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Die Rolle der Frau in der westeuropäischen Konsumgesellschaft des 20. und 21. Jahrhunderts. Die Entwicklung der Frauenzeitschrift "Constanze" zu "Brigitte"

Hausarbeit 2017 26 Seiten

Geschlechterstudien / Gender Studies

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Das Konsum- und Rollenverhalten der Frau des 20. Jahrhunderts und der Frau des Jahrhunderts in Deutschland
2.1 Konsum- und Rollenverhalten der Frau des 20. Jahrhunderts
2.2 Konsum- und Rollenverhalten der Frau des 21. Jahrhunderts
2.3 Analogie und Divergenz des Konsum- und Rollenverhaltens der Frau des Jahrhunderts und der Frau des 21. Jahrhunderts

3. Die Constanze im Kontext der Frauenzeitschriften im 20. Jahrhundert
3.1 Ein Einblick in die Frauenzeitschriften des 20. Jahrhunderts
3.2 Die Zielgruppe und Aufmachung der Constanze
3.3 Der Einfluss der Constanze auf das Leserpublikum
3.4 Fallbeispiel des Einflusses an einem stereotypischen Cover in der Constanze

4. Die Brigitte im Kontext der Frauenzeitschriften im 21. Jahrhundert
4.1 Ein Einblick in die Frauenzeitschriften des 21. Jahrhunderts
4.2 Die Zielgruppe und Aufmachung der Brigitte
4.3 Der Einfluss der Brigitte auf das Leserpublikum
4.4 Fallbeispiel des Einflusses an einer stereotypischen Illustration in der Brigitte

5. Ein Ausblick - Die Entwicklung von der „Constanze“ zur „Brigitte“

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Internetverzeichnis

9. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die Zeitschrift ist ein gedrucktes Heft, welches in verschiedenen Abständen erscheint. Es beinhaltet viele verschiedene Beiträge und Artikel über verschiedene Themengebiete und soll seine Leser/Innen möglichst amüsieren und informieren.1 In dieser vorliegenden Ausarbeitung sollen zwei Frauenzeitschriften näher betrachtet werden. Unter dem Be- trachtungsaspekt soll stehen, wie die Frauenzeitschriften entstanden sind, welches Ziel sie hatten und wen sie ansprechen wollten. Im Fokus sollen demnach die Fragen stehen: „Waren die Frauenzeitschriften einflussreich auf die (Nachkriegs-)Frau? Inwiefern wurde ihr Konsumverhalten dadurch beeinflusst und warum wurde sie beeinflusst?“

Um diese Fragen zu beantworten soll zu Beginn der Arbeit das Konsum- und Rollenver- halten der Frau des 20. Jahrhunderts und das Konsum- und Rollenverhalten der Frau des 21.Jahrhunderts gegenübergestellt werden, um anschließend Analogien und Diver- genzen zu bestimmen. Dieser Schritt ist notwendig, um den Einfluss, den die Zeitschrif- ten auf die Frauen haben, darstellen zu können. Im nächsten Kapitel kann demnach die Constanze im Kontext der Frauenzeitschriften des 20. Jahrhunderts betrachtet werden. Hierbei soll erstmals ein Einblick über die Frauenzeitschriften des 20. Jahrhunderts ge- geben werden, anschließend soll die Zielgruppe und die Aufmachung der Constanze festgestellt werden. Im nächsten Schritt soll der Einfluss der Constanze auf ihr Leser- publikum beleuchtet werden, um im letzten Teil an einem Fallbeispiel den Einfluss an einem stereotypischen Cover festzumachen. In Kapitel vier sollen diese ganzen Aspekte nochmals bezogen auf die Brigitte analysiert und dargestellt werden, sodass Analogien und Divergenzen hergestellt werden können und die zwei verschiedenen Jahrhunderte miteinander in Beziehung gebracht werden können. Das vorletzte Kapitel soll einen Aus- blick darstellen, indem die Entwicklung von der Constanze zur Brigitte betrachtet werden soll. Abschließend wird die Arbeit mit einem Fazit gefestigt und abgerundet. Eine letztliche Vervollständigung erfolgt durch das Literatur- und Quellenverzeichnis und dem Internet-verzeichnis .

