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Auferstehung bei Paulus. 1. Kor 15 in bibeldidaktischer Perspektive nach Ingo Baldermann

Essay 2010 13 Seiten

Theologie - Didaktik, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theologische Entfaltung

3. Bibeldidaktischer Ansatz nach Ingo Baldermann

4. Religionsdidaktischer Übergang

5. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Bedeutet die Auferstehung Jesu Christi, dass auch ich selbst auferstehen werde, oder war die Auferstehung Christi ein einmaliges Ereignis und wirkt sich nicht auf meine Existenz nach dem Tod aus?“ Diese Frage einiger Korinther versucht Paulus in seinem 1. Korintherbrief in Kapitel 15 zu klären. Er sieht sich einer einflussreichen Lobby gegenüber, die zwar an die Auferstehung Jesu Christi glaubt, nicht jedoch an die generelle Auferstehung der Toten nach Jesu Wiederkommen.

Einem Lehrer gleich, zeigt Paulus den Korinthern nun auf, dass aus Jesu Auferstehung sehr wohl auch die Auferstehung aller Gläubigen folgt und, dass eine Leugnung dieser Auferstehung das Christsein unmöglich macht.[1]

Dieser Essay hat zum Ziel, nach einer theologischen Deutung von 1. Kor 15, aufzuzeigen, wie man das Thema Tod und Auferstehung in einer 10. gymnasial Klasse behandeln kann. Hierzu soll zunächst das bibeldidaktische Modell Ingo Baldermanns vorgestellt werden, um im nächsten Schritt die Anforderungen des evangelischen Religionsunterrichts von Seiten des Bildungsplans aufzuzeigen. Anschließend wird ein möglicher Weg vorgestellt, wie in einer 10. Klasse das Thema Tod und Auferstehung, anhand des bibeldidaktischen Modells behandelt werden kann, ohne die geforderten „Bildungsstandards“[2] zu vernachlässigen. In einem kurzen Schlusswort soll abschließend ein Fazit gezogen werden, inwieweit sich das Modell Baldermanns mit dem Bildungsplan vereinbaren lässt.

2. Theologische Entfaltung

Vor die theologische Analyse von 1. Kor 15 soll der Kontext in dem Paulus den Korinthern seine Auferstehungsgedanken schildert untersucht werden. Dem Kapitel über die Auferstehung der Toten (15), wird die Erklärung der Charismen in der Gemeinde[3], die Gottes Geist den Christen schenkt, vorangestellt.

In Kapitel 12 vergleicht Paulus die verschiedenen Charismen mit den Gliedern eines Körpers – es gibt viele Glieder aber nur einen Leib Christi, genauso wie es verschiedene Charismen gibt, aber nur einen Geist der sie uns schenkt. In Kapitel 13 folgt dann die Beschreibung der Liebe als „Richter und Norm aller Charismen“.[4] Kapitel 14 schließlich handelt vom prophetischen Reden.

In Kapitel 16, dem abschließenden Kapitel, bittet Paulus die Korinther um eine Sammlung für die Jerusalemer Gemeinde, bevor er ihnen seine weiteren Reisepläne mitteilt und mit einem Grußwort abschließt.

Es kann also konstatiert werden, dass das fünfzehnte Kapitel des Korintherbriefs einen formal in sich geschlossenen Abschnitt innerhalb der paulinischen Korrespondenz mit den Korinthern darstellt. Die Plazierung am Ende, unmittelbar vor den letzten Anweisungen und dem Grußwort hebt die besondere Stellung hervor, die Paulus seinen Ausführungen einräumt.

15, 1-11 Am Anfang von Kapitel 15 weist Paulus die Gemeinde darauf hin, dass der entscheidende Punkt des Evangeliums der Tod Jesu Christi und dessen Auferweckung ist. Er erinnert auch an die zahlreichen Zeugen, Paulus selbst mitinbegriffen, denen der Auferstandene Christus erschienen ist. Als Anlass hierfür und wohl für das gesamte Kapitel sieht Klauck mündliche Informationen, die zu einer „aufkommenden Fehlentwicklung von der festen Basis urchristlicher Traditionen“[5] führen.

15, 12-19 Nach dieser anfänglichen Erinnerung, folgt nun ein direkter Angriff auf die Verbreitung von Irrlehren: „pw/j le,gousin evn u`mi/n tinej o[ti avna,stasij nekrw/n ouvk e;stin*“[6] Paulus nutzt also ein konkretes Beispiel von einer gänzlichen Ablehnung der Auferstehung, um den Korinthern seine Vorstellung von der Auferstehung aufzuzeigen. Er folgert, eine Ablehnung des Auferstehungsdenkens, führe automatisch zu einer Leugnung der Auferstehung Jesu: „eiv de, avnastasij nekrw/n ouvk e;stin( ouvde. Cristo.j evgh,gertai\“[7] Und da die Auferstehung Christi, wie anfangs schon klar gemacht, entscheidender Punkt des Evangeliums ist, würde eine Leugnung den kompletten Glauben (pi,stij) vergebens machen. Denn Gott ist der, „der die toten lebendig macht“ (Röm 4,17).

