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Diskursmarker im Russischen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2017 16 Seiten

Russistik / Slavistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Diskursmarker
2.1 Was sind Diskursmarker?
2.2 Charakteristika von Diskursmarker
2.3 Funktionen der Diskursmarker

3. Die Gliederung der Diskursmarker
3.1 Eroffnungssignale
3.2 Beendigungssignale
3.3Verzogerungssignale

4. Schwierigkeiten bei der Ubersetzung von Diskursmarkern

5. Korpusanalyse

6. Schluss

Bibliographie

1. Einleitung

Die gesprochene und die geschriebene Sprache funktionieren auf unterschiedliche Weise und divergieren in vielen Aspekten voneinander: Die Schriftsprache ist zum einen visuell wahrnehmbar und zum anderen relativ unabhangig von Raum und Zeit. Ausserdem bietet sie dem Schreiber beim Produzieren sowohl Zeit zum reflektieren als auch die Moglichkeit, Korrekturen vorzunehmen und lasst Regelverletzungen ungern zu. Die geschriebene Sprache ist also reversibel. Die gesprochene Sprache dahingegen wird im Alltag in interaktiven Gesprachen benutzt und ist sowohl beim Erlauben von Innovationen im Bereich der Lexik als auch bei Verletzungen der Grammatikregeln durchaus toleranter. Im Gegensatz zur Schriftsprache ist die Lautsprache also irreversibel. Gesagtes kann nicht zuruckgenommen, sondern nur durch ein erneutes Ansetzen verbessert werden. Bei genauerer Betrachtung fallt ebenfalls auf, dass spontane Alltagsdialoge - verglichen mit geschriebener Sprache oder lexikalischen Dialogen, wie zum Beispiel in Theaterstucken - aus zusatzlichen lexikalischen Elementen bestehen. Hierbei kann es sich um Worter und Lautkombinationen wie dt. ’also’, ’nun’, ’nicht wahr’, ’naja’ bzw. russ. eom, amo, a, ny etc. oder um Laute wie mh, ah, oh u.a. handeln, die Sprechpausen fullen. Die Entdeckung der oben genannten Lexeme ist keineswegs neu und wird ungefahr seit den siebziger Jahren im Rahmen der Gesprachsanalyse behandelt1. Doch warum existieren in der gesprochenen Sprache lexikalische Elemente, die in der geschriebenen Sprache keine Verwendung finden? Was sind ihre Funktionen, um welche Worter handelt es sich genau, wann und unter welchen Umstanden wird von ihnen Gebrauch gemacht? In der vorliegenden wissenschaftlichen Hausarbeit soll diesen Fragen nachgegangen werden.

Hierfur wird zuerst auf den Begriff’Diskursmarker’ eingegangen und sowohl seine Charakteristika als auch seine Funktionen erlautert. Danach findet eine genauere Betrachtung der Diskursmarker und ihre Einteilung in Gruppen statt. Hierbei soll erwahnt werden, wann und an welcher Stelle diese lexikalischen Einheiten auftreten konnen. Im Anschluss daran sollen die Schwierigkeiten, die bei der Ubersetzung von diesen Einheiten entstehen konnen, aufgezeigt werden. Daraufhin wird eine Korpusanalyse durchgefuhrt, in der Puskins Werk ,,Pik Dame“ auf Diskursmarker untersucht wird. Den Abschluss dieser Arbeit bildet eine Zusammenfassung, die alle gewonnenen Erkenntnisse resumiert.

