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Gezielter Einsatz strategischer Angriffstechniken im Handball

Facharbeit (Schule) 2018 19 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportarten: Theorie und Praxis

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erläuterung der verschiedenen Taktiken und Techniken
2.1 Mannschaftstaktik
2.1.1 „Ziel eines Angriffs“ und verschiedene Angriffsmittel
2.1.2 Das Spiel aus der Abwehr heraus
2.2 Individuelle Taktik
2.2.1 Verschiedene Wurfvarianten
2.2.2 Täuschungen

3. Untersuchung/Analyse
3.1 Einführung
3.2 Untersuchungsmethodik
3.3 Untersuchungsergebnisse
3.4 Schlussfolgerung und Diskussion

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang

7. Erklärung über die selbstständige Anfertigung der Arbeit

1. Einleitung

Jeder Sportler, der seinen Sport leistungsorientiert betreibt, fragt sich irgendwann, ob und wie er noch besser, noch erfolgreicher werden kann. Jeder Trainer stellt sich irgendwann die Frage, was er ändern kann, damit seine Mannschaft bzw. der Sportler noch bessere Leistungen bringt. Es stellt sich die Frage, was taktisch am klügsten und sinnvollsten ist, um den Gegner zu schlagen. So auch in der Ballsportart Handball.

Handball ist ein Mannschaftssport und da nicht jede Mannschaft einen Weltklassespieler in ihren Reihen hat, der den Unterschied ausmachen kann, kommt es meist vor allem auf das Zusammenspiel der Mannschaft und die richtigen Spielentscheidungen an. Je nach Gegner und Spielsituation müssen also verschiedene Angriffstaktiken und -techniken angewandt werden.

Aber wie funktionieren sie? Wann werden sie am sinnvollsten verwendet und von wem? Was ist die grundlegende Spielidee und welche Grundlagen/Techniken sind notwendig, um erfolgreichen Handball zu spielen bzw. um einen Angriff erfolgreich abzuschließen? Gibt es ein Erfolgsrezept? Ziel dieser Facharbeit soll es sein, diese Fragen auf den folgenden Seiten zu beantworten und anhand von ausgewählten Spielen professioneller Handballmannschaften zu erläutern und zu untersuchen.

2. Erläuterung der verschiedenen Taktiken und Techniken

Nach Wolfram Peters ist die Technik „(…) ein Verfahren, eine sportartspezifische Bewegungsaufgabe zweckmäßig zu lösen.“1 Im Handball kommt der Sportler in viele Situationen, in denen er sich in kürzester Zeit für die Wahl der einen oder anderen, bzw. der sinnvollsten Technik entscheiden muss. Dabei muss er, „(…) eigene und fremde Entscheidungsalternativen und Handlungspläne aufeinander beziehen und situativ die für den eigenen Erfolg optimale Entscheidung (zu) treffen.“2 Dies nennt man dann Taktik, also das situationsspezifische Anwenden von Techniken. Bei der Taktik unterscheidet man zwischen Mannschafts- und individueller Taktik.

2.1 Mannschaftstaktik

Als Mannschaftstaktik lässt sich das Zusammenwirken oder auch Zusammenspiel mehrerer Spieler bezeichnen. Auf den unterschiedlichen Positionen sind dabei vielfältige Aufgaben zu bewältigen, die es innerhalb der Mannschaft zu koordinieren gilt. Abgestimmt auf die eigenen Fähigkeiten als auch den Gegner, ist die Taktik ein wesentlicher Baustein für den Erfolg.3

