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Römische Beziehungsformen. Eine Analyse der römischen Quellen

Hausarbeit 2018 22 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die römische Gesellschaft - Einige Besonderheiten

3. Die unterschiedlichen Beziehungsformen
3.1 Manus-Ehe
3.2 Manus-freie Ehe
3.3 Der Konkubinat
3.4 ,,Contubernium“

4. Die Beziehungsformen im Einklang mit den gesellschaftlichen Eigenschaften

5. Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Institution Ehe, wie sie heute existent ist, wird für einen Großteil der Gesellschaft vermutlich schlicht und einfach damit begründet, dass sie aus Liebe eingegangen wird. Natürlich gibt es auch Gründe, wie beispielsweise den daraus resultierenden steuerlichen Vorteil für beide Ehepartner, die den Aspekt der Liebe nicht allein als Motiv ins Zentrum rücken, allerdings wird die Ehe als lebenslanges Bündnis in der gesellschaftlichen Vorstellung vermutlich meist auf der Gefühlsebene fundiert. Jedoch werden heute, im 21. Jahrhundert, ebenfalls Beziehungsformen toleriert, die sich außerhalb der ehelichen Sphäre befinden. Bevor legitime Ehen geschlossen werden, leben Menschen mit ihren Partnern häufig jahrelang in einer normalen Beziehung, teilweise gehen bereits aus dieser Phase Kinder hervor, bevor eine Ehe, wenn sieüberhaupt angestrebt wird, zu Stande kommt. Ebenfalls sind heutzutage große Freiheiten gegeben, sodass Jede/r selbst entscheiden kann, ob ein Leben ohne Partner*in, eine normale Partnerschaft ohne rechtliche Legitimität oder eine Ehe für die eigene Biografie in Frage kommt. Doch wie hat sich dies in der antiken römischen Gesellschaft verhalten? Welche Beziehungsformen gab es in dieser noch sehr an Standesunterschieden orientierten Gesellschaft und welche Zwecke brachte ihre “Erfindung“ mit sich? Und inwiefern lassen sich die gesetzlichen Regelungen zu diesen Beziehungsformen anhand der römischen Gesellschaft wiederfinden? Dies sollen die Kernfragen in der folgenden Hausarbeit sein. In Bezug auf die Forschung lässt sich sagen, dass insbesondere Raimund Friedl in seiner Monografie ,,Der Konkubinat im kaiserzeitlichen Rom“ diese Beziehungsformen behandelt und vor allem, wie bereits der Titel andeutet, den Konkubinat in den Mittelpunkt seiner Forschung rückt. Allerdings widmet er ebenfalls der Ehe als solches ein ganzes Kapitel, in dem er insbesondere das Eheverständnis in der Kaiserzeit fokussiert. Insbesondere lässt sich jedoch Literaturüber die antiken Beziehungsformen im Bereich der Gender- Forschung finden. Wichtige Werke existieren hier vor allem von Arne Duncker, der sich in seiner Monografie ,,Gleichheit und Ungleichheit in der Ehe. Persönliche Stellung von Frau und Mann im Recht der ehelichen Lebensgemeinschaft 1700-1914“ nicht nur mit neuzeitlichen Geschlechterrollen innerhalb der Ehe beschäftigt, sondern ebenfalls die Epoche der Antike beleuchtet und auf die Existenz unterschiedlicher Ehearten Bezug nimmt. Des Weiteren kann der im Jahr 2006 veröffentlichte Sammelband von Thomas Späth und Beate Wagner-Hasel genannt werden, der den Titel trägt: ,,Frauenwelten in der Antike. Geschlechterordnung und weibliche Lebenspraxis“. Direkt das erste Kapitel dieses Sammelbandes ,,Heirat und Zugehörigkeit“ beschäftigt sich mit dem Thema Ehe, wobei insbesondere der Aufsatz von Christiane Kunst gelungen politische