Lade Inhalt...

Arabische und Westeuropäische Kommunikation im Vergleich

Seminararbeit 2018 17 Seiten

Medien / Kommunikation - Interkulturelle Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Dimensionen der nonverbalen Kommunikation im Vergleich
2.1 Raum- und Distanzverhalten
2.2 Blickkontakt
2.3 Zeit- und Verbindlichkeitsgefühl
2.4 Gestik

3 Dimensionen der verbalen Kommunikation im Vergleich
3.1 Kommunikationsstile
3.2 Tonfall und Emotionen
3.3 Geschlechterrollen in der Kommunikation

4 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Kommunikation ist eine Grundvoraussetzung menschlichen Zusammenlebens. Die Kommunikation ist eine Grundlage dafür, wie Menschen ihre Kultur bilden und wie sie die Welt, in der sie kommunizieren, sehen (Kumbruck/Derbowen 2015, s. 46). ״Das heißt, die Menschen konstruieren sich ihre Welt; unterschiedliche Kulturen haben demzufolge unterschiedliche Welten“ (Kumbruck/Derbowen 2015, s. 46). Hierbei spricht man von dem Begriff der interkulturellen Kommunikation. Diese wird laut Broszinsky-Schwabe als sozialer Prozess verstanden, der im Rahmen einer Interaktion stattfindet oder eine Interaktion auslöst. Interkulturelle Kommunikation gilt als Spezialfall der Kommunikation, für welche die Erkenntnisseüber Bedingungen, Elemente und Abläufe von Kommunikation in gleicher Weise gelten, jedoch unter den Bedingungen des Einflusses von fremden Kulturmuster (vgl. Broszinsky-Schwabe 2016, s. 16).

Um die verbalen und nonverbalen Kommunikationsprozesse in unterschiedlichen Ländern und Kulturen beschreiben zu können, beschäftigt sich diese Arbeit mit dem Vergleich von arabischen und westeuropäischen Kommunikationskulturen. Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Forschungsfrage ״Inwiefern unterscheidet sich die verbale und nonverbale Kommunikation im Arabischen und Westeuropäischen Raum?“ zu beantworten. Hierbei soll verständlich gemacht werden, welche Kulturbereiche Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der verbalen, als auch in der nonverbalen Kommunikation, aufweisen. Im Blickpunkt Stehen dabei interkulturelle Unterschiede: von der unterschiedlichen Bedeutung von Wörtern und Symbolen bis zu Gesten oder gegensätzlichen Verhaltensmustern in der Geschlechterverteilung der Kommunikation. Durch das Aufzeigen der interkulturellen Unterschiede wird die Notwendigkeit sichtbar, sich mit der fremden und mit der eigenen Kultur auseinander zu setzen und deren Folgen für Verständigung zu erkennen. Ziel dieser Arbeit ist es, für kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu sensibilisieren.

Die Kapitel der Arbeit gliedern sich in zwei Teile, die sich mit der nonverbalen und verbalen Kommunikation im Vergleich zu arabischer und westeuropäischer Kultur beschäftigen. Im ersten Teil wird das Raum- und Distanzverhalten, der Blickkontakt, das Zeit- und Verbindlichkeitsgefühl und die Gestik der nonverbalen Kommunikation erläutert. Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der verbalen Kommunikation und geht auf die Dimensionen der Kommunikationsstile, des Tonfalls und der Sprechgeschwindigkeit, sowie der Geschlechterrollen in der Kommunikation ein. Um den theoretischen Input mit praktischen Argumentationen zu hinterlegen, wurde im Rahmen dieser Forschungsarbeit ein Interview mit einer Dolmetscherin aus Österreich durchgeführt. Sie studierte Transkulturelle Kommunikation in Graz und absolvierte ihr Masterstudium an der Universität Magdeburg, Deutschland. Während ihres Studiums lebte sieüber zwei Jahre lang im arabischen Raum und ist eine der wenigen Arabisch-Dolmetscherinnen aus Österreich. Momentan lehrt sie an der Universität Würzburg.