Zudem ist zu erwähnen, dass es bereits einige Forschungen zu Frauenzeitschriften und Frauenbildern gibt, was anhand meiner Literaturauswahl sichtbar ist. Jedoch ist der Ver- gleich dieser beiden Frauenzeitschriften ein unerforschtes Feld und kann somit als Aus- arbeitung eines neuen Themenfeldes in Bezug auf Frauenzeitschriften verstanden wer- den.

2. Das Konsum- und Rollenverhalten der Frau des 20. Jahrhunderts

und der Frau des 21. Jahrhunderts in Deutschland

In dem vorliegenden Kapitel soll das Konsum und Rollenverhalten der Frau des 20. Jahrhunderts betrachtet werden. Anschließend soll ein Einblick in das Konsum- und Rollenverhalten der Frau des 21. Jahrhunderts gegeben werden, sodass Analogien und Divergenzen zwischen den beiden Frauenbildern festgemacht werden können.

2.1 Konsum- und Rollenverhalten der Frau des 20. Jahrhunderts

Die Rolle der Frau ist bereits seit vielen Jahren ein stets aktuelles Thema. Zu Beginn dieses Kapitels werden wir uns aus diesem Grund mit der Rolle der Frau im 20. Jahrhundert auseinandersetzen.

In der Nachkriegszeit verankerten sich bereits einige Gesetze, welche der Frau mehrere Rechte zuschrieben. Die Frau hatte das gleiche Recht auf Arbeit und auf gleichen Lohn. Ihnen galt der besondere Schutz im Arbeitsprozess, der staatliche Schutz der Mutter- schaft. Zudem setzte die Verfassung, die gemeinsame Verantwortung von Frau und Mann bei der Erziehung der Kinder, voraus.2 Das Rollenbild der Frau war daher auch eng mit ökonomischen Fragestellungen verbunden und deshalb spielte das Thema „Er- werbsarbeit“ eine zentrale Rolle. Außerdem wurden in dieser Zeit die Arbeitskraft von Frauen, zur Erfüllung der ambitionierten Wirtschaftspläne des Staates, benötigt.3 Trotz der vorgeschriebenen Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, galt in der privaten Organisation der Partnerschaft noch immer das alte konventionelle Rollenmuster.4 Die

Ehe mit dem traditionellen Rollenverständnis, wonach allein die Frau für die Hausarbeit zuständig ist, wobei sie, im Gegensatz zur NS-Ideologie, dem Mann nicht untergeordnet war, blieb dennoch bestehen.5 Jedoch sah das Rollenbild der Frau neben diesen Tätigkeiten eben auch die Berufstätigkeit vor, welches eine doppelte Arbeitsbelastung für die Frauen darstellte, die der Staat zum Teil durch Hausarbeitstage und staatlich organisierte Kinderbetreuung versuchte zu mildern.6 Trotz der festgeschriebenen Gleichberechtigung wurden den Frauen trotz dessen nur untere oder mittlere Leitungsebenen zugeschrieben.7 Und auch die katholische Kirche wollte die Frau zurück an ihre Wohnung binden. Sie forderte die Frauen auf wieder an ihre Plätze als Mutter und Hausfrau zu kehren.8 Trotzdem erhöhte sich zwischen den Jahren 1950 und 1961 die Zahl erwerbstätiger Frauen in der Bundesrepublik um 19 Prozent.9

Somit kann gesagt werden, dass die Frau sich bezogen auf ihre Lebenswelt und ihre Rolle im Vergleich zu Kriegszeiten geändert hat. Sie wird in die Arbeitswelt integriert, soll jedoch auch für die häuslichen Tätigkeiten aufkommen und sich stets um diese kümmern. Doch wie sah es mit dem Konsumverhalten der Frau im 20. Jahrhundert aus? Auch dieser Frage soll nachgegangen werden.