2. Diskursmarker

2.1 Was sind Diskursmarker?

Monologe sowie auch Dialoge, scheinen auf den ersten Blick aus recht unkomplizierten und simpel gegliederten Satzen gebaut zu sein. Bei naherer Betrachtung ist jedoch zu erkennen, dass der Satzbau in der gesprochenen Sprache alles andere als einfach, gar ziemlich komplex ist, denn im Gegensatz zur geschriebenen Sprache spielen in der Lautsprache nicht nur die grammatischen Regeln, sondern auch die Produktions- bedingungen eine aufierst wichtige Rolle. Wahrend beim Schreiben im Allgemeinen uber das zu Schreibende nachgedacht und dieses auch im Nachhinein korrigiert werden kann, erfolgt die mundliche Produktion in der Regel innerhalb von sehr kurzer Zeit und das Gesagte kann, einmal geaufiert, nicht mehr berichtigt werden. Ausserdem mussen Gesprachspartner die Kommunikation untereinander organisieren und strukturieren. Um ihre Rollen in einem Dialog aufeinander abzustimmen, ihre Redebeitrage zu gliedern, inhaltliche Zusammenhange herzustellen, Gesprachspausen zu uberbrucken oder Kontakt aufzunehmen, machen sich Sprecher von sprachlichen Elementen Gebrauch, die bis heute ziemlich uneinheitlich bezeichnet werden: Kontaktworter, Sprechersignale, Gliederungssignale oder auch Gliederungspartikeln2. In Rathmayr (2009: 890) sind fur diese sprachlichen Elemente weitere Bezeichnungen wie Gesprachsworter, Gesprachspartikeln, Schaltworter, Modalworter, Modalpartikeln, Diskurspartikeln oder Diskursmarker zu finden. Wahrend im Englischen der Begriff discourse marker gelaufig ist, werden im Russischen die Ausdrucke MemameKcmoeue nacmum eeoduoe cnoeo oder ducKypcueuue cnoea zur Bezeichnung diskursiv funktionaler Elemente gebraucht3. Lange Zeit wurden diese von Linguisten als inhaltsloser Ballast klassifiziert und fur irrelevante Fullworter erklart, deren Benutzung vermieden werden sollte. Erst 1897 untersuchte der tschechische Linguist A. V. Dobias diese Partikeln als eine eigene Wortkategorie. Was die russische Partikelforschung angeht, dienen die Erkenntnisse des Sprachwissenschaftlers V. V. Vinogradov als Fundament fur neuere Arbeiten und Forschungen. Da nicht nur Partikeln, sondern auch Adverbien, Konnektoren, Interjektionen, sowie Schalt- und Modalworter als Diskursmarker fungieren konnen, ist es durchaus relevant zu bemerken, dass es sich hierbei um eine relativ heterogene Klasse von Wortarten handelt4. Obwohl Diskursmarker aus unterschiedlichen Wortklassen bzw. lexikalischen Kategorien stammen konnen, haben sie dennoch einiges gemeinsam. In dem folgenden Abschnitt sollen die Besonderheiten und Eigenschaften der Diskursmarker gezeigt werden.

2.2 Charakteristika von Diskursmarker

Trotz der unterschiedlichen Klassifikation und Zugehorigkeit, hat die Gruppe der Diskursmarker im Allgemeinen mehrere gemeinsame Eigenschaften. Zu diesen zahlt, dass sie generell keinerlei bzw. eine stark reduzierte lexikalische Bedeutung, das heifit einen eingeschrankten semantischen Gehalt aufweisen5. Ferner verfugen diese Einheiten uber keine grammatischen und syntaktischen Funktionen im Satz6. Aufierdem erscheinen sie eher in der gesprochenen Sprache und nicht oder nur selten in der Schriftsprache7. Des Weiteren stellen Diskursmarker optionale Mittel dar, die von Sprechern benutzt werden, um den Diskurs zu strukturieren. Die Verwendung der Gliederungspartikeln ist jedoch weder grammatisch noch semantisch obligatorisch. Der relativ geringe Zusammenhang der Diskursmarker mit der inhaltlichen Ebene des Diskurses lasst sich problemlos durch die zu jederzeit moglichen Tilgung dieser Elemente nachweisen8. Zwar sind Gliederungspartikeln nicht syntaktisch in den Satz integriert, sondern nur lose mit ihm verbunden und konnen stets isoliert werden, sie besitzen aber die Eigenschaft, parenthetisch eingeschoben und reibungslos miteinander kombiniert werden zu konnen9. Zudem konstatiert Weidenbusch (2014: 15), dass Diskursmarker von Natur aus invariabel sind und pragmatische sowie verfahrens- technische Funktionen haben.

