Lade Inhalt...

Die Masse der Individuen. Wodurch zeichnet sich das neue Phänomen aus und was sind die Hintergründe?

Auf den Spuren der Hipster

Hausarbeit 2015 12 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

Gliederung:

1.Einleitung

2.Die Ursprünge

3.Der Hipster der Gegenwart

4.Die Botschaft und Motivation

5.„Was? Nein, ich bin kein Hipster!“

6.Fazit

7.Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ein Phänomen, welches in unserer heutigen Kultur anzutreffen ist, sind die Hipster. Eme Subkultur, die eigentlich nicht als Subkultur beschrieben werden kann, da inzwischen jeder ein Hipster ist. Beziehungsweise keiner.

Also was denn jetzt?!

Bei dem Versuch herauszufinden, was ein Hipster wirklich ist, scheint es so als ob jeder wüsste was und wer ein Hipster sei. Geht man jedoch mit den Fragen weiter ins Detail und fragt einmal genauer nach werden die Antworten schon schwammiger. So richtig scheint niemand genau zu wissen was einen Hipster letztendlich ausmacht.

Fängt man bei dem äußeren Erscheinungsbild an, so fallen einem direkt viele Schlagwörter ein: Hornbrille, Mütze, Bart, Rennrad, Longboard, Spiegelreflexkamera, Skinnyjeans, Jutebeutel etc.

Aber reicht das schon aus um ein Hipster zu sein und vor allem ist jeder der ein bis zwei dieser Attribute an sich trägt ein Hipster?

Inwiefern gehört eine politische Motivation, ein gesellschaftskritischer Gedankengang oder eine Abgrenzung zu dem Mainstream zum wesentlichen Bestandteil eines Hipsters?

Ein weiteres Phänomen ist der eigene Elmgang mit dieser Gruppe. Fragt man einen Punk, ob er Punk sei wird er es mit Stolz bejahen und seinen Standpunkt verdeutlichen und einen evtl, in eine Diskussion begleiten.

Bei einem Hipster ist es hingegen etwas ganz anderes. Nomikladiert man eine offensichtlich der Hipster-Bewegung zugehörigen Person als Hipster, so scheint man ihn fast schon zu beleidigen und er streitet es vehement ab. Es scheint so als sei es fatal diese Person mit dieser Subkultur in Verbindung zu bringen.

Die Frage, die sich nun aufdrängt ist offensichtlich:

״Warum?!“

Elm dieser Frage auf den Grund zu gehen, wird in dieser Arbeit als erstes versucht eine Art Definition eines Hipsters zu finden. Was macht ihn aus.

Dafür muss der Ursprung dieser Subkultur und Bewegung analysiert werden, welcher in den USA der 50er Jahre in einem Essay von Norman Mailer gefunden wird.

In einem weiteren Teil wird dargestellt was hinter dem Äußerlichen steckt. Was ist also die Aussage und Botschaft dieser Bewegung?

Im Anschluss und dem letzten Teil der Arbeit wird dann auf das Integrationsgefîihl dieser Gruppe eingegangen und herausgestellt warum sich ein Hipster von seiner Subkultur so strikt distanziert.

Das abschließende Fazit resümiert dieses und schafft eine genauere Vorstellung der Beweggründe und der Absicht. Was also hinter diesem modischen Protest steckt.

Die Arbeit stützt sich hauptsächlich auf Feuilletons, Blogs und Zeitungsartikeln, da es meiner Ansicht nach bei diesem speziellen Thema interessanter ist zu analysieren, wie die breite Masse, bzw. die Öffentlichkeit diese Subkultur angeht als anhand von wissenschaftlichen Definition eine klare Abgrenzung zu finden

2. Die Ursprünge

Beschäftigt man sich mit der Herkunft von Hipstern so müssen die Ursprünge in den USA des 20. Jahrhunderts gesucht werden.