Zunächst kann und sollte gesagt werden, dass in der Nachkriegszeit eine enorme Aus- breitung des Konsums stattfand.10 Der Grund dafür zeigt sich darin, dass die Löhne ra- pide anstiegen und auch darin, dass die Frauen nun auch Erwerbstätig werden konnten und geworden sind.11 Es fand eine Kommerzialisierung des „modernen“ Lebens statt. In dieser war nicht nur die industrielle Kultur inbegriffen, sondern auch die materielle Kultur. Das Konsumverhalten drückte den Wunsch der Frauen nach Individualität aus. Doch hierbei waren nicht nur Konsumobjekte inbegriffen, sondern auch Bereiche des Alltags standen für Wohlstand, wie zum Beispiel Schönheit und Mode. Durch den wirtschaftli- chen Aufschwung und dem steigenden Konsumverhalten der Frau stieg auch die Wer- bung für den Konsum, welche die Konsumentinnen selber waren. Die Vorzüge des Kon- sums wurden durch Bilder der Verheißung und Bilder des Luxus und Sozialprestige dar- gestellt. Es ist klar, dass das Konsumverhalten der Frau nicht nur an der Beziehung zu ihren Dingen gemessen werden kann. Denn der Konsum an Schönheit und Kleidung stieg, doch das war nicht allein der ausschlaggebende Grund dafür. Auch die Rolle der Frau änderte sich mit dem Konsumverhalten und gewann eine neue Bedeutung. Es ent- stand ein neue Mann-Frau Konstellation, welche die Frau in ein neues Licht gerückt hat. Denn die Frau ist nicht mehr die Ehefrau und Hausfrau, sondern sie wird als Gleichge- sinnte mit einer neuen Zuweisung weiblicher Sexualität und Attraktivität angesehen.12

Somit kann festgehalten werden, dass das Konsumverhalten der Frau durch ihre Kauf- kraft gestiegen ist und ihr Konsumverhalten zur Veränderung ihrer Rolle beigetragen hat.

2.2 Konsum- und Rollenverhalten der Frau des 21. Jahrhunderts

Nun soll das Konsum- und Rollenverhalten der Frau des 21. Jahrhunderts betrachtet werden, um im nächsten Teil die Analogien und Divergenzen zwischen der Frau des 20. Jahrhunderts und der Frau des 21. Jahrhunderts festzulegen.

Die Frau des 21. Jahrhunderts kann als Frau gesehen werden, welche imstande ist sich selber zu ernähren. Sie muss nicht mehr durch eine Ehe versorgt werden, sondern sie kann durch ihre Erwerbstätigkeit für ihr eigenes Leben aufkommen.13 Die Frau des 21. Jahrhundert hat demnach ihre Rolle als erwerbstätige Frau, welche zugleich ihren häus- lichen Pflichten nachkommt, durchgesetzt.14 Sie arbeitet nicht nur, weil sie in der Lage ist zu arbeiten, sondern sie arbeitet, weil der demographische Wandel dies erfordert. Demnach werden der Frau des 21. Jahrhunderts mehrere Pflichten zugeschrieben, wel- che eine grundlegende Veränderung der Einstellung zur Familie, der Kindererziehung und der Rolle der Frau bedingt.15 Doch welche Stellung hat die berufstätige Frau in der Ehe? Die Ehe wird nicht mehr als Zwecksehe gesehen, welche die Frau hauptsächlich ernähren und ihren Kinderwunsch erfüllen soll. Die Ehe wird als persönliche Beziehung gesehen und macht sich komplett frei von kulturellen Erwartungen. Die Frau heiratet nicht um ihren Lebensunterhalt zu sichern, sondern um ihre Emotionen auszuleben und einen Rückhalt zu haben. Dies führt zufolge, dass die Ehe die Gemeinschaft zwischen Mann und Frau darstellt, in der beide als gleichberechtigte Glieder teilhaben.16 Trotz dessen, dass sich die Frau in Beruf und Ehe ein neues Bild geschaffen hat und sich zur unabhängigen Frau gemacht hat, bestehen in den Köpfen vieler Menschen alte Muster, welche sie in frühem Alter erlernt haben. Denn es sei unumstritten, dass Geschlechter über feste Bilder voneinander verfügen. Zu diesen Bildern gehört auch die Frau als Mut- ter. Demnach ist es verständlich, dass die Frauen ihre Erwerbstätigkeit für ihre Kinder eher aufgeben als die Männer, welche nach der Geburt ihrer Kinder weiterhin arbeiten.17

