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Veränderung der Finanzierungsmöglichkeiten von KMU durch Basel III

Bachelorarbeit 2017 54 Seiten

BWL - Controlling

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Basel III
2.1 Definition
2.2 Auswirkungen auf Banken
2.3 Auswirkungen auf Unternehmen
2.4 Das Rating
2.5 Die Rolle des Eigenkapitals unter Basel III

3 KMU (Kleine und Mittelständische Unternehmen)
3.1 Definition
3.2 Finanzierungssituation vor Basel III
3.3 Allgemeine Finanzierungsmöglichkeiten
3.3.1 Innenfinanzierung vs. Außenfinanzierung
3.3.2 Möglichkeiten der Eigenkapitalerhöhung
3.3.3 Möglichkeiten der Fremdkapitalerhöhung
3.4 Aktuelle Finanzierungssituation mit Basel III

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Kleine und mittelständische Unternehmen unterscheiden sich wie in vielen anderen Teilen auch in der Finanzierung von großen Unternehmen, da sie vor allem die eigene Unabhängigkeit wahren wollen und meist nur geringe Summen benötigen. Dadurch lässt sich eine gewisse Abhängigkeit von Banken als Kreditgebern ableiten, weshalb diese Arbeit die Auswirkungen der dritten Basler Richtlinien auf die Finanzierung von KMU untersucht. Dabei verfolgt sie die Fragestellung: „ Welche Ver ä nderungen ergeben sich aus Basel III in Bezug auf die Finanzierung von kleinen und mittelst ä ndischen Unternehmen? “. Die vorherrschende Meinung vieler Experten vor Einführung von Basel III ging in die Richtung, dass die Richtlinien zur Reglementierung des Bankenmarktes einen enormen Einfluss auf KMU nehmen werden und diese zukünftig auf alternative Finanzierungsmöglichkeiten angewiesen sein werden. Um diese These zu untersuchen erfolgte zunächst eine genaue Betrachtung von Basel III und seinen prognostizierten Auswirkungen auf Banken und Unternehmen. Zusätzlich standen das Rating und die Rolle des Eigenkapitals in diesem Kontext im Fokus, da sie besonders relevant für die Untersuchung sind. Danach erfolgte eine Untersuchung der Finanzierungssituation von KMU vor und nach Einführung von Basel III, inklusive einer Analyse potenzieller Finanzierungsmöglichkeiten, in Hinblick auf die Spezifika der KMU und im Vergleich zu einem Bankkredit. Für das Ergebnis erfolgte schlussendlich ein Vergleich zwischen den Finanzierungssituationen vor und nach Basel III.

Das Ergebnis der Untersuchungen zeigte eine nahezu konstante Nachfrage nach Bankkrediten von Seiten der KMU, mit einer Entwicklung hin zu mehreren Hausbankbeziehungen in Folge von Risikodiversifikationsbestrebungen. Zudem konnte eine verbesserte Eigenkapitalausstattung im Bereich der KMU festgestellt werden, welche sich seit Ende der Finanzkrise entwickelte und auf ein höheres Risikobewusstsein hinweist. Alternative Finanzierungsmöglichkeiten wie ein Börsengang, Private Equity oder Anleihen werden von den meisten KMU abgelehnt und nicht genutzt. Somit können die Vorhersagen vieler Experten dementiert werden, da sie nicht der Realität entsprechen.

Abstract

Small and medium-sized enterprises differ from big companies, amongst other things they also differ in their financing. SME want to uphold their independency and only require small amounts of capital. Thereby one can deduce a certain dependency on financial institutions as creditors, for which reason this thesis investigates the consequences of Basel III on the financing of SME. In doing so, it pursues the question: ''What are the consequences of Basel III with respect to the financing of small and medium-sized companies? ''. The prevailing opinion of experts, before launching Basel III, was, that the guidelines for the regulation of the banking market would have an tremendous effect on SME. They predicted that in the future SME would be reliant on alternative financing opportunities. In order to examine this thesis, it was necessary to first take a closer look on Basel III and its predicted effects on financial institutions and companies. In addition it was mandatory to focus on the rating and the role of equity, since they are particularly relevant for this examination. Subsequently, an examination of the financing situation of SME before and after launching Basel III was made, including an analyses of potential financing opportunities, wit respect to SME specifics and in comparison to a bank loan. As an conclusion, a comparison of the financing opportunities before and after introducing Basel III took place.

The outcome of the examination exhibited an almost constant demand for bank loans from SME, with a tendency to relationship banking as a consequence of risk diversification efforts. Additionally, one could observe an improved equity by SME, which evolved since the end of the banking crisis, and which indicates a higher risk awareness.

Alternative financing opportunities, such as Initial Public Offering, Private Equity or Bonds, were being rejected by SME's.

As a conclusion one can disclaim the forecasts made by many experts, because they do not bear any relation to reality.

