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Erweiterung unserer Choreographie mithilfe von Hip-Hop-Grundschritten unter Berücksichtigung des Gestaltungskriteriums Raum (Sport, 8. Klasse)

Unterrichtsentwurf 2018 19 Seiten

Sport - Bewegungs- und Trainingslehre

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Bemerkungen zur Lerngruppe

2 Didaktische Überlegungen zur Reihe und zur Stunde

3 Materialanalyse

4 Hauptlernziel und Kompetenzen

5 Literatur

6 Anhang
6.1 Reihenplanung
6.2 Verlaufsplan
6.3 Hallenaufbauplan
6.4 Arbeitsauftrag für die Gruppenarbeit
6.5 Beobachtungsauftrag
6.6 Arbeitsauftrag für nicht aktiv teilnehmende SuS
6.7 Ablauf des Liedes „Tip Toe“
6.8 8d-Aerobic-Programm
6.9 Gruppeneinteilung
6.10 Plakat Gestaltungs-/Bewertungskriterien
6.11 Plakat Grundschritte aus der vorangegangenen Stunde
6.12 Ausgefüllter Fragebogen

1 Bemerkungen zur Lerngruppe

Die Klasse 8d setzt sich aus 18 Mädchen und 15 Jungen zusammen, welche ich seit drei Wochen unterrichte. Zur Diagnose vor der Reihe erhielten die Schülerinnen und Schüler1 einen Fragebogen2, der ergab, dass 11 SuS am Thema Tanzen interessiert sind, während 12 SuS dem widersprachen. 7 Schülerinnen bringen Vorerfahrungen und eine gute themenspezifische Bewegungskompetenz mit, während 8 SuS noch keinerlei Berührungspunkte mit Tanzen hatten. Diese heterogenen Ausgangsvoraussetzungen bezüglich Vorerfahrung sowie Interesse bestätigten sich in der ersten Stunde der Reihe. Während das Ballprellen zur Rhythmusschulung von allen SuS gut bewältigt wurde, stellte bereits das Imitieren einfacher rhythmischer Bewegungen im Rahmen einer Aerobic-Choreographie bereits eine Herausforderung für einen Teil der Klasse dar, wozu größtenteils Jungen zählten. Nicht nur aufgrund der koordinativen Komplexität, sondern weil sie dem Tanzen eher skeptisch gegenüberstanden. Dies zeigte sich dadurch, dass sie in der dreireihigen Blockaufstellung möglichst in die letzte Reihe wollten, Bewegungen teilweise nicht ausführten und ihre mangelnde Motivation verbal äußerten. Diese Skepsis wurde im Verlauf der Reihe von den meisten Jungen immerhin ansatzweise abgelegt, sodass sie besser mitarbeiten, auch vor Publikum tanzen und fast alle bei einer Stundenreflexion ihr Daumenfeedback zumindest mit „Tanzen ist bisher ok“ angaben. Trotz dieser positiven Tendenz zielt die Reihe durch die Phasen des Präsentierens weiterhin darauf ab die personale Kompetenz der SuS zu schulen. Den Bereich der sozialen Kompetenz schätze ich nach meinen ersten Beobachtungen als gut ein, denn die SuS können in Gruppen kooperieren, auch wenn diese nicht selbst gewählt sind (obwohl sie natürlich lieber innerhalb ihrer Peergroups geblieben wären) und sie versuchen Rücksicht auf schwächere SuS zu nehmen, indem sie Inhalte zur Not auch mehrmals erklären. Auch ruhigere, schüchterne SuS werden akzeptiert und nicht bewusst ausgegrenzt. Dennoch kam es zu Beginn der Reihe vor, dass Gruppen ausgelacht wurden, die keine guten Ergebnisse präsentieren konnten. Dies unterband ich mit der Einführung einer Fairnessregel, die zu einer angenehmeren Lernatmosphäre geführt hat. Zu Beginn wurden wichtige Sicherheitsregeln beschlossen sowie solche, die einen effektiven Ablauf der Stunde mit größtmöglicher Bewegungszeit gewährleisten. Da die Klasse sehr lebhaft und teilweise unorganisiert ist, fällt es ihnen noch schwer die Regeln und Rituale konsequent einzuhalten wie beispielsweise das Entfernen von Schmuck vor dem Unterricht oder das zügige Aufräumen, Zusammenkommen im Kreis ohne zweite Reihe und leise Werden nach dem offenen Beginn. Obwohl es schon einige Verbesserungen gab, muss ich die SuS gelegentlich auf bestehende Regeln hinweisen und ihnen bewusst machen, dass sie für den sicheren und reibungslosen Ablauf des Sportunterrichts mitverantwortlich sind. In der Kleingruppenarbeit stellt die Organisation des Arbeitsprozesses in der vorgegebenen Zeit immer wieder eine Herausforderung dar. Deshalb habe ich die Rollen des Zeitmanagers als organisatorische sowie die des Taktzählers als rhythmische Hilfe eingeführt. Die SuS lernten Gestaltungs- und Bewertungskriterien kennen, wobei der Schwerpunkt auf dem „Raum“ lag. Sie können sich deshalb gegenseitig Kriterien geleitetes Feedback für präsentierte Arbeitsergebnisse geben. Das von den SuS erstellte und ritualisierte Aerobic-Aufwärmprogramm wird zum größten Teil gut beherrscht. Bisher schließen die Choreografien der Kleingruppen ein gemeinsames Intro (1x8 ZZ3 ), den selbst entwickelten Pre-Chorus (2x8 ZZ) und den umgestalteten Chorus (4 x8 ZZ) des Liedes „Tip Toe“ von Jason Derulo, ein. In der letzten Stunde wurden Grundschritte des Hip-Hops in Stationenarbeit erlernt. Diese bilden die Grundlage für die Neugestaltung der Strophe in der vorliegenden Stunde. Leider beherrschen nur drei Viertel der Klasse die Grundschritte, da in der letzten Stunde 7 SuS krankheitsbedingt nicht anwesend.

