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Responsivität vor dem Hintergrund von Migration und Integration

Eine empirisch begründete Typisierung anhand von Leitfadeninterviews

Forschungsarbeit 2017 30 Seiten

Politik - Methoden, Forschung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Der Responsivitätsbegriff und zentrale Faktoren von Migration und Integration
2.1. Wissenschaftlicher Diskurs um Responsivität
2.2. Migration und Integration in Wissenschaft und Öffentlichkeit

3. Empirisch begründete Typisierung
3.1. Der Forschungsprozess
3.2. Die Typisierung als Auswertungsmethode
3.3. Vorgehensweise bei der Interviewanalyse und der Typisierung

4. Analyse der Leitfadeninterviews
4.1. Problemsicht zur Migrations- und Integrationspolitik
4.2. Kultur und Identität in der Migrations- und Integrationspolitik
4.3. Inhaltliche Zielsetzung der Migrations- und Integrationspolitik
4.4. Politisches Handeln in der Migrations- und Integrationspolitik
4.5. Responsivitätswahrnehmung der vier Realtypen

5. Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einführung

Der vorliegende Forschungsbericht beschäftigt sich mit dem Thema der Responsivität vor dem Hintergrund der Migrations- und Integrationspolitik in Deutschland. Ziel dieser Arbeit soll es sein, einen ersten Überblick darüber zu geben, welche Einstellungen sich in der deutschen Bevölkerung zum Thema der Migration und Integration finden und wie diese Einstellungen mit der Responsivitätswahrnehmung einzelner Bürgerinnen und Bürger zusammenhängen. Aus wissenschaftlicher Perspektive sind diese Themen insofern relevant, als dass sich bisher keine Forschung findet, die Migrations- und Integrationspolitik mit dem theoretischen Konzept der Responsivität in Verbindung bringt und dahingehend untersucht. Aus sozialer Perspektive gewinnen die Themen der Migration- und Integration und der Responsivität, seit der zweiten Jahreshälfte 2015 in Deutschland an öffentlicher Relevanz. Durch den Zuzug von ca. 890.000 Migranten bis zum Jahresende 2015 und den elektoralen Erfolg der Alternative für Deutschland (AfD) bei darauffolgenden Parlamentswahlen, ergibt sich die Vermutung, dass es einen Zusammenhang zwischen der Flüchtlingssituation und der Wahrnehmung, dass „Politiker“ nicht mehr auf „das Volk“ hören, gibt.

Dementsprechend lautet die Fragestellung in diesem Zusammenhang:

Welche Realtypen von Einstellungen zur Migrations- und Integrationspolitik finden sich in der Bevölkerung und gibt es einen Zusammenhang zwischen der Einstellung zur Migrations- und Integrationspolitik und der Responsivitätswahrnehmung?

Um diese Fragestellung beantworten zu können, muss zunächst eine Typisierung von – im Kontext des Seminars „Methodenanwendung in Praxisfeldern“ im Zeitraum von März bis Juli 2017 geführten – Leitfadeninterviews anhand von Kategorien der Migrations- und Integrationspolitik stattfinden, um anschließend die Responsivitätswahrnehmungen der einzelnen Realtypen zu vergleichen. Da es sich bei Responsivität um ein bisher nicht eindeutig definiertes theoretisches Konstrukt handelt, findet im ersten Schritt eine Annäherung an den Responsivitätsbegriff statt, um anschließend eine Definition zu formulieren, die sich für einen Vergleich der Responsivitätswahrnehmung zwischen einzelnen befragten Personen eignet. Um die Interviews anhand von Kategorien in der Migrations- und Integrationspolitik vergleichen zu können werden dann aus vorhandener Literatur zur Migrations- und Integrationspolitik vier Kategorien identifiziert, die sich in diesem Bereich zur Analyse der Einstellungen der befragten Personen eignen. Im nächsten Schritt folgt dann eine Darstellung der methodischen Grundlage der Typisierung, da es sich dabei um eine Analysemethode handelt, die bisher noch nicht ausreichend systematisiert ist. Anschließend findet die Interviewanalyse von 11 befragten Personen statt, die sortiert nach den vier Kriterien der Migrations- und Integrationspolitik nach wiederkehrenden Mustern in den Einstellungen untersucht werden. Abschließend erfolgt eine Analyse der Responsivitätswahrnehmung innerhalb der identifizierten Realtypen.

