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Die Modefotografie und ihr dynamischer Umbruch in den 1950er Jahren

Hausarbeit 2018 19 Seiten

Kunst - Fotografie und Film

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Anfänge der Modefotografie
2.1. Modefotografie in den 1950er Jahren – Eine Einführung

3. Richard Avedon
3.1 Dovima with elephants
3.2 Suzy Parker im Café des Beaux-Arts

4. Resümee

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang

1. Einleitung

Die Mode und deren Darstellungsformen sind für uns Menschen schon seit geraumer Zeit von Bedeutung. Sowohl auf Laufstegen, Plakaten, in Modezeitschriften oder Hochglanzmagazinen wird Mode präsentiert. Für diese Veröffentlichungen dienen Modefotografien, welche zunehmend die Bedeutung von guter Kleidung und damit deren Stellenwert in der Gesellschaft unterstreichen. Die jeweils aktuelle Mode wird von Models präsentiert und mit einer entsprechend passenden Umgebung in Szene gesetzt. Dabei entsteht ein Zusammenspiel von Mode und Realität, verknüpft mit der Kreativität des Fotografen.

Dieser Moment schafft einen Einblick in die Vergangenheit, denn anhand der Modefotografien lassen sich bestimmte Aspekte eines Jahrzehnts herausarbeiten. Auch der Zeitgeist wird durch Mode widergespiegelt. Designer geben dem Trend eine Gestalt und bieten verschiedene Abwandlungen an, sodass ihm jeder folgen kann.

Zwischen den drei Akteursgruppen Designer, Models und Modefotografen entsteht dabei eine Interdependenz. Designer benötigen optisch attraktive Models und kreative Fotografen, um ihre Produkte zu vermarkten. Models sind auf moderne Garderoben von bekannten Designern und kompetente Fotografen angewiesen, welche sie richtig in Szene zu setzen wissen. Aber auch die Modefotografen sind von Models und Designern abhängig. Nur durch diese enge Zusammenarbeit der drei Akteure kann die Attraktivität einer Fotografie steigen und sich ein bestimmter Stil herausformen.

Vor diesem Hintergrund werden zunächst die Anfänge der Modefotografie dargestellt, indem im ersten Kapitel ein kurzer Überblick über die historische Entwicklung der Modefotografie von ihrer Entstehung bis zu den 1950er Jahren erfolgt. Es stellt sich die Frage welchen Stellenwert die Modefotografie in der Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg einnahm und welchen Einfluss die Fotografen und Models darauf ausübten.

Hierfür wird anhand ausgewählter Beispiele der Beitrag des bekannten Modefotografen Richard Avedon zur Entwicklung der Modefotografie in den 1950er Jahren herausgearbeitet. Dies geschieht anhand der Darstellung seiner Zusammenarbeit mit den Models Dovima und Suzy Parker.

2. Anfänge der Modefotografie

Schon im 18. Jahrhundert existierten in den USA Zeitschriften, welche Mode für ein Publikum präsentierten, wie beispielsweise die „Le Mercure Galant“. Im Jahr 1880 gab es bereits zwanzig solcher Zeitschriften. In solchen Magazinen richtete sich die Mode eher an das feinere Publikum und wurde mit der Methode der Illustration und Texten dargestellt (vgl. Herschdorfer 2016, 82).

In den darauffolgenden Jahren etablierte sich zunehmend das Medium Fotografie als Darstellungsmethode für die Mode: Die Modefotografie rückte ins Zentrum. Sie bildete sich als eine Art eigenständige Disziplin heraus und gebrauchte dabei Einflüsse aus anderen Bereichen, wie zum Beispiel der Kunst (vgl. Herschdorfer 2016, 8). Gefördert wurde die Modefotografie dadurch, dass Ende des 19. Jahrhunderts die Autotypie entwickelt wurde (vgl. Horbas 1994, 2). Dadurch ergab sich die Möglichkeit die Fotografien für gedruckte Medien zu reproduzieren (vgl. Herschdorfer 2016, 6). Mittels des bildhaften Festhaltens der Garderoben konnten sich alle Gesellschaftsschichten einen Eindruck von der neu aufkommenden Mode machen, sodass die Darstellungen der Mode für das Publikum revolutioniert und neue Perspektiven geschaffen wurden.

