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Weiterbildungsangebote für Frauen zum Wiedereinstieg in das Erwerbsleben

Hausarbeit 2002 23 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Stellenwert von Bildung in der Gesellschaft
2.1 Funktion von Bildung und Bildungseinrichtungen
2.2 Bedeutung von Bildung und Qualifikation am Arbeitsmarkt

3. Chancen und Qualifikationsanforderungen für Frauen am Arbeitsmarkt
3.1 Ungleichheit der Chancen nach dem Geschlecht
3.2 Entwicklungstendenzen für Frauen am Arbeitsmarkt
3.3 Veränderung von Qualifikationsanforderungen
3.4 Auswirkungen auf die Weiterbildungsangebote für Wiedereinsteigerinnen

4. Diskontinuität des weiblichen Erwerbsverlaufs
4.1 Einschneidende Diskontinuität und typische Erwerbsverlaufsmuster
4.2 Verhältnis von Erwerbsarbeit und Familientätigkeit im weiblichen Lebenslauf

5. Motive und Anlässe zum Wiedereinstieg in das Erwerbsleben

6. Problematik für Wiedereinsteigerinnen

7. Unterstützung für Frauen beim Wiedereinstieg in das Erwerbsleben
7.1 Information und Beratung
7.2 Arbeitsmarktpolitische Förderinstrumente
7.3 Berufsbezogene Weiterbildung

8. Qualitätsstandards für Weiterbildungsmaßnahmen

9. Schlussbetrachtung

1. Einleitung

Der Erwerbsverlauf von Frauen ist häufig von Diskontinuität gekennzeichnet. Sie unterbrechen ihre Berufstätigkeit, um sich familiären Aufgaben wie Erziehung und Betreuung von Kindern zu widmen. Wenn sie wieder in das Erwerbsleben zurückkehren möchten oder müssen, sind sie oft vor zahlreiche Probleme gestellt. Sie sind i.d.R. weiterhin zuständig für Haushalt und Kinder was zu einer Doppelbelastung führt. Außerdem haben sie während der Unterbrechung häufig den Bezug zum Beruf verloren und einige Kenntnisse müssen vor dem Wiedereintritt aufgefrischt oder neu erworben werden.

Unterstützung beim Wiedereinstieg in die Erwerbstätigkeit können Weiterbildungen darstellen. Doch wie kann die Situation rückkehrwilliger Frauen in die Weiterbildungsangebote einbezogen werden? Entsprechen diese den speziellen Anforderungen dieser Zielgruppe? Und welche Kriterien können angelegt werden, um die Qualität der Maßnahmen zu überprüfen?

Um diese und andere Fragen soll es in der folgenden Ausarbeitung gehen. Darüberhinaus werden beispielsweise auch die Veränderung der Qualifikationsanforderungen für Wiedereinsteigerinnen oder die Möglichkeiten zur Förderung von Weiterbildungsmaßnahmen aufgezeigt.

2. Stellenwert von Bildung in der Gesellschaft

2.1 Funktionen von Bildung und Bildungseinrichtungen

„Bildung gewinnt in modernen Gesellschaften eine immer größere Bedeutung“.[1]

Als Grund hierfür sei die gesellschaftliche und technische Entwicklung genannt, die durch die steigende Komplexität der Aufgaben mehr Wissen vom Einzelnen verlangt. Die Bildung gilt als Motor des Wohlstandes und moderne Gesellschaften werden häufig als „Wissensgesellschaften“ bezeichnet.

Bildung erfüllt in der Gesellschaft verschiedene Aufgaben. Sie vermittelt Kenntnisse, die z.B. in der Arbeitswelt benötigt werden. Sie ist also an der Sozialisation des Einzelnen beteiligt. Außerdem weisen Bildungseinrichtungen Statuts und Leistung zu, sie bewerten die Menschen und gibt damit der Gesellschaft Orientierung über den Menschen. Ferner sollen Bildungseinrichtungen die wichtigen Wissensbestände auswählen und eine Grundkonsens von Grundwerten sicherstellen.