2 Dimensionen der nonverbalen Kommunikation im Vergleich

Kommunikativ bedeutsame Dinge werden oft auch ohne Worte ausgedrückt. Personen geben durch bestimmte Bewegungen und Gesten Signale an andere ab. Dies können Bewegungen der Hand, Verschiebungen der Füße, Gewichtsverlagerungen des Körpers, Neigungen des Kopfes oder Veränderungen des Gesichtsausdruckes sein. Viele derartige nonverbale Kommunikationsmittel sind eigenständige Ausdruckserscheinungen, andere werden durch verbale Kommunikationsmittel begleitet. Kommunikation geschieht nicht nur mit Worten, sondern mit dem ganzen Körper. Im Vergleich zu der verbalen Kommunikation, in der eine begrenzte Anzahl von Worten verwendet wird, verfügt die nonverbale Kommunikationüber umfassende Informationsausdrücke (Delhees 1994, s. 128). Besonders in anderen Kulturen, gelten verschiedenen nonverbale Kommunikationsformen. So gilt in den arabischen Kulturen eine andere nonverbale Kommunikation, als in westeuropäischen Kulturen, da sich die Ausdrucksmittel je nach verschiedenen Geschlecht, verschiedener Kulturen, verschiedenen Altersklassen und Gesellschaftsschichten unterscheiden.

2.1 Raum- und Distanzverhalten

״Begegnung und Kommunikation finden immer in einem Vorgefundenen Raum statt, der damit selbst Teil der Kommunikation wird“ (Broszinsky-Schwabe 2016, s. 141ff ). In Hinblick auf die verbale und nonverbale Kommunikation der arabischen und europäischen Bevölkerung lassen sich besonders Aspekte des Raumverhaltens hervorheben. Die jeweilige Kultur ist ausschlaggebend dafür, wie Menschen sich in Räumen bewegen, wie sie den Raum für ihre Vorstellungen gestalten und welche Rolle der private undöffentliche Raum in der Kommunikation spielt. Das Verhalten im Raum ist weitgehend unbewusst und wird stark durch das Distanzverhalten zwischen Kommunikationspartnern und Partnerinnen beeinflusst. Edward T. Hall hat dieses Verhalten als erster erforscht und damit die Proxemik, die Erforschung der Bedeutung des Raumes für die Kommunikation, begründet. Anlass dafür war das unterschiedliche Empfinden für Körperdistanz und Nähe in unterschiedlichen Kulturen (Hall 1959, s. 208 f). Wie man auch an der arabischen Kultur und der westeuropäischen erkennen kann, unterscheidet sich hierbei das Raum- und Distanzverhalten grundlegend. (Broszinsky- Schwabe 2016, s. 142f.)

Es gibt ein kulturspezifisches Distanzverhalten, welches beschreibt, welcher räumliche Abstand als angenehm, unangenehm oder gar störend empfunden werden kann. In dem Experteninterview wurde ebenfalls bestätigt, dass das Raum- und Distanzverhalten zwischen der arabischen und westeuropäischen Kommunikation sehr unterschiedlich ist. Die körperliche Distanz zwischen arabischen Kommunikationspartnem und Partnerinnen ist um einiges geringer, als es Personen aus westeuropäischen Kulturen gewohnt sind. ״Während Österreicher beispielsweise darauf bedacht sind, zu ihrem Kommunikationspartner und Partnerinnen, insbesondere wenn dieser ein Fremder ist, körperlich Abstand zu wahren, könnte das gleiche Verhalten im Gespräch mit einem Araber den Eindmck erwecken, dass man ihn nicht mag und das Gespräch mit ihm ablehnt“ (Experteninterview zum Thema interkulturelle Kommunikation in der arabischen Kultur, 2017). Ebenfalls ging aus dem Interview die Tatsache hervor, dass der Körperkontakt zwischen Arabern eine wichtige Rolle in der Kommunikation einnimmt. In dieser Kultur ist esüblich, sich während eines Gespräches immer wieder am Arm oder der Schulter zu berühren. Dies spielt auch in der Kommunikation zwischen Männern eine bedeutende Rolle. Sofern die Kommunikationspartner und Partnerinnen aber unterschiedlichen Geschlechtes sind, wird die gegenseitige Distanz gewahrt. In den westeuropäischen Breitengraden ist es durchaus bekannt, dass die Kommunikationspartner oder Partnerinnen eine besonders weite Distanzzone haben. In der Kommunikation wird grundsätzlich ein Abstand auf Armeslänge genommen, denn der Kommunikationspartner oder die Kommunikationspartnerin sollte während der Kommunikation nicht berührt werden. (Vgl. Collett 1996, s. 103 ff.)

