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Der englische Einfluss auf das Französische im 18. Jahrhundert

Hausarbeit 2007 11 Seiten

Didaktik - Französisch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1.Einleitung

2. Bedeutungsgewinn Englands

3. Rückwanderwörter

4. Englische Entlehnungen

5. Die Anglizismen und die Académie française

6. Bereiche der englischen Entlehnungen
6.1 Entlehnungen aus der Politik
6.2 Entlehnungen aus dem Schiffs- und Seewesen
6.3. Entlehnungen aus Sport und Spiel
6.4. Entlehnungen aus der Lebensgestaltung
6.5. Angloamerikanische Wörter

7. Resümee

8. Bibliographie

1.Einleitung

Die französische Sprache wurde im Laufe ihrer Entstehung von vielen Sprachen beeinflusst. Im 16. Jahrhundert hatte die italienische Sprache durch die Heirat von Heinrich II und Katharina von Medici einen großen Einfluss auf das Französische. Daneben sind im 16. Jahrhundert auf Grund von Kontaktsituationen auch Wörter aus dem Spanischen ins Französische aufgenommen worden. Direkt aus dem Türkischen, nicht über das Italienische, wird im 17. Jahrhundert le café ins Französische übernommen.[1]

Schaut man sich den französischen Wortschatz an, so stellt man fest, dass hauptsächlich eine externe Bereicherung des französischen Wortschatzes im 18. Jahrhundert stattgefunden hat. Vor allem wurden viele Wörter aus dem Englischen entlehnt.

Die Anglomanie in Frankreich ist das Schlagwort des 18. Jahrhunderts und bezeichnet vor allem die Zeit von 1740 bis zur Französischen Revolution.

Die englischen Wörter kamen überwiegend über Bücher in die französische Sprache. Voltaire verwendete englische Wörter in seinen Lettres philosophiques (1734), ebenso La Sage in seinen Remarques sur l `Angleterre (1715) und Boissy in seinem Français à Londres (1727).

Féraud (1725-1807), der relativ liberal den Anglizismen gegenüber eingestellt war, lehnte die Anglomanie ab und nannte sie den „vrai barbarisme de notre langue“[2]. Er stellte auch eine Liste von Wörtern zusammen, die den Gebrauch von englischen Wörtern anstelle von bereits existierenden französischen Wörtern, vor allem durch Schriftsteller, darstellt.

Viele englische Entlehnungen sind im Laufe der Zeit so verändert worden, dass man sie nicht mehr als Entlehnungen wahrnimmt. Andere sind nur in ihrer Aussprache verändert worden.

2. Bedeutungsgewinn Englands

Für das nach Macht strebende Bürgertum Frankreichs, war die bürgerliche Revolution 1649 in England ein Vorbild, sowie die parlamentarische Regierungsform, die philosophischen Ideen des Sensualismus und die Freimaurerei.

Vermittelnd zwischen England und Frankreich wirken Voltaires „ Lettres Anglaises “ (1726- 1730).

Die neuen Ideen in der Politik wurden durch Voltaire in Frankreich verbreitet, der 3 Jahre lang in England lebte.

Montesquieu zeigte sich sehr beeindruckt von Englands politischem System und verbreitete den von John Locke in England entwickelten Sensualismus.

Im 18. Jahrhundert hat man vor allem englische Wörter in die französische Sprache aufgenommen, vor allem im Bereich der Institutionen (parlement, club, budget) und für die englische Lebensart (redingote, grog, jockey).

Gegen Ende des Jahrhunderts, mit der Französischen Revolution, wurde es notwendig neue Wörter in die französische Sprache zu übernehmen, vor allem aus dem Englischen.

3. Rückwanderwörter

Im Mittelalter hatte das Französische einen großen Einfluss auf England, das damals von Frankreich besetzt war und das Französische galt als Superstrat.

Alte französische Wörter wurden ins Englische übernommen, dann wieder form- und sinnverändert zurück in die französische Sprache übernommen, das heißt manchmal wurden sie wieder rückeingeführt, wobei diese Wörter oft eine neue Form und meist einen neuen Sinn hatten.

Beispiel hierfür ist das englische Wort budget, das von dem französischen Wort bougette = petite bourse abstammt. Ein weiteres Beispiel ins das englische Wort sport, das vom französischen Wort deport = amusement abstammt und im 18. Jahrhundert wieder im englischen Sinn in das Französische übernommen wurde.

Weitere Beispiele sind die Wörter toast und mess.

Toast kommt aus dem Latein und heißt `gedörrt`, `versengt`. Diese ursprüngliche Bedeutung hat das altfranzösische tost (`gedörrt`, `geröstet`) bewahrt, woraus das englische toast (`geröstete Brotschnitte, die man in den Wein tut`) wurde, das sowohl als toast (`Trunkspruch`) 1745 ins Französische zurückwanderte: porter un toast à quelqu`un als auch als le toast (`geröstete Brotscheibe`) im Jahr 1769.