undökonomische Aspekte der Ehe thematisiert. Um den soeben genannten Kernfragen nachzugehen, soll zu Beginn des Hauptteils, somit im zweiten Kapitel skizziert werden, durch welche Besonderheiten bzw. Eigenschaften sich die römische Gesellschaft auszeichnet. Dieser Teil basiert somit lediglich auf Befunden aus der Sekundärliteratur bzw. der bereits existenten Forschung zu diesem Thema. Das nachfolgende dritte Kapitel macht es sich zur Aufgabe, die unterschiedlichen Beziehungsformen, die in der römischen Gesellschaft zu finden sind, anhand von ausgewählten Quellen zu erläutern, um im darauffolgenden vierten Kapitel zu zeigen, wie die Eigenschaften und Zwecke der unterschiedlichen Beziehungsformen die in Kapitel zwei erwähnten Aspekte widerspiegeln. Der Ausdruck ,,Beziehungsformen“ wird hier bewusst gewählt, da das dritte Kapitel neben den beiden Arten der Ehen, also der sogenannten ,,Manus-Ehe“1, als auch der ,,manus-freien Ehe“2, ebenfalls den ,,Konkubinat“ und das ,,contubernium“ behandelt, die beide nicht unter die Kategorie “Ehe“ gezählt werden können. In Bezug auf die Quellenauswahl lässt sich sagen, dass die Manus-ehe mit Hilfe der ,,Institutionen des Gaius“ gestützt und erläutert werden soll, da diese Form der Ehe mit dem Ende der Republik nahezu verschwand und zu Beginn der Prinzipatszeit nur noch vereinzelt auftrat.3 Die Institutionen sind als Lehrbücher ca. um 161 v. Chr.4 erschienen sind und geben demnach die Manusehe in ihren gesetzlichen Eigenschaften wieder.5 Für die manus-freie Ehe hingegen, die mit dem Beginn des Prinzipats immer populärer wurde, wird der ,,Corpus Iuris Civilis“ verwendet, in dem sich in Bezug auf die Institution Ehe zahlreiche gesetzliche Bestimmungen finden lassen.6 Ebenso soll dies der Fall bei den Ausführungenüber den Konkubinat sein, der, obwohl er keine eheähnliche Verbindung ist, ebenfalls eingeschränkt in den Bestimmungen des ,,Corpus Iuris Civilis“ aufgeführt ist. Wie Raimund Friedl hervorhebt, präsentieren ,,[...] die Digesten […] den Konkubinat ausschließlich als monogame Lebensform [...]“7, was im Kapitel 3.3 näher beleuchtet werden soll. Ebenfalls soll eine wichtige römische Beziehungsform zwischen Sklaven nicht außer Acht gelassen werden. Das ,,contubernium“ wird jedoch nicht in dem Maße erläutert, wie es bei den anderen drei Beziehungsformen der Fall ist. Es wird lediglich kurz angeschnitten und auch nurüber die Sekundärliteratur beschrieben, was näher in Kapitel 3.4 erläutert wird. Bewusst wurde sich hier für juristische Quellen entschieden, da gesetzliche Bestimmungen am ehesten wiedergeben, wie eine jeweilige Gesellschaft sein soll bzw. erwünscht wird. In Bezug auf die Beziehungsformen lässt sich somit am idealsten untersuchen, inwiefern diese sich mit den Besonderheiten der antiken römischen Gesellschaft decken. Anzumerken ist ebenfalls, dass im dritten Kapitel nicht ausschließlich Befunde aus den Quellen vorgestellt werden, sondern ebenfalls bereits vorhandene Forschungsliteratur mit eingearbeitet wird. Die direkt aus den Quellen herausgearbeiteten Befunde sind so ausgewählt, dass sie mit dem zweiten Kapitel in Verbindung gebracht werden können, was letztendlich im vierten Kapitel erfolgt. Somit werden zum Teil lediglich einzelne Paragraphen beschrieben bzw. genannt, um ebenfalls den für diese Hausarbeit vorgesehenen Rahmen nicht zuüberschreiten.

