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Christentum und Kommunismus. Parallelen und Unterschiede der Bergpredigt zu den Theorien Marx' im Hinblick auf den Umgang mit den Armen

Essay 2017 10 Seiten

Theologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Bergpredigt
2.1 Kurzvorstellung der Bergpredigt
2.2 Situation der Armen zur Zeit der Bergpredigt
2.3 Der Umgang mit den Armen in der Bergpredigt

3. Die Theorien von Karl Marx
3.1 Kurzvorstellung von Karl Marx und seinen Theorien
3.2 В egriff serki ärung
3.3 Situation des Proletariats zur Zeit von Marx
3.4 Der Umgang mit dem Proletariat bei Marx

4. Vergleich

5. Fazit

6. Literatur- und Quellenangaben

1. Einleitung

״Ach, wie sehr möchte ich eine arme Kirche und eine Kirche für die Armen!"1, sagte Papst Franziskus am 16.03.2013 bei einem Treffen mit Medienvertretern in Rom. ״Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern. Die Proletarier haben nichts in ihr zu verlieren als ihre Ketten.“2, schreibt Karl Marx in einem seiner bekanntesten Werke, dem Manifest der kommunistischen Partei. Zwei Zitate zweier Leute mit zwei verschiedensten Meinungen. Könnte man meinen, doch gerade in diesen Zitaten zeigt sich, dass sich der in Trier geborene Philosoph Marx und das Oberhaupt der katholischen Kirche mehr gemeinsam haben, als man denkt. Gerade in Hinblick auf die Armen, die von Marx zwar eher als Proletarier oder Arbeiter bezeichnet werden, gibt es viele Parallelen. In der folgenden schriftlichen Arbeit wird für das Christentum auf einen der Grundbausteine der Religion, die Bergpredigt aus dem Neuen Testament, zurückgegriffen und die Situation der Armen in den Kontext der damaligen Situation gesetzt. Danach werden die Theorien Karl Marx‘ nach den gleichen Aspekten erläutert. Ein finaler Vergleich soll danach Parallelen, aber auch Unterschiede herausfiltern und im Fazit wird die Frage beantwortet, ob christlich gleich kommunistisch ist.

2. Die Bergpredigt

2.1 Kurzvorstellung der Bergpredigt

Bei der Bergpredigt handelt es sich um einen neutestamentarischen Text aus dem Matthäus­Evangelium. Dort steht er im fünften bis siebten Kapitel. Die Bergpredigt lässt sich in verschiedene Abschnitte einteilen. So fängt der Text mit den so genannten Seligpreisungen (Mt. 5,3-12) an, in denen verschiedenen Randgruppen der Gesellschaft wie den Trauernden oder Barmherzigen Trost und Hoffnung zugesprochen werden. Jesus veranschaulicht danach die Bedeutung dieser Menschen, indem er die Bedeutung für die Welt klarstellt. Hierbei sagt er Z.B. auch den berühmten Satz: ״Ihr seid das Salz der Erde.“3. Im so genannten Hauptteil spricht Jesus in Antithesen, in denen er Gebote des Alten Testaments verschärft oder sogar umkehrt wie im Fall von ״Auge um Auge“, bei dem Jesus fordert, ״wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin.“4. Im Mittelpunkt der Bergpredigt steht das Vater Unser, welches auch heute noch das bekannteste Gebet des Christentums ist und hier das erste Mal verschriftlicht wurde. Nach diesem Höhepunkt spricht Jesus von Besitzlosigkeit, Sorglosigkeit und Rechtlosigkeit für das Reich Gottes. Danach spricht er die goldene Regel aus, die auch heute noch als Sprichwort bekannt ist, nämlich: ״Alles, was ihr von den anderen erwartet, das tut auch ihnen!“5. Zum Abschluss spricht Jesus noch einmal von vier Entscheidungen für oder gegen das Reich Gottes. Die Bergpredigt ist eine der bedeutsamsten Bibelstellen und ist aufgrund seiner oft revolutionären Ansätze auch heute noch gerne Textverweis von Politikern und anderen wichtigen Persönlichkeiten der Gesellschaft. So sagte der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker 1995 in einem Interview mit dem Spiegel Z.B.: ״Würden wir Menschen nach der Bergpredigt handeln, dann könnten wir überall Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit verwirklichen.“6

