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Die Bedeutung von Bewegung im pädagogischen Konzept des Waldkindergartens

von Janina Bittdorf (Autor)

Hausarbeit 2018 21 Seiten

Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Waldkindergarten
2.1 Definition
2.2 Entstehung
2.3 Didaktisches Konzept und Ziele

3. Formen des Waldkindergartens
3.1 Der reine Waldkindergarten
3.2 Der integrierte Waldkindergarten
3.3 Waldprojekte, Waldwochen

4. Die Bedeutung von Bewegung
4.1 Die grundlegende Bedeutung von Bewegung auf die frühkindliche Entwicklung
4.2 Motorische Entwicklung
4.3 Kognitive Entwicklung
4.4 Soziale Entwicklung
4.5 Sprachliche Entwicklung
4.6 Persönlichkeitsentwicklung

5. Rolle von Bewegung im Konzept des Waldkindergartens

6. Fazit

1. Einleitung

Bewegung hat für die kindliche Entwicklung eine grundlegende Bedeutung. Nach Balster(2003) ermöglicht Bewegung dem Kind eine Auseinandersetzung mit seiner räumlichen,materialen, personalen Umwelt und sich selbst. Gerade in der frühen Kindheit werden viele Kompetenzen gebildet, deren späterer Erwerb nur schwer möglich ist. Der Förderung der Bewegung kommt dabei ein besonderer Stellenwert zu, denn die Entwicklung von Bewegunghat eine große Bedeutung für die Gesamtentwicklung der Kinder. Sie hat Einfluss aufunterschiedlichste Entwicklungsbereiche. Es gibt einen hohen Zusammenhang zwischen der Bewegung und der kognitiven, motorischen, sozialen, sprachlichen und der Persönlich-keitsentwicklung des Kindes.

In dieser Arbeit soll die Waldpädagogik unter der Fragestellung näher betrachtet werden, welche Auswirkungen die Bewegung auf die kindliche Entwicklung hat und inwieweit die Bewegung in der Waldpädagogik eine Rolle spielt.

Der Waldkindergarten steht als Gegensatz zum Regelkindergarten und zielt in der Konzeption auf die ganzheitliche Entwicklung der Kinder ab. Durch unsere veränderte Gesellschaft, die sich immer weiter weg von Bewegungsaktivitäten hin zur Medialisierung entwickelt, steht der Waldkindergarten als Gegenentwurf und möchte präventiv auf die immer häufiger auf-tretenden Entwicklungsdefizite der Kinder wirken.

Im Folgenden wird zu Beginn eine kurze Definition des Waldkindergartens gegeben, um daraufhin die unterschiedlichen Formen des Waldkindergartens zu erläutern.Im weiteren Verlauf wird die grundlegende Bedeutung von Bewegung auf die kindlichen Entwicklungsbereiche aufgezeigt.

Am Ende dieser Arbeit werden die Aspekte der Waldpädagogik und die Bedeutung von Bewegung zusammengeführt und eine Bewertung abgegeben, welchen Stellenwert die Bewegung im Konzept des Waldkindergartens einnimmt.

2. Waldkindergarten

2.1 Definition

Das Konzept des Waldkindergartens und die damit verbundene Waldpädagogik möchte es den Kindern ermöglichen, sich zu selbstständigen und nachhaltig denkenden Menschen zu entwickeln. Durch den Kontakt zum Wald erlernen die Kinder Verantwortung gegenüber der Natur (vgl. Radestock 2013, S. 1).

Im Mittelpunkt der Waldpädagogik steht das Erleben des Waldes und der Natur mit allen Sinnen. Die Kinder sollen einen nachhaltigen Umgang mit der Natur, als Kontrast zu derheutigen Überflussgesellschaft, kennenlernen (vgl. Bolay und Reichle 2011, S. 29f.).Der Wald wird dabei als „praxis- und erlebnisbezogene Lebens- bzw. Freizeitgestaltung“(vgl. ebd., S. 30) gesehen. Das Erleben der Natur mit allen Sinnen soll dabei an erster Stellestehen (vgl. ebd., S. 29).