In vorindustriellen Gesellschaften wurde die Vermittlung von Wissen zumeist durch die Familie gewährleistet, wohingegen dies in modernen Gesellschaft durch ein sich immer weiter differenzierendes Bildungswesen übernommen wird. Bildung wird nicht nur während der Schulzeit vermittelt, sondern es gibt eine Tendenz zum lebenslangen Lernen. Auch während der Erwerbstätigkeit müssen weitere neue Qualifikationen erworben werden.[2]

2.2 Bedeutung von Bildung und Qualifikation am Arbeitsmarkt

Um ein „gutes Leben“ führen zu können muss ein Mitglied einer modernen Gesellschaft einer Erwerbstätigkeit nachgehen, um ein geregeltes Einkommen, Berufsprestige, Machstellung, Selbstwertgefühl und soziale Kontakte zu erlangen, bzw. auszubauen. Bildung kann Lebenschancen eröffnen.[3]

Bezogen auf die Erwerbstätigkeit wird zwischen Erstausbildung und weiterführender Ausbildung unterschieden. Dabei kann es sich zum einen um eine Spezifizierung und Vertiefung der erworbenen Qualifikationen handeln (z.B. Vertiefungslehrgang zu einem EDV- Programm), zum anderen um den Neuerwerb von Wissen (Erlernen eines unbekannten EDV- Programms).

Die Chancen von Arbeitnehmern am Arbeitsmarkt werden am stärksten von Ihrer Qualifikation bestimmt. Mangelnde Qualifikation gilt als bedeutendstes Risiko arbeitslos zu werden oder zu bleiben. Es wird prognostiziert, dass unqualifizierte Arbeitsplätze in der Zukunft immer stärker wegfallen werden. Eine weiterführende Ausbildung schützt in der Regel gut vor dauerhafter Arbeitslosigkeit.[4]

3. Chancen und Qualifikationsanforderungen für Frauen am Arbeitsmarkt

3.1 Ungleichheit der Chancen nach dem Geschlecht

Mitte der 60er Jahre geriet das deutsche Bildungssystem immer stärker in Kritik, weil die Zugangschancen nicht für alle gleich waren. Besonders Mädchen waren von dieser Chancenungleichheit betroffen. So wurde gefordert, einen leichteren Zugang zu Bildungsangeboten für alle gesellschaftlichen Gruppen zu schaffen.[5]

Frauen gelten heute als Gewinnerinnen der Bildungsexpansion. Sie nutzen die Bildungseinrichtungen besser als Männer, erwerben im Durchschnitt häufiger höhere Bildungsabschlüsse und erzielen bessere Noten.

Auch die Situation der Frauen in Hinblick auf die Berufsausbildung hat sich verbessert. Sie sind seit Beginn der 90er Jahre prozentual seltener ohne abgeschlossene Berufsausbildung als Männer. Allerdings absolvierten noch immer mehr Männer als Frauen ein Hochschulstudium. Ferner ist zu beobachten, dass hinsichtlich der beruflichen Ziele weiterhin geschlechtstypisch entschieden wird („weibliche“ und „männliche“ Berufe).[6]

Betrachtet man die Arbeitslosenquote der Frauen, stellt man fest, dass diese im Jahre 1970 über der der Männer lag. Erschwerend kam hinzu, dass die Frauen auch länger arbeitslos waren als die Männer[7]. Die Tendenz hat sich bis zum Jahre 1999 verändert. Die Arbeitslosenquote der westdeutschen Frauen hat sich denen der Männer angeglichen[8]. In Ostdeutschland hingegen treffen die aufgezeigten Tendenzen weiterhin zu. „Das Geschlecht stellt demnach die wichtigste Determinante ungleicher Erwerbschancen auf dem ostdeutschen Arbeitsmarkt dar.“[9]

3.2 Entwicklungstendenzen für Frauen am Arbeitsmarkt

Zur Einschätzung der Angebote für Frauen zum Wiedereinstieg müssen verschiedene Faktoren berücksichtigt werden. Der Bedarf am Arbeitsmarkt muss festgestellt und prognostiziert werden, um sinnvolle und bedarfsgerechte Angebote zu schaffen. Die Analyse, die Ingrid Ambos vornimmt, basiert auf Daten von 1985, d.h. auf Daten, in denen die ostdeutschen Bundesländer nicht berücksichtigt sind. Es werden einige Entwicklungstendenzen aufgezeigt, die darüber Auskunft geben, welche Faktoren in einer solchen Prognose eingehen sollten. Dazu gehören neben der demographischen und konjunkturellen Entwicklung oder technische Neuerungen, auch gesellschaftliche Entwicklungen und Verhaltensmuster, die die Personalentscheidungen der Unternehmen beeinflussen.

Wichtig zur Beurteilung der Erwerbschancen von Frauen sind beispielsweise die Betrachtung der einzelnen Wirtschaftssektoren bzw. die Branchenentwicklung. Speziell die Betrachtung des Dienstleistungssektors ist hierbei von Bedeutung, da viele Frauen in diesem Sektor beschäftigt sind. Aber auch die Entwicklung in den Bereichen der Produktion, in denen Frauen überdurchschnittlich tätig sind, z.B. der Textilindustrie. Gleiches gilt für die gesonderte Betrachtung des Angebots an Teilzeitarbeitsplätzen, da Frauen aufgrund Ihrer familiären Situation häufig Teilzeitarbeitsplätze in Anspruch nehmen[10].

