist auch das Nachwuchs-Leistungssport-Konzept, das der Deutsche Sportbund 1997 beschloss, zu nennen. In diesen Ausführungen stehen ebenfalls die Aktiven im Mittelpunkt. Die Entwicklung der Eigenleistung der Kinder dürfe sich nicht an der biologischen Leistungsgrenze orientieren, vielmehr müsse die ethische, pädagogische, entwicklungspsychologische und medizinische Verantwortung für den Nachwuchs im Sport mitgetragen werden.[35] Inhaltlich konzentriert sich das Konzept vordergründig auf den langfristigen Trainings- und Leistungsaufbau, die Kooperation von Leistungssport und Schule, soziale und wissenschaftliche Betreuung sowie die Laufbahnentwicklung. Für die konkrete Umsetzungen in die Praxis bleiben aber weiterhin die einzelnen Rahmentrainingskonzeptionen zuständig, die im Laufe der Zeit von immer mehr Verbänden entwickelt werden. Die 1999 herausgebrachte Rahmentrainingskonzeption Badminton, die ganz explizit die „Entwicklung der ganzen Persönlichkeit als Voraussetzung für erfolgreiche Leistungssporttätigkeit“[36] als Ziel der Konzeption angibt, beinhaltet zum Beispiel von Wettkampfvorschlägen über ein Koordinationsprogramm bis hin zur Fußgymnastik ein facettenreiches Angebot für die Praxis. Mittlerweile hat mit der Sportart Squash ein 16. Verband seine Rahmentrainingskonzeption veröffentlicht, ganz aktuell liegt mir ein Entwurf für die bereits zweite Auflage Rahmentrainingskonzeption Basketball für Kinder und Jugendliche im Leistungssport vor.

Es ist also festzustellen, dass - verallgemeinert man die skizzierten Beobachtungen auf der sportpolitischen Ebene - den Kritikern des Kinderleistungssports durchaus Gehör geschenkt worden ist. Die aufgezeigten Tendenzen in der Debatte, die durch die Rahmentrainingskonzeptionen gekennzeichnet werden, widersprechen beispielsweise einer Frühspezialisierung im Kinderleistungssport, die der Personalisation entgegensteht. Langfristiger Trainings- und Leistungsaufbau sowie eine mehr breitensportliche Orientierung in den Kindesjahren werden angestrebt, damit das Training auf die Kinderbelange zugeschnitten ist. An dieser Stelle drängt sich allerdings die Frage auf, wieso ausgerechnet der mit über sechs Millionen Mitgliedern größte deutsche Sportverband, der Deutsche Fußballbund, keine Rahmentrainingskonzeption für den Kinderleistungssport entwickelt hat, obwohl auf der DFB-Homepage ein eigenes Nachwuchskonzept[37] präsentiert wird.

Auch aus diesem Grunde erscheint es als besonders interessant zu beleuchten, wie es den jungen Fußballern ergeht, die schon unter Leistungsbedingungen in einem Bundesliga-Club wie dem FC Schalke 04 trainieren. Besteht hier etwa die Gefahr, wie von Kritikern des Kinderleistungssports befürchtet[38], dass die unbeschwerte Kindheit dieser Heranwachsenden dem kurzfristigen Erfolg im Leistungssport geopfert wird? Nehmen die jungen Sportler also sowohl aktuelle Nachteile gegenüber ihren Alterskameraden, die keinen vergleichbaren Sportaufwand betreiben, als auch zu erwartende Handicaps in ihrem späteren Leben in Kauf? Oder werden in der Jugendarbeit des FC Schalke 04 vielleicht trotz der fehlenden Rahmentrainingskonzeption im Fußball den verschiedensten Einflüssen auf die Persönlichkeitsentwicklung im Kindesalter Aufmerksamkeit geschenkt? Hat der Verein eventuell sogar selbst einen internen Ersatz für die fehlende Rahmentrainingskonzeption entworfen, um die Belange seines Nachwuchses zu schützen, so dass den kleinen „Asamoahs“ und „Ailtons“ genügend Freiraum bleibt, um sich kindgerecht möglichst vielseitig zu entwickeln?

Um diesen Fragen nachzugehen, müssen im Vorfeld einige Aspekte erarbeitet werden. Zuerst einmal ist der Blick auf das System des Leistungssport zu lenken, der mit seinem Code „Sieg oder Niederlage“ schwer mit pädagogischen Belangen in Einklang zu bringen ist. In diesem Rahmen wird auch die Frage des Trainers als Pädagoge beleuchtet werden. Darüber hinaus ist die Charakteristik des Kindesalters mit Bewegung und Spiel im Mittelpunkt näher zu untersuchen, um im Anschluss daran eine eigene Normvorstellung einer Kinderumwelt zu erarbeiten. Diese soll, angelehnt an Urie Bronfenbrenner, pädagogische Idealvorstellungen mit positiven Voraussetzungen für einen heranwachsenden Fußballer beim FC Schalke 04 in verschiedenen Lebensbereichen kombinieren. Nach einer Zusammenfassung wird, um den Vergleich zwischen der Normumwelt[39] und der Praxis beim FC Schalke 04 vollziehen zu können, erst einmal die täglich Arbeit beim Bundesligisten vorgestellt. Dabei stehen das Nachwuchskonzept des Vereins und die Mannschaften U9 bis U12 im Vordergrund. Die empirische Grundlage für den anschließenden Vergleich bietet ein Fragebogen an die Eltern der aktiven Kinder der ausgewählten Teams, wobei die durch die Normumwelt aufgeworfenen pädagogischen Erwartungen sich direkt in den einzelnen Fragen wieder finden. Die erhaltenen Ergebnisse werden dann letztlich zum Vergleich zwischen der Praxis bei Schalke und der skizzierten Normumwelt genutzt. Dabei werden Äquivalenzen und auch Diskrepanzen, für die Alternativen erarbeitet werden, aufgedeckt. Eine Zusammenfassung, die einen Ausblick beinhalten wird, rundet die Arbeit ab.

