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Stress im Beruf. Zeitmanagement als Gegenmaßnahme

von Marco H. (Autor)

Hausarbeit 2018 19 Seiten

BWL - Personal und Organisation

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung
1.1 Relevanz des Themenaspektes
1.2 Ziele und Aufbau

2 Begriffsdefinition
2.1 Stress
2.2 Zeitmanagement

3 Stressentstehung und -bewältigung
3.1 Stressfaktoren und -bewertung im beruflichen Kontext
3.2 Stressbewältigung und Folgen von Stress

4 Zeitmanagement zur Stressreduktion
4.1 Ziele des Zeitmanagements
4.2 Allgemeine Methoden des Zeitmanagements
4.3 Spezifische Methoden des Zeitmanagements

5 Weitere Möglichkeiten zur Stressreduktion

6 Schlussteil
6.1 Fazit
6.2 Kritische Würdigung
6.3 Ausblick und kritische Faktoren

Quellenverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Relevanz des Themenaspektes

„Die Zeit vergeht nicht schneller als früher, aber wir laufen eiliger an ihr vorbei.“[1]

Viele Menschen sehen sich heutzutage mit enormem Zeitdruck und Stress konfrontiert. So fühlen sich über 25 Millionen Deutsche gehetzt und haben das Gefühl viel zu wenig Zeit zur Verfügung zu haben.[2] Das heutige Arbeitsumfeld ist gekennzeichnet durch die Erfordernisse der ständigen Erreichbarkeit, Multitasking, Konkurrenzdruck, dynamischen Märkten und einem steigenden Leistungsdruck.[3]

All diese Faktoren können zu Stress führen, diesbezüglich betrachten 46 % der Deutschen die Arbeit als größten Stressfaktor, gefolgt von zu hohen Ansprüchen an sich selbst (43 %).[4] Wenn der Stress anhält und kaum Erholungsphasen bestehen, können physische aber vor allem auch psychische Krankheiten wie Depressionen und Burnout entstehen.[5] Dies hat gestiegene Arbeitsunfähigkeitszahlen zur Folge, so ist der Anteil an psychischen Erkrankungen, welche zu Arbeitsunfähigkeitstagen führten, von 13,4 % im Jahre 2011 auf 16,7 % im Jahr 2017 gestiegen. In diesem Zusammenhang stellen die psychischen Erkrankungen nun die zweithäufigste Krankheitsart dar.[6] Dabei gibt es noch eine große Dunkelziffer, da viele Personen nicht zum Arzt gehen, aus Angst der Stigmatisierung im Beruf und der damit verbundenen beruflichen Nachteile. Häufig besteht das Vorurteil, dass Menschen nach einer psychischen Erkrankung nicht mehr einsatzfähig sind. Stress hat zudem erheblichen Einfluss auf das Unternehmen, diesbezüglich wird die Leistungsfähigkeit verringert und es entstehen häufiger Konflikte sowie Schuldzuweisungen, dadurch steigt die Demotivation und Fluktuation unter den Mitarbeitern an. Insgesamt werden das Betriebsklima und dadurch die gesamte Unternehmenskultur in Mitleidenschaft gezogen.[7]

Neben den privaten und betrieblichen Nachteilen entstehen zudem hohe Belastungen für die Krankenkassen und damit auch für den Staat.

Aus diesem Grund widmet sich diese Ausarbeitung den Möglichkeiten zur beruflichen Stressreduktion, dabei wird insbesondere der Fokus auf das Zeitmanagement gelegt, da es mit diesem möglich ist, gleichzeitig den Stress abzubauen und gute Arbeitsergebnisse zu erzielen.[8]

1.2 Ziele und Aufbau

Das Primärziel dieser Ausarbeitung besteht darin, die Auswirkungen von beruflich bedingtem Stress zu vermitteln und darauf einzugehen, inwiefern das Zeitmanagement Lösungsansätze zur Stressreduktion bereithält. Daneben bestehen Teilziele in der Darstellung des Entstehungsprozesses und der Folgen von Stress sowie in der Vermittlung der Instrumente des Zeitmanagements. Zusätzlich soll ein Verständnis dafür geschaffen werden, wie durch weitere Maßnahmen zur Stresssenkung beigetragen werden kann.

