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Der Sinn der Jagd aus tierethischer Sicht

Wie zeitgemäß ist sie noch?

Seminararbeit 2018 21 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Vorgehensweise

2 Hauptteil
2.1 Warum jagen wir?
2.2 Wer jagt in Deutschland?
2.3 Ist die Jagd noch zeitgemäß?
2.3.1 Ansätze, welche für die Jagd sprechen
2.3.2 Ansätze, welche gegen die Jagd sprechen

3 Schluss

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Das Jagen war eine der ersten Tätigkeiten, welche der Mensch vor tausenden Jahren erlernen musste. Denn die meiste Zeit in unserer Geschichte waren wir Jäger und konnten nur als solcher überleben. Die Jagd gibt es somit nahezu genauso lange wie den Menschen selbst. Der Begriff des Homo Sapiens, wird daher fast schon automatisch, mit der Bezeichnung Jäger und Sammler assoziiert. In der heutigen Zeit sind wir in Deutschland aber nicht mehr auf die Jagd angewiesen, dafür hat sich unser Land zu sehr entwickelt und es gibt genug andere Möglichkeiten, um sich etwas zu Essen oder warme Kleidung zu besorgen. Dennoch werden auch heute noch viele Wildtiere bei der Jagd erlegt oder zumindest schwer verletzt und nicht jeder befürwortet dies. Es ist ein Streitthema, in welchem die Jäger und Jägerinnen wohl nie mit den Jagdgegnern, insbesondere den Tierschützern, übereinkommen werden.

1.1 Problemstellung

Für die einen ist die Jagd eine unnötige und grausame Tierquälerei. Für die anderen ein naturintensives Hobby, aber auch eine notwendige Maßnahme, um Wildtierbestände zu kontrollieren und Schäden durch Verbiss in der Natur zu reduzieren. Diese zwei, in jeglicher Hinsicht völlig unterschiedlichen, Ansichten werfen die Frage auf, wie sinnvoll und zeitgemäß ist die Jagd wirklich? Welche der Parteien hat Recht beziehungsweise in welcher der beiden Blickwinkel steckt mehr Wahrheit? Ist die Jagd tatsächlich eine ökologische Notwendigkeit, um unsere Wälder und generell die Natur zu retten oder dient sie, auf Kosten und Leiden der Tiere, in Wirklichkeit primär nur zur Unterhaltung und Bespaßung der Jagenden?

1.2 Vorgehensweise

Die folgende Hausarbeit beinhaltet einen soziologischen und einen ethischen Teil. Das bedeutet, dass zuerst im soziologischen Teil die Frage „Warum jagen wir?“ genauer beleuchtet wird. Hierbei geht es um die Bewegungsgründe, welche die Jagenden angeben, um ihr strittiges Hobby zu rechtfertigen. Auch auf die Herkunft des Jagdinstinkts und auf die Entwicklung der Jagd über mehrere Jahrhunderte wird eingegangen. Darauf aufbauend wird anschließend genauer dargelegt, welcher Menschentyp in Deutschland zur Jagd geht. Der zweite Teil widmet sich der weiter oben schon aufgeworfenen Frage, ob die Jagd noch zeitgemäß sei und welchen Sinn sie hat. Auch die tierethische Sichtweise spielt in diesem Kapitel eine wichtige Rolle. Hierbei werden beide Seiten, sowohl die der Jäger und die der Jagdgegner, gegenübergestellt und erläutert. Mehrere Autoren haben sich mit diesem Thema schon beschäftigt und dienen für die folgende Seminararbeit als wichtige Unterstützung. Allen voran Dag Frommhold mit seinem Werk ‚Das Anti - Jagdbuch‘ und Philipp Bodes ‚Einführung in die Tierethik‘, waren eine große Hilfe für die Erläuterung, dass die Jagd nicht mehr zeitgemäß ist. Für die Argumente, welche pro Jagd sprechen, wurde hauptsächlich auf Internetquellen des deutschen Jagdverbandes und des WWF zurückgegriffen.