2. Die römische Gesellschaft – Einige Besonderheiten

Ziel des folgenden Abschnitts soll es nicht sein, die römische Gesellschaftsstruktur in allen Einzelheiten detailliert darzustellen bzw. die komplexe Sozialstruktur, die auch immer wieder, je nach Ära, einem Wandel unterworfen war, zu erläutern.8 Vielmehr soll das zweite Kapitel dieser Arbeit bestimmte “Phänomene“ bzw. Eigenarten innerhalb der römischen Gesellschaft aufgreifen, damit anschließend gezeigt werden kann, dass sich die unterschiedlichen Beziehungsformen in Rom zum Teil erheblich in diesen Eigenschaften widerspiegeln.

Ebenfalls lässt sich sagen, dass sich vor allem die beiden behandelten Eheformen, somit die Manus-Ehe, als auch die manus-freie Ehe zeitlich kaumüberschneiden, sondern die eine Form, wenn auch schleichend, von der anderen Form nahezu abgelöst wurde. Daher ist es im Rahmen dieses Kapitels nicht möglich, die jeweiligen Zeiträume,über die sich die Eheformen jeweils erstreckten, hinsichtlich ihrer Gesellschafts- und Sozialstruktur zu erläutern. Somit soll der Fokus des zweiten Kapitels nicht darauf liegen, die sich wandelnde römische Gesellschaftsstrukturüber den Beginn der Prinzipatszeit hinaus darzustellen. Vielmehr soll der Schwerpunkt auf allgemeine Eigenarten gelegt werden, die in Bezug auf die römische Gesellschaft von Bedeutung sind. Somit soll zunächst auf die Ebene der Hausgemeinschaft (,,familia“) Bezug genommen werden, die innerhalb des römischen Sozialgefüges eine ,,[...] kultische, soziale und wirtschaftliche Einheit [...]“9 bildete. Ob jemand zur Rechtsgemeinschaft gehörte, war insbesondere von der Geburt abhängig. Die Eltern mussten miteinander eine legitime Ehe geschlossen haben (,,matrimonium iustum“) und ebenfalls beide das römische Bürgerrecht besitzen, damit das geborene Kind ebenfalls als Römer bzw. Römerin gelten konnte.10 Das Oberhaupt der Familie war grundsätzlich der Vater, genannt ,,pater familias“, der die Familie zum einen im politischen, rechtlichen, als auch religiösen Kontext repräsentierte, zum anderen den Familienbesitz nach seinem Belieben verwalten durfte und durch seine Machtüber die Ehefrau, die Kinder und, wenn vorhanden, die Sklaven, ebenfalls befugt war,über Bestrafungen und rechtliche Sachverhalte zu entscheiden.11 Unter seine Gewalt (,,potestas“) zählten alle innerhalb der agnatischen Linie, somit also die männlichen, als auch weiblichen Nachkommen von männlicher Seite.12 Die Vereinigung von verwandten Familien erfolgte in der Sippe (,,gens“), die im Grunde die ,,[...] Gesamtheit der zu einem Geschlechtsverbande mit gemeinsamem Namen Gehörigen [...]“13 darstellte.14

Die Rolle, die die Frau innerhalb der römischen ,,familia“ eingenommen hat, lässt sich, wie auch die des Familienoberhauptes, nicht generalisieren. Allerdings gab es zumindest gesellschaftliche Vorstellungen, nach welchen Werten eine Frau idealtypisch leben sollte. Es ist in der Forschung bekannt, dass solche gesellschaftlichen sozial konzipierten Vorstellungen zum Teil nichts mit der Realität zu tun hatten. Allerdings soll in diesem Zusammenhang knapp auf diese soeben erwähnten idealtypischen Tugenden eingegangen werden, die insbesondere im Gründungsmythos Roms, in der Erzählungüber die von Livius konzipierte Lucretia15 zu finden sind. Entscheidend ist hierbei die Darstellung der weiblichen Tugend als ,,[...] Grundgerüst des Gemeinwesens [...]“16. Wenn die Frauen sich somit nicht an ihre Tugenden halten, so hatte dies direkte negative Auswirkungen auf die Gemeinschaft. Dies ist vor allem an der Tugend der Keuschheit zu erkennen, die insbesondere dann eine Rolle spielte, wenn Rom etwas negatives widerfuhr, da dieses Ereignis auf die Verletzung des Keuschheitsgebots seitens der Vestalinnen zurückgeführt wurde.17 Auf dieser Grundlage kann ebenfalls das idealtypische Verhalten begründet werden, das die Frau einem Mann gegenüber aufbringen sollte. Insbesondere die Treue, die Zuverlässigkeit, das rein und unschuldig Sein, der Fleiß, als auch die Ehrbar- und Sittsamkeit galten als höchste weibliche Tugenden, die immer auch daran angeknüpft waren, dem Ehemann stets ergeben zu sein.18