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Drei Säulen von Basel

Abb. 2: Risikopuffer von Banken

Abb. 3: Zeitliche Umsetzung von Basel

Abb. 4: Kennzahlen aus Basel

Abb. 5: Motivation für Engagements von Business Angels

Abb. 6: Quellen für Beteiligungsgelegenheiten

Abb. 7: Prozess eine Beteiligungsakquisition

Abb. 8: Kennzahlen für Zulassung zum Börsensegment "Scale"

Abb. 9: Einsatz von Finanzierungsformen bei KMU

Abb. 10: Bedeutung verschiedener Finanzierungsinstrumente

1 Einleitung

„ Mittelst ä ndische Unternehmen sind der Erfolgsfaktor der deutschen Wirtschaft. Sie sind unverzichtbar f ü r Wachstum, Besch ä ftigung und Innovation in Deutschland. Insbesondere kleine und mittlere Familienunternehmen stehen in Deutschland f ü r eine Unternehmenskultur, die die Einheit von Eigentum, Haftung und Leitung verbindet “ . [1]

Dieses Zitat einer Broschüre des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zeigt die enorme Tragweite kleiner und mittelständischer Unternehmen für die deutsche Volkswirtschaft. Grade die drei genannten Eigenschaften, die eine solche Unternehmenskultur prägen, stellen auch wichtige Punkte bei der Finanzierung von Unternehmen dar und beeinflussen die Kapitalaufnahmemöglichkeiten nachhaltig.

Hinzu kommt seit wenigen Jahren das dritte Abkommen des Basler Ausschusses für Bankensicherheit, zur Regulierung der Finanzinstitute und deren Risiken. Zielt dieses Reglement theoretisch nur auf das Finanzsystem ab, müssen auch Unternehmen sich mit den indirekten Folgen der neuen Bankenrichtlinien auseinandersetzen, da diese das Bankgeschäft und somit auch die Kreditvergabe verändern werden.

Da Banken in Deutschland eine wichtige Finanzierungsquelle für kleine und mittelständische Unternehmen darstellen, sind in erster Linie solche Unternehmen abhängig von der langjährigen Partnerschaft der Banken und des KMU-Segments und der daraus resultierenden Finanzierungshistorie.

Aufgrund dieser engen Korrelation des Bankensektors mit dem Ökosystem der kleinen und mittelständischen Unternehmen beschäftigt sich diese Arbeit mit den Auswirkungen der Richtlinien aus Basel III auf die Finanzierungssituation der KMU in Deutschland. Zur Präzision des Themas wird die folgende Fragestellung verfolgt:

Welche Ver ä nderungen ergeben sich aus der Umsetzung von Basel III in Bezug auf die Finanzierung von kleinen und mittelst ä ndischen Unternehmen?

Zu diesem Zweck gliedert sich diese Arbeit in zwei Teile, die den Fokus im ersten Teil auf Basel III im Allgemeinen und dessen Auswirkungen beziehungsweise Einzelheiten richtet und dann im zweiten Teil die kleinen und mittelständischen Unternehmen genauer betrachtet. Dazu werden die verschiedenen Finanzierungsalternativen untersucht und die Finanzierungssituation vor Basel III mit der aktuellen Situation verglichen, um so schlussendlich die Veränderungen feststellen zu können.

2 Basel III

Die Richtlinien des Basler Ausschusses für Bankensicherheit dienen seit jeher der Stabilisierung des Bankensystems und der sie umgebenden Wirtschaftssysteme. Trotz des Fokus auf die Finanzinstitute haben die Richtlinien indirekt auch Auswirkungen auf Unternehmen, sodass nach einer Definition der dritten Basler Richtlinien die entstehenden Auswirkungen auf Banken, aber auch auf die Unternehmen analysiert werden. Daraufhin wird das Rating näher betrachtet, welches unter Basel III eine große Rolle für Banken und Unternehmen stellt, bevor noch das damit verbundene Eigenkapital der Unternehmen untersucht wird. Diesem kommt in Verknüpfung mit dem Rating eine wichtige Rolle zu, die im vierten Kapitel ebenfalls ein wichtiger Faktor sein wird.

2.1 Definition

Um ein vollständiges und umfassendes Bild von Basel III zu erstellen, ist es zwingend notwendig den Kontext sowie die Vorstufen von Basel III zu beleuchten. Die Richtlinien Basel I, Basel II und Basel III bauen direkt aufeinander auf und ergänzen sich teilweise, sodass nicht nur die neuesten Richtlinien gelten, sondern immer Teile jeder dieser Reglementierungen.

In einer globalisierten Welt agieren auch viele Banken global, die so ihre Macht nicht nur in dem Markt der Banken erhöhen. Von ihnen sind viele Privatpersonen, Unternehmen und sogar ganze Volkswirtschaften direkt oder indirekt abhängig. Verschiedene Krisen in dieser Branche zeigten bereits die Auswirkungen, und bildeten den Auslöser für dringend benötige Reglementierungen der Finanzbranche.

Aus diesem Grund wurde 1974 der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (englisch: Basel Comittee of Banking Supervision) ins Leben gerufen. Als Folge des Konkurses einiger Banken in dieser Zeit gründete ein Gremium der G10-Staaten diesen Ausschuss, um zukünftig wirtschaftlichen Schaden durch Bankenkrisen zu verhindern. Die mittlerweile 27 Mitgliedsstaaten sind in diesem Komitee durch Vertreter der jeweiligen Zentralbanken und Vertreter der entsprechenden Bankenaufsichtsbehörden vertreten.[2]

Ein wichtiger Aspekt des Gremiums ist, dass die Reglementierungen, welche vom Basler Ausschuss für Bankensicherheit entwickelt werden, lediglich Richtlinien sind. Somit sind sie erstmal nicht verpflichtend, sondern müssen durch die einzelnen Nationen in nationales Recht umgesetzt werden. Nur so werden die Banken verpflichtet, sich an die Regeln zu halten. Ein Negativbeispiel bilden die USA, wo das zweite Basler Abkommen bis heute noch nicht in nationales Recht umgesetzt wurde.

