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Der methodische Weg zur Grobform des Krauschwimmens. Vom Tauchklettern zum Kraulschwimmen

von M. Sc. Marco Müller (Autor)

Hausarbeit 2015 34 Seiten

Sport - Sportarten: Theorie und Praxis

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bedingungsanalyse
2.1 Rahmenbedingungen
2.2 Lerngruppe und Lernausgangslage

3. Themen- und Sachanalyse
3.1 Schwimmen im Schulsport
3.2 Relevanz und Stellung des Stundenthemas im Gesamtzusammenhang
3.3 Technikleitbild Kraulschwimmen
3.4 Techniktraining Armarbeit – das Tauchklettern

4. Didaktische Analyse

5. Sequenzplanung

6. Literaturverzeichnis

7. Tabellarische Stundenverlaufsplanung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Tauchklettern

Abbildung 2: Klettern an der Wasseroberfläche

Abbildung 3: Kraulklettern.

1. Einleitung

Schwimmen im Allgemeinen ist allseits sehr beliebt. Obwohl Schwimmen im Freizeitbereich und im Sportunterricht weit verbreitet ist, ist die Technik des Schwimmens, im Gegensatz zu anderen Bewegungsabläufen wie im Fußball, meist nur oberflächlich bekannt (Hahn, 2007, S. 7). Gleichzeitig ist die Technik im Schwimmsport, auch aufgrund der physischen Gesetzmäßigkeiten des Mediums Wasser, sehr bedeutend. Technische Fehler haben schwerwiegende Folgen, sodass sie nur durch einen hohen konditionellen Aufwand kompensiert werden können (Unger, 1979, S. 13). Doch gerade zu Beginn des Techniktrainings kann nicht sofort von einer fehlerfreien und ökonomischen Schwimmtechnik ausgegangen werden. Dem steht gegenüber, dass die Schüler in einer Welt aufwachsen, „ in der sportliche Betätigung durch zunehmende Urbanisierung und ein sehr großes Angebot an Multimedia-Beschäftigungen abnimmt. Passivität und fehlende Anstrengungsbereitschaft sind die Folge“ (Rheinischer Dialog- & Bildungsverein, 2014, S. 12). Diese Zustände und Entwicklungstendenzen stellen eine große Herausforderung für den Sportlehrer dar. Ein hohes Maß an Feingefühl ist notwendig, um der Heterogenität der Schüler in Bezug auf deren unterschiedliche sportliche und schwimmerische Vorerfahrung, Leistungsfähigkeit und Anstrengungsbereitschaft gerecht zu werden. Der Lehrer hat die Aufgabe, Ängste, Frustration, soziale Ausgrenzung und Überforderung zu vermeiden und Motivation durch eine ansprechende inhaltliche und kompetente pädagogisch-didaktische Gestaltung aufzubauen (z.B. Lernsituationen, die Vertrauen in das persönliche Können fördern und Erfolgserlebnisse ermöglichen). Das zentrale Ziel besteht zunächst darin, „ allen Schülern eine freudbetonte, vertrauensvolle und angstfreie Atmosphäre in der Schwimmhalle zu vermitteln“ (Beck, Kraus, Schmitt, Unger & Weiß, 2010, S. 7). Besondere Beachtung sollte dabei den sportschwächeren Schülern geschenkt werden. Von dieser Basis aus kann Schwimmen unterrichtet werden. Durch die Entwicklung eines „ Fisch-im Wasser-Gefühls“ (Beck et al., 2010, S. 7) sollen die Schüler die sportliche Aktivität im Wasser als wertvoll und wichtig wahrnehmen und diese dadurch als subjektiv sinnvoll empfinden. Auf diese Weise lassen sich die Potentiale des Schwimmens nutzen. „ Mit der Fähigkeit, schwimmen zu können, öffnen sich für die Schüler zahlreiche Perspektiven einer gesundheitsorientierten und bewegungsaktiven Lebensgestaltung“ (Beck et al., 2010, S. 7). Die Schwimmfähigkeit leistet einen Beitrag zum körperlichen (z.B. deutlich geringere Selbstgefährdung im Vergleich zu anderen Sportarten, Erkennen und Beurteilen von Wassergefahren, Erkenntnis der angemessenen individuellen Belastung des eigenen Körpers) und sozialen Wohlbefinden (z.B. soziale Eingebundenheit durch Befähigung zur Durchführung von diversen Wasserspielen im Team) (Beck et al., 2010, S. 7; Aulenbach, 1985, S. 6).