Diese den Mann begünstigende Familienstruktur ist ebenfalls eng mit Besitz- bzw. Vermögensangelegenheiten verknüpft. Welche soziale Position jemand hatte, war weniger von persönlichen Fähigkeiten und Leistungen abhängig, sondern primär von der Herkunft, der politischen Teilhabe, dem Agrarbesitz, eigenen Finanzen, der Rechtsstellung und einigen anderen Dingen.19 Das Vermögen hat somit eine erhebliche Rolle gespielt, insbesondere, um teure Karrieren zu finanzieren und den eigenen Lebensstil repräsentativ nach außen zeigen zu können, wobei die eigene Selbstinszenierung innerhalb der römischen Gesellschaft als besonders relevant galt.20

Vor allem innerhalb des Kontextes, der sich auf das Ende der punischen Kriege bezieht21, kann von einer hohen Wichtigkeit gesprochen werden, das eigene Vermögen so gut wie möglich zu kontrollieren. Dies muss insbesondere im Zusammenhang mit der Oligarchie gesehen werden, durch die der Konkurrenzdruck immens anstieg und einzelne Familien sich aus diesem Grund mit anderen Familien zusammenschlossen, um durch eine Art Zweckbündnis zu erreichen, sodass insbesondere politische undökonomische Kräfte zusammengeschlossen werden konnten.22 Kennzeichnend für die römische Gesellschaft war insbesondere die Sicherung politischer Macht und hohem Einfluss durch Geld und vor allem Grundbesitz. Auch das römische Bürgerrecht spielte bei der politischen Karriere einen erheblichen Einfluss, da so zum Teil wertvolle Spenden gesammelt werden konnten, was dazu verhalf, politisch besonders umworben zu werden.23