2.3 Funktionen der Diskursmarker

Einige der wichtigsten Funktionen von Diskursmarkern wurde bereits im Abschnitt 2.1 erwahnt. Hierzu gehoren, wie schon angesprochen, die Abstimmung der Sprecherrollen in einem Diskurs, die Gliederung und Verbindung der Redebeitrage und die Uberbruckung der Gesprachspausen, die bei einem Gesprach entstehen konnen. Des weiteren ist zu bemerken, dass Diskursmarker ebenso wie prosodische Mittel - wie Intonation, Akzent oder Rhythmus - Aufierungen nicht nur formal, sondern auch inhaltlich strukturieren sowie zur Markierung von Ubergangen zwischen kommunikativen Einheiten dienen10. Abschliefiend kann gesagt werden, dass Diskursmarker kurze, meist einsilbige Einheiten sind, die die Kontaktaufnahme zwischen den einzelnen Gesprachsteilnehmern ermoglichen.

3. Die Gliederung der Diskursmarker

Diskursmarker konnen abhangig davon, welche Position sie einnehmen und welche Funktion sie bei der Regulierung des Sprecherwechsels ausuben, in unterschiedliche Gruppen, wie Eroffnungssignale, Beendigungssignale oder Verzogerungssignale eingeordnet werden.

3.1 Eroffnungssignale

Gesprachsschritte werden bei Weitem nicht immer mit einem Diskursmarker eingeleitet. Jedoch tendieren in der gesprochenen Sprache viele Gesprachsteilnehmer dazu, ihre Aufierung mit einem Eroffnungssignal zu beginnen, um durch sie sowohl den Kontakt zum Horer aufzunehmen als auch an dessen Aufmerksamkeit zu appellieren. In der russischen Sprache gehort unter anderem die Partikel a zu den Eroffnungs- signalen. Aufgrund der Tatsache, dass die Partikel a in der Regel den Aufierungen einen ungezwungenen Charakter verleiht, machen diese den Eindruck, unverbindlicher zu sein. Aus diesem Grund wird a auch haufig in die Kategorie der Modalpartikel eingegliedert11. Durch sie wird nicht nur die Einleitung einer Frage, sondern auch die Einfuhrung einer Antwort auf vorangehende Fragen ermoglicht, wie es im Beispiel (2) zu sehen ist12. Befindet sich die Partikel a in Dialogen am Anfang eines Satzes - was sehr haufig in Fragesatzen vorkommt - deutet sie meistens auf eine elliptische Auslassung13.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein weiteres Eroffnungssignal im Russischen ist die Partikel Hy, die Rathmayr zufolge sogar eines der zwolf haufigsten Worter der russischen Umgangssprache ist. Ihre Besonderheit liegt darin, dass sie hinsichtlich ihrer Distribution im Grofien und Ganzen neutral ist. Das heisst, dass sie sowohl in unterschiedlicher Position in Aussagesatzen aller Art in Erscheinung treten kann als auch in Interrogativ- und Imperativsatzen Verwendung findet14. Als Eroffnungssignal in initialer Position weist sie daraufhin, dass der Sprecher das Wort ergriffen hat: ,,sie dient somit auch der Kontaktaufnahme und stellt einen Appell an die Aufmerksamkeit des Gesprachspartners dar“ (Blankenhorn 2003: 80). Sowohl Vasilyeva (1972: 94) als auch Blankenhorn (2003: 81) vergleichen die Partikel Hy mit dem englischen Diskursmarker well, der mit dem deutschen Diskursmarker ’nun’ gleichgesetzt werden kann. Die Partikel Hy kann je nach Kontext unterschiedlich konnotiert sein. Im Allgemeinen hat sie eine exhortative Begleitvorstellung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Durch sie kann der Sprecher aber auch seine subjektive Einstellung,

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 vgl. Rathmayr 1985a: 161.

2 vgl. Blankenhorn 2003: 77.

3 vgl. Blankenhorn 2003: 78.

4 vgl. Riehl 2009: 205.

5 vgl. Svedova 1960: 98.

6 vgl. Riehl, 2009: 207.

7 vgl. Rathmayr 1985: 13.

8 vgl. Rathmayr 1985: 162.

9 vgl. Willkop 1988: 59.

10 vgl. Blankenhorn 2003: 78.

11 vgl. Rathmayr 1985: 114.

12 vgl. Blankenhorn 2003: 79.

13 vgl. Vasilyeva 1972: 151.

14 vgl. Rathmayr 1985b: 358.

Details

Seiten
16
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668709959
ISBN (Buch)
9783668709966
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v426472
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,3
Schlagworte
diskursmarker russischen

Autor

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Titel: Diskursmarker im Russischen