2.1.1 „Ziel eines Angriffs“ und verschiedene Angriffsmittel

Das grundlegende Ziel eines Angriffs im Handball ist es, ein Tor zu erzielen. Im Jugendbereich ist es oft noch möglich, sich im Angriff durch körperliche Unterschiede durchzusetzen und so Tore zu werfen. Mit zunehmenden Alter sowie im Erwachsenenbereich ist dies nicht mehr entscheidend für einen erfolgreichen Angriff. Denn dann ist es eher selten möglich sich durch eine gute, im Verbund arbeitende Abwehr, im „1 gegen 1“ durch zu setzen. Zumal ständiges Aufreiben im „1 gegen 1“ sehr kraftraubend und energieverbrauchend bzw. unökonomisch ist. Kurzum gibt es zwischen den meisten Mannschaften keine großen konditionellen und technischen Unterschiede. Deshalb ist es wichtig, dass die Mannschaft zusammen spielt, um so Lücken in der Abwehr, große Räume, sowie Überzahlsituationen zu schaffen, durch die dann der Durchbruch gelingen, und somit ein Tor erzielt werden kann. Dies kann durch folgende Mittel erreicht werden:

Torgefahr

Die Torgefahr ist elementar wichtig in jedem Angriff im Handball. Von jeder Position bzw. jedem Spieler muss Torgefahr ausgehen, da sich die verteidigende Mannschaft sonst darauf einstellt, dass von diesem Spieler keine Gefahr ausgeht. Somit vernachlässigt die Abwehr ihn und widmet sich lieber den torgefährlichen Spielern. Folglich ist es für diese schwieriger die Abwehr zu durchbrechen, da die Räume und Lücken nun verengt sind. Es ist fast vergleichbar mit einer Unterzahlsituation, sollten ein oder mehrere Spieler nur „Passstation“ sein.

Geht allerdings von jedem angreifenden Spieler Torgefahr aus, so muss jeder der Abwehrspieler in erster Linie seinen Gegenspieler garantieren, sowie seinen Mitspielern gegebenenfalls aushelfen, was es den Angreifern um einiges leichter macht. Geht nämlich von einem Spieler Torgefahr oder sogar besonders große Torgefahr aus, muss die Abwehr darauf reagieren und diesen Spieler mit zwei Spielern verteidigen. So schafft er Räume für seine Mitspieler. Dies lässt sich einfach anhand eines Beispiels erläutern: Der Rückraum-Links-Spieler der angreifenden Mannschaft zieht in die Nahtstelle zwischen seinem Gegen- und dessen Mitspieler. Beide müssen den angreifenden Spieler verteidigen, der nun einfach auf den Links-Außen-Spieler abräumen kann.4 Das Ziel der Torgefahr ist es also seinen oder mehrere Gegenspieler zu binden.

Stoßen in die Nahtstelle

Das Stoßen in die Nahtstellen ist das simpelste Angriffsmittel im Handball. Denn ein Angriff eines einzelnen Spielers erfolgt niemals auf den Gegenspieler drauf sondern immer in die Nahtstellen.5 Diese sind die Zwischenräume, auch Lücken genannt, innerhalb eines jeden Abwehrsystems. Sie sind die Schwachstellen in der Abwehr.6 Ziel ist es, durch die Nahtstelle durchzustoßen oder zwei Abwehrspieler zu binden. Stößt nämlich ein Angreifer in die Nahtstelle und zieht zwei Abwehrspieler auf sich, kann er den Ball weiterspielen. Nun muss wiederum ein anderer, nicht für den neuen Angreifer zuständigen Abwehrspieler, diesen verteidigen. Das kann man nun solange fortführen, bis sich eine geeignete, genügend große Lücke ergibt durch die der Durchbruch gelingen kann. Mit anderen Worten: Wird eine Lücke kleiner, muss eine andere größer werden. Das Stoßen in die Nahtstelle lässt sich ebenfalls, wie die Torgefahr gut an der von mir erstellten Abbildung A17 explizit zeigen, da mit dem Stoßen in die Nahtstelle die Torgefahr einhergeht und somit im Zusammenhang steht.

Spielzüge und Angriffskonzepte

Spielzüge bzw. Angriffskonzepte sind Auftakthandlungen, mit im Training einstudierten Abläufen, also Kombinationen von „Ball- und Laufwege“8, um gezielt bestimmte Angriffssituationen entstehen zu lassen, in welchen dann der Spieler je nach Situation und Position der Gegen- sowie Mitspieler, sowie auf Grund von Erfahrungen eine Entscheidung trifft. Diese für die angreifende Mannschaft in der Regel günstigen Situationen werden auch „Entscheidungsknotenpunkt(e)“9 genannt, die dem angreifenden Spieler mehrere Entscheidungsmöglichkeiten ermöglichen. Die Abwehrspieler haben es nun schwer sich auf die nächste Angriffshandlung einzustellen. Deshalb wird die Auftakthandlung bzw. der Spielzug selbst eher langsamer ausgeführt. Mit der Entscheidung geht dann ein Tempowechsel einher, was es den verteidigenden Gegenspielern zusätzlich erschwert.

