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Die Menschenrechtsverletzungen von Nestlé durch die Ausbeutung und Vermarktung von Trinkwasser in Entwicklungsländern

Essay 2016 8 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Völkerrecht und Menschenrechte

Leseprobe

Nestlé ist der größte Nahrungsmittelkonzern der Welt. Die zahlreichen Tochterunternehmen sind, in hundertneunundachtzig Nationen, auf der ganzen Welt vertreten (Nestlé 2015, S. 2). Neben Klagen gegen Nestlé, zum Beispiel wegen Mordes (vgl. Käufer 2013), gibt es einige Aktivitäten, die zwar nicht gegen das Gesetz verstoßen, aber moralisch äußerst frag­würdig sind. Der Kapitalismus ist hierbei die zentrale, antreibende Kraft und der Umsatz das Ziel, welches viel höher als Menschenwürde und den Menschen selbst, geachtet wird. Die Milliarden-Umsätze mit Wasser können von Nestlé nicht einfach aufs Spiel gesetzt werden, besonders weil es ein unvorstellbar profitables Geschäft ist. So bezahlt Nestlé zum Beispiel zwei Cent für vier Liter Wasser aus einer Quelle in Colorado und verkauft es anschließend in Flaschen für zehn Dollar weiter (vgl. Jentz- sch 3013, 06:51-06:58). Das ergibt eine Gewinnspanne von fünfzigtau­send Prozent. Nun wird auch die Relevanz dieses Geschäfts für den Kon­zern deutlich. Aber wie sieht es mit den Arbeitsbedingungen, besonders in anderen, ärmeren Ländern aus und welche Ausmaße hat das Abpum­pen von großen Wassermengen für das Ökosystem und somit auch für die Menschen, welche direkt von ihm abhängig sind. Wie weit geht Nestlé also um Profit zu machen und wie genau sehen die immer größer wer­denden Probleme aus? Müssen durch die Geldgier dieses Konzerns Menschen ihr Leben verlieren? 2013 haben die Vereinten Nationen Wasser erstmals zu einem Men­schenrecht erklärt (vgl. Auswärtiges Amt 2015). Dies bedeutet, dass der Zugang zu sauberem Trinkwasser nun endlich ein Menschenrecht ist.

„Die Menschenrechte auf sauberes Trinkwasser und Sanitärversorgung sind zwar universell anerkannt, es mangelt jedoch an ihrer Umsetzung. Die Rechte sehen vor, dass jeder Mensch Zugang zu gesundem, an­nehmbarem, physisch erreichbarem und bezahlbarem Wasser haben muss“ (siehe Auswärtiges Amt 2015). Im Gegensatz hierzu steht die ex­plizite Aussage des Konzernchefs Peter Brabeck: “Ich persönlich glaube es ist besser, man gibt einem Lebensmittel einen Wert, sodass wir alle bewusst sind, dass das etwas kostet“ (vgl. Jentzsch 2013, 02:46-02:57).