2.2 Situation der Armen zur Zeit der Bergpredigt

Zur Zeit der Bergpredigt, im ersten Jahrhundert nach Christus, war die Gesellschaft geteilt in drei Bevölkerungsschichten. Es gab die Oberschicht, diese setzte sich aus dem Priesteradel, Großgrundbesitzern sowie Großhändlern zusammen. Die Oberschicht lebte meist von ihrem Besitz und war die regierende Minderheit, aufgrund von Versklavung und schlechten Löhnen waren ihre Vertreter bei der Unterschicht sehr unbeliebt. Vertretern der Mittelschicht wurde oft die Verwaltung des Reichtums der Oberschicht anvertraut. Zur Mittelschicht gehörten Verwalter, Handwerker, Fischer und Kleinbauern. Sie beaufsichtigten, verwalteten und entlohnten zum großen Teil die Unterschicht, ihr Besitz an Land war gering und diente auch zur Selbstversorgung. Die Unterschicht umfasste die Armen in der Gesellschaft, zu ihr gehörten Tagelöhner, Sklaven, Bettler, Kranke und Arbeitslose. Ihr Verdienst war sehr gering und bei Tagelöhnern auch von der Tageslage abhängig und von den oberen Schichten diktiert. Während ein Wechsel zwischen den beiden oberen Schichten möglich war, blieben Tagelöhner oft über Generationen in der Unterschicht, da sie keine Aufstiegschancen hatten. Auch galt in der Unterschicht, dass Besitz nicht geteilt werden durfte. Zum Beispiel erbte bei Großfamilien oft nur der älteste Sohn und alle anderen bekamen nichts aus dem Erbe. Soziale Absicherungen gab es zu dieser Zeit nicht, die Armen zur Zeit Jesu waren ausgestoßen aus der Gesellschaft und bei Problemen hilflos alleingelassen. Durch die römische Besetzung Judäas, der Wirkungsstätte Jesu und die damit verbundene Unterdrückung der Juden war die Situation nochmals gereizt. Schikanen der Besetzer waren an der Tagesordnung.

2.3 Der Umgang mit den Armen in der Bergpredigt

In der Bergpredigt spricht Jesus die Armen mehrfach an und bezeichnet dabei vor allem den Begriff ״arm“ nicht als negativ. Schon im dritten Vers im Kapitel fünf bei der ersten Seligpreisung spricht er von denen, ״die arm sind vor Gott; / denn ihnen gehört das Himmelreich.“7. Mit diesem Vers spricht er direkt die Unterschicht an, reduziert sie jedoch nicht nur auf den Besitz, sondern sagt dazu, dass sie ״vor Gott“ arm sind. Damit erweitert er seinen Begriff der Armen auf eine geistige Ebene. Prunk und großen materiellen Besitz verurteilt er damit. Mit der Aussage, den Armen gehört das Himmelreich, schafft er die Verbindung zum Reich Gottes und zeigt, dass dieses Reich für sie, die Unterschicht, offen steht. Im Vater Unser, dem Mittelpunkt der Bergpredigt, steht der Vers: ״Gib uns heute das Brot, das wir brauchen.“8. Hiermit spricht Jesus von der göttlichen Gerechtigkeit. Diese ״Bedarfsgerechtigkeit“ bedeutet, dass man nur das bekommen soll, was man auch wirklich benötigt, also das Existenzminimum. Indem Gott keinen Reichtum bringen soll, sondern nur ״das Brot, was wir brauchen“, wird hier eine bedarfsgerechte Gesellschaft gefordert. Das bezieht sich auf die Armen, denn in solch einer Gesellschaft gibt es keine Armut, da der Maßstab zur Bewertung fehlt und alle alles Benötigte besitzen. Die Bedarfsgerechtigkeit ist eine Eigenschaft des Reich Gottes, weshalb sie wieder einen Bezug auf dieses Reich herstellt. Mit den drei rhetorischen Fragen ״Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen?“9 vertieft Jesus seinen Bezug zum Reich Gottes und den hohen Stellenwert, den dort die Armen haben. Der Messias zeigt den Menschen, dass materieller Reichtum im Reich Gottes nicht relevant ist, denn in den nächsten Versen heißt es ״Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben“. Er legt die Verantwortung über Reichtum, Nahrung und andere Bedarfsmittel in die Verantwortung Gottes und nimmt sie dabei allen Menschen ab.

Alles in allem kann man sagen, dass die Armen in der Bergpredigt öfter von Entscheidungen betroffen sind, da sie am nächsten an den Ergebnissen einer göttlichen ״Bedarfsgerechtigkeit“ wären. In der Bergpredigt wird keine Gewalt von der Unterschicht gefordert, sie werden auch nicht für ihre Lage verantwortlich gemacht. Vielmehr spricht Jesus vom Reich Gottes, wo es keine Unterschiede zwischen arm und reich gibt und damit auch keine Armen mehr.

