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Motivation durch Erfolg bei Verhaltensauffälligkeit und Konsequenzerwartung

Vielfältige Bewegungsschulung bei ADHS in der 5. Jahrgangsstufe

Hausarbeit 2015 37 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Sachanalyse.. 3

1.1 Einführung.. 3

1.2 Hauptmerkmale der Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung.. 3

1.3 Diagnose von ADHS gemäß ICD-10.. 4

1.4 Ursachen des Hyperkinetischen Syndroms (HKS).. 5

1.5 Therapie.. 6

1.6 Stundenaufbau und methodische Prinzipien.. 7

1.7 Konsequenzerwartung.. 8

1.8 Literatur der Sachanalyse.. 9

2. Bedingungsanalyse.. 10

2.1 Die Entwicklungsphase von Fünftklässlern.. 10

2.2 Die Merkmale und gesundheitlichen Auswirkungen von ADHS bei einem Fünftklässler.. 11

2.3 Die Intervention bei ADHS.. 17

2.4 Die Relevanz von der psychosozialen Ressource ‚Konsequenzerwartung‘ für die Gesundheit.. 19

2.5. Bezug zum Lehrplan.. 22

2.5.1 Unterricht und Lebensbezug des Bayerischen Gymnasiums.. 22

2.5.2 Fachprofil Sport.. 23

2.5.3 Jahrgangsstufenlehrplan Sport.. 23

2.6 Fazit.. 24

3. Konkretisierung der Stundenziele.. 25

4. Tabellarischer Stundenentwurf.. 27

5. Anhang und Aufbauplan.. 33

6. Literaturverzeichnis.. 35

1. Sachanalyse

1.1 Einführung

Ø Verhaltensauffälligkeiten sind Verhaltensweisen, die von der generell geltenden Norm abweichen

Mögliche Klassifizierung: „externalisierte Formen“ (z.B. Hyperkinetische Verhaltensweisen und aggressives Verhalten wie Schlagen, Treten und Sachbeschädigung) und „internalisierte Formen“ (z.B. Trennungsängste, Überängstlichkeit, Kontaktabwehr oder –vermeidung, ängstlich-depressives Verhalten) (Nollau, 2015, S. 17-21)

Ø Die Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung bzw. das Hyperkinetisches Syndorom ist neben aggressiven Verhaltensweisen die häufigste Verhaltensauffälligkeit im Kindesalter (Döpfner, 1997)

Ø Im Kindeshalter sind Jungen häufiger von ADHS betroffen als Mädchen (Verhältnisse von 3:1 bis 9:1). Es kommt zu einer Angleichung der Differenz der Geschlechter mit zunehmendem Alter (Kahl, Puls, Schmid & Spiegler, 2012, S. 3)

Diagnosen: „die Angaben über die Häufigkeit dieser Störung bei Kindern [schwanken]zwischen ca. 13 % bis 1 %, auch davon abhängig, ob die Diagnosen von Pädagogen oder Psychiatern gestellt wurden“ Ø Diagnosen müssen von einem Fachmann gestellt werden; Beobachtungen von Lehrern können für eine korrekte Diagnose sehr hilfreich sein (Millner, 1998, S. 84; Zachert, 2010)

Ø In der KiGGS Studie wurde in der 1. Welle bei 5 % der 3- bis 17-Jährigen ADHS diagnostiziert (KiGGS, 2014, S. 2)

1.2 Hauptmerkmale der Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung (Gündel, 1999, S. 326)

ADHS ist ein äußerst kompliziertes Phänomen, weil es neben den Kernsymptomen „Aufmerksamkeitsstörung“, „Impulsivität“, „Hyperaktivität“ und „emotionale Auffälligkeit“ noch andere oftmals sehr gehäuft auftretende Begleitsymptome wie oppositionelle und aggressive Verhaltensstörungen, Entwicklungs- und Teilleistungsstörungen sowie Störungen der Familieninteraktionen und der Familienbeziehungen gibt (Komorbiditäten) (Döpfner, 1996)

Störungen der Aufmerksamkeit

· Schwierigkeiten, längere Zeit die Aufmerksamkeit beim Lernen und Spielen bzw. bei anderen Tätigkeiten aufrechtzuerhalten

