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Neufrankreich. Die Franzosen in Nordamerika

Seminararbeit 2016 15 Seiten

Geschichte - Amerika

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Kolonie Neufrankreich
2.1 Der Prozess der Kolonisation in Nordamerika
2.2 Die Besiedlung Neufrankreichs durch die Franzosen
2.3 Verwaltung in den Kolonien
2.4 Verhältnis zur indigenen Bevölkerung
2.5 Das Ende Neufrankreichs

3 Handel und Kolonialwaren
3.1 Der Kolonialhandel
3.2 Kolonialwaren
3.2.1 Felle und Pelze
3.1.2 Tabak

4 Conclusio

5 Literaturverzeichnis
5.1 Primärliteratur
5.2 Sekundärliteratur
5.3 Beiträge in Enzyklopädien

1 Einleitung

Die Thematik, mit der sich diese Proseminararbeit auseinandersetzt, ist der französische Kolonialismus beziehungsweise die französischen Kolonie (Neufrankreich) in Nordamerika im 17. und 18. Des Weiteren behandelt diese Proseminararbeit auch in einem kurzen Exkurs das Thema Handel mit Kolonialwaren. Im Vordergrund dieser Themen stehen politik- und wirtschaftsgeschichtlichen Aspekte.

In Bezug auf die Thematik französische Kolonien in Nordamerika und dem Handel von Kolonialwaren lassen sich folgende Forschungsfragen erschließen: Welche Gebiete in Nordamerika standen unter der Herrschaft Frankreichs? Wie sah die Prozess der Kolonisation beziehungsweise die Besiedlung durch Frankreich in Nordamerika aus? Wie war das Verhältnis zwischen den Ureinwohnern und den Kolonisten? Wie sah die Verwaltung der Kolonie Neufrankreich aus? Durch welche Umstände verlor Frankreich seine Kolonien in Nordamerika? Wie sah der Handel zwischen den Kolonien und Frankreich aus und was wurde gehandelt?

Einerseits dient das Kapitel Vom Handel aus dem Roman Das Jahr 2440: ein Traum aller Träume von Louis-Sébastien Mercier als Leitfaden zur Eingrenzung des Themas Frankreichs Kolonien in Nordamerika, andererseits würde eine Auseinandersetzung mit den Kolonien Frankreichs in Afrika, Asien, Ozeanien, etc. über den gesamten Verlauf der Kolonialgeschichte zu weit führen und dies würde nur eine sehr oberflächliche Behandlung im Rahmen einer Proseminararbeit ermöglichen, was wiederum nicht zielführend ist.

Ziel dieser Proseminararbeit ist es, die oben genannten Forschungsfragen durch geschichtswissenschaftliche Methoden möglichst adäquat zu beantworten. Zu diesen Methoden zählen: Zunächst wird eine sinnvolle Eingrenzung der Thematik in Zeit und Raum getroffen. Die Fragestellung basieren auf dem Kapitel Vom Handel in Merciers Roman, daher wird auch der Inhalt des Kapitels sofern es sinnvoll ist in den Text hineinverarbeitet werden. Des Weiteren werden Thesen aufgestellt beziehungsweise aus der Fachliteratur entnommen und diese auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Hierfür wird auf Ergebnisse möglichst unabhängiger Fachliteratur zurückgegriffen.

Die Literaturauswahl dieser Proseminararbeit basiert einerseits auf Überblicksliteratur über die französischen Kolonien wie Volker Depkat: Die Geschichte Nordamerikas, anderseits auf Schwerpunktliteratur zur Geschichte der Franzosen in Nordamerika wie James Pritchards: In Search of Empire: The French in the Americas.

2 Die Kolonie Neufrankreich

2.1 Der Prozess der Kolonisation in Nordamerika

Zur Zeit des Ancien Régime in Frankreich spielten Kolonialbestrebungen im öffentlichen Bewusstsein beziehungsweise im Bewusstsein der französischen Regierung eine nicht so große Rolle wie bei anderen Kolonialmächten (England, Niederlande, Spanien oder Portugal). Erst im Zeitalter der Imperialismus, als Frankreich in Asien und Afrika großflächige Kolonien erwarb, rückten die Kolonien stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit beziehungsweise in das der Regierung, aber bereits davor war Frankreich als Kolonialmacht tätig.[1]

Der Prozess der französischen Kolonisation in Nordamerika war eine langwierige Angelegenheit, von den ersten Landnahmen bis man von einer wirklichen Kolonie sprechen konnte, verging einige Zeit. Dies zeigt ein Blick auf den Verlauf Kolonialisierung im nordamerikanischen Raum durch die Franzosen.

