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Bibeldidaktik. Stufenentwicklung nach James W. Fowler

Seminararbeit 2003 16 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gottesglaube
2.1. Was heißt glauben?

3. Fowler
3.1. Glaubensauffassung
3.1.1. Glaube als Gegenstand empirischer Untersuchungen
3.1.2. Glaubensverständnis: Religion, Glaube und Glaubensinhalt
3.1.3. Glaube und Beziehung (Vertrauen)
3.1.4. Glaube als Einbildungskraft
3.2. Das Entwicklungsmodell
3.3. Stufen des Glaubens
3.3.1. Verbindung mit den Charakteristika des allgemeinen Entwicklungsmodells
3.4. geplanter Referatsverlauf
3.5. Ablauf der Stunde
3.6. Fazit: Welchen Nutzen hat das Thema des Referat „Theologie mit Kindern“?

1. Einleitung

Die Beschäftigung mit dem Thema der religiösen Entwicklung des Menschen wurde

aus folgenden Gründen näher betrachtet: Wenn man einmal in der Lage sein will,

heranwachsende Kinder mit dem Glaube an Gott, mit der Religion, ja sogar mit dem Sinn des Lebens vertraut zu machen, sollte man sich im Klaren darüber sein, wie die Entwicklung des Glaubens aufgebaut ist und welche Entwicklungsstufen ein jeder Mensch hinsichtlich seines Glaubens durchläuft.

Festzuhalten ist sicherlich auch, dass es hierzu nicht ein einziges feststehendes Schema gibt, sondern von verschiedenen Psychologen verschiedene Theorien aufgestellt wurden. Einige der bedeutendsten Psychologen waren Jean Piaget, Erik H. Erikson, Lawrence Kohlberg, Fritz Oser und James W. Fowler. In dieser arbeit beziehe ich mich konkret auf James W. Fowler.

2. Gottesglaube

2.1 Was heißt glauben?

Um den Glauben an Gott verstehen zu können, muss man sich klar machen, dass der menschliche Glaube nicht nur durch Sätze, Dogmen und Argumenten besteht, sondern auch mehr durch jenes Bild, das sich in den Herzen der Menschen als Glaubenswahrheit eingeprägt hat, die sich stark auf Einbildungskraft und Emotionen bezieht und nicht nur auf das kritisch rationale Denken.[1]

Der Glaube dient dazu, den Menschen dabei zu helfen, dass ihnen das Leben als sinnvoll erscheint. Der Glaube soll Antwort auf Fragestellungen nach dem Wertmuster, nach der Struktur von Liebe und Handeln, nach den Formen von Angst und Furcht und Hoffnung und Freundschaft geben. Da der Mensch kein reines Instinktwesen ist, braucht er Ziele und Prioritäten, die er im Glauben findet. Glauben ist also ein universales, menschliches Empfinden.[2]

Küng vertritt die philosophische Betrachtungsweise vom Glaubensverständnis von Immanuel Kant und bringt seine Betrachtungsweise auf den Punkt: „So weit reicht unsere reine, theoretische Vernunft nicht. An Raum und Zeit gebunden, kann sie nicht beweisen, was außerhalb des Horizonts unserer raum-zeitlichen Erfahrung ist: Weder dass Gott existiert, noch dass Gott nicht existiert!“[3]

Es lässt sich sagen, dass der Glaube an Gott auf der Basis des vernünftigen Vertrauen statt findet. Es ist weder rationales Beweisen noch irrationales Fühlen, sondern begründetes und vernünftiges Vertrauen, was im biblischen Sinn -Glauben- genannt wird. Glauben bedeutet sich voll und ganz einlassen „und zwar nicht primär auf bestimmte Sätze, sondern auf die Wirklichkeit Gottes selbst.“[4] Der gläubige Mensch entfaltet sich in seinem Glauben und lebt nach diesem Glauben.

