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Transdisziplinarität in der Hilfeplanung

Hausarbeit 2017 11 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hilfeplanung heute
2.1 Entwicklung und Akteurenbeteiligung
2.2 Hilfeplanung in Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit

3 Transdisziplinarität als Paradeweg für eine Hilfeplanung?
3.1 Hilfeplanung aus verschiedenen Perspektiven
3.2 Hilfeplanung zwischen Erfordernis und Anforderungen

4 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Hilfeplanverfahren sind ein fester Bestandteil der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe. Auch wenn die gesetzliche Verankerung klar zu sein scheint, so eröffnen sich zugleich innerhalb der konkreten Ausübung bei den PraktikerInnen und seitens der Forschung unterschiedliche Möglichkeiten. Ein Forschungsansatz, der im Zusammenhang mit der Hilfeplanung immer wieder Anklang findet, ist der nach Transdisziplinarität. Inwieweit bedingt sich dieser Zusammenhang und welche Auswirkungen können bei einer Hilfeplanung auftreten, wenn eine transdisziplinäre Ausrichtung verfolgt wird?

Folgende These, welche sich aus dieser Fragestellung ableiten lässt, wird die vorliegende Arbeit maßgeblich begleiten: Eine adäquate Hilfeplanung mit den AdressatInnen der Sozialen Arbeit erfordert Transdisziplinarität.

Entsprechend dieser These wird das Ziel dieser Arbeit sein, mögliche Irritationen und/ oder Chancen der Hilfeplanung im Kontext der Transdisziplinarität aufzuzeigen. Die Arbeit begrenzt sich dabei ausschließlich auf die zugrundeliegende These und kann nur einen rudimentären Überblick auf die Komplexität von Hilfeplanung und Transdisziplinarität in der Sozialen Arbeit geben. Es wird daher nicht explizit auf die Professionsdebatte Sozialer Arbeit eingegangen, da diese als Disziplin und Profession sowie als Handlungswissenschaft vorausgesetzt und verstanden wird.

Im ersten Teil dieser Arbeit wird die Entwicklung der Hilfeplanung sowie die Akteure, die am Hilfeplanprozess beteiligt sind, Bezug genommen. Daran angeknüpft wird Hilfeplanung aus disziplintheoretischer Sicht der Wissenschaft und praxisorientierter Sicht der Professionellen in der Sozialen Arbeit beleuchtet. Im anschließenden zweiten Teil wird darauf aufgebaut das Verhältnis zur Transdisziplinarität erläutert. In diesem Zusammenhang wird fokussiert, welche Perspektiven auf ein Hilfeplanverfahren gerichtet sind und inwieweit Transdisziplinarität erforderlich ist. Ferner wird Bezug auf die Erfordernisse und Anforderungen einer transdisziplinären Hilfeplanung Bezug genommen. Abschließend wird noch einmal auf die Hauptthematik dieser Arbeit beziehungsweise die These, ob Hilfeplanung obligatorisch Transdisziplinarität voraussetzt und die herausgearbeiteten Erkenntnisse der Arbeit eingegangen.

2 Hilfeplanung heute

Bevor das Verhältnis von Hilfeplanung und Transdisziplinarität erläutert wird, möchte dieser Punkt vorab einige grundlegende Aspekte und Merkmale der Hilfeplanung sowie die daran beteiligten Akteure aufzeigen.

Hilfeplanung kann als zentrales Element der Sozialen Arbeit verstanden werden, welches zur professionellen Fallarbeit im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe bei der Entscheidungsvorbereitung für die Hilfen zur Erziehung dient. Dies umschließt den gesamten Hilfeprozess und nicht nur die Anfertigung des Hilfeplans (vgl. Freigang 2009, S.105 f.). Überdies ist Hilfeplanung auch ein Thema für die Gesellschaft, da ein Abweichen vom gesellschaftlichen Normbild verhindert werden soll. Die gesetzliche Verankerung gemäß § 36 SGB VIII sowie zahlreiche Werke von TheoretikerInnen haben dazu beigetragen, dass dieses Element als Domäne der Sozialen Arbeit benannt werden kann (beispielsweise Schefold u.a. 1998, Merchel 2006, Schwabe 2010). Demnach erfordert Hilfeplanung die Fachlichkeit und Handlungskompetenzen der Sozialen Arbeit, um professionell zu sein.