2. Das System Leistungssport

Seit einiger Zeit wird das System des Leistungssports als eigenständiger gesellschaftlicher Teilbereich angesehen.[40] Bedeutend in dieser Entwicklung war die Ausprägung eines eigenständigen Codes des Systems. Klaus Cachay und Edwin Gahai beschreiben einen solchen Code als „leitende[s] Handlungsschema eines Systems (...), gewissermaßen die Unterscheidung, nach der ein System die Welt aufteilt und aufschlüsselt.“[41] Das Rechtssystem fragt mit seinem Code nach Recht/Unrecht, die Politik nach Macht/Ohnmacht und die Wissenschaft nach Wahrheit/Unwahrheit. „Auch der Sport operiert mit einem solchen binären Code: dem von Sieg und Niederlage.“[42] Entsprechend dieser Theorie sind also alle Maßnahmen im Leistungssport stets bezüglich ihrer Funktionalität für den Erfolg zu bewerten, denn „[n]ur wer siegt, erringt knappe soziale Aufmerksamkeit in Abgrenzung gegenüber all jenen anderen, die unterschiedslos voneinander als „Ferner liefen“ rubriziert werden.“[43]

Der Siegescode bringt also auch weit reichende Konsequenzen für die Aktiven mit sich. Dadurch, dass immer nur die wenigsten Sportler wirklich auf dem Siegerpodest Platz finden – Karl-Heinrich Bette und Uwe Schimank reden von einem „Flaschenhalseffekt“[44] – verschärft sich die Konkurrenzsituation unter den Sportlern enorm. Kinder im Leistungssport kommen mit dieser des Weiteren durch erfolgsorientierte Aufnahmekriterien in eventuelle Leistungskader, die einen deutlichen Bezug auf den Siegescode aufweisen, in Kontakt.[45] Beim FC Schalke 04 ist es die Aufnahme in die Mannschaft der nächsten Altersstufe. Doch

[g]enau aus dieser Konstellation heraus ergibt sich der Reiz sportlicher Wettkämpfe: daß nicht alle gewinnen können, aber immer viel mehr Akteure gewinnen wollen, als tatsächlich können. Das entsprechende Ergebniskorrelat des Sportcodes ist Spannung.[46]

Die Tatsache, dass der Ruhm für sportliche Erfolge nie lange anhält und Leistungen immer wieder bestätigt werden müssen, dramatisiert darüber hinaus noch die aufgezeigte „strukturelle Unbarmherzigkeit des Leistungssports.“[47]

Diese Ausführungen veranschaulichen die Problematik, der Kinder ausgesetzt sein können, wenn sie als Protagonisten im gesellschaftlichen Teilbereich des Leistungssport heranwachsen. Zwar ist an dieser Stelle keinesfalls sicherzustellen, dass der Leistungssport der Erwachsenen, wie er skizziert worden ist, auch nach diesen Wertorientierungen mit Kindern betrieben wird, doch auszuschließen ist es auf der anderen Seite auch nicht. Denn zumindest bleibt unbestritten „der Spitzensport mit Kindern eine Konstruktion von Erwachsenen.“[48] Die jungen Sportler nähmen etwa nicht von sich aus einen derart hohen Trainingsaufwand auf sich oder träfen sich in den entferntesten Orten zum Wettkampf. Es darf auch trotz der sportpädagogischen Perspektive, unter dieser diese Arbeit steht, nicht verkannt werden, wie Rüdiger Heim es anmerkt, „dass der Hochleistungssport keineswegs aus pädagogischen Motiven heraus betrieben und organisiert wird.“[49] Doch Dietrich Kurz gibt zu bedenken, dass all dasjenige zum pädagogischen Thema werden kann und auch muss, was mit der Entwicklung von Heranwachsenden zu tun hat.[50] Die Pädagogik nimmt demnach sehr wohl eine bedeutende Stellung im System des Leistungssports, insbesondere des Kinderleistungssports, ein.

Mit ihrem Beitrag Brauchen Trainer Pädagogik? leiteten Cachay/Gahai schon 1989 eine Diskussion über den Einfluss der Pädagogik auf den Leistungssport ein. Das Duo vertritt die Auffassung, dass durch die Erziehung zur Beschränkung im Leistungssport ein pädagogischer Anspruch eingelöst werden könne.[51] Im Leistungssport gewinne zwar nur etwas Resonanz, wenn es funktional zum Code, d.h. nützlich für die Erringung von Siegen, erscheine, doch der Leistungssport sei an einem Punkt angekommen, wo es nötig sei, darauf hinzuweisen, dass zwar vieles machbar, aber nicht alles Machbare sinnvoll und schon gar nicht funktional für die Erhaltung des Systems sei.[52] Die Aufgabe der Pädagogik sehen Cachay/Gahai demnach darin, dem Leistungssport zu helfen, sich selbst zu beschränken, um letztlich „[d]en Kollaps des Systems Leistungssport zu verhindern.“[53]

In einer Replik auf Cachay/Gahai hält Arnd Krüger der postulierten Erziehung zur Selbstbeschränkung die olympische Maxime citius – altius – fortius von Pierre de Coubertin gegenüber.[54] Die Selbstbeschränkung widerspräche den grundsätzlichen Prinzipien des Leistungssports, vielmehr gehöre in Einklang mit Coubertin gerade die Verbindung von individueller Verantwortung und unbeschränktem Ausloten der individuellen Möglichkeiten zu den wesentlichen Systemkomponenten des Leistungssports.[55] Doch wie Imke Bona festgestellt hat, hat sich gerade die ursprüngliche Coubertin’sche Idee eines selbstbestimmten Leistungshandelns aus dem heutigen Leistungssport längst verabschiedet.[56] Somit wird auch, sofern sich das postum behaupten lässt, der Initiator der neuzeitlichen Spiele einer pädagogischen Selbstbeschränkung im Leistungssport in Anlehnung an Cachay/Gahai positiv gegenüber gestanden haben.

Auch wenn weiter außer Frage bleibt, „daß pädagogische Vorstellungen (...) häufig mit dem Interesse an der sportlichen Leistungssteigerung in Konflikt geraten“[57], und „in einem Sozialsystem, in dem Erfolg wichtig und die Zeit knapp ist, (...) die Mittelwahl leicht abrutschen und zu Verantwortungslosigkeiten gegenüber Athleten führen“[58] kann, hat die Pädagogik in den letzten Jahren einen immer größeren Einfluss besonders im Bereich des Kinderleistungssports erhalten. Dietrich Martin gibt in seinem Handbuch Kinder- und Jugendtraining vor den Prinzipien des Trainingsaufbaus und der inhaltlichen Gestaltung des Trainings neun pädagogische Trainingsprinzipien an. Diese reichen von einem ethischen Trainingsverständnis, über die Förderung umfassender Persönlichkeitsentwicklung und Freudbetontheit des Trainings bis hin zur zunehmenden Selbstverantwortlichkeit.[59] Die Reihenfolge der Prinzipien erscheinen hier nicht zufällig, sondern sind durchaus als Wertung zu verstehen. So fasst Martin zusammen:

Allerdings – und hier liegt die besondere pädagogische Verantwortung für das Kinder- und Jugendtraining – sollten persönlichkeitsfördernde Maßnahmen, Konzentrations- und Willenssteigerung, Erziehung zur Selbstsicherheit und zur Identitätsstabilisierung einen höheren Stellenwert einnehmen als beispielsweise der aktuelle sportliche Erfolg des Kindes, der Mannschaft oder des Vereins.[60]

