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Die Problematik des Mobbings als Phänomen im Grundschulalltag

Hausarbeit 2018 12 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1Einleitende Worte

2Theoretische Fundierung der Thematik des Mobbings
2.1 Die begriffliche Abgrenzung sowie Konkretisierung
2.2 Mobbing als vielschichtiges Phänomen der Schulrealität
2.3 Möglichkeiten der Prävention sowie der ״Auflösung" des Mobbings

3Persönliche Reflexion der Thematik des Mobbings
3.1 Der Einbezug des eigenen pädagogischen Konzepts
3.2 Wirkungsmöglichkeiten unter Berücksichtigung der zukünftigen Lehrkrafttätigkeit
3.3 Ein Resümee sowie kurzer Ausblick

Literatur- sowie weiterführendes Quellenverzeichnis

1 Einleitende Worte

Schulische Einrichtungen gelten zwar vordergründig als Ort des Lehrens und Lernens, jedoch spielen sich parallel zahlreiche weitere Phänomene ab, die diesen Ort positiv oder negativ beeinflussen. Viele Schulen zeigen in ihren Schulprofilen offen, welche Grundsätze und Prinzipien einer gelingenden (Klassen-) Gemeinschaft verankert werden. An einer Grundschule im Erzgebirge findet sich innerhalb des Schulprogramms folgender Leitgedanke wieder: ״Alle am Schulleben Beteiligten kennen und respektieren die Regeln zum friedlichen Zusammenleben" (Grundschule Neuwelt, S.5). Eine Leipziger Einrichtung verweist in ihrem Regelkatalog auf einen fairen Umgang sowie das Einhalten getroffener Vereinbarungen (vgl. Grundschule am Adler 2018). Diese exemplarisch dargebotenen Prinzipien verorten das allgemeine Vorhaben von Grundschulen als sehr respekts- und achtungszentriert. Es existiert jedoch ein im schulischen Alltag weit verbreitetes Phänomen, welches diese Grundsätze auf eine Probe stellt: das Mobbing unter Schülerinnen und Schülern. Es offenbart sich als eine bereits lang bekannte und dabei zugleich nicht einfach zu behandelnde Problematik, die ein friedvolles Zusammenleben an Schulen massiv beinträchtigen kann (vgl. Wachs et al 2016, S.9). Dabei sind die Fälle, in denen es sich um eine Form des Mobbings handelt, ebenso vielschichtig wie zum Teil undurchsichtig. Bleiben diverse Übergriffe vom schulischen Personal unerkannt, kann ein professioneller, deeskalierender Umgang mit ihnen nicht gewährleistet und eine Auflösung des, in dem Falle versteckten Problems nicht vorgenommen werden.

Unter der ausführlichen Fragestellung ״Wie zeigt sich das vielfältige Phänomen des Mobbings an Grundschulen und welche Interaktionsmöglichkeiten kann sowie sollte ich als Lehrkraft nutzen?" soll sich innerhalb des ersten Teils dieser Flausarbeit ein begriffstheoretisches und auch -praktisches Konstrukt entwickeln. Aufgrund der unterschiedlichen Erscheinungsformen und möglichen Auswirkungen für mehrere Beteiligte, ist diese Thematik ebenso komplex wie essenziell zu verstehen. Auf Grundlage dessen wird die Mobbingproblematik von verschiedenen Standpunkten aus beleuchtet, um denkbare Ursachen, Wirkungszusammenhänge sowie mögliche Folgeerscheinungen aufzuzeigen. Mithilfe dieses vorangegangenen Inputs schließt sich der als eine Reflexion aufgebaute Schriftpart an: In jenem finden sich sowohl persönliche Gedanken und Meinungen als auch Ausblicke auf die baldig startende Lehrkrafttätigkeit wieder, die mit der Problematik einhergehen. Mit dem gezielteren Blick auf die Thematik können neue Flandlungsmuster erstellt sowie auf Situationen angewandt werden, um, wie oben exemplarisch aufgezeigt, ein respektvolles und friedliches Zusammenleben an Grundschulen zu ermöglichen.

