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Zur Etymologie des Farbadjektivs rot

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 17 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. etymologische Betrachtung zum Begriff Farbe

3. Etymologie des Farbadjektivs rot
3.1. lexikalische und semantische Darstellung der Wortgeschichte
3.2. Kulturgeschichtliche Bedeutung der Farbe Rot
3.2.1. Die traditionelle Wirkung
3.2.2. Die psychologische und symbolische Wirkung
3.3. Farbphraseologische Verbindungen mit dem Adjektiv rot
3.3.1. Teilweise idiomatisierte adnominale Farbphraseologismen
3.3.2. Vollständig idiomatisierte adnominale Farbphraseologismen
3.3.3. Nicht- adnominale Farbphraseologismen

4. Schlussbemerkungen

5. Literatur

1. Einleitung

Auf einer Internetseite fand ich zum Thema Farbbedeutung rot die folgenden Aphorismen, die man aus heutiger Sicht in Verbindung mit rot setzt. „Rot steht für die Liebe, Körperbewusstsein, Selbstvertrauen, Furchtlosigkeit, Kraft, Durchhaltevermögen, Sinnlichkeit, Triebhaftigkeit, Leidenschaft, Wut, Hass, Selbständigkeit, Lebenslust, Macht und Eroberung.“[1] In der vorliegenden Arbeit möchte ich versuchen das Farbadjektiv rot etymologisch zu untersuchen. Dabei versuche ich herauszufinden, ob die oben genannten Assoziationen zu rot in Verbindung stehen mit der geschichtlichen Entwicklung und Bedeutung dieser Farbe. Somit ist es also nicht nur wichtig, sich der lexikalischen und semantischen Darstellungen anzunehmen sondern auch die Kulturgeschichte diese Farbadjektivs zu betrachten. Darüber hinaus gilt die Aufmerksamkeit auch den Phraseologismen, den typischen Wortverbindungen und charakteristischen Redensarten, die mit rot in Zusammenhang gebracht werden. Denn mit Hilfe der Intention dieser Phaseologismen kann man auch die Wortbedeutung und Wortgeschichte der Farbe rot verständlich und logisch darstellen beziehungsweise belegen. Beginnen möchte ich mit der etymologischen Betrachtung des Begriffes Farbe, um aufzuzeigen wie das Wort entstanden ist und wie sich die Bedeutung, des uns heute bekannten Oberbegriffes für alle Farben, im Laufe der Zeit verändert hat.

2. etymologische Betrachtung zum Begriff Farbe

Da es sich bei dem zu betrachtenden Adjektiv um eine Farbe handelt, möchte ich zu Beginn die Wortgeschichte des Farbbegriffes ein wenig betrachten, damit man eine Vorstellung hat, was dieser „Oberbegriff“[2] eigentlich bedeutet bzw. woher er kommt. An dieser Stelle muss man aber gleich sagen, dass es ziemlich schwierig ist, einen schlüssigen Ursprung zu finden, da die Meinungen dabei teils auseinander gehen. Den ersten Beleg in der deutschen Sprache für das Substantiv Farbe kann man nach Friedrich Kluge in das achte Jahrhundert einordnen. Im Mittelhochdeutschen gab es die Wörter varwe und var[3], die Farbe und farbig[4] bedeuteten. Im Althochdeutschen fand man das Wort far(a)wa[5]. Aus dem Germanischen lässt sich farwa (maskulin) und farwö[6] (feminin) belegen, welche Form, Farbe und Gestalt bedeuten. Im Dativ Singular gab es auch im Gotischen das Wort farwa[7] und es bedeutete ebenfalls Gestalt. Friedrich Kluge vermutet nun, dass es zu einem Wechsel vom indogermanischen kw zum germanischen f vor Labial aus voreinzelsprachlich *kw or-wo- zum indogermanischen *kwer-w- gekommen sei. Doch diese Ableitung ist nicht vielfach unumstritten. Hingegen gibt es auch noch weitere Theorien. G. Must zum Beispiel beschreibt in den Indogermanischen Forschungen, dass sich Farbe aus einem Lehnwort, dem arabischen Wort farw[a][8], welches Pelz bzw. pelzbesetztes Gewand bedeutet, entwickelt hat. Friedrich Kluge vertritt außerdem noch die Meinung, dass die Bedeutung Farbe, die sich später durchgesetzt hat, durch die Bahuvrîhi-Komposita wie rosen-faro, welches das Aussehen von Rosen habend und rosenfarbig bedeutet, entstanden ist. Neben diesen unterschiedlichen Theorien ist das Einzige, was man bis jetzt weiß, dass Farbe keine eindeutige Etymologie zurückführend aus der indogermanischen Sprache aufweist. Somit kann man sagen, dass es ein relativ junges Wort ist. Außerdem hatte Farbe früher auch eine andere Lage im semantischen Raum. Man ging von einer Bedeutung in Richtung Aussehen und Form, sowie Gestalt aus. Heute hat sich, aufgrund der wissenschaftlichen Erkenntnisse, die Bedeutung gewandelt. Man spricht heute eher von Eigenschaften und Pigmenten, wenn man von Farbe redet. Farbe ist nämlich auf der einen Seite ein abstrakter Begriff für Farben und auf der anderen Seite ein Begriff für die Farbe, mit der man malt oder streicht.