Durch dieses Zitat wird das Umdenken deutlich, das zurzeit verstärkt im System des Leistungssport Einzug hält. Das Kind wird als ein ganzheitliches Wesen gesehen, wobei das Interesse an der Höchstleistung dem Interesse an der Gesamtentwicklung des Sportlers nachsteht.[61] Es muss an dieser Stelle aber darauf hingewiesen werden, dass eine Tendenz wiedergegeben wird, die sich noch keinesfalls durchweg durchgesetzt hat. Der Code des Systems Leistungssport wird also nicht mehr bruchlos umgesetzt. Nicht mehr alle Maßnahmen werden primär derart beurteilt, ob sie dem aktuellen Erfolg dienlich waren. Vielmehr werden nach und nach pädagogische Hilfen im Leistungssport akzeptiert. Das System des Leistungssports - hier ist im besonderem Maße jeweils der Kinderleistungssport gemeint - hat verstanden, dass kurzfristige Erfolge

durch die Abnutzung der speziellen Trainingsmittel, durch gesundheitliche Folgen dieses Trainings sowie durch Motivationsprobleme in aller Regel nicht bis in das Höchstleistungsalter der jeweiligen Sportart konserviert bzw. ausgebaut werden [können].[62]

Auch aus ökonomischen Gründen ist man deshalb im heutigen Kinderleistungssport oftmals bereit, einen Umweg innerhalb der Karriereentwicklung der Kinder zu beschreiten. Nicht mehr aktuelle, sondern vielmehr „perspektivische Zielsetzungen“[63] rücken in den Mittelpunkt. Durch die Abstimmung des Trainings auf die Belange der Kinder werden Höchstleistungen nicht mehr im Kindesalter angestrebt. Vielmehr werden in der Kindheit gezielt die Voraussetzungen geschaffen, um als Jugendlicher oder Erwachsener letztlich Höchstleistung abrufen zu können.[64] Im Nachwuchs-Leistungssport-Konzept des DSB heißt es dazu:

Sportliche Spitzenleistungen können bei ihrem gegenwärtigen Niveau nur dann erreicht werden, wenn die erforderlichen physischen, techno-motorischen und psychisch-affektiven Grundlagen bereits im Kindes- und Jugendalter gelegt werden.[65]

Doch dies erfordere, die Besonderheiten im Entwicklungsprozess der Kinder zu beachten und das Training entsprechend zu gestalten.[66] Ein verantwortbares Kindertraining, was in der aktuellen Diskussion nahezu synonym zum langfristig effektiven Kindertraining genutzt wird, muss also kindgemäß, auf die Belange der Heranwachsenden abgestimmt sein.

Diese noch relativ inhaltsleere Forderung soll im anschließenden Kapitel 3 meiner Arbeit gefüllt werden, wenn die Charakteristik des Kindesalters aufgezeigt wird.

3. Charakteristik des Kindesalters

Die Kindheit als ein besonderer und eigenständiger Abschnitt der menschlichen Entwicklung, als etwas Unverletzliches und deshalb zu Schützendes, sie ist in diesem Sinne eine vergleichsweise späte „Erfindung“ und Entdeckung.[67]

Die Vorstellung der Kindheit und damit des Kindesalters, die heute verbreitet ist, bestand also keinesfalls als stabiler Faktor in der menschlichen Entwicklung über die Jahre hinweg, sondern wurde vielmehr als kulturelle Erscheinung erst in der jüngeren Neuzeit entwickelt, „indem man Heranwachsenden allmählich immer mehr von dem, was Erwachsenenleben ausmacht, vorenthielt und ihnen eigene Inhalte „kindgemäßen“ Lebens zuwies.“[68] Im Vergleich zu den heutigen modernen Industriegesellschaften hat es diese Abgrenzung zwischen Kindern und Erwachsenen beispielsweise im Mittelalter noch nicht ansatzweise gegeben:

Kinder trugen die gleiche Kleidung, spielten die gleichen Spiele, verrichteten die ’gleichen’ Arbeiten, sahen und hörten die gleichen Dinge wie die Erwachsenen und hatten vor allem keinen von ihnen getrennten Lebensbereiche.[69]

Das Wort „Kind“ beinhaltete also keine Altersbestimmung, sondern drückte rein eine Verwandtschaftsbeziehung zu den Eltern aus. Besonderheiten des Kindes im Vergleich zu Erwachsenen wurden nicht wahrgenommen.[70] Neil Postman fasst zusammen: „Kurzum, in der Welt des Mittelalters ist die Kindheit unsichtbar.“[71]

Trotz einigen Schritten zum heutigen Verständnis des Kindesalters in den nächsten Jahrhunderten - die Schulbildung wurde ausgedehnt, Kinderkleidung erfunden[72] - änderte sich vorerst wenig in der Welt des Kindes. Dies äußerte sich auch darin, dass von Heranwachsenden Leistungen erwartet und auch erbracht wurden, die heute ausschließlich Erwachsenen zugeschrieben werden. So widmete 1552 Erasmus von Rotterdam einem Sechsjährigen eine Schrift über Ehe, Geschlechtsgemeinschaft und Prostitution. Théodore Agrippa D’Aubigné übersetzte nur kurz später als Siebenjähriger Platon ins Französische, Blaise Pascal schrieb 1635 mit zwölf Jahren eine viel beachtete Abhandlung über den Schall, während der 14-jährige Mozart 1770 seine erste Oper, den Mitridate, verfasst hatte.[73] Demnach wurde - wie in der heutigen Kinderleistungssport-Diskussion - über die besonderen Belange des Kindes, oder danach, was kindgemäß ist, noch nicht sinniert. Kinder wurden schlichtweg „wie kleine Erwachsene gesehen, sie wurden also solche behandelt, und sie handelten in mancher Hinsicht auch selbst als solche.“[74]

Die einsetzende Abkehr von dieser Sicht geht mit der Aufklärung einher, denn die Pädagogen der Aufklärung fragten erstmals „nach dem eigenen Ziel der Erziehung, nach dem Eigenrecht des Kindes auf erfüllte Gegenwart und nach der Befähigung zu Mündigkeit und Selbstständigkeit.“[75] In diesem Zuge seien Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) und Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827) zu nennen. Katharina Weischenberg fasst die Einsichten Rousseaus wie folgt zusammen:

ROUSSEAU bestand auf dem Eigenrecht der Kindheit als von dem Erwachsenenalter zu unterscheidender Phase und verlangte einen kind- bzw. altersgemäßen Umgang mit Kindern. (...) ROUSSEAU hob hervor, daß ein Kind aus sich heraus wertvoll sei und nicht nur als Mittel zu einem Zweck.[76]

