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Ursachen und Erscheinungsformen von Burnout. Prävention in Unternehmen

Hausarbeit 2015 27 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Definition von Burnout

3. Ursachen der Erkrankung
3.1 Allgemeine Ursachen
3.1.1 Die Burn-down-Spirale nach Nielting
3.1.2 Umgang mit Emotionen
3.1.3 Kompensation
3.1.4 Narzissmus
3.2 Burnoutrate Deutschland
3.3 Spezifische Gründe

4. Krankheitsverlauf
4.1 Vier-Phasen-Modell nach Prieß

5. Selbstmanagementkonzept
5.1 Merkmale zur Herleitung
5.2 Klima
5.3 Ziele
5.4 Ausgleich
5.4.1 Käfermodell nach Prieß
5.5 Dialog
5.6 Erläuterung

6. Fazit

7. Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Krankheitstage durch das Burnout

Abstract

Die moderne Arbeitswelt ist von der Burnout-Thematik betroffener als je zuvor. Die Rate an Erkrankungen ist in den letzten Jahren um ein Vielfaches gestie- gen und Aussichten auf einen signifikanten Abfall sind schlecht. Um dagegen vorzugehen sind Sensibilisierung und Aufklärung notwendige Mittel. Einen umfassenden Überblick über das Phänomen Burnout zu schaffen, sowie Ur- sachen zu klären und Möglichkeiten zur Prävention aufzuzeigen, ist Thema dieser Arbeit. Dies erfolgt durch ein Selbstmanagementkonzept für junge Füh- rungskräfte, mit dessen Leitlinien ein Ausbrennen der eigenen Person, sowie anderer Angestellter verhindert werden kann.

1. Einleitung

Frank Schätzing, Bestsellerautor des mehrfach ausgezeichneten Romans „Der Schwarm“, hat es. Sven Hannawald, einst erfolgreichster Skispringer Deutschlands und der Welt, hat es. Tim Mälzer, einer der bekanntesten deu- tschen TV-Köche, hat es. Mariah Carey, mit über 200 Millionen verkauften Tonträgern, eine der erfolgreichsten US-amerikanischen Sängerinnen, hat es. Alle haben sich zu einer Krankheit bekannt, die laut ICD-10, dem wichtigsten, weltweit anerkannten Diagnoseklassifikationssystem der Medizin, eigentlich gar keine ist: dem Burnout1. Diese vier prominenten Fälle sind neben zahlrei- chen anderen ein Grund dafür, dass das Thema Burnout aus den Medien nichtmehr wegzudenken ist. Es scheint, als wären unzählige Bücher über „Burnout - Ein Phänomen unserer Zeit“2 geschrieben worden. Es scheint, als hätte jede Zeitung, jedes Magazin, jeder Fernseh- und Radiosender, unzähli- ge Male über diese neuartige Erkrankung berichtet.

Als neuartig kann jedoch höchstens der Begriff „Burnout“ zu betiteln sein, nicht jedoch der Symptomkomplex, welcher sich hinter diesem Titel verbirgt. Im alten Testament der Bibel ist eine Geschichte zu finden, welche vom Prophe- ten Elias handelt. In Namen Gottes vollbringt er Wunder und Siege, worauf er in Angesicht einer drohenden Niederlage tiefste Verzweiflung erfährt, sich den Tod herbeiwünscht und in einen tiefen Schlaf verfällt (vgl. 1. Könige 17-22, zitiert nach Burisch 2014, S.3). Dieses Phänomen war nach Schall früheren Pastorengenerationen als „Elias-Müdigkeit“ bekannt (vgl. Schall 1993, zitiert nach Burisch 2014, S.3). Neben weiteren historischen Überlieferungen ist dies ein exemplarisches Indiz für eine Existenz des Burnouts, lange vor dessen heutiger Betitelung.