2.2 Entstehung

Aus Nordeuropa kam der Gedanke, Kinder in der Natur experimentieren, spielen und sie so die Welt erkunden zu lassen. 1950 entstand in Dänemark dann die erste Form eines Waldkindergartens, wie er heute verstanden wird. Ella Flatau, die selbst gerne mit ihren Kindern tagsüber in den Wald ging und dort die Natur erkundete, gründete zusammen mit einigen anderen Eltern eine Elterninitiative. Aus diesem Zusammenschluss ging später der erste Waldkindergarten hervor (vgl. Miklitz 2011, S. 14).

In Deutschland wurde der erste Vorläufer des Waldkindergartens 1968 von Ursula Sube gegründet. Aus einer Notlage heraus, um für ihr Kind sorgen zu können, übernahm Frau Sube die Betreuung von vier Kindern, da es in der unmittelbaren Nähe keinen Kindergarten gab. Die Vormittage verbrachte sie mit den Kindern immer im nahegelegen Wald.In Flensburg folgte dann die erste Einrichtung dieser Art, gegründet von den beiden Erzieherinnen Petra Jäger und Kerstin Jebsen (vgl. Landesverband der Wald- und Naturkindergärten NRW e.V. 2016, o. P.).

Die Zahl der Natur- und Waldkindergärten ist bis heute stetig gestiegen. In Deutschland gibt es mittlerweile über 2000 Kindergärten mit Ausrichtung auf Natur- und Waldpädagogik (vgl. Bundesverband der Natur- und Waldkindergärten in Deutschland e.V. 2014, o. P.).

2.3 Didaktisches Konzept und Ziele

Als konzeptionelle Grundlage stehen bei der Waldpädagogik die reformpädagogischen Orientierungen, wie die Stärkung des Umweltbewusstseins, der Eigenverantwortlichkeit unddas Lernen in ganzheitlichen Aspekten. Dazu kommen die Stärkung der Sinneswahrneh-mungen als Ziele, die Sensibilisierung für Umweltverantwortlichkeit, die Förderung dermotorischen Fähigkeiten, sowie das Erleben von Jahreszeiten in Primärerfahrungen (vgl.Miklitz 2011, S. 28f.).

Das pädagogische Konzept des Waldkindergartens beinhaltet Kindern den Freiraum zu lassen, um sich eigenständig entwickeln und ihrem natürlichen Bewegungsdrang nachkommen zu können. Sie lernen die Tiere in ihren Lebensräumen kennen und entdeckenökologische Zusammenhänge durch Primärerfahrungen.

Die kindliche Entwicklung wird als Ganzheit betrachtet. Dies bedeutet, dass die Kinder sowohl in ihren sozial-emotionalen Fähigkeiten gestärkt werden, als auch in ihren kognitiven und körperlichen Fertigkeiten (vgl. Knauf et al. 2013, S. 174f.).

Das Bild vom Kind ist in der Waldpädagogik daher auch ein sehr positives. Kinder werden als vollkommene Menschen angesehen und nicht als „Mängelwesen“ (Miklitz 2011, S. 85). Sie sind empathisch und neugierig. Ihr Recht auf freie Bewegungsabläufe und selbstbestimmte Bedürfniserfüllung wird in der Konzeption der Waldpädagogik anerkannt und berücksichtigt (vgl. Miklitz 2011, S. 85f.).

Heutzutage gibt es immer mehr Kinder, die mit körperlichen Entwicklungsschäden, wie Haltungsschäden oder -schwächen, Koordinationsstörungen oder emotionalen Auffälligkeiten zu kämpfen haben (vgl. Miklitz 2011, S. 26; Warmbold 2014, S. 53f.). Die Harmonie des Waldes übt einen positiven Einfluss auf die Kinder aus. Durch das Platzangebot in der Natur sind Kinder nicht auf einem engen Raum begrenzt, es bietet sich genügend Freiraum für Bewegungsangebote und Konflikte können sich nicht so schnell bilden. Die Natur- und Waldpädagogik möchte mit ihrem Konzept einen Beitrag leisten, dass diesen Erkrankungen präventiv entgegen gewirkt wird (vgl. Warmbold 2014, S. 53f.).