Dieser, von dem französischen Philosophen geforderte, kindgemäße Umgang mit den Heranwachsenden bestimmt wie voran beschrieben auch die Diskussion um den Kinderleistungssport. Rousseaus Erziehungskonzept wird in seinem bekannten Roman Emile oder über die Erziehung deutlich. Einerseits ist das Kind, dessen Psychologie sich grundlegend von der eines Erwachsenen unterscheidet, dem wünschenswerten Naturzustand des Menschen am nächsten.[77] Andererseits wird ein Kind aber auch als hilfsbedürftig angesehen. Um diese Abhängigkeit allerdings nicht noch zu schüren, müssen die Erzieher sich stets zurückhalten, ihre Aufgabe

sei es eher, die Umweltbedingungen so zu gestalten, Situationen pädagogisch so aufzubereiten, dass die Möglichkeit des Kindes zu ’originalen Begegnungen’ durch Exploration und Erkundungen gegeben ist.[78]

Auch an dieser Stelle sind Parallelen zu aktuellen Forderungen aus der Kinderleistungssport-Debatte zu ziehen. Zum einen sollen Kinder nach dem heutigen Kindheitsbegriff möglichst viele Erfahrungen, sprich Erkundungen, machen und zum anderen soll dies auf einer möglichst eigenständigen, nicht angeleiteten Art und Weise geschehen.[79] Der Ursprung des Prinzips der Vielseitigkeit, dessen Fehlen dem Leistungssport in der Diskussion immer wieder angekreidet wird, wird dagegen Pestalozzi zugesprochen. Dieser votierte für die harmonische Bildung aller im menschlichen „Kopf-Herz-Hand“-Wesen schlummernden Kräfte, „so daß geistige, sittliche und körperliche Kräfte gleichermaßen entfaltet werden sollten.“[80] Im Einklang zu diesen Überlegungen bezeichnet Winfried Joch die Vielseitigkeit im Rahmen der Talentförderung als „eine strukturelle Leistungsvoraussetzung.“[81] Bevor auf die leistungssportlich betriebene Sportart spezialisiert wird, so ist man sich im heutigen Kinderleistungssport einig, müssen die Aktiven vielseitig motorisch vorbereitet werden, wobei der Entwicklung der koordinativen Grundfertigkeiten eine besondere Stellung zufällt.[82] Dabei wird versucht die sensiblen Phasen in der motorischen Entwicklung der Kinder auszunutzen. Während einer solchen sensiblen Periode sprechen die Organismen von Kindern intensiver auf äußere Einwirkungen an.[83] Das beste motorische Lernalter endet in der Kindheit mit der Pubeszenz, obwohl natürlich auch im Anschluss die Motorik durch intensiveres Üben weiter verbessert werden kann.[84] Trotzdem wird in diesem Rahmen immer wieder das Sprichwort „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ bemüht.[85]

Die beiden Pädagogen der Aufklärung standen also schon vor gut 200 Jahren für Aspekte ein, die die Kritiker am heutigen Leistungssport im Kindesalter monieren. Damit haben sie natürlich auch das verbreitete Bild der Kindheit in den modernen Industriegesellschaften nachhaltig mitgeprägt. Zusammenfassend gesehen wurde Heranwachsenden in der Entwicklung ein immer größerer Schonraum eingeräumt. Heute wird als nicht kindgemäß betrachtet, „wenn Kinder zu früh in die Bereiche des Erwachsenenlebens einbezogen und in ihnen gefordert werden.“[86] Erst nach und nach sollen sie das Erwachsenenleben sich erschließen, eine „unspezifische, möglichst vielseitige Vorbereitung auf das Leben“[87] ist erwünscht.

Im Vorangegangenen wurde oftmals vom Erwachsenenleben geschrieben und dagegen das Leben der Kinder abgesetzt. Niemand wird widersprechen, dass Kinder in ihrer eigenen Welt leben[88], doch was macht die kindliche Welt wirklich aus? In der Folge sollen nun das Spiel und die Bewegung als Hauptkennzeichen des Kindesalters näher beleuchtet werden. Denn nicht nur Werner Schmidt stellt fest: „Spiel und Bewegung sind (...) überzeitliche Konstanten und überkulturelle Aufgaben im Prozess der Menschwerdung.“[89]

3.1 Kinderwelt ist Bewegungswelt

„Kinderwelt ist Bewegungswelt“[90], „für Kinder ist Bewegung die erste und lange noch die wichtigste Form des Zugangs zu ihrer Welt.“[91] Die beiden vorangegangenen Zitate belegen deutlich die Bedeutung der Bewegung im Kindesalter. Dies soll in der Folge nun weiter ausgeführt werden.

Unbestritten ist Bewegung zuerst einmal grundsätzlich schon im Kindesalter die Grundlage einer gesunden körperlichen Entwicklung. Bewegungsmangel stellt heute eine der größten Gefahren für die Gesundheit dar. Das Risiko auf Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems oder des aktiven und passiven Bewegungsapparates kann durch körperliche Betätigung reduziert werden. Doch nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation berücksichtigt Gesundheit nicht nur physische Aspekte, sondern beschreibt einen „Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und seelischen Wohlbefindens.“[92]

Dementsprechend wird der Bewegung neben der günstigen Wirkung auf den wachsenden Körper auch eine auf den Geist des Kindes zugeschrieben.[93] Zwar ist die körperliche Bewegungserfahrung keinesfalls gleichzusetzen mit dem Erwerb theoretischen Wissens, doch es entsteht durch jede Bewegung „ein praktisches „Know-how“ („gewußt –wie“); es [das praktische Know-how] kann die Bildung einer theoretischen Vorstellung erleichtern.“[94] Bei jeder Beschäftigung beispielsweise mit einem Ball gewinnt ein Kind Erfahrungen über die Flugbahn des Balles, über den Zusammenhang von Ballhärte und Sprungverhalten oder die Beziehung zwischen Ballgewicht und Windanfälligkeit.[95] Wird die Tätigkeit mehrmals wiederholt bzw. die Erfahrung wiederholt gemacht, verbessert sich nicht nur der reine Umgang mit dem Spielgerät, sondern die Kinder erlangen indirektes Wissen über etwaige physikalische Gesetzmäßigkeiten. Werden diese nun im Schulunterricht besprochen, ist die Thematik den Kindern viel näher, fassbarer, als wenn sie die praktischen Bewegungserfahrungen nicht gemacht hätten. Bewegung und die damit gemachten Erfahrungen stellen also eine Voraussetzungserleichterung für den Erwerb theoretischen Wissens dar.

