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Flucht und Migration: Ein langer Weg seit Menschengedenken

Ex 1, 1-14; Gen 47, 1-6; Lev 19,33f.

Unterrichtsentwurf 2018 32 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Orientierung
1.1 Lernziele
1.2 Unterrichtseinheit
1.3 Worauf richtet sich mein Unterricht?
1.4 Bezug zu Bildungsplan

2. Sachanalyse und theologische Entfaltung

3. Didaktischer Übergang
3.1 Unterrichtlicher Zusammenhang
3.2 Konkrete Stundenkonzeption

4. Anhänge
4.1 Anhang I: Arbeitsblatt Nr
4.2 Anhang II: Arbeitsblatt Nr
4.3 Anhang III: Tafelbild (Sicherung)

5. Literaturverzeichnis

1. Orientierung

Im Folgenden soll meine Konzeption zur Unterrichtseinheit „Flucht und Migration“ entfaltet werden. Zunächst erfolgt eine generelle Beschreibung der Einheit mit Stoffverteilungsplan und Lernzielen, um im nächsten Schritt Bezug auf den Bildungsplan 2016 zu nehmen. Darauf sollen eine Sachanalyse, eine theologische Entfaltung der Einheit, sowie anschließend eine didaktische Analyse inklusive einer konkreten Stundenkonzeption folgen.

1.1 Lernziele

In meiner Unterrichtseinheit möchte ich mit den Schülerinnen und Schülern das Thema Flucht und Migration näher betrachten. Als biblische Grundlage dienen Ex 1, 1-14; Gen 47, 1-6 und Lev 19,33f., da diese drei Texte die Thematik sehr gut abbilden.

In Gen 47, 1-6 findet sich eine „geglückte“ Migration bzw. Flucht: Jakob und seine Söhne fliehen aufgrund der Hungersnot in Kanaan nach Ägypten und erhalten die Erlaubnis des Pharaos, in dessen Land zu wohnen und das sogar „im besten Teil“. Ebenso erhalten sie eine wichtige Aufgabe, denn sie sollen als „Oberhirten“ eingesetzt werden, sofern sie sich als tüchtig erweisen. Dieser biblische Text zeigt also, dass Migranten in die eigene Gesellschaft integriert werden und dem Land in vielerlei Hinsicht nützlich sein können.

Eine gegenteilige Situation ergibt sich in Ex 1, 1-14: Die Vermehrung des Volkes Israel in Ägypten wird dem neuen Herrscher Ägyptens unheimlich – er fühlt sich von der Stärke des fremden Volkes im eigenen Land bedroht und lässt es aufgrund dessen unterdrücken. Dieser Text ist beispielhaft für Xenophobie, die auch in der heutigen Zeit noch in vielen Menschen herrscht.

Der dritte Text, Lev 19, 33f. ist deshalb so passend für die Unterrichtseinheit, weil er sozusagen eine biblische „Anleitung“ für den Umgang mit Flüchtlingen bzw. Fremden darstellt, die keiner komplizierten Worte bedarf, sondern in klarer Schlichtheit den Anspruch an christliches Handeln formuliert.

Selbstverständlich ist die Auswahl dieser drei Bibelstellen gleichzeitig auch ein Ausschluss vieler anderer Stellen, aber es ist gerade im schulischen Kontext wichtig, eine Komplexitätsreduktion zugunsten eines auf das Wesentliche zugespitzten Unterrichts vorzunehmen. Die Auswahl der Texte erfolgte unter Berücksichtigung der angestrebten Lernziele.

Ziel ist es, dass die Schülerinnen und Schüler ausgehend von verschiedenen Bibeltexten und unter Hinzunahme vielfältiger moderner Texte das Thema Migration und Flucht überzeitlich betrachten und die Gründe dafür differenziert, d.h. in ihren politischen, religiösen und wirtschaftlichen Dimensionen, darstellen können, um ein Verständnis für auch heute noch bestehende Problematiken in diesem Kontext zu entwickeln. Sie sollen dabei solchen Fragen nachgehen, wie z.B.:

- „Warum fliehen Menschen?“
- „Wohin fliehen Menschen und wie entscheiden sie, dass sie angekommen sind?“
- „Was ist Heimat/Identität?“