Festgehalten werden kann, dass die Frau sich im 21. Jahrhundert als unabhängige Frau, welche in der Lage ist Familie und Arbeit zu vereinbaren, etabliert hat. Doch trotz dessen ist es schwer ein Abbild zu entwickeln, da es viele verschiedene Ansichten gibt. Doch wie sieht das Konsumverhalten der unabhängigen Frau aus?

Der Konsum ist keine Neuerscheinung mehr im 21. Jahrhundert, sondern schon ein all- täglicher Begleiter der Menschen. Es findet regelrecht eine Dynamik am Konsumverhal- ten der Frauen statt, welche einer Vielzahl von Trends und Moden nachgehen. Verschie- dene Lebensstile und Lebensziele sind kein Zufall, sie haben sich in den 60er Jahren durchgesetzt und auch das Konsumverhalten der Frau beeinflusst. Die Frau konsumiert nicht nur, weil sie die finanziellen Mittel dafür hat, sondern auch um eine eigene Indivi- dualität zu schaffen.18 Eines der wichtigsten Konsumbedürfnisse ist eng verknüpft mit dem Bedürfnis nach Anerkennung. Schönheit und Mode ist stets ein aktuelles Thema, denn Schönheit ist der wichtigste Imagefaktor für jede Frau.19 Die Frau führt durch ihre neue Rolle in der Gesellschaft nahezu ein Doppelleben, indem sie Beruf und Familie gemeinsam meistert. Daraus resultiert, dass es sehr viele unterschiedliche Frauentypen gibt und nicht mehr nach einem bestimmten Stereotypen beurteilt werden kann. Durch diese unterschiedlichen Frauentypen resultiert auch ein sehr differenziertes Konsumver- halten, welches sehr schwer zu erfassen ist, da dies ein Zeitalter des Massenkonsums ist, indem jeder Mensch konsumiert.20

2.3 Analogie und Divergenz des Konsum- und Rollenverhaltens der Frau des

20. Jahrhunderts und der Frau des 21. Jahrhunderts

In diesem Abschnitt der Arbeit, sollen die Analogien und Divergenzen bezogen auf das Konsum- und Rollenverhalten der Frau des 20. Jahrhunderts und der Frau des 21. Jahrhunderts kurz dargestellt werden.

Es ist deutlich, dass in beiden Fällen der Frau einige Rechte zugesprochen werden. Die Frau darf Erwerbstätig sein und ihr wird ein Recht auf den gleichen Lohn wie Männer zugesprochen. Sowohl im 20. Jahrhundert als auch im 21. Jahrhundert wird die Frau nicht mehr allein auf ihre häuslichen Tätigkeiten beschränkt, sondern sie wird als aktiver Teil der Gesellschaft anerkannt, welche einen Anspruch darauf hat Geld zu verdienen. Trotz der Gleichberechtigung die der Frau des 20. Jahrhunderts zugesprochen wird, ste- hen ihre häuslichen Pflichten und ihre traditionelle Rolle als Mutter und Hausfrau stets im Vordergrund. Ganz anders sieht es bei der Frau des 21. Jahrhunderts aus, denn sie vereinbart zum größten Teil den Haushalt und ihre Arbeit. Ihre Rolle ändert sich somit, da sie die vollständige Rolle als arbeitende und erziehende Frau einnimmt. Hier wird der Gegensatz zum 20. Jahrhundert deutlich, denn die Frau des 20. Jahrhundert hat sich zu der Zeit noch nicht ganz als arbeitende Frau etabliert. Trotz dessen steht fest, dass sich die Frau des 20. Jahrhunderts und die Frau des 21.Jahrhunderts um beide Tätigkeiten kümmern muss und somit eine Entwicklung in ihrer Stellung der Gesellschaft erreicht hat. Somit kann bezogen auf die Rolle der Frau festgehalten werden, dass sie nach dem Krieg einen Wandel vollzogen hat. Sie hat sich in die Arbeitswelt integriert und hat ihre Stellung im 21. Jahrhundert als arbeitende und erziehende Frau gefestigt.