In Tabelle 1 auf der nächsten Seite befindet sich eine Übersicht über die vier identifizierten Realtypen inklusive ihrer zentralen Merkmale in den Kategorien Problemsicht, Kultur und Identität, inhaltliche Zielsetzung, politisches Handeln und Responsivitätswahrnehmung. Für die Einstellung zur Migrations- und Integrationspolitik lassen sich vier Typen kategorisieren. Ein rechtsstaatlich basierter Rationalismus, ein ökonomischer Liberalismus auf christlicher Wertebasis, ein multikulturell geprägter Individualismus und der Typ der interkulturellen Kommunikation. Als zentrales Ergebnis lässt sich festhalten, dass sich die Responsivitätswahrnehmung innerhalb der Realtypen – mit Ausnahme des Typen der interkulturellen Kommunikation – gleicht und sich ein Muster feststellen lässt, dass die Responsivitätswahrnehmung bei den befragten Personen, die striktere Positionen in der Migrations- und Integrationspolitik vertreten, negativer ausfällt als bei den anderen befragten Personen.

Tabelle 1: Realtypen und ihre Merkmale in den fünf Analysekategorien

Abbildung in dieser leseprobe nicht enthalten

2. Der Responsivitätsbegriff und zentrale Faktoren von Migration und Integration

2.1. Wissenschaftlicher Diskurs um Responsivität

Zu Beginn der Arbeit ist zu klären was in der Wissenschaft unter dem Begriff der Responsivität verstanden wird. Ziel ist es eine umfassende Definition des Responsivitätsbegriffs, die sich dazu eignet die Responsivitätswahrnehmung einzelner befragter Personen analytisch zu erfassen.

Wie komplex das Konstrukt der Responsivität ist zeigt die Arbeit von Eulau und Karps (1977). Für sie ist Responsivität ein komplexes und aus verschiedenen Elementen zusammengesetztes Phänomen der Beziehung zwischen Regierenden und Regierten (Eulau und Karps 1977, S. 62). So sprechen sie gar nicht erst von Responsivität als ein Phänomen, sondern definieren vier unterschiedliche Arten von Responsivität. Policy-Responsivität, Service-Responsivität, Allokations-Responsivität und symbolische Responsivität (Eulau und Karps 1977, S. 63–67). Allen Formen der Responsivität ist allerdings gemeinsam, dass sie von den Regierenden ausgehen muss, was durch diese vier Arten von Responsivität geschehen kann.