Um diese Ziele zu erreichen, ist es notwendig, vorab die maßgeblichen Begriffe Stress sowie Zeitmanagement zu präzisieren. Dieser Definition widmet sich Kapitel 2. Das darauffolgende Kapitel befasst sich mit der Entstehung und den Auswirkungen von Stress, letzteres fokussiert sich auf die persönliche Ebene, woneben auch die betriebliche und volkswirtschaftliche Ebene betrachtet werden. Kapitel 4 behandelt den Kern dieser Ausarbeitung, es werden in den einzelnen Unterkapiteln die Ziele des Zeitmanagements erläutert und die entsprechenden Methoden dargestellt. Bei diesen werden zuerst die allgemeinen Methoden erläutert, bevor im darauffolgenden Unterkapitel auf spezifische Instrumente wie dem Pareto-Prinzip oder der ALPEN-Methode eingegangen wird. Hierbei wird aufgezeigt, wie diese Methoden zu einer besseren Zeitorganisation und damit zu geringerem Stress führen. Das Kapitel endet mit einer Darstellung von Studienergebnissen zur Auswirkungen von Zeitmanagement auf das Wohlbefinden. Anschließend werden in Kapitel 5 weitere Maßnahmen zur Stressbehandlung dargelegt. Schließlich umfasst das Kapitel 6 ein gezogenes Fazit sowie die kritische Würdigung und einen Ausblick über das Themengebiet.

Die grundlegende Methodik zur Bearbeitung dieser Ausarbeitung erfolgte in einem dreigliedrigen Aufbau. Auf der ersten Ebene wurde sich ein allgemeiner Überblick über das Themengebiet anhand der Studienbriefe und Aufgabenstellung geschaffen. Während der Bearbeitung erfolgte daraufhin zumeist ein Rückgriff auf die Einführungs- und Fachliteratur zum Themenkomplex. Abschließend wurden zum vertieften Verständnis der Stressauswirkungen und des Zeitmanagements Internetrecherchen durchgeführt und Statistiken eingesehen.[9]

2 Begriffsdefinition

Um die notwendige Transparenz für den weiteren Verlauf zu schaffen, definieren die folgenden Unterkapitel die maßgeblichen Begriffe des Stresses sowie des Zeitmanagements.

2.1 Stress

Da es sich bei Stress um einen Begriff handelt, der nicht direkt greifbar oder sichtbar ist, bestehen Schwierigkeiten in einer einheitlichen Definition. Diesbezüglich befinden sich in der Wissenschaft bisweilen unterschiedliche Auslegungen des Begriffes. Die erstmalige Verbreitung des Begriffes in der Medizin wurde dabei von Hans Selye im Jahre 1936 vorangetrieben. Er entlehnte sich an der Physik, indem Stress als anforderungsgerechte, unspezifische Anpassungsreaktion des Körpers beschrieben wurde.[10] Die Stressbewältigungstheorien berufen sich oft auf die Definition nach Lazarus, wobei Stress eine Beziehung zwischen einer Person und seiner Umwelt darstellt, welche erschöpfend aber auch gleichzeitig sehr wichtig ist.[11] Eine solche Beziehung könnte das Angestelltenverhältnis sein, dieses ist für den Arbeitnehmer sehr wichtig, gleichzeitig fordert es ihn jedoch sehr. Er unterscheidet verschiedene Ebenen in seinem Stressmodell, zuerst den äußeren Reiz (Stressor). Dieser wird von der jeweiligen Person individuell bewertet und mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen abgeglichen. Sind nicht genügend Ressourcen vorhanden, entsteht Stress. Die letzte Ebene besteht in der Stressbewältigung, wobei entweder die Situation oder der Bezug zur Situation versucht wird zu ändern. Anschließend erfolgt eine Neubewertung der Situation und den gewonnen Erkenntnissen.[12]

Diese Ausarbeitung favorisiert diese Untergliederung des Begriffes auf die Ebenen Stressoren, individuelle Bewertung und Stressreaktion(-bewältigung).[13]