Als Ursprung des Begriffes „Burnout“ lässt sich nach Burisch das Jahr 1974 benennen, in welchem Psychoanalytiker Herbert J. Freudenberger und der Verwaltungswissenschaftler Sigmund G. Ginsburg jeweils in Fachzeitschriften den Begriff Burnout popularisierten. Nachdem sich diese Beschreibungen des Phänomens anfänglich auf einzelne Berufsfelder beschränkten, wurden dies- bezügliche Arbeiten in den folgenden Jahrzehnten stark ausgeweitet. Ab 1980 erschienen auch in Deutschland Übersetzungen von Büchern wie Freunden- berger & Richelsons „Ausgebrannt“ oder „Psychologie heute“ von Aronson, Pines & Kafry, welche schon damals hohe Aufmerksamkeit generierten. Seit diesen Jahren nahm die Anzahl an Publikationen zu diesem Thema weltweit stetig zu und mit ihnen auch die Aufmerksamkeit der Bevölkerung bezüglich des Burnouts (vgl. Burisch 2014, S.3ff.).

Neben Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und der Forschung nimmt jedoch auch die Rate an Erkrankungen besonders in den letzten 10 Jahren rapide zu. In Deutschland beispielsweise stieg der Wert von 2004 bis 2012 auf das 18- fache an. Allein dies macht deutlich, wie wichtig es ist, sich mit dem Wesen von Burnout, seinen Ursachen, sowie seiner Prävention zu beschäftigen. Die moderne Arbeitswelt steht vor einer Herausforderung, die in diesem Maße bisher nicht bestand.

Immer mehr Menschen scheinen am Leben zu leiden, nicht zuletzt am moder- nen Arbeitsleben. Der Arbeitsalltag heute ist ein anderer als noch vor 30 Jah- ren: Verdichtete Arbeit, flexible Arbeitszeiten, Zusammenarbeit über verschie- dene Zeitzonen, permanenter Wandel, immer komplexere Aufgaben. Hinzu Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens, WS 14, Burnout - Ein Verlust des Selbst kommen weniger stabile Familienbände, brüchigere soziale Netzwerke, was den Einzelnen oft vor große Probleme stellt, sobald im Privaten einmal nicht alles läuft wie geplant (Lehky 2011, S.167).

Die Verwendung moderner Medien in den Büros dieser Welt verdrängte die alten Mittel zur Kommunikation. Post und Festnetztelefon waren die vorherr- schenden Kommunikationswege und trugen den Heutigen gegenüber ein sig- nifikantes Merkmal mit sich - sie waren an den Arbeitsplatz gebunden. Sie waren also meist nur zu den Zeiten nutzbar, an denen man sich in der regulä- ren Arbeitszeit am Arbeitsplatz aufhielt und man gewann demzufolge den Rest des Tages Abstand zu ihnen. Möglicher Stress, der durch die Anforderungen im Job bezüglich der Verrichtung von Arbeit ausgelöst wurde, viel von Arbeit- nehmern ab, sobald sie ihren Arbeitsplatz verließen. Das hat sich jedoch im Vergleich zu heutigen Unternehmen stark verändert. Gegenwärtig ist die stän- dige Erreichbarkeit zu jeder Tages- und Nachtzeit eine Grundvoraussetzung vieler Arbeitnehmer. Durch das Internet und die neuen sozialen Netzwerke erfährt der Mensch eine zunehmende Fixierung an sein Smartphone oder Laptop. Nicht selten entstehen Abhängigkeitsverhältnisse, welche durch die Möglichkeiten, mit anderen in Kontakt zu treten oder rund um die Uhr zu Ar- beiten und somit etwas bewegen zu können, ausgelöst werden. Als logische Konsequenz ergibt sich, dass immer mehr Menschen kaum oder garnichtmehr dazu fähig sind, dem Alltag gegenüber Abstand zu gewinnen. Sich auf sich selbst zu konzentrieren, sich zuzuhören und auf die eigenen Kosten zu kom- men, wird immer schwerer. Auch wenn sich die reellen Arbeitszeiten nicht direkt von denen von vor 40 Jahren unterscheiden, so steigt jedoch der Stress, den die moderne Arbeitswelt verursacht und dieser macht sich be- merkbar (vgl. Lehky 2011, S.172).