Schon 1957 wird der Begriff von dem amerikanischen Autor Norman Mailer in seinem Essay ״The White Negro: Superficial Reflections in the Hipster“ verwendet. Hierin beschreibt er eine Subkultur von weißen Vorortjugendlichen die sich von ihrer konjormiért en und uniformierten Kultur distanzierten und sich der black culture angehörig fühlten. Hipster hörten vor allem Jazz und Swing und trugen exzentrische avangardedistische Kleidung um ihre Mittelschichtseltem zu brüskieren und sich zu distanzieren.1 Mailer beschreibt weiter in seinem Essay, dass der Hipster ein enfant terrible sei, welches sich von der Gesellschaft bewusst distanziert, da es mit ihr nicht mehr konform ist.

So ist das Rauchen von Marihuana, und das Hören von Jazz ein wichtiger Aspekt, da diese Erfahrungen nicht mit den Squares (engl. Viereck; gemeint: Langweiler/Spießer) geteilt werden können.2 Jazz ist strukturlos und ״wild“. Er wird nicht von dem Durchschnittsbürger gehört und vor allem nicht verstanden. Gleiches gilt für die Kleidung. Ein wichtiges Kriterium ist hier die völlige Distanzierung von der Norm und den Mitläufern in allen Bereichen. Als Auslöser für diese Entfernung von der weißen Mittelschicht, von den Spießern und Opportunisten, betrachtet Mailer den historischen Kontext und die Ereignisse, welche diese Generation zu verarbeiten hatte.

Besonders prägnant waren hier der zweite Weltkrieg, die Konzentrationslager aber auch die Atombombentests. Mailer beschreibt hier eine in der Geschichte erstmalige Konfrontation mit dem Wissen darüber, dass eine völlige Auslöschung einer Menschengruppe durch deus ex machina stattfinden kann. Eine Massenvemichtung in Gaskammern oder durch Atombomben welche durch die Mittelschicht, die breite Masse der Gesellschaft, nicht verhindert werden kann.

Dieses Wissen sowie die Konfrontation mit diesen Ereignissen ruft eine Ohnmacht hervor, welche das einfache Dasein und die Routine des Alltags unerträglich machen, da, durch eben diese und die Gesellschaft, solche Taten ermöglicht wurden.

Mailer betrachtet hier den Zweiten Weltkrieg als Spiegel der menschlichen Verfassung. Aus dieser Aussage resultierend ergibt sich eine Gesellschaft von Mördern.3 Der Hipster ist laut Mailer nun der, der dieses erkannt und vor allem reflektiert hat. Er lebt mit dem Wissen, dass durch einen Knopfdruck ein ganzes Kollektiv vernichtet werden kann. Jedoch muss er dieses akzeptieren um weiter leben zu können. Hierfür entfernt er sich selbst von der Gesellschaft und seinen Wurzeln und lebt sein Leben auf sich gestellt als Individuum. Dadurch spielt es für den Hipster keine Rolle mehr wie der moralische Kodex der Gesellschaft ist, da er diesen immer wieder für sich selbst ausloten muss.4

Mailer sieht diese Konsequenz als Elrsprung des Hipstertums, also eine stetige Frage die sich jede Person selbst stellen muss. Akzeptiert man es ein square zu sein oder ist man ein Rebell.

Dadurch ist es auch nicht verwunderlich, dass gerade die Kultur der schwarzen Bevölkerung genutzt wurde, da diese selbst über zwei Jahrhunderte zwischen totalitären Regimen und Demokratie lebten.5 Sie mussten sich entscheiden mit der ständigen Angst zu leben oder frei zu leben.

Viele Aspekte dieses Lifestyles wurden adaptiert. So ist es nicht verwunderlich, dass die Jazz Musik zum Hipster dazugehörten. Die Musik gab Ihnen eine Stimme. Es war eine Kommunikation über die Kunst, wodurch das erlebte und die Gefühle weitergegeben werden konnten.6

Das Hipstertum war also eine Entfremdung von der weißen Gesellschaft um nicht in eine Depression zu fallen, sondem ein Leben als Außenseiter zu führen, der es besser weiß und zugleich eine Annäherung an die schwarze Bevölkerung.