3. Fowler

3.1 Glaubensauffassung

3.1.1. Glaube als Gegenstand empirischer Untersuchungen

Zunächst muss begrifflich geklärt werden, dass Fowler generell nicht von religiöser Entwicklung spricht, sondern vom Glauben und der Entwicklung des Glaubens. Für Fowler ist die Entwicklung des Glaubens mit dem sogenannten Sinn-Schaffen gleichzusetzen. Er geht von dem Standpunkt aus, dass der Mensch sich auf der ständigen Suche nach Sinn befindet. da die Welt in der wir leben sehr deutungsbedürftig erscheint. Jedoch erschließt sich der Sinn der Welt und der Sinn des Lebens nicht aus sich selbst, sondern unterliegt einem Prozess der Sinnfindung, den der Mensch durchlaufen muss. Der Mensch befindet sich also in ständiger Entwicklung des Glaubens, die mit einem steten Sinnstreben einhergeht.[5]

3.1.2. Glaubensverständnis: Religion, Glaube und Glaubensinhalt

Um die Glaubensauffassung nach Fowler weiterhin verstehen zu können, muss erst eine klare Definition und Abgrenzung von den Begriffen Religion, Glaube und Glaubensinhalt erfolgen. Bei dieser Unterscheidung stützt sich Fowler auf den Religionswissenschaftler Wilfred Cantwell Smith, der sich lange Zeit damit befasste, inwiefern die religiösen Traditionen der Welt auf unser Verständnis von Glauben Einfluss nehmen und wie dieser Einfluss zu interpretieren ist.

Als Religion versteht Smith verschiedene Ausdrucksweisen des Glaubens von Menschen aus der Vergangenheit. Mit diesen Ausdrucksformen meint er Offenbarungsberichte, Prophezeiungen, Erzählungen, Mythen, Glaubensbekenntnisse, Musik, Tanz etc. Er nennt dieses traditionsbewusste Weiterreichen von Erzählungen kumulative Tradition. Diese kumulative Tradition wird dann zur weltlichen Ursache, die den gegenwärtigen Glauben hervorbringt, wenn sie in ihren verschiedenen Formen überliefert worden ist.

Mit Religion ist also die äußere Form gemeint, die sich nicht auf die einzelne Person bezieht, sondern eher auf das traditionsreiche Gesamtbild der Gesellschaft. Die kumulative Tradition bezeichnet Smith als weltliche Ursache, die den Glauben der Menschen entstehen lässt. Was früher für wahr empfunden wurde, soll heute nicht falsch sein.[6]

Der Glaube steht in einer viel tieferen und persönlicheren Beziehung zum Menschen als die Religion.

Glaube ist auf den ganzen Menschen bezogen und findet seinen Ursprung im Herzen der Menschen. Er wird aufrechterhalten von der religiösen kumulativen Tradition, richtet sich aber ausschließlich auf die Persönlichkeit, die jeder Mensch zu sich selbst hat. Glaube ist eine Ausrichtung des Willens und die stete Suche des Menschen nach einer Beziehung zur Transzendenz. Der Glaube wird also verstanden als ein Ergebnis, das aus der menschlichen Entwicklung hervorgeht, und nicht auf das gesellschaftliche System zurückzuführen ist. Über das Vertrauen, welches sich in der Beziehung zum Transzendenten entwickelt, werden nun die Glaubensinhalte gebildet.[7]

[...]


[1] Vgl. Küng, H.: Credo. Das Apostolische Glaubensbekenntnis – Zeitgenossen erklärt. München 1992, S.15

[2] Vgl. Fowler, J. W.: Stufen des Glaubens. Die Psychologie der menschlichen Entwicklung und die Suche

nach Sinn. Gütersloh 2000, S. 25/26

[3] Küng, H. mit Bezug auf Immanuel Kant in: Credo. Das Apostolische Glaubensbekenntnis – Zeitgenossen erklärt. München 1992, S.21

[4] Küng, H.: Credo. Das Apostolische Glaubensbekenntnis – Zeitgenossen erklärt. München 1992, S.22

[5] Vgl. Küng, H.: Credo. Das Apostolische Glaubensbekenntnis- Zeitgenossen erklärt. München 1992, S.25/26

[6] Vgl. Fowler, J. W. mit Bezug auf Wilfred Cantwell Smith The Meaning and End of Religion in: Stufen des Glaubens. Die Psychologie der menschlichen Entwicklung und die Suche nach Sinn. Gütersloh 2000, S. 30/31

[7] Vgl. Fowler, J. W. mit Bezug auf Wilfred Cantwell Smith Belief and History und Faith and Belief in: Stufen des Glaubens. Die Psychologie der menschlichen Entwicklung und die Suche nach Sinn. Gütersloh 2000, S.32-34

Details

Seiten
16
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638408448
ISBN (Buch)
9783656867401
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v42933
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Theologische Fakultät Institut für Lehrerausbildung
Note
2,7
Schlagworte
Bibeldidaktik Stufenentwicklung James Fowler Psychologie Entwicklung

Autor

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Titel: Bibeldidaktik. Stufenentwicklung nach James W. Fowler