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Analyse des Dramas "Bodas de sangre" (Bluthochzeit)

Werk von Federico Garcia Lorca

Hausarbeit 1997 24 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einführung

II. Hauptteil

1. Die Beziehung des Stückes zu den drei Einheiten nach Aristoteles bzw. Platz-Waury

a) Die Einheit der Zeit

b) Die Einheit der Handlung

c) Die Einheit des Ortes

2. Die Verbindungen der beteiligten Familien zueinander

3. Die Charaktere in dem Stück "Bodas de sangre"

a) Die Mutter

b) Der Bräutigam

c) Die Braut

d) Leonardo

e) Der Vater

f) Die Schwiegermutter

g) Die Frau

4. Die Figurenkonstellationen

5. Einige Erläuterungen zu den Figurenkonstellationen

6. Die Sprache

a) Das Einsetzen der sprachlichen Mittel durch den Autor

b) Die dramatische Sprache in "Bodas de sangre"

c) Der Kunstcharakter der Sprache

d) Die Sprache in Bezug auf das innere und äußere Kommunikationssystem

III. Schlußwort

Literaturliste

Anlagen

I. Einführung

Das Drama "Bodas de sangre" von Federico Garcia Lorca ist eine lyrische Tragödie in drei Akten und sieben Bildern bzw. Szenen, welche am fünften März 1933 in Madrid uraufgeführt wurde. Die erste deutschsprachige Aufführung fand am 15.04.1944 in Zürich statt. Das Thema von "Bodas de sangre" soll Lorca einer Zeitungsnotiz über einen Fall von Familienfehde und Blutrache entnommen haben.

Im ersten Akt des Stückes stellt Garcia Lorca in kurzen Dialogen die Personen vor. Bis auf Leonardo tragen sie keine individuellen Namen. Im Personenverzeichnis fällt auf, daß die Frauen zuerst benannt werden, auch wenn sie keine tragenden Rollen spielen, wie z.B. die Magd. Erst dann folgen die männlichen Figuren.

Der zweite Akt beschreibt Hochzeit und anschließende Entführung. Die geladenen Gäste, die Mädchen und auch die Magd preisen in Versen das große Ereignis der Heirat. Niemand scheint zu bemerken, daß die Braut diese Freude nicht teilen kann. Sie flüchtet mit Leonardo, ihrem früheren Verlobten.

Im dritten Akt, welcher im nahegelegenen Wald spielt, kommt es schließlich zu einem tragischen Ausgang. Im vom Monde erhellten Walde spürt der Bräutigam seinen Widersacher auf und beide erliegen einem Zweikampf mit Messern.

In der nachfolgenden kurzen Abhandlung soll zunächst eine Einordnung des Stückes nach Aristoteles bzw. Platz-Waury erfolgen. Der Hauptteil befaßt sich mit den Charakteren und deren Beziehungen untereinander. Da Lorca neben Prosa auch lyrische Elemente einsetzt, soll zum Schluß noch auf die Sprache eingegangen werden.

II. Hauptteil

1. Die Beziehung des Stückes zu den drei Einheiten nach Aristoteles bzw. Platz-Waury

a) Die Einheit der Zeit

"Die Tragödie versucht, sich nach Möglichkeit innerhalb eines einzigen Sonnenumlaufs zu halten oder nur wenig darüber hinauszugehen", führt Aristoteles in seiner Poetik aus. [1]

Lorcas Stück "Bodas de sangre" umfaßt einen Zeitraum von etwa einem Monat, also einem "Mondumlauf" (der Mond spielt eine wichtige Rolle im dritten Akt; er ist übrigens personifiziert und erscheint bei den "personajes" an viertletzter Stelle). [2]

Die Annahme, daß sich die Handlung auf einen Monat beschränkt, läßt sich aus einer Äußerung von Leonardos Frau erschließen. "La boda sera dentro un mes." [3]

Aus oben benanntem kann man folgern, daß Lorca die Empfehlung (nicht Vorschrift!) Aristoteles' in seinem Stück nicht verwirklicht hat. "Bodas de sangre" erfordert eine Ausweitung des Handlungszeitraumes auf vier Wochen.

b) Die Einheit der Handlung

"Die Nachahmung von Handlung muß die Nachahmung einer einzigen und zwar ganzen Handlung sein", er läutert Aristoteles. [4]

"Ganze Handlung bedeutet, daß die Handlung geschlossen ist und über eine bestimmte Größe verfügt. Anfang, Mitte und Ende sind vorhanden. [5]

"Die erforderliche Größe ist derart, daß aufeinanderfolgende Ereignisse in der Tragödie einen Umschlag vom Glück ins Unglück erfahren können." [6]