Zum Konsumverhalten der Frau der beiden Jahrhunderte kann gesagt werden, dass die Frau des 20. Jahrhundert in der Nachkriegszeit sich neu mit dem Konsum vertraut ge- macht hat. Es gab einen Wirtschaftsaufschwung, welcher es erlaubte, dass die Men- schen mehr konsumieren konnten. Das Gegenteil ist bei der Frau im 21. Jahrhundert, denn sie ist mit dem Konsum bereits vertraut und das Konsumieren gehört zum Alltag dazu. Die Gemeinsamkeiten bestehen aber darin, dass eines der Hauptbedürfnisse die Schönheit und Mode ist. Die Frau versucht ihre Individualität und ihre eigene Persönlich- keit, durch das was sie konsumiert, zu zeigen. Es ist jedoch festzuhalten, dass das Kon- sumverhalten der Frau des 21. Jahrhunderts nicht genau zu definieren ist, denn es gibt verschiedene Frauentypen, sodass es schwer ist ein genaues Konsumverhalten zu de- finieren.

Letztendlich ist die Frau des 20. Jahrhunderts mehr an ihre traditionellen Pflichten gebunden, während die Frau des 21. Jahrhunderts beide Pflichten als gleichwertig sieht und beide als ausgewogenen Einheit wahrnimmt. Somit kann abschließend gesagt werden, dass es sowohl Analogien als auch Divergenzen zwischen den beiden Frauenbildern gibt, welche sich in ihrer Zeit etabliert haben.

3. Die Constanze im Kontext der Frauenzeitschriften im 20. Jahrhundert

3.1 Ein Einblick in die Frauenzeitschriften des 20. Jahrhunderts

Bereits im 20. Jahrhundert gab es einige Frauenzeitschriften, welche im Umlauf waren. Im Fokus dieser Betrachtung sollen die Frauenzeitschriften aus der Nachkriegszeit ste- hen. Eines dieser Frauenzeitschriften ist die Constanze, welche den Mittelpunkt dieser Hausarbeit darstellt. Die Constanze erschien erstmals im Jahr 1948 in Hamburg und wurde sehr schnell zu einer der erfolgreichsten Frauenzeitschriften seiner Zeit. Die west- deutsche Frauenzeitschrift Constanze wurde ab März 1948 in Hamburg von John Jahr und Axel Caesar Springer herausgegeben21 und erschien alle zwei Wochen. Außerdem etablierte sie sich in kurzer Zeit zu einer unterhaltenden Frauenzeitschrift.22 Doch bereits vor der Ersterscheinung der Constanze gab es schon einige Zeitschriften, welche kurz aufgegriffen werden sollen. Die Frauenzeitschrift „NS-Frauen Warte“ erschien bereits im Jahr 1932 und hatte im Jahr 1939 eine Auflage von 1,5 Millionen. Eine weitere Frauen- zeitschrift ist die „Frau von Heute“, welche im Jahr 1946 erschienen ist. Sie weist eine Auflage von 300.000 Heften auf. Anschließend erreichte die Constanze im Jahr 1953 mit 500.000 Auflagen ein sehr breites Publikum und gilt als auflagenreichste westeuropäi- sche Frauenzeitschrift.23

Doch welche Inhalte haben diese Frauenzeitschriften vermittelt und warum wurde die Constanze zur auflagenreichsten Frauenzeitschrift ihrer Zeit? Dieser Frage soll in den nächsten Zeilen beantwortet werden.

