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Adverbiensuffixe und deren Vermittlung im Deutsch als Fremdsprache-Unterricht

Hausarbeit 2015 15 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Vermittlung von Wortbildungsstrukturen im Fremdsprachenunterricht

2 Adverbien
2.1 Allgemeines
2.2 Wortbildungstypen von Adverbien
2.2.1 Komposition
2.2.2 Zusammenrückung
2.2.3 Derivation

3 Adverbien im DaF Unterricht
3.1 Kontrastiver Vergleich zum Adverb im Englischen
3.2 Vermittlung von Adverbiensuffixen im Deutsch als Fremdsprache-Unterricht
3.2.1 Allgemeine Mittel und Muster der Wortbildung im Deutschen
3.2.2 Problemfälle und Idiomatisierungen
3.2.3 Funktion der Suffixe –s,-ens,-weise,-wärts
3.2.4 Übungen zur Suffigierung von Adverbien

4 Wortbildungsmuster als Handwerkszeug für den Deutsch als Fremdsprache-Unterricht

5 Quellen- und Forschungsliteratur

1 Vermittlung von Wortbildungsstrukturen im Fremdsprachenunterricht

Beim Unterrichten einer Fremdsprache stellt sich immer die Frage, inwieweit man den Lernenden sprachwissenschaftliche Strukturen offenlegt oder sie nicht weiter mit der Metaebene der Sprache konfrontiert, sondern sie Strukturen nur erlernen und anwenden lässt. Das Problem, wenn man Strukturen nicht offenlegt, ist, dass man oft gezwungen ist zu vereinfachen und diese Vereinfachungen dann zu Verwirrungen beim Lernenden führen können. Deshalb denke ich, dass gerade im Bereich der Wortbildung im Deutschen einem Deutsch als Fremdsprache Lerner gewisse Strukturen offengelegt werden sollten, weil eine Systematik dem Lerner hilft, sein Wissen auf andere Wortbildungsbereiche auszuweiten und diese anzuwenden. Konkret heißt das, dass ich versuchen werde, anhand von Adverbiensuffixen Methoden zu erarbeiten, die Lernenden der deutschen Sprache mit eben diesem Hilfsmittel ausstatten. Dies dient dem Zweck, dass sie die Strukturen der Suffixe verstehen lernen und diese auch auf andere Wortarten anwenden können. Adverbien sind deshalb ein Desiderat im Deutsch als Fremdsprache-Unterricht, weil sie zwar erheblich zum Verständnis eines Satzes beitragen können, aber aufgrund ihrer Anzahl nach Substantiven, Verben und Adjektiven eher in den Hintergrund gerückt sind, wenn es um ihre Vermittlung geht. Ich werde in meiner Analyse beispielhaft auf drei gängige Wortbildungslehren eingehen und an verschiedener Stelle begründen, warum ich die Wortbildungslehre von Altmann von 2011 der von Fleischer/Barz von 2012 und der von Römer von 2006 vorziehe.

2 Adverbien

2.1 Allgemeines

In der Forschung ist man sich uneinig, was die Klassifizierung von Adverbien allgemein betrifft. Fleischer/Barz führen hier an, dass Adverbien als Wortart heterogen seien, was verschiedene Klassifikationsmöglichkeiten zur Folge hat (vgl. Fleischer/Barz 2012, 360). Nübling unterteilt Adverbien in die Funktionale Ebene, die weiter in absolute Adverbien wie montags, überall und Proadverbien wie wohin, darauf, derart gegliedert ist, und die syntaktisch-semantische Ebene, welche Lokal-, Temporal-, Modal-, Kausal-, Konjunktional- und Kommentar-Adverbien umfasst (vgl. Nübling 2009, 569f). Römer hingegen unterteilt in syntaktische Funktion und nennt:

(1) Adverbialbestimmung: draußen regnet es
(2) Prädikative Verwendung: Weg ist dort
(3) nachgestelltes unflektiertes Attribut: das Haus dort gehört xy
(4) Antwort auf W-Frage: wann, wenn nicht jetzt
(5) ein Satzglied repräsentierendes Adverb: bislang war xy ausgebrochen

Auf der anderen Seite gibt es bei Römer die Semantische Funktion, die in Temporal-, Lokal-, Kausal- und Modaladverbien unterteilt ist (vgl. Römer 2006, 156). In meiner Arbeit werde ich mich überwiegend auf Altmann beziehen, weil dieser was Wortbildungstypen betrifft am präzisesten die verschiedenen Muster zu fassen versucht und die Kriterien für seine Zuordnungen erfüllt, was Fleischer/Barz nicht immer gelingt. Zudem beschreibt er Adverbien aus dem syntaktischen Zusammenhang heraus, was sich in Bezug auf Deutsch als Fremdsprache als gewinnbringend erweisen wird. So unterteilt er Adverbien auf der syntaktischen Ebene in attributive, prädikative und adverbiale Funktion:

(1) das Haus dort
(2) die Veranstaltung heute
(3) sie kündigt heute

Er nennt als Problemfälle die oft als Partikel eingestuften Proadverbien wie da, so und Präpositionaladverbien wie dadurch, damit, darauf (vgl. Altmann 2011, 167).