In der Arbeit von Pickel (2013) wird Responsivität definiert als „Verantwortlichkeit der Regierenden gegenüber den Regierten und Handeln der Amtsträger zum Gemeinwohl“ (Pickel 2013, S. 1). Hier ist der Responsivitätsbegriff geprägt durch einen Kommunikationsaspekt und eine normative Komponente. Regierende müssen den Dialog mit den Regierten suchen, um ihrer Verantwortlichkeit, für das Gemeinwohl der gesamten Gesellschaft zu sorgen, nachzukommen. In ihrer Analyse von Umfragedaten des Allbus von 2008 findet Pickel, dass Responsivität eine Schlüsselvariable für Demokratiezufriedenheit ist und mangelnde Responsivität die Hauptursache für die Unzufriedenheit mit der Demokratie und der Regierung darstellt (Pickel 2013, S. 10). Arend Lijphart konstatiert in seiner Untersuchung von zwei konkurrierenden Modellen der repräsentativen Demokratie, dass die ideale demokratische Regierung jene ist, deren Handeln immer mit den Forderungen der Bevölkerung übereinstimmt (Lijphart 1984, S. 1). Ein ähnliches Ergebnis findet Frank Brettschneider (2002) in seiner international vergleichenden Analyse der Faktoren für Wahlentscheidungen bei US-Präsidentschaftswahlen, Bundestagswahlen und britischen Unterhauswahlen von 1960-2000. So sind für die Präferenz eines Kandidaten die Übereinstimmung des Handelns des Kandidaten mit den eigenen Präferenzen und das Vertrauen in den Kandidaten von zentraler Bedeutung (Brettschneider 2002, 140; 211). Daraus lässt sich ableiten, dass sich Responsivität durch einen ständigen Dialog zwischen Regierenden und Regierten auszeichnet, damit im Einklang mit den Regierten gehandelt werden kann. Responsives Handeln seitens der Regierenden führt dann dazu, dass auch das Vertrauen in die Regierenden steigt. Vertrauen in die Politik und die Regierung ist auch bei Pippa Norris (2011) zentraler Bestandteil der Definition von Responsivität. In ihrer Analyse von Faktoren für die Systemunterstützung ist auch das Vertrauen in die Regierung ausschlaggebend (Norris 2011, S. 9). So ist das Vertrauen in die Regierung ein entscheidender Faktor für die Stabilität eines Staates, welche bedroht ist, wenn das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierung nicht mehr vorhanden ist. (Norris 2011, S. 8). In Zusammenhang mit dem Vertrauen in die Regierung steht auch die Transparenz politischer Entscheidungen. So konstatiert Shapiro, dass es eine mangelnde Kommunikation und Transparenz in den USA gäbe, wenn politische Entscheidungen entgegen der öffentlichen Meinung getroffen werden (Shapiro 2011, S. 1005). Und auch Pickel (2013) spricht davon, dass sowohl Kommunikation als auch die Entscheidungsvermittlung und Transparenz wichtige Faktoren sind, um der Bevölkerung ein Responsivitätsgefühl zu geben (Pickel 2013, S. 13).

Gabriel et al. (1993) hingegen definieren Responsivität in drei Schritten. Erstens stellt Responsivität die Realisation von Bürgerinteressen durch die Politik dar (Gabriel et al. 1993, S. 30). Zweitens sind Parteien und ihr ideologischer Hintergrund wichtig, da es Responsivitätsunterschiede zwischen den Parteien gibt (Gabriel et al. 1993, S. 37). Dass Responsivität von Akteuren abhängig ist findet auch Shapiro (2011) in seiner Arbeit über den Einfluss der öffentlichen Meinung auf das Policy-Making in den USA. Das liegt daran, dass unterschiedliche Akteure in der Politik für unterschiedliche Politikfelder zuständig sind, die ein unterschiedliches Maß an Responsivität erfordern (Shapiro 2011, S. 986–987). Dritter und letzter Punkt der Responsivitätsdefinition von Gabriel et al. ist ein ständiger Dialog zwischen Bürgern und Politikern als zentrales Merkmal von Responsivität (Gabriel et al. 1993, S. 45). Den Aspekt des Dialogs zwischen Bürgern und Politikern thematisieren auch Kölln et al. (2013). So definieren Kölln et al. Responsivität als zentralen Mechanismus der Bevölkerung, um die Regierenden auch zwischen Wahlen zu kontrollieren (Kölln et al. 2013, S. 1). Das heißt, dass die Politikpräferenz nicht nur vom Wählerwunsch abhängt, sondern in einem Dialog gemeinsam nach Lösungen für politische Probleme gesucht werden solle. Daraus ergibt sich, dass für Responsivität ein Dialog zwischen Bürgern und Politikern notwendig ist, damit die Regierenden sich mit ihrem politischen Handeln auch an den Präferenzen der Bevölkerung orientieren können, um das Vertrauen in die Politik zu stärken.

