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Verletzungsprophylaxe im Nachwuchs-Eishockey auf analytischer Basis des Verletzungsmechanismus

Studienarbeit 2018 18 Seiten

Sport - Sportmedizin, Therapie, Prävention, Ernährung

Leseprobe

Inhalt

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Verletzungshäufigkeit im Herrenbereich

3. Verletzungsverteilung und Ausfallzeiten
3.1 Kopfverletzungen
3.2 Untere Extremitäten
3.3 Obere Extremitäten

4. Verletzungsmechanismen & Verletzungshergang
4.1 High-speed Low-mass injury
4.2 Low-speed High-mass injury
4.3 Kopf
4.4 Untere Extremitäten
4.5 Obere Extremitäten

5. Prävention

6. Fazit - Leitfaden für den Nachwuchsbereich zur Verletzungsprophylaxe

7. Literaturverzeichnis

8. Eidesstattliche Erklärung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Verletzungsverteilung nach Klein et al. (2013)

Abbildung 2 Verletzungsverteilung nach Agel & Athl Train (2007)

Abbildung 3 Verursachte Ausfallzeiten - Rekonvaleszenzendauer

Abbildung 4 Verletzungsverteilung auf die Körperregionen nach Bloch et al. (2017)

Abbildung 5 Verletzungsverteilung von Training zu Spiel nach Bolch et al. (2017)

1. Einleitung

Zuerst stellt sich die Frage, wie ich zu diesem Thema gekommen bin. Ich war selbst seit meinem sechsten Lebensjahr ein passionierter Eishockey Spieler und habe vor der Saison 2017/18 meine aktive Karriere beendet. Dem Eishockey möchte ich jedoch dennoch verbunden bleiben und habe mich deshalb auch bedingt durch meinen sportwissenschaftlichen Hintergrund für eine Trainerlaufbahn entschieden. In meiner Zeit als aktiver Spieler war ich auch von diversen Verletzungen betroffen, beispielsweise Sprengung des АС-Gelenks im Frühjahr 2015 und Herbst 2016. Für die Saison 2018/19 wurde ich von meinem Heimatverein, als U20 Trainer installiert und bin gleichzeitig für das Off-ice Training der U20, U17 und U15 Mannschaften verantwortlich. Um dieser Position gerecht zu werden, besuchte ich im März 2018 das L2Play Seminar des Bayerischen Eissportverbandes. Dort ist mir aufgefallen, dass die Verletzungsprävention im Nachwuchsbereich eine eher untergeordnete Rolle spielt und der Fokus eher auf der Spielerentwicklung liegt, was ich hiermit auch nicht kritisieren möchte. Dennoch bin ich der Meinung, dass Spielerentwicklung und Verletzungsprophylaxe sich nicht ausschließen müssen. Liegen beispielsweise muskuläre Dysbalancen bei einem Athleten vor, wirkt sich das nicht nur negativ auf seine Performance aus, sondern auch das Verletzungsrisiko wird signifikant gesteigert.

Da das Eishockey ein Kontaktsport ist, ist Körperkontakt geläufig, im Herrenbereich ist sogar das Bodychecken erlaubt. Außerdem gibt es diverse potentielle Risikofaktoren, wie etwa unbeabsichtigte Kollisionen, die hohe Geschwindigkeit, schnelle Richtungswechsel und diverse Traumata bedingt durch die Spielfeldbegrenzung, den Schläger oder den Puck (Tuominen et al., 2014).

Das Eishockey gilt nicht nur als eine der attraktivsten und schnellsten Teamsportarten, sondern auch als eine der verletzungsträchtigsten (Luke, 2005). Bei Skating­Geschwindigkeiten von bis zu 45 km/h, auf glattem, hartem Untergrund mit umgebender Bande, einem Hartgummipuck, der Geschwindigkeiten von bis zu 170 km/h erreichen kann, können große Kräfte mit entsprechenden Verletzungsmustern auf den Körper und seine Strukturen einwirken (Gröger et al., 2001).

Daher hat sich diese Studienarbeit zum Ziel gesetzt, Schwerpunkte der Verletzungsprophylaxe im Eishockey zu erarbeiten um möglichst schon im Nachwuchsbereich intervenieren zu können und damit dem Verletzungsrisiko im Nachwuchs- sowie im späteren Karriereverlauf auch im Herrenbereich entgegen zu wirken. Dies ist jedoch eng Verbunden mit der quantitativen Erfassung und Analyse des Verletzungsgeschehens. Nur mit einer hinsichtlich der Verletzungen unstrittigen Faktenlage können Maßnahmen formuliert und umgesetzt werden (Klein et al., 2013).

Deshalb wird im ersten Teil dieser Arbeit die Verletzungshäufigkeit, die Verletzungsverteilung auf die verschiedenen Körperregionen und Gewebestrukturen sowie den Verletzungsmechanismus eingegangen und auf dieser Basis, im zweiten Teil, ein Leitfaden für verletzungspräventive Maßnahmen erarbeitet.

2. Verletzungshäufigkeit im Herrenbereich

Nach einer Studie von Bloch et al. (2017), die die Verletzungshäufigkeit der Eishockey Saison 2014/15 der zwei höchsten deutschen Spielklassen im Herrenbereich untersuchte, waren 623 von insgesamt 812 eingesetzten Spielern (76,7 %) während der Saison mindestens einmal verletzt. Keine signifikanten Unterschiede in der Prävalenzrate zwischen DEL und DEL2 konnten nachgewiesen werden. Grundsätzlich haben Torhüter ein geringeres Verletzungsrisiko als Feldspieler, jedoch mit der Ausnahme der Knieverletzungen, welche auf die torwartspezifischen Bewegungsmuster zurückzuführen sind. Feldspieler haben im Gegensatz zu den Torhütern eine 95% höhere Wahrscheinlichkeit eine Kopf- oder Handverletzung zu erleiden.

Laut einer siebenjährigen Studie von Tuominen et al. (2014), welche die Verletzungshäufigkeit in internationalen Spielen zwischen den Jahren 2006 und 2013 analysierte, wurden 528 Verletzungen in 844 Spielen registriert. Lediglich 27 Verletzungen traten im Trainingsbetrieb auf. Auch Klein et al. (2013) kamen zuähnlichen Ergebnissen, bei der Analyse der Verletzungsverteilung der Wettkampfsaisons 2010/11 bis 2012/13 im deutschen Eishockey. Etwa 65% der Verletzungen traten hier im Wettkampf auf. Auch aus den Ergebnissen von Bloch et al. (2017) lässt sich ablesen, dass der Großteil der Verletzungen (69,1%) im Wettkampfbetrieb auftreten. Laut Klein et al. (2013) ist dies zurückzuführen auf die hohe Anzahl an Spielen in einer Wettkampfperiode, was bei internationalen Turnieren bzw. Spielen wegfallen würde, ohne dabei die Belastung eines internationalen Turnieres auf den Körper der Athleten schmälern zu wollen, aber auch durch das bewusste in Kauf nehmen von Verletzungen durch das Checken von Gegenspielern, worauf im Trainingsbetrieb in der Regel verzichtet wird. Anzumerken ist noch, dass ein wesentlicher Anteil des Trainings Off-Ice durchgeführt wird.

Aus den Forschungen von Tuominen et al. (2014) geht auch hervor, dass die häufigsten Verletzungsarten im Eishockey Lazerationen, Distorsionen, Kontusionen und Frakturen sind. Lazerationen treten meist als Folge von hohem Stock im Gesicht auf. Bei Verletzungen der unteren Extremitäten waren die häufigsten Verletzungen die des Kniegelenks, bei dem oberen Pendant dazu, die Schulterverletzungen.

3. Verletzungsverteilung und Ausfallzeiten

Aus der Analyse der Verletzungsverteilungen von Bloch et al. (2017) geht hervor, dass der Kopf am häufigsten betroffen ist (17,9%). Als nächste Verletzungsanfällige Körperpartie wird die Schulter, mit 10,7% gelistet, gefolgt von dem Oberschenkel (20,1%), dem Knie (9,1%) und der Hand (7,4%; siehe Abb.4). Auch Klein et al. (2013) lokalisieren die Verletzungsanfälligsten Körperteile im Bereich des Kopfes, dem Knie, der Schulter und dem Oberschenkel (siehe Abb. 1). Agel & Athl (2007) kommen definieren ebenfalls das Knie, den Kopf, die Schulter und den Oberschenkel als die am häufigsten von Verletzungen betroffene Körperregion im Eishockey (siehe Abb. 2).

Somit kann festgehalten werden, basierend auf der Tatsache, dass von verschiedenen, voneinander unabhängigen Wissenschaftlern, verschiedene Wettbewerbe untersucht wurden, dass im Bereich des Kopfes, der Schulter sowie den unteren Extremitäten am häufigsten Verletzungen auftreten.

Abbildung 3 zeigt, dass die Schulterverletzungen die meiste medizinische Versorgung benötigten und gleichzeitig zu den höchsten Ausfallzeiten führten. Die zweitlängsten Ausfallzeiten verursachten Knie-, gefolgt von den Kopfverletzungen. Nach Klein et al. (2013) verursachten die gleichen Körperregionen die längsten Ausfallzeiten. Diese Statistiken sind jedoch kritisch zu betrachten, da in Europa das Bewusstsein für Gehirnerschütterungen im Gegensatz zum angloamerikanischen Raum gerade erst auf dem Vormarsch ist, so ist nicht auszuschließen, dass Spieler nach erlittenen Kopftraumata durch Fehldiagnosen bzw. Verharmlosungen der Verletzungen zu früh zum Spielbetrieb zugelassen wurden, was die Statistiken verfälschen würde.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Verletzungsverteilung nach Klein et al. (2013)

Quelle: Descriptive Epidemiology of Collegiate Men's Ice Hockey In­juries: National Collegiate Athle­tic Association Injury Surveillance System, 1988-1989 Through 2003­2004

Agel J. et al, J Athl Train. 2007 Apr- Jun; 42(2): 241-248.

Tabelle I: Häufigste Verletzungen bei Eishockeyspielen (Männer),

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Verletzungsverteilung nach Agel & Athl Train (2007)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Verursachte Ausfallzeiten Rekonvaleszenzendauer

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Verletzungsverteilung auf die Körperregionen nach Bloch et al. (2017)

3.1 Kopfverletzungen

Kopfverletzungen sind im Eishockey nach Abbildung 2 die zweithäufigsten auftretenden Verletzungen, in Abbildung 1 und 4 stellen ebendiese sogar den ersten Platz in der Häufigkeit der Verletzungsverteilung.

Die häufigsten Verletzungen des Kopfes, stellen im Eishockey Schädel-Hirn-Traumata sowie orale Verletzungen, wie der Lippen oder der Zähne dar. Ratta¡ und Levin (2018) untersuchten dazu in einem 15-jährigem Zeitraum (2001 - 2016) Verletzungen im Eishockey in der kanadischen Provinz Alberta. Gemeldet wurden dabei 12 433 Verletzungen, wobei 16% den Mundraum betrafen. Die meisten dieser Verletzungen entstanden dabei durch Kollisionen von Puck oder Schläger mit dem Gesicht des Spielers (Low-mass High-speed injury). Diese Art der Verletzung hält den Spieler in den meisten Fällen wenige Tage vom Spielgeschehen ab.

Gehirnerschütterungen wurden von Tuominen et al. (2014) in der siebenjährigen Studie ״lediglich“ 52-mal diagnostiziert, jedoch sollte diese vergleichsweise geringe Zahl, bezugnehmend auf die Rekonvaleszenzdauer sowie die Spätfolgen für die Athleten nicht kleingeredet werden. Spieler, die auf der Position des Mittelstürmers eingesetzt werden, laufen am meisten Gefahr an einer Gehirnerschütterung zu erleiden, die Mehrzahl der Kopftraumata spielte sich im ersten Drittel ab. Die meisten Gehirnerschütterungen traten durch direkte Mann-zu-Mann Kollisionen ohne Spielfeldumrandungskontakt auf.

Auch Bloch et al. (2017) kamen zuähnlichen Ergebnissen, Kopfverletzungen bilden mit 17,9 % der Verletzungen die Spitzenposition (siehe Abb. 4).

3.2 Untere Extremitäten

Nicht selten sind bei Verletzungen im Eishockey die unteren Extremitäten betroffen. Laut Abbildung 1 ist das Kniegelenk das zweithäufigste, der Oberschenkel der vierthäufigste sowie das Sprunggelenk das sechsthäufigste betroffene Körperteil im Eishockey. Nach Abbildung 2 ist das Kniegelenk sogar am häufigsten betroffen, gefolgt von dem Kopf, der Schulter, dem Oberschenkel und dem Becken bzw. dem Hüftgelenk. Somit kann zusammenfassend gesagt werden, dass Verletzungen der unteren Extremitäten im Eishockey recht häufig auftreten. Hierbei spielen Verletzungen des Fußes, gemessen an der Häufigkeit, eine eher untergeordnete Rolle, sind jedoch durch die hohe Rekonvaleszenzendauer nicht zu vernachlässigen (Gröger et al., 2001). Häufiger betroffen ist das Kniegelenk, wobei (Sub-) Luxationen hierbei aufgrund der enormen Kräfte, die im Eishockey wirken, verhältnismäßig oft diagnostiziert werden (Weisskopf, 2010).

Tyler et al. (2002) lokalisierten eine zu gering ausgeprägte Adduktor Muskulatur als einen großen Risikofaktor für Verletzungen im professionellen Eishockey.

3.3 Obere Extremitäten

Einer der häufigsten Verletzungen der Oberen Extremitäten im Eishockey bildet die Schulterverletzung (siehe Abb. 1, 2 und 4). Laut IIHF-Statistik (UHF Injury reporting system 2008-2009) sind Schulterverletzungen bei Verletzungen der oberen Extremitäten am häufigsten betroffen. Wie in Abbildung 3 zu sehen, verursacht die Schulterverletzung die meisten medizinischen Behandlungen und weist die höchste Rekonvaleszenzendauer auf.

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Details

Seiten
18
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668730700
ISBN (Buch)
9783668730717
Dateigröße
714 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v428658
Institution / Hochschule
Deutsche Hochschule für Gesundheit und Sport (vormals H:G Hochschule für Gesundheit & Sport, Technik & Kunst) – Sport und angewandte Trainingswissenschaft
Note
2,3
Schlagworte
Eishockey Verletzungsprophylaxe prehab injury Icehockey Verletzungs Analyse

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Titel: Verletzungsprophylaxe im Nachwuchs-Eishockey auf analytischer Basis des Verletzungsmechanismus