Burnout ist heutzutage von außerordentlicher Bedeutung für die Gesellschaft. Der Wandel in der Arbeitskultur, sowie in dem zwischenmenschlichen Mitein- anander stellt uns vor neue Herausforderungen und beschert der Welt eine Vielzahl psychischer Erkrankungen, unter anderem das Burnout. Auf Grund dieser Prägnanz und der nie da gewesenen Aktualität ist es wichtig, sich mit dem Burnout auseinanderzusetzen, es zu verstehen, dessen Ursachen zu begreifen und mit diesem Wissen sich selbst davor zu bewahren und bestenfalls Hilfestellungen etc. an andere weiterzugeben. Dies ist nicht nur Kernidee dieser Arbeit, sondern auch deren systematischer Aufbau. Es werden drei maßgebliche Teile in dieser Arbeit vorgestellt, um ein bestmögliches Ver- ständnis der Thematik aufzubauen.

Der erste Teil dieser Arbeit beschäftigt sich mit der Frage: „Was ist Burnout eigentlich?“ Das Burnout zeichnet sich durch das Fehlen einer allgemein gülti- gen und anerkannten Definition, sowie einer schier unendlichen Zahl an Defi- nitions- und Eingrenzungsversuchen aus. Um trotz dessen eine Antwort auf die Frage zu bekommen, werden zu Beginn verschiedene Autoren, bzw. des- sen Auffassung der Burnoutsymptomatik vorgestellt. Der verbreiteten Mei- nung, Burnout heiße lediglich ein Zusammenwirken von zu viel Arbeit, Er- schöpfung und Stress, wird eine Vielzahl an möglichen Aspekten entgegenge- setzt, die ein Burnout zusätzlich aufweisen kann. Nachdem ein Grundver- ständnis des Burnouts gegenüber aufgebaut ist, beschäftigt sich der zweite Teil mit den Ursachen einer Burnouterkrankung, sowie der momentanen Situ- ation in Deutschland.

Zum systematischen Aufbau eines Verständnisses von Burnout wird zu Be- ginn des zweiten Teils auf die allgemeinen Ursachen eingegangen. Wichtige Rolle spielen an dieser Stelle die inneren Realitäten, sowie Beziehungsfähig- keit. Der Schwerpunkt dieser Arbeit, der Dialog zu sich selbst und der eigenen Umwelt, wird hier ebenfalls aufgegriffen und als Basis für den weiteren Verlauf erläutert. Nachdem allgemeine Ursachen geklärt sind, wird ein Blick auf den Verlauf der Burnoutrate in Deutschland geworfen. Gründe für dessen drasti- schen Verlauf aufzuzeigen als logische Konsequenz wird den zweiten Teil zum Abschluss bringen.