2.2 Zeitmanagement

Über Jahrhunderte hinweg entstanden immer wieder Theorien und Empfehlungen darüber, wie die zur Verfügung stehende Zeit bestmöglich genutzt werden kann. In der Wissenschaft bestehen unterschiedliche Definitionen des Zeitmanagements, wobei je nach Fachbereich andere Aspekte hervorgehoben werden (beispielsweise in der Soziologie der Fokus auf das Strukturieren der Freizeit und in der Psychologie die Fähigkeit Zeitpläne zu erstellen).[14] So wird Zeitmanagement häufig als Kombination von Zeitanalyse, Zielsetzung, Planung und Überwachung definiert.[15] Ein anderer Ansatz von Koch und Kleinmann bezieht das Individuum stärker mit ein. Hier wird Zeitmanagement als Selbstversuch definiert, mit dem die vorhandene Zeit so eingesetzt werden soll, um subjektiv effiziente Ergebnisse zu erzielen.[16] Dabei lässt sich die Zeit im eigentlichen Sinne nicht managen, da sie eine Konstante ist, vielmehr geht es darum die individuelle Nutzung der Zeitkapazitäten für seine Zwecke zu optimieren. Häufig wird deshalb auch der Begriff des Selbstmanagements verwendet.[17]

Diese Ausarbeitung orientiert sich an der Definition nach Aeon und Aguinis, wonach Zeitmanagement eine Form der Entscheidungsfindung ist, mit welchen die Individuen ihre vorhandene Zeitkapazität strukturieren, schützen und den Umweltumständen anpassen.[18] Wichtig ist dabei vor allem die individuelle Komponente, da auch Stress individuell verstärkt werden kann und somit beiderseitig auf dieser Ebene zur Stressreduktion agiert werden muss.

3 Stressentstehung und -bewältigung

Nachdem im Vorfeld dargelegt wurde, dass Stress sich auf die Ebenen Stressoren, Stressbewertung und Stressreaktion unterteilen lässt, erfolgt in diesen Unterkapiteln eine Darstellung dieser Ebenen sowie der Folgen von Stress, wobei sich auf den beruflichen Kontext fokussiert wird.

3.1 Stressfaktoren und -bewertung im beruflichen Kontext

Im Verlauf der Zeit hat sich das biologische Stressprogramm wenig verändert. Die Faktoren, welche Stress auslösen (Stressoren) haben jedoch grundlegende Änderungen erfahren. Während in der Frühzeit der Menschen vor allem physische Aspekte wie Gefahr, Hunger und Rangkämpfe Stress auslösten, sind es in der heutigen Zeit eher psychische Komponenten. So stellen vor allem der Zeit- und Leistungsdruck eine ständige Belastung dar.[19] Diese Stressoren werden durch die moderne Arbeitswelt gefördert. Diesbezüglich sehen sich ein Drittel der Beschäftigten durch diesen Druck im Beruf außerordentlich gestresst. Einen Hauptauslöser von Stress sieht der Arbeitsmediziner Kastner in der geringen Planbarkeit und Sicherheit in der zunehmend dynamisierten Arbeitswelt, die geprägt ist durch internationale Konkurrenz und schnelle Veränderungen. Immer wieder kommt es zu Umstrukturierungen im Zuge von geänderten Konzernstrategien, sodass die Angst um den Arbeitsplatz ein ständiger Begleiter wird. Berufsanfänger haben häufig mit einer starken Konkurrenz und befristeten Arbeitsplätzen zu kämpfen.[20] Mit der Dynamisierung und Digitalisierung des Arbeitslebens steigt auch die Informationsflut. So ist der E-Mail-Verkehr häufig ein Problem, während früher überlegt wurde, ob eine Person die Information wirklich benötigt, ist es mit den E-Mails einfach jemanden sicherheitshalber zu informieren. Somit bekommen die Personen eine Vielzahl von Informationen, obwohl diese für sie nicht unbedingt relevant sind. Weiterhin entstehen durch den multimedialen Einsatz häufig Unterbrechungen, sodass der Arbeitnehmer mehrere Sachverhalte zur gleichen Zeit bearbeiten muss, anstelle eines sukzessiven Vorgehens.[21] Dies kann zu mengen- als auch anforderungsspezifischen Überforderungen führen. Auf der zeitlichen Dimension ist ein Verschwimmen der Grenzen zwischen Arbeit und Beruf zu beobachten. Im Zuge von Home-Office und Smartphones sowie internationalen Partnerschaften, wird häufig eine ständige Bereitschaft von den Mitarbeitern erwartet. Auch haben viele Projekte einen engen Zeitrahmen, wodurch ein hoher Zeit- und Leistungsdruck entsteht.[22]