Vor diesem Hintergrund wird in der folgenden Unterrichtsstunde der methodische Weg zur Grobform des Kraulschwimmens ausgearbeitet. Hierbei wird der Lernweg „vom Tauchklettern zum Kraulschwimmen“ aufgegriffen (Beck et al., 2010, S. 66).

Die folgende Ausarbeitung ist gegliedert in Bedingungsanalyse, Themen- und Sachanalyse, didaktische Analyse und Sequenzplanung. In der Bedingungsanalyse werden sowohl die räumlichen, materiellen und organisatorischen Rahmenbedingungen, als auch die Lerngruppe und deren Lernausgangslage analysiert. In der Themen- und Sachanalyse wird zunächst das Schwimmen im Rahmen des Schulsports thematisiert. Anschließend werden die Relevanz und Stellung des Stundenthemas im Gesamtzusammenhang sowie das Technikleitbild des Kraulschwimmens detailliert beschrieben. Abschließend wird der methodische Lernweg „Vom Tauchklettern zum Kraulschwimmen mit der Kletterleine“ erläutert, mit dem die Grobform der Armbewegung in kürzester Zeit erlernt werden kann.

Die letzten Gliederungspunkte widmen sich der didaktischen Analyse und der Sequenzplanung (Einbettung der konzipierten Unterrichtseinheit in einen längeren Lernzusammenhang von vier Unterrichtseinheiten).

2. Bedingungsanalyse

2.1 Rahmenbedingungen

Die konzipierte Unterrichtseinheit wird in der 6. Jahrgangsstufe an einem Gymnasium durchgeführt. Das Gymnasium ist nach kürzlich abgeschlossener Umbaumaßnahme gut ausgestattet. Es verfügt über eine Einfach- und Doppelturnhalle sowie über eine große Außensportanlage mit Laufbahn, Fußball- und Beachplatz. Ein schuleigenes Schwimmbad steht jedoch nicht zur Verfügung. Für den Schwimmunterricht fahren die Schüler zusammen mit der Lehrkraft in das nahe gelegene Sport-, Erlebnis- und Freibad. Hierfür wird ein Bus zur Verfügung gestellt, der nach circa 3-minütiger Fahrt am Hintereingang des Bades anhält. Da die Sportlehrkräfte einen Schlüssel für den Hintereingang des Bades besitzen, können die Schüler direkt und ohne Zeitverlust in die Umkleidekabine und von dort aus in das Hallenbad gelangen. Das Hallenbad selbst verfügt über einen Spaßbereich und über ein Sportbecken. Das Sportbecken ist 25 Meter lang, 1.80 – 3.80 Meter tief und bietet Platz für 6 Bahnen. Die Bahnen sind mit wettkampftauglichen Startblöcken ausgestattet. Darüber hinaus stehen ein 1m-Brett und ein 3m-Turm zur Verfügung. Das Freibad wurde behindertengerecht konzipiert, sodass sich Leute mit Behinderungen komplett barrierefrei bewegen können. Breite Einstiegstreppen mit beidseitigen Handläufen ermöglichen ihnen ein bequemes Betreten des Sportbeckens. Im Materialraum des Schwimmbads steht der Lehrkraft eine Vielzahl an Schwimmutensilien zur Verfügung, u.a. Paddels, Schwimmbretter, Schwimmgürtel, Pullbuoys und zwei Kletterleinen (KKU, 2015).

Im Schwimmbereich sind vier Bahnen für den Schwimmunterricht reserviert. Gelegentlich kann die Lehrkraft allerdings nur zwei Bahnen nutzen, da parallel Schwimmunterricht vom ebenfalls nahegelegenen Gymnasium X stattfindet. Im Rahmen der Unterrichtseinheit findet jedoch kein zeitgleicher Unterricht statt, sodass die vier Bahnen von der Lehrkraft ohne Einschränkungen besetzt werden können.

Der Sportunterricht in der 6. Jahrgangsstufe am Gymnasium ist auf drei Stunden Basissportunterricht bzw. zwei Stunden Basissportunterricht und eine Stunde differenzierter Sportunterricht beschränkt. Inhalte des sportlichen Handlungsfelds Schwimmen werden aus zeitlichen Gründen nur in der Doppelstunde behandelt (Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB), 2015b).