2 Didaktische Überlegungen zur Reihe und zur Stunde

Im Kerncurriculum Sport ist das Inhaltsfeld „Bewegung gymnastisch, rhythmisch und tänzerisch gestalten“5 als wichtiger Unterrichtsinhalt verankert und im schuleigenen Curriculum6 der *** ist es für die 8. Klasse ein verbindliches Thema. Unter anderem wird Hip-Hop zur Umsetzung vorgeschlagen, was sich auch deshalb gut eignet, da es einen Bezug zur Lebenswelt der SuS herstellt, sehr beliebt ist7 und so ihre Motivation erhöht.8 Was Hip-Hop vor allem für Einsteiger attraktiv macht, ist dass es keine technische Perfektion bestimmter Schritte gibt wie beispielsweise im Ballett, wodurch alle SuS mittanzen können.9 Die Reihe orientiert sich schwerpunktmäßig an den pädagogischen Perspektiven „Sich körperlich ausdrücken, Bewegung gestalten“ und „Sinneswahrnehmung verbessern, Bewegungserlebnis und Körperwahrnehmung erweitern“10. Die SuS können ihre Bewegungskompetenz erweitern, indem sie neue Bewegungserfahrungen und Ausdrucksmöglichkeiten sammeln.

Anhang 6.1 bietet einen Überblick über die kompetenzorientiere Reihenplanung sowie den Kompetenzen, auf deren Förderung das Unterrichtsvorhaben abzielt. Insgesamt orientiert sich die Reihe am Prozessmodell11, das heißt, dass anfangs eine Diagnose durch Fragebögen und Beobachtungen in der ersten Doppelstunde stattfand. Durch das Abfragen des Vorwissens zu Hip-Hop und das Anschauen einer Choreographie wurden die SuS kognitiv und affektiv aktiviert und das Ziel der Reihe wurde ihnen transparent gemacht. Zu Beginn wurde eine Liste mit der Lieblingsmusik der 8d angefertigt, von welcher der Titel „Tip Toe“ entnommen ist. So konnten ihre Interessen direkt miteinbezogen werden, um ihre Motivation zu steigern. Das zu Beginn eher lehrerzentrierte, didaktisch-methodisch geschlossene Arbeiten wurde immer mehr geöffnet, sodass Gruppenarbeit oder Stationenlernen im Zentrum standen. Dieser anfangs recht eng gesteckte Rahmen, innerhalb dessen sie ihre Tänze erweiterten (Basischoreographie umgestalten, Prechorus unter genauen Angaben räumlicher Gestaltungskriterien neugestalten) war wichtig im Sinne der didaktischen Reduktion, um die SuS nicht mit einer unendlichen Vielfalt an Möglichkeiten zu überfordern und somit handlungsunfähig zu machen. Durch die neu erlernten Basisschritte, die bekannten Gestaltungskriterien und das Beispiel der Basischoreographie besitzen die SuS nun wichtige Werkzeuge, um im weiteren Verlauf selbstständig und zielgerichtet ihre Choreographie erweitern zu können. Die Reihe orientiert sich also an den didaktischen Prinzipien „vom Leichten zum Schweren“ und „vom Einfachen zum Komplexen“12. Um Orientierung zu geben, wurden Bewertungskriterien festgelegt und Kriterien geleitetes Feedback angewandt. Die Lernaufgabe, die am Ende summativ bewertet wird, besteht in der Erstellung der eigenen Choreographien. Die vorliegende Stunde nimmt innerhalb des Prozessmodells die Funktion „Kompetenzen stärken und erweitern“ ein, nachdem unterschiedliche Lernwege eröffnet und Orientierung gegeben wurden. Im didaktischen Zentrum