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Gebt den Kindern die Natur zurück. Warum Kinder nicht mehr draußen spielen und wie sich dies auf ihre Entwicklung auswirkt

Facharbeit (Schule) 2012 13 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

l.Der fortschreitende Naturerlebnisverlust hat Folgen

Kinder spielen heutzutage nicht mehr viel in der Natur. Unser Gesellschaftswandel fuhrt dazu, dass Kinder immer weniger Moglichkeiten haben, etwas in der Natur zu machen (1 ). Dadurch vergessen die Kinder immer mehr die Natur und spielen uberwiegend im Haus. „Ich spiele lieber drinnen, weil da die ganzen Steckdosen sind“ (2 ).

Dies verursacht einige Probleme in der Entwicklung der Kinder. Haufig wirkt sich der Bewegungsmangel und das daraus resultierende Ubergewicht der Kinder sehr negativ aus. In GroBstadten haben Kinder fast keine Moglichkeiten sich frei zu bewegen und es kann zum Beispiel auf Grund des Ubergewichts zu Minderwertigkeitskomplexen kommen. Seit tausenden Jahren haben die Menschen ihren Lebensstil der Natur angepasst. Heutzutage passen wir die Natur unseren Vorstellungen an. Das hat einige Nachteile. Wenn Kinder im Wald spielen fordert dies sehr viele Entwicklungsbereiche und wirkt sich positiv aus. Zum Beispiel ist es sehr wichtig, dass die Sinne von Kindern fruh entdeckt und ausgebildet werden, da dies fur die Wahrnehmung der Realitat wichtig ist (3 ). AuBerdem lernen wir mit unseren Sinnen (4 ) und Kinder mussen viele Sachen, die fur Erwachsene als selbstverstandlich gelten, erst erleben und lernen. Wenn aber nun die Natur fehlt hat das Folgen. Eine eindeutige Ursache von Ubergewicht ist Bewegungsmangel. In der Natur haben Kinder sehr viele Bewegungsmoglichkeiten. So beugt das Spielen in der Natur Gewichtsprobleme vor. An dem starken Anstieg der ubergewichtigen Kinder wird deutlich, dass es ein immer groBer werdendes Problem ist. Seit 1990 hat sich die Anzahl der ubergewichtigen Kinder verdoppelt (5 ). Dies beweist zwar nicht den Naturerlebnisverlust unserer Zeit, deutet aber klar darauf hin.

Der Wald, oder allgemein die Natur, bietet ein sehr abwechslungsreiches Umfeld.

Kinder konnen hier laut sein und sich frei bewegen. Es gibt auBerdem viele verschiedene Geruche, wie Verwesung oder z.B. an einem Waldsee. Dadurch, dass die Natur den Kindern die Aktion nicht vorgibt, werden sie kreativ und ihr Handeln wird nicht gelenkt. Sie bauen z.B. Hutten aus Stocken oder spielen einfach Verstecken. Dabei werden alle moglichen Zusammenhange wahrgenommen und so gelernt. Es wird ohne Leistungsdruck und dadurch nach eigenem Empfinden gehandelt. Es ist also deutlich erkennbar, dass die Natur eine sehr gute Umgebung darstellt, die die Kinder brauchen.

2.Wie wirken sich Naturerfahrungen auf bestimmte Entwicklungsbereiche aus?

2.1.1 Kognitiv: Aufmerksamkeit, Konzentration, Wissen uber die Natur(phanomene) und Wahrnehmungsvermogen

Die Wahrnehmung mit alien Sinnen, die Aufmerksamkeit und die Konzentration sind Dinge, die in der fruhen Kindheit ausgebildet werden mussen. Dabei ist die Wahrnehmung besonders wichtig denn sie entscheidet wie komplex und genau das spatere Lernen und Wahrnehmen geschehen kann(6 ). Also muss das Kind mit moglichst vielen Sinnen wahrnehmen um den „Horizont der Wahrnehmung“ zu erweitern und in sich zu festigen. Gerade im Kleinkindalter beschaftigen sich Kinder mit Sachen, die sie interessant finden. Sie haben noch kein differenziertes Handlungsdenken das ihnen sagt wozu ein Gegenstand da ist oder was er uberhaupt ist. So widmen die Kinder ihre Konzentration und ihre Aufmerksamkeit immer wieder neuen Dingen. Wenn sie dabei die freie Wahl der Aktion haben, konnen Kinder sich in die Sachen „verlieben“ und sie lernen sich zu konzentrieren. Aufgrund der Neugierde und des Forschungsdrangs werden immer neue und komplexere Dinge untersucht und immer mehr Zusammenhange werden verstanden. Maria Montessouri spricht dabei von der Polarisation der Aufmerksamkeit(7 ). So schreibt Richard Louv uber Benjamin Franklyn „(...) gewiss hingen sein intensives Wahrnehmungsvermogen und seine Fahigkeit naturliche Zusammenhange zu erkennen, mit seinen ungewohnlichen Erfahrungen und Erlebnissen in der Natur zusammen“(8 ). Benjamin Franklyn ist ein gutes Beispiel fur diese These denn ein intensives Wahrnehmungsvermogen setzt eine gute Aufmerksamkeit voraus.