Die Doppelstunde Sport findet montags von 13:30 Uhr bis 15:00 Uhr statt. Die Abfahrt des Busses von der Bushaltestelle ist um 13:17 Uhr. Die Schüler haben ausreichend Zeit, den Bus zu erreichen, da dieser lediglich wenige Gehminuten vom Schulgebäude entfernt abfährt. Außerdem haben die Schüler vor der Doppelstunde Sport ihre Mittagspause. Die Rückkehr des Busses ist um circa 15:10 Uhr, sodass die Schüler pünktlich zu den anschließenden Unterrichtsstunden erscheinen können.

2.2 Lerngruppe und Lernausgangslage

Die Klasse setzt sich aus 20 Schülern und 11 Schülerinnen zusammen und umfasst somit 31 Schülerinnen und Schüler im Alter von 10-12 Jahren. Im Schwimmunterricht werden jedoch die Mädchen und Jungen getrennt unterrichtet, sodass die Unterrichtseinheit für 20 männliche Schüler konzipiert ist.

Insgesamt handelt es sich um eine sehr sportliche Klasse. In der Klasse befinden sich neun Schüler, die im Verein Fußball spielen, sowie sechs Schüler die im Handballverein aktiv sind. Bei der Klasse sind keine körperlichen Einschränkungen zu verzeichnen. Dies stellt einen guten Ausgangspunkt für den Schwimmunterricht dar. Im Rahmen der bisherigen Schwimmstunden stellte sich heraus, dass kein Vereinsschwimmer in der Klasse ist. Die Technik des Kraulschwimmens muss von allen Schülern neu erlernt werden. Es kann also von einem relativ niedrigen, jedoch homogenen Leistungsniveau beim Kraulschwimmen ausgegangen werden. Die Schüler haben jedoch schon Schwimmerfahrung im schulischen und außerschulischen Sport gesammelt. Die Bade- und Sicherheitsregeln, verschiedene einfache Sprünge und die Technik des Brustschwimmens werden von allen Schülern beherrscht. In der 6. Jahrgangsstufe wird an diese Vorkenntnisse mit dem Erlernen und Verbessern einer zweiten Schwimmtechnik, z.B. Kraulschwimmen, angeknüpft. Im Bereich des Kraulschwimmens wurden bereits die Kopfhaltung und die Wasserlage thematisiert. Darüber hinaus beherrschen die Schüler bereits den Kraulbeinschlag, sodass im weiteren Verlauf auf die Grobform der Armarbeit eingegangen werden kann (ISB, 2015a; ISB, 2015b). Die Lernvoraussetzungen in der Klasse sind sehr günstig. Von den Schülern werden neue Bewegungsabläufe schnell erlernt. Desweitern zeichnet sich die Klasse durch eine hohe Anstrengungs- und Lernbereitschaft aus. Die Schüler haben einen hohen Bewegungsdrang und legen ein sehr lebhaftes Verhalten an den Tag. Diese Begeisterung soll durch den Einsatz des attraktiven Lehrwegs „Vom Tauchklettern zum Kraulschwimmen“ für den Sportunterricht genutzt werden (ISB, 2015b).

In der 6. Jahrgangsstufe (ca. 10-12 Jahre) befinden sich die Schüler in der Phase der Transeszenz, dem Übergang von der Kindheit in die frühe Adoleszenz. Diese Übergangsphase beginnt mit dem Eintritt der Geschlechtsreife (Pubertät) (Oerter & Montada, 2008, S. 272). Menschliche Entwicklungsprozesse sind jedoch höchst individuell, sodass keine starren Angaben zu Beginn und Dauer einzelner Phasen gemacht werden können (Eiben, 1979, S. 187). Die Phase der Transeszenz ist charakterisiert durch vielfältige körperliche, seelische, kognitive und soziale Veränderungen.