Diese Stressoren erfahren eine individuelle Bewertung durch die jeweilige Person. Die Bewertung erfolgt dabei auf zwei Ebenen, zuerst wird der Stressor bewertet (positiv, neutral oder negativ). Daraufhin wird geprüft, inwiefern die eigenen Kompetenzen im Umgang mit der Anforderung ausreichen. Hierbei bestehen einige intrapersonelle Eigenschaften, die den Stressor noch verstärken können sowie zu Stress führen. So haben Perfektionisten häufig eine geringe Fehlertoleranz, sind ungeduldig oder delegieren zu wenig, was zu einem erhöhten Stressmuster führt. Daneben führt der Wunsch nach Erfolg und Anerkennung häufig dazu, dass die eigenen Fähigkeiten und in diesem Zuge auch die Bewältigungskompetenz der Stressoren unterschätzt werden. Zusätzlich sehen sich insbesondere auch Personen, die sehr hilfsbereit sind und gerne Aufgaben für andere Mitarbeiter übernehmen, verstärkt mit Stressreizen konfrontiert.[23]

3.2 Stressbewältigung und Folgen von Stress

Infolge der Stressoren und deren Bewertung wird eine Stressreaktion ausgelöst, mit welcher die jeweilige Situation bewältigt werden soll. Die dabei unmittelbar entstehenden Reaktionen werden in verschiedenen Ebenen gegliedert:

- Physisch: Hierunter fallen sichtbare Anzeichen wie Schweiß, Angespanntheit und Zittern, aber auch nicht direkt ersichtliche Merkmale wie ein schneller Herzschlag, die flache Atmung, Übelkeit und Schwindel.[24]

- Verhalten: Personen in Stressreaktionen neigen zu Selbstmitleid, Planlosigkeit, überstürztem Handeln und übermäßigem Konsum von beispielweise Kaffee oder Drogen. Häufig fallen diese Personen auch durch schnelle Reizbarkeit und eine hohe Aggressivität auf, welche sich zum Teil darin äußert, dass sie andere nicht aussprechen lassen.[25]

- Psychisch: Auf der psychischen Ebene entstehen Gefühle wie Verzweiflung, Bitterkeit, Negativdenken und Traurigkeit. Stress kann zu Denkblockaden und Blackouts führen, welche die Kreativität hemmen, häufig im Einklang mit Angst und Selbstvorwürfen.[26]

Wird der Betroffene vermehrt mit Stress konfrontiert, bestehen kaum Möglichkeiten zur Regeneration, dieser chronische Stress kann ernsthafte Erkrankungen nach sich ziehen. Dies kann zu Herz-Kreislauferkrankungen, Bluthochdruck und Gefäßkrankheiten führen.[27] Besonders stark wird die psychologische Verfassung in Mitleidenschaft gezogen, so führt chronischer Stress häufig zu Depressionen, welche in einem Zusammenbruch und dem Burnout gipfeln können.[28]

Neben den hier dargelegten persönlichen Folgen von Stress bestehen – wie eingangs erwähnt – auch betriebliche und volkswirtschaftliche Nachteile durch Stress. Für den Betrieb entstehen so Kosten durch die Arbeitsausfälle. Häufig müssen andere Mitarbeiter dadurch Mehrarbeit leisten, was wiederum deren Stresslevel erhöht und sich negativ auf das Betriebsklima auswirkt.[29] Durch das schlechte Betriebsklima kann gutes Personal abwandern und das Unternehmen bekommt Schwierigkeiten sich auf dem Markt durchzusetzen. Daneben werden die Krankenkassen mit hohen Kosten belastet, so entstanden der Volkswirtschaft Deutschland im Jahre 2015 etwa 338 Milliarden Euro Kosten durch Krankheiten, davon allein 44 Milliarden durch psychische Krankheiten.[30]

Stress kann also, sofern er anhält, starke negative Folgen auf der persönlichen, betrieblichen und volkswirtschaftlichen Ebene nach sich ziehen.