Die Natur bietet sehr viele Moglichkeiten und Variationen der hingebungsvollen Aufmerksamkeit von Kindern. Die Fahigkeit aufmerksam zu sein kann einem Kind nicht durch gelerntes Wissen vermittelt werden. Sie muss praktisch geubt und perfektioniert werden und wo ginge das besser als in einem spannenden, interessanten Umfeld, in dem das Kind von selbst und aus eigenem Interesse aufmerksam ist?

Die Natur! Es werden viele Tiere und Pflanzen untersucht und erforscht. Das ganze komplexe Okosystem kann also entdeckt werden. Kinder finden so heraus, dass zum Beispiel Tiere Spuren und Kot hinterlassen, dass der Aggregatzustand des Wassers sich im Sommer und im Winter andert, dass die Farbe der Blatter je nach Jahreszeit anders ist und dass Materie sich durch Zeit und andere Faktoren verandert. Dies alles und vieles mehr kann durch eine gute Aufmerksamkeit wahrgenommen werden. Wenn ein Kind zum Beispiel einen Kafer entdeckt und fasziniert ist, beobachtet es den Kafer und konzentriert sich. Dabei nimmt es nicht nur die Aktion des Kafers wahr, sondern verknupft auch verschiedene Faktoren, wie zum Beispiel, dass der Kafer in totem Holz lebt. Richard Louv schreibt, dass sich Naturerfahrungen positiv auf die Aufmerksamkeit von Kindern auswirken(9 ).

Durch Aufmerksamkeit und gelerntes Wissen wird etwas verstanden, unbewusst gelernt und geubt sich zu konzentrieren. Erstmal reicht es auch diesen Interessen nachzugehen, weil das Kind durch den eigenen Willen am besten lernen kann und das Lernen lernen und praktizieren muss, bevor es gezielt etwas bestimmtes lernen kann.

Kinder wollen lernen und wissen, warum Dinge in ihrer Umgebung so ablaufen wie sie es tun. Dabei wollen sie allerdings nicht die direkten Informationen, sondern durch ausprobieren und beobachten selbst herausfinden, dass zum Beispiel Holz schwimmt und Steine nicht. Dieses „naturliche Wissen“ kann in der Natur erforscht werden. Es kommt auch zu konkreten Fragen, die selbst beantwortet werden(10 ). Durch dieses forschen, uberlegen und konkrete Experimentieren entsteht eine neue Art des Handelns, die das Kind zum nachdenken und schlussfolgern anregt. Dies kann spater auch gezielt genutzt werden. Bei diesem Verbinden von Informationen und diesen Erlebnissen ist das Kind unbewusst konzentriert.

Die Natur hat ein sehr weites Spektrum solcher Zusammenhange fur viele Bereiche, wie Mathematik, Materialitat, Physik, Lebewesen und viele mehr. Der Wald und allgemein die Natur bieten eine Menge unterschiedlicher Reize, die das Kind absorbiert( ). Diese Reize sind sehr vielfaltig vorhanden und miteinander verbunden. Zum Beispiel glatte, raue und nasse Oberflachen, weiches und hartes Material, riechende Pflanzen, Gewicht und Erdanziehungskraft, Gerausche von Tieren, Wind, Farben und Farbwechsel u.s.w. Der Neurowissenschaftler Spitzer schreibt: „Vielleicht sollten wir darauf achten, dass unsere Kinder bereits fruh mit vielen Dingen Kontakt haben, sodass sich eine groBtmogliche Anzahl synaptischer Verbindungen in der Kindheit ausbilden kann“(12 ). In einem Haus ist es viel unwahrscheinlicher, dass ein Kind so viele verschiedene Dinge aufnehmen kann, zum Beispiel wegen der zum Wald verhaltnismaBig geringen Flache. Dazu kommt, dass heutzutage immer mehr visuell gespielt wird. Dabei bekommen Kinder eine Menge visuelle und auditive Informationen, die in dieser Form schlecht fur die Synapsenbildung sind, da das „Grundgerust der Synapsen“ erst mal ausgebildet und gefestigt werden muss(13 ). Denn erst wenn das geschehen ist konnen die wahrgenommenen Dinge richtig eingeordnet und gedeutet werden.