der Stunde steht die Erweiterung der Choreographie unter Berücksichtigung des Gestaltungskriteriums Raum mithilfe von Basisschritten, welche in der vorangehenden Stunde erlernt wurden. Konkret heißt dies, dass die SuS die 4x8 ZZ der Strophe von „Tip Toe“ mit ebengenannten Hilfsmitteln neugestalten. Das Wissen um die geschlossene Fertigkeit der Basisschritte aus der vorangegangenen Stunde wird von jeder Gruppe individuell in einer offenen Aufgabe angewandt. Die Stunde ist also die differenzierte Anwendung der Basisschritte. Im Kontext der Reihe dient die Vermittlung und Anwendung der Basisschritte dazu, die SuS zum selbstständigen Gestalten tänzerischer Bewegungen weiter zu befähigen. Dabei liegt der Fokus im Sinne der Vermittlung offener Fähigkeiten auf dem „Wesentlichen“ (Gestaltung der Choreographie) und nicht auf der technisch perfekten Ausführung der Schritte.13

3 Materialanalyse

Als didaktische Reduktion wurden möglichst einfache Grundschritte ausgewählt14, um auch schwächeren SuS die Benutzung dieses wichtigen Werkzeuges zur Gestaltung von Choreographien an die Hand zu geben. So haben auch sie eine gute Grundlage zur Entwicklung von Ideen und können sich zielführend im Gruppenprozess einbringen. Aufbauend auf den vorangegangenen Stunden stellt die Aufgabe, mithilfe der Grundschritte die Choreographie zu erweitern, eine geeignete Anforderung für die SuS dar, die ihnen einen kreativen Entfaltungsspielraum lässt, sie jedoch soweit an die Hand nimmt, wie sie es brauchen. Als organisatorische Hilfe wird der Arbeitsauftrag mit dem schrittweisen Vorgehen ergänzt, das den SuS hilft ihre Arbeitsphase zu gliedern. Zusammen mit den oben erwähnten Hilfen (Rollen in der Gruppe, Einschränkung der Aufgabe) passen Inhalt und Methode so zum Leistungsniveau der SuS. Falls starke Gruppen mit der Aufgabe unterfordert sind, können sie zusätzlich Armbewegungen zu ihrer Choreographie entwickeln und finden so eine angemessene Herausforderung. Falls eine Gruppe mit der Aufgabe überfordert sein sollte und zur Präsentationsphase keine 4x8 ZZ erstellt hat, werde ich ihnen raten die fehlenden ZZ zu bouncen. Ein Problem ist der Umgang mit den SuS, die in der vorherigen Stunde krank waren und deshalb die Grundschritte nicht kennen. Vor allem für sie werden wir im Rahmen des Aufwärmens die Grundschritte wiederholen. Sie sollen in der Erarbeitungsphase versuchen so gut es geht mitzutanzen und in der Aufstellungsform eine Position einnehmen, von der aus sie sich gut an den anderen SuS orientieren können. Um möglichen Druck zu reduzieren, werde ich ihnen mitteilen, dass mir bewusst ist, dass sie die Grundschritte nicht perfekt ausführen können. Als Visualisierungshilfen gibt es ein Plakat mit dem Ablauf des Liedes, sodass die SuS wissen, welchen Teil sie genau erarbeiten, ein Plakat mit Gestaltungs-/Bewertungskriterien und Plakate der Grundschritte, um diese präsent zu haben. Inaktive SuS machen in ihrer Gruppe im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit und unterstützen die Gruppe ansonsten als Beobachter.