Der Erfolg der „NS-Frauen Warte“ liegt daran, dass sie zu der Zeit des zweiten Weltkrie- ges als parteiamtliche Frauenzeitschrift angesehen wird und somit auch nach der Macht- übernahme der NSDAP stark verbreitet wird. Der Grund für diese starke Ausbreitung liegt zudem daran, dass die Partei während ihrer Veranstaltungen auch für diese Frau- enzeitschrift warb.24 Einige Inhalte dieser Frauenzeitschrift waren kurze Nachrichten aus dem In- und Ausland, jeweils ein Schwerpunktthema, Fortsetzungsromane, Gedichte, Berichte über die Aktivitäten der NSDAP sowie Haushaltstipps. Meyer zum Felde sieht jedoch in der Aufmachung der Zeitschrift den Versuch einer einseitigen politischen Ma- nipulation mit rhetorischen Mitteln. 25 „Ziel [...] der ‚Frauen-Warte’ [...], die Leserinnen durch Informationen, die nach nationalsozialistischen Gesichtspunkten selektiert wur- den, politisch zu schulen und sie durch praktische Hinweise zu bestimmten Verhaltens- weisen zu veranlassen.“26 Das letzte Heft der NS-Frauen Warte erschien im Jahr 1945.27

Bereits kurze Zeit später erscheint die Frauenzeitschrift „Die Frau von Heute“. Sie ist eine der ersten Zeitschriften, welche nach dem Kriegsende erschienen ist.28 Ihre Ziele sind mit diesem Zitat festzuhalten:

„Die Frau von heute“ ist die Freundin und Beraterin der deutschen Frau und zugleich ihr Spiegel. Sie wird der breitesten Öffentlichkeit zeigen, wer das ist: die heutige Ehe- frau, Mutter, Tochter, die heutige Bauarbeiterin und Neubäuerin, Ärztin und Bürger- meisterin - die starke, fortschrittliche Mutter eines besseren deutschen Ge- schlechts.29

[...]


1 http://www.duden.de/rechtschreibung/Zeitschrift Zugriff am 17.08.2017 um 12.21 Uhr. 1

2 Vgl. Dölling, Irene. Gespaltenes Bewußtsein - Frauen- und Männerbilder in der DDR, in: Gisela Helwig (Hrsg.): Frauen in Deutschland 1945-1992 (Studien zur Geschichte und Politik 318). Bonn 1993, S.27.

3 Vgl. Scheel, Daniela. Zwischen Wertung und Wirkung, DDR-Zeitschriftenprofile 1950- 1980 am Beispiel von Geschlechtsrollenproblematik und Frauenleitbild (Bibliothek Wissenschaft und Politik 38). Köln 1985, S. 117.

4 Vgl. Bühler, Grit. Mythos Gleichberechtigung in der DDR. Politische Partizipation von Frauen am Bei- spiel des Demokratischen Frauenbunds Deutschlands (Campus Forschung 752). Frankfurt a.M., New York 1997, S. 28f.

5 Vgl. Ebenda, S. 38.

6 Vgl. Dölling, Irene. Gespaltenes Bewußtsein - Frauen- und Männerbilder in der DDR, in: Gisela Helwig (Hrsg.): Frauen in Deutschland 1945-1992 (Studien zur Geschichte und Politik 318). Bonn 1993, S.26.

7 Vgl. Bühler, Grit. Mythos Gleichberechtigung in der DDR. Politische Partizipation von Frauen am Bei- spiel des Demokratischen Frauenbunds Deutschlands (Campus Forschung 752). Frankfurt a.M., New York 1997, S.37.

8 Vgl. Ruhl, Klaus-Jörg. Verordnete Unterordnung. Berufstätige Frauen zwischen Wirtschaftswachstum und konservativer Ideologie in der Nachkriegszeit (1945-1963). München 1994, S. 33f.