Der Vorgang der Kolonialbestrebungen in Nordamerika begann mit dem französischen König Franz I., der bereits in den 1520er Jahren Pläne für Überseeterritorien beziehungsweise zur Landnahme von Überseegebieten unterstütze. Hauptziel dieser ersten französischen Kolonialbestrebungen war der nördliche Teil des nordamerikanischen Kontinents, genauer gesagt das Gebiet des heutigen Kanadas.[2]

Im Jahr 1534 erschloss der Franzose Jaques Cartier im Auftrag der französischen Krone den Sankt-Lorenz-Golf. Er drang auf den Sankt-Lorenz-Strom bis auf die Höhe des heutigen Montreal vor. Cartier betrat in der Bucht von Gaspé das erste Mal nordamerikanisches Festland. Als Zeichen der Besitznahme wurde ein Kreuz mit den drei Lilien der Bourbonen errichtet. Es folgten zwei weitere Reisen von Cartier. Bei der dritten Fahrt wurde eine Siedlung errichtet, dennoch blieb der erste Kolonisationsversuch der Franzosen in Nordamerika erfolglos und die Siedlung wurde aufgegeben. Weitere Besiedlungsversuche wurden aufgrund anderer außenpolitischer Ziele nicht unternommen.[3]

Erst einige Zeit später kam es wieder zu einem Aufleben der Kolonialbestrebungen in Nordamerika durch die Franzosen. Das französische Vorgehen zu dieser Zeit war in erster Linie durch Handels- und Wirtschaftsinteressen geprägt, denn schon in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhundert begannen Fischer, die vor Neufundland ihrer Tätigkeit nachgingen, mit der ansässigen Bevölkerung mit Biberfellen zu handeln. Im Jahr 1602 verlieh der französische König einer Vereinigung von Kaufleuten aus Rouen das Handelsmonopol für das nordöstliche Nordamerika von Philadelphia bis nach Neufundland.

In Bezug auf diese Handelsgesellschaft ist der Name Pierre Du Gua de Monts zu nennen. Dieser wurde von Heinrich IV. mit herrschaftlichen Rechten und dem vorhin erwähnten Handelsmonopol ausgestattet. Im Austausch dafür stimmte de Monts zu, dass er die Kolonisation in Nordamerika vorantrieb.[4]

Auf die Initiative von de Monts entstanden die ersten permanenten französischen Handelsposten in Nordamerika. Zunächst in Akadien im Jahr 1604 und dann Quebec im Jahr 1608. Verantwortlich für die Gründung dieser Handelsstationen vor Ort war Samuel de Champlain, der als Agent für de Monts agierte.[5] Durch die Gründung der zwei befestigten Handelsposten in Port Royal und Quebec wurde Champlain eine wichtige Rolle bei der Besiedlung Nordamerikas aus der Sicht der Franzosen zugemessen, welche sich auch in der Literatur widerspiegelt, da häufig Champlain in Bezug auf die Koloniegründung vorkommt, aber de Monts nur selten erwähnt wird, obwohl von ihm die eigentliche Initiative ausging.[6]

Neufrankreich war zunächst eine Handelskolonie und keine Siedlungskolonie, doch als es zu den ersten militärischen Auseinandersetzungen mit England beziehungsweise NeuEngland kam, wurde die Anfälligkeit einer reinen Handelskolonie demonstriert. Die französische Krone war dadurch gezwungen den privaten Handelsgesellschaften die Leitung über die Kolonie zu entziehen und begann ihr eigenes Engagement zu verstärken.[7]