2 Hauptteil

2.1 Warum jagen wir?

Heutzutage gibt es in jeder größeren Stadt mindestens einen Supermarkt, welcher Unmengen an Fleisch, sowohl frisch von der Theke oder abgepackt im Kühlregal, verkauft. Problemlos kann dieses Fleisch gegen Bargeld eingetauscht und zu Hause in den unterschiedlichsten Variationen verzehrt werden. Der meiste Aufwand bei diesem Ablauf ist wohl der Weg zum Supermarkt. Doch dieser Luxus war nicht immer selbstverständlich. Viele tausende Jahre lang war es so, „dass das Sein des Menschen zunächst darin bestand, dass er Jäger war.“[1] Der Jagdtrieb war in der Steinzeit noch abhängig von dem Hungergefühl. Denn hatten die Menschen keinen Hunger, entstand nicht der Trieb zu jagen, um den Hunger zu befriedigen.[2] Es kam zudem so gut wie nie vor, dass Jäger in dieser Zeit ein Tier töteten, welches sie nicht unabdingbar zum Leben brauchten.[3]

Die Jagd hatte im Laufe der Zeit aber immer unterschiedliche Ziele. Für die Menschen in der Steinzeit war es, wie schon erwähnt, hauptsächlich die Nahrungsbeschaffung um das eigene Leben und das Leben ihrer Mitmenschen zu sichern. Das Fell und die Knochen der Tiere dienten zudem als Kleidungsstücke oder Waffen. Die Griechen und Kelten sahen die Jagd schon eher als Sport für die oberen Bevölkerungsschichten an, während es für die Männer im Mittelalter um die eigene ritterliche Persönlichkeit ging. In der bürgerlichen Zeit ging es dann ausschließlich nur noch um das einfache Jagderlebnis.[4] Grundsätzlich galt, dass bis zu Beginn des frühen Mittelalters jeder jagen durfte und auch das erschossene beziehungsweise getötete Wild zum Eigentum des Jägers wurde. Mit der Herausbildung des Herrschaftsprinzips im 7. Jahrhundert, änderte sich allerdings einiges bei den Jagdrechten. Könige und Fürsten nutzten ihre höhere Stellung gegenüber dem einfachen Bürger und beanspruchten die wildreichsten Wälder für sich selbst. Somit wurde die Jagd zum Adelsprivileg. Mit der Zeit wurde dann noch zwischen dem Hochadel (Könige, Kaiser und Fürsten) und dem Niederadel (Grafen, Baronen) unterschieden und auch das Wild dementsprechend aufgeteilt. Für den Hochadel war das Hochwild, wie etwa der Hirsch oder die Wildschweine, vorgesehen und der Niederadel musste sich mit dem Niederwild zufriedengeben. Dazu gehörten unter anderem Hasen, Rehe und Fasanen. Durch die meist sehr rücksichtslose Jagd der Adligen entstanden viele Schäden auf den Äckern der Bauern, welche eine Hungersnot zur Folge hatte. Als wäre das nicht schon genug, mussten die Bauern zusätzlich Jagdfrondienste bei ihren Königen leisten. Letztendlich waren die Bauern so verzweifelt, dass die Bauernkriege im 16. Jahrhundert nahezu unausweichlich waren.[5] Bis in das 19. Jahrhundert hinein war zudem die Landwirtschaft die nahezu einzige Existenzgrundlage für die Menschen in Mitteleuropa. Deshalb war das Verhältnis zur Natur und Jagd früher ein ganz anderes wie heute.[6] An diesen geschichtlichen Hintergründen wird deutlich, dass die Jagd seit Anbeginn unserer Zeit auf der Erde, eine zentrale und wichtige Rolle spielt. Auch wenn sie sich jetzt immer mehr von einer überlebensnotwendigen Nahrungsbeschaffung zu einem Freizeitvergnügen entwickelte.[7] Doch was treibt den Jäger im heutigen 21. Jahrhundert noch an, sich sogar oftmals bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt, die halbe Nacht auf Lauer zu legen, um ein Wildtier aufzuspüren und anschließend zu erlegen?