Um Übersicht und eine erkennbare Struktur in diese Arbeit zu bringen, werden die Hauptmerkmale der ersten zwei Teile nach jedem Abschnitt angemerkt und zu Gunsten des letzten Teils gesammelt. Bevor im letzten Teil ein Selbstmanagementkonzept vorgestellt wird, wird als „Zwischenpunkt“ ein schematischer Ablauf des Burnouts vorgestellt. Dieser ist wichtig zu verste- hen, um abschließend ein umfangreicheres Verständnis für Burnout zu entwi- ckeln, welches im dritten Teil von Nöten ist. Dieser dritte große Teil beschäftigt sich mit der Vorgehensweise, wie man ein Burnout verhindert. Im Zuge des- sen wird ein Selbstmanagementkonzept vorgestellt, das jungen Führungskräf- ten als Leitwerkzeug dienen soll, um das eigene Ausbrennen und das der Mit- arbeiter zu verhindern. Da an dieser Stelle die gewonnenen Kenntnisse über das Burnout und dessen Ursachen zusammenfließen, werden zu Beginn die herausgearbeiteten Hauptmerkmale vorgestellt. Dies bietet einen kurzen wie- derholenden Überblick über die Erkrankung. Aus den bisher gesammelten Informationen in dieser Arbeit werden nun vier zentrale Punkte ausgearbeitet. Zu erwähnen ist, dass die Punkte nicht aus den gesammelten Merkmalen re- sultieren, diese sich jedoch in ihnen wiederspiegeln. Klima, Ziele, Ausgleich und Dialog als die vier zentralen Punkte werden ausführlich und praxisnah beschrieben, worauf eine Erläuterung zum besseren Verständnis folgt. Abschließend werden die gewonnenen Erkenntnisse dieser Arbeit in einem Fazit zusammengefasst und aufgeworfene Fragen werden geklärt, worauf ein kurzer Ausblick auf die Zukunft folgt.

2. Zur Definition von Burnout

Zu Beginn dieser Arbeit ist es von Nöten das Kernthema, das Burnout, erfas- sen zu können und ein gewisses Verständnis dafür zu Entwickeln, was genau damit gemeint ist, wenn Menschen an einem Burnout leiden und ihre Kräfte ausbrennen. Um dies bestmöglich zu gewährleisten, werden in diesem Ab- schnitt verschiedenste Definitionsversuche aus der Literatur aufgeführt, die dem Leser dieser Arbeit einen ersten Einblick in die Thematik verschaffen soll. Vorwegzunehmen ist, dass bis heute keine einheitliche Definition des Burn- outs besteht und/oder anerkannt wurde, was die Komplexität dieser Erkran- kung verdeutlicht. Es gibt „bisher kein standardisiertes, allgemeingültiges Vor- gehen, [...] um ein Burn-out-Syndrom zu diagnostizieren (Kaschka, Korczak, Broich 2011, S.570).“ Schon auf Grund dieser Nicht-Existenz müssen mehrere Ansichten von Forschern und Publizisten aufgeführt werden, was anhand der folgenden Autoren geschehen soll. Um ein besseres Verständnis für das Burnout zu entwickeln, Übersicht zu schaffen und auf weitere Teile dieser Ar- beit hinzuarbeiten, werden vom Verfasser zu Ende jeder definitorischen Ein- grenzung deren Hauptmerkmale in Stichpunkten aufgeführt. Diese beruhen auf subjektiver Einschätzung und entziehen sich jeglicher Repräsentativität. Sie dienen ausschließlich als Anhaltspunkt und werden an späterer Stelle auf- gegriffen.

Christina Maslach, eine der bekanntesten Forscherinnen auf dem Gebiet Burnout, gibt der Erkrankung drei Hauptmerkmale. Weit gefasst weist ein Burnout das Zusammenwirken aus Erschöpfung, Zynismus als eine zum ei- genen Beruf entfernende Haltung und beruflich geminderte Leistungsfähigkeit auf (vgl. Maslach 2001, S.397). Die Erschöpfung ist das Hauptmerkmal der Erkrankung und ist allgemein am besten erforscht und beschrieben. Auch die subjektiven Empfindungen und Aussagen von betroffenen Burnout-Patienten beziehen sich meist auf ihren Erschöpfungszustand. Trotz der Wichtigkeit die- ses Aspektes reicht es nicht aus, ihn als ausreichendes Kriterium zu behan- deln. Die Erschöpfung spiegelt die Stress-Dimension des Burnouts wieder, jedoch missachtet sie die prekären Beziehungen, welche Betroffene mit ihrem Beruf haben. Diese negativen Beziehungen und die resultierende Ineffizienz am Arbeitsplatz entwickeln sich parallel zu den anderen beiden Aspekten (vgl. Maslach, Schaufeli, Leiter 2001, S.402).

