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Mündliche Kommunikation - Lästern, Frotzeln

Hausarbeit 2005 18 Seiten

Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

Einleitung,

1. Was ist Soziolinguistik?,

2. Gesprächsanalyse,
2.1. Der Dialog,
2.2. Der Gesprächsbegriff,
2.3. Makrostruktur des Gesprächs,
(3-Phasen-Modell)
2.4. Gesprächsthemen,

3. Lästern und Frotzeln:
Zwei alltagskommunikative Gesprächsmuster im Vergleich
3.1. Lästern,
3.1.1. Begriffserklärung,
3.1.2. Rahmenbedingungen,,
3.1.3. Objektthematisierung,
3.1.4. Spannungsaufbau,,
3.1.5. Kritik,
3.1.6. Thematische Fokussierung,
3.1.7. Reflexionsphase,
3.2. Frotzeln
3.2.1. Begriffserklärung,
3.2.2. Grundstruktur der Frotzelaktivitäten,,
3.2.3. Techniken des Frotzelns,,
3.2.4. Reaktion des Frotzelobjektes,,
3.2.5. Reaktion des Publikums/Abschluss,

4. Schlusswort, Resümee,

Literaturverzeichnis,

Einleitung

In vorliegender Hausarbeit zum Seminar „Grundlagen der mündlichen Kommunikation“ beschäftige ich mich mit dem Thema „Lästern und Frotzeln“ im Hinblick auf sprachwissenschaftliche bzw. soziolinguistische Elemente. Die Begriffe „Lästern“ und „Frotzeln“ sind mir aus meinem alltäglichen Sprachgebrauch bekannt, d. h. ich habe dazu aufgrund von alltagssprachlichen Erfahrungen eine grobe Vorstellung.

Die scherzhafte Rede allgemein spielt in unserem alltäglichen Leben eine große Rolle. Ich denke dabei an verschiedenste Arten von Humor und Witz in der täglichen Interaktion, an Imitation von Mitmenschen („Nachäffen“), an lustige Geschichten, Satire, Necken und Frotzeln von Freunden und Bekannten und vieles mehr. Dabei ist zu beachten, dass diese Art von Kommunikation erfahrungsgemäß eine so genannte „Doppelbödigkeit“ besitzt, d. h. „ernste und scherzhafte Rede fließen häufig untrennbar ineinander“.[1]

Dies etwas genauer zu betrachten setze ich mir als ein Ziel dieser Arbeit.

Ich werde einleitend einige Informationen zum Bereich der Soziolinguistik geben, um dann auf die Gesprächsanalyse einzugehen. Zu Anfang ist eine Begriffsklärung notwendig. Hierbei werden die Begriffe „Dialog“ und „Gespräch“ erläutert, sowie die „Makrostruktur des Gesprächs“ und „Gesprächsthemen“ thematisiert. Im Anschluss werden die alltagskommunikativen Gattungen „Lästern“ und „Frotzeln“ analysiert, wobei der Unterschied zwischen ihnen klar werden soll.

Interessant und zugleich schwierig stelle ich mir vor, diese Alltagsbegriffe wissenschaftlich zu betrachten und zu untersuchen.

1. Was ist Soziolinguistik?

Die Soziolinguistik ist ein Teilgebiet der Sprachwissenschaft, das sich mit der Verbindung von Sprache und Gesellschaft auseinandersetzt.

Der Mensch als ein soziales Wesen benutzt Sprache zur Kommunikation in einer Gesellschaft. Wenn Personen sprachlich miteinander kommunizieren wollen, brauchen sie die selben oder ähnliche Kenntnisse einer Sprache. Die sprachliche Handlung ist immer zugleich wesentliches Mittel zur Interaktion, da man mit jemandem spricht, wenn man etwas von ihm erreichen will.[2] Eine Sprechsituation kann somit auch als Handlungssituation beschrieben werden.

In der Soziolinguistik findet also ein In-Beziehung-Setzen von sprachlichen mit sozialen Daten statt. Die Kernfrage in dieser Wissenschaft ist die Beziehung zwischen den soziologischen Merkmalen der Kommunikationspartner einerseits und den sprachlichen Merkmalen ihrer Sprechweise andererseits. Das Referatsthema lässt sich in Folge dessen klar der soziolinguistischen Richtung zuordnen.

2. Gesprächsanalyse

Die Gesprächsanalyse sieht es als ihre zentrale Aufgabe an, die Bedingungen und Regeln systematisch zu erforschen, die die „natürliche“ Gesprächskommunikation,

d. h. dialogisches sprachliches Handeln in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen (Alltag, Institutionen, Medien usw.), bestimmen. [3]

Um auf das Thema „Lästern“ und „Frotzeln“ einzugehen, sind vorab grundlegende gesprächsanalytische Begriffe zu klären. Die Folgenden geben einen Rahmen an, in dem „Lästern“ und „Frotzeln“ eingebettet ist und erst stattfinden kann.

2.1. Der Dialog

Laut Duden handelt es sich bei dem Dialog um einen “mündlichen Gedankenaustausch zweier oder mehrerer Personen in Rede und Gegenrede über ein bestimmtes Thema.“[4]

Der Brockhaus kommt zu einer ähnlichen, nicht so ausführlichen Definition: “Unterredung zwischen zwei oder mehreren Personen.“ [5]

2.2. Der Gesprächsbegriff

Bei Brinkers „linguistischer Gesprächsanalyse“ hingegen wird lieber der Begriff “Gespräch“ statt “Dialog“ oder “Konversation“ verwendet, da diese Begriffe eine eingeschränkte Bedeutung haben. Dialog wird meistens für ein ernsthaftes Gespräch über ein wichtiges Thema verwendet, während Konversation eher für ein oberflächliche und unverbindliche Unterhaltung, wie Small- Talk, verwendet wird.