Die Jagenden selbst erklären ihre Ausflüge in den Wald gerne so, „dass sie damit den Wildstand in der Kulturlandschaft regulieren, Wildschäden verhindern, kranke Tiere erlösen […] und überhaupt einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft als ‚Naturschützer‘ liefern.“[8] Natürlich haben sie damit nicht Unrecht, aber diese Gründe allein würden den Freizeitjägern, welche meist ihr ganzes Wochenende oder gar Urlaubstage dafür nutzen, um zu jagen, eher nicht ausreichen. Zudem kommt es nicht gerade selten vor, dass die Jäger auf einer Jagd keinen einzigen Schuss abgeben oder ohne ein tödlich getroffenes Tier nach Hause gehen. Vielmehr treibt die Jagenden etwas anderes an, nämlich „Diese Sucht nach Glücksgefühlen, nach dem Adrenalinausstoß, beim schwierigen, aber gut gelungenen Schuss, beim Erbeuten eines Wildtieres oder einer begehrten Trophäe [...]“[9]. Vor allem die Bewunderung und Anerkennung der Jagdkollegen, wenn das erschossene Wildtier stolz präsentiert wird, spielt dabei eine große Rolle. Hierbei gilt natürlich je größer und prachtvoller das Tier umso besser. Außerdem ist die Jagd ein Prozess, in dem mehrere Stufen, wie zum Beispiel das stundenlange Ausschau halten, nach einem geeigneten Tier und dem anschließenden Vorbereiten, Annähern und Horchern, durchlaufen werden. Jeder einzelne Schritt hin bis zum Abfeuern der Waffe, hat seinen eigenen Reiz und ist ein besonderes Erlebnis, bei dem alle menschlichen Sinne angespannt werden. Denn ohne diese Abläufe vor dem eigentlichen Ziel, dem Schuss, wäre das Jagen nur ein reines Exekutieren von Wildtieren und würde den Jagdtrieb des Jägers nicht zufriedenstellen.[10] Das bedeutet allerdings nicht, dass der Jäger nur durch das Erleben dieser Abläufe vor dem finalen Schuss, die gleiche Befriedigung spüren würde, wie mit dem Töten des Tieres. Denn „für den angestrebten emotionalen Erfolg, den Kick, ist das Töten notwendige Bedingung.“[11] Demzufolge wird klar, dass die Jagenden sowohl von dem Prozess vor dem Schuss, als auch von dem Erschießen des Wildtiers selbst, angetrieben werden. Des Weiteren argumentieren die Jagenden damit, dass sie eine tiefe Verbundenheit der Natur gegenüber empfinden und durch die Jagd in den endlosen Wäldern eine gewisse Erholung und Entspannung erfahren. Das ist durchaus nachvollziehbar, da es viele Menschen, ganz gleich ob Jäger oder nicht, zur Entspannung oder zum Stressabbau in die Wälder zieht. Nach einem langen Spaziergang entlang des Waldrandes oder dem wöchentlichen Joggingausflug in der freien Natur, fühlt sich der Körper deutlich besser und erholter.[12] Auf jeden Fall ist festzuhalten, dass es auch heute noch genug Gründe gibt, weshalb die Jagd mit so viel Leidenschaft und Hingabe ausgeführt wird. Ob auch all diese Gründe dafürsprechen, dass die Jagd ethisch, moralisch und ökologisch vertretbar ist, wird damit noch nicht deutlich. Genau diese Ansichten werden im zweiten Abschnitt des Hauptteils diskutiert.