[ Merkmale: Ersch ö pfung, beruflich geminderte Leistungsf ä higkeit]

Buchenau äußert sich in Bezug auf eine Definition in seinem Buch „Chefsache Gesundheit“ folgendermaßen: „Vereinfacht gesagt, handelt es sich beim Burnout-Syndrom um eine zunehmende Überlastung durch Arbeit aus einer einseitigen ‚Übermotivation’ heraus (Buchenau 2013, S.26).“ Gerät der Mensch eine lange Zeit aus seiner natürlichen Balance aus Privatleben und Beruf, so erkrankt er (vgl. Buchenau 2013, S.27).

[ Merkmale: Ü berlastung durch Arbeit]

Nielting unterteilt seine aufgeführten Definitionen in drei unterschiedliche Teilaspekte: Das Burnout-Syndrom, dessen medizinische Definition und den Begriff Burnout. Ersteres umfasst seiner Auffassung nach alle Symptome und Krankheiten, die mit der Selbstdiagnose und ärztlicher Fremddiagnose einhergehen. Der medizinischen Ansicht nach, ist das Burnout-Syndrom eine Erkrankung, in welcher eine anhaltenden Hyperstressreaktion eine Systemregulation zur Folge hat. Diese fürt dazu, dass sich die psychophysische Selbstregulation, welche das Unterbewusste steuert, auflöst und somit eine schwere Depression entsteht. Der allgemeine Begriff Burnout zielt auf eine Kombination des Krankheitsprozesses und dem lebensbedrohlichen Notfall ab, in dem sich Menschen durch Herzinfarkt, Kontrollverlust oder Selbstmord an der Schwelle zum Tod bewegen (vgl. Nielting 2010, S.30).

[ Merkmale: anhaltender Stress, Selbstregulation]

Ein Artikel der Zeitschrift „Praxis“, die sich mit der medizinischen Perspektive der Burnout-Erkrankung beschäftigt, beginnt mit dem Verweis darauf, dass das Burnout-Syndrom generell unklar definiert ist. In der Regel umfassen jedoch alle Definitionsversuche die These, das Burnout-Syndrom sei ein „Symptomkomplex mit dem Kardinalsymptom Erschöpfung als Reaktion auf eine lange andauernde emotionale und interpersonelle Belastung am Arbeitsplatz (von Känel 2008, S.477)“. Des Weiteren wird auf die Prägnanz dieser Stresskrankheit und deren weitreichende ökonimischen und medizinischen Konsequenzen verwiesen (vgl. von Känel 2008, S.477). [ Merkmale: Ersch ö pfung, Belastung durch Arbeit]