2.2 Blickkontakt

Ein entscheidendes Merkmal der nonverbalen Kommunikation ist der Blickkontakt. In einer Begegnung von zwei Kommunikationspartnem und Partnerinnen spielt der erste Blickkontakt eine wichtige Rolle in der interpersonalen Kommunikation. Dass ein erster Blickkontakt zwischen Menschen ausgetauscht wird, ist universell und in jeder Kultur gleich. Was einen Unterschied zwischen den Kulturen darstellt sind Regeln, wie lange der Blickkontakt dauert, wer wen anblickt und wer nicht. Gmndlegend erfüllt der Blickkontakt drei Funktionen: Eine Kontrollfunktion, bei derüberprüft wird, wie sich der Kommunikationspartner oder die Kommunikationspartnerin verhält. Weiters erfüllt der Blickkontakt eine Steuerungsfunktion, indem man andere durch seine Blicken beeinflussen kann. Ebenfalls können Blicke auch Intimitässignale sein. Das heißt, wenn Sympathie zwischen den Kommunikationspartnern und Partnerinnen liegt, werden Blicke ausgetauscht. In den Kulturen wird jedoch unterschiedlich mit diesen drei Signalen umgegangen. Im westeuropäischen Raum ist esüblich, dass ein Blickkontakt ein grundlegender Teil des Kommunikationsprozesses zwischen beiden Geschlechtspartnem und Partnerinnen ist. (Broszinsky-Schwabe 2016, s. 126f.) In der arabischen Kommunikation spielt der Blickkontakt, ebenso wie der Körperkontakt zwischen Kommunikationspartnern und Partnerinnen, eine wichtige Rolle in der nonverbalen Kommunikation. Zwischen gleichgeschlechtlichen Kommunikationspartnern und Partnerinnen ist ein intensiver und ständiger Blickkontakt während eines Gespräches unabdinglich. Durch die Beobachtung des jeweils anderen Kommunikationspartners und der Partnerin wird sichergestellt, dass das Gesagte verstanden und richtig aufgefasst wurde. Wenn die Kommunikationspartner und Partnerinnen jedoch ein unterschiedliches Geschlecht aufweisen, wird der Blickkontakt eher vermieden. Wenn beispielsweise ein Mann eine Frau direkt adressiert, wird die Frau den Blicken des Mannes ausweichen und ihren Blick senken. Hierbei wird ein intensiver Blickkontakt als aufdringlich und unfreundlich empfunden. Wenn dem Blick des Kommunikationspartners und der Partnerin unterschiedlichen Geschlechts ausgewichen wird, gilt dies in der arabischen Kommunikation als Zeichen des gegenseitigen Respekts und der Höflichkeit, besonders gegenüber Frauen. (Rebasso 2016, s. 21) Diese Tatsachen gingen ebenfalls aus den Ergebnissen des Experteninterviews hervor. Die Probandin hat im Laufe des Gesprächs mehrmals betont, dass die nonverbale Kommunikation und besonders die Gesichtsmimik und Gestik eine wichtige Rolle in der arabischen Kultur spielt. Der Blickkontakt ist ein wichtiger Faktor in der arabischen Kommunikation. Man kann den Stellenwert des Blickkontaktes in der arabischen Kommunikation mit dem eines aufmerksamen Zuhörens in der westeuropäischen Kommunikation vergleichen. (Experteninterview zum Thema interkulturelle Kommunikation im arabischen Raum, 2017)