Dies kann ebenfalls für den Beginn der Prinzipatszeit hervorgehoben werden. Géza Alföldy betont besonders, dass ,,[...] das stark differenzierte Stände-Schichten-Modell der römischen Gesellschaft, das sich seit dem Zweiten Punischen Krieg in der Späten Republik entfaltet hatte [...]“24 mit dem Beginn des Prinzipats bzw. der römischen Kaiserzeit nahezu keinem Wandel unterlegen war. Allerdings kann die Sozialstruktur in entscheidender Verbindung mit der wirtschaftlichen Lage gesehen werden, die sich in der Prinzipatszeit insbesondere durch einen Aufschwung unter anderem durch die Steigerung von Qualität und Quantität auszeichnete.25 Entscheidend ist in diesem Zusammenhang die Rolle der Landwirtschaft. Die soziale Gliederung war nicht mehr primär abhängig vom bloßen Vermögen, sondern der Grundbesitz spielte ebenfalls eine erhebliche Rolle. Dies kann als eine direkte Überleitung zu einem weiteren wichtigen Punkt gesehen werden, der bei der oberflächlichen Darstellung von Eigenarten der römischen Gesellschaft nicht vernachlässigt werden darf. Insbesondere seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. kamen immer mehr Sklaven nach Rom, hauptsächlich aus den ehemaligen hellenistischen Gebieten. Dies spielte vor allem für die Landwirtschaft eine große Relevanz, da eine Vielzahl an Sklaven innerhalb des landwirtschaftlichen Sektors eingesetzt wurde.26 In der Augusteischen Ära wird die Zahl der Sklaven wesentlich höher geschätzt, als noch zu Zeiten der Punischen Kriege.27 Moses I. Finley betont, dass die Notwendigkeit für die Sklaverei insbesondere dann gegeben war, wenn sich ,,[...] Reichtum und Macht in einigen wenigen Händen konzentrierten [...]“28. Die Arbeitskraft von Sklaven wurde jedoch nicht nur im primären, sondern ebenfalls im sekundären und tertiären Wirtschaftssektor eingesetzt in Form von beispielsweise Textilproduktion oder dem Bauhandwerk, als auch im letztgenannten durch die Arbeit im Haushalt, im Kontext der Bildung, als auch deröffentlichen Verwaltung.29 Ebenso von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang, wie schnell es gehen konnte, in den Sklavenstand zu geraten und somit auch vor dem Gesetz zu einer Art Objekt herabgestuft zu werden. Nicht nur die unfreie Geburt, sondern ebenfalls Aspekte wie Kriegsgefangenschaft oder Entführung konnten jemanden in diese Rolle hinein befördern. Der ,,dominus“, also der Besitzer des jeweiligen Sklaven hatte die Möglichkeit, ihn zwecks der eigenen Interessen, seien diese persönlicher oder wirtschaftlicher Natur, einzusetzen, ohne dass juristische Regelungen die Behandlung des “Eigentums“ rechtlich festgeschrieben haben.30

3. Die unterschiedlichen Beziehungsformen

Im Folgenden sollen die unterschiedlichen Beziehungsformen vorgestellt und anhand der entsprechenden Quellen gezeigt werden, wodurch sich die einzelnen Kategorien definieren.

3.1 Die Manus-Ehe

Wie bereits einleitend erwähnt wurde, kann die Manus-Ehe als dieälteste Form der Eheschließung angesehen werden, da sie bis zum Beginn der Prinzipatszeit vorherrschte.31 Von besonderer Bedeutung bei dieser Form ist das Abhängigkeitsverhältnis der Frau von ihrem Ehemann, das bei der Manus-Ehe ganz besonders zum Vorschein kommt. Im Gegensatz zu der manus-freien Ehe, in der die Frau der sogenannten ,,patria potestas“, also der Hausgewalt ihres eigenen Vaters unterstand, was jedoch später noch genauer erläutert wird, befand sich die Frau in der Manus-Ehe unter der ehelichen Vormundschaft ihres Mannes bzw. dem ,,pater familias“ der Familie ihres Ehemannes32, was in den ,,Institutionen des Gaius“ lautet: ,,Und zwar stehen in der Hausgewaltüblicherweise sowohl männliche als auch weibliche Personen [...]“33, jedoch ,,[...] kommen aber nur weibliche Personen [in] [die] [Ehegewalt]“34. Konkret bedeutete dies, dass die Frau, die vorher unter der Gewalt ihres Vaters stand, die eigene Familie verließund in die ihres Mannes eintrat, sodass sie wie eine Tochter (,,[...]die Rechte einer Tochter“35 ) nun der Gewalt der für sie fremden Familie unterstand.36 Der Übertritt in die andere Familie hatte vor allem zur Folge, dass das Vermögen (,,dos“) der Frau nun an den Ehemannübermittelt wurde, sodass die Frau nun vermögensunfähig war.37 Die Frau geriet somit in die ,,manus“ des Mannes und nahm in Bezug auf ihre rechtliche Stellung eineähnliche Position ein wie eine Tochter innerhalb einer Familie, durch die sich letztendlich auch ihr Erbrecht auszeichnete.38 Ebenfalls von Bedeutung für die Manus-Ehe ist ihre Begründung. Geschehen konnte dies durch drei unterschiedliche Rituale39, der ,,pater familias“ musste der Ehe allerdings zunächst zustimmen.40 Insbesondere der Akt des ,,coemptio“, dem symbolischen Kauf der Frau ,,[...] in die potestas des Mannes [...]“41, verdeutlicht bereits die Stellung von finanziellen Angelegenheiten in dieser Eheform, da dieses Ritual eine vertragliche Vereinbarung mit sich brachte, um letztendlich vom Vormund der Braut die ,,manus“ zu erwerben.42 Die ,,Institutionen des Gaius“ führen die Kaufehe in zweierlei Hinsicht recht detailliert aus. Interessant ist hierbei, dass die Frau die Möglichkeit hat, nicht nur mit einem Ehemann eine Kaufehe abzuschließen, sondern ebenfalls mit einem ,,Außenstehenden“43. Diese Alternative wurde laut der Quelle mit ,,zum