Aus der Literatur ergibt sich eine Definition des Responsivitätsbegriffs, die sich aus vier Komponenten zusammensetzt. Erstens müssen die Lösungserwartungen der Regierten den Lösungsangeboten der Regierenden entsprechen. Zweitens müssen die Bürgerinnen und Bürger gehört werden und ein Feedback von den Regierenden erhalten. Die Regierenden sollen die Politik durch Verantwortung, Transparenz, ständigen Austausch und Dialog näher an die Bürgerinnen und Bürger bringen, sodass diese davon überzeugt sind, dass die Regierenden im Einklang mit ihnen handeln. Drittens soll durch dieses Verhalten Vertrauen in die Regierenden geschaffen werden, was wiederum die Grundlage für responsives Handeln darstellt. Viertens heißt Responsivität nicht die Anpassung an vermeintliche Bürgerwünsche, die in Bevölkerungsumfragen er hoben werden. Ergänzend zur Definition von Responsivität lässt sich eine weitere Ausdifferenzierung erwähnen, welche Kölln et al. (2013) machen. So könne man Responsivität nochmal unterscheiden nach einer konkreten Wahrnehmung der Anpassung von politischem Handeln an Bürgerwünsche nach einer Wahl und einer diffusen Wahrnehmung, ob Bürgerinnen und Bürger allgemein von den Regierenden gehört werden (Kölln et al. 2013, S. 10). Dies ist insofern von Bedeutung, da dadurch bei der Befragung von Personen beide Formen von Responsivität abgefragt werden müssen, um ein vollständiges Bild der Responsivitätswahrnehmung einer Person zu erhalten.

Mit dieser Annäherung an den Responsivitätsbegriff lässt sich im weiteren Verlauf der Arbeit untersuchen, wie die Responsivitätswahrnehmung einer Person ausgeprägt ist.

2.2. Migration und Integration in Wissenschaft und Öffentlichkeit

Während die Responsivität den theoretischen Rahmen dieser Arbeit darstellt, stellt der Bereich der Migrations- und Integrationspolitik den inhaltlichen Schwerpunkt dar, vor dessen Hintergrund die Responsivität am Ende der Typisierung betrachtet wird. Um zentrale Faktoren der Migrations- und Integrationspolitik zu identifizieren benötigt es eine Sichtung nicht nur von relevanten Themen im wissenschaftlichen Diskurs, sondern auch von relevanten Themen im öffentlichen Diskurs. Bestimmt der wissenschaftliche Diskurs die Richtung für weitere Forschungsvorhaben zum Thema der Migrations- und Integrationspolitik, so beeinflusst der öffentliche Diskurs konkret die Wahrnehmung der Realität durch die Bevölkerung. Deshalb werden im Folgenden sowohl wissenschaftliche Arbeiten, als auch politische Reden und mediale Texte verwendet, um relevante Themen in der Migrations- und Integrationspolitik zu identifizieren. Ziel ist es zentrale Kategorien, die in der Wissenschaft und im öffentlichen Diskurs eine Rolle spielen, zu identifizieren, um anhand dieser Kategorien die Typisierung der Interviews durchzuführen.

In den Fokus der wissenschaftlichen und öffentlichen Beobachtung ist das Thema der Migration- und Integration durch den Flüchtlingszuzug in der zweiten Jahreshälfte 2015 gerückt. Laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) kamen im gesamten Jahr 2015 ca. 890.000 Menschen nach Deutschland, wobei Syrien das Hauptherkunftsland darstellte mit ca. 327.000 Zugezogenen (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2016, S. 5). Das lässt darauf schließen, dass der Auslöser für die großen Migrationszahlen die Kriegszustände im Nahen Osten sind und es sich bei den Menschen um Flüchtlinge handelt. In dieser Situation stellt sich nun die Frage danach, wie Politik auf diese Migration reagieren soll und in welcher Art und Weise eine Integration stattfinden kann.