“Die Grundeinheit sprachlicher Kommunikation ist Anrede und Erwiderung, oder einfacher ausgedrückt, die Grundeinheit sprachlicher Kommunikation ist das Gespräch.“[6]

Bei Brinker wird auf dieser Grundlage ein Gespräch wie folgt definiert: “Gespräch ist eine begrenzte Folge von sprachlichen Äußerungen, die dialogisch ausgerichtet ist und eine thematische Orientierung aufweist.“[7]

Generell werden hier zwei Auffassungen zum Begriff “Gespräch“ genannt:

1) Interaktionen, die ein bestimmtes Thema sprachlich konstituieren (dies beinhaltet kein handlungsbegleitendes Sprechen).

2) Da das handlungsbegleitende und thematische Sprechen eng miteinander verbunden sind, erweitert sich der Begriff “Gespräch“ auf jede sprechsprachliche dialogisch und thematisch zentrierte Interaktion

Daraus ergibt sich der alltags-sprachliche Gesprächsbegriff:

Es sind mindestens zwei Interaktanten ( Sprecher/Hörer ) notwendig, wobei Sprecher und Hörerrolle wechseln ( turn - taking ). Es findet ein kommunikativer Austausch mit Ausrichtung auf ein bestimmtes Thema statt.

2.3. Makrostruktur des Gesprächs

Ein Gespräch ist in Folge dessen ein mündlicher Text, an dessen Entstehung mindestens zwei Personen beteiligt sind, die wechselseitig die Rollen von Sprecher und Hörer übernehmen. Die Gesprächsteilnehmer befinden sich hierbei in direktem Kontakt (face-to-face oder Telefon). Dies bietet die Möglichkeit, Verbesserungen sofort vorzunehmen oder Missverständnisse auszuräumen. Zu beachten ist, dass ein Gespräch aber nur dann vorliegt, wenn mindestens ein mal ein Sprecherwechsel vollzogen wird. Reine hörertypische Aussage wie „ja“, „hm“ etc. sind dabei allerdings nicht zu berücksichtigen.

Ein Gespräch – ungeachtet um was für eine Art es sich speziell handelt – lässt sich grob in drei Phasen gliedern: Anfangsphase, Gesprächsmitte, Beendigungsphase. Als „Gesprächsphase“ wird in der Literatur eine komplexe Einheit innerhalb von Gesprächen bezeichnet, die wesentliche Handlungs- und Themenkomplexe ausmacht. Sie beinhaltet eine interaktionslogische Reihenfolge und ist intern differenziert. Je nach Typ des Gesprächs existieren verschiedene Verlaufsformen und spezifische Gesprächsformen.

Eröffnungsphase

Die Eröffnungsphase ist die der Makroebene eines Gesprächstextes, in der der Kontakt zwischen den Gesprächspartnern hergestellt und die Gesprächssituation definiert wird. Dies beginnt meist nonverbal durch Blickkontakt o. ä. und wird dann verbal, z. B. durch den Austausch von Grußfloskeln weiter geführt. Die Länge dieser Phase ist abhängig vom Bekanntheitsgrad der Gesprächspartner und natürlich von der zur Verfügung stehenden Zeit.

Den Übergang zwischen der Gesprächseröffnung und der Phase der Gesprächsmitte (Kernphase) bildet im allgemeinen die Festlegung bzw. Regelung thematisch/inhaltlicher Schwerpunkte und ist oft ritualisiert.

Die Gesprächsmitte

Die Gesprächsmitte oder der Gesprächskern ist die Phase der Makroebene eines Gesprächstextes, in der das Gesprächsthema inhaltlich entfaltet und das Hauptziel des Gesprächs realisiert wird. Diese wird umso schneller erreicht, je besser sich die Gesprächspartner kennen. Es findet eine inhaltlich-sachliche Orientierung und die Zuwendung zum eigentlichen Gesprächsthema statt. Der Übergang kann sowohl eindeutig als auch unscheinbar verlaufen. Bezüglich des Gesprächsthemas lassen sich zwei Gruppierungen unterscheiden, und zwar die des festgelegten Themas (wie z. B. bei einer Arbeitssitzung) und die des Wahlthemas (z. B. beim Familienfrühstück). Im Rahmen der Gesprächsmitte passiert der Themenverlauf. Dabei ist zu beachten, dass die jeweiligen Gesprächsbeiträge thematisch an die Stelle passen, an der sie geäußert werden. Brinker/Sager fassen den Inhalts- und Handlungsaspekt zusammen:
"In der Kernphase werden Kommunikationsgegenstände (die Gesprächsthemen) abgehandelt und Gesprächsziele verfolgt."[8]

[...]


[1] Kotthoff, 1996, Vorwort

[2] Clément, 2000, S. 233

[3] Brinker, Sager, 1996, S. 18

[4] Drosdowski, 1989

[5] Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 1989

[6] Henne, Rehbock, 1979, S. 11

[7] ebd., S. 11

[8] Brinker, Sager, 1996, S. 94

Details

Seiten
18
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638403795
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v42320
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,3
Schlagworte
Mündliche Kommunikation Lästern Frotzeln Grundlagen

Autor

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Titel: Mündliche Kommunikation - Lästern, Frotzeln