Die erste Richtlinie des Basler Ausschusses wurde 1988 als Eigenkapitalakkord veröffentlicht und thematisierte die Eigenkapitalunterlegung durch Banken. Besser bekannt als Basel I, beinhaltete dieser Akkord erstmals eine Unterlegung von Eigenkapital für zukünftige Risiken, welche die Banken tätigen mussten. Damit sollte eine Stabilisierung und gleichzeitiger Schutz des Bankensektors und vor allem auch der globalen Wirtschaft erreicht werden.[3] Gleichzeitig sollte eine enge Verknüpfung der Kredit- und Risikopolitik mit dem haftenden Eigenkapital erreicht werden, welche die Risikobereitschaft der Banken hemmt.[4] Vereinfacht dargestellt beinhalteten die ersten Basler Richtlinien, dass Banken pro ausgegebenen Kredit 4% Kernkapital beziehungsweise insgesamt 8% Gesamtkapital vorhalten müssen. Damit beschränkte man das Volumen der Kredite, die eine Bank ausgeben kann auf das 12,5-Fache des eigenen Eigenkapitals. So beabsichtigte der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht eine Absicherung gegen mögliche Verluste im Kreditgeschäft der Bank, da das Kapital im Notfall zur Abfederung der Verluste genutzt werden kann.[5]

Was sich später als enormes Problem entpuppte, war die fehlende Berücksichtigung der Bonität einzelner Kunden, und vor allem auch die Berücksichtigung der Sicherheiten, die ein Kreditkunde mitbrachte. Das heißt, dass die Bank trotz vorhandener Sicherheiten immer noch 8% Eigenkapital für einen Kredit hinterlegen musste, welcher zumindest zum Teil gegen Kreditausfälle abgesichert war. Zudem waren Kredite an solvente Kunden mit hoher Bonität faktisch zu hoch mit Eigenkapital besichert, während Kredite an weniger solvente Kunden, mit einer niedrigeren Bonität, wirtschaftlich und logisch gesehen zu niedrig abgesichert waren.[6] Als logische Folge dieser Missstände folgte Basel II, um etwaige Probleme zu beseitigen und ergänzende Richtlinien zu entwickeln.

Das Basler Komitee erarbeitete somit neue und ergänzende Regelungen, die 2004 vorgestellt wurden und ab 2007 verbindlich innerhalb der EU umgesetzt werden mussten. Dabei handelte es sich allerdings nicht um komplett neue Richtlinien, sondern vielmehr um eine Reform der Auflagen aus Basel I mit ergänzenden Elementen. So kam zu den bestehenden Eigenkapitalunterlegungspflichten noch eine Risikoadjustierung hinzu, und die Eigenkapitalanforderungen wurden an die entwickelten Marktrisiken angepasst.

Die oben erwähnten individuellen Gegebenheiten, wie die Bonität oder Sicherheiten, wurden durch die Risikoadjustierung in Form eines Ratings mehr in den Vordergrund gerückt und bekamen so eine steigende Relevanz im Kreditvergabeprozess. Insgesamt baut Basel II auf einem neu geschaffenen Fundament aus drei Säulen auf, die im Folgenden genauer erläutert werden. Diese müssen stets als Einheit und nicht separat betrachtet werden.[7]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Drei Säulen von Basel II

(Quelle: Deutsche Bundesbank [o. J.], o. S.)

Säule eins beinhaltet die Mindestanforderungen an Kapitalbestände wie schon bei Basel I. Nun werden allerdings die Risiken beachtet, weshalb zwar 8% Eigenkapitalunterlegung auf risikogewichtete Aktiva bestehen bleibt, diese allerdings durch Risiko-Prozentsätze skaliert werden. Hinzu kommt die Risikoerfassung in Form von qualitativen und quantitativen Aspekten. Da das Ausfallrisiko so eine enorme Rolle für die Höhe der Eigenkapitalanforderungen einnimmt, dient das Rating als individuelles Bewertungs-Tool für die Bonität jedes einzelnen Kreditnehmers. Das Rating kann in verschiedenen Formen vorgenommen werden, welche im Kapitel 3.4 näher erläutert werden.[8]

Säule Nummer zwei wurde neu entwickelt und führt den Supervisory Process ein, welcher folgerichtig die Überprüfung der Banken durch die jeweiligen Aufsichtsbehörden regelt. Die Aufsichtsbehörden sollen in regelmäßigen Abständen prüfen, ob die Banken ausreichend Kompetenzen beziehungsweise die richtig Methodenkompetenz besitzen, um die Risiken umfassend einschätzen und einordnen zu können. Ein wesentlicher Hauptteil wird dabei zum Beispiel durch ein funktionierendes Risikomanagement des Finanzinstitutes geleistet. Sollte die jeweilige Aufsichtsbehörde Missstände aufdecken, drohen den Instituten Sanktionen.

Ebenfalls durch neue Leitlinien geprägt ist die dritte Säule, welche vor allem für mehr Zugänglichkeit sorgt. In dieser Säule fordert der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht mehr Transparenz der Banken und die Offenlegung von relevanten Daten. Gemeint sind beispielsweise die aktuelle Eigenkapitalausstattung, sowie aktuell eingegangene und bestehende Risiken, die die Bank eingegangen ist. Somit soll das Ziel eine bestmögliche Einsicht für die Stakeholder der Bank sein, damit diese sich ihr eigenes Bild von der Situation machen können. Klassischer Weise sind hier vor allem (potentielle) Investoren, Geschäftspartner und Privatkunden betroffen. Das zweite Basler Abkommen fordert in diesem Abschnitt eine mindestens jährlich erfolgende Offenlegung aller relevanten Daten und das in Form eines geeigneten Mediums, also zum Beispiel dem Jahresabschluss oder einer Onlinepräsenz.[9]

Der Fokus von Basel II lag nach Aussagen des Basler Ausschusses in erster Linie auf den großen, systemrelevanten Banken, aber sollte durch eine hohe Flexibilität an jegliche Spezifikationen und Größen der Finanzinstitute angepasst werden können.