Auch Burisch verweist zu Anfang seines Buches deutlich auf die Problematik einer Burnout-Definition und weist auf die daraus resultierenden Schwierigkeiten der Erforschung der Krankheit hin. Entweder Definitionen sind zu umfassend oder zu spezifisch und schießen sprichwörtlich über das Ziel hinaus. Meist klammerten sich Definitionsversuche an Fallbeispiele oder Symptomlisten, wobei diese Fälle wiederum wenig hilfreich sind, da keine allgemeine Regel existiert, um einen Burnoutfall von einem Nicht-Burnoutfall zu unterscheiden. Alle existenten unscharfen Regeln beruhten auf Fallbeispielen und ergaben eine art paradoxen Kreislauf. Das Maslach Burnout Inventory, eine Art Fragenbogen zur Messung und Bewertung von Burnout bat erstmals eine Möglichkeit, sich unkomplizierter mit dem Phänomen zu beschäftigen und trieb die Forschung weiter an. Die Begeisterung für diesen Fragenbogen-Ansatz hatte zu Folge, dass - zurückzuführend auf das geringe Verhältnis zwischen Burnoutbetroffenen und Restbevölkerung - hauptsächlich die Abwesenheit der Erkrankung erforscht wurde. Nach Burisch gibt es keine direkte Abgrenzung zwischen Erkrankten und Gesunden, sondern eine „randunscharfe Menge (Burisch 2014, S.15)“ an Menschen, die in einem Burnout-Prozess stecken. Selbst die aus den Fragebögen extrahierten und von den meisten Forschern als Kernsymptome angesehenen Merkmale einer emotionalen Erschöpfung, Depersonalisation und Leistungsunzufriedenheit sind schwammig und führen zu keiner trennscharfen Linie zur exakten Burnoutdiagnose (vgl. Burisch 2014, S.15f.). Auf grund dieser unscharfen Methoden äußert sich Burisch persönlich diesbezüglich folgendermaßen: „[...] jemand sei ‚in einem Burnout-Prozess mehr oder weniger weit fortgeschritten’, und zwar umso weiter, je mehr Symptome und je intensiver er diese aufweist. Damit werden zwei Probleme als sachimmanent anerkannt: Die Mehrdimensionalität und der Verlaufscha- rakter des Phänomens. Ein Ausbrenner in fortgeschrittenem Stadium sieht u.

U. deutlich anders aus als einer im Frühstadium, er hat in der Regel einige der Warnsymptome auch schon wieder abgelegt. Das erklärt einige der Uneinigkeiten in der Literatur (Burisch 2014, S. 16)“.

[ Merkmale: emotionale Ersch ö pfung, Depersonalisation, Leistungsunzufriedenheit]

Burisch führt in seinem Buch „Das Burnout Syndrom“, sowie auf seiner Internetseite3 eine in den Niederlanden 2011 vorgestellte Richtlinie auf, mit einer der Fehlbelastung unterkategorisierten Definition des Burnout, die an dieser Stelle vorgestellt werden soll.

Von Fehlbelastung ist zu sprechen, wenn folgende vier Merkmale erfüllt sind:

1. Ein Aufkommen von mindestens drei der folgenden Beschwerden (vgl. Burisch 2014, S. 18): „Müdigkeit, gestörter oder unruhiger Schlaf, Reizbarkeit, Druck und Unsicherheit nicht gewachsen zu sein, emotionale Labilität, Grübeleien, Gefühl von Gehetztheit, Konzentrationsprobleme und/oder Vergesslichkeit (Burisch 2014, S.18)“
2. Ein Aufkommen von Kontrollverlusts- und/oder Hilflosigkeitsgefühlen als Reaktion auf Stressfaktoren im gewöhnlichen Alltag, sowie eine mangelnde Stressregulation.
3. Ein Aufkommen ersichtlicher beruflicher und sozialer Einschränkun- gen.
4. Ein Aufkommen von Kontrollverlust, Spannungsbeschwerden und Funktionsstörungen, welche jedoch nicht zwangsweise Folgen einer psychiatrischen Erkrankung sind.

Zu dieser Definition von Fehlbelastung wird im Original eine Erklärung geliefert, die zur ausführlicheren Erläuterung der Begrifflichkeiten und Sinnhaf- tigkeit der vier Punkte dient und beispielsweise die benötigte Intensität der Merkmale näher beschreibt. Des Weiteren wird in Bezug auf das vierte Merkmal u.a. auf das Zusammenspiel von Fehlbelastung und psychischen Erkrankungen eingegangen (vgl. Burisch 2014, S.19). Die volle Erklärung zu Fehlbelastung wurde aus praktischen Gründen nicht in diese Arbeit mit aufgenommen, kann jedoch im Anhang nachgelesen werden.