· Viele Flüchtigkeitsfehler bei Schularbeiten

· Mangelnde Fähigkeiten, anderen zuzuhören

· Schwierigkeiten, Aufgaben und Aktivitäten zu planen und zu organisieren

· Leichte und häufige Ablenkbarkeit durch äußere Reize

· Vergesslichkeit und Schussligkeit (Gegenstände werden oft verloren)

Hypermotorik

· Zappeln mit Händen und Füßen sowie Grimassieren

· Vieles und lautes Sprechen (Sprechdurchfall)

· Häufiges Aufstehen im Unterricht oder in anderen Situationen

· Häufiges Herumturnen bzw. Klettern in vielen Alltagssituationen

· Mangelnde Fähigkeit, ruhig zu spielen oder sich mit anderen Freizeitaktivitäten ruhig zu beschäftigen

Impulsivität

· Herausplatzen der Antwort, bevor die Frage zu Ende gestellt ist

· Person nicht warten, bis sie an der Reihe ist

· Bedürfnisse können auch nur kurzfristig nicht aufgeschoben werden

Emotionale Auffälligkeit

· Leichte Erregbarkeit und Reizbarkeit

· Häufige Trotz- und Wutanfälle

· Mangelnde Frustrationstoleranz und Intoleranz gegenüber Kritik

1.3 Diagnose von ADHS gemäß ICD-10 (Kahl, Puls, Schmid & Spiegler, 2012, S. 4)

Ø Mindestens 6 der definierten Symptome der Unaufmerksamkeit, mind. 3 der definierten Symptome der Überaktivität und mind. 1 Symptom aus dem Bereich der Impulsivität muss vorliegen

Ø Alter: Beginn der Störung vor dem 7. Lebensjahr – Diagnose meist aber erst ab dem 7 Lebensjahr (in der Schule fällt ADHS auf!)

Ø Ausprägung: Situationsübergreifendes Auftreten der Symptome für mehr als 6 Monate

Ø Beeinträchtigung: deutliches Leiden oder Beeinträchtigung der sozialen, schulischen oder beruflichen Funktionsfähigkeit

1.4 Ursachen des Hyperkinetischen Syndroms (HKS) (Gündel, 1999, S. 326-328)

Das Hyperkinetische Syndrom zeichnet sich durch eine multifaktorielle Genese aus. Dabei sind genetische, hirnorganische, psychosoziale und zivilisatorische Faktoren von Bedeutung. Die genaue Ursache von ADHS ist aber bis heute unbekannt.

1. Genetische Faktoren

· Ähnliche Störungsbilder oder Alkoholismus bei Eltern/ Verwandten zweiten Grades 2. Neurologische Störungen

2. Neurologische Störungen

· Strukturell bedingte Hirnfunktionsstörungen – hirnphysiologisch untererregt (geringer Durchblutung & verminderte Stoffwechselaktivität in Frontalregion des Gehirns und in Hirnstammregionen)

3. Neurochemische Störungen

· Neurochemische Dysregulation im Transmitter-Haushalt des Gehirns Ø Balance zwischen erregenden und hemmenden Zentren nicht gewährleistet; erregende Zentren bekommen das Übergewicht

4. Neuromotorische Störung

· Eng mit Faktor 2 und 3 verbunden; bezieht sich v.a. auf Prozess der motorischen Ontogenese

· Persistierende Reflexe: frühkindliche tonische Reflexmechanismen, die sich noch nicht vollständig zurückgebildet haben und motorische Reifung behindern - Auswirkungen auf die geordnete Regulation des Gleichgewichts gegenüber der Schwerkraft und auf die richtige Dosierung des Muskeltonus bei fast allen motorischen Handlungsabläufen

5. Störungen des Immunsystems

· Annahme: allergische Reaktionen auf Nahrungsmittelzusätze, Milcheiweis und weitere Nahrungsmittelbestandteile wirkt sich auf zentrale Aktivierung aus

6. Psychosoziale Bedingungsfaktoren

· Soziales, familiäres und gesellschaftliches Umfeld können Ursachen für hyperkinetische Störung sein (Zachert, 2010)