Trotz dieser weitgreifenden Veränderungen und Ergänzungen der zweiten Basler Richtlinien konnten diese nicht verhindern, dass sich 2007/2008 erneut eine Finanzkrise entwickelte, die einen Großteil der westlichen Welt in eine Wirtschaftskrise stürzte und weitreichende Folgen nach sich zog.[10]

Aus diesem Grund beauftragten die G20-Staaten in Mitten der Wirtschaftskrise 2009 erneut den Basler Ausschuss für Bankenaufsicht mit einer Erneuerung des Basler Abkommens, unter Berücksichtigung der Geschehnisse der kürzeren Vergangenheit. Daraufhin veröffentlichte das Basler Komitee im Jahr 2010 einen neuen Richtlinien-Katalog, bekannt unter dem Namen Basel III. Die in ihm erhaltenen Richtlinien bauen häufig direkt auf denen von Basel II auf, ergänzen diese oder wurden in veränderter Form beibehalten. Wie schon bei Basel II liegt der Fokus des dritten Basler Abkommens auch auf der Erhöhung der Stabilität der Bankensystems, durch überarbeitete Eigenkapitalvorgaben. Dabei wurden die Anforderungen nicht nur quantitativ erhöht, sondern vor allem auch qualitativ, wodurch eine starke Erhöhung der Kosten erfolgte.

Abb. 1 zeigt die veränderten Eigenkapitalanforderungen an die Banken, im Fall der Kreditvergabe. Das zu hinterlegende harte Kernkapital erhöht sich von 2% auf 4,5%, und beinhaltet unter anderem einbehaltene Gewinne durch Gewinnthesaurierung[11] oder eigene Aktien.

Das weiche Kernkapital verringert von 2% auf 1,5% und besteht größtenteils aus Schuldverschreibungen und stillen Einlagen.

Das Ergänzungskapital, meistens in Form von langfristigen nachrangingen Verbindlichkeiten, sinkt von 4% auf 2%. So wird die ehemalige Kapitalgrenze bei 8% gehalten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Risikopuffer von Banken

(Quelle: Bundesministerium für Finanzen [o. J.], o. S.)

Als Neuerungen kommen allerdings noch der Kapitalerhaltungspuffer und der antizyklische Kapitalpuffer hinzu, welche als Aufschlag auf die 8% Kapitalvorräte gefordert werden. Dadurch steigt das vorzuhaltende Eigenkapital der Institute von 8% unter Basel II auf mindestens 10,5% in Basel III. Die angesprochenen Kreditpuffer sollen in wirtschaftlich guten Zeiten von den Banken angespart werden, um die Geschäftsfähigkeit in schlechten Zeiten sicherzustellen, da Banken nicht unter die 8%-Grenze der Eigenkapitalunterlegung fallen dürfen. Ist dies doch der Fall, drohen der Bank Sanktionierungen in Form von Dividendenbeschränkungen bis hin zu dem Entzug der Geschäftserlaubnis.[12]

In Fällen des übermäßigen Kreditwachstums, diagnostiziert durch die entsprechende Aufsichtsbehörde, tritt der antizyklische Kapitalpuffer in Kraft. In diesem Fall müssen Banken bis zu 2,5% zusätzliches Eigenkapital für die Kredite vorhalten. Dadurch soll ein bremsender Effekt auf die Kreditvergabe erwirkt werden, da die Kosten für Kredite aus Banken Sicht ansteigen.

Die vorgestellten Richtlinien werden seit 2013 Stück für Stück eingeführt und sollen bis 2019 vollständig in nationales Recht eingebunden werden. Die EU legt dabei höchsten Wert auf eine simultane Einführung in allen Mitgliedsländern, damit Wettbewerbsverzerrung zwischen Nationen verhindert wird.[13]