2.2 Wortbildungstypen von Adverbien

2.2.1 Komposition

Es gibt auch hier verschiedene Sichtweisen auf die Unterteilung: Fleischer/Barz unterteilt in Komposita mit her und hin als Komposita mit Richtungsadverbien wie her-/hinauf, hindurch, dorther/-hin, überallher/-hin, bisher, ohnehin und nicht zuletzt gemeinhin, letzthin und schlechthin als demotivierte Bildungen (vgl. Fleischer/Barz 2012, 363f) und in Komposita mit Präpositionen wie daneben, darauf, hierauf, nebenan, querdurch, tagsüber und reihum (vgl. Fleischer/Barz, 364f). Komposita ohne Beteiligung von Richtungs- und Proadverbien“ werden hier als nicht zahlreich in der Kategorie „Sonstige Komposita“ aufgeführt. (vgl. Fleischer/Barz, 365) Hier unterteilt Fleischer/Barz in:

(1) steigerndes Erstglied aller-: allerfrühestens, allerspätestens, allerallerwenigstens
(2) Kombinationen mit so: sodann, soeben, sofort, sogar, sowohl, aber auch: ebenso, sowieso
(3) Wortbildungen mit semantisch dominierendem Erstglied: immerfort, nunmehr, obendrein, woanders
(4) Präpositionen als Erstglied: übermorgen, vorgestern, hinterdrein, umsonst

Das ist insofern problematisch, als dass das Kriterium, dass „nur Lexeme als Bestandteile auftreten und dass das Letztglied die Kategorie Adverb aufweisen muss [nicht genügt], da diese Kriterien auch von einem Teil der Zusammenrückungen erfüllt werden“ (Altmann 2011, 173). Für die Komposition fordert Altmann, dass die „Akzentplatzierung auf dem möglichen Determinans und ein determinatives Verhältnis zwischen den Bestandteilen vorhanden sein müssen“ (Altmann 2011, 173). Hierunter würden zum Beispiel dahin, wohin, nachher und weiterhin fallen, wie auch Fleischer/Barz diese Komposita nennt, doch übermorgen, vorgestern und hinterdrein wären nach der strengeren Definition von Altmann bei den adverbiellen Zusammenrückungen anzusehen, weil der Akzent nicht auf dem Determinans liegt: übermorgen, vorgestern, hinterdrein. Römer schließt sich in ihrer Argumentation an Altmanns Definition von Komposita und Zusammenrückungen und ergänzt, dass es sich „meist um Modifizierungen mit reihenbildendem Charakter handelt, die also zu Halbaffixen tendieren“ (Römer 2006, 158).

2.2.2 Zusammenrückung

Altmann fasst den größten Teil der komplexen Adverbien unter den Begriff Zusammenrückung, weil viele komplexe Wortbildungen des Adverbs die Kriterien der Komposita unzureichend erfüllen. Er nennt hierunter NP-Zusammenrückungen und PP-Zusammenrückungen: Da bei der NP Zusammenrückung das Letztelement ein Substantiv ist, kommt auch nur dieser Wortbildungstyp in Frage. Es kann sich um deiktisches Pronomen mit einem Substantiv aus denen ein Adverb gebildet wird handeln, wie bei allerart, dergestalt, diesmal und jedesmal. Es kann aber auch ein Adjektiv mit einem Substantiv zusammenrücken, wie bei mitternächtlicherweile und kurzerhand. Auffällig hierbei ist, dass das Substantiv in der Wortbildung im Genitiv vorkommt (vgl. Altmann 2011, 169). Die PP-Zusammenrückungen machen den größten Teil der Zusammenrückungen aus:

(1) Präp. + Subst.: außerstande, beiseite, imstande, zuhauf, zumal, anstatt, zugunsten
(2) Präp. + Pronom.: außerdem, ehedem, trotzdem, indessen, beieinander, durcheinander
(3) Präp. + Art. + Subst.: unterderhand, vorderhand
(4) Adv. + Präp. + Subst.: dortzulande, hierzulande
(5) Präp. + Adj.: bislang, fürwahr, vorlieb, zugleich