3. Der Hipster der Gegenwart

In den Schlagzeilen der Zeitungen und im Internet taucht der Begriff knapp 60 Jahre später erneut auf und der Hipster ist in aller Munde.

״Beim Bart des Ästheten“7 und ״Der Hipster mit dem Jutebeutel-Das neue Hassobjekt“8 sind zwei Beispiele frir Schlagzeilen aus Zeitungen von 2015 in denen beschrieben wird was ein Hipster ist.

״Der Hipster also. Dieser Hornbrille, Bart, Skinny Jeans und Mütze tragende Nerd, dieser alle Trends nachhaltigen und politisch bewussten Konsums sofort aufgreifende Geschmacksbürger, dieser ehemalige Arbeiterstadtteile bevölkernde und zu Boutiquen und Galeriengebieten umtünktionierende Gentrifizierungsbeschleumger, dieser aufgrund seiner ironischen Grundhaltung zu allen Fragen der Ästhetik mit Polaroid-Kameras hantierende und dabei netztechnisch superinstruierte Blog-Checker, Instagram-Bestücker und Tumblr- Volltexter[...]“9

Es scheint hier in erster Linie auf das Erscheinungsbild anzukommen. Der Hipster trägt generell eine Kopfbedeckung, in Form einer Сарру oder Mütze. Auch scheinen der Bart sowie eine auffällige Brille eine große Rolle zu spielen. Die Hosen sind eng anliegend und als Oberteil werden gerne Hemden oder gemusterte Pullover genommen.

Anm. des Lektorats: Abbildung aus urheberrechtlichen Gründen entfernt Jedoch scheint es hier keinen genauen Dresscode zugeben, denn das wichtigste beim Erscheinungsbild und der Kleidung ist es sich abzuheben und anders auszusehen als der Mainstream.

Neben den Klamotten gibt es auch noch Accessoires, die man mit einem Hipster verbindet. So findet man im Internet bei einer einfachen Bilder Suche zahlreiche Abbildungen von Hipstern mit Rennrad, Jutebeutel, iphone und Kamera.10 Trotz dieser nahezu uniformierten individuellen Mode ist jedoch das Hipstertum in erster Linie ein Lifestyle und vor allem eine Geisteshaltung, wie im Internet dargestellt wird. Es fallen Schlagwörter wie selbständiges Denken, geistreiche Diskussionen und fortschrittliche Politik. Gewohnt wird in den Großstädten in ehemaligen

Arbeitervierteln und konsumiert wird entweder in Second-Hands-Shops oder in kleinen Läden. Die Produkte stammen von kleinen Läbeta und stad bestenfalls Selfmade oder vom Flohmarkt und dementsprechend alt.11

Von den Zeitungen und Medien werden jedoch die Hipster sehr negativ aufgegriffen. So schreibt die ״Welt“, dass er radikal tue, jedoch an seinen Privilegien hänge und auf Herrschaftswissen bestehe um sich vom ahnungslosen Volk abzugrenzen.

[...]


1 Vgl. Mailer, Norman: The White Negro: Superficial Reflections on the Hipster. http://www.dissentmagazine.org/online_articles/the-white-negro-fall-1957 (27.08.2015)

2 Vgl. Ebd.

3 Vgl. Ebd.

4 Vgl. Ebd.

5 Vgl. Ebd.

6 “ Vgl. Ebd.

7 http://www.zeit.de/2015/29/hipster-hamburg-tourismus-guide

8 http://www.welt.de/kultur/articlel3857560/Der-Hipster-mit-dem-Jutebeutel-das-neue- Hassobjekt.html

9 http://www.zeit.de/2015/29/hipster-hamburg-tourismus-guide

10 www.hipsterhype.de

11 Vgl. Ebd.

Details

Seiten
12
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668696792
ISBN (Buch)
9783668696808
Dateigröße
661 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v424287
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Geschichte
Note
1,0
Schlagworte
Hipster Mode Individuum Masse Kultur Subkultur Bewegung

Autor

Zurück

Titel: Die Masse der Individuen. Wodurch zeichnet sich das neue Phänomen aus und was sind die Hintergründe?