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Prüfungsangst. Auswirkungen auf Lernen und Wissenserwerb

Ausarbeitung 2010 10 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Was ist Prüfungsangst?

3 Auswirkung der Prüfungsangst auf Lernen und Wissenserwerb
3.1 Die Bedeutung der Aufmerksamkeit
3.2 Lernen und Angst

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Das Pensum schaffe ich nie!“, „ich weiß einfach nicht genug!“ oder „die Prüfung wird schrecklich werden!“ - solche Gedanken kennt fast jeder Studierende. Aber nicht nur angehende Hochschulabsolventen kämpfen mit der Angst in Prüfungssituationen zu versagen. Auch Schüler oder Auszubildende, die in regelmäßigen Abständen mit Klausuren und Tests konfrontiert werden, kennen solche Leistungsängste. So gehört Prüfungsangst zu den häufigsten Problemen, wegen welchen Studierende die psychologischen Beratungsstellen der Universitäten und Studentenwerke aufsuchen1 und zwar nicht zuletzt deshalb, weil der Druck der Gesellschaft auf den Einzelnen deutlich spürbar ist. Das Thema Bildung wird viel diskutiert und besitzt einen immensen Stellenwert. Es gilt die verbreitete Ansicht, dass eine gute Schulbildung von herausragender Bedeutung für den späteren Lebenserfolg ist. Wissen soll heute außerdem in immer kürzerer Zeit erworben werden. Die Einführung des sogenannten G8, dem Abitur in 12 Jahren, und die in den letzten Jahren vollzogene Umstrukturierung der Studiengänge zum Bachelor- und Master-System, haben nachweislich zu vermehrten Belastungen durch Prüfungen und somit auch durch Prüfungsangst geführt.2 Doch gerade diese aufkommenden Leistungsängste stehen einem zügigen und guten Wissenserwerb im Wege. Welche Auswirkung hat die beständige Angst vor Leistungssituationen auf das Lernen und den Wissenserwerb? Dieser Frage soll in der vorliegenden Arbeit nun nachgegangen werden.

2 Was ist Prüfungsangst?

„Prüfungsangst ist eine extreme Angst vor schlechtem Abschneiden in Test- und Prüfungssituationen.“ 3 Wer unter Leistungsängsten leidet, ist laut Professor Ralf Schwarzer zudem „besorgt und aufgeregt angesichts von Leistungs- anforderungen, welche als selbstwertbedrohlich eingeschätzt werden.“4 Auslöser dieser Angst sind (schulische) Lehr-, Lern- und Leistungssituationen im weitesten Sinne. Prüfungsangst gilt als Ereignisangst, die ausschließlich in Momenten auftritt, in denen die Leistung einer Person beurteilt wird. Die Symptome treten jedoch nicht nur in der akuten Leistungssituation auf, sondern können sich bereits schon im Vorfeld bemerkbar machen oder über die Leistungssituation hinaus andauern. Angstauslösende Momente der Leistungsängste sind zum Beispiel Klausuren, das Aufgerufen werden im Unterricht oder Präsentationen vor Publikum. Die Betroffenen leiden unter anderem unter gedrückter Stimmung, Nervosität, innerer Unruhe, Muskelverspannungen, Ein- und Durchschlaf- störungen, Durchfallneigung, Magenschmerzen und Übelkeit. Laut den Professoren Detlef Rost und Franz Schermer lässt sich Leistungsangst auf drei Manifestationsebenen beschreiben. Sie äußert sich physiologisch - indem es zum Beispiel zu Herzklopfen, Schwitzen oder Erröten etc. kommt -, emotional - da die betroffene Person oft Unsicherheit, Hilflosigkeit oder depressive Verstimmung verspürt - und letztlich kognitiv - indem es zu einer Beeinträchtigung des aufgabenbezogenen Denkens kommt5 - wobei die Auswirkungen auf dieser Ebene unter dem nächsten Punkt genauer beschrieben werden sollen. Interessant ist außerdem, dass ein Zusammenhang zwischen Leistungsangst und anderen Angststörungen besteht. Man spricht in solchen Fällen von komorbiden Störungen. Man vermutet, dass Kinder mit Ängsten und Phobien eventuell ähnliche kognitive Strukturen aufweisen wie leistungsängstliche Kinder. Beidel und Turner, die den Zusammenhang zwischen Leistungsangst und anderen DSM- III-R Angststörungen untersucht haben, identifizierten bei sechzig Prozent der leistungsängstlichen Kinder, die sie untersuchten, die Diagnose einer anderen Angststörung. Die beiden häufigsten komorbiden Störungen waren soziale Phobie und generalisierte Angststörung.6

Ihrer Zuordnung nach ist Prüfungsangst eine Sonderform der sozialen Bewertungsangst. Sie ist definiert durch die anhaltende Angst vor Leistungssituationen oder Bewertungen durch andere Personen. Sie entsteht, wenn eine Leistung präsentiert werden soll, die wichtig für das Ego ist und die zudem der Beurteilung von anderen - einem Prüfer oder einem Publikum - unterliegt. Die Bewertung der Leistung bedroht das Selbstwertgefühl, da im Falle einer negativen Beurteilung das Gefühl versagt zu haben entstehen kann.7

