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Perspektiven und Strukturen eines nachhaltigen Tourismus im Mediterranraum am Beispiel von Mallorca

von Andreas Stadler (Autor)

Hausarbeit 2017 15 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Fremdenverkehrsgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Mallorca und der Tourismus

3 Projekte im nachhaltigen Tourismus
3.1 Die Touristen-Steuer
3.2 Calvias LA21
3.3 Labeling

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Urlauber auf Mallorca 2014

Abb. 2: Herkunft der Urlauber in Prozent

Abb. 3: Zusammensetzung der Kommission

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Kostentabelle

Tab. 2: Einnahmen aus Tourismus-Steuer

Tab. 3: Auswirkungen des Tourismus

1 Einleitung

Mallorca ist die größte Insel der Balearen, die als autonome Region zu Spanien gehören. Die ganze Insel hat eine Einwohnerschaft von 880.000 Menschen, von denen 400.000 Einwohner in der Hauptstadt Palma de Mallorca leben. Seit vielen Jahren ist die Insel ein Synonym für den Massentourismus. In den Sommermonaten kommen bis zu 1,6 Millionen Touristen nach Mallorca, wodurch die Bewohner und die Infrastruktur der Insel plötzlich mit dem dreifachen der Einwohnerzahl fertig werden müssen.[1]

Aufgrund dieser kurzen Beschreibung scheint es wenig wahrscheinlich zu sein, dass nachhaltiger Tourismus eine große Rolle auf Mallorca spielt. Dennoch zeigt gerade die Verwaltung der Baleareninsel den Willen, dies zu ändern. Seit dem 1. Juli 2016 zahlen Touristen eine Steuer in Höhe von circa 2 € pro Person und Nacht, welche die Förderung von nachhaltigem Tourismusprojekten zu Gute kommen soll.[2]

Daher liegt das Forschungsinteresse dieser Arbeit darin, Beispiele für nachhaltigen Tourismus auf Mallorca zu finden und deren Wirksamkeit zu analysieren. Daher wird im ersten Kapitel dieser Arbeit kurz Mallorca als Destination für Massentourismus vorgestellt. Anschließend werden drei Beispiele aufgeführt und analysiert, die nachhaltigen Tourismus auf der beliebtesten Ferieninsel der Deutschen etablieren sollen. Eine abschließende Bewertung der Analyse und ein Ausblick auf zukünftige Entwicklungen schließen die Arbeit ab.

2 Mallorca und der Tourismus

Anfang der 1960er Jahre entschloss sich der spanische Diktator Franco, die Wirtschaft auf den bitterarmen Baleareninsel durch Tourismus anzukurbeln. Er ließ einen großen Flughafen auf der Insel bauen und öffnete sie damit für den Massentourismus. Seither sind die Besucherzahlen stetig gestiegen. Gleichermaßen haben sich viele Prominente und weniger prominente Menschen dort einen Zweitwohnsitz zugelegt. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: "Wenig Kriminalität, ausgebaute Straßen, gute Flugverbindung, hervorragende Restaurants und Golfplätze, viele deutsche Ärzte, keine Sprachprobleme".[3]

Während die Insel in den Sommermonaten überlaufen ist, sind die Wintermonate eher ruhig, was die folgende Grafik zeigt. Aus ihr ist auch zu entnehmen, dass zwar eine gewisse Zahl Spanier Urlaub auf Mallorca macht, die überwiegende Zahl der Urlauber aber aus anderen Ländern kommen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Urlauber auf Mallorca 2014[4]

Von den ausländischen Besuchern stellen die Deutschen den größten Anteil, gefolgt von den Briten. Zusammen stellen diese beiden Gruppen mehr als zwei Drittel der nicht-spanischen Besucher.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Herkunft der Urlauber in Prozent [5]

3 Projekte im nachhaltigen Tourismus

3.1 Die Touristen-Steuer

Nicht zum ersten Mal wird auf Mallorca seit Juli 2016 eine Ökosteuer erhoben, die ausschließlich von Urlaubern und Kreuzfahrt-Passagieren zu zahlen ist. Schon von 2001 bis 2003 hatte es so eine Steuer gegeben, aber diese war aufgrund des Drucks der Hotellobby wieder abgeschafft worden.[6] Die Frage ist nun, ob diese Steuer wirksam sein kann.