Ein weiterer Punkt ist das Wissen uber Natur und Naturphanomene. Die Natur ist unsere ursprungliche Umwelt und der Ursprung von allem Material. Wenn Kinder also direkten Naturkontakt haben, bekommen sie ein Verstandnis fur die Beschaffenheit und den Ursprung ihrer Umgebung. Es ist zu beobachten, dass viele Kinder ein sehr eingeschranktes Wissen im Bezug auf die Natur haben. 2003 wurden 1400 Schuler der Klassen 6 bis 9 in Nordrhein-Westfalen und Hessen befragt. Jeder zehnte Jugendliche beantwortete die Frage „Welche Farbe hat eine Ente?“ mit „Gelb“. Auch Fragen wie „Was ist eine Linde?“ , „Welche Farbe hat Raps?“ oder „Woraus werden Chips hergestellt?“ sind fur heutige Kinder schwer zu beantworten(14 ). Dies zeigt, dass Kinder nur noch wenig Kontakt mit Natur haben. Um sich ein grundlegendes Wissen uber die Natur anzueignen, muss man sie aktiv erleben, denn Kinder konnen keine Liebe oder kein Interesse zu etwas aufbauen, das sie nicht kennen(15 ).

Howard Gardner spricht von einer naturalistischen Intelligenz. Kinder mit einer solchen ausgepragten Intelligenz sind gerne drauBen und mogen die freie Natur. AuBerdem haben sie ein starkes Interesse an Tieren und Pflanzen und kummern sich um sie(16 ). Wenn Kinder in den Wald gehen und im Herbst bemerken, dass die Blatter der Laubbaume ihre Farbe andern, ist das eine Entdeckung eines Naturphanomens.

Bevor ein Kind wissenschaftlich denken kann, muss es erfahren haben, woruber es nachdenkt. „Das bedeutet, bevor Kinder >>Symbolsysteme uber die Natur<< nutzen konnen, mussen sie die Natur und ihre Phanomene selbst vielfaltig wahrnehmen“(17 ). Die Erfahrungen und Untersuchungen konnen mit einfachen Hilfsmitteln wie zum Beispiel einer Schaufel erweitert werden. Dadurch praktizieren die Kinder unbewusst wissenschaftliches Arbeiten und bekommen zum Beispiel einen besseren Eindruck in das Erdreich. Diese Natureindrucke konnen spater, beispielsweise im Biologieunterricht, mit Wissen verbunden und so besser verstanden werden. AuBerdem konnen sie zu einer Liebe und Verbundenheit zur Natur fuhren und so einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur schaffen. Das kann wiederum mit den Naturerfahrungen und der richtigen Beobachtung die Motivation und den Reiz geben, die Natur effizient zu nutzen und dabei nicht zu zerstoren (z.B Nachhaltiger Oko- Tourismus).

2.1.2 Sozialentwicklung, Emotionale Entwicklung

Der Mensch hat von Geburt an primare Emotionen(18). Diese Emotionen zeigen wir in bestimmten Situationen. Allerdings sollte von klein auf gelernt werden mit Emotionen umzugehen, um sie spater unter Kontrolle zu haben.

[...]


1 vgl. Johannes Weil, Seite 12

2 siehe Johannes Weil, Seite 12

3 vgl. Gerd E. Schafer, Seite 75-76

4 vgl. Johannes Weil, Seite 12

5 vgl. Richard Louv, Seite 68

6 vgl. Frederic Vester, Seite 31

7 http://www.monte-lauf.de/index.php?id=181

8 siehe Richard Louv, Seite 102

9 vgl. Richard Louv, Seite 102

10 vgl. Gerd E. Schafer, Marjan Alemzadeh, Hilke Eden, Diana Rosenfelder, Seite 86

11 http://www.monte-lauf.de/index.php?id=181

12 siehe M. Spitzer, Seite 223

13 vgl. Frederic Vester, Seite 31 3

14 http://www.kindergartenpaedagogik.de/1740. html

15 vgl. Gerd E. Schafer, Seite 144

16 vgl. Richard Louv, Seite 99-101

17 siehe Gerd E. Schafer, Marjan Alemzadeh, Hilke Eden, Diana Rosenfelder, Seite 82

Details

Seiten
13
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668806900
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v428157
Institution / Hochschule
Fachhochschule Bielefeld
Note
1,7
Schlagworte
Kinder Natur Spielen Gesellschaft Technik Haus Übergewicht Körper Minderwertigkeit

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Titel: Gebt den Kindern die Natur zurück. Warum Kinder nicht mehr draußen spielen und wie sich dies auf ihre Entwicklung auswirkt