Der beschriebene Aspekt findet sich auch bei den vier individuellen Bedeutungen wieder, die Werner Schmidt der kindlichen Bewegung einräumt. Das Erkunden der Eigenschaften der Spielmaterialien - im vorangegangenen Beispiel waren es materiale Erfahrung über verschiedene Bälle - wird zu der explorierend-erkundenden Bedeutung gezählt. Kinder machten nicht nur Erfahrungen über den Vollzug der Bewegung, sondern nutzten Bewegung als Medium der Erfahrung.[96] Die personale Bedeutung dagegen stellt das Erfahren der verschiedenen Bewegungsmöglichkeiten in den Vordergrund. Werden Bewegungen nicht nur unter fertigkeits- und fähigkeitsbezogenen Aspekten ausgeführt, kann etwa die Beschleunigung des Körpers oder das Gefühl der Schwerelosigkeit ein Erlebnis für Kinder an sich darstellen. Können diese Zustände gar bewusst hergestellt werden, bekommt das Kind zudem ein Gefühl der Souveränität über seinen Körper. Durch Bewegungen begreifen, erobern und erweitern Kinder also nicht nur ihre Welt, sondern gewinnen auch Selbstachtung und darüber hinaus an Selbstwertgefühl. Der Erfahrungszuwachs, den Kinder durch Bewegungen erlangen können, beinhaltet demnach

nicht nur unmittelbare körperliche Erfahrungen wie Ermüdung und Anstrengung, Wohlbefinden und Missbefinden. Es berührt auch unserer Selbst, unser Selbstwertgefühl und seine Einschätzung, gleicherweise unseres tieferes ’Ich’, d.h. die Chance, eine unverwechselbare Identität zu gewinnen.[97]

Des Weiteren können Kinder eine Stärkung ihres Selbstwertgefühls erlangen, wenn sie erlernt haben, ihre Motorik bewusst einzusetzen. Wird erstmals eine Bewegungskombination bewältigt, sind Glücksgefühle, Freude und Zuversicht die Folge.[98] Diese, von Schmidt instrumentelle Bedeutung genannt, findet sich gerade im Leistungssport verstärkt wieder, wo oftmals vorgegebene Bewegungen beherrscht werden müssen. Auch die vierte Bedeutung, die soziale, kommt im Leistungssport im Kindesalter vordergründig zum Tragen. Durch Agieren in der Gruppe oder im gemeinsamen Spiel lernen die Kinder zum einen, sich einzugliedern und gemeinsame Absprachen zu befolgen, und zum anderen erfahren sie aber auch, die Vorteile gemeinsamen Handelns in der Gruppe. Hiermit ist nicht nur das Spielen einer Fußball-Mannschaft wie eine des FC Schalke 04 gemeint, sondern auch das gemeinsame Arbeiten beispielsweise einer leistungsorientierten Turngruppe. Letztlich werden im Wettkampfsport „nicht nur Sieg und Niederlage erfahren, sondern gleichzeitig Gefühle von sozialer Nähe und Distanz, von Überlegenheit und Unterliegen-Können.“[99]

So lässt sich feststellen, wie die aufgeführten Beispiele zeigen, dass die Bewegungen, die im Sport und damit auch im Kinderleistungssport vorkommen, viele Erfahrungen mit sich bringen, „die in den meist einseitigen Bewegungen unseres alltäglichen Lebens nicht enthalten sind.“[100] Durch die Erziehung und beispielsweise durch den Sitzzwang in der Schule ist der natürliche kindliche Bewegungsdrang nämlich im Alltag zum Teil erheblich eingeschränkt.[101] Doch im Kontrast dazu ist auch eine genau entgegengesetzte Argumentation nachvollziehbar. „Sport und Sportunterricht objektivierten und reglementierten (...) Bewegungen, schwächten auf diese Weise manche Möglichkeiten der Entfaltung ein.“[102] Ist der Leistungssport im Kindesalter – dieses Erscheinungsbild wurde schon in Kapitel 2 meiner Arbeit erläutert – rein auf das Erringen von Fertigkeiten und Fähigkeiten, also letztendlich auf den Erfolg ausgerichtet, so werden Bewegungen, die der Leistungssteigerung nicht dienlich sind, möglichst ausgeblendet. An dieser Stelle ist nochmals darauf hinzuweisen, dass der Kinderleistungssport keinesfalls nach diesem Muster ablaufen muss, sondern sehr wohl eine individuelle Bewegungsvielfalt beinhalten kann. Trotzdem bleibt der Leistungssport im Kindesalter durch seine reglementierte Art der festgelegten Auseinandersetzung keine Erfindung der Heranwachsenden.[103] Denn Kinder wollen ihren Bewegungsdrang nicht primär im organisierten Sport stillen, sondern „[i]nsbesondere im Spiel und in der Begegnung mit Gleichaltrigen möchte sich das Kind körperlich und geistig bewegen.“[104]

Folglich soll im Anschluss das offene, selbstinitiierte Spiel, als neben der Bewegung zweite entscheidende Charakteristikum des Kindesalters, im Mittelpunkt der Ausführungen stehen.

3.2 Spiel als existentielle Grundlage der Kindheit

Genauso wie für ein normales körperliches Wachstum im Kindesalter eine angemessene Nahrung unentbehrlich ist, ist auch die richtige geistige Nahrung unersetzlich für die intellektuelle Entwicklung. Für die britische Psychologin Mia Kellmer Pringle ist neben der Sprache das Spiel der wichtigste Bestandteil dieser Nahrung.[105] Zudem weißt Schmidt darauf hin, „dass das Spiel als lebensnotwendiger Teil einer gelungenen kindlichen Persönlichkeitsentwicklung angesehen wird.“[106] Auch der Spieltheoretiker Arnulf Rüssel hält das „Spiel als besonderes Phänomen der Kindheit“[107] für äußerst bedeutsam. Er konstatiert: „Das Spiel ist die existentielle Grundlage der Kindheit.“[108]

Doch bevor das Vorangegangene mit Inhalt gefüllt und die Bedeutung des kindlichen Spiels für die heranwachsenden Individuen konkretisiert werden soll, werden zuerst einmal die entscheidenden Merkmale des Kinderspiels aufgeführt. Vorab ist das Kinderspiel schon vom reglementierten Sport abgegrenzt worden. Denn im Gegensatz zum Sport, hier ist der Kinderleistungssport inbegriffen, ist das Spielen stets

ein freiwilliges Geschehen. Eltern können zwar ihre Kinder auffordern, spielen zu gehen (etwa um sich selbst vorübergehend zu entlasten). Doch kein Kind kann zum Spielen gezwungen werden. Ebenso wie die Spielgegenstände selbst gewählt sind, ist das Spielgeschehen, ist die Spieltätigkeit eine freiwillige und vom Kind selbst bestimmte Tätigkeit.[109]

Neben der Freiwilligkeit gehört die „Freude, mit der Kinder spielen, (...) zu den Merkmalen des Spiels, die sich am ehesten nachweisen lassen. Spielen macht Spaß.“[110] Das Spiel wird zum gegenwärtigen Vergnügen betrieben, es ist lust- und keinesfalls zielgeleitet. Beim Spielen fehlt also die Berücksichtigung der Folgen, es wird rein um seiner selbst willen betrieben. Zwar können im kindlichen Spiel auch Elemente des Ernstes vorkommen, allerdings sind diese vielmehr Zeichen der selbst- und weltvergessenen Hingabe der Kinder an das Spiel. „Das Kind gibt sich dem Spiel völlig hin und nimmt es auf seine kindliche Weise ernst, weil es für das Kind das Wichtigste ist, was es gibt.“[111] Nicht selten wird das Phänomen des Flows nach Mihaly Csikszentmihalyi, also das bei einer Tätigkeit auftretende Flusserlebnis, mit dem Kinderspiel in Verbindung gebracht.[112]

[...]