Hauptsächlich diente die Modefotografie als erster Schritt zur stärkeren Vermarktung und der Förderung des Verkaufs von Mode, mit dem Ziel, diese der Allgemeinheit zugänglich zu machen (vgl. Herschdorfer 2016, 9). Deshalb muss in Bezug auf die Modefotografie stets von kommerzieller Fotografie gesprochen werden. In dieser Form entwickelte sich die Modefotografie zu Beginn des 20. Jahrhunderts und wird 1913 erstmals in der US-amerikanischen Zeitschrift VOGUE eingesetzt. Der Modefotograf Baron Adolphe de Meyers fotografierte hierfür ein Portrait der Kunstsammlerin Getrude Vanderbilt Whitey, einer Dame der höheren Gesellschaft (vgl. Herschdorfer 2016, 27). Neben der Zeitschrift VOGUE wurden die Modeaufnahmen auch in anderen Magazinen, wie beispielsweise „Harper’s Bazaar“ gezeigt. Von der Modefotografie profitierten nicht nur Designer und Models, sondern auch die, die hinter der Kamera standen. Jeder Modefotograf verkörperte seinen individuellen Stil und stand in oftmals in enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen Models. Die subjektiven Vorlieben des Fotografen flossen in die Darstellungen mit ein und wurden durch bestimmte Aufnahmen in einen Kontext gebracht. So hatte jede Aufnahme ihren speziellen Ausdruck durch den Fotografen.

2.1. Modefotografie in den 1950er Jahren – Eine Einführung

Während des Zweiten Weltkrieges gab es kaum noch Modefotografien (vgl. Croll 2006, 48). Zudem herrschte in dieser Zeit eine gewisse Strenge in der Mode und die Kleidung wurde aufgrund von Materialmangel rationiert (vgl. Lehnert 2013, 144). Auf die Alltagsmode hatte die Haute Couture nur wenig Einfluss, weswegen die Garderoben für die Frau eher zweckmäßig, sehr eng und kurz geschnitten waren, sodass von Bewegungsfreiheit und Flexibilität nicht die Rede sein konnte (vgl. Fukai 2015, 148). Außerdem waren die Garderoben von einer maskulinen Silhouette geprägt, und ähnelten noch eher den Militäruniformen (vgl. Lehnert 2013, 145).

Die fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts hingegen läutenden eine Zeitwende in der Mode ein und prägten das Modebewusstsein immens: Nach der entbehrungsreichen Zeit des Krieges wuchs der Lebenswohlstand in der Nachkriegszeit und die Hoffnung auf Erneuerungen war zu spüren (vgl. Lehnert 2013, 147). Die Mode stand nun für die Gesellschaft wieder im Vordergrund und sinnbildlich dafür, dass sich die Menschen persönlichen Dingen widmen und das Leben genießen wollten (vgl. Lehnert 2013, 147). Dabei war der Drang groß sich sowohl im Alltag, als auch in der Freizeit modisch zu fühlen und zu kleiden.

Auch die Wirtschaft konnte sich nach dem Krieg wieder langsam erholen, wodurch sich eine neue Welt des Konsums entwickelte und die beginnende Prosperität löste sowohl bei den Unternehmern als auch bei den Verbrauchern eine optimistische Stimmung aus (vgl. Lehnert 2003, 147). Mit dieser Entwicklung ging die Modeindustrie mit der Einführung neuer Technik für die Massenproduktion von Textilien einher (vgl. Herschdorfer 2016, 108).

Die Mode war nun nicht mehr ausschließlich für das reiche Bürgertum zugänglich, sondern wurde alltagstauglich und wagte den „Ausbruch auf die Straße“ (Reed 2013, 6). Sie wurde zunehmend als Ausdruck der Persönlichkeit genutzt und entwickelte sich somit zur identitätsstiftenden Macht der damaligen Zeit (vgl. Reed 2013, 6). Unabhängig von der sozialen Schicht oder des Alters wuchs das Interesse für aktuelle Kleidermode und deren fotografischen Darstellungen.

Besonders die Mode für die Frau und das Bewusstsein für schöne Kleidung wurde revolutioniert, denn die neuen Stoffe und Verfahren zur Massenproduktion, verbunden mit dem wachsenden Wohlstand, ermöglichten „auch der Frau von nebenan, sich als bestangezogene Dame der Welt zu fühlen“ (Reed 2013, 6).

Durch diese Veränderungen erlangte auch die Modefotografie wieder einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft. Die Modefotografien richteten sich dabei an die aktive und emanzipierte Frau, welcher man in der modernen Nachkriegszeit ein realistisches Bild von Mode vermitteln wollte (vgl. Herschdorfer 2016, 101).