Es soll ein beständiger Dialog zwischen biblischen und modernen Texten entfaltet werden, der die oftmals gerade von jungen Leuten empfundene Kluft zwischen „verstaubter“ Bibel und heutiger Realität überbrückt, denn religiöses Lernen ist auch immer dialogisches Lernen.[1] Dadurch sollen die Schülerinnen und Schüler lernen, die Heilige Schrift nicht mehr als „fremdes Buch“[2] zu betrachten und stattdessen alttestamentliche Erfahrungen als zeitlose Wahrheiten wahrzunehmen. Sie sollen deren Kraft im Heute erfahren und die Bibel als Medium existentieller heute noch gültiger menschlicher Erfahrungen kennenlernen. Im Zuge dessen lernen die Schülerinnen und Schüler, biblische Texte methodisch reflektiert auszulegen und deren Mehrwert für die eigene Lebenswelt zu erkennen. Gerade im Hinblick auf die Frage des Umgangs mit Flüchtlingen eignen sich die Schüler die Kompetenz an, eine eigene Position zu entwickeln und zu begründen und nehmen die Thematik „Migration und Flucht“ als Herausforderung für das eigene Selbstverständnis an. Im weiteren Verlauf der Einheit werden sich die Schülerinnen und Schüler des Zusammenhangs von Verantwortung und Menschsein bewusst, was gerade in deren Lebensabschnitt vor dem Erreichen der politischen Mündigkeit als besonders wichtig erscheint. Sie setzen Aspekte des biblischen Menschenbildes mit aktuellen Fragestellungen in Beziehung und entwickeln so eigene Positionen und Überzeugungen.[3] Als junge Menschen und vielleicht auch Christen werden Migration und Flucht als Raum für Gottes- oder Selbsterfahrung deutlich bzw. erscheinen als Möglichkeit, mit Gott in Beziehung zu treten, indem man die von ihm aufgetragene Verantwortung in der Welt annimmt und lebt.

Weiterhin lernen die Schülerinnen und Schüler, die „Flüchtlingskrise“ als Herausforderung für die Kirche als Institution zu erkennen, sowie den Selbstanspruch der Kirche im Umgang mit Flüchtlingen kritisch zu überprüfen und danach zu fragen, ob die Kirche tatsächlich auch tut, was sie „predigt“.

Die Unterrichtseinheit zielt außerdem darauf ab, dass die Schülerinnen und Schüler verstehen, dass Xenophobie bzw. Ausländerfeindlichkeit kein rein neuzeitliches Phänomen ist und die Gründe hierfür benennen können. Ebenso können sie Fälle von geglückter und misslungener Integration analysieren und Voraussetzungen dafür nennen, sowie eigene Konzepte zum Gelingen von Integration und Inklusion entwickeln, diskutieren und angemessen präsentieren. Sie lernen, Lösungsstrategien für ein ethisches Konfliktfeld zu entwerfen und können die Begriffe Integration, Inklusion und Assimilation sachlich richtig definieren.

1.2 Unterrichtseinheit

Die Unterrichtseinheit zum Thema Flucht und Migration sollte auf 8 Unterrichtsstunden[4] ausgelegt sein, damit alle wesentlichen Punkte zur Sprache kommen und auch noch Raum bleibt, um etwaige Anregungen von Schülerseite zu berücksichtigen zu können. Denn Ziel ist es immer, gerade in religiösen Lernprozessen, den Schülerinnen und Schülern individuelles Lernen auf selbstbestimmter Basis zu ermöglichen.[5] Insgesamt wird eine ethische Ausrichtung der Einheit angestrebt, was sich auch in den ausgewählten Themen für die einzelnen Unterrichtsstunden niederschlägt.

Die Einteilung des Stoffs ist Folgende:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es ist wichtig, den Einstieg ins neue Thema vom Allgemeinen aus zu beginnen und dann immer weiter ins Detail zu gehen und den Sachverhalt aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Dabei empfiehlt es sich, jeder Perspektive eine eigene Stunde zuzuweisen, damit nicht zu viele unterschiedliche Inhalte in ein und derselben Stunde behandelt werden. So schreitet die Unterrichtseinheit vom allgemeinen Einstieg in das Thema „Fliehen müssen“ über biblische Fluchterfahrungen voran und klärt wichtige Begrifflichkeiten, um anschließend daran die Folgeerscheinungen von Flucht und Migration in den Blick zu nehmen. Dabei empfiehlt es sich, nicht nur die Folgen für Flüchtende, sondern auch für Einwanderungsländer und deren Bevölkerung zu betrachten. Dann erfolgen der Blick auf die Kirche