2.2 Wer jagt in Deutschland?

In Deutschland hat die Jagd in den letzten Jahren immer mehr Menschen begeistert. Im Jahr 2016/17 waren es 383 823 Jagdscheininhaber. 2010/11 hatten zum Vergleich „nur“ 351 832 Jäger ihren Schein. Auch in der Mitgliederanzahl im Deutschen Jagdverein gibt es seit 2010 fast in jedem Jahr mehr Zuwachs. Außerdem ist Nordrhein-Westfalen mit ca. 90.000 Jägern das Bundesland mit den meisten Jagdscheininhabern in ganz Deutschland.[13] Doch welcher Typ Mensch wird überhaupt zum Jäger? Der Großteil von Jagenden in unserer Bevölkerung ist männlich. Der Frauenanteil beträgt aktuell gerade mal 7 Prozent. Zurückzuführen ist das auf die Abschaffung der adligen Jagdprivilegien im Jahr 1849. Anschließend an diese Abschaffung wurde die Jagd zu einer Angelegenheit, welche sehr durch Männer geprägt wurde und Frauen nur noch selten anzutreffen waren.[14] Aber in den heutigen Vorbereitungskursen für die Jägerprüfung befinden sich schon 20 Prozent Frauen. Es interessieren sich also wieder immer mehr Frauen für die Jagd und wollen ebenfalls dieses, inzwischen von Männerdominanz geprägte Hobby, ausüben. Das Durchschnittsalter des Jägers in unserem Land beträgt 57 Jahre. Ein wenig jünger ist die Durchschnittsjägerin, sie bringt es auf 51 Jahre. 57 Prozent der Jäger und Jägerinnen sind berufstätig und 6 Prozent gehen noch zur Schule beziehungsweise befinden sich aktuell in einem Studium. Fast alle Jäger (90 Prozent) geben an in einem Mehrpersonenhaushalt zu leben, daraus lässt sich schließen, dass sie noch nach traditionellen Werten leben. Zudem ist etwas mehr als die Hälfte, um genau zu sein: 56 Prozent, verheiratet. Jäger sind außerdem bekannt dafür, sich ehrenamtlich für Umweltschutz und Naturprojekte zu engagieren. 44 Prozent aller Jäger beteiligen sich daran, während es, zum Vergleich, nur 9 Prozent in der Gesamtbevölkerung sind. Jägerinnen sind hierbei nochmal etwas aktiver als die Jäger. Daraus wird auch deutlich, dass den Jägern vieles vorgeworfen werden kann, aber nicht, dass sie sich nicht für die Umwelt einsetzen würden. In ihren Revieren halten sich die Jäger ca. eine Arbeitswoche pro Monat auf. Denn außer der Jagd, gibt es noch andere Aufgaben, welchen der Jäger regelmäßig nachkommen muss. Zum einen muss er sich um die Pflege seines Revieres kümmern. Dazu zählt die Biotoppflege und verschiedene Arbeiten am Hochsitz. Des Weiteren kann der Jäger sich nicht einfach in seinem Revier auf die Lauer legen und davon ausgehen, dass ihm etliche Tiere vor den Gewehrlauf rennen. Bevor er sich in seinem Hochsitz verschanzt, muss er erstmal verschiedene Wildtiere ausfindig machen und anschließend genauestens beobachten. Diese Aufgaben und der damit verbundene Zeitaufwand im Wald, machen den Jäger zu einem der ersten Ansprechpartner, wenn es um Tiere, Natur oder die Jagd geht.[15] Aber um Jäger zu werden, muss selbstverständlich zuerst eine staatliche Jagdprüfung absolviert werden, um den Jagdschein zu erhalten. Trotz des Jagdscheins ist der Jäger dann allerdings immer noch nicht dazu berechtigt überall zu jagen. Er darf nur innerhalb der Jagdbezirke oder auf Grundstücken, auf denen es der Eigentümer erlaubt, seiner Tätigkeit nachgehen. Ab 16 Jahren wird der Jugendjagdschein ausgestellt und ab 18 Jahren gibt es den endgültigen Jagdschein. Allerdings sollte es gut überlegt sein, den Jagdschein zu erwerben und die Jagdprüfung abzuschließen. Denn nur wenn ernstes Interesse besteht, lohnt es sich. Insgesamt belaufen sich die Kosten für den Erwerb des Jagdscheins auf ca. 2000€.[16] Von den ganzen Kosten, die anschließend jährlich auf den Jäger oder die Jägerin warten, mal abgesehen. Die Jagd ist somit nicht nur ein tödliches, sondern auch ein teures Hobby.

2.3 Ist die Jagd noch zeitgemäß?

Das folgende Kapitel befasst sich mit dem Hauptthema der Hausarbeit. Es geht darum, ob die Jagd in Deutschland noch zeitgemäß ist. Müssen wir tatsächlich Tiere töten, um unsere Ökologie zu retten? Oder sterben tausende von Wildtiere jährlich völlig umsonst? Und ist die Jagd aus tierethischer Sicht überhaupt noch vertretbar? Gründe sowohl für die Jagd in der heutigen Zeit als auch dagegen werden im Folgenden geschildert.