Eine aktuelle Stellungsnahme zur Entwicklung der Zahl der Erwerbspersonen liefert Hradil. Er prognostiziert, dass die Zahl der Erwerbspersonen insgesamt sinken wird. Der Rückgang von 41. Mio. Erwerbspersonen im Jahre 1994 auf 27 Mio. Erwerbspersonen im Jahre 2030 können durch die einheimische Bevölkerung –auch bei weiter steigender Erwerbsquote der Frauen- nicht aufgefangen werden.[11]

3.3 Veränderung von Qualifikationsanforderungen

Neben der genauen Analyse des Arbeitsmarktes zur Gestaltung von Weiterbildungsangeboten für Frauen ist auch die Betrachtung der Qualifikationen und Qualifikationsanforderungen von großer Bedeutung.

Wie zuvor bereits festgestellt, prognostiziert Ambos auf Basis von Daten aus dem Jahre 1985 einen Trend zur Höherqualifizierung. Zum einen bezieht sie dies auf die stärkere Komplexität und schnellere Entwicklung neuer Technologien, die für Frauen zum Widereinstieg dann ein Problem darstellen, wenn sie die Anwendungsqualifikationen nachholen müssen, um sich für Ihre bisherige oder eine neue Tätigkeit zu qualifizieren.

Zum anderen wird eine Veränderung der Arbeitsorganisation und der Anforderungen für den Dienstleistungsbereich vorausgesagt, die zur Erhöhung der Komplexität der Aufgaben führt. Damit einhergehend verändern sich auch die Voraussetzungen für die Bewältigung der Arbeitsleistung. Genannt wird hier u.a. die höhere intellektuelle Flexibilität und die sozial- kommunikative Kompetenz. Ein Schwerpunkt liegt hier jedoch auf der erhöhten fachlichen und der kommunikativen Kompetenz. Es ist von einer Veränderung der Arbeitsorganisation hin zu einer ganzheitlichen Aufgabenorganisation auszugehen.

Im Dienstleistungssektor wie auch im Produktionsbereich werden Rationalisierungstendenzen beobachtet, ebenso wie eine Tendenz zur Segmentierung der Arbeitseinsatzbereiche.

Die festgestellten Entwicklungen wirken sich in besonderem Maße auf Wiedereinsteigerinnen aus, da Frauen häufig auf geringerem Niveau ihre Erwerbstätigkeit wieder beginnen.[12]

3.4 Auswirkungen auf die Weiterbildungsangebote für Wiedereinsteigerinnen

Eine Anpassung des Berufsbildungssystems an veränderte Anforderungen vollzieht sich i.d.R. in Deutschland eher schleppend. Die neuen Anforderungen werden eher in bereits bestehende Berufsausbildungszweige integriert, so dass eher weniger neue anerkannte Berufe, sog. Zukunftsberufe, entstehen, die für Wiedereinsteigerinnen eine Art „Nische“ bedeuten könnten. Diese entstehen in der Hauptsache in erfolgsversprechenden Branchen, können aber auch selten von einer breiten Masse von Erwerbstätigen ausgeführt werden. Als problematisch erweist sich hierbei auch, dass Berufe in Feldern wie beispielsweise der Datenverarbeitung häufig eine hohe Qualifikation und einen höheren Bildungsabschluss voraussetzen.

[...]


[1] Hradil, 2001, S. 149

[2] Vgl. ebd. S. 149ff.

[3] Vgl. ebd. S. 180

[4] Vgl. ebd. S. 198 ff.

[5] Vgl. ebd. S. 157 ff.

[6] Vgl. ebd. S. 160 ff.

[7] Vgl. Ambos 1990, S. 85

[8] Vgl. Hradil, 2001, S. 197

[9] Hradil, 2001, S. 197

[10] Vgl. Ambos, 1990 S. 85 ff.

[11] Vgl. Hradil, 2001, S. 186f.

[12] Vgl. Ambos, 1990, S. 91ff.

Details

Seiten
23
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638405744
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v42571
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Note
Ohne Benotung
Schlagworte
Weiterbildungsangebote Frauen Wiedereinstieg Erwerbsleben

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Titel: Weiterbildungsangebote für Frauen zum Wiedereinstieg in das Erwerbsleben