Sowohl einfache Kreuzbewegungen und Übergänge an den Kreis, als auch komplexere zusammenhängende Handlungen gelten als Spielzüge. Außerdem ist es auch möglich einzelne, beispielsweise besonders große Spieler durch Spielzüge absichtlich in Szene zu setzten. So gut wie jede Mannschaft hat ein Repertoire an verschieden Spielzügen. Es ist die Aufgabe des Trainers sowie des Spielmachers, vorwiegend der Rückraum-Mitte-Position, angesichts des Gegners und seiner Abwehrformation die Spielzüge auszuwählen. Je größer und vielfältiger das Spielzugrepertoire einer Mannschaft desto flexibler kann sie während des Spiels agieren.

Besonders beliebt sind Übergänge einzelner Spieler an den Kreis und Spielzüge, die eine „Verlagerung“ des Spielgeschehens bezwecken und eine damit einhergehende Überzahlsituation erschaffen, die dann in der Kleingruppe gelöst werden kann. Vor allem wenn die gegnerische Mannschaft wegen einer 2-Minuten-Zeitstrafe in Unterzahl ist, sind Verlagerungen extrem sinnvoll, da so sehr große Räume entstehen.

Sperren

Sperren werden vorwiegend von Kreisläufern und an den Kreis übergegangene Spieler verwendet, um dem Mitspieler, in der Regel Rückraumspieler, einen Durchbruch zu ermöglichen, indem er den Laufweg des Abwehrspielers sperrt bzw. verhindert.10 Aber auch der Kreisläufer kann durch eine Sperre zum Torerfolg kommen. Denn sprechen sich die Verteidiger des gegnerischen Teams nicht gut ab, so kann sich der Kreisläufer aus der Sperre lösen und in den freien Raum laufen, um dort vom angreifenden Mitspieler angespielt zu werden. Bei einer Sperre ist der Zeitpunkt oder auch das „Timing“11 entscheidend. Stimmt das Timing, werden Missverständnisse und Probleme in der Absprache zwischen den Abwehrspielern provoziert, weshalb die Sperre ein wichtiges Angriffsmittel darstellt.

Kann der angreifende Rückraumspieler aber weder selbst durchbrechen noch seinen Mitspieler am Kreis anspielen, weil die gegnerische Abwehr sehr gut organisiert ist, kann er den Ball einfach im Rückraum weiterspielen. Dadurch entstehen dennoch große Räume und Lücken für die anderen Mitspieler, da von der Aktion eine große Torgefahr ausgeht und somit die Abwehrspieler auf sich zieht.

Bei einer Sperre ist zu beachten, dass die Sperre passiv erfolgt, also dass der Sportler zum Zeitpunkt der Sperre steht und dass ausschließlich mit Rumpf und Oberkörper gesperrt wird. Werden zum Sperren Arme, Hände, Beine und Ellbogen benutzt oder läuft bzw. springt der sperrende Spieler in den verteidigenden Spieler hinein, kommt es zum Stürmerfoul, also Ballbesitz für die verteidigende Mannschaft und damit zur Chance ein Tor durch einen Tempogegenstoß zu kassieren.12

2.1.2 Das Spiel aus der Abwehr heraus

Beim Spiel aus der Abwehr heraus wird zwischen 3 Phasen bzw. Wellen unterschieden:

1. Welle

Die 1. Welle, auch Tempogegenstoß oder „direkter Gegenstoß“13 genannt, beschreibt den direkten Gegenangriff nach einem Ballgewinn. Dass heißt, nach Fehlwurf des Gegners bzw. Parade des eigenen Torwarts, Abfangen eines Passes oder einem technischen Fehlers vonseiten des Gegners erfolgen in der Regel lange Pässe zu den Außen, die dann freie Bahn aufs gegnerische Tor haben. Tore durch die 1. Welle sind die einfachsten, sichersten und effektivsten, da sie für den Gegner nur schwer zu verteidigen und besonders „ökonomisch“14 sind, dass heißt sparsam in Hinsicht auf die Ausdauer. Sicher deshalb, weil der Schütze im Regelfall frei von 6m zum Wurf kommt und so leicht ein Tor erzielen kann. Außerdem sind Tore durch Tempogegenstöße schnelle Tore. Mit anderen Worten kann so zum Beispiel eine zurückliegende Mannschaft innerhalb weniger Minuten durch einige Ballgewinne einen Rückstand aufholen.

2. Welle

Die 2. Welle überschneidet sich mit der 1. Welle. Sie erfolgt ebenfalls nach Ballgewinnen in der Verteidigung oder aber auch nach einem schnellen Mittelanwurf. Der entscheidende Unterschied ist, dass kein langer Pass zu den Außenspielern erfolgt, sondern der Ball durch die Rückraumspieler nach vorne getragen wird. Deshalb wird sie auch „Erweiterter Gegenstoß“15 genannt. Tore durch die 2. Welle sind ebenfalls wie bei der 1. Welle einfache und schnelle Tore, denn die Gegner werden noch während des Rückzuges quasi „überrannt“. Die 2. Welle eignet sich immer, wenn es keine Möglichkeit gibt die 1. Welle zu gehen und besonders bei Gegnern mit einem schwerlichen und langsamen Rückzugsverhalten.

3. Welle

Die 3. Welle bezeichnet einen aufgebauten Angriff. Es wird ruhig nach vorne gespielt und die Mannschaft zieht ihr Angriffsspiel auf. Gegebenenfalls wird ein Spezialistenwechsel vorgenommen, dass heißt, ein Spieler, der speziell ein guter Verteidiger ist wechselt mit einem besonders guten Angreifer, oder ein Spielzug bzw. Angriffskonzept wird gespielt. Zudem kommt die 3. Welle zum Einsatz, wenn durch die 1. oder 2. Welle kein Torerfolg erzielt werden konnte.

2.2 Individuelle Taktik

Zur Individuellen Angriffstaktik gehören laut Natascha Finger alle Handlungen des einzelnen Spielers ohne und mit Ball im Kampf mit dem Abwehrspieler16. Dass heißt, verschiedene Arten von Täuschungen und Würfen sowie das Stellungsspiel. Diese werden im folgendem Kapitel beschrieben und erklärt.

2.2.1 Verschiedene Wurfvarianten

Im Handball hat der Sportler viele verschiedene Möglichkeiten, wie er seinen Torwurf gestaltet. Wann und wie er eine Wurfvariante einsetzt, hängt von seiner Position und vor allem von der Spielsituation ab. Der Handballer versucht die Wurfvariante zu wählen, die es ihm in der gegebenen Situation erlaubt, möglichst einfach ein Tor zu erzielen.

Der Schlagwurf

Der Schlagwurf, auch Stemmwurf genannt, „ist die Grundtechnik des Werfens im Handball“17. Aufgrund seiner simplen Ausführung basieren alle weiteren Würfe auf ihm18. Diese Wurfvariante wird vorwiegend von Rückraumspielern genutzt, um schnell und plötzlich über oder durch eine Lücke in der Abwehr abzuschließen.