3. Die Theorien von Karl Marx

3.1 Kurzvorstellung von Karl Marx und seinen Theorien

Karl Marx war ein deutscher Philosoph, Gelehrter und Journalist, der heute vor allem als Begründer des Marxismus und aufgrund der kommunistischen Herrschaftssystemen des 20. Jahrhunderts bekannt ist. Marx wird 1818 in Trier an der Mosel als Anwaltssohn geboren und studiert nach seiner Schullaufbahn auf dem Gymnasium Rechtswissenschaften und Philosophie, erst in Bonn, später in Berlin. Da er an keiner Universität einen Job bekommt, wird er Redakteur einer liberalen Zeitung aus Köln, wo er schnell Chefredakteur wird. Die Zeitung wird verboten und Marx geht nach Paris. 1844 trifft er erstmals seinen späteren Freund und Verbündeten, Friedrich Engels. Ein Jahr später wird Karl Marx aus Paris ausgewiesen, er zieht nach Brüssel und wird staatenlos, d.h. er gibt seine preußische Staatsbürgerschaft ab. 1848 erscheint von Marx und Engels das ״Manifest der Kommunistischen Partei“, indem er die soziale Schicht der Arbeiter zu Zusammenhalt aufruft. Bis heute ist diese Veröffentlichung eines der meistverkauften Schriftstücke aller Zeiten10. In der Märzrevolution im gleichen Jahr beschließt er wieder nach Köln zurückzukehren und gibt dort eine linksliberale Zeitung heraus. Nachdem die Revolution scheitert, wird Marx ausgewiesen und wandert nach London aus. Hier arbeitet er für mehrere Zeitungen und gründet 1864 die ״erste Internationale“, einen Dachverband für Arbeitervereinigungen aus aller Welt. 1867 erscheint der erste Band von Karl Marx Hauptwerk, ״Das Kapital“, in diesem kritisiert er das politische System der damaligen Zeit. 1883 stirbt Marx in London, die Bände zwei und drei vom Kapital werden durch den engen Freund Engels nachher veröffentlicht.

Marx kritisierte in seinen Werken meist die aktuelle Gesellschaft. Seine Zielvorstellung war der Kommunismus, eine Gesellschaft, in der alle gleichgestellt sind. Der Kapitalismus war für ihn der Ursprung allen Übels. Trotzdem war sein Ziel keine Diktatur wie Z.B. die DDR, sondern eine gleichberechtigte Gesellschaft. Er sagte auch, ״[D]as Volk ist der wirkliche Staat.“11

3.2 Begriffserklärung

Während Jesus oft von den Armen und den Tagelöhnern spricht, verwendet Marx eher das Wort ״Proletariat“. Damit meint er die arbeitende Unterschicht der Gesellschaft des frühen 19. Jahrhunderts, die ihren Lohn zum überleben brauchten und kein Kapital, d.h. keine finanziellen Rücklagen, hatten. Dem gegenüber steht die Bourgeoisie, die Unternehmer, die Kapital besitzen und die auf Kosten des Proletariats leben.

[...]


1 Niesen, Claudia: Papst-Zitate. Wenn Franziskus Klartext spricht. In: http://www.spiegel.de/politik/ausland/ papst-franziskus-fluechtlinge-armut-kapitalismus-klima-a-1054774.html (16.05.17, 14:55Uhr)

2 Marx, Karl: Manifest der kommunistischen Partei, http://gutenberg.spiegel.de/buch/mamfest-der- kommunistischen-partei-4975/6 (16.05.17,15:08Uhr)

3 Matthäus Kapitel 5, Vers 13 Hinweis: Diese und alle folgenden Bibelquellen finden sich in der Einheitsübersetzung

4 Matthäus Kapitel 5, Vers 38f.

5 Matthäus Kapitel 7, Vers 12

6 Klonovsky, Michael: Sagen sie mal, Richard von Weizsäcker WARUM NIMMT DER WIDERSTAND GEGEN HITLER HEUTE NOCH zu?. In: http://www.focus.de/politik/deutschland/sagen-sie-mal-richard-von- weizsaecker—warum-mmmt-der-widerstand-gegen-hitler-heute-noch-zu_aid_155947.html (20.05.17, 13:07Uhr)

7 Matthäus Kapitel 5, Vers 3

8 Matthäus Kapitel 6, Vers 11

9 Matthäus Kapitel 6, Vers 31

10 https://www.die-besten-aller-zeiten.de/buecher/meistverkauften/ (22.05.17, 21:58Uhr)

11 Marx, Karl: Marx rororo. In: Lehmann, Johannes: Mao, Marx und Jesus. Ein Vergleich in Zitaten. Wuppertal­Barmen 1969, s. 25

Details

Seiten
10
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668697492
ISBN (Buch)
9783668697508
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v423817
Note
1,3
Schlagworte
Christentum Kommunismus Religion Kirche Marx

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