2.1 Entwicklung und Akteurenbeteiligung

Die Entwicklung der Hilfeplanung lässt sich seit den 1990 Jahren und dem Reformierungscharakter durch die gesetzliche Konnotation fortläufig beobachten. Auch aktuelle Gestaltungsvorschläge und Empfehlungen zur konkreten Ausübung des Hilfeplanverfahren zeigen die enormen Herausforderungen, die an den Prozess gebunden sind. Nach Merchel tangiert die Hilfeplanung organisationsbezogene, politische und professionsbezogene Aspekte sowie die der AdressatInnen (vgl. Merchel 2015, S. 187). Beteiligt am Entscheidungsvorgang sind die Fachkräfte, die zusammen im kollegialen Austausch fungieren, der Adressat/ die Adressatin beziehungsweise die AdressatInnen, die Personensorgeberechtigten und die fallführende Fachkraft vom Jugendamt. Im weiteren Verlauf werden zudem die Professionellen aus anderen Hilfssystemen und Vertreter anderer Professionen mit einbezogen, die mehr oder weniger an der Durchführung der Hilfeart anteilig sind, hinzugezogen. Werden Indizien für eine seelische Beeinträchtigung gemäß § 35a SGB VIII gedeutet, ist zudem eine ärztliche Beurteilung notwendig (vgl. Merchel 2006, S. 46 f.). Besonders die Positionierung Sozialer Arbeit zu ihren Bezugswissenschaften und den Erkenntnissen von diesen wird also hierbei ebenfalls angesprochen und ist für die Frage nach Transdisziplinarität sowie dessen Erfordernis in Punkt drei dieser Arbeit signifikant.

2.2 Hilfeplanung in Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit

In der Theorie soll Hilfeplanung die Qualität der Arbeit absichern und dem gesetzlichen Anspruch gerecht werden. Neben dieser Funktion soll Hilfeplanung zusätzlich den Hilfeprozess strukturieren. Der Hilfeplan ermöglicht insgesamt einen Rahmen der Koproduktion mit den AdressatInnen Sozialer Arbeit sowie die Möglichkeit Erkenntnisse aus anderen Disziplinen mit einzubeziehen. Des Weiteren müssen kulturelle und geschlechtsspezifische Merkmale, konkrete Zielformulierungen und das Zeitmanagement berücksichtigt werden. Diese sinngebenden Funktionen sollen letztlich zu Aussagen über den vorliegenden Fall und die geeignete Hilfeform führen. Damit geht auch die Frage einher, wie Beschreibungs-, Bewertungs- und Erklärungsmuster in Bezug auf den individuellen Fall diagnostiziert werden.1 Was die TheoretikerInnen vor Forschungsfragen stellt, begegnet den PraktikerInnen in ihrer professionellen Arbeit als hohe Anforderungen, die berücksichtigt werden sollen (vgl. Merchel 2015, S. 187 ff.). Für die Praxis hält Freigang realistisch fest, dass die PraktikerInnen nicht allen genannten Erwartungshaltungen an Hilfeplanung gerecht werden können. Das Fehlen von strukturellen und individuellen Bedingungen sowie das Erhaltungsinteresse der eigenen Organisation einschließlich der fachlichen Haltungen der MitarbeiterInnen erschweren die Hilfeplanung. Beispielweise sei hier angeführt, dass Zielformulierungen als zu generalisiert und weniger konkret auf den Einzelfall bezogen artikuliert werden (vgl. Freigang 2009, S. 114 ff.; vgl. Schrapper 2003, S. 585 ff.). Hierin spannt sich der Bogen des Theorie- und Praxisverhältnis Sozialer Arbeit. Kann durch die Etablierung einer transdisziplinären Ausrichtung diese Hindernisse oder Spannungen überwunden werden? Eine ausführlichere Beschreibung des Theorie- und Praxisverhältnisses würde sicherlich den Rahmen dieser Arbeit überschreiten, daher wird vor allem zugunsten der aufgestellten These nachfolgend das Erfordernis einer transdisziplinären Ausrichtung der Hilfeplanung kritisch hinterfragt.

[...]


1 Für eine ausführlichere Auseinandersetzung mit dieser Thematik kann beispielsweise der Diskurs in der Zeitschrift WIDERSPRÜCHE interessant sein (vgl. Kunstreich u.a. 2003).

Details

Seiten
11
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668729421
ISBN (Buch)
9783668729438
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v429372
Institution / Hochschule
Fachhochschule Münster
Note
1,0
Schlagworte
Hilfeplanung

Autor

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Titel: Transdisziplinarität in der Hilfeplanung