Dieser Wandel in der Mode und das Bewusstsein dafür hatten zur Folge, dass sich mehr Frauen der Mode widmeten, als es noch während des Krieges der Fall war. Die Nachfrage nach Modezeitschriften stieg. Dazu waren nicht nur Designer und Models unerlässlich, sondern auch die Aufnahme der Mode durch Modefotografen.

3. Richard Avedon

Wie schon erwähnt, bot die Nachkriegszeit neue Optionen und der Wunsch nach neuen Bildauffassungen wuchs. Dieser wurde dann ab Mitte der fünfziger Jahre besonders durch den Modefotografen Richard Avedon erfüllt. Er kam 1946 nach Paris, wo er im Alter von 22 Jahren als Fotograf zu arbeiten begann, insbesondere in Zusammenarbeit mit dem Artdirector Alexey Brodovitch bei der Zeitschrift Harper’s Bazaar (vgl. Avedon 1994, 12). In Paris hatte der Krieg jedoch seine Spuren hinterlassen, sodass das Bewusstsein für Mode in den Hintergrund gerückt war und somit das Image der Stadt als Zentrum der Haute Couture erst einmal wiederhergestellt werden musste (vgl. Holm 2014, 18). Avedon gelang mit seinen Fotografien eine spontanere und natürlichere Sicht auf die Welt, welche sich von den Schrecken des Krieges erholt hatte und Paris wieder zum kulturellen Mittelpunkt der Mode und die Mode zum Mittelpunkt der Gesellschaft machte.

Stellvertretend für die Modefotografien in den 1950er Jahren sollen Avedons Fotografien dienen, welche er während seines Aufenthalts in Paris aufgenommen hatte und selbst als „Urlaub vom Leben“ (Croll 2006, 48) bezeichnete. Diese Aufnahmen zeigen wohl deutlich, welche Absichten Avedon verfolgte und welches Gespür er für die gesellschaftsspezifischen Veränderungen der damaligen Zeit entwickelt hatte. In dieser Zeit stellte er häufig alltägliche Szenerien auf Pariser Schauplätzen dar, sodass sie wie reale Situationen wirkten. Seine Modefotografien sind somit „die Weiterentwicklung eines von Martin Munkacsi eingebrachten Aspekts, der das Eingebettetsein der Mode in das normale Leben und in normale Aktivitäten unterstreicht, […]“ (Avedon 1994, 48).

Es ist zudem anzumerken, dass als Avedon professioneller Modefotograf wurde, Fotomodelle noch keine Berühmtheiten waren; ihre Arbeit trug kein Prestige ein, und fast niemand kannte ihren Namen (vgl. Hollander 2005, 238). Doch dies sollte sich ändern, denn Avedons Arbeit zeichnete sich dadurch aus mit „seinen Models“ eng zusammenarbeiten und sie gekonnt in Szene zu setzen. Demzufolge bot es sich an seine Modefotografien Mitte der 1950er Jahre mit den bekannten Models Dovima und Suzy Parker vorzustellen, welche in dieser Zeit besondere Berühmtheit erlangten.

3.1 Dovima with elephants

Ein bekanntes Werk von Richard Avedon aus den 1950er Jahren ist eine schwarz-weiß-Aufnahme mit dem Model Dovima. Die Fotografie mit dem Titel „Dovima with elephants“ (siehe Anhang 1) wurde im August 1955 im Pariser Cirque d’Hiver aufgenommen. Sie trägt ein schwarzes Kleid mit weißer Seidenschärpe, welches Yves Saint-Laurent für das Haus Dior entworfen hatte (vgl. Holm 2014, 35).

Als Einstellungsgröße wurde die Halb-Totale gewählt, bei der Dovima und die Elefanten von Kopf bis Fuß gezeigt werden. Dabei kommt die Körpersprache von Dovima und das Auftreten der Elefanten am besten zur Geltung. Avedon entschied sich für ein Hochformat, was darauf zurückgeführt werden kann, dass er seine Aufnahmen gezielt für die Veröffentlichung in den Zeitschriften in eine rechteckige Form gebracht hatte, obwohl die ursprüngliche Form quadratisch war (vgl. Avedon 1994, 59). Der Betrachter nimmt perspektivisch eine „Untersicht“ auf das Geschehen ein. Dies verstärkt die Größe von Dovima und den Elefanten.