Einen ersten wissenschaftlichen Ansatz liefert Andreas Blätte (2015) in seiner Arbeit zu Steuerungsansätzen in der Migrations- und Integrationspolitik. Er konstatiert die Problemstellung der Migrations- und Integrationspolitik folgendermaßen: „Die inklusiven Verhältnisse, die Integrationsprozesse begünstigen, fördern weitere Migration, doch allzu weitreichende Zuwanderung überfordert zugleich administrative Kapazitäten und die gesellschaftliche Akzeptanz des Wandels“ (Blätte 2016, S. 79). Der Ausgangspunkt seiner Arbeit ist also ein Migrations-Integrations-Dilemma, dessen Lösung einer genauen Abstimmung politischen Handelns erfordert. Das führt dazu, dass es besonders interessant ist, mögliche Optionen politischen Handelns in diesem Kontext zu betrachten. Blätte unterschiedet zwischen drei möglichen Steuerungsansätzen. Verteilungsfragen, regulative Politik und Persuasion und Kooperation. Verteilungsfragen unterteilen sich nochmal in distributive und redistributive Politik. Distributive Politik ist die Bereitstellung von Leistungen für Personen, welche allerdings auf einer diffusen Finanzierung beruht, weshalb sich der Widerstand gegen distributive Verteilungsmaßnahmen in Grenzen hält (Blätte 2016, S. 81). Anders verhält es sich hingegen mit redistributiven Maßnahmen. Da solche eine direkte Zuweisung und offensichtliche Umverteilung von Leistungen beinhalten, sind redistributive Maßnahmen in der Regel von mehr Protest begleitet als distributive (Blätte 2016, S. 82). Regulative Politik hingegen ist ein Instrument, um Migration und Integration durch Normierung von Verhalten oder von Kultur und Werten zu regulieren (Blätte 2016, S. 83). Als dritten möglichen Steuerungsansatz charakterisiert Blätte die Persuasion und Kooperation. Dieser Steuerungsansatz basiert darauf auch nicht-staatliche Akteure in die Steuerung mit einzubeziehen und versteht gerade Integration als gesamtgesellschaftliche Aufgabe (Blätte 2016, S. 84).

Während Blätte in seiner Arbeit normativ vorgeht und versucht die richtigen Steuerungsansätze in der Migrations- und Integrationspolitik zu identifizieren, ist für den weiteren Verlauf der Arbeit lediglich von Bedeutung, welche Importanz der Kategorie des politischen Handelns beizumessen ist. Basierend auf dem angesprochenen Migrations-Integrations-Dilemma, stellt das politische Handeln eine wichtige Kategorie zur Analyse von Einstellungen deer befragten Personen dar. Mit den drei Ansätzen von Steuerungsmaßnahmen sind auch direkt Beispiele gegeben, wie diese Einstellungen aussehen können.

Brubaker (1990) stellt beim Thema der Integration vor allem den Aspekt der Staatsbürgerschaft in Vordergrund, welcher einhergeht mit der Identität eines Landes. In seiner Analyse vergleicht er die Staatsbürgerschaftsregime Frankreichs und Deutschlands. Da in beiden Ländern aus historischen Gründen unterschiedliche politische Voraussetzungen für die Herausbildung von Staatsbürgerschaftsregimen herrschen ist die vergleichende Betrachtung dieser beiden Länder interessant. So ist Frankreich ein Land, das Integration fördert und Deutschland ist ein Land, das Integration blockiert (Brubaker 1990, S. 384). Brubaker führt hier die grundlegende Unterscheidung zwischen einem jus soli (Recht des Bodens) und einem jus sanguinis (Recht des Blutes) an. So führt der zentralisierte Staat und die assimilatorischen Ansätze in der Integrationspolitik Frankreichs zu einem Staatsbürgerschaftsrecht nach dem jus soli. Der ethno-kulturelle und weniger staatszentrierte Charakter Deutschlands hingegen führt zu einem Staatsbürgerschaftsrecht nach dem jus sanguinis (Brubaker 1990, S. 398). Das zeigt inwiefern die politische und gesellschaftliche Kultur und die Identität eines Landes einen Einfluss darauf haben, wer als Mitglied einer Gesellschaft gesehen wird.

Da der Text aus dem Jahre 1990 ist und sich seitdem einiges, vor allem im deutschen Staatsbürgerschaftsrecht, verändert hat, sind die Ergebnisse Brubakers mit Vorsicht zu betrachten. Dennoch gibt der Text einen Überblick über die Bedeutsamkeit des Staatsbürgerschaftsdiskurses und der damit einhergehenden Identität eines Landes im Bereich der Migrations- und Integrationspolitik. Das jus soli und das jus sanguinis stellen hier lediglich zwei Extrema eines Kontinuums von Staatsbürgerschaftsregimen dar.

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Details

Seiten
30
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668698680
ISBN (Buch)
9783668698697
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v424422
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,3
Schlagworte
Responsivität Migration Migrationsforschung Typisierung Leitfadeninterviews Realtypen Integration

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Titel: Responsivität vor dem Hintergrund von Migration und Integration