Der Fokus des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht liegt bei Basel III, ähnlich wie bei Basel II, auf den systemrelevanten Banken, also auf denjenigen Finanzinstituten, die sehr groß sind und eine dementsprechend große wirtschaftliche Bedeutung haben. Diese Institute stellen, im Falle einer Insolvenz, eine große Bedrohung für Volkswirtschaften und die Weltwirtschaft dar. Für diese Banken sind die Umstellungen besonders stark und aufwendig. Ebenso betroffen sind aber auch kleinere Finanzinstitute, welche grade in Deutschland eine tragende Rolle in der Finanzierung kleiner und mittelständischer Unternehmen einnehmen. Unter diesem Aspekt thematisierte die EU-Kommission Anfang 2017 in einem Vorschlag für die Umsetzung von Basel III die Besonderheit von Genossenschaftsbanken. In diesem Vorschlag werden Genossenschaftsbanken aufgrund ihrer Spezifikation von den strengen Eigenkapitalregelungen ausgenommen. Damit dies der Fall sein kann, müssen die Banken allerding strenge Auflagen erfüllen, die im Folgenden exemplarisch erläutert werden. Die Bank muss genossenschaftlich organisiert sein und darf ihre Dienstleistungen ausschließlich an Mitglieder vertreiben. Dabei müssen die angebotenen Dienstleistungen sich auf das Einlagen- und Kreditgeschäft, Finanzierungsleasing, Zahlungsdienste und Bürgschaften beschränken. Die Finanzinstitute müssen zusätzlich in ähnlicher Art und Weise überwacht werden, wie es nach EU-Recht der Fall wäre, oder zumindest den Eigenkapitalanforderungen gerecht werden. Die Geschäftstätigkeit der Banken darf zudem auch nur im jeweiligen Inland, beziehungsweise dem Land des Hauptsitzes, erfolgen. Insgesamt sind die Institute noch dahingehend limitiert, dass die gesamten Vermögenswerte der Institute gleicher Art maximal 3% des Bruttoinlandsprodukts erreichen dürfen, während einzelne Unternehmen einen Gesamtwert von maximal 100 Millionen Euro nicht übersteigen dürfen. Trotz dieser möglichen Ausnahmeregelung, die die Bankenspezifika in Deutschland zu berücksichtigen versucht, werden viele der genossenschaftlichen Banken nicht davon profitieren können. Dies liegt vor allem an der Produktpalette der Institute, und an den Kunden, welche sich auch weitreichend außerhalb der Mitglieder befinden.[14] Umfassend betrachtet bedeutet Basel III einen erheblichen Aufwand der gesamten Finanzbranche, wobei dieser Aufwand durchaus gerechtfertigt ist, wenn das Bankensystem so stabiler und sicherer gestaltet werden kann, um eine Unabhängigkeit von staatlichen Hilfen zu fördern. So können Finanzkrisen wie 2007/2008 präventiv bekämpft werden, indem Banken selbst haftbar gemacht werden und so weniger Risiko eingehen, da ihr eigenes Kapital direkt auf dem Spiel steht.

Ein weiterer wesentlicher Teil sind die neu eingeführten Kennzahlen in den Richtlinien von Basel III. Die Leverage Ratio bildet die pauschale Verschuldungsobergrenze für Banken ab. Somit beschränkt sie das Geschäftsvolumen direkt, da nicht unendlich viel Eigenkapital aufgenommen werden kann. Bisher war diese Kennzahl noch nicht umgesetzt und wird bis 2018 nur als Indikator genutzt. Das heißt, dass Banken ihren Verschuldungsgrad offenlegen müssen, es allerdings noch keine festgelegte Grenze gibt. Bis zum Jahr 2018 wird so getestet, bevor entschieden wird, ob sie eingeführt wird und wie hoch die Quote sein soll. Nach einem aktuellen Vorschlag der EU-Kommission, soll die Mindestquote des Leverage Ratio bei 3% angesetzt werden. Dem entsprechend müssen Banken 3% des ungewichteten Gesamtexposures[15] mit Kernkapital unterlegen. Dieses Kernkapital muss den Anforderungen von Basel III gerecht werden. Ausnahmen bilden dabei nur wenige Sachverhalte, wie zum Beispiel die Finanzierung öffentlicher Investitionen durch Förderbanken oder staatlich gesicherte Finanzierung von Exporten.[16] Ein wichtiger Aspekt ist die fehlende Differenzierung zwischen risikoarmen und risikoreichem Geschäft, da lediglich das Verhältnis von Verschuldung zu Eigenkapital stimmen muss. So darf das Geschäftsvolumen das 33-Fache des Eigenkapitals nicht übersteigen. Mit der Sicht auf Kredite an kleine und mittelständische Unternehmen könnte dies sowohl ein Vorteil, als auch ein Nachteil sein. Sollte die Bank risikoreichere Geschäfte mit weniger Volumen tätigen können als das, was die KMU-Kredite bieten, so wird dieses Geschäft vorgezogen, da höhere Margen zu erwarten sind. Andersherum gibt es auch Kredite mit wesentlich weniger Risiko, wodurch die Margen sinken, und die Banken eher die KMU-Kredite mit höheren Margen bedienen wird.[17]

Seit 2015 wird die Liquidy Coverage Ratio schrittweise eingeführt. Als zweite neue Kennzahl bildet sie mit der folgenden Kennzahl die ersten Liquiditätsvorschriften des Basler Ausschusses. Die Liquidy Coverage Ratio dient als Indikator, ob Banken in der Lage sind in Stresssituationen genügend liquide Mittel aufzuweisen, um ohne Hilfe zahlungsfähig zu bleiben.[18] Damit wird die Unabhängigkeit der Banken von staatlicher Hilfe und dem Interbankenmarkt sichergestellt. Als Zeitfenster für die Liquidität sind 30 Tage vorgegeben. Innerhalb dieses Zeitfensters muss die Bank genug hochliquide Aktiva besitzen, um die Verbindlichkeiten eines Monats zu decken. Als hochliquide Aktiva gelten lediglich Aktiva, für die es einen entsprechend liquiden Markt gibt, die eine sichere Bewertung ermöglichen und die ein geringes Kredit- und Marktrisiko aufweisen. Zu beachten ist jedoch, dass bereits besicherte Aktiva nicht als hochliquide gelten.[19]