Durch die pädagogische Arbeit in Waldkindergärten soll vor allen Dingen die Eigenverantwortlichkeit der Kinder gefördert werden.

Dabei stehen die praktischen Erfahrungen der Kinder im Vordergrund. Die Kinder sollen einpositives Bild von der Natur vermittelt bekommen und durch Erlebnisse mit dem Wald in Beziehung kommen. Ziel ist, dass die Kinder einen umweltbewussten und rücksichtsvollen Lebensstil entwickeln (vgl. Schwegler- Beisheim 2000, S. 124f.).

Ein großer Bestandteil der Waldpädagogik ist das ganzheitliche Lernen nach Pestalozzis Konzept. Herz, Kopf und Hand werden dabei gleichermaßen eingebunden (vgl. Bolay und Reichle 2011, S. 27).

Kindern werden heutzutage zu wenige Möglichkeiten geboten, Primärerfahrungen zu erleben.Anstatt Tiere in ihrer natürlichen Umwelt zu beobachten, wird der Fernseher eingeschaltet.Konkrete Gegenstände werden von Abbildungen in Büchern abgelöst und die Kinder habenkeine Gelegenheit, diese Gegenstände in der Wirklichkeit zu erforschen. Gorges (2000)beschreibt, dass nicht nur im Kindergarten diese Primärerfahrungen abgelöst werden durch Arbeitsblätter, sondern auch im Alltag der Kinder innerhalb der Familien die Sekundärerfahrungen durch Fernseher oder andere Medien dominieren. Der Waldkinder-garten hingegen bietet den Kindern durch die Natur viele Möglichkeiten, Primärerfahrungenzu sammeln und hält eine natürliche Lernumgebung für die Kinder bereit (vgl. Gorges 2000, S. 6f.).

3. Formen des Waldkindergartens

3.1 Der reine Waldkindergarten

Der pädagogische Alltag des reinen Waldkindergartens findet ausschließlich in der Natur statt. Zum Schutz vor verschiedenen Wetterverhältnissen dient zum Beispiel ein Bauwagen oder eine Hütte, aber es gibt kein fest gelegtes Gebäude für den Kindergarten. Die Natur wird also als der Hauptaufenthaltsraum genutzt.

Die Betreuungszeiten im Waldkindergarten variieren meistens zwischen vier bis sechs Stunden fünfmal in der Woche. In der Regel sind die Kinder zwischen drei und sechs Jahrenalt, aber es gibt auch einige Waldkindergärten, die U3 Kinder aufnehmen. Die Größe der Gruppe beträgt circa 20 Kinder, für die zwei Pädagogen verantwortlich sind.Für eine dauerhafte Betreuung auch in den kalten Jahreszeiten, wird zum Beispiel durchgeheizte Räume in nahe gelegenen Vereinsheimen oder ähnlichem gesorgt (vgl. Miklitz 2011, S. 17f.).

3.2 Der integrierte Waldkindergarten

Eine Mischform vom reinen Waldkindergarten stellt der integrierte Waldkindergarten dar. Dabei wird das Konzept eines Regelkindergartens mit dem Konzept des Waldkindergartens in zwei Formen verbunden. Die feste Waldgruppe und die flexible Waldgruppe. Diese Mischformen sind in Dänemark häufig vertreten, während sie in Deutschland noch selten anzutreffen sind. Durch diese Kooperation zwischen Wald- und Regelkindergarten ist esmöglich, alle Randzeiten für die Betreuung der Kinder abzudecken.

Bei der festen Waldgruppe werden Kinder Gruppen zugeordnet, die dann im Wechsel wöchentlich oder monatlich den Kindergartenalltag im Wald verbringen.

Die flexible Waldgruppe kennzeichnet sich dadurch, dass es keinen festgelegten Rhythmusfür die Zeiten des Aufenthaltes im Wald gibt. Der Aufenthalt findet meist täglich statt und Kinder aus verschiedenen Gruppen können sich ihr nach Wunsch zuordnen (vgl. Miklitz2011, S. 18f.).