Nach der Klärung des Fehlbelastungs-Begriffs wird aufbauend eine Definition zu Burnout geliefert:

Ein Burnout liegt vor, wenn alle der folgenden drei Merkmale erfüllt sind:

1. Eine Fehlbelastung liegt vor
2. Dessen Beschwerden liegen seit mehr als sechs Monaten vor
3. Gefühle von Müdigkeit und Erschöpfung stehen deutlich im Vorder- grund (vgl. Burisch 2014, S. 19)

Zu diesen drei Merkmalen wird folgende Erklärung aufgeführt, bei der die Kriterien a, b und c den Merkmalen 1, 2 und 3 entsprechen:

Kriterium a ordnet Burnout als eine Form von Fehlbelastung ein, während die Kriterien b und c bei einer handhabbaren Eingrenzung von Burnout anschlie- ßen, was Chronizität der Beschwerden und Salienz von Müdigkeit und Er- schöpfung betrifft. Die lange Dauer der Beschwerden kann auf einen weniger effektiven Coping4 -Stil der Betroffenen hinweisen. Die Betonung von Müdig- keit und Erschöpfung kann auf eine Neigung zum Somatisieren hindeuten. Der Nutzen, den Begriff „Burnout“ anzuerkennen, liegt in der Tatsache, dass der wenig effektive Coping-Stil und die Somatisierungsneigung bei der Be- handlung Berücksichtigung finden müssen. Dagegen glaubt die Projekt- grup- pe nicht, dass Arbeitsbezogenheit ein not- wendiges Merkmal von Burnout ist (Burisch 2014, S. 19).

[ Merkmale: anhaltende: Ersch ö pfung, Stress im Alltag, berufliche/ soziale Einschr ä nkungen, Kontrollverlust]

3. Ursachen der Erkrankung

3.1 Allgemeine Ursachen

Nachdem im ersten Teil dieser Arbeit allgemein an das Thema Burnout herangegangen wurde, ist es Aufgabe des folgenden Teils, spezifischer auf die Ursachen einzugehen. Der erste Abschnitt des folgenden Kapitels beschäftigt sich mit den Gründen für ein Burnout allgemein. Im Anschluss dessen wird auf die Burnoutrate in Deutschland näher eingegangen und spezifisch deren massiver Anstieg in den letzten Jahren diskutiert. Wie auch im vorherigen Teil dieser Arbeit werden die wichtigsten Merkmale jeder vorgestellten Ursachenbeschreibung am Ende aufgeführt. Auch an dieser Stelle wird auf die subjektive Einschätzung des Verfassers verwiesen.

3.1.1 Die Burn-down-Spirale nach Nielting

Dieses Konzept beschreibt den Verlauf der Burnout-Erkrankung, als Prozess mit nahtlosen Übergängen. Nielting weist darauf hin, dass nicht jede Erkrankung nach ein un dem selben detailierten Schema von Statten geht, sondern eher Grundvoraussetzungen und -einstellungen zu einem individuellen Ausbrennen führen.

Mit dem Beginn des Lebens erschafft sich der Mensch eigene innere Überzeugungen. Erfahrungen die er gemacht hat, Emotionen zu spezifischen Situationen, Wahrnehmungen der Ausßenwelt und Denkprozesse hinter all diesen Erlebnissen formen ein eigenes Bild der Welt, eine allgemeine Haltung zum Leben und eine Art Muster zur Beurteilung und Bewältigung verschiedenster Lebenssituationen. Dies sind die inneren Überzeugungen und diese helfen uns, Orientierung in allen Lebenslagen zu ermöglichen und somit erscheinen sie als essentiell für das eigene Leben und werden als richtig angesehen.

