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Mündliche Fehlerkorrektur im Fremdsprachenunterricht

Seminararbeit 2004 17 Seiten

Germanistik - Didaktik

Leseprobe

INHALT

I. Einleitung

II. Stellung des Fehlers in der Geschichte der Fremdsprachendidaktik

III. Besonderheiten der mündlichen Korrektur

IV. Phasen der mündlichen Korrektur

V. Aspekte des mündlichen Korrigierens

VI. Formen der mündlichen Fehlerkorrektur
VI.1 Direkte Korrektur
VI.2 Indirekte Korrektur
VI.3 Selbstkorrektur

VII. Bewertung von mündlichen Lernerproduktionen
VII.1 Globales Bewertungsverfahren
VII.2 Analytisches Bewertungsverfahren
VII.3 Objektives Bewertungsverfahren

VIII. Einstellung der Lerner zu Korrekturen

IX. Abschluss

Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Die mündliche Fehlerkorrektur im Fremdsprachenunterricht ist Thema dieser Arbeit. Als erstes soll ein kurzer Überblick über die Stellung des Fehlers in der Geschichte der Fremdsprachendidaktik gegeben werden, um eine Einordnung der mündlichen Korrektur in die Unterrichtsmethodik vorzunehmen. Im nächsten Teil möchte ich die Besonderheiten der mündlichen Korrektur im Gegensatz zur Korrektur schriftlicher Lernerproduktionen herausstellen.

Es folgt ein kurzer Abriss über die Möglichkeiten des Aufbaus einer mündlichen Fehlerkorrektur, um im Anschluss die verschiedenen Arten der mündlichen Fehlerkorrektur im Fremdsprachenunterricht zu beschreiben. Ich stelle die direkte Lehrerkorrektur, die indirekte Lehrerkorrektur und die lehrerunterstützte Selbstkorrektur vor und möchte dabei auch auf die möglichen Auswirkungen in Bezug auf die fremdsprachlichen Kompetenzen der Lernenden eingehen.

Ebenso möchte ich verschiedene Bewertungsverfahren, die in der Literatur diskutiert werden, erörtern. Ich gehe hierbei auf das globale, das analytische und das objektive Bewertungsverfahren ein. Zum Abschluss möchte ich noch Lernerurteile zu mündlichen Fehlerkorrekturen aufzeigen, die von Karin Kleppin untersucht wurden.

II. Stellung des Fehlers in der Geschichte der Fremdsprachendidaktik

In der fremdsprachendidaktischen Forschung werden Fehler heute als natürlicher Bestandteil des Lernprozesses angesehen. „ Alle Lerner machen Fehler“. Mit dieser geradezu programmatischen Aussage hat Corder vor über 20 Jahren eine zentrale Einsicht der damals noch jungen Fremdsprachenerwerbs-Forschung zusammengefasst und darauf hingewiesen, dass Fehler konstitutive Bestandteile des Lernprozesses sind.“1 Auch im Volksmund heißt es schließlich „Aus Fehlern lernt man!“. Lernt man eine fremde Sprache, gehört das Fehler-Machen dazu.

Eine solche Einstellung zum Auftreten von Fehlern beim Erlernen einer Fremdsprache war jedoch nicht immer selbstverständlich. Bis in die 60er Jahre wurden die von Lernern erzeugten Fehler als ein „unabwendbares Übel“ angesehen, das im fremdsprachlichen Unterricht leider vorkommt, aber möglichst nicht vorkommen sollte.

Unter Einfluss der, in der Nachkriegszeit in den Vereinigten Staaten entstandenen, audiolingualen Methode sah man den Erwerb einer Fremdsprache als einen Prozess an, bei dem die Strukturen der zu erlernenden Sprache vor allem durch die Imitation korrekter Modelle erworben werden. Die audiolinguale Methode entstand auf der Grundlage des, auf die Verhaltensforschung J.P. Pawlows zurückgehenden, Behaviorismus. Hauptziel des audiolingualen Unterrichts war es, Lernende die richtigen sprachlichen Gewohnheiten ausbilden zu lassen. Das imitierende Üben zielsprachlicher Formen sollte bei ausreichender Wiederholung zu einer automatisch richtigen Anwendung der neuen Sprache führen. Durch ‚Pauken’ der korrekten zielsprachlichen Formen und die richtige Progression bei der Einführung des fremdsprachlichen Materials sollte dem Entstehen von Fehlern vorgebeugt werden. Kamen trotzdem Fehler in Lerneräußerungen vor, wurden sie sofort durch korrigierende Eingriffe der Lehrperson berichtigt. Solange die Fremdsprachendidaktik unter dem Einfluss der audiolingualen Methode stand, wurde das Auftreten von Fehlern im Fremdsprachenunterricht also äußerst negativ bewertet. Alleiniges Kriterium für die Definition und Beurteilung von Fehlern war die formale Korrektheit. Vorgegeben war die Korrektheit einer sprachlichen Form durch das zielsprachliche System. Zu der sprechenden Person wurde die zu beurteilende Richtigkeit oder Fehlerhaftigkeit einer Äußerung nicht in Beziehung gesetzt.