Mess stammt vom lateinischen Wort missus (`das Senden`, `Schicken`) ab und bedeutet bei der Tafel `Gang`, `Gericht`. Darauf beruht das altfranzösische mes (`Speise`, `Gericht`), das als mess ins Englische entlehnt wurde. Als Marineausdruck wanderte das englische mess als `Offiziersmesse` ins Französische zurück.

Im 18. Jahrhundert sind die englischen Lehnwörter echte emprunts de nécessité. Teilweise sind es Rückwanderwörter, da diese aus dem Altfranzösischen ins Englische kamen und sich dort meist semantisch verschoben haben.

Im Französischen werden diese Rückwanderwörter auch als „ aller et retour “ bezeichnet.

4. Englische Entlehnungen

Hier sollte man immer vor Augen haben, dass es sich bei den englischen Entlehnungen teilweise um Rückwanderwörter handelt.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurden englische Wörter in die französische Sprache übernommen, die ihre englische Orthographie beibehalten haben und nicht der französischen Orthographie angepasst wurden.

So wurden club und pickpocket in ihrer englischen Orthographie beibehalten.

Jockey wurde 1776 in seiner englischen Schreibweise mit der Bedeutung ` jeune domestique qui accompagne son maître à cheval` in die französische Sprache übernommen. Ursprünglich stammt jockey vom altfranzösischen Wort jaques (`Bauer`) ab. Es handelt sich hierbei um ein Rückwanderwort. Anfangs gab es jedoch noch verschiedene Schreibweisen, wie zum Beispiel jacquys, jacqueis und jockeis. Die englische Schreibweise hat sich erst im Laufe der Zeit durchgesetzt.

Im Laufe der Zeit wurden manche englischen Begriffe, die im 18. Jahrhundert in die französische Sprache aufgenommen wurden, der französischen Orthographie angepasst und werden heute nicht mehr als Entlehnungen wahrgenommen.

So wurde aus dem englischen bowl, das 1786 in dieser Schreibweise in die französische Sprache aufgenommen wurde, im Laufe der Zeit bol. Aus dem englischen partner, das 1767 auch in dieser Form geschrieben wurde, wurde das französische partenaire und aus dem englischen neurosis wurde im Laufe der Zeit névrose.

Es gab auch englische Wörter, die zunächst nur im Zusammenhang mit England benutzt wurden und erst später auch für das französische Leben benutzt wurden.

So wurde das Wort club 1702 in die französische Sprache aufgenommen. Es wurde aber nur in Bezug auf England verwendet. Erst 1774 benutze man dieses Wort auch in Bezug auf Frankreich. Des Weiteren wurde auch vote 1702 bezugnehmend auf England und erst 1789 bezugnehmend auf Frankreich in der französischen Sprache verwendet. Ebenso verhält es sich mit den Wörtern pétition (1704/1789), majorité (1735/1760), opposition (1745/1772), respectabilité (1784/1862 ) und inconstitutionnel (1778/1787).

Auch feststehende Ausdrücke wurden aus dem Englischen übernommen.

Seit der Revolution wurden Wörter „Wort für Wort“ übersetzt, die auch heute noch verwendet werden.

Der französische Ausdruck lune de miel wurde vom englischen Ausdruck honeymoon übernommen. Voltaire erwähnte diese expression figurée 1748. Der französische Ausdruck juge de paix stammt vom englischen justice of the peace ab und auch libre-penseur ist eine Eins-zu-eins-Übersetzung des englischen Ausdrucks free-thinker.

5. Die Anglizismen und die Académie française

Die englischen Lehnwörter wurden auch in das französische Wörterbuch der Académie française aufgenommen.

So findet man in der dritten Ausgabe des Wörterbuchs von 1740 acht Anglizismen. In der vierten Ausgabe von 1762 sind es dann schon 54 Anglizismen.

60 Anglizismen kommen in der fünften Auflage des Wörterbuchs von 1798 und 92 in der sechsten Auflage von 1835 vor.

Man findet in diesen älteren Ausgaben des „ Dictionnaire de l`Académie“ Anglizismen, die heute komplett aus dem Gebrauch verschwunden sind, wie zum Beispiel sloop, quarter, squire, puddlage, truck, brushel, teddy.

Andere Wörter werden heute nur noch selten gebraucht: fashionable, spleen, cottage.

Manche Anglizismen wurden im Laufe der Zeit der französischen Orthographie angepasst und sind nicht mehr unter den Anglizismen zu finden, wie im Falle von 1718 paquet-bot, was 1798 zu paquebot wurde.

Manche Anglizismen aus dem 18. Jahrhundert werden auch heute noch gebraucht. Beispiele hierfür sind punch, héler und yacht, die man schon in der vierten Auflage des Wörterbuchs findet. Interlope und stock kann man in der fünften Auflage finden und Partenaire und plaid in der sechsten Auflage.[3]

[...]


[1] Klare, Johannes : Französische Sprachgeschichte. Stuttgart, 1998: S.106

[2] Klare, Johannes : Französische Sprachgeschichte

[3] Walter Henriette : l`aventure des mots français venus d`ailleurs. Paris, 1997 : S.185f

Details

Seiten
11
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783668722132
ISBN (Buch)
9783668722149
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v427761
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
2,0
Schlagworte
einfluss französische jahrhundert

Autor

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