Kardinal Richelieu gründete dazu im Jahr 1627 eine neue Handelsgesellschaft und setzte sich selbst als Vorstand ein. Diese Organisation erhielt das Pelzhandelsmonopol unter ähnlichen Konditionen wie de Mont. In dieser Zeit wurden weitere befestigte Handelsposten errichtet. Bis zum Jahr 1642 entstanden Trois Riviéres, Villery, Ville Maria und Montreal, dennoch blieb die Kolonie weitgehend instabil.[8] Durch einen Kriege zwischen den indigenen Völker der Irokesen und Huronen kam es zum Erliegen des Pelzhandels und somit zur Auflösung Richelieus Handelsgesellschaft. Verschiedenste Maßnahmen zur Stabilisierung der Kolonie schlugen fehl, so dass 1663 die Kolonie Neufrankreich kurz vor der Auflösung stand.

Erstmals unter dem französischen König Ludwig XIV. und seinem Minister JeanBaptiste Colbert wurde die Kolonie direkt unter königliche Administration gebracht. Mit der Umwandlung von einer privaten Handelskolonie zu einer Kronkolonie begann im Jahr 1663 der Aufstieg Neufrankreichs. Durch zahlreiche Entdeckungsfahrten und damit verbundenen Landnahmen sowie das Errichten von Handels- und Militärposten dehnte sich das Gebiet Neufrankreichs aus. Somit hatte Frankreich bis zum Jahr 1750 ein nordamerikanisches Kolonialreich geschaffen, welches sich von Neufundland und der Mündung des Sankt-LorenzStromes über die großen Seen und den Mississippi hinab bis nach Louisiana am Golf von Mexiko ausdehnte.[9]

2.2 Die Besiedlung Neufrankreichs durch die Franzosen

Louis Sebastian Mercier schrieb in seiner Utopie Das Jahr 2440, aus dem Jahr 1771, darüber, ob es überhaupt sinnhaft ist eine Besiedlung in Nordamerika überhaupt in Betracht zu ziehen.[10] Durch den mühsamen Prozess zu Beginn der Kolonialisierung und des Beinahe Scheitern der Kolonie im Jahr 1645 sowie der Wegfall der nordamerikanischen Kolonien im Jahr 1763 erschien das Siedlungsvorhaben der Franzosen in Nordamerika als mehr oder weniger gescheitert.[11]

Wie bereits erwähnt war der Beginn der Besiedlungsprozesse in Nordamerika durch die Franzosen recht mühsam. Man geht davon aus, dass im Jahr 1627 circa 85[12] bis 107[13] Franzosen in Quebec lebten, wovon die meisten keine festen Siedler waren, sondern Kaufleute. Die komplette Ausrichtung auf den Pelz- und Fellhandel mit den eingeborenen Völkern hatte verhindert, dass eine systematische Landwirtschaft beziehungsweise Gewerbe aufgebaut wurden. Dies verhinderte somit eine nachhaltige Besiedlung Neufrankreichs.[14] Aufgrund der Bedingungen für das Pelzmonopol musste Kardial Richelieu die Ansiedlung von 3000 bis 4000 französischen Auswanderern zu organisieren. Diese Zahl konnte nicht erreicht werden. In den verschiedenen Fachliteraturen wird davon gesprochen, dass im Jahr 1663 circa 2000 bis 3500 französische Siedler in Neufrankreich lebten. Einige hundert davon lebten im von den Briten okkupierten Akadien.[15]

In den ersten zehn Jahren nachdem Neufrankreich unter die königliche Administration fiel, siedelten sich ungefähr 4000 neue Kolonisten in der Kolonie an. James Pritchard geht davon aus, dass von den Siedlern, die zur französischen Kolonialbevölkerung zählten und sich in den Jahren zwischen 1670 und 1730 in Neufrankreich angesiedelt haben, nur rund 3000 tatsächlich aus dem französischen Kernland stammten. [16]

Laut Pritchard setzt sich die französische Kolonialbevölkerung aus drei Komponenten zusammen: Amerindian, Europäern und Afrikanern, so kommt er auf eine Gesamtzahl von 74000 Menschen, die das französischen Hoheitsgebiet in Nordamerika um 1730 bevölkerten (inklusive den Insel in der Karibik, die unter französischer Herrschaft standen).[17]

2.3 Verwaltung in den Kolonien

Wie bereits erwähnt kam Neufrankreich erst im Jahr 1663 unter die direkte Administration des Königs, so lässt sich daraus erschließen, dass es vermutlich einen Unterschied zwischen der Verwaltung der Kolonie vor und nach dem Jahr 1663 geben musste.