Auf den ersten Blick erzeugt die Fotografie im Hinblick auf die Garderobe von Dovima und den Zirkus als Aufnahmeort einen Kontrast, da man eine gut bekleidete Frau nicht in einer solch „exotischen“ Umgebung erwarten würde. Auffällig ist außerdem, dass Dovima zusätzlich zu ihrer Garderobe keinen Schmuck trägt, möglicherweise damit die Garderobe und ihre Ausstrahlung im Vordergrund stehen.

Im Hintergrund ist eine graue Wand zu erkennen, davor posiert Dovima mit zwei Elefanten auf einem mit Stroh ausgelegten Untergrund. Sie nimmt eine stehende Pose zwischen den beiden Elefanten ein und bildet dabei die Mittelachse, sodass die Fotografie in eine linke und rechte Hälfte aufgeteilt wird.

Es wirkt, als sei Dovima das Zentrum der Szenerie. Trotzdem machen die Elefanten am linken und rechten Bildrand den größten Teil des Bildes aus. Sie bilden gewissermaßen den Rahmen für Dovima. Bei genauerem Hinschauen ist zu erkennen, dass die Fotografie nur einen Ausschnitt zeigt, da sich sowohl am rechten als auch am linken äußeren Bildrand noch weitere Elefanten befinden, welche jedoch nicht vollständig dargestellt werden. Dies lässt vermuten, dass Dovima wohl mit mehr als zwei Elefanten fotografiert wurde, und schafft somit für den Betrachter einen Raum zur Spekulation.

Obwohl die Elefanten größer sind als Dovima, sticht sie aus der Fotografie heraus und steht im Mittelpunkt, denn für Avedon war es besonders wichtig, dass das Model gekonnt in Szene gesetzt wird. Hier wird deutlich, dass Avedons Fotografien immer Portraitfotografien sind, welche das Individuum hervorheben sollen. Denn Avedons Medium ist zwar die Fotografie, aber der Inhalt dafür sind die Menschen, die er abbildet (vgl. Holm 2014, 12).

Außerdem ist eine Linienführung zu erkennen: Hierbei bilden Dovimas Arme die horizontale und ihr restlicher Körper die vertikale Linie. Dies verleiht der Fotografie Struktur und leitet den Blick des Betrachters durch das Bild. Mit ihren Armen bildet das Model ein Verbindungsglied zwischen den beiden Elefanten, wodurch eine unmittelbare Nähe zwischen ihr und den Elefanten entsteht. Diese Anordnung ihrer Arme und Hände ist aus Sicht des Betrachters von hoher Relevanz, denn würde der Blick auf den Rüssel des linken Elefanten oder auf den Kopf/ das Auge des rechten Elefanten abschweifen, würde er durch Dovimas Handbewegung direkt zu ihrer Person zurückgeführt werden. Dies lässt eine hohe Komplexität in der Komposition deutlich werden und verhindert, dass der Betrachter seinen Blick für Dovima verliert und unterstützt wiederum, dass ihre Person und die Garderobe die wichtigsten Bildelemente sein sollen.

Dovimas Interaktion mit den Elefanten kann auf zweierlei Arten interpretiert werden. Einerseits wirkt ihre Haltung auf die Elefanten beruhigend, andererseits hat sie die Macht über die Elefanten. Ihr ruhiges Auftreten steht dabei im Gegensatz zum Kampf der Elefanten mit ihren angeketteten Füßen. Ihre Geste und die Hand auf dem Elefantenrüssel könnten ihr die Fähigkeit nahelegen, die Elefanten zähmen zu können, sodass diese ihr folglich unterlegen sind.

Betrachtet man die Ausleuchtung der Szenerie, ist zu vermuten, dass Avedon ein großes Flächenlicht nutzte, wodurch sich weiche und sanfte Übergänge zwischen Licht und Schatten bilden. Zwischen Hell und Dunkel entsteht ein hoher Kontrast, welcher den Betrachter dahin lenkt die hellen Elemente der Aufnahme als Erstes anzuschauen. Diese hellen Elemente sind das Gesicht von Dovima, ihre Hände und ihr Fuß, welche insgesamt einen Rahmen für die Garderobe bilden und es somit erneut in den Vordergrund heben.

[...]

Details

Seiten
19
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668728608
ISBN (Buch)
9783668728615
Dateigröße
3.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v429042
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
2,0
Schlagworte
modefotografie umbruch fünfziger Jahre Richard Avedon Fotograf Suzy Parker Dovima Model Kunst Mode

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