In die Kritik geraten ist die Mischform des integrierten Waldkindergartens, weil der Grundgedanke der Waldpädagogik, nämlich dass Kinder die Natur zu jeder Witterung erleben, eher in den Hintergrund gerät. Zudem wird Kindern die Wahl überlassen, zwischen dem Wald und anderen Angeboten zu wählen, was sich ebenfalls nicht mit dem eigentlichen Konzept der Waldpädagogik vereinbaren lässt (vgl. Schede 2000, S. 14f.).

3.3 Waldprojekte, Waldwochen

Durch Waldprojekte, die in Regelkindergärten meist in einem Zeitraum von ein bis drei Wochen stattfinden, werden Naturerlebnisse und Phänomene des Waldes den Kindern nähergebracht. Diese Projektwochen werden idealerweise von Pädagogen geleitet, die in einem Waldkindergarten hospitiert haben und dadurch ihre Erfahrungen und Eindrücke weitergebenkönnen.

Sogenannte Waldtage und -wochen werden ebenfalls immer häufiger in Regelkindergärtenintegriert. Dabei wird ein bestimmter Tag in der Woche ausgewählt, oder ein Zeitraum von mehreren Wochen, in denen die Pädagogen mit den Kindern bei jedem Wetter in den Wald gehen (vgl. Miklitz 2011, S. 19).

4. Die Bedeutung von Bewegung

4.1 Die grundlegende Bedeutung von Bewegung auf die frühkindliche Entwicklung

Bewegung ist ein Punkt der zehn Bildungsbereiche in den Bildungsgrundsätzen des Landes Nordrhein-Westfalen. Bewegung wird als Grundbedürfnis eines jeden Menschen verstanden (vgl. MFKJKS 2016, S. 78).

Der Mensch ist vom ersten Lebenstag an bis zu seinem Tod in Bewegung. Bewegung ist nichtnur auf die sportliche Komponente beschränkt, sondern kann zum Beispiel auch das bloße Atmen umfassen. Der Körper steht nicht still. Die Bedeutung von Bewegung ist ebenfallsabhängig von der Situation und dem Lebensalltag der Personen (vgl. Zimmer 2012c, S. 17).Gerade in den ersten Lebensjahren der Kinder spielt die Bewegung eine zentrale Rolle in derganzheitlichen Entwicklung des Kindes. Kinder eröffnen sich ihre Umwelt durch die Bewegung. Dadurch erkunden und entdecken sie die Welt um sich herum und begreifen die Umgebung mit allen Sinnen. Sie treten in Kontakt mit anderen und erlernen durch diese Artund Weise ihre eigenen Bedürfnisse kennen.

Mithilfe von Bewegung werden nicht nur motorische Fertigkeiten gefördert, sondern auch andere Bereiche werden angesprochen, wie die sprachliche, soziale, kognitive und Persönlich-keitsentwicklung. Das Kind eignet sich seine Umwelt durch Bewegungsaktivitäten an. Kindererleben durch die Bewegung Vertrauen in ihre eigenen Kompetenzen und damit auch in sichselbst. Sie lernen ihre eigenen Grenzen kennen und nehmen auch die anderer wahr. Dadurchkönnen unterschiedliche Sinneserfahrungen gemacht werden (vgl. MFKJKS 2011, S. 35).

„Noch nie hatten Kinder so viele Sachen zum Spielen, noch nie gab es so viele Einrichtungen,die sich um ihre Freizeit, ihre musischen und sportlichen Aktivitäten kümmern, wie heute.Noch nie waren Kinder allerdings gleichzeitig so arm an Möglichkeiten, sich ihre Umweltüber die Sinne, über ihren Körper selbstständig zu bemächtigen“ (Zimmer 2012c, S. 21).Durch unsere heutige Welt erleben Kinder immer weniger primäre Bewegungserfahrungenund es kommt zunehmend zu Störungen in der psychischen und physischen kindlichen Entwicklung (vgl. Bildungsgrundätze NRW S. 36).

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Details

Seiten
21
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668747067
ISBN (Buch)
9783668747074
Dateigröße
572 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v429013
Institution / Hochschule
Fliedner Fachhochschule Düsseldorf
Note
1,0
Schlagworte
bedeutung bewegung konzept waldkindergartens

Autor

  • Janina Bittdorf (Autor)

    3 Titel veröffentlicht

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