Die syntaktische Struktur ist bei diesen Zusammenrückungen meistens erkennbar, weil die Bestandteile die Semantik sowohl im Einzelnen als auch in der Wortbildung durchblicken lassen. Außerdem ist der Akzent bei den Substantivbildungen auf dem nominalen Kern. Eine Kontrastierung der Präposition kann durch eine Akzentverschiebung offensichtlich gemacht werden (vgl. Altmann 2011, 169). Zum Beispiel:

(1) das ist fürwahr ein schönes Kleid
(2) ich halte diese Sache für wahr

Wobei die „entsprechende syntaktische Struktur […] in der deutschen Gegenwartssprache nur noch selten [auftritt]: etwas für wahr halten “ (Altmann 2011, 170).

2.2.3 Derivation

Bei der Präfixderivation, und darin sind sich alle Wortbildungslehren einig, gibt es zu wenige Fälle, um sie als eigenständiges Wortbildungsmuster aufzulisten. Deshalb liegt der Fokus hier auf der Suffigierung von Adverbien. In Bezug auf meinen Untersuchungsgegenstand werde ich mich exemplarisch mit ein paar wenigen Suffixen beschäftigen: -s, -ens, -wärts und -weise. Römer nennt in ihrem Werk zur deutschen Morphologie nur exemplarisch ein paar wenige Suffixe und geht auf das „Problem der eindeutigen Isolierbarkeit [ein], da zum einen Homonyme mit deutlichem semantischen Bezug existieren und zum anderen das Problem der Idiomatisierung und der Undurchsichtigkeit besteht“ (Römer 2006, 159). Dieses Problem behebt Altmann, indem er zum Beispiel –weise, -maßen, -weg und –mals in der Kategorie Problemfälle auflistet und teilweise sprachgeschichtliche Erklärungen liefert (vgl. Altmann 2011, 180f). Römer nennt das Problem nur, gibt aber keinen Lösungsansatz, während Altmann erklärt, dass Bildungen mit Suffixen wie – maßen und –weise nicht zweifelsfrei dem Wortbildungstyp Suffigierung zugeordnet werden können, weil das Letztelement oft auch frei vorkommen kann. Zum Beispiel: das Adverb gruppenweise und das Substantiv Weise (vgl. Altmann 2011, 178). Außerdem scheint die synchrone Analyse von diesen Suffixen nicht immer ganz einfach, weil sich „sprachgeschichtlich gesehen […] die entsprechenden Bildungsweisen überwiegend auf Zusammenrückungen, meist von genitivischen Nominalphrasen zurückführen“ lassen. (Altmann 2011, 178) Was Altmann kritisiert ist, dass synchrone Wortbildungs-Darstellungen oft nur zur Suffigierung zuordnen, ohne das begründen zu können und deshalb oft die Bezeichnung Suffixoid als Notlösung gewählt wird (vgl. Altmann 2011, 178). Fleischer/Barz gehen auf diese Problematik nicht weiter ein. Sie geben bei Suffixen wie –weise nur die sprachgeschichtliche Erklärung, aber gehen nicht weiter auf die synchrone Analyse ein (vgl. Fleischer/Barz 2012, 368f). Das Suffix – s ist laut Altmann aus dem adverbialen Genitiv entstanden. Feste Kombinationen sind -dings, - falls, -mals, -orts, -teils -wegs und als Zusammenbildungen -rücks, -seits, -wärts, und –weils, weil diese nicht als selbstständige Lexeme auftreten können (vgl. Altmann 2011, 176). Manche Beispiele kann man auch als „Konversion substantivischer Flexionsformen“ (Altmann 2011, 176) ansehen, weil es formgleiche Adjektive gibt: abends, anfangs, eingangs, flugs, mittags, namens, teils und komplexe Beispiele wie heutigentags, anderenfalls und großenteils kann man als Zusammenrückungen von adverbialen Genitiv-Nominalphrasen ansehen (vgl. Altmann 2011, 176). Altmann und Fleischer/Barz stimmen weitgehend darin überein, dass eindeutige Suffigierungen die folgenden Wortbildungsprodukte sind (vgl. Altmann 2011, 176 und Fleischer/Barz 2012, 368f):

[...]

Details

Seiten
15
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668734821
ISBN (Buch)
9783668734838
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Universität Regensburg
Erscheinungsdatum
2018 (Juni)
Note
1,7
Schlagworte
adverbiensuffixe vermittlung deutsch fremdsprache-unterricht

Autor

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