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Autobiographische Elemente in E.T.A Hoffmanns Werk "Der Sandmann"

Facharbeit (Schule) 2017 8 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Leben und Werk E.T.A. Hoffmann
2.1 Kurzbiographie des Autors
2.2 Hauptwerke von E.T.A. Hoffmann

3. Parallelen zwischen dem Künstler E.T.A. Hoffmann und dem Protagonisten Nathanael in dem Werk „Der Sandmann“
3.1 Die Kindheit
3.2 Die Künstlerpersönlichkeit
3.3 Die Beziehungen zu Frauen
3.4 Die Krankheitsgeschichte
3.5 Die Epoche der Romantik

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

Primärliteratur

Lexika

Sekundärliteratur

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Leben und Werk von E.T.A. Hoffmann und der Fragestellung, inwiefern sich das Leben des Künstlers in seinen Werken wiederspiegelt. Im Fokus der Arbeit steht das romantische Werk „Der Sandmann“, das 1816 erstmals veröffentlicht wurde.

Das Werk ist das Erste von acht so genannten Nachtstücken. Es gehört der schwarzen Romantik oder Schauerliteratur an[1]. Diese Bezeichnung erhält der Sandmann, weil die Begegnungen mit den unheimlichen und düsteren Gestalten Coppelius und Coppola meist nachts stattfinden. Zudem ist der Begriff „Nachtstück“ eine Metapher, die die psychischen Vorgänge im Unterbewusstsein des Protagonisten Nathanael veranschaulicht.

In dieser Arbeit soll aufgezeigt werden, inwiefern die Hauptfigur in dem Werk „Der Sandmann“ biografische Elemente des Autors aufweist. Untersucht werden die folgenden Aspekte:

1. Die Kindheit
2. Die Künstlerpersönlichkeit
3. Die Beziehung zu den Frauen
4. Die Krankengeschichte
5. Die Gefühle von Autor und Protagonist in der Romantik

2. Leben und Werk E.T.A. Hoffmann

2.1 Kurzbiographie des Autors

24. Januar 1776 Geburt von Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann, dritter Sohn des Anwalts Christoph Ludwig Hoffmann und der Frau Luise Albertine geb. Doerffer in Königsberg[2]

1778 Scheidung der Eltern

1792 Studium der Rechte

1794 erste Liebe zu Dora Hatt (Cora)

1795 Gedicht Masquerade, Arbeit am Roman Cornaro, 1. Staatsexamen

1798 Verlobung mit der Cousine Sophie Wilhelmine Constantine (Minna) Doerffer

2. Staatsexamen, Erste Versuche in der Malerei

1800 3. Staatsexamen, Assessor beim Obergericht in Possen

1802 Heirat mit Michalina Rohrer

1806 Krieg beendet die Tätigkeit als Jurist

1808 Umzug nach Bamberg, Tätigkeit als Kapellmeister und Komponist

1813 Musikdirektorstelle in Leipzig / Dresden

1813 Durchbruch als Schriftsteller

1814 Roman „Die Elixiere des Teufels“

Rückkehr nach Berlin, Richter

2-Bändige Sammlung der Nachtstü> Leitung der Tafelrunde „Serapionsbrüder“

1822 Hoffmann stirbt in Berlin

2.2 Hauptwerke von E.T.A. Hoffmann

E.T.A. Hoffmann hat sich einen großen Namen als Schriftsteller der phantastischen Literatur gemacht. Seine besondere Begabung ist die detaillierte Beschreibung des Unheimlichen. Er bevorzugt das Genre des Schauerromans, beschreibt mit Vorliebe Spuk- und Dämonengeschichten sowie die Abgründe der geistigen Seelenzustände wie der Somnambulie (Schlafwandel) und des Wahnsinns. Seine wichtigsten Werke heißen:

- Die Elixiere des Teufels 1815
- Der Sandmann 1816
- Die Nachtstücke 1817
- Das seltsame Leiden eines Theater- Direktors 1819
- Klein Zaches genannt Zinnober 1819
- Die Serapionsbrüder 1819
- Das Fräulein von Scuderi 1820
- Die Lebensansichten des Katers Murr 1820
- Die Doppeltgänger 1821
- Meister Floh 1822

3. Parallelen zwischen dem Künstler E.T.A. Hoffmann und dem Protagonisten Nathanael in dem Werk „Der Sandmann“

3.1 Die Kindheit

- Der Vater von E.T.A. Hoffmann hat die Familie zwei Jahre nach der Geburt von E.T.A. verlassen. Der spätere Autor wird von seiner Mutter und Großmutter erzogen. Die Vormundschaft bekommt sein Onkel Johann Ludwig Doerffer. E.T.A. genießt eine sehr strenge Erziehung durch seinen Onkel. Die Kindheit ohne Vater spiegelt sich auch in seinem Werk „Der Sandmann“ wieder[3].

Die bürgerliche Familie des 19. Jahrhunderts weist eine sehr strikte Arbeitsteilung auf: die Frau ist für den Haushalt und die Erziehung der Kinder zuständig, während der Mann die Familie nach außen repräsentiert und allein für den Unterhalt der Familie gesorgt hat. Damit ist er Familienoberhaupt und Autoritätsperson. Verstirbt er, so tritt ein anderes Familienmitglied an seine Stelle.

Auch die Hauptfigur in dem Werk „Der Sandmann“ wächst letztendlich ohne Vater auf, da dieser bei einem alchimistischen Experiment sein Leben verliert. Nathanael wird in den folgenden Jahren von seiner Mutter aufgezogen. Doch wenn er seelische Probleme hat, wendet er sich an einen männlichen Stellvertreter, in diesem Fall seinen Bruder Lothar (1. Brief, S. 5, 2. Brief S. 18)[4].

- In seinem Elternhaus wird E.T.A. Hoffmann schon früh mit Geisteskrankheiten und psychischen Problemen konfrontiert. Nach der Scheidung leidet seine Mutter an Depressionen[5], im Stockwerk über ihm wohnt eine gewisse Frau Werner mit ihrem Sohn Zacharias, der sechs Jahre älter als Hoffmann war, und der von seiner Mutter als der wiedergeborene Messias verehrt wurde[6] und aus dem obersten Stockwerk drangen stets die Schreie einer Wahnsinnigen[7]. So ist es kein Wunder, dass er später versuchte, die Erlebnisse mit den Geisteskranken dahingehend zu verarbeiten, dass er Nathanael auch geisteskrank werden ließ.

3.2 Die Künstlerpersönlichkeit

E.T.A. ist künstlerisch sehr vielseitig begabt. Im Bereich der Musik erzielt er einigen Erfolg und kann zeitweise seinen Lebensunterhalt damit verdienen. Aus Verehrung zu Wolfgang Amadeus Mozart legt er sich den Vornamen Amadeus zu und nennt sich fortan E.T.A. Hoffmann. Von 1808 bis 1813 arbeitet er als Kapellmeister, Musiklehrer, Theaterkomponist und Bühnenbildner in Bamberg, Leipzig und Dresden. Doch auch als Maler, Karikaturist und Zeichner kann sich der Dichter behaupten. So illustriert er alle seine Werke selbst.

Auch Nathanael hat seinen Heimatort verlassen um in G. (Glogau, wie E.T.A. Hoffmann selbst?) seinen Studien der Naturwissenschaften nachzugehen. Daneben schreibt er Gedichte über ungewöhnliche Begebenheiten, die sein Inneres sehr erregen und ihn aufwühlen. Über die Tätigkeit als Künstler versucht er, seine unheimlichen Erlebnisse mit Coppelius zu verarbeiten. Nathanael ist enttäuscht von der Wirkung, die sein Werk hat die Zuhörer hat. Er selbst reagiert mit „Grausen und Entsetzen“, während Clara mit Desinteresse auf den Vortrag seiner Gedichte reagiert, sie strickt einfach weiter und empfiehlt, die Dichtung ins Feuer zu werfen[8]. Allein Olimpia hört ihm schweigsam zu[9] und schenkt ihm und seinem Gedicht die erhoffte Beachtung.