2.3.1 Ansätze, welche für die Jagd sprechen

Der Mensch hat über viele Jahre hinweg etliche Raubtiere aus ihren natürlichen Lebensräumen verdrängt. Wölfe, Braunbären oder auch Luchse wurden von den Menschen gejagt, getötet und schließlich mit der Zeit völlig ausgerottet. Nur ein einziger Braunbär hat es, im Jahr 2006, seit 171 Jahren in die deutschen Wälder verschlagen und wurde dann im selben Jahr noch aufgespürt und erschossen. Der Wolf und der Luchs hingegen werden in unseren Wäldern wieder immer mehr toleriert. Vor einigen Jahren kamen beide Tierarten über verschiedene Nachbarländer zurück nach Deutschland. Aber auch vom Menschen selbst werden Wolfs,- bzw. Luchsrudel in passenden Waldregionen angesiedelt.[17] Für den Jäger sind es allerdings noch lange nicht genug Raubtiere, dass sie die Wildtierbestände ohne menschliche Hilfe regulieren könnten. Er sieht sich als Ersatz für den Wolf und die anderen vertriebenen Raubtierarten und tötet Wildtiere, da diese nicht mehr genug natürliche Feinde haben. Aber nicht nur um die Wildtierbestände zu regulieren brauchen wir den Jäger, sondern auch um die Gesellschaft besser vor Krankheiten und Seuchen zu schützen. Denn je mehr Wildtiere erschossen werden und es somit eine geringere Dichte an Füchsen oder Wildschweinen gibt, desto geringer ist die Gefahr, dass sich Krankheiten wie die Schweinepest oder der Fuchsbandwurm ausbreiten. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass unsere Kulturlandschaft sehr durch die Landwirtschaft geprägt ist. Vor allem das Wildschwein richtet aber oftmals schwere Wildschäden in Feldern, Weinbergen oder auf Äckern an. Das kann zu finanziellen Missständen für die Bauern oder Winzer führen.[18] Darüber hinaus ist anzumerken, dass es durch Wildtiere, allen voran durch das Schalenwild, dazu zählen alle Tiere die auf Hufen laufen, zu erheblichem Verbiss kommt. Darunter wird das Abbeißen von Knospen verstanden, so dass diese nicht mehr in die Höhe wachsen und falls sie mehrere Jahre lang immer wieder angebissen werden, im schlimmsten Fall komplett Aussterben können. Auch hier wird darauf hingewiesen, dass die zu hohe Anzahl an Reh- und Rotwild maßgeblich dafür verantwortlich ist und es zu einer Vegetationsverarmung kommt, da zu viele Blumen- oder Baumarten verbissen werden und in der Folge daraus verloren gehen.[19] Die Konsequenz wäre, dass die Natur vor allem in den Frühlings- und Sommermonaten nicht mehr so schön blühen würde und dadurch der Erholungswert für den Menschen sinkt. Berufsjäger, welche diese Aufgaben übernehmen könnten gibt es in Deutschland nur sehr wenige. Sie sind schlichtweg zu teuer.[20] Generell lässt sich sagen, dass das Finanzielle eine entscheidend große Rolle spielt, wenn es darum geht, die Jagd als sinnvoll anzusehen. Zum einen sorgen die Pachtgebühren, welche die Jäger an die Kommunen oder Länder zahlen, für wichtige öffentliche Einnahmen. Hierbei geht es um viel Geld, auf welches nur schwer, oder überhaupt nicht, verzichtet werden kann. Pro Jahr kostet die Pacht eines Jagdreviers rund 1570 Euro im Durchschnitt für den einzelnen Jäger. Zusätzlich kommen für den Jäger noch viele weitere Nebenkosten hinzu. Zum Beispiel 520 Euro für Reviereinrichtungen, 280 Euro für Jagdbekleidung oder 270 Euro für Wildschäden. Insgesamt belaufen sich die jährlichen Ausgaben im Schnitt auf 4340 Euro pro Jäger. Hochgerechnet auf die knapp 375000 aktiven Jäger und Jägerinnen (Stand 9. Juni 2016) summieren sich die Investitionen in einem Jahr auf 1,6 Milliarden Euro. Mit einer solchen Zahl im Milliardenbereich, kurbelt die Jagd die deutsche Wirtschaft extrem stark an. Ergänzend zu den bisher genannten Ausgaben, zahlen die Jagenden noch ca. 220 Euro für die Biotoppflege und Artenschutzmaßnahmen aus dem eigenen Geldbeutel. Alle Jäger in Deutschland investieren demnach etwa 82,5 Millionen Euro pro Jahr in den Naturschutz.[21] Viel Geld, welches die Länder durch die Jäger sparen. Zum anderen nutzen wir unseren Wald in Deutschland größtenteils forstwirtschaftlich. Kommunen und Länder brauchen die Einnahmen aus der Forstwirtschaft um beispielsweise städtische Kindergärten oder Schwimmbäder zu betreiben. Ein zu hoher Wildbestand wäre gleichbedeutend mit einer Verjüngung des Waldes. Denn zu viel Wild führt zu einer Verminderung der Qualität des Holzes und dadurch gäbe es hohe Einkommensverluste für die kommunalen Waldbesitzer. Deshalb ist die Gesellschaft auf die privaten Jäger angewiesen.[22] Hauptsächlich wegen den wichtigen Geldeinnahmen, aber auch zur Aufrechterhaltung des Waldes und generell der Natur – zumindest sieht der Jäger das so.

[...]