4 Zeitmanagement zur Stressreduktion

Dieses Kapitel widmet sich den Zielen und Instrumenten des Zeitmanagements, mit welchem beruflich bedingter Stress reduziert werden soll.

4.1 Ziele des Zeitmanagements

Das primäre Ziel des Zeitmanagements besteht in dem Abbau von Stress, gleichzeitig soll dabei aber auch die Leistungsfähigkeit gefördert werden. Durch den effizienten Umgang mit der Zeit wird ein koordiniertes Arbeiten ermöglicht und die Priorisierung der Tätigkeiten tritt besser hervor. Im Zuge der Erstellung von Zeitplänen ist es möglich, am Ende der Periode zu kontrollieren, ob die eigenen Ziele erreicht wurden, dabei können auch bewusste Zeiträume zur Entspannung geschaffen werden, bei welchen der Kopf frei von anderen Sachverhalten ist. Diese freien Zeiträume wirken motivierend und fördern die Kreativität. Auch die Qualität der geleisteten Arbeit wird verbessert, indem Ablenkungen vermieden und die Konzentration voll auf die vorliegende Aufgabe gelegt wird.[31] Allgemein führt das Zeitmanagement dazu, das Gefühl der Kontrolle über die eigene Zeiteinteilung zu gewinnen, die Zielerreichung wird mit Erfolg verbunden, was ein Wohlbefinden bei der betreffenden Person auslöst und so der Gesundheit zuträglich ist. Durch die exakte Einteilung in Arbeits- und Freizeit, wird daneben die Work-Life-Balance gefördert.[32]

4.2 Allgemeine Methoden des Zeitmanagements

Bei den unspezifischen Instrumenten des Zeitmanagements gilt es zuerst den individuellen Grund für das Zeitmanagement zu definieren, es sind also die angestrebten Ziele festzulegen. Dabei ist darauf zu achten, dass die Ziele SMART sind. SMART steht als Akronym für die Begriffe spezifisch (eindeutig formuliert), messbar, aktionsorientiert, realistisch (erreichbar) und terminiert (zeitlich begrenzt).[33] Anschließend erfolgt mit der Zeitanalyse eine Betrachtung des derzeitigen Zustandes, wobei Zeitdiebe identifiziert und korrigiert werden. Die Unternehmensberatung Bain hat in einer Studie die größten Zeitdiebe untersucht, dazu gehört auch eine unklare Terminplanung, bei welcher nicht direkt festgelegt wurde, welche Themen wen betreffen. In dieser Folge kommt es zu einer viel zu großen Anzahl an Meetings mit zu vielen Teilnehmern, wobei keine klaren Entscheidungen getroffen werden. Ebenso sollte nicht jeder ein Meeting einberufen können, um die Anzahl gering zu halten. So entfallen bereits etwa 15 % der Arbeitszeit sämtlicher Mitarbeiter auf Meetings. Oft herrscht die Einstellung vor, dass die Konferenzzeit eher Entspannung und Freizeit darstellt als Arbeitszeit. Diesen Zeitdieben ist mit klaren organisationalen Strukturen zu begegnen, wobei standardisierte Prozesse zur Entscheidungsfindung etabliert werden sollten. Vielfach wird die direkte Verbindung von Zeit und Geld nicht erkannt, hier hilft es klare Zeitbegrenzungen zu setzen.[34] Auf der persönlichen Ebene liegen die Zeitprobleme häufig an der großen Anzahl an E-Mails, zu vielen Telefonaten und der Unfähigkeit „Nein“ zu sagen bzw. zu delegieren. Verbesserungen können bereits erzielt werden, indem E-Mails beispielsweise gleich bearbeitet werden, anstelle diese im Laufe des Tages mehrfach zu lesen. Auch helfen Software und Ablagesysteme, eine gewisse Ordnung und Struktur zu schaffen.[35] Bei den Telefonaten hilft es diese blockweise zu bearbeiten, sich also feste Zeiträume für die Anliegen freizuhalten und schwierige Sachverhalte zusammenzufassen. Viele Mitarbeiter sagen nicht gerne „Nein“, da sie befürchten, dass ihre Reputation leidet oder sie unhöflich wirken, hierdurch geht ihnen jedoch viel Zeit verloren. Es gilt also freundlich „Nein“ zusagen, indem beispielsweise Gegenvorschläge erbracht werden, die Kosten- und Nutzenabwägung dargelegt oder auf die vorhandene Zeitkapazität hingewiesen wird.[36] Zu dem Standardrepertoire des Zeitmanagements gehört auch das Erstellen von Tages-, Wochen- Monatsplänen, wobei die wichtigsten Aufgaben und Ziele auf die jeweilig geplanten Zeiträume verteilt werden.[37]