2 Theoretische Fundierung der Thematik des Mobbings

2.1 Die begriffliche Abgrenzung sowie Konkretisierung

Ausgehend von einer Begriffsübersetzung definiert sich Mobbing als eine Form von Gewalt, die das Schikanieren oder Angreifen seitens einer Bande oder Fiorde zur Grundlage hat (vgl. Wachs et al. 2016, S.19). Jene Angriffe richten sich in der Regel gegen Personen, welche den Täterjnnen auf eine bestimmte Weise unterlegen sind, allerdings lässt sich dafür kein festes Schema herausstellen. Festgeschrieben ist hingehen der Faktor, dass Mobbing als ״[...] grundlegende Form aggressiven Verhaltens [...]" (Kindler 2002, s. 19) gilt, welche von einer unterschiedlich großen Personenzahl ausgehen kann. Unter dieser Beschreibung gelten Mobbing-Täterjnnen demnach als Mobbing ausübende Personen, während die Mobbing-Opfer jene Individuen sind, die direkt von den Attacken betroffen sind (vgl. Wachs et al. 2016, s. 22). Oft wird Mobbing mit einer eher verdeckten Form der Gewaltausübung assoziiert: Tritt Mobbing bevorzugt als psychische Gewalt in Ausprägungen von Beleidigungen, Erpressungen o.ä. auf, ist diese häufig nicht sofort zu identifizieren (vgl. Schubarth 2010, S.19). Gleichzeitig gelten die ״Opfer" solcher Attacken wiederholt als zu eingeschüchtert und verängstigt, um sich zu wehren oder Hilfe zu suchen. Der Terminus ״wiederholt" weist bereits ansatzweise auf die besonderen Eigenschaften hin, welche eine Gewalttat aufweist, um unter den Begriff der Mobbings gefasst zu werden: Entscheidend für die Klassifizierung ist der sogenannte Wiederholungsaspekt, das heißt die gewalterfahrende Person wird wiederholend aktiv und über einen anhaltenden Zeitraum hinweg von der Täterin bzw. dem Täter oder der Täterjnnengruppe schikaniert. Des Weiteren greift die Verletzungsabsicht als Merkmal. Mit dieser wird verdeutlicht, dass seitens der Gewaltausübenden der Wunsch oder die klare Absicht besteht, der bzw. dem Gegenüber zu schaden. Ein dem innewohnender Faktor sieht Mobbing als ein Phänomen sozialer Gruppen, in dem die Opfer bewusst nach Flierarchierängen, Schwächen oder Verletzungspunkten ״untersucht" werden, um größtmögliche Verletzungserfolge zu erzielen. In der Regel kann von einem systematischen Vorgehen gesprochen werden, welches sowohl in freiwillig besuchten Gruppen (z.B. Sportverein) als auch ״erzwungenen" Konstellationen (z.B. Schulklasse) auftreten kann. Mit dem Merkmal des Machtungleichgewichts schließt sich der Definitionskreis: Die Machtverhältnisse weisen eine nicht immer offensichtliche Asymmetrie auf, die das Opfer aber in den meisten Fällen benachteiligen. Jene Vorteile der Angreiferjnnen können körperlicher, sozialer oder auch psychologischer Natur sein. Diese Tatsache erklärt beispielsweise Attacken auf ״Streber", sprich auf ausgewählten Gebieten leistungsstarkere Schülerjnnen oder jüngere Klassenkameradjnnen (vgl. Wachs et al. 2016, S.18f). In der Literatur sowie geführten Diskussionen wird der Terminus ״Mobbing" mit jenem des ״Bullying" gleichgesetzt. Wortwörtlich übersetzt, steht 'the bully' für 'den Mobber', was auf eine Einzelperson Bezug nimmt. Internationale Debatten können über den begrifflichen Unterschied hinwegsehen, in der Praxis lässt es allerdings beispielsweise Rückschlüsse auf die Täterjnnenmotive oder Phänomene wie die Mitläuferjnnenschaft und den Selbstschutz durch unmoralische Taten zu. Gemein ist den Begriffen eindeutig, dass sie Handlungen der Gewalt und Aggression darstellen, welche physischen und/oder psychischen Ausmaßes sein können (vgl. Schubarth 2010, S.18f.). Mit Voranschreiten des Medienzeitalters haben sich auch neue Formen des Mobbings integriert, die neben dem Setting des Klassenraumes auch auf private Bereiche Einfluss nehmen: Psychische Schikanen in Form von ״Cyberbulling" über soziale Medien oder das ״Handy/Happy Slapping", sprich das Erhalten plus Verbreiten gefilmter Gewaltakte können auch schon im Bereich des Grundschulalltages Vorkommen (vgl. ebd., s. 19).