3 Auswirkung der Prüfungsangst auf Lernen und Wissenserwerb

Prüfungsangst verläuft nicht ohne Folgen für den Lernprozess. Oftmals kommt es zu verschiedenen Formen der Vermeidung: Arbeiten und Termine werden aufgeschoben, und eine Flucht in weniger bedrohliche Tätigkeiten wie Jobs und Freizeitaktivitäten findet statt.8 Inwiefern ist die Angst vor Leistungssituationen hinderlich für den Wissenserwerb? Im Folgenden wird nun zuerst auf die Bedeutung der Aufmerksamkeit für das Lernen eingegangen, woraufhin anschließend die Auswirkungen von Leistungsängsten erläutert werden sollen.

3.1 Die Bedeutung der Aufmerksamkeit

Die Bedeutung von Aufmerksamkeit und Konzentration für das Lernen ist unumstritten. Und im Grunde hat man es ja auch schon immer gewusst: Wer aufmerksam ist, der lernt auch mehr. Seit gut zehn Jahren beginnt man zu verstehen, warum das so ist.9 „Aufmerksamkeit ist die Selektion aus einer großen Zahl simultan einwirkender Reize. Sie ist notwenig, um eine Reizüberflutung zu verhindern und die Handlungsfähigkeit aufrecht zu erhalten.“10 Man unterscheidet zwischen der allgemeinen Wachheit oder Vigilanz (engl.: alerting) und der selektiven Aufmerksamkeit (engl.: orienting). Während Vigilanz einen Zustand des Organismus meint, der von hellwach bis (im Extremfall) komatös reicht, geht es bei der selektiven Aufmerksamkeit um die Zuwendung zu bestimmten Sachverhalten, während wiederum andere Sachverhalte ausgeblendet werden. Bei der allgemeinen Wachheit geht es somit darum, das Gehirn überhaupt zu aktivieren, wohingegen die selektive Aufmerksamkeit eine Zunahme der Aktivierung genau derjenigen Gehirnareale bewirkt, welche die jeweils aufmerksam und damit bevorzugt behandelte Information verarbeiten.11 Daraus lässt sich folgern, dass die selektive Aufmerksamkeit - sprich die Konzentration auf den Lernstoff - für den erfolgreichen Wissenserwerb äußerst wichtig ist.

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1 Knigge-Illner, Helga: Prüfungsangst bewältigen. Workshop-Programm für Gruppen. https://springerlink3.metapress.com/content/5778704112p18156/resource- secured/?target=fulltext.pdf&sid=gip0y0554rcfdkqhbwkqxqvj&sh=www.springerlink.com, Zugriff am 06.10.2010, S.334.

2 Schumann, Wilfried: „Psychologische Beratung für Studierende - ein Blick in die Zukunft.“ In: Zeitschrift für Beratung und Studium (ZBS), 2006, Heft 4, S.97-103.

3 Suhr-Dachs, Lydia u. Döpfner, Manfred: Leistungsängste. Göttingen: Hogrefe, 2005, S.10.

4 Schwarzer, Ralf: Stress, Angst und Handlungsregulation. Stuttgart: Kohlhammer Verlag, 1993, S.105.

5 Suhr-Dachs, Lydia u. Döpfner, Manfred: Leistungsängste. Göttingen: Hogrefe, 2005, S.10.

6 Suhr-Dachs, Lydia u. Döpfner, Manfred: Leistungsängste. Göttingen: Hogrefe, 2005, S.13.

7 Knigge-Illner, Helga: Expertentipps von Helga Knigge-Illner: Prüfungsangst besiegen - Herausforderungen souverän meistern. http://www.horizontjobs.de/bewerber/karriere/tipps/Expertentipps-von-Helga-Knigge-Illner- Pruefungsangst-besiegen-%96-Herausforderungen-souveraen-meistern_94398.html, Zugriff am 11.10.2010.

8 Knigge-Illner, Helga: Prüfungsangst bewältigen. Workshop-Programm für Gruppen. https://springerlink3.metapress.com/content/5778704112p18156/resource- secured/?target=fulltext.pdf&sid=gip0y0554rcfdkqhbwkqxqvj&sh=www.springerlink.com, Zugriff am 06.10.2010, S.334.

9 Spitzer, Manfred: Lernen. Gehirnforschung und die Schule des Lebens. Heidelberg: Spektrum Akad. Verl., 2003, S.146.

10 Rützel, E.: Aufmerksamkeit. In: T. Herrmann: Handbuch psy. Grundbegriffe.“ München: Kösel.

11 Spitzer, Manfred: Lernen. Gehirnforschung und die Schule des Lebens. Heidelberg: Spektrum Akad. Verl., 2003, S.141-156.

Details

Seiten
10
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783668703766
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v425585
Note
Schlagworte
prüfungsangst auswirkungen lernen wissenserwerb

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Titel: Prüfungsangst. Auswirkungen auf Lernen und Wissenserwerb