Die dritte Kennzahl ist die Net Stable Funding Ratio, welche ab 2018 verpflichtend wird. Als zweite Liquiditätskennziffer, ist diese auf eine längerfristige Perspektive ausgerichtet. Das Ziel, welches der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht mit dieser Kennziffer verfolgt, ist eine fristenkongruente Finanzierung. Das heißt, dass die illiquiden Mittel der Bank über mindestens ein Jahr durch stabile Refinanzierungsmittel abgesichert werden muss. Von stabil wird in diesem Szenario gesprochen, wenn es sich um eine zuverlässige Finanzierungsquelle handelt, die selbst in einem zwölfmonatigem Stressszenario eine solche bleibt. Damit nimmt die Kennzahl ebenfalls direkt Einfluss auf die Kreditvergabe an Unternehmen, da sie zu höheren Refinanzierungskosten auf Seiten der Bank führt, wodurch sinkende Erträge entstehen. Um diesen Ertragsverlust auszugleichen, müssen die Banken die Kreditkosten für den Kreditnehmer anheben, wodurch es zu mitunter hohen Kosten für die kleinen und mittelständischen Unternehmen kommen kann.[20] In der praktischen Umsetzung von Basel III in EU-Recht wurde eine verpflichtende Mindestquote von 100% festgelegt, welche regelmäßig beobachtet, und mit Berichten an die entsprechende Bankenaufsicht belegt werden muss. Dadurch wird eine Unterschreitung der Quote zukünftig unmittelbar erkannt, um rechtzeitig handeln zu können.[21]

2.2 Auswirkungen auf Banken

Da die Basler Abkommen darauf ausgelegt sind, Finanzinstitute zu kontrollieren und zu reglementieren, ist es logisch, dass das dritte Basler Abkommen dies auch in großem Maße tut. Grade vor dem Hintergrund der Finanzkrise 2007/2008 und den daraus resultierenden wirtschaftlichen Schäden, werden im Folgenden die Auswirkungen der Richtlinien auf deutsche Finanzinstitute näher untersucht. Dadurch werden anschließend thematisierte Folgen für Unternehmen nachvollziehbarer in ihrer Kausalität.

Wie in der Definition des dritten Basler Abkommens schon erläutert, steigen seit der Einführung der Richtlinien die quantitativen, aber vor allem auch die qualitativen Anforderungen an das vorzuhaltende Kapital. Dabei schlägt sich die geforderte Qualität stark auf das Kostenprofil des Kapitals nieder. Aus quantitativer Sicht bedeutet das für Banken eine schrittweise Erhöhung des harten Kernkapitals von 2% in Basel II auf 7% im Jahr 2019. Die gestiegenen Kapitalkosten resultieren in diesem Fall vor allem daraus, dass die darin enthaltenen Eigenkapitalinstrumente und offenen Rücklagen uneingeschränkt zu Verfügung stehen müssen. Den Werten in der Definition entsprechend reduzieren sich weiches Kernkapital von 2% auf 1,5% und Ergänzungskapital sogar von 4% auf 2%. Hinzu sind die Banken dazu aufgefordert, einen Kapitalerhaltungspuffer von 2,5% zusätzlich aufrecht zu erhalten. Gelingt dies nicht, müssen die Finanzinstitute mit Sanktionen rechnen, die von Dividendenbeschränkung bis hin zu Entzug der Geschäftserlaubnis führen können.[22] Die folgende Darstellung bietet eine genaue Übersicht der Einführungsschritte von Regelungen unter Basel III.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Zeitliche Umsetzung von Basel III

(Quelle: Bank For International Settlements [2011], S. 78.)

Kritiker sehen die enormen Kapitalerhöhungen im Kreditgeschäft als nicht verursachungsgerecht. So fallen zwei Drittel der Kapitalerhöhungen im Kreditgeschäft an, obwohl dieses in der Krise zur Quersubventionierung von Verlusten aus risikoreicheren Bankgeschäften diente und somit Stabilität brachte.[23]

Eine weitreichende Folge der neuen Richtlinien ist somit die Eigenkapitalausstattung, die die Banken erheblich verbessern müssen, um die Menge der vergebenen Kredite, im Jahr der Studie, aufrechterhalten zu können. Die Möglichkeiten Eigenkapital aufzubauen sind dabei stark begrenzt. Zum einen ist die Gewinnthesaurierung möglich, das Unternehmen also erwirtschaftete Gewinne einbehält. Zum anderen könnte neues Eigenkapital in das Unternehmen eingelegt werden, was nur zu unvorteilhaften Konditionen möglich ist, da privat haftende Kapitalgeber eine entsprechende Rendite für ihr Risiko erwarten. Die dritte Lösung wäre Deleveraging, also der Abbau von Risikoaktiva, um die Eigenkapitalquote zu verbessern. Da dies aber nur durch verkürzte Kreditlinien und Kreditkündigung erreicht werden könnte, ist es ebenfalls suboptimal für angestrebtes Wachstum. In einer Veröffentlichung des Bundesverbandes deutscher Banken e. V. wird die Erhöhung der Kreditkosten auf ein Drittel beziffert. Hinzu kommt das Problem, dass Banken das Eigenkapital nicht mehr zur Verfügung haben, um lukrativere Geschäfte abschließen zu können, wenn es als Refinanzierungsmittel für Kredite genutzt wird.[24] Ein zusätzlich limitierender Faktor für das Bankgeschäft ist der Leverage Ratio. Durch die fehlende Risikosensitivität wird diese Kennzahl sich laut Experten vor allem auf risikoarme Geschäfte mit wenig Marge auswirken. Dies war unter Basel II noch nicht gegeben. Eine solche Form der Limitierung des Geschäfts wird zu weniger Ertrag führen, wodurch Banken schlechtere Konditionen anbieten können. Das wirkt sich negativ auf die Nachfrage aus, was zu einem geringeren Absatz führt und den Ertrag so wiederrum verschlechtert.[25] So kann eine Abwärtsspirale entstehen, die den Bankenmarkt nachhaltig schädigen könnte. Des Weiteren stellt die fehlende Risikosensitivität unter Umständen einen Anreiz dar, vorhandenes Kapital in risikoreicheres Geschäft zu investieren, wo höhere Margen erwartet werden können. Dies hätte auf die quantitative Ausnutzung des Leverage Ratio keinen Einfluss, obwohl die Risiken enorm ansteigen.[26]