[1] Heim, Rüdiger / Richartz, Alfred: Jugendliche im Spitzensport. In: Schmidt, Werner (Hrsg.): Erster Deutscher Kinder- und Jugendsportbericht. Schorndorf: Hofmann, 2003. S. 255-274, hier S. 255.

[2] Aus Gründen einer besseren Lesbarkeit wird im folgenden Text darauf verzichtet, bei der Nennung von Funktionen jeweils die männliche und weibliche Form des entsprechenden Substantivs aufzuführen. Wenn also z.B. das Substantiv „Trainer“ verwendet wird, so kann hier Trainerinnen und Trainer gemeint sein. Die Bedeutung ist jeweils aus dem Kontext zu entnehmen.

[3] Das Kindesalter wird in dieser Arbeit mit einem Verweis auf die möglichen Unterschiede zwischen chronologischem und biologischem Alter nicht durch eine Angabe von Lebensjahren eingegrenzt. Wenn eine Relevanz auch für das Kindesalter ersichtlich ist, werden somit auch Phänomene herangezogen, die in der Literatur Jugendlichen zugesprochen werden.

[4] Zwischen „Hochleistungssport“, „Spitzensport“ und „Leistungssport“ u.s.w. werden im Folgenden keine Bedeutungsunterschiede vorgenommen. Sämtliche Begriffe werden in der vorliegenden Arbeit synonym verwendet und lediglich vom Breitensport als eine von breiten Massen betriebene Form des Sporttreibens, ohne nationale oder gar internationale Spitzenleistungen anzustreben, unterschieden.

[5] Heim, Rüdiger: Jugendliche Sozialisation und Selbstkonzeptentwicklung im Hochleistungssport: eine empirische Studie aus pädagogischer Perspektive. Aachen: Meyer & Meyer, 2002. S. 7.

[6] Vgl. Frei, Peter u.a.: Belastungen und Risiken im weiblichen Kunstturnen. Teil 2: Innensichten, pädagogische Deutungen und Konsequenzen. Schorndorf: Hofmann, 2000. S. 13.

[7] Deutsche Presseagentur: Das Buhlen um Wunderknaben. Westfalenpost, 13.01.05, http://www.westfalenpost.de/wp/wp.archiv.frameset.php, 15.02.05

[8] Vgl. Dahms, Martin / Gotthardt, Thomas: Die großen Clubs in Spanien reißen sich um ein neunjähriges Fußball-Talent. Ganz großes Geld für kleine Jungs. http://www.bietigheimerzeitung.de/htm/news/artikel_brennpunkt.php4?artikel=9242, 15.02.05

[9] Heim 2002, S. 7; Vgl. Brettschneider, Wolf-Dietrich u.a.: Schule und Leistungssport – Chancen und Probleme. In: Sportunterricht (1993), Heft 9, 42. Jahrgang, S. 372-382, hier S. 372.

[10] Vgl. Brettschneider, Wolf-Dietrich / Gerlach, Erin: Sportengagement und Entwicklung im Kindesalter: eine Evaluation zum Paderborner Talentmodell. Aachen u.a.: Meyer & Meyer, 2004. S. 133.

[11] Conzelmann, Achim: Sport und Persönlichkeitsentwicklung: Möglichkeiten und Grenzen von Lebenslaufanalysen. Schorndorf: Hofmann, 2001. S. 31.

[12] Franke, Elk: Kinderleistungssport – oder Wie relativ sind soziale Probleme im Sport? In: Klein, Michael: Sport und soziale Probleme. Reinbek b. Hamburg: Rowohlt Tb., 1989. S. 121-138, hier S. 128.

[13] Crum, Bart: Kinder-Leistungssport zwischen Selbstverwirklichung und Ausbeutung. In: Howald, Hans / Hahn, Erwin (Hrsg.): Kinder im Leistungssport / 19. Magglinger Symposium 1980. Basel u.a.: Birkhäuser, 1982. S. 200-207, hier S. 204.

[14] Brettschneider, Wolf-Dietrich / Heim, Rüdiger: Heranwachsende im Hochleistungssport. Eine (Zwischen-) Bilanz empirischer Befunde. In: Leistungssport (2001), Heft 4, 31. Jahrgang, S. 34-38, hier S. 34.

[15] Größing, Stefan: Hochleistungssport im Kindesalter – gesellschaftliche Notwendigkeit oder pädagogische Gefahr. In: Österreichisches Journal für Sportmedizin (1989), Heft 4, 19. Jahrgang, S. 107-112, hier S. 110.

[16] Bette, Karl-Heinrich: Die Trainerrolle im Hochleistungssport. Sankt Augustin: Richarz, 1984. S. 104.

[17] Vgl. Heim / Richartz 2003, S. 255.

[18] Grupe, Ommo: Kinderhochleistungssport in pädagogischer Sicht. Resümee und Aufarbeitung einer kontroversen Diskussion. In: Sportunterricht (1984), Heft 11, 33. Jahrgang, S. 409-419, hier S. 411.

[19] Vgl. Größing 1989, S. 108.

[20] Vgl. Heim / Richartz 2003, S. 255.

[21] Vgl. Brettschneider / Heim 2001, S. 34.

[22] Grupe, Ommo: Hochleistungssport für Kinder aus pädagogischer Sicht. In: Daugs, Reinhard (Hrsg.): Kinder und Jugendliche im Leistungssport: Beiträge des Internationalen Interdisziplinären Symposiums "KinderLeistungen" vom 7. bis 10. November 1996 in Saarbrücken. 1. Aufl. Schorndorf: Hofmann, 1998. S. 32-44, hier S. 35.

[23] Grupe, Ommo / Krüger, Michael, 1997, S. 277 zit. nach Martin, Dietrich: Handbuch Kinder- und Jugendtraining. Schorndorf: Hofmann, 1999. S. 20.

[24] Deutscher Sportbund (Hrsg.): Grundsatzerklärung des Deutschen Sportbundes „Kinder im Leistungssport“. 1983. In: Kurz, Dietrich: Pädagogische Grundlagen des Trainings. Schorndorf: Hofmann, 1988. S. 123-128.