[1] Jose Ortega y Gasset, Meditationen über die Jagd. Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 1985, S. 72.

[2] Florian Asche, Jagen, Sex und Tiere essen. Die Lust am Archaischen. Melsungen: Verlag J. Neumann – Neudamm AG 2012. S. 81.

[3] Dag Frommhold, Das Antijagdbuch. Von der ökologischen und ethischen Realität des edlen Waidwerks. München: F. Hirthammer Verlag GmbH 1994. S. 9.

[4] Vgl. Dieter Stahmann, Weidgerecht und Nachhaltig. Die Entstehung der Bürgerlichen Jagdkultur. Melsungen: Verlag J.Neumann-Neudamm KG 2008, S. 22.

[5] Vgl. Fischer, Jürgen: „Eine kurze Zeitreise durch die Geschichte der Jagd.“ https://www.swr.de/odysso/eine-kurze-zeitreise-durch-die-geschichte-der-jagd/-/id=1046894/did=14368016/nid=1046894/1c1ou00/index.html (zuletzt eingesehen am 02.03.2018).

[6] Vgl. Dieter Stahmann a.a.O., S. 22.

[7] Vgl. Rudolf Winkelmayer, Ein Beitrag zur Jagdethik. Wien: Österreichischer Jagd- und Fischerei- Verlag 2014, S. 7.

[8] Rudolf Winkelmayer a.a.O., S. 8.

[9] Rudolf Winkelmayer a.a.O., S. 13.

[10] Vgl. Florian Asche a.a.O., S. 86 f.

[11] Rudolf Winkelmayer a.a.O., S. 9.

[12] Vgl. Gert Andrieu/Helmuth Wölfel, Aufbrechen. Die Jagd als Spiegel der Gesellschaft. Graz: Leopold Stocker Verlag GmbH, S. 53.

[13] Deutscher Jagdverband: „Jagdscheininhaber in Deutschland“. https://www.jagdverband.de/content/jagdscheininhaber-deutschland (zuletzt eingesehen am 23.02.2018).

[14] Vgl. Cormier, Judith: „Status und Weiblichkeit: Jägerinnen“, in: Carl Alexander Krethlow (Hg.): Hofjagd, Weidwerk, Wilderei. Paderborn: Ferdinand Schöningh GmbH & Co. KG 2015, S. 139.

[15] Vgl. Deutscher Jagdverband: „Jäger sind moderner als ihr Ruf“. http://www.jagdverband.de/content/j%C3%A4ger-sind-moderner-als-ihr-ruf (zuletzt eingesehen am 26.02.2018).

[16] Vgl. Renk, Dennis: „Jagdschein in Deutschland machen – Voraussetzungen und Infos.“ http://www.alle-schuetzenvereine.de/jagdschein-deutschland/ (zuletzt eingesehen am 28.02.2018).

[17] Vgl. WWF Deutschland: „In Deutschland ausgestorbene, wieder angesiedelte oder eingewanderte Arten“ http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/In_Deutschland_ausgestorbene_Arten_06_09.pdf S. 3-5. (zuletzt eingesehen am 06.03.2018).

[18] Vgl. Westermann, Lars: „Jagen oder nicht jagen“ https://www1.wdr.de/fernsehen/quarks/sendungen/jagd-pdf-100.pdf S.3. (zuletzt eingesehen am 06.03.2018).

[19] Vgl. Kruse, Rüdiger: „Wildschäden im Wald – Schälschaden und Wildverbiss“ http://www.wald.de/wildschaedenverbisschaeden/ (zuletzt eingesehen am 06.03.2018).

[20] Vgl. Westermann, Lars: „Jagen oder nicht jagen“ https://www1.wdr.de/fernsehen/quarks/sendungen/jagd-pdf-100.pdf S.3. (zuletzt eingesehen am 06.03.2018).

[21] Vgl. Deutscher Jagdverband: „Jäger sind moderner als ihr Ruf“. http://www.jagdverband.de/content/j%C3%A4ger-sind-moderner-als-ihr-ruf (zuletzt eingesehen am 08.03.2018).

[22] Vgl. Westermann, Lars: „Jagen oder nicht jagen“ https://www1.wdr.de/fernsehen/quarks/sendungen/jagd-pdf-100.pdf S.3. (zuletzt eingesehen am 06.03.2018).

Details

Seiten
21
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668707047
ISBN (Buch)
9783668707054
Dateigröße
624 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v426018
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
2,0
Schlagworte
sinn jagd sicht tier ethik

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