2.2 Mobbing als vielschichtiges Phänomen der Schulrealität

Ein schulischer Alltag ohne jegliche Gewaltformen stellt sich zwar als wünschenswert, jedoch womöglich als utopisch umsetzbar heraus. Da sich, wie bereits erwähnt, Mobbing häufig ״im Verborgenen" abspielt, bleibt es leicht unerkannt oder übersehen. Sobald sich eine Lehrkraft im Aktionsfeld befindet, verstummen die Täterjnnen als auch Opfer: Erstere passen sich unter anderem unauffällig der ״unschuldigen" Masse an, zweite verhalten sich wiederholt ruhig, um beispielsweise von den Angreiferjnnen übersehen zu werden oder noch schwereren Mobbingattacken vorzubeugen (vgl. Kindler 2002, s. 11). Aufgrund dessen ״tappen" Lehrerinnen und Lehrer häufig im Dunkeln und schätzen ihre Klasse fälschlicherweise als durchgehend sozial sowie respektvoll ein. Mobbing kann auf das komplette Klassengefüge wirken: Täterjnnen greifen ihre Opfer verbal oder auch körperlich an, während die anderen Klassenmitglieder jnnen nicht eingreifen. Gründe dafür sind in der bereits eingefallenen Gewohnheit der Schikanen gegen die andere bzw. den anderen zu sehen oder in der Angst bei jedweder Reaktion selbst ins Kreuzfeuer der Mobber jnnen zu geraten. Die nahezu ständigen Beeinträchtigungen, die das Opfer durch all jene Angriffe erfährt, können insbesondere geistige Veränderungen nach sich ziehen. Eine solch negativer persönlicher Umschwung kann, soweit er von den Mitschüler jnnen wahrgenommen wird, auch ein Grund für das Nichteingreifen oder -reagieren während Übergriffen sein (vgl. ebd., s. 19).

Eine entscheidende Frage zur weiteren Betrachtung ist auch jene nach den Gründen von Aggressionen oder dem Drang, gegenüber anderen gewaltsam im Sinne des Mobbings zu sein. Es existieren zahlreiche allgemeine Gewalttheorien, die sich sowohl in der Psychologie als auch Soziologie finden lassen. Folgend wird keine begriffstheoretisch scharfe Abgrenzung dargestellt, sondern ein Einblick in verschiedene Ansätze gewährt: Im Zuge der Triebtheorie gehen Forscher jnnen beispielsweise davon aus, dass wir eine Art ״Produktionsstätte" für aggressive Impulse in uns tragen und diese durch unsere Verhaltensmuster zeigen ״müssen", um kein seelisches Leiden durch einen ״Aggressionsstau" davonzutragen (vgl. Melzer et al. 2011, s. 56). Auf Grundlage der Frustrationstheorie ist ein aggressionsgesteuertes Verhalten in Frustrationen begründet, wobei diese als Reaktion auf äußere Einflüsse entstehen (sollen). Der schulische Kontext kann unter anderem durch das Leistungssystem einen Nährboden für frustrierte Schülerjnnen und folglich Gewaltformen begünstigen (vgl. ebd., s. 57f.). Vor diesem Hintergrund ist auch denkbar, dass auch Lehrerjnnen durchaus in der Rolle einer Mobberin bzw. eines Mobbers sein können: Innerhalb der ״Rachespirale" könnte eine Lehrperson das Desinteresse oder die Bequemlichkeit der Lernenden als persönlichen Angriff werten und zum ״Gegenschlag", beispielsweise durch vermehrt abwertende Kommentare gegenüber jenen ausholen - ein zum Teil zutiefst aufgewühltes Klassenklima wäre eine denkbare Folge (vgl. Kindler 2002, s. 26). Eine dritte exemplarische Annahme der Gewaltforschung findet sich in der psychoanalytischen Theorie wieder, welche einen aggressiven Charakter als Indiz für eine komplexe psychische Störung, beispielweise durch traumatische Erlebnisse sieht. Diverse Fälle können sich oftmals als sehr komplex erweisen und bedürfen mitunter Mithilfe seitens außerschulischer Betreuungsangebote (vgl. Melzer et al. 2011, s. 70). Ersichtlich wird aus den Ansätzen, dass Ursachen für Gewalttätigkeit zum Teil sehr verschiedenartig sind und einer Beobachtung der Ausübenden bedarf, um andere Mitschülerinnen vor Übergriffen zu schützen, die bleibende Spuren hinterlassen können.

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Details

Seiten
12
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668728325
ISBN (Buch)
9783668728332
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v429033
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Institut für Bildungswissenschaften an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät
Note
1,0
Schlagworte
Mobbing Gewalt Prävention

Autor

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Titel: Die Problematik des Mobbings als  Phänomen im Grundschulalltag