3.3 Die Beziehungen zu Frauen

E.T.A. Hoffmann hat eine Affäre mit einer unglücklich verheirateten Frau, Dora Hatt, die während dieser Zeit ihr sechstes Kind zur Welt bringt. Am 20. Juni 1798 verlobt E.T.A. Hoffmann sich mit seiner Cousine Minna Doerffer in Glogau, löst diese Verbindung und heiratet am 26. Juli 1802 Maria Thekla Michalina Rorer-Trzynska[10].

Auch im Leben von Nathanael gibt es zwei Frauen. Zum einen handelt es sich dabei um Clara, seine Verlobte[11], zum anderen um Olimpia, eine Automatenpuppe[12]. Die Beziehung zur ersteren ist anfangs eine Liebesbeziehung. Doch mit Nathanaels zunehmender Furcht vor dem unheimlichen Coppelius, kühlt die Liebe schnell ab. Nathanael fühlt sich von Clara im Stich gelassen, sie wirkt kühl, vernünftig und abweisend[13] und hält seinen Verfolgungswahn für „mystische Schwärmerei“[14]. Hingegen verliebt er sich erst nach einem Blick durch das Taschenperspektiv in Olimpia (S. 31). Das Gesicht dieser Puppe, zuvor bewegungslos und ohne Emotionen, verändert sich. Es scheint lebendig und wunderschön. Nathanael verfällt in romantische Schwärmerei „die himmlisch-schöne Olimpia“ (S. 32).

[...]


[1] Universal-Lexikon: http://universal_lexikon.deacademic.com/106334/Nachtst%C3%BCck, abgerufen am 24.11.2017

[2] Horst Grube: Königs Erläuterungen zu E.T.A. Hoffmann, Der Sandmann, Bange Verlag, Hollfeld, 4. Auflage, 2015

[3] Thomas Koebner: Bürger und Familie im 19. Jahrhundert in: E.T.A. Hoffmann, Einfach Deutsch, Schöningh 2004, Anhang, S. 68 - 69

[4] E.T.A. Hoffmann: Der Sandmann, Einfach Deutsch, Schöningh 2014

[5] Muncker, Franz, "Hoffmann, Ernst" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 575-583 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118552465.html#adbcontent

[6] Ringel, Stefan, Die krankhaften Werke des leidenden Mannes, URL: http://www.tour-literatur.de/Autoren_texte/hoffmann_eta.htm

[7] E.T.A. Hoffmann-Projekt am Dr. Joanna Decker Gymnasium Amberg, URL: http://www.rarevision.org/blog/erg-4.htm

[8] E.T.A. Hoffmann: Der Sandmann, Einfach Deutsch, Schöningh, 2004, S. 28

[9] E.T.A. Hoffmann: Der Sandmann, Einfach Deutsch, Schöningh, 2004, S. 35

[10] Peter Härtling: Hoffmann oder Die vielfältige Liebe, dtv Taschenbuch, München 2006, http://www.dieterwunderlich.de/Haertling_Hoffmann.htm, abgerufen am 24.11.2017

[11] E.T.A. Hoffmann: Der Sandmann, Einfach Deutsch, Schöningh, 2004, S. 15

[12] E.T.A. Hoffmann: Der Sandmann, Einfach Deutsch, Schöningh, 2004, S. 40, 42 - 43

[13] E.T.A. Hoffmann: Der Sandmann, Einfach Deutsch, Schöningh, 2004, S. 24, 25, 28

[14] E.T.A. Hoffmann: Der Sandmann, Einfach Deutsch, Schöningh, 2004, S. 24

Details

Seiten
8
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668723054
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v428345
Note
1-
Schlagworte
autobiographische elemente hoffmanns werk sandmann

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Titel: Autobiographische Elemente in E.T.A Hoffmanns Werk "Der Sandmann"