Der Net Stable Funding Ratio und der Liquidy Coverage Ratio, als ergänzende Kennzahlen in Basel III, beeinflussen die üblichen Geschäftspraktiken in Deutschland ebenfalls. Berechnet werden sie wie in Abb. 4 aufgeführt, wobei das Leverage Ratio das Verhältnis zwischen Eigenkapital und nichtrisikogewichteten Aktiva sowie außerbilanziellen Geschäften anzeigt.[27] Die deutsche Kreditkultur baut seit jeher auf die so genannte Fristentransformation auf, mit der langfristige Kredite aus kurzfristigen Einlagen refinanziert werden. Diese Möglichkeit wird durch die beiden Liquiditätskennziffern stark eingeschränkt, da die Gefahr besteht, dass viele Einleger ihre Einlagen zeitgleich ausgezahlt haben wollen, wodurch die Kredite nicht mehr refinanziert wären. Davon sind vor allem kleine und mittlere Finanzinstitute betroffen, welche große Teile des deutschen Mittelstandes finanzieren. Logische Folgen dieser Einschränkungen bestehen entweder in der Verkürzung von Kreditlaufzeiten oder in einer längerfristigen Refinanzierung. Letzteres ist nicht nur sehr teuer für die Banken, sondern auch fast unmöglich. Die in der Vergangenheit häufig zur Refinanzierung dienenden, langfristigen Einlagen von Versicherungen wurden durch ein entsprechendes Versicherungsgesetz ebenfalls unterbunden, wodurch die Situation noch erschwert wird.[28]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Kennzahlen aus Basel III

(Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Zirkler/Hofmann/Schmolz [2015], S. 11ff)

Alle diese genannten Effekte zeigen eine große Einschränkung für kleine und mittlere Banken, obwohl diese nicht Auslöser der Krise waren. Aus diesem Grund sehen Experten den US-Amerikanischen Ansatz als sinnvoll an, wonach die Basler Richtlinien lediglich auf große, systemrelevante Finanzinstitute angewendet werden. Diese sind in der Lage nötiges Eigenkapital kurzfristig über die Finanzmärkte zu beschaffen, indem sie zum Beispiel neue Aktien ausgeben. Eine weitere tiefgreifende Änderung betrifft den Mittelstandkompromiss aus Basel II. War es unter Basel II noch möglich Kredite an kleine und mittelständische Unternehmen in das Retailportfolio zu übernehmen, wodurch das Risikogewicht pauschal auf 75% sank, ist dies unter Basel III nicht angepasst worden. Diese Regelung betrifft circa 95% der Unternehmenskredite in Deutschland, was zu der hohen Anzahl an KMU innerhalb der deutschen Wirtschaft passt. Durch Beibehaltung des Risikogewichts bei gleichzeitiger Erhöhung der Mindestkapitalquote von 8% auf 10,5%Prozent, entspricht die Eigenkapitalunterlegung von diesen Krediten wieder 8%, was unter Basel II noch 100% Risikogewicht entsprach. Laut Experten fehlen sachliche Gründe für diese fehlende Anpassung, da KMU-Kredite nicht Auslöser der Finanzkrise waren.

Zusätzlich fehlten nach Expertenmeinung mittelständischen Kreditinstituten häufig personelle und technische Kapazitäten, um regulatorische Anforderungen innerhalb der Fristen umsetzen zu können. Trotz dieser Bedenken standen mittelständische Finanzinstitute nach der Krise stabil dar, während große Banken die bewilligten Kredite von 2008 bis 2010 um 23% senkten. Insgesamt stieg das Kreditvolumen in dieser Zeit trotzdem um 16%.[29]

Alles in allem waren viele Experten der Meinung, dass Banken durch die Regulatorien gezwungen sein werden, ihre Kunden stärker zu selektieren, und das Kreditangebot langfristig sinken wird. Außerdem spielen die Bonität und das Rating eine enorme Rolle unter Basel III, und das nicht nur für Banken, sondern auch für Unternehmen wie im Folgenden erläutert wird.

2.3 Auswirkungen auf Unternehmen

Als Folge der Finanzkrise 2007/2008 bemühte sich der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht schnell passende Richtlinien zu entwickeln, die die Banken zukünftig daran hindern sollten übermäßig riskante Geschäfte in einem zu hohen Maße zu betreiben, um einen Vorfall wie diesen zu vermeiden. Die daraus entstandenen Regulatorien nach Basel III zielten dabei in keinster Weise auf die Regulierung von Unternehmen ab, tangiert diese jedoch passiv durch die enge Verbundenheit der Unternehmen und Banken. Als eine der prognostizierten Hauptauswirkungen nannten Experten vor allem die Überwälzung der Kostensteigerungen seitens der Banken auf die Preise für Kredite.[30]