Haben sich die inneren Überzeugungen gebildet, werden sie im Alltag nicht mehr hinterfragt. Ob sie noch zum momentanen Lebensstil passen, bzw. noch Geltung haben, wird selten hinterfragt - ausschließlich wenn sich ein offensichtlicher Kontrast zwischen inneren Überzeugungen und wahrgenommener Realität aufzeigt. Da die innere Realität als grundsätzlich korrekt angesehen wird, können Situationen, die die Widersprüchlichkeit der inneren Überzeugungen eigentlich aufzeigen, sich zurechtgedacht werden, sodass diese Widersprüchlichkeit nicht mehr existiert. Überschreiten unsere inneren Überzeugungen jedoch unsere tatsächlichen Kompetenzen, machen wir uns also langanheltend vor, mehr zu können, als es eigentlich der Fall ist, kann dies auswirkungen auf das Runterbrennen unserer Kräfte haben. Um den inneren Übezeugungen nicht zu widersprechen, geht man häufig den Konflikten aus dem Weg, anstatt sie zu lösen. Die Probleme verhärten sich und man zieht sich zunehmend zurück (vgl. Nelting 2010, S.71ff.). [ Merkmale: innere Ü berzeugungen versus Realit ä t]

3.1.2 Umgang mit Emotionen

Häufig wird eine lange anhaltende psychische Belastung, beispielsweise uto- pische Anforderungen von Seiten des Vorgesetzten an der Arbeit, oder etwa des Lebenspartners, als Ursache für ein Burnout gesehen. Eine vollkommen andere Sichtweise ist jedoch, diese nur als Symptome einer ganz anderen Ursache zu sehen: Der fehlenden Beziehung zu sich selbst und der eigenen Umwelt. Im Folgenden werde ich auf die möglichen Gründe eingehen, die den Verlust dieser Beziehungen bewirken können und sich somit negativ auf die eigene Gesundheit auswirken.

Die eigenen Emotionen sind elementarer Bestandteil des Selbst eines jeden Menschen. Egal ob positiv oder negativ, verschiedenste Dinge werden emoti- onal belegt und bewertet - so auch Lebenssituationen. Nun kann es aber vor- kommen, dass wir in manchen Situationen unsere Emotionen als schlecht, bzw. unnütz und negativ ansehen. Beispielsweise in einer anstrengenden Si- tuation im Job, bei der man sich sicher ist, ihr nicht entfliehen zu können, son- dern sie aussitzen zu müssen. Wiederholt wird versucht gegen die eigenen Emotionen anzukämpfen, verschwinden tun sie jedoch vorerst nicht. Jetzt ist man nicht mehr fähig die eigenen Gefühle angemessen auszudrücken und mit ihnen entsprechend umzugehen. Die Gefühle werden immer weiter verdrängt, um sich nicht mit ihnen auseinandersetzen zu müssen. Dies kann so weit gehen, dass sie abgespalten werden und es scheint, sie würden nichtmehr existieren (vgl. Prieß 2013, S.66 ff.).

Mit solchen Prozessen der Verdrängung geht jedoch auf Dauer eine wichtige Funktion des Menschen verloren: „Die Wahrnehmung für das, was man will und braucht [...] und schließlich auch die Wahrnehmung für sich selbst und seine Grenzen (Prieß 2013, S.68)“. Somit ist der Dialog mit sich selbst nicht mehr existent und eine entscheidende Voraussetzung für ein Ausbrennen ist gegeben.

[...]


1 Die Begriffe Burnout und Burnout-Syndrom werden als Synonym verwendet

2 Buchtitel von Hanne Kujath, 2010

3 www.burnout-institut.eu

4 Bewältigungsstrategie zum Umgang mit einem Problem, z. B. einer Krankheit (Duden 2015)

Details

Seiten
27
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668714441
ISBN (Buch)
9783668714458
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v427214
Institution / Hochschule
Brand Academy Hamburg
Note
2,0
Schlagworte
Burnout Burn out Stress Depressionen Überarbeitet Ausgebrannt Psychotherapie Therapie Leistungsdruck Selbstmord Psychiatrie Stressmanagement Unternehmensführung Führungsposition Psychologie Erkrankung Emotionen Hilflosigkeit Kompensation Narzissmus

Autor

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Titel: Ursachen und Erscheinungsformen von Burnout. Prävention in Unternehmen