[...]


[1] Vgl. Reese, Armin: Französisches Kolonialreich, in: Enzyklopädie der Neuzeit, Bd.6, Stuttgart 2008, Sp. 936. Im Folgenden zitiert als Reese, Armin: Kolonialreich, Sp. Spaltenanzahl.

[2] Vgl. Reese, Armin: Kolonialreich, Sp.936.

[3] Vgl. Scholze, Udo; Zimmerman, Detlev; Fuchs, Günther: Unter Lilienbanner und Trikolore. Zur Geschichte des französischen Kolonialreiches. Darstellung und Dokumente, (Leipzig 2001). S.16. sowie Ertler, KlausDieter: Jesuitenberichte aus Neu-Frankreich. Mythos und Wirklichkeitsperzeption in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, in: Fröschl, Thomas; Grandner, Margarete; Bader-Zaar Birgitta (Hrsg.): Nordamerikastudien. Historische und literaturwissenschaftliche Forschungen aus österrichischen Universitäten zu den Vereinigten Staaten und Kanada, München 2000, S.62.Im Folgenden zitiert als Ertler, Klaus-Dieter: Jesuitenberichte, S. Seitenanzahl.

[4] Vgl. Choquette, Leslie: French Colonies. North America, in: Encyclopedia oft the early modern World, Bd. 2, New York 2004, S. 478. Im Folgenden zitiert als Choquette, Leslie: French Colonies, S. Seitenanzahl.

[5] Vgl. Depkat, Volker: Geschichte Nordamerikas. Eine Einführung, (Köln; [u.a.] 2008). S. 188.

Im Folgenden zitiert als Depkat, Volker: Geschichte Nordamerika. S. Seitenanzahl. Im Folgenden zitiert als Scholze, Udo; Zimmerman, Detlev; Fuchs, Günther: Unter Lilienbanner, S. Seitenanzahl.

[6] Vgl. Bitterli, Urs: Die >Wilden< und die >Zivilisierten<. Grundzüge einer Geistes- und Kulturgeschichte der europäisch-übereeischen Begegnung, (München 1975). S.41. Im Folgenden zitiert als Bitterli, Urs: Die >Wilden<, S. Seitenanzahl sowie Scholze, Udo; Zimmerman, Detlev; Fuchs, Günther: Unter Lilienbanner, S. 16. und Depkat, Volker: Geschichte Nordamerika. S. 188-190.

[7] Vgl. Depkat, Volker: Geschichte Nordamerika. S. 188-190.

[8] Vgl. Depkat, Volker: Geschichte Nordamerika. S. 190.

[9] Vgl. Depkat, Volker: Geschichte Nordamerika. S. 190.

[10] Vgl. Mercier, Louis-Sébastien: Das Jahr 2440. Ein Traum aller Träume, (Frankfurt am Main 1982). S. 185. Im Folgenden zitiert als Mercier, Louis-Sébastien: Das Jahr 2440, S. Seitenanzahl.

[11] Vgl. Depkat, Volker: Geschichte Nordamerika. S. 188.

[12] Vgl. Choquette, Leslie: French Colonies, S. 478-479.

[13] Vgl. Depkat, Volker: Geschichte Nordamerika. S. 189.

[14] Vgl. Depkat, Volker: Geschichte Nordamerika. S. 190.

[15] Vgl. Choquette, Leslie: French Colonies, S. 478-479.

[16] Vgl. Pritchard, James: In search of empire. The French in the Americas 1670 -1730, (Cambridge 2004). S.17. Im Folgenden zitiert als Pritchard, James: In search of empire, S. Seitenanzahl.

[17] Vgl. Pritchard, James: In search of empire, S. 3.

Details

Seiten
15
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668728240
ISBN (Buch)
9783668728257
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v428943
Institution / Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz – Geschicte
Note
1,0
Schlagworte
neufrankreich franzosen nordamerika frankreich kolonien kolonialismus

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