· Auswirkung auf Ausprägung, Dauer und Schweregrad der Störung (Döpfner, 1997)

· Ungünstige Einflussfaktoren:

§ Hektische häusliche Familiensituation (familiäre Desorganisation)

§ Gestörte Familienbeziehungen (insb. Mutter-Kind-Beziehungen)

§ Unterschiedlicher Erziehungsstil der Eltern (Pendlererziehung)

§ Häufiger Wohnort- und Schulwechsel

§ Ganzheitlicher Bewegungsmangel

§ Stigmatisierung des Kindes durch Eltern, Verwandte, Bekannte, Erzieher und Lehrer

§ Ablehnung des Kindes

1.5 Therapie (Imhof, Skrodzki & Urzinger, 2010)

Die Therapie von ADHS sollte im Regelfall multimodal gestaltet sein, sodass im Zusammenwirken verschiedener, sich ergänzender Behandlungsmethoden ein optimaler Behandlungserfolg erzielt werden kann.

Medikamentöse Ansätze

· Substanzen mit ähnlichem Aufbau wie körpereigene Neurotransmitter; am wirksamsten die sog. Stimulantien aus der Gruppe der Amphetamine

Psychotherapeutische Ansätze, u.a.

· Wahrnehmungstraining: genau hinsehen, genau zuhören, Wahrgenommenes genau wiedergeben

Aufmerksamkeitstraining

· Selbstinstruktionstraining und Strategietraining: Kindern lernen sich schrittweise selbst zu instruieren, z.B. mit eigenen Signalkarten erinnern sie sich daran, ihre Impulsivität zurückzuhalten

· Programme zur Verhaltensmodifikation: konstruktive Verhaltensweise erlernen, um sich besser in Gruppe zurechtzufinden und Selbststeuerung so zu verbessern, dass Arbeitsverhalten positiv beeinflusst wird

§ Kontingenzverträge: schriftliche Verträge, in denen das zu erreichende Zielverhalten festgehalten werden soll

§ Verstärker – oder Tokensysteme: für angemessenes Verhalten in bestimmten Situationen oder Zeiträumen bekommt Kind symbolische Belohnung in Form einer Spielmarke

§ Time-Out-Maßnahmen: bei Verstoß gegen vereinbarte Verhaltensregeln um unerwünschtes Verhalten abzubauen

· Training des Sozialverhaltens: Kinder mit ADHS kommen mit ihrer sozialen Umgebung nur schlecht zurecht

· Stärkung der Selbstakzeptanz: Kinder mit ADHS leiden unter gestörtem Selbstwertgefühl und können sich nicht realistisch einschätzen

· Familienzentrierte Maßnahmen: ADHS belastet die familiäre Umgebung

· Psychomotorische und ergotherapeutische Arbeit: Ziel z.B. Kanalisieren von Bewegungsbedürfnissen

· Therapeutische Sonderformen: z.B. Festhaltetherapie

· Zusammenarbeit mit Selbsthilfeorganisationen: Ansprechpartner in allen Fragen zu ADHS z.B. www.adhs-Deutschland.de

· Körperliche Aktivität/Bewegung

1.6 Stundenaufbau und methodische Prinzipien (Schindler, 2003, S. 89-91; Kramann, 2008, S. 131- 149)

Bei der Planung von Unterrichtsstunden müssen gewisse Regeln beachtet werden. Wichtig ist das Bereitstellen von Bewegungsräumen, welche Eigenaktivität, Kreativität, Variation und Exploration in Form von Spielthemen zulassen.