Insbesondere bei Jungen nehmen die Körperkraft und die Kraft in den Händen sehr stark zu (Mönks & Knoers, 1996, S. 130). Das beschleunigte Wachstum der Muskulatur geht einher mit einem beschleunigten Skelettwachstum. Dieser Wachstumsschub äußert sich vor allem in der Körpergröße. Zudem nimmt auch das Körpergewicht der Kinder zu (Mönks & Knoers, 1996, S. 186-187). Während des Wachstumsprozesses entwickeln sich einzelne Köperteile nicht gleichmäßig. Ein unproportioniertes, schlaksiges Aussehen ist die Folge (Eiben, 1979, S. 203). Das Körperwachstum spielt für die sich entwickelnden Jugendlichen eine bedeutende Rolle. Durch die Periode der Wachstumsbeschleunigung sehen sich die Kinder in diesem Alter dem Konflikt zwischen ihrem wahrgenommenen erwachsenen Selbstbild und der Umwelt, welche sie noch nicht als erwachsene Personen einschätzt, ausgesetzt. Dieser Konflikt kann im Unterricht zu Auseinandersetzungen mit der Lehrkraft führen (Mönks & Knoers, 1996, S. 187). Da Entwicklungsvorgänge bei den Schülern zu unterschiedlichen Zeitpunkten beginnen und oftmals auch unterschiedlich schnell ablaufen, sind große interindividuelle Unterschiede keine Seltenheit (Eiben, 1979, S. 187). Der unterschiedliche Stand der Entwicklung sollte nicht außer Acht gelassen werden, da die Lernenden damit zu kämpfen haben. Für die Gestaltung des Unterrichts ist es daher wichtig, die Kinder richtig einzuschätzen und sich ihrer Veränderungen bewusst zu sein.

Außerdem treten Änderungen in Art und Umfang der Grob- und Feinmotorik auf. „ Es hat den Anschein, daß diese motorischen Fähigkeiten immer besser an den „Raum“, den die Umgebung bietet, angepaßt werden. Motorische Bewegungen sind jetzt immer stärker von formalisierten und standardisierten Regeln gesteuert und weniger spontan“ (Mönks & Knoers, 1996, S. 131). Die Lebensjahre 10 bis 13 können auch als „ Phase der besten motorischen Lernfähigkeit in der Kindheit“ bezeichnet werden (Meinel & Schnabel, 1998, S. 289). Aufgrund der günstigen Voraussetzungen gelingt Lernen meist auf Anhieb ohne längere Übungsphasen (Meinel & Schnabel, 1998, S. 289).

Da die Klasse seit dem Übertritt in das Gymnasium in dieser Konstellation zusammenarbeitet, hat sich bereits eine gute Klassengemeinschaft entwickelt, die gekennzeichnet ist durch Hilfsbereitschaft, gegenseitigen Respekt, Ehrlichkeit, Offenheit und Zuverlässigkeit. In der Klasse haben sich bereits mehrere Gruppen gebildet. Diese Gruppen stehen jedoch nicht in Rivalität zueinander. Die Zusammenarbeit ist vielmehr geprägt durch Fairness und Kooperation. Trotz der Lebhaftigkeit ist die Lernatmosphäre angenehm und angstfrei. Gewalt oder Aggression treten äußerst selten auf, sodass insgesamt von einem kollegialen Miteinander gesprochen werden kann. Einen großen Beitrag hierzu leistete der bisherige Sportunterricht in der 5. und 6. Klasse.

Die sportlichen Fähigkeiten eines jeden Schülers sind den Mitschülern der Klasse bekannt. Weniger sportliche bzw. sportbegeisterte Schüler halten sich im Sportunterricht mehr im Hintergrund. Sie agieren zurückhaltend und unauffällig, bleiben aber stets in der Gesamtgruppe integriert. Da in der Klasse kein Schüler schwimmtechnische Vorerfahrungen durch eine Schwimmvereinszugehörigkeit hat, bietet die homogene Lernausgangslage für die weniger sportlichen Schüler eine Chance, sich in den Vordergrund zu rücken.