4.3 Spezifische Methoden des Zeitmanagements

Nachdem im Vorfeld die allgemeinen Instrumente des Zeitmanagements dargelegt wurden, folgt hier eine Auflistung der spezifischen Methoden:

- Pareto-Prinzip: Das vom Volkswirtschaftler Vilfredo Pareto entwickelte Pareto-Prinzip ist auf viele Situationen anwendbar. Es besagt, dass 20 % des Einsatzes etwa 80 % des Ergebnisses erzielen. Angewandt auf das Zeitmanagement besagt es also, dass in 20 % der aufgewendeten Zeit 80 % der Aufgaben erledigt werden können. Die restlichen 80 % der Zeit werden demnach für nur 20 % der Arbeiten benötigt. Hier stellt sich die Frage, ob eine achtzigprozentige Lösung in der Mehrzahl der Fälle nicht völlig ausreicht, sodass sich zuerst den wichtigsten Aufgaben effektiv gewidmet werden kann.[38]

- ABC-Analyse: Eine Methode zur Priorisierung der Tätigkeiten und damit auch der Zeitkapazitäten stellt die ABC-Analyse dar. Grundprämisse ist dabei, dass die Anteile der prioritären und weniger prioritären Aufgaben über den Zeitverlauf hinweg relativ konstant sind. Ähnlich dem Pareto-Prinzip gibt es einen kleinen Anteil an Aufgaben, welche einen großen Ergebnisbeitrag erzielen. So tragen A-Aufgaben etwa 65 % des Ergebnisses bei nur ca. 15 % des Aufgabenvolumens bei. B-Aufgaben haben etwa gleiche Anteile von Ergebnisbeitrag und Zeitaufwand von je 20 %, wohingegen C-Aufgaben etwa 65 % der Zeit verbrauchen und nur 15 % Ergebnis liefern. Es gilt die anstehenden Projekte und Aufgaben in diese Kategorien aufzuteilen. Anschließend wird die vorhandene Zeit zuerst auf die A-, dann auch die B-Aufgaben und erst zum Schluss auf die C-Aufgaben verteilt.[39]

- Eisenhower-Prinzip: Dieses Prinzip wurde von dem amerikanischen Präsidenten Dwight D. Eisenhower verwendet. Dabei werden die Aufgaben nach Dringlichkeit und Wichtigkeit in vier Quadranten (A, B, C, D) unterteilt. Unter den A-Quadranten fallen wichtige und dringliche Aufgaben, die sofort erledigt werden sollten. Der B-Quadrant stellt eine hohe Wichtigkeit aber niedrige Dringlichkeit dar, hier gilt es die Aufgabenerfüllung zu terminieren. Die Aufgaben in Feld C sind dringlich aber nicht wichtig, diese können delegiert oder rationalisiert werden. Der D-Quadrant enthält schließlich vernachlässigbare Sachverhalte.[40]

- ALPEN-Methode: Die ALPEN Methode dient – als Entscheidungshilfe – der systematischen Ordnung und Beurteilung von Vorgängen. Bei dem Wort ALPEN handelt es sich um ein Akronym, das „A“ steht dabei für das Aufschreiben der zu erledigenden Aufgaben, „L“ für die geschätzte Länge der Aufgabenerledigung (den Zeitbedarf). Mit dem Buchstaben „P“ wird die Bedeutung von Pufferzeiten hervorgehoben, so sollte nur bis zu 60 % der Zeit verplant werden, der Rest steht für unerwartete Aktivitäten und kreative Zeit zur Verfügung. Der Buchstabe „E“ steht für die Entscheidungen, womit die Reduktion der Aufgaben auf ein realistisches Maß gemeint ist. Andere Aufgaben müssen verschoben oder mit Überstunden erledigt werden. Das „N“ meint schließlich die Nachkontrolle mit dem Übertrag oder der Streichung unerledigter Aufgaben.[41]

Es zeigt sich, dass eine Vielzahl von praktischen Methoden bestehen, um das Zeitmanagement zu optimieren, indem die anstehenden Aufgaben strukturiert, geordnet und bewertet sowie Zeitdiebe ausgeschaltet werden.