3. Etymologie des Farbadjektivs rot

3.1. lexikalische und semantische Darstellung der Wortgeschichte

Den ersten Beleg in der deutschen Sprache von der Farbbezeichnung rot fand man auch im 8. Jahrhundert. Doch dies bedeutet nicht sofort, dass rot genauso wie Farbe auch ein relativ junges Wort sein muss. Betrachtet man die Aufzeichnungen in den etymologischen Wörterbüchern über das Farbadjektiv rot, so stellt man das genaue Gegenteil fest. Im Mittelhochdeutschen, wie auch im Althochdeutschen gab es das Wort rōt. Nach Matthias Lexer bedeutete es im Mittelhochdeutschen rot sowie rothaarig und auf der bildlichen Ebene lag die Bedeutung bei falsch und listig[9]. In der angelsächsischen Sprache gab es rōd und die mittelniederländische Sprache verwendete auch rōt[10]. Man stellte fest, dass das gemeingermanische Farbadjektiv mhd., ahd. rōt, gt.[11] raups, e.[12] red, schw.[13] röd mit verwandten Wörtern in den meisten indogermanischen Sprachen zu der indogermanischen Wurzel reudth[14] gehört, welches direkt rot bedeutete. Zum Vergleich führt das Herkunftswörterbuch des Dudens verschiedene europäische Sprachen auf. Zum Beispiel gab es im altindischen rudhirá, welches rot und blutig bedeutete, im griechischen gab es erythrós, dass auch rot bedeutete und éreuthos, das wiederum Röte ausdrückte. Das Lateinische belegt drei Worte mit fast derselben Bedeutung. Es gab rubeus, welches rot bedeutete und woraus später das Wort Rubin[15] entlehnt wurde. Außerdem gab es ruber, welches die ganzen Nuancen von rot abdeckte und rubica bezeichnete eher die rote Farbe oder die rote Erde. Im Altlateinischen existierte robus, welches Kernholz ausdrückte, doch dabei vielmehr die dunkle und rötliche Farbe des Holzes beschreiben sollte. Auch das mittel- und althochdeutsche Wort rost gehört zu der indogermanischen Wurzel. Damit ist die Zersetzungsschicht auf Eisen also nach ihrer rötlichen Farbe benannt wurden[16]. Da man das uns bekannte Farbadjektiv rot in allen indoeuropäischen Sprachen vorfindet, kann man sagen, dass es sich hier: „um die wohl älteste und zugleich in den indoeuropäischen Sprachen am weitesten verbreitete Farbbezeichnung handelt“[17].

Die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm haben in ihrem deutschen Wörterbuch die verschiedensten Wortbedeutungen für das Adjektiv rot dargestellt. Dabei bedienten sie sich den unterschiedlichsten Schriftstücken und filterten die unterschiedlichsten Bedeutungen des Wortes heraus. „ Rot bezeichnet zunächst die Farbe schlechthin.“[18]