4 Hauptlernziel und Kompetenzen

HLZ15: Die SuS erweitern ihre Hip-Hop-Choreographien (Strophe „Tip Toe“, 4x8 ZZ), indem sie bereits erarbeitete Grundschritte16 des Hip-Hops in Grobform kombinieren und das Raumkriterium Aufstellungsform variieren. (Bewegungs- und Teamkompetenz).

Urteils- und Entscheidungskompetenz: Die SuS beurteilen gegenseitig ihre Teilchoreographien, indem sie den AA reflektieren und Kriterien geleitet Stärken und Entwicklungspotenziale der Teilchoreographie darlegen.

Personale Kompetenz: Die SuS präsentieren ihre neu erarbeiteten Choreographien vor der Gruppe.

5 Literatur

Achtergarde, F. (2015): Selbstständiges Lernen im Sportunterricht. Aachen: Meyer & Meyer Verlag.

Amt für Lehrerbildung (Hrsg.) (2011). Auf dem Weg zum kompetenzorientierten Unterricht – Lehr- und Lernprozesse gestalten. Ein Prozessmodell zur Unterstützung der Unterrichtsentwicklung. Frankfurt am Main.

Diltheyschule, Fachschaft Sport (2017). Schulcurriculum für die gymnasiale Oberstufe.

Unveröffentlichtes Manuskript.

Hessisches Kultusministerium (2016): Kerncurriculum Sekundarstufe I – Gymnasium. Sport. Wiesbaden

Klöpper, V. & Lippert,J. (2014). HipHop. Für Lehrer und Trainer ohne Tanzerfahrung.

Schorndorf: Hofmann-Verlag.

Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (Hrsg.) (2005): Rhythmisches und tänzerisches Gestalten und Inszenieren von Bewegung. Hamburg.

6 Anhang

[...]


1 Im Folgenden als SuS bezeichnet.

2 siehe Anhang 6.12

3 Zählzeiten

4 Schwierig ist, dass mit Louisa und Emanuela zwei „Expertinnen“ fehlten, die in ihren Gruppen eine leitende Rolle haben.

5 HKM 2016: Kerncurriculum Sport Sek. I, S. 21f.

6 vgl. Diltheyschule 2015: Schulcurriculum für die Sekundarstufe, S.9.

7 vgl. Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg 2005: Rhythmisches und tänzerisches Gestalten und Inszenieren von Bewegung, S. 18.

8 Der Fragebogen in der 8d ergab, dass Hip-Hop das beliebteste Musikgenre der Klasse ist.

9 vgl. Klöpper & Lippert 2014: HipHop für Lehrer und Trainer ohne Tanzerfahrung, S. 9.

10 HKM 2016: Kerncurriculum Sport Sek. I, S. 21f.

11 Amt für Lehrerbildung 2011: Auf dem Weg zu kompetenzorientiertem Unterricht, o.S.

12 Achtergarde 2015: Selbstständiges Arbeiten im Sportunterricht, S. 115.

13 vgl. Achtergarde 2015: Selbstständiges Lernen im Sportunterricht, S. 132.

14 Diese Grundschritte wurden ausgewählt: Bounce Side to Side, Step Touch Side to Side, Step Touch Front and back, Slide Touch, Indie Rock vor, Indie Rock rück.

15 Hauptlernziel

16 siehe Fußnote 14.

Details

Seiten
19
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668703087
ISBN (Buch)
9783668703094
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v425542
Institution / Hochschule
Studienseminar für Gymnasien Wiesbaden
Note
1,7
Schlagworte
erweiterung choreographie hip-hop-grundschritten berücksichtigung gestaltungskriteriums raum sport klasse

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