Dabei sind folgende Abgaben zu entrichten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Kostentabelle[7]

Diese Werte sind nicht besonders hoch, besonders dann nicht, wenn man sie mit Deutschland vergleicht. Die sogenannte Kurtaxe, die in vielen Erholungsorten geltend gemacht wird, erfüllt den gleichen Zweck, ist aber oft höher. "Juist, Borkum und Langeoog sowie Baden-Baden (Baden-Württemberg) und Bad Kissingen (Bayern) […] verlangen die höchsten Kurtaxen. Erwachsene müssen hier pro Tag 3,50 Euro zahlen", berichtet unter anderem der Spiegel.[8] Betrachtet man die Anzahl der Touristen, deren durchschnittliche Verweildauer und die zu entrichtende Steuer, dann ergibt sich folgendes Bild:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: Einnahmen aus Tourismus-Steuer[9]

Über die Verwendung der Mittel entscheidet ein Gremium, das vorwiegend aus Vertreter der zuständigen Ministerien vom Festland und aus Kommunal- und Wirtschaftsvertretern zusammengesetzt ist. Wichtig ist hierbei, dass ganz offensichtlich darauf verzichtet wurde, Vertreter des Gastronomie- und Hotelgewerbes einzuladen, sofern diese nicht durch die Unternehmerverbände vertreten werden. Damit ist die starke Einflussnahme aus den Jahren 2001 bis 2003 dieser Branche zumindest gemildert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Zusammensetzung der Kommission[10]

Der Verwendung der Steuer ist eine eigene Webseite gewidmet, die auch auf Deutsch verfügbar ist. Zwei Zitate sind dabei interessant. Dort heißt es zum einen: "Projekte zur Förderung eines Nachhaltigen Tourismus und der Verlängerung der Saison können mit Hilfe der Steuereinnahmen finanziert werden - wenn mehr Besucher im Herbst, Winter und Frühling kommen, können wir mehr Arbeitsplätze schaffen. Um das zu erreichen, können beispielsweise Rad- und Wanderwege geschaffen oder in Stand gesetzt oder besser ausgeschildert werden."[11]

Zum anderen werden die derzeitigen Projekte gelistet, die allesamt so neu sind wie die Steuer selbst: "1. Schutz, Erhalt und Wiederherstellung von Umwelt und Meer; Investitionen in […] bestehende Naturparks […], Wiederaufnahme landwirtschaftlicher Nutzung auf öffentlichen Landgütern (zum Erhalt der typischen Kulturlandschaft); Küstenreinigung […]; Installation von Ladestationen für Elektrofahrzeuge. 2. Qualitative Verbesserung des touristischen Angebotes und der touristischen Infrastrukturen: Umrüstung […] auf Selbstversorgung mit erneuerbaren Energien […], Verbesserungen/Modernisierungen in den Bereichen Wasserversorgung und Abwasserentsorgung; […] Verbesserung von Rad- und Wanderwegen."[12]

Daraus lässt sich entnehmen, dass die Mittel dazu eingesetzt werden sollen, um die Anzahl der ankommenden Touristen besser über das Jahr zu verteilen. Dies bedeutet, dass weniger Badegäste und mehr Wanderurlauber auf die Insel gelockt werden sollen. Es ist anzunehmen, dass das letztere Klientel Bezieher höherer Einkommen sind, was auch das Bundesministerium für Wirtschaft feststellt: "Die regelmäßig und gelegentlich wandernden Personen [verfügen] über ein deutlich höheres Einkommen, als es bei den selteneren und vor allem den nie wandernden Personen der Fall ist. Jeweils ca. 23% der regelmäßig und gelegentlich wandernden Personen verfügen über ein Haushaltsnettoeinkommen von über 3.000 € pro Monat."[13]

Bislang ist diese Gruppe auf Mallorca eher selten vertreten; die Webseite "Mallorca-Info" geht davon aus, dass "120.000 Menschen jedes Jahr zum Wandern nach Mallorca [kommen]".[14] Das sind 1,25 % aller auf Mallorca übernachtenden Urlauber. Wenn es gelingt, deren Anteil zu erhöhen, um so Hotels und Restaurants auch in ruhigen Monaten eine stabile Kundenbasis zu sichern, wird dies auch dazu beitragen, dass mehr umweltbewusste Reisende auf die Insel kommen.