2.3 Zeit- und Verbindlichkeitsgefühl

Zeit- und Verbindlichkeitsgefühl spiegeln den Charakter von Kulturen wider. In manchen Kulturen, wie der westeuropäischen, sind alle Aktionen und Interaktionen geplant und verfolgen einen Zeitplan. Aus Erfahrung kann man in der westeuropäischen Kultur behaupten, dass man seit der Kindheit gewohnt ist, sich nach der Uhrzeit und dem Kalender zu richten. Angefangen von den Stundenplänen in der Schule, bis hin zum Kalender am Arbeitsplatz lernt man ein Zeit- und Verbindlichkeitsgefühl zu entwickeln. Dies gilt aber nicht für alle interkulturellen Kulturen. In der arabischen Kultur kann es durch eine unterschiedliche Auffassung von Zeit- und Verbindlichkeitsgefühlen zu Problemen und Missverständnissen in interkulturellen Begegnungen führen. (Broszinsky-Schwabe 2016, s. 146f.) Da im arabischen Kulturraum ein anderes Zeitgefühl verbreitet ist, als im Westeuropäischen Raum, kam es bei der Probandin des im Zuge dieser Arbeit durchgeführten Interviews, wiederholt zu Missverständnissen und Konflikten in den Kommunikationsprozessen mit ihren Mitmenschen (Experteninterview zum Thema interkulturelle Kommunikation im arabischen Raum, 2017) ״Viele Araber nehmen es mit der Pünktlichkeit, aber auch mit Verabredungen im Allgemeinen nicht so ernst; vielmehr empfinden sie eine bis auf die Minute genau festgelegte Verabredung oftmals als befremdlich“ (Experteninterview zum Thema interkulturelle Kommunikation im arabischen Raum, 2017). Dementsprechend hat die Probandin die Erfahrung gemacht, dass Termine oder Verabredungen so lange verschoben werden, bis beispielsweise die Stimmung, der Ort und die Zeit wirklich passen (Experteninterview zum Thema interkulturelle Kommunikation im arabischen Raum, 2017). In der arabischen Kultur gilt, anders als in Westeuropa, die Flexibilität und Geduld in allen Lebenslagen als Tugend. In Westeuropa wird aufgrund des etablierten Zeit- und Verbindlichkeitskonzeptes die Pünktlichkeit geschätzt. Die arabischen Kommunikationspartner und Partnerinnen empfinden es ebenfalls nicht als unhöflich, einen Termin oder ein Gespräch zu unterbrechen, um beispielsweise einen Telefonanruf entgegen zu nehmen oder sich jemand anderen zu widmen (Rebasso 2016, s. 22).

2.4 Gestik

Gesten sind Bewegungen und Symbole, die von Menschen mit ihrem Kopf, ihren Armen, ihren Schultern, ihren Händen oder den ganzen Körper ausgeführt werden. Gesten können verschiedene Funktionen aufweisen. Sie können Worte betonen, um beispielweise eine Zahl mit den gezeigten Fingern zusätzlich zu repräsentieren oder für sich allein Stehen, um beispielsweise jemanden zur Verabschiedung winken. Die Gestik von Personen begleitet ihre soziale Interaktion: Sie wird in Kulturen genutzt, um sich zu Begrüßen und zu Verabschieden oder um sich auf die Schulter zu klopfen und so gegenseitige Akzeptanz zu bezeugen. Gesten sind ein Bestandteil jeder kulturellen Kommunikation, jedoch werden sie von jeder Kultur unterschiedlich interpretiert. Dies kann eine Quelle für interkulturelle Missverständnisse darstellen. (Broszinsky-Schwabe 2016, s. 13lf.) ״Die gleiche Geste kann in verschiedenen Kulturen Unterschiedliches bedeuten und die selbe Bedeutung kann durch unterschiedliche Gesten ausgedrückt werden“ (Broszinsky-Schwabe 2016, s. 131).

[...]

Details

Seiten
17
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668730182
ISBN (Buch)
9783668730199
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v428460
Institution / Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt – Medien- und Kommunikationswissenschaft
Note
1,00
Schlagworte
Kommunikation Verbal Nonverval Europäisch Arabisch

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Arabische und Westeuropäische Kommunikation im Vergleich