Gerade vor dem Aspekt der Bedeutung von Bankkrediten für deutsche KMU ist das ein wichtiger Faktor. 2013 prognostizierte Standard & Poor’s dem deutschen Mittelstand immerhin einen zukünftigen Mittelbedarf von dreieinhalb Billionen Euro innerhalb der nächsten fünf Jahre.[31] Dabei finanzieren sich deutsche kleine und mittelständische Unternehmen historisch bedingt größtenteils über langfristige Kredite von Banken. Dahingehend entstehen durch Basel III zwei Resultate. Zum einen werden Kredite mit langer Laufzeit seltener und teurer, da Banken die Kosten der langfristigen Refinanzierung weiterleiten werden, beziehungsweise durch die Liquiditätsregelungen gar keine langfristigen Kredite mehr anbieten können. Daraus folgen kürzere Kreditlaufzeiten, woraus ein hohes Zinsrisiko seitens der Unternehmen entsteht, da diese Anschlussfinanzierungen mit neuen Zinsvereinbarungen eingehen müssen. Zum anderen geht der bisherige Vorteil gegenüber anderen Finanzierungsmöglichkeiten der stabilen Zinsen von Bankkrediten verloren. Dabei sorgten in der Vergangenheit grade die langfristigen Finanzierungen für die nötige Stabilität der Unternehmen, auch in wirtschaftlich schwachen Phasen.[32]

Zwei weitere Faktoren, die die Bankkredite für Unternehmen verteuern, sind die Eigenkapitalvorschriften und die sinkende Attraktivität für Banken. Wie im vorangegangenen Kapitel beschrieben, werden Kredite durch die Eigenkapitalvorschriften teurer für Banken, welche die Kosten auf die Preise übertragen werden. Dadurch zahlen Unternehmen höhere Zinsen, was die Rentabilität des eingesetzten Kapitals deutlich verringert. Hinzu kommt eine vergleichbar niedrige Attraktivität des Kreditgeschäfts für Banken, da andere Geschäfte deutlich margenreicher sind, was zu einer Verminderung des Kreditangebots führen kann. Demzufolge steigen die Preise für Kredite weiter an, und die Rivalität unter den Kunden wächst enorm.[33] Dank diesem Überschuss an Nachfragern können Banken sich ihre Kunden frei auswählen. Aus diesem Grund spielen das Rating beziehungsweise die Bonität, Sicherheiten und die eigene Eigenkapitalquote unter Basel III eine enorme Rolle für den Kreditvergabeprozess. Da Unternehmen mit guter Bonität die Risikoaktiva der Banken weniger belasten, ist es für Unternehmen unumgänglich eine gute Bonität aufzuweisen und diese professionell darzustellen, also an die Bank zu kommunizieren.[34] Unter diesen Gegebenheiten werden Existenzgründungen und Innovationen am meisten leiden, da in beiden Fällen große Unsicherheiten bestehen.[35] Für die deutsche Wirtschaft sind diese beiden Aspekte jedoch äußerst wichtige Treiber und auch Aushängeschild Deutschlands, sodass die Folgen im Falle einer solchen Auswirkung enormen volkswirtschaftlichen Schaden nach sich ziehen könnten.

[...]


[1] Vgl. BMWi [2015], S. 2.

[2] Vgl. BIS History [o. J.], o. S.

[3] Vgl. Bundesverband Deutscher Banken e. V. [2013], S. 6ff.

[4] Vgl. Hofmann [2002], S. 7.

[5] Vgl. Buschmeier [2011],S. 95ff.

[6] Vgl. Everling et al. [2012], S.27.

[7] Vgl. Everling et al. [2012], S. 27ff.

[8] Vgl. Bonitz/Ostermann [2004], S. 32.

[9] Vgl. Bonitz/Ostermann [2004], S. 35.

[10] Vgl. Deutsche Bundesbank [o. J.], o. S.

[11] Gewinnthesaurierung kann durch Einbehaltung von Gewinnen oder durch Unter-/Überbewertung in der Bilanz geschehen, um Kapital im Unternehmen zu behalten.

[12] Vgl. Deutsche Bundesbank [2011], S. 11f.

[13] Vgl. Deutsche Bundesbank [2011], S. 8ff.

[14] Vgl. DTTL [2017], S. 9.

[15] Beschreibt alle Risikopositionen der Aktivseite der Bilanz, die nicht durch entsprechende Passivposten gedeckt sind.

[16] Vgl. DTTL [2017], S. 19.

[17] Vgl. Everling et al. [2012], S. 48.

[18] Vgl. Zirkler/Hofmann/Schmolz [2015], S15f.

[19] Vgl. Everling et al. [2012], S. 49.

[20] Vgl. Everling et al. [2012], S. 50.

[21] Vgl. DTTL [2017], S. 17.

[22] Vgl. Kipp [2014], S. 5f.

[23] Vgl. Berg/Uzik [2011], S. 8.

[24] Vgl. Buschmeier [2013], S. 18ff.

[25] Vgl. Roland [2013], S. 74.

[26] Vgl. Kipp [2014], S. 7.

[27] Vgl. Zirkler/Hofmann/Schmolz [2015], S. 11ff.

[28] Vgl. Buschmeier [2013], S. 19f.

[29] Vgl. Angelkort/Stuwe [2011], S. 10ff.

[30] Vgl. Kaserer [2012], S. 32ff.

[31] Vgl. Frühauf/Weingartner [2013], o. S.

[32] Vgl. Bundesverband Deutscher Banken [2013], S. 10f.

[33] Vgl. Berg/Uzik [2011], S. 12ff.

[34] Vgl. Becker-Melching [2013], S. 36.

[35] Vgl. Kipp [2014], S. 1.

Details

Seiten
54
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668711365
ISBN (Buch)
9783668711372
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v425641
Institution / Hochschule
Hochschule Fresenius Düsseldorf
Note
2,3
Schlagworte
Finanzierung KMU Controlling Basel 3 Baseler Abkommen Basel III

Autor

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Titel: Veränderung der Finanzierungsmöglichkeiten von KMU durch Basel III