Erläuterung für den Linkshänder: Der Sportler steht in Schrittstellung, das rechte Bein nach vorne gestellt. Die rechte Fußspitze zeigt in Richtung Tor. Der Körperschwerpunkt liegt auf dem hinteren Bein. In dem Fall links. Der Oberkörper wird aufgedreht, sodass die Wurfarm-ferne Schulter Richtung Tor zeigt und der Wurfarm wird nach hinten geführt.19 „Aus dem Gesichtspunkt der biomechanischen Prinzipien wird dadurch der Beschleunigungsweg verlängert.“20 Der Ellbogen befindet sich über oder auf Höhe der Schulter, und der Körper befindet sich in der Bogenspannung, dass heißt im leichten Hohlkreuz. Durch das Auflösen der Bogenspannung und der Aktivierung der Bauchmuskulatur wird der Oberkörper nach vorne beschleunigt. Durch die Rotation im Oberkörper, sowie dem Armzug und dem Nachklappen des Handgelenks wird zusätzlich Energie gewonnen.“21 Nach dem Wurf wird der Körper zur Wurfarmgegenseite ausgedreht, um den Schwung abzufangen und somit im Gleichgewicht zu bleiben.22

Nebenbei bemerkt wird der Schlagwurf beim 7m Strafwurf verwendet.

Der Sprungwurf

Sprungwürfe sind die wohl wichtigste und beliebteste Methode um im Handball aufs Tor abzuschließen und sind deswegen auch so charakteristisch für den Sport Handball. Zudem gehören sie „ (…) zu den Würfen, die am häufigsten im Wettkampf angewendet werden.“23

Auf jeder Position wird von dem Sprungwurf Gebrauch gemacht. Allerdings lässt sich zwischen zwei Arten des Sprungwurfes unterscheiden:

1. „Sprungwurf in die Weite“24
2. „Sprungwurf in die Höhe“25

Der „Sprungwurf in die Weite“ wird vor allem bei freien Torabschlüssen, z.B. beim Tempogegenstoß, oder von den Außenspielern genutzt. Bei einem freien Torabschluss springt der Handballer in der Regel aus drei Schritten kurz vor dem 6-Meter-Kreis ab und versucht möglichst hoch zu springen, sodass er genug Zeit hat, um auf das Verhalten des gegnerischen Torhüters zu reagieren. Obwohl diese Variante des Sprungwurfs „Sprungwurf in die Weite“ heißt, springt der Handballer bei einem freien Torabschluss aber eher schräg nach vorne und nicht gerade aufs Tor zu, weil er sich sonst den Wurfwinkel verkleinert. Springt er aber schräg zur Seite, springt er sich das Tor damit auf und hat mehrere Möglichkeiten aufs Tor abzuschließen. Deswegen bedeuten freie Würfe nach einem Tempogegenstoß oder Abschlüsse vom Kreisläufer meist ein sicheres Tor.

Für den Außenspieler dagegen ist es von enormer Wichtigkeit beim Sprungwurf möglichst weit zu springen. Allerdings nicht in Richtung Tor, sondern in Richtung 7-Meter-Linie. Somit vergrößert er seinen sowieso schon kleinen Winkel, was ihm ermöglicht einfacher ein Tor zu erzielen. Vielmehr ist es sogar notwendig.

Der „Sprungwurf in die Höhe“ wird vorwiegend von den Rückraumspielern genutzt. Wie der Name schon verrät, springt der Spieler bei einem solchen Wurf möglichst hoch, da er über die, sich in der Regel zwischen ihm und dem Tor befindenden, Abwehr- bzw. Blockspieler abschließt.

Der Sprungwurf lässt sich nach dem Phasenmodell von Meinel in 3 Phasen unterteilen. (hier: Beispiel Rechtshänder)

1. Vorbereitungsphase: Anlauf und Absprung

Der Anlauf besteht meist aus einem 3-Schritt-Rythmus. Der Absprung erfolgt einbeinig mit dem der starken Hand entgegengesetzten Bein. Das heißt für den Rechtshänder, dass er zumeist mit dem linken Bein abspringt. Je nach Spielsituation kann der Absprung aber auch mit dem „falschen“ Bein (rechts) oder beidbeinig erfolgen. Während des Absprungs wird die linke Schulter nach vorne gerichtet und der Wurfarm nach oben/hinten gezogen. Währenddessen wird das Schwungbein ebenfalls nach oben gezogen. Diese Teilimpulse müssen „zeitlich optimal aufeinander abgestimmt sein“26, um beim Sprungwurf möglichst hoch zu springen.