Ø Klare Struktur und immer wiederkehrende, festgelegte Abläufe (Routinen)

Ø Kurze Begrüßung

Ø Ausreichend viele und lange Lauf- und Fangspiele (Bewegungsdrang abbauen)

Ø Angebote in eine Rahmengeschichte verspacken (z.B. Mondfahrt, Auto-Ralley)

Ø Entspannungssituationen schaffen (Wechsel von Anspannung und Entspannung)

Ø Reizüberflutung vermeiden (z.B. kein grelles Licht)

Ø Keine zur Bewegung reizenden Materialien und Geräte in unmittelbarer Nähe (z.B. Sprossenwand, Tau)

Ø Sprache: klar, einfach, knapp und ruhig, Wiederholungen vermeiden

Ø Viel Augenkontakt halten

Ø Wenige, mit Kindern abgesprochene Regeln und Folgen bei Regelüberschreitung

Ø Kurze und vielseitige Aufgabenstellungen (gegen Langeweile und Ablenkung, da nur kurze Konzentrations- und Aufmerksamkeitsspanne)

1.7 Konsequenzerwartung

Definition: Die Konsequenzerwartung ist die Erwartung bzw. Überzeugung, dass mit einem bestimmten Verhalten mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit ein gewünschtes (Handlungs)ergebnis herbeigeführt wird (Brehm & Pahmeier, 2006)

Begriffe: Konsequenzerwartung, Ergebniserwartung, outcome expectancies

Ø Konsequenzerwartungen „geben dem Handeln Orientierung und Sinn und sind damit wesentliche Bestandteile der Handlungsmotivation und Handlungssteuerung“ (Pahmeier & Tiemann, 2013, S. 680)

Ø Konsequenzerwartungen können auf allgemeine Ziele sportlicher Aktivität gerichtet sein (z.B. gesund bleiben) oder sie können sich spezifischer auf die individuelle Situation und die Ergebnisse/Folgen beziehen (Brehm & Pahmeier, 2006)

Ø Hierarchie von Erwartungen (Schwarzer, 1996, S. 13)

Selbstwirksamkeitserwartung Konsequenzerwartung

[Tabelle in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Instrumentalitätserwartung

Selbstwirksamkeitserwartung (Kompetenzerwartung): Glaube/ Überzeugung/Zutrauen, eine Handlung erfolgreich ausführen zu können

Konsequenzerwartung: Überzeugung, dass mit einem bestimmtem Verhalten mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit ein gewünschtes Ergebnis herbeigeführt wird z.B. Erwartung, dass ausgehend von spezifischer Situation (z.B. Bewegungsdrang) eine auf dieses Situation ausgerichtete sportliche Aktivität (z.B. intensive Lauf- und Fangspiele) ein spezifisches Ergebnis (z.B. Abschwächung und Kanalisierung des Bewegungsdrangs) herbeiführt (Brehm & Pahmeier, 2006) Instrumentalitätserwartung: Einschätzung, ob bestimmtes Ergebnis Mittel zum Zweck für damit beabsichtigte Folgen sind

Ø Man kann davon ausgehen, dass „die kognitive Bilanzierung der antizipierten positiven und negativen Handlungskonsequenzen in irgendeiner Form an der Herausbildung der Bereitschaft zu einer Handlung beteiligt ist“ (Fuchs, 1997, S. 209)

Jede Kompetenzerwartung hat verstärkende Komponente, die belohnend bis aversiv sein kann

· Positive Konsequenzerwartung: Erwartung, dass erwünschtes Ergebnis durch Handlung erreicht werden kann

· Negative Konsequenzerwartung: Erwartung, dass Ergebnis durch Handlung nicht erreicht werden kann: erhöhte Wahrscheinlichkeit, die Handlung nicht auszuführen oder entsprechende Situationen zu verlassen (Fuchs, 1997; Kuhn, 2009)

Bezug zur Gesundheit: Die Konsequenzerwartung trägt zur regelmäßigen Ausführung gesundheitssportlicher Aktivität (Aufnahme und Beibehaltung gesundheitssportlicher Aktivität), zur Befähigung zur selbstständigen Kontrolle der Gesundheit und zu einer subjektiv erlebten Gesundheit bei (Pahmeier & Brehm, 2006; Pahmeier & Tiemann, 2013)

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Details

Seiten
37
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668696495
ISBN (Buch)
9783668696501
Dateigröße
677 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v424288
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Institut für Sportwissenschaft und Sport
Note
1,3
Schlagworte
ADHS Motivation Erfolg Verhaltensauffälligkeiten Konsequenzerwartung Sport

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Titel: Motivation durch Erfolg bei Verhaltensauffälligkeit und Konsequenzerwartung