Ende der 50er Jahre kam es jedoch zu Entwicklungen in der sprachwissenschaftlichen Forschung, die die Bewertung und den Umgang mit Fehlern in der Fremdsprachendidaktik verändern sollten. Es entstand ein neuer Ansatz, der einen natürlichen Fremdsprachenerwerb propagierte. Dieser natürliche Erwerb der fremden Sprache sollte dem muttersprachlichen Erwerbsprozess möglichst nahe kommen. Die Fremdsprache sollte intuitiv erworben werden und Fehler konnten während dieses natürlichen Aneignungsprozesses ebenso auftreten wie beim Erwerb der Muttersprache. Ziel des fremdsprachlichen Unterrichts sollte eine möglichst wirklichkeitsnahe Kommunikation in der Fremdsprache sein, so wie sie außerhalb des Klassenraums in realen Situationen verlaufen würde. Das Auftreten von Fehlern wurde dabei nicht mehr als Problem betrachtet. Die negative Bewertung von Fehlern wandelte sich zu einer eher neutralen Einstellung fehlerhaften Produktionen gegenüber: Fehler wurden als natürlicher Bestandteil des Erwerbsprozesses gesehen, den man nicht problematisieren muss. Man war der Ansicht, die Lerner würden durch freies Kommunizieren in der

Zielsprache von ganz allein zu einem immer fehlerfreieren Ausdruck gelangen. Die Lehrenden sollten möglichst wenig steuernd oder erklärend in den Erwerbsprozess eingreifen. Fehler sollten vor allem bei freien Produktionen nicht korrigiert werden, um die Kommunikationsversuche der Lernenden in der Fremdsprache nicht zu stören. Die praktische Umsetzung der kommunikativen Didaktik in konkreten fremdsprachlichen Unterrichtsituationen zeigte jedoch, dass ungesteuertes Kommunizieren in der Fremdsprache bei vielen Lernern nicht ausreicht, um die Fähigkeit zum weitgehend fehlerfreien Ausdruck zu erwerben. Es war S.P. Corder, der in seinem Aufsatz „The Significance of Learners´ Errors“ dieser neuen, positiven Bewertung von Fehlern Ausdruck verlieh. Corder vertritt die Ansicht, Lernende konstruierten im Laufe des Lernprozesses eine Art „Zwischensprache“, die sog. Lernersprache oder Interimsprache. Diese Lernersprache enthält Elemente der Muttersprache und der Zielsprache, weist aber auch von diesen unabhängige Merkmale auf. Corder unterstreicht, dass es sich dabei nicht um ein chaotisches Nebeneinander von lose aneinandergereihten Elementen handelt, sondern dass die Lernersprache eine innere Systematik und Logik aufweist. Jede und jeder Lernende baut ein eigenständiges Sprachsystem auf, das sich im Wesentlichen auf die Zielsprache zubewegt, aber auch auf einem Entwicklungsstand stehen bleiben oder eine rückläufige Entwicklung durchlaufen kann. Es ist ein System, das sich ständig verändert.

Es entsteht also eine grundlegend gewandelte Konzeption des Fehlers. Fehler werden als Ausdruck der lernersprachlichen Entwicklung gesehen und als solche ernst genommen. Macht man viele Fehler, so kann man möglicherweise effektiver lernen, denn durch Analysieren und Verstehen des Fehlers können die aufgestellten Hypothesen über das Funktionieren der Fremdsprache überprüft werden.

Aber es lassen sich auch Mängel in der praktischen Umsetzung des kommunikativen Ansatzes feststellen: Insbesondere bei der Fehlerproblematik zeigte sich, dass sich gewisse Fehler bei unzulänglicher Korrektur und Formanalyse in der Lernersprache festsetzen. Es kommt dann zur sog. Fossilisierung von unkorrekten Formen, die auch von fortgeschrittenen Lernern immer wieder verwendet werden und durch didaktisches Einwirken oft nicht mehr berichtigt werden können, weil sie bereits zu fest im lernersprachlichen System verankert sind. Das Auftreten von Fehlern ist daher nur positiv, wenn sie erkannt und verstanden werden, also bewusst mit ihnen umgegangen wird. Sollen Schüler lernen, so effektiv wie möglich in der Fremdsprache zu

kommunizieren, darf formbezogene Spracharbeit im Unterricht nicht fehlen. Die Fehlerkorrektur nimmt im Rahmen dieser gezielten Arbeit mit sprachlichen Formen eine zentrale Rolle ein. Welche Art des mündlichen Korrigierens für einen analytischen, den Lernprozess unterstützenden Umgang mit Fehlern besonders geeignet sein kann, wird unter Punkt VI. dargestellt.

III. Besonderheiten der mündlichen Korrektur

Bei der mündlichen Fehlerkorrektur muss zunächst einmal berücksichtigt werden, dass sowohl die Lernenden als auch die Lehrenden genau in dem Moment auf den Fehler reagieren müssen, in dem er auftritt. Mündliche Produktionen lassen Lernern nur wenig Zeit zum Nachdenken über die fremdsprachlichen Formen und deren richtige Verknüpfung. Formulierungen können nicht wie bei schriftlichen Produktionen in Ruhe geplant und überdacht werden. Wenn Fehler auftreten, müssen Entscheidungen zur Umformulierung oder Wahl einer anderen sprachlichen Struktur sehr schnell getroffen werden. Diese Notwendigkeit, sofort zu reagieren, besteht ebenso für die Lehrenden. Innerhalb kürzester Zeit muss entschieden werden, ob ein Fehler korrigiert werden soll und wenn ja, in welcher Form. Dabei müssen vielfältige Aspekte in Betracht gezogen werden: die formale und „kommunikative“ Richtigkeit der Äußerung in Bezug auf den unterrichtlichen Kontext und den weiteren sprachlichen sowie kulturellen Sinn-zusammenhang, die individuelle lernersprachliche Entwicklung, die Frage, ob es sich um einen „schwachen“ oder „starken“ Lerner handelt usw. Die mündliche Korrektur ist also ein äußerst komplizierter Vorgang.

[...]


1 zit. nach Storch (2001), S. 315.

Details

Seiten
17
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638405324
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v42519
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
1,0
Schlagworte
Mündliche Fehlerkorrektur Fremdsprachenunterricht Fehler

Autor

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Titel: Mündliche Fehlerkorrektur  im Fremdsprachenunterricht