2. Hauptphase: Der Wurf

Beim Wurf ist darauf zu achten, dass der Ellbogen über der Schulter oder auf Schulterhöhe ist. Der Wurf erfolgt dann durch die bereits beim Schlagwurf erläuterten 4 Bewegungen27:

1) Der Oberkörperrotation
2) Dem Armzug
3) Der Bogenspannung
4) Nachklappen des Handgelenks

3. Endphase: Die Landung

Die Landung kann ein- oder beidbeinig erfolgen. Ansonsten kann der Handballer sich abrollen oder über die Brust abrutschen.

Der Hüftwurf

Der Hüftwurf, der meist auch Unterarmwurf genannt wird, ist eine Angriffstechnik, die ausschließlich von Rückraumspielern genutzt wird. Vorwiegend kommt sie gegen defensive Abwehrformationen zum Einsatz. Beim Hüftwurf wird der Ball, wie der Name schon sagt, auf Hüfthöhe am gegnerischen Verteidiger vorbei geworfen. Dabei ist der Ellbogen unterhalb der Schulter, was im Vergleich zu normalen Würfen ziemlich ungewöhnlich ist. Das besondere am Hüftwurf ist, dass der Torwart des Gegners den Ball erst spät sieht und auch keine Rückschlüsse auf den Zielort des Balles schließen kann, da er den Wurfarm ebenfalls nicht sieht. Anders gesagt, sind gut platzierte Hüftwürfe sehr schwierig zu halten. Allerdings ist es für den Schützen wiederum schwierig den Ball gut zu platzieren, was den wesentlichen Nachteil von Unterarmwürfen darstellt. Gerne werden Hüftwürfe von der angreifenden Mannschaft benutzt, wenn sie ins Zeitspiel gerät.

Laufwurf

Der Laufwurf findet, der Wortbedeutung nach, plötzlich während des Laufens statt. Es gilt den Überraschungsmoment zu nutzen, da sowohl die Gegenspieler als auch der Torwart nicht mit einem so plötzlichen Wurf rechnen und ihn deshalb nur schwierig verteidigen können. „Die Ausführung des Laufwurfes gleicht der des Schlagwurfes, nur dass hierbei der Wurf über das andere Bein - eben im Lauf - erfolgt. Das heißt, der Ball wird mit dem Wurfarm geworfen, doch während das rechte Bein vorne steht.“28

Fallwürfe

Wie es sich schon durch den Begriff selbst erklärt, ist der Fallwurf prinzipiell ein Sprungwurf im Fallen. Das bedeutet, dass der Handballer während des Wurfes anfängt zu fallen. Dadurch hat er mehr Zeit in der Luft, um auf Bewegungen und das Stellungsspiel des Torhüters zu reagieren. Vorwiegend wird der Fallwurf von den Außenspielern und Kreisläufern benutzt. Für die Außenspieler ist er deshalb so vorteilhaft, weil sie sich dadurch den Wurfwinkel, vor allem bezüglich eines Wurfes in die lange Ecke, um einiges vergrößern können. Deshalb ist diese Wurftechnik bei den Außenspielern besonders beliebt. Ein Fallwurf bietet sich aber auch dann an, wenn der Angreifer während seines Wurfes durch die gegnerischen Spieler behindert wird und so aus dem Gleichgewicht kommt. Da Handball eine sehr körperbetonte Sportart ist, ist der Verlust des Gleichgewichts durch gegnerische Einflüsse nicht selten der Fall, und es kommt des häufigeren zu Fallwürfen. Um nach dem Wurf den Körper abzufangen, „(…) gibt es die Möglichkeit die Hände zu nutzen, sich abzurollen oder abzurutschen.“29

Trickwürfe

Trickwürfe sind in erster Linie für den Zuschauer schön anzusehen. Allerdings erweitern sie das Wurfrepertoire eines Spielers um einiges. Trickwürfe sind vorwiegend Würfe aus dem Handgelenk, wie zum Beispiel Dreher, Leger und Heber. Je größer das Repertoire an Würfen und Trickwürfen des Spielers, desto variantenreicher kann er aufs Tor abschließen. Dies erschwert es dem Torwart einen seiner Würfe zu halten.