Dabei bezeichnet es zum Beispiel die Farbe des Weines „es gab ein grozes gelächter als wir uns die müden füsze mit rothem wein und kleien badeten“.[19] Rot ist außerdem die Farbe des Blutes und des damit Gefärbten[20]: „das schleierlein war von blute so rot, und da sie in verband da ward sie halb tot“.[21] In der dichterischen Sprache werden auch einige Edelsteine und Metalle, wie zum Beispiel Gold und Kupfer rot genannt: „was soll mir das rote gold, so ich’s nit tragen soll vor rittern und vor knechten?“.[22] Besonders wichtig ist unter Anderem auch, dass man rot in Zusammenhang mit Feuer gebracht hat: „ jetzt auf ihr autlitz, das blutrünst’ge, fiel der rothen wachtfeuer glut, die da vor jedem zelte lobten.“[23] Die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm stellten außerdem noch fest, dass rot häufig in Zusammensetzungen erscheint. Dabei kommt es zu Bildungen in denen rot durch das erste Glied näher bestimmt wird. Außerdem gibt es auch Kompositionen, wo rot an zweiter Stelle steht und diese bezeichnen meist einzelne Abschattungen der Farbe und wirken oftmals als Vergleich, wie unter Anderem bei blitzrot, brandrot, purpurrot, scharlachrot, hochrot oder brennendrot.

Darüber hinaus gibt es auch noch weitere Bedeutungen für die rote Farbe. Auch sehr wichtig ist die Assoziation, dass rot die Farbe der Liebe (wie auch heute) und der Liebesnot ist. Für die „rote Farbe“ im Gesicht, gibt es auch unterschiedliche Erklärungen. Zum einen ist es ein Zeichen für Gesundheit, wie die Phraseologismen roter Mund und rote Wangen ausdrücken. Sie sind auch ein Zeichen der Frische, der Jugendlichkeit und der Schönheit. Außerdem ist „die rote Farbe“ im Gesicht ein Zeichen der Trauer, der Furcht und des Schreckens: „mein hertz das ligt in groszer not, mein augen begynnen natzen, von schaiden wird ich plaich und rott.“[24] Ferner ist sie ebenso ein Zeichen des Zornes, der Scham oder der Eile. Auch eine weitere Form, wo es sich um rot am Körper handelt ist sehr interessant: die rote Haarfarbe. Denn im deutschen Mittelalter galten rote Haare oder ein roter Bart als ein Zeichen der Falschheit: „ein roter heszt der mann mit rotem haupt- und barthaar: euwer angesicht und roter bart geben, dasz nit viel gůts an euch ist, zů erkennen…“[25]

[...]


[1] http://www.billes-bastelecke.com/Anleitungen/mandalas/farbbedeutung.htm

[2] Da es sich hier um ein Substantiv handelt darf man nicht von einem Oberbegriff sprechen. Richtigerweise müsste der Oberbegriff ein Adjektiv sein. Dabei könnte man z.B. denken, dass das Adjektiv farbig mit der Bedeutung farbe habend einen Oberbegriff bilden könnte. Doch es bezeichnet aber eher bunt.

[3] Kluge, 2002, S. 275

[4] vgl. Lexer, 1992, S. 312

[5] Kluge, 2002, S. 275

[6] Kluge, 2002, S. 275

[7] Kluge, 2003, S. 275

[8] Indogermanische Forschungen 86, 1981, S. 255-270

[9] vgl. Lexer, 1992, S. 201

[10] Pfeifer, 1989, S. 1442

[11] gotisch

[12] englisch

[13] schwedisch

[14] Duden Band 7, 2001, S. 681

[15] Kluge, 2002, S. 773

[16] Duden Band 7, 2001, S. 681

[17] Pfeifer, 1989 , S. 1442

[18] Deutsches Wörterbuch Band 8, 1893, S.1287

[19] Goethe, In: Deutsches Wörterbuch Band 8, 1893, S.1287

[20] Deutsches Wörterbuch Band 8, 1893, S. 1287

[21] Uhland, In: Deutsches Wörterbuch Band 8, 1893, S.1287

[22] Uhland, In: Deutsches Wörterbuch Band 8, 1893, S.1290

[23] Freiligrath, In: Deutsches Wörterbuch Band 8, 1893, S.1292

[24] Hätzlerin, In: Deutsches Wörterbuch Band 8, 1893, S.1295

[25] Kirchhof, In: Deutsches Wörterbuch Band 8, 1893, S.1296

Details

Seiten
17
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638404921
Dateigröße
567 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v42471
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
gut
Schlagworte
Etymologie Farbadjektivs

Autor

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