3.2 Calvias LA21

Calvia im Südosten Mallorcas ist ein wichtiges Zentrum für den Tourismus. Der Ort selbst hat eine offizielle Einwohnerzahl von etwa 42.000, zu denen etwa 50.000 Bewohner eigener Ferienwohnungen oder Häusern hinzugezählt werden müssen. In den 1960er lag die Gesamtzahl der Einwohner bei 3.000, so dass Calvia in vierzig Jahren eine Steigerung der Einwohnerzahl um fast 3.000% hinnehmen musste. Rund um Calvia gab es im Jahr 2003 120.000 touristische Einheiten, in den 1960er Jahren waren es noch 6.800 gewesen, was einer Steigerung um fast 1.800 % entspricht.[15]

Fast 20 % der Besucher Mallorcas, 1,6 Millionen Touristen jährlich, verbringen heutzutage ihren Urlaub in und um Calvia, wo 95 % der Arbeitsplätze vom Tourismus abhängen. Ebenfalls im Jahr 2003 betrug das Einkommen, das aus dem Tourismus generiert werden konnte, 860 Millionen €, so dass das durchschnittliche Familieneinkommen über dem europäischen Mittel angesiedelt ist. Die Arbeitslosigkeit in Calvia lag hingegen unter dem europäischen Durchschnitt. Die Zahlen sind deswegen gut dokumentiert, weil Calvia als ein Musterbeispiel für die Entwicklung von nachhaltigem Tourismus und die damit verbundenen Probleme gelten sollte.[16]

2003 beschloss die Verwaltung Calvias eine lokale Agenda 21 (LA21), die den Ideen des Umweltgipfels von Rio 1992 und dem Fünften Umwelt-Aktionsprogramm "Für eine dauerhafte und umweltgerechte Entwicklung" der EU folgte. In diesem Rahmen wurden die dringendsten Umweltprobleme des Ortes dokumentiert. Grundlage waren Zahlen aus 1995, die in der untenstehenden Tabelle zusammengefasst sind.[17]

[...]


[1] Institut d'Estadística de les Illes Balears, 2015

[2] http://www.spiegel.de/reise/aktuell/mallorca-touristensteuer-ist-in-kraft-getreten-a-1100872.html

[3] http://www.planet-wissen.de/kultur/suedeuropa/tourismus_auf_mallorca/index.html

[4] https://www.caib.es/ibestat/estadistiques/043d7774-cd6c-4363-929a-703aaa0cb9e0/ef88f7cf-8e0b-44e0-b897-85c2f85775ec/ca/I208002_3001.px

[5] https://www.caib.es/ibestat/estadistiques/043d7774-cd6c-4363-929a-703aaa0cb9e0/ef88f7cf-8e0b-44e0-b897-85c2f85775ec/ca/I208002_3001.px

[6] http://www.mallorcazeitung.es/lokales/2016/06/20/touristensteuer-mallorca-zehn-fragen-zehn/43950.html

[7] http://www.sustainableislands.travel/sites/impostturisme/de/kostentabelle_/

[8] http://www.spiegel.de/reise/aktuell/mallorca-touristensteuer-ist-in-kraft-getreten-a-1100872.html

[9] https://www.caib.es/ibestat/estadistiques/043d7774-cd6c-4363-929a-703aaa0cb9e0/6b221d3e-ffbc-4727-a0f9-78d0d700c46e/ca/I208002_3002.px; http://www.sueddeutsche.de/reise/mallorca-ueberfuellungsgefuehl-1.2569494; http://www.sustainableislands.travel/sites/impostturisme/ de/kostentabelle_/

[10] http://www.illessostenibles.travel/sites/impostturisme/de/wer_wahlt_die_projekte_aus/

[11] http://www.sustainableislands.travel/sites/impostturisme/de/nachhaltiger_tourismus_/

[12] http://www.sustainableislands.travel/sites/impostturisme/de/nachhaltiger_tourismus_/

[13] https://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/Publikationen/Studien/grundlagenuntersuchung-freizeit-und-urlaubsmarkt-wandern,property=pdf,bereich=bmwi,sprache=de,rwb=true.pdf

[14] http://www.mallorca-erleben.info/wandern.html

[15] Dodds, R. (2007). Sustainable tourism and policy implementation: Lessons from the case of Calviá, Spain. Current Issues in Tourism, 10 (4), S. 300.

[16] Vgl. Dodds (2007), S. 299f.

[17] Siehe Dodds (2007), S. 301.

Details

Seiten
15
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668693920
ISBN (Buch)
9783668693937
Dateigröße
661 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v423988
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
2,7
Schlagworte
perspektiven strukturen tourismus mediterranraum beispiel mallorca

Autor

  • Andreas Stadler (Autor)

    21 Titel veröffentlicht

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Titel: Perspektiven und Strukturen eines nachhaltigen Tourismus im Mediterranraum am Beispiel von Mallorca