Je nachdem sind Trickwürfe sogar sinnvoller als ein normaler Torwurf. Das ist aber situationsabhängig und hängt vor allem von der Position und den Bewegungen des Torwarts ab. Anders ausgedrückt, geht es wie so oft im Handball darum, „(…) in den entscheidenden Momenten die richtigen Entscheidungen zu treffen."30

[...]


1 Peters, Wolfram: Bewegungslehre – Sportpsychologie, Seite 125

2 http://www.sportunterricht.de/lksport/trait1taktik.html , vom 13.03.2018

3 vgl. http://promentcenter.de/leistungsdiagnostik/kognitive-taktikanalyse/mannschaftstaktik-im-handball/ , vom 12.03.2018

4 Siehe Abbildung vgl. Anhang A1

5 vgl. https://www.dr-gumpert.de/html/handball.html , vom 14.03.2018

6 Finger, Natascha: Taktische Angriffsmaßnahmen im Handball, Seite 5

7 siehe Abbildung vgl. Anhang A1

8 Finger, Natascha: Taktische Angriffsmaßnahmen im Handball, Seite 14

9 ebd., Seite 14

10 vgl. Göllnitz, Ina: Die technisch-taktische Anforderungen an den Kreisläufer und dessen Zusammenspiel mit einem Rückraumspieler im Sportspiel Handball, Seite 13

11 ebd., Seite 14

12 vgl. https://dhb.de/fileadmin/downloads/satzungen_ordnungen/Internationale_Handballregeln_mit_den_DHB-Zusatzbestimmungen_Stand_1._Juli_2016.pdf , vom 13.03.2018

13 Finger, Natascha: Taktische Angriffsmaßnahmen im Handball, Seite 2

14 ebd., Seite 2

15 ebd., Seite 2

16 vgl. Taktische Angriffsmaßnahmen im Handball, Natascha Finger, Seite 3

17 http://www.einsteinschule-sda.de/images/pdf-Dateien/Sport/3_Handball/Technik_3_.pdf, vom 10.03.2018

18 vgl. http://www.einsteinschule-sda.de/images/pdf-Dateien/Sport/3_Handball/Technik_3_.pdf, vom 10.03.2018

19 Siehe Abbildung vgl. Anhang A2

20 https://www.dr-gumpert.de/html/schlagwurf.html , vom 14.03.2018

21 vgl. http://www.fallwurf.de/2nw/technik/angriff/schlagwurf.htm , vom 14.03.2018

22 vgl. https://www.dr-gumpert.de/html/schlagwurf.html , vom 14.03.2018

23 Raquet, Kathrin; Schenk, Lisa: Einführung in den Handball Sprungwurf, Seite 3, http://www.knsu.de/index.php?option=com_knsu&view=article&id=445, vom 04.02.2018

24 ebd.

25 ebd.

26 Peters, Wolfram: Bewegungslehre – Sportpsychologie, Seite 65

27 http://www.fallwurf.de/2nw/technik/angriff/sprungwurf.htm

28 https://www.teamsportbedarf.de/fragen/welche-wurftechniken-gibt-es-im-handball/ , vom 14.03.2018

29 https://www.teamsportbedarf.de/fragen/welche-wurftechniken-gibt-es-im-handball/ , vom 13.03.2018

30 Eggers, Erik: http://www.spiegel.de/sport/sonst/handball-nationalspieler-gensheimer-uwe-und-die-grenzen-der-physik-a-771992.html , vom 14.03.2018

Details

Seiten
19
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668703940
ISBN (Buch)
9783668703957
Dateigröße
624 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v425397
Note
1
Schlagworte
Strategie Torgefahr Stoßen in die Nahtstelle Spielzüge Angriffskonzepte Sperren 1. Welle 2. Welle 3. Welle Tempogegenstoß Wurfvarianten Schlagwurf Sprungwurf Hüftwurf Laufwurf Fallwurf Trickwurf Körpertäuschungen Körperfinte Passtäuschungen Wurftäuschungen Lauftäuschungen

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Titel: Gezielter Einsatz strategischer Angriffstechniken im Handball