Er beabsichtigt also nicht in irgendeiner Form mit den bereits vorhande­nen Geräten für die Wassergewinnung Hilfe zu leisten, um den kosten­losen Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen. Mit der Ent­scheidung genau dies zu tun, könnte er sofort allein schon in einer klei­nen Siedlung in Südafrika neben einer Nestlé-Fabrik, dreitausend Men­schen helfen, die derzeit keinen Wasseranschluss haben (vgl. Jentzsch 2013, 15:35-16:01). Wenn man jetzt daran denkt, dass Nestlé Wasserab- pumpstationen auf der ganzen Welt besitzt, können Sie sich vorstellen, wie vielen Menschen das dringend gebrauchte Wasser weggenommen wird. Das gesunde Quellwasser, auf welches sie eigentlich ein Recht hät­ten, wird ihnen also verweigert und der Zugang unerreichbar gemacht. Die eben genannte Quelle in Südafrika heißt Doornkloof und liegt in der Nähe von der Stadt Pritoria. Sie wird seit 2011 von Nestlé wirtschaftlich genutzt. Hier werden täglich zweihundertzweiundachtzigtausend Liter Wasser in Flaschen abgefüllt (vgl. Jentzsch 2013, 14:05-14:15). Wenn Nestlé also nur zwei Liter pro Person, pro Tag spenden würde, wären das für das kleine Dorf sechstausend Liter für dreitausend Menschen. Das wären 2,1% der gewonnenen Tagesmenge und bei dem bereits ge­nannten Umsatz „ein Tropfen auf den heißen Stein" für Nestlé, doch diese Verantwortung wird leider nicht gesehen, beziehungsweise be­wusst übersehen. Auch die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter in der Fabrik sind nicht gut. Es gibt zwölf Stunden Schichten mit nur fünfzehn Minuten Pause (vgl. Jentzsch 2013, 16:45-16:54). Ein großes Problem sind die Minen, in denen Rohstoffe abgebaut werden, denn dessen saure Abwässer verschmutzen das Leitungswasser so stark, dass es unge­nießbar wird. Überall wo in Südafrika Minen sind, gibt es dieses Problem (vgl. Jentzsch 2013, 30:45-31:44) und dadurch sind die Menschen noch abhängiger von dem Quellwasser. In Flaschen abgepackt und von Nestlé verkauft, können sie es sich allerdings nicht mehr leisten, denn ein Liter kostet dann ungefähr einen Euro, also absolut unerschwinglich für die normale Bevölkerung in Südafrika (vgl. Jentzsch 2013, 42:31-42:38). Meiner Meinung nach ist es eindeutig, dass hier Menschenrechte verletzt werden und dass ein Verfahren gegen Nestlé eingeleitet werden müsste. Auch nach den vielen Publikationen, mit scharfer Kritik und sehr viel Auf­klärungsmaterial aus erster Hand, welche man überall im Internet finden kann, hat Nestlé nichts für diese Menschen und gleichzeitig ihr Image getan.

Nestlé ließ den Wasseraktivisten Franklin Frederick ausspionieren, weil dieser Nachforschungen über dessen Aktivitäten anstellte, worauf er Nestlé verklagte. Nach zehn Monaten wurde der Konzern dann für die Verletzung von Persönlichkeitsrechten und die Spionagetätigkeiten, schuldig gesprochen (vgl. Jentzsch 2013, 39:35-40:05). Meines Erach­tens nach, zeigt die Spionage von Nestlé, dass „dreckige Geschäfte" ge­heim gehalten werden wollen und bei einer riesigen Firma wie dieser ist auch davon auszugehen, dass es sich nicht nur um eine, sondern eine Vielzahl von illegalen Angelegenheiten handelt.

Eine weitere, kritisch zu betrachtende Angelegenheit ist die Fabrik in Säo Lourengo in Brasilien. Der natürliche Wasserpark besitzt neun Heilwas­serquellen. 2002 wurde eine Klage von Franklin Frederick und Anderen gegen Nestlé eingereicht und von den Behörden festgestellt, dass der Bau der Wasserfabrik und die Entmineralisierung des Wassers (für einen neutralen Geschmack) illegal war. Es wurde erreicht, dass die Produktion von der Wassermarke „Pure Life" eingestellt wurde (vgl. Jentzsch 2013, 24:58-26:37). Interessant hierbei ist auch, dass der Handel mit Wasser in Brasilien eigentlich verboten ist, jedoch stuft das brasilianische Gesetz Mineralwasser als Mineral und nicht als Wasser ein. Diese Gesetzeslü­cke hat Nestlé genutzt um das Wasser in seinen Besitz zu bringen (vgl. Jentzsch 2013, 26:51-27:28). Solche massiven Eingriffe in ein Ökosys­tem können erhebliche, langfristige Schäden verursachen und vorwie­gend direkte Folgen für die arme Bevölkerung haben.

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Details

Seiten
8
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668724068
ISBN (Buch)
9783668724075
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v428154
Institution / Hochschule
Fachhochschule Bielefeld
Note
unbenotet
Schlagworte
Entwicklungsland Menschenrechte Nestlé Trinkwasser

Autor

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Titel: Die Menschenrechtsverletzungen von Nestlé durch die Ausbeutung und Vermarktung von Trinkwasser in Entwicklungsländern