3. Themen- und Sachanalyse

3.1 Schwimmen im Schulsport

Schwimmen ist die einzige Sportart, die lebenswichtig ist “ (Kuschnik, 2015). Diese Aussage unterstreicht, wie bedeutend das sichere Beherrschen von Schwimmtechniken für die Schüler ist. Während sich in der Halle oder auf dem Rasen im Freizeit-/Schulsport selten lebensbedrohliche Situationen entwickeln, kann im Element Wasser schnell Lebensgefahr entstehen. Oftmals sind Regelverletzungen oder die Selbstüberschätzung der eigenen Schwimmfähigkeiten als Ursache anzuführen. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen „e ine abnehmende Schwimmfähigkeit der Kinder und Jugendlichen und eine nicht zuletzt daraus resultierende hohe Zahl an Ertrinkungstoten “ (Unfallkasse Nordrhein-Westfalen, 2010, S. 7). Diese Gefahrsituation ist ein Grund dafür, dass Schwimmen im Fächerkanon des Schulsports in allen Jahrgangsstufen eine zentrale Rolle einnimmt. „ Mit der Fähigkeit, schwimmen zu können, öffnen sich für die Schüler zahlreiche Perspektiven einer gesundheitsorientierten und bewegungsaktiven Lebensgestaltung “ (Beck et al., 2010, S. 7). Der Lehrkraft wird eine große Verantwortung übertragen. Sie hat die Aufgabe, Sicherheit im Schwimmunterricht zu gewährleisten und in Anlehnung an den Lehrplan, u.a. auch mehrere Schwimmtechniken zu vermitteln. Aufgrund komplexer Rahmenbedingungen ist es für die Lehrkraft jedoch eine große Herausforderung, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Der steigende Kostendruck auf Seiten der Kommunen schränkt die Verfügbarkeit von finanziellen Mitteln für öffentliche Einrichtungen ein. Schließungen von öffentlichen Bädern sind eine Folge der Geldknappheit. Da nur sehr wenige Schulen über ein eigenes bzw. schnell erreichbares Schwimmbad verfügen, muss oftmals der Schwimmunterricht an Schulen gestrichen werden. Sofern ein Schwimmbecken in erreichbarer Nähe liegt, ist die effektive Schwimmzeit dennoch sehr gering. Anreise und Abreise sowie das Umziehen kosten wertvolle Zeit. Aus organisatorischen Gründen kann Schwimmunterricht deshalb nur in Doppelstunden durchgeführt werden. Gemäß der Stundentafel sind für das Unterrichtsfach Sport aber maximal 3 Unterrichtsstunden pro Woche vorgesehen. Die inhaltlichen Vorgaben des Lehrplans für das sportliche Handlungsfeld Schwimmen können daher oftmals nicht umgesetzt werden. Die Inhalte der Jahrgangsstufen bauen jedoch aufeinander auf, sodass oft die Basis für fortschreitende Lernergebnisse fehlt.

In der knapp bemessenen Schwimmunterrichtszeit ist die Lehrkraft mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert, die eine hohe Belastung darstellen. Wie bereits erwähnt nimmt die Schwimmfähigkeit der Kinder und Jugendlichen im Allgemeinen ab wohingegen sich die Heterogenität innerhalb der Klasse steigert. Es ist nicht ungewöhnlich, Nichtschwimmer auch in höheren Klassen anzutreffen. Aufgrund dessen sollen die Lehrer sensibilisiert, ermutigt und dazu fähig sein „ im schulischen Schwimmunterricht individuelle Fördermaßnahmen für Schuler mit soziokulturellen, motorischen und psychischen Hemmfaktoren durchzuführen “ (Unfallkasse Nordrhein-Westfalen, 2010, S. 10). Neben der Individualisierung als extremste Form der Binnendifferenzierung darf die Lehrkraft keinen einzigen Schüler aus den Augen verlieren. Das „bunte Treiben“ erfordert ein hohes Maß an Aufmerksamkeit, um im Ernstfall unverzüglich rettungsschwimmerisch aktiv werden zu können. Die Lerngruppengröße in Verbindung mit der Tatsache, dass durch die geringe Anzahl an geeigneten Bädern oftmals mehrere Klassen von Sportlehrern aus verschiedenen Schulen parallel unterrichtet werden, erschwert die Aufsichtspflicht (ISB, 2015a; ISB, 2015b; Kuschnik, 2015; Hahn, 2007, S. 6; Beck et al., 2010, S. 7-12; Unfallkasse Nordrhein-Westfalen, 2010, S. 7, S. 10).

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Details

Seiten
34
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668697546
ISBN (Buch)
9783668697553
Dateigröße
709 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v424296
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Institut für Sportwissenschaft und Sport
Note
1,0
Schlagworte
Kraul Kraulschwimmen Tauchklettern

Autor

  • M. Sc. Marco Müller (Autor)

    1 Titel veröffentlicht

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Titel: Der methodische Weg zur Grobform des Krauschwimmens. Vom Tauchklettern zum Kraulschwimmen