15, 20-28 In Vers 22 kommt nun die Gegenüberstellung zwischen Adam, dem Menschen der den Tod in die Welt gebracht hat und Jesus, dem Menschen um dessen Willen wir – nach unserem Tod – wieder lebendig gemacht werden (zw|opoihqh,sontai). Interessant ist auch die Wortwahl in Vers 20, Paulus schreibt an dieser Stelle, Christus sei als Erstling von den Toten auferstanden. Das griechische Wort avparxh. bezeichnet eigentlich die Erstlinggarbe. Da auf die Erstlingsgarbe die Ernte folgt, muss schließlich auch auf die Auferstehung Christi eine generelle Auferstehung der Toten folgen.[8]

15, 29-34 Im folgenden Abschnitt geht Paulus auf die Praxis der sogenannten Vikariats-, oder Totentaufe ein. Bei diesem Ritual lässt man sich ein zweites Mal, stellvertretend für einen ungetauften, kürzlich Verstorbenen taufen. Also ein Ritual, das die Gemeinschaft der Lebenden und Toten in Christus ausdrückt.[9] Paulus zeigt also die Widersprüchlichkeit auf, die in der Leugnung der Auferstehung und der alltäglichen Praxis der Totentaufe liegt. Dieses Argument ist ihm sogar so wichtig, dass er von einer Belehrung für das Durchführen dieser Taufen, die er ablehnt, absieht.[10]

Auch sein wiederholtes Eintreten für die Lehre der Auferstehung, selbst unter der Gefahr des Todes, wirft Paulus in die Waagschale. Mit dem Zitat Jesaja 22,13 weißt Paulus nochmals darauf hin, dass es eine Auferstehung der Toten gibt: „eiv nekroi, ouvk evgei,rontai(fa,gwmen kai. pi,wmen( au;rion ga.r avpoqnh,|skomen)“[11]

Sowohl die Praxis der Totentaufe, als auch der normale Tagesablauf – im Gegensatz zum Essen und Trinken – soll den Korinthern also vor Augen führen, dass es eine Auferstehung der Toten gibt.

15, 35-49 Um die schwierige Frage, wie denn die Auferstehung von Statten gehen soll zu beantworten wählt Paulus eine rhetorische Figur, deren sich auch Jesus schon desöfteren bedient hatte, das Gleichnis. Paulus vergleicht die Auferstehung mit dem Aufgehen eines Samenkorns. Genauso wie das Samenkorn, ganz gleich welcher Art, in die Erde gelegt wird um abzusterben, wird auch unser Leben durch den Tod enden. Doch dieser Prozess des Absterbens passiert nur, um der Pflanze ihre von Gott bestimmte, neue Gestalt zu geben. Ebenso wird der Tod unser irdisches (coïko,j) Leben beenden, um uns den Übergang ins himmlische (evpoura,nioj) Leben möglich zu machen.

[...]


[1] Siehe 1. Kor 15, 17.

[2] Siehe S. 8f.

[3] Bull, Klaus-Michael: Bibelkunde des Neuen Testaments. Die kanonischen Schriften und die Apostolischen Väter Rostock, 42005, S. 65.

[4] Ebd. S. 69.

[5] Klauck, Hans-Josef: 1. Korintherbrief In: Die Neue Echter Bibel. Kommentar zum Neuen Testament mit der Einheitsübersetzung, hrsg. von Joachim Gnilka und Rudolf Schnackenburg, Würzburg, 1984, S. 107.

[6] Vgl. 1. Kor 15, 12: „Wie sagen dann einige unter euch: Es gibt keine Auferstehung der Toten?“ Übersetzung: Luther-Revision von 1984.

[7] Vgl. 1. Kor 15, 13: „Gibt es keine Auferstehung der Toten, so ist auch Christus nicht auferstanden.“

[8] Klauk: 1. Korintherbrief S. 113f.

[9] Janssen, Claudia: Anders ist die Schönheit der Körper. Paulus und die Auferstehung in 1 Kor 15, Gütersloh, 2005, S. 93.

[10] Klauk: 1. Korintherbrief, S. 116.

[11] Vgl. 1. Kor 15, 32: Wenn die Toten nicht auferstehen, dann »lasst uns essen und trinken; denn morgen sind wir tot!«“

Details

Seiten
13
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783668725454
ISBN (Buch)
9783668725461
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v428855
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
2,3
Schlagworte
auferstehung paulus perspektive ingo baldermann

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Titel: Auferstehung bei Paulus. 1. Kor 15 in bibeldidaktischer Perspektive nach Ingo Baldermann