Lorca verarbeitet in seinem Stück tatsächliche Begebenheiten von Familienfehden und Blutrache. Die Handlung - Werbung, Hochzeit, Entführung und Tod der Rivalen - ist geschlossen und von überschaubarer Größe. [7] Es sind alle wichtigen Ereignisse vorhanden. Das zu erwartende Glück einer Hochzeit bleibt jedoch aus. Statt dessen "regeln" die beteiligten Männer ihren Konflikt blutig. Die Ehre scheint bedeutsamer als das Leben zu sein.

c) Die Einheit des Ortes

"Man verstand darunter einen möglichst konstanten Spielort als Schauplatz des Geschehens und wollte die Einhaltung der dramaturgischen Forderung mit der Autorität von Aristoteles rechtfertigen, obwohl dieser sich explizit nur über die Einheit der Handlung (Poetik, Kap.8) und andeutungsweise über die Einheit der Zeit (Kap. 7) geäußert hatte." [8]

Der von Lorca gewählte Themenkomplex läßt die Einheit des Ortes nicht zu, da es um drei Familien geht, die z.T. sehr weit voneinander entfernt leben. Außerdem erscheint es nur allzu verständlich, daß zumindest die Brautleute nicht im selben Haus wohnen oder aus der Nachbarschaft stammen.

Des weiteren soll der soziale Unterschied zwischen den Beteiligten hervorgehoben werden. Während die Mutter und der Bräutigam aus fruchtbaren Weinbergen stammen, was einen gewissen Reichtum beschert, lebt die Braut mit ihrem Vater in einer in den Berg gehauenen Behausung im kargen Ödland. [9]

Zwischen den beiden Wohnorten liegen vier Stunden Fußmarsch. Auch bedarf es noch einem anderen zu benennenden Wohnort, dem Leonardos und seiner Familie. [10]

Es wäre für den Ablauf der Handlung undenkbar, daß alle in unmittelbarer Nachbarschaft lebten. Sie säßen auf einem Pulverfaß. Desto erstaunlicher ist, daß Entfernung, Heirat (Leonardos) und zeitliche Dist anz nichts an den Gefühlen der Menschen ändern.

SSogar die Vernunft beschwört das tragische Ende herauf, da die Braut durch die Ehelichung dem Schicksal zu entrinnen sucht, welches ihre Mutter erfuhr (Diese sei auf dem kargen Lande zugrunde gegangen). Doch die Sehnsucht ist stärker. Es erfolgt wieder ein Schauplatzwechsel. Die Braut flieht mit Leonardo zu Pferde in den Wald, der schließlich zum Ort des Schreckens wird, an dem die Blutrache zur Ausführung gelangt.

2. Die Verbindungen der beteiligten Familien zueinander

Mit Hilfe des in Anlage 1 befindlichen Schaubildes soll zunächst aufgezeigt werden, welche Blutsverwandtschaft zwischen den Personen des Stückes besteht. "Das Blut" in Bluthochzeit bedeutet nicht nur Sehnsucht, starke Gefühle und Blutvergießen, sondern auch einfach die Herkunft, die Blutszugehörigkeit. Leonardo verkörpert die Sippe der Felix, welche mit der Familie der Mutter in Fehde steht. Die Familien verbindet (bzw. trennt) der Tod, hier in Gestalt einer Bettlerin.

Die Beziehungen zu der Familie des Vaters sind dergestalt, daß er mit der Braut einst verlobt war und nunmehr ihre Cousine geehelicht hat (Aus der Ehe ging ein Kind hervor). Die Verbindung zwischen der Familie der Mutter und des Vaters bildet die anstehende Hochzeit ihrer Kinder.

3. Die Charaktere in dem Stück "Bodas de sangre"

Nachdem die Verwandtschaftsverhältnisse sowie die Beziehungen der Familien zueinander kurz dargestellt worden sind, soll nunmehr auf die Eigenschaften der Personen eingegangen werden. Beschränkt wird sich hier auf die tragenden Darsteller, d.h. die Nachbarin oder die Magd beispielsweise werden ausgespart. Das Wissen um die Charaktere ist unerläßlich für das Verständnis der in Punkt 4 und 5 untersuchten Figurenkonstellationen.

Zunächst sollen die Eigenschaften der Mutter herausgearbeitet werden. Sie ist eine ältere, verbitterte Frau, welche verständlicherweise die Vergangenheit nicht vergessen kann. Sie haßt alle Waffen und sei es noch so ein kleines Messer.

[...]


[1] Aristoteles, S. 17

[2] Lorca, S. 92

[3] Lorca, S. 104

[4] Aristoteles, S. 29

[5] Aristoteles, S. 25

[6] Aristoteles, S. 27

[7] Kindler, S. 308

[8] Platz- Waury, S. 27

[9] Lorca, S. 108

[10] Lorca, S. 100

Details

Seiten
24
Jahr
1997
ISBN (eBook)
9783668710450
Dateigröße
6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v426822
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Romanisches Seminar
Note
1,0
Schlagworte
Bluthochzeit Blutrache Garcia Lorca Drama

Autor

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