[25] Vgl. Franke, Elk: Bedeutung und ethische Konsequenzen sportlicher Höchstleistungen im Kindes- und Jugendalter. In: Daugs, Reinhard (Hrsg.): Kinder und Jugendliche im Leistungssport: Beiträge des Internationalen Interdisziplinären Symposiums "KinderLeistungen" vom 7. bis 10. November 1996 in Saarbrücken. 1. Aufl. Schorndorf: Hofmann, 1998. S. 50-68, hier S. 51.

[26] DSB (Hrsg). 1983, S. 125.

[27] Ebd. S. 124.

[28] Ebd. S. 124f.

[29] Vgl. Heim 2002, S. 22.

[30] Franke 1989, S. 51.

[31] Vgl. Scherler, Karlheinz: Kinderhochleistungssport und sportpolitische Konsequenzen. Weil es wieder einmal Zeit ist, das Schweigen zu brechen. In: Sportpädagogik (1989), Heft 2, 13. Jahrgang, S. 2-5, hier S. 3.

[32] Ebd.

[33] Deutscher Sportbund (Hrsg.): Belastbarkeit und Trainierbarkeit im Kindesalter. Erklärung des Präsidiums des DSB. Frankfurt am Main, 1989. S. 7.

[34] Landessportbund Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Weibliches Kunstturnen. Rahmentrainingskonzeption für Kinder und Jugendliche im Leistungssport. Mühlheim/Ruhr: Schiborr, 1992. S. 102f.

[35] Vgl. Deutscher Sportbund / Bereich Leistungssport: Nachwuchs-Leistungssport-Konzept: Leitlinien zur Weiterentwicklung des Nachswuchs-Leistungssports; beschlossen vom DSB-Hauptausschuß am 13. Dezember 1997 in Frankfurt/Main. Frankfurt am Main, 1997. S. 5.

[36] Landessportbund Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Badminton. Rahmentrainingskonzeption für Kinder und Jugendliche im Leistungsport. Wiesbaden: Limpert. 1999. S. 12.

[37] siehe: www.dfb.de/dfb-info/juniorecke/talent_neu/right.php, 18.03.05

[38] Dietrich Kurz beispielsweise gibt einem seiner Artikel den Titel „Die Gegenwart leben, die Zukunft nicht opfern!“ (Kurz, Dietrich: Die Gegenwart leben, die Zukunft nicht opfern! Prinzipien für einen pädagogisch verantwortungsvollen Leistungssport. In: Leistungssport (1994), Heft 4, S. 33-35). Durch einen pädagogisch verantwortungsvollen Leistungssport sollen die jungen Aktiven ihre Kindheit in vollen Zügen ausleben, um somit ihr späteres Leben besser bewerkstelligen zu können. Eckhard Meinberg warnt in diesem Zuge von einem „Diebstahl an Heranwachsenden“ (Meinberg, Eckhard: Kinderhochleistungssport: Fremdbestimmung oder Selbstentfaltung? Köln: Strauß, 1984. S. 27).

[39] Der Begriff Normumwelt wird an Anlehnung an die Veröffentlichung Weischenbergs (vgl. Anm. 69) verwendet.

[40] Vgl. Bette, Karl-Heinrich / Schimank, Uwe: Doping im Hochleistungssport: Anpassung durch Abweichung. Frankfurt: Suhrkamp, 1995. S. 26; Weber, Ulrike: Familie und Leistungssport. Schorndorf: Hofmann, 2003. S. 93.

[41] Cachay, Klaus / Gahai, Edwin: Brauchen Trainer Pädagogik? In: Leistungssport (1989), Heft 5, 19. Jahrgang, S. 26-30, hier S. 27.

[42] Bette / Schimank 1995, S. 27.

[43] Bette, Karl-Heinrich: Biographische Dynamiken im Leistungssport: Möglichkeiten der Dopingprävention im Jugendalter. Köln: Sport und Buch Strauß, 2002. S. 25.

[44] Bette / Schimank 1995, S. 31.

[45] Vgl. Heim 2002, S. 160.

[46] Bette / Schimank 1995, S. 30.

[47] Bette / Schimank 1995, S. 31.

[48] Meinberg 1984, S. 20.

[49] Heim 2002, S. 156.

[50] Kurz, Dietrich: Kinder im Leistungssport. In: Howald, Hans / Hahn, Erwin (Hrsg.): Kinder im Leistungssport / 19. Magglinger Symposium 1980. Basel u.a.: Birkhäuser, 1982. S. 184-199, hier S. 185.

[51] Vgl. Cachay / Gahai 1989, S. 30; Vgl. Krüger, Arnd: Hat sich die Sportpädagogik aus dem Leistungssport verabschiedet? In: Leistungssport (1991), Heft 6, 21. Jahrgang, S. 15-18, hier S. 17.

[52] Vgl. Cachay / Gahai 1989, S. 30.

[53] Ebd.

[54] Vgl. Krüger, Arnd: Trainer brauchen Pädagogik! Stellungnahme zum Beitrag CACHAY/GAHAI: Brauchen Trainer Pädagogik? In: Leistungssport (1989), Heft 5, 19. Jahrgang, S. 31-33, hier S. 33; Vgl. Meinberg, Eckhard: Kinderhochleistungssport wohin? Ein Orientierungsversuch. In: Daugs, Reinhard (Hrsg.): Kinder und Jugendliche im Leistungssport: Beiträge des Internationalen Interdisziplinären Symposiums "KinderLeistungen" vom 7. bis 10. November 1996 in Saarbrücken. 1. Aufl. Schorndorf: Hofmann, 1998. S. 87-99, hier S. 87.

[55] Vgl. Ebd.

[56] Vgl. Bona, Imke: Sehnsucht nach Anerkennung? Zur sozialen Entwicklung jugendlicher Leistungssportlerinnen und –sportler. Köln: Sport und Buch Strauß, 2001. S. 65.

[57] Grupe 1998, S. 140.

[58] Bette 1984, S. 89.

[59] Vgl. Martin 1999, S. 182f.

[60] Ebd. S. 36.

[61] Vgl. Gruppe 1998, S. 42; Vgl. Oerter, Rolf: Kinder und Hochleistungssport – Entwicklungschance oder Vergewaltigung? In: Sportpraxis (1997), Heft 6, 38. Jahrgang, S. 14-17, hier. S. 17.

[62] LSB NRW 1999, S. 17.

[63] Martin, Dietrich: Die Leistungsfähigkeit und Entwicklung der Kinder als Grundlage für den sportlichen Leistungsaufbau. In: Beck, Emil: Belastbarkeit der Kinder und Jugendlichen im Leistungssport: ausgewählte Beiträge des gleichnamigen Symposiums des Bundesausschuß Leistungssport vom 8. - 10. Dezember 1981 in Tauberbischofsheim. Berlin: Bartels & Wernitz, 1982. S. 47-64, hier. S. 47.