9 Vgl. Ebenda, S.133.

10 Vgl. Schildt, Axel. Die Sozialgeschichte der Bundesrepublik Deutschland bis 1989/90 (Enzyklopädie deutscher Geschichte 80). München 2007, S. 96.

11 Vgl. König, Wolfgang. Geschichte der Konsumgesellschaft. Stuttgart 2000, S.126. 3

12 Vgl. Stojanovic, Tanja. Weibliche Schönheit und Kleidung am Problemfeld der 60er Jahre. Norderstedt 2005, S.2f.

13 Vgl. Ebel, Heinrich, Eikelpasch, Rolf, Kühne, Eckehard. Familie in der Gesellschaft. Gestalt - Standort - Funktion. Leverkusen 1983, S.302f.

14 Vgl. Pappmehl, André, Tümmers, Hans J.: Agenda 2020: Ein neuer Sozialpunkt für Deutschland. In:

Pappmehl, André, Tümmers, Hans J.: Die Arbeitswelt im 21. Jarhhundert, Herausforderungen, Perspektiven, Lösungsansätze. Wiesbaden 2013, S. 6f.

15 Vgl. Ebenda, S.6.

16 Vgl. Ebel, Heinrich, Eikelpasch, Rolf, Kühne, Eckehard. Familie in der Gesellschaft. Gestalt - Standort - Funktion. Leverkusen 1983, S.303f.

17 Vgl. Bock, Ursula. Die Frau hinter dem Spiegel. Weiblichkeitsbilder im deutschsprachigen Drama der Moderne. Frankfurt 2009, S.60f.

18 Vgl. Mertens, Britta, Sazepin, Jana, Rennhak, Carsten. Stirbt die Mitte? Konsumentenverhalten im 21. Jahrhundert - Herausforderungen und Strategien für Marketing und Management. Stuttgart 2012, S. 49f.

19 Schoenen, Judith. Das Image der Frau. Wege zu einem neuen Selbstbild. Warschau 2008, S.20f.

20 Penz, Otto. Schönheit als Praxis. Über klassen- und geschlechtsspezifische Körperlichkeit. Frankfurt 2010, S.13f.

21 Vgl. Lott, Sylvia. Die Frauenzeitschriften. Berlin 1985, S. 406.

22 Vgl. ebenda, S. 327

23 Vgl. Schwarz, Ingelene. Wesenszüge der modernen deutschen Frauenzeitschrift. Berlin 1956, S. 22.

24 Vgl. Meyer zum Felde, Annette. Die „N.S. Frauen-Warte“ - Eine Zeitschrift im Spannungsfeld von Ideologie und Politik des Nationalsozialismus. München 1983, S. 40.

25 Vgl. ebenda, S. 69.

26 Ebenda, S. 63.

27 Vgl. Lott, Sylvia. Die Frauenzeitschriften von Hans Huffzky und John Jahr (Beiträge zur Medientheorie und Kommunikationsforschung 24). Berlin 1985, S. 316.

28 Vgl. Budde, Gunilla-Friederike. Zwischen den Stühlen. Die Frau von heute und Für Dich in den fünfziger und sechziger Jahren, in: Simone Barck, Martina Langermann, Siegfried Lokatis (Hrsg.): Zwischen „Mosaik“ und Einheit“. Zeitschriften in der DDR. Berlin 1999, S. 129.

29 Der Berliner Frauenausschuß grüßt: Die Frau von heute, in: Die Frau von heute, Nr. 1, 1946, S. 1. 8

Details

Seiten
26
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668715318
ISBN (Buch)
9783668715325
Dateigröße
662 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v427084
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
2,0
Schlagworte
Frauen Zeitschriften Hausarbeit Forschungsstand Brigitte COnstanze

Autor

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Titel: Die Rolle der Frau in der westeuropäischen Konsumgesellschaft des 20. und 21. Jahrhunderts. Die Entwicklung der Frauenzeitschrift "Constanze" zu "Brigitte"