Abschließend können Studien zur Wirksamkeit von Zeitmanagement als Maßnahme zur Stressreduktion herangeführt werden. In einem Artikel für die Zeitschrift „Academy of Management Perspectives“ haben die Autoren Aeon und Aguinis die Resultate von 20 Studien über die Rückwirkung des Zeitmanagements auf das körperliche Wohlbefinden ausgewertet. Diese wurden im Zeitraum von 1988 bis 2013 durchgeführt. Sie fanden heraus, dass Zeitmanagement zu einem gesteigerten Optimismus, Selbstvertrauen und zu einer besseren gesundheitlichen Verfassung führt. Insbesondere psychologische Aspekte wie Stress, Angst, Hoffnungslosigkeit und Depressionen werden durch Zeitmanagement gemindert. Besonders oft wurde dabei die negative Korrelation zu Stress hervorgehoben, womit die Prämisse, dass Zeitmanagement zu einer Reduktion des beruflich bedingten Stresses führt, bestätigt werden kann.[42]

[...]


[1] Orwell (ohne Zeitangabe), zitiert nach Bärtsch (2007), S. 66

[2] Vgl. IFD Allensbach (2017)

[3] Vgl. Mainka-Riedel (2013), S. 7 ff.

[4] Vgl. Techniker Krankenkasse (2016)

[5] Vgl. Kaluza (2014), S. 33 ff.

[6] Vgl. DAK (2017)

[7] Vgl. Mainka-Riedel (2013), S. 32 ff.

[8] Vgl. Zach (2018), S. 61

[9] Um den Lesefluss zu erleichtern, wurde in dieser Arbeit auf eine geschlechtergerechte Sprache verzichtet.

[10] Vgl. Mainka-Riedel (2013), S. 55

[11] Vgl. Lazarus; Folkman (1984), S. 19 f.

[12] Vgl. Basler; Gattinger (2014), S. 176

[13] Vgl. Kaluza (2014), S. 7 ff.

[14] Vgl. Aeon; Aguinis (2017), S. 310

[15] Vgl. Häfner; Stock (2010), S. 430

[16] Vgl. Koch; Kleinmann (2002), S. 201

[17] Vgl. Kaschak (2015), S. 157

[18] Vgl. Aeon; Aguinis (2017), S. 311

[19] Vgl. Kaluza (2014), S. 47 f.

[20] Vgl. Mainka-Riedel (2013), S. 7 ff.

[21] Vgl. Hofmann (2015), S. 18 ff.

[22] Vgl. Ulich; Wülser (2009), S. 64 f.

[23] Vgl. Kaluza (2014), S. 71 ff.

[24] Vgl. Mainka-Riedel (2013), S. 81

[25] Vgl. ebd., S. 81 f.

[26] Vgl. ebd.

[27] Vgl. Hofmann (2015), S. 40

[28] Vgl. Basler; Gattinger (2014), S. 180 ff.

[29] Vgl. Mainka-Riedel (2013), S. 23 ff.

[30] Vgl. Statistisches Bundesamt (2017), S. 16

[31] Vgl. May (2015), S. 68 ff.

[32] Vgl. Graf (2012), S. 39 ff.

[33] Vgl. Jahn (2015), S. 426

[34] Vgl. Bain (2014)

[35] Vgl. Seiwert (2006), S. 301

[36] Vgl. Jahn (2015), S. 428 f.

[37] Vgl. Becker (2018), S. 118 ff.

[38] Vgl. Baus (2015), S. 46 f.

[39] Vgl. ebd., S. 47 ff.

[40] Vgl. Bensberg; Messer (2014), S. 117

[41] Vgl. Seiwert (2006), S. 305

[42] Vgl. Aeon; Aguinis (2017), S. 311 ff.

Autor

  • Marco H. (Autor)

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Titel: Stress im Beruf. Zeitmanagement als Gegenmaßnahme