[64] DSB 1983, S. 125; Vgl. Martin, Dietrich / Nicolaus, Jürgen: Leistungsvoraussetzungen und sportliche Leistungsfähigkeit von Kindern. In: Daugs, Reinhard (Hrsg.): Kinder und Jugendliche im Leistungssport: Beiträge des Internationalen Interdisziplinären Symposiums "KinderLeistungen" vom 7. bis 10. November 1996 in Saarbrücken. 1. Aufl. Schorndorf: Hofmann, 1998. S. 347-363, hier S. 356.

[65] DSB 1997, S. 9.

[66] Ebd.

[67] Grupe 1984, S. 412.

[68] Kurz, Dietrich: Pädagogische Grundlagen des Trainings. Schorndorf: Hofmann, 1988. S. 86.

[69] Schmidt, Werner: Sportpädagogik des Kindesalters. 2., neu bearb. Aufl. Hamburg: Czwalina, 2002. S. 12.

[70] Weischenberg, Katharina: Kindheit im modernen Kinderhochleistungssport: Untersuchungen zur alltäglichen Lebensumwelt von C- und D-Kader-Athletinnen im Kunstturnen auf der Grundlage eines konkreten Kindheitsverständnisses. Frankfurt am Main u.a.: Lang, 1996. S. 38.

[71] Postman, Neil: Das Verschwinden der Kindheit. Frankfurt am Main: Fischer-Taschenbuchverlag, 1987. S. 29.

[72] Vgl. Weischenberg 1996, S. 41ff.

[73] Vgl. Kurz 1988, S. 86; Vgl. Grupe 1984, S. 412.

[74] Grupe 1984, S. 412.

[75] Schmidt, Werner: Kindheiten, Kinder und Entwicklung: Modernisierungstrends, Chancen und Risiken. In: Schmidt, Werner (Hrsg.): Erster Deutscher Kinder- und Jugendsportbericht. Schorndorf: Hofmann, 2003. S. 19-42, hier S. 20.

[76] Weischenberg 1996, S. 44.

[77] Weischenberg 1996, S. 44.

[78] Schmidt 2002, S. 31.

[79] Vgl. Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft / Kommission Sportpädagogik: Resolution zum Thema: Kind im sportlichen Training. In: Sportunterricht (1984), Heft 4, S. 148-150, hier S. 149.

[80] Meinberg 1984, S. 38.

[81] Joch, Winfried: Das sportliche Talent: Talenterkennung - Talentförderung – Talentperspektiven. 3., überarb. und um ein Suchwortreg. verm. Aufl. Aachen: Meyer & Meyer, 1997. S. 222.

[82] Starosta, Wlodzimierz: Das moderne System der Talentsuche im Wettkampfsport. In: Leistungssport (2004), Heft 4, 34. Jahrgang, S. 25-30, hier S. 25.

[83] Hirtz, Peter: Hinreichend früh, rechtzeitig speziell, entwicklungsgemäß und individuell – Der hohe Anspruch an die Talentförderung im Kindes- und Jugendalter. In: Hohmann, Andreas (Hrsg.): Talent im Sport: Beiträge dieses ... Symposiums im September 2000 in Potsdam. 1. Aufl. Schorndorf: Hofmann, 2002. S. 69-76, hier S. 73.

[84] Ebd. S. 70; Vgl. Conzelmann, Achim: Modelle sensibler Phasen als Leitkonzepte für ein entwicklungsgemäßes Training im Kindes- und Jugendalter? In: Hohmann, Andreas (Hrsg.): Talent im Sport: Beiträge dieses ... Symposiums im September 2000 in Potsdam. 1. Aufl. Schorndorf: Hofmann, 2002. S. 77-85, hier S. 78ff.

[85] Vgl. Bös, Klaus: Motorische Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen. In: Daugs, Reinhard (Hrsg.): Kinder und Jugendliche im Leistungssport: Beiträge des Internationalen Interdisziplinären Symposiums "KinderLeistungen" vom 7. bis 10. November 1996 in Saarbrücken. 1. Aufl. Schorndorf: Hofmann, 1998. S. 85-107, hier S. 106.

[86] Weischenberg 1996, S. 51.

[87] Kurz 1988, S. 87.

[88] Vgl. Weischenberg 1996, S. 87.

[89] Schmidt 2002, S. 11.

[90] Schmidt, Werner: Veränderte Kindheit - Veränderte Bewegungswelt. Analysen und Befunde. In: Sportwissenschaft (1997), Heft 2, 27. Jahrgang, S. 143-160, hier S. 156.

[91] Kurz 1988, S. 40.

[92] Weltgesundheitsorganisation (1946),

http://gesundheit.dgb-bwt.de/definition.html, 28.2.2005.

[93] Vgl. Weischenberg 1996, S. 81.

[94] Kurz 1988, S. 40.

[95] Vgl. ebd.

[96] Vgl. Schmidt 2002, S. 119.

[97] Ebd. S. 118.

[98] Vgl. Schmidt 2002, S. 116.

[99] Ebd.

[100] Kurz 1988, S. 41.

[101] Vgl. Weineck, Jürgen: Optimales Training. Leistungsphysiologische Trainingslehre unter besonderer Berücksichtigung des Kinder- und Jugendtrainings. 13. Aufl. Balingen: Spitta-Verlag, 2003. S. 99.

[102] Schmidt 2002, S. 115.

[103] Vgl. Anm. 44.

[104] Weischenberg 1996, S. 80.

[105] Vgl. Kellmer Pringle, Mia L.: Was Kinder brauchen. Stuttgart: Klett-Cotta, 1979. S. 55.

[106] Schmidt 2002, S. 106.

[107] Oerter, Rolf: Kindheit. In: Oerter, Rolf (Hrsg.): Entwicklungspsychologie. Weinheim: Beltz, Psychologie-Verlag-Union, 1998. S. 249-309, hier S. 250.

[108] Rüssel, Arnulf: Das Kinderspiel. Grundlinien einer psychologischen Theorie. 2. verb. Aufl. München: Beck, 1965. S. 135.

[109] Mogel, Hans: Psychologie des Kinderspiels. Berlin u.a.: Springer, 1991. S. 38.

[110] Ebd. S. 32.

[111] Weischenberg 1996, S. 118.

[112] Vgl. Oerter, Rolf: Psychologie des Spiels. München: Quintessenz, 1993. S. 6.

Details

Seiten
108
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638403214
ISBN (Buch)
9783638706704
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v42236
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Fakultät für Sportwissenschaft
Note
sehr gut
Schlagworte
Leistungssport Kindesalter Pädagogische Erwartungen Umsetzung Praxis Beispiel Fußball-Bundesligisten Schalke

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Titel: Leistungssport im Kindesalter. Pädagogische Erwartungen und Umsetzung in der Praxis