[...]


1 In der Sekundärliteratur lässt sich ebenfalls die Schreibweise ,,Manusehe“, als auch ,,manus-Ehe“ finden.

2 In der Sekundärliteratur lässt sich ebenfalls die Schreibweise ,,Manusfreie Ehe“, als auch ,,manusfreie Ehe“ finden.

3 Vgl. Duncker, Arne: Gleichheit und Ungleichheit in der Ehe. Persönliche Stellung von Frau und Mann im Recht der ehelichen Lebensgemeinschaft 1700-1914 (=Rechtsgeschichte und Geschlechterforschung 1), Köln 2003, S.337.

4 Vgl. Avenarius, Martin: Der pseudo-ulpianische liber singularis regularum. Entstehung, Eigenart und Überlieferung einer hochklassischen Juristenschrift, Göttingen 2005, S.531.

5 Vgl. Mette-Dittmann, Angelika: Die Ehegesetze des Augustus. Eine Untersuchung im Rahmen der Gesellschaftspolitik des Princeps, Stuttgart 1991 (=Historia: Zeitschrift für alte Geschichte 67), S.154.; ebenso Vgl. Kunst, Christiane: Eheallianzen und Ehealltag in Rom, in: Frauenwelten in der Antike. Geschlechterordnung und weibliche Lebenspraxis, hrsg. v. Thomas Späth/Beate Wagner -Hasel, Stuttgart 2006, 32-52, S.45.

6 Vgl. Duncker: Gleichheit, S.337.

7 Vgl. Friedl, Raimund: Der Konkubinat im kaiserzeitlichen Rom. Von Augustus bis Septimius Severus, Stuttgart 1996 (=Historia: Zeitschrift für Alte Geschichte 98), S.216.

8 Einen detaillierten Überblicküber den Wandel der römischen Sozialgeschichte liefert: Alföldy, Géza: Römische Sozialgeschichte, Stuttgart 2011.

9 Kolb, Frank: Rom. Die Geschichte der Stadt in der Antike, S.109.

10 Vgl. König, Ingemar: Vita Romana. Vom täglichen Leben im alten Rom, Darmstadt 2004. S.21.

11 Vgl. Alföldy: Sozialgeschichte, S.20.; ebenso Vgl. Kolb: Rom, S.109.; ebenso Vgl. König: Vita Romana, S.22.

12 Vgl. Hartmann, Elke: Frauen in der Antike. Weibliche Lebenswelten von Sappho bis Theodora, München 2007 (=Beck'sche Reihe), S.132.

13 Boehmer, Gustav: Einführung in das Bürgerliche Recht, Tübingen 1965, S.89.

14 Vgl. Alföldy: Sozialgeschichte, S.20f.

15 Mehr nachzulesen bei: Hartmann: Frauen, S.114-123.

16 Ebd., S.122.

17 Vgl. ebd.

18 Vgl. Ritter, Stefan: Alle Bilder führen nach Rom. Eine kurze Geschichte des Sehens, Stuttgart 2008, S.191.

19 Vgl. Alföldy: Sozialgeschichte, S.62, 148.

20 Vgl. Hartmann, Elke: Ordnung und Unordnung. Kommunikation, Konsum und Konkurrenz in der stadtrömischen Gesellschaft der frühen Kaiserzeit, Stuttgart 2016 (=Alte Geschichte), S.29f.

21 240-218 v. Chr.; Kunst: Eheallianzen, S.33.; Auch nach Alföldyändert sich Struktur der römischen Gesellschaft nach dem Ende der Punischen Kriege völlig; näher nachzulesen ab S.60.

22 Vgl. Kunst: Eheallianzen, S.33.

23 Vgl. Alföldy: Sozialgeschichte, S.113.

24 Ebd., S.119.

25 Vgl. ebd., S.120.

26 Vgl. Hermann-Otto, Elisabeth: Grundfragen der antiken Sklaverei. Eine Institution zwischen Theorie und Praxis, Hildesheim 2015, S.21.

27 Vgl. Scheidel, Walter: Mobilität im römischen Italien, II.: Die Sklavenbevölkerung, in: Antike Sklaverei, hrsg. v. Elisabeth Herrmann-Otto, Darmstadt 2013 (=Neue Wege der Forschung: Alte Geschichte), S.73-91, 81.

28 Finley, Moses I.: Sklavenhaltergesellschaft oder Gesellschaft mit Sklaven, in: Antike Sklaverei, hrsg. v. Elisabeth Herrmann-Otto, Darmstadt 2013 (=Neue Wege der Forschung: Alte Geschichte), S.25-44, 26.

29 Näheres nachzulesen bei: Schumacher, Leonhard: Sklaverei in der Antike. Alltag und Schicksal der Unfreien, München 2001 (=Beck's archäologische Bibliothek).

30 Vgl. König: Vita Romana, S.46f.

31 Vgl. Duncker: Gleichheit, S.337

32 Vgl. Kowolik, Yvonne E.: Interzessionen von Nahbereichspersonen. Von Bürgerschaften der Weiber, Diss. d. Rechtswissenschaften, Univ. Gießen 2011, S.20.

33 Gaius Institutiones/ Die Institutionen des Gaius, hrsg. v. Ulrich Manthe, Darmstadt 2004 (=Texte zur Forschung 81), 1. Buch, 109, S.75.

34 Ebd.

35 Ebd, 115b, S.79.

36 Vgl. Manthe, Ulrich/Jakab, Eva: Recht in der römischen Antike, in: Die Rechtskulturen der Antike. Vom Alten Orient bis zum Römischen Reich, hrg. v. Ulrich Mathe, München 2003, 239-320, S.270.

37 Vgl. Kowolik: Interzessionen, S.20.

38 Vgl. Langenhagen, Gaby: Libera sunt matrimonia – Aspekte des römisches Ehescheidungsrechtes, in: Blickpunkt. Frauen- und Geschlechterstudien, hrsg. v. Bärbel Miemietz, St. Ingbert 2004, 187-204, S.192.; ebenso Vgl. Dettenhofer, Maria H.: Ehe und Eheformen in vorchristlichen Gesellschaften: Sparta, Athen und republikanisches Rom, in: Ehe als Ernstfall der Geschlechterdifferenz. Herausforderungen für Frau und Mann in kulturellen Symbolsystemen, Berlin 2010, 51-66, S.61.

39 Coemptio, Confarreatio, usus; Vgl. König: Vita Romana, S.33f.

40 Vgl. Hartmann: Frauen, S.135.

41 Dettenhofer: Ehe, S.61f.

42 Vgl. ebd.; ebenso Vgl. Hausmaninger, Prof. Dr. Herbert/Selb, Prof. Dr. Walter: Römisches Privatrecht, Wien 2001, S.99.

43 Gaius Institutiones, 1. Buch, 114, S.77.

Details

Seiten
22
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668731387
ISBN (Buch)
9783668731394
Dateigröße
565 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v428850
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Alte Geschichte
Note
1,3
Schlagworte
römische beziehungsformen eine analyse quellen

Autor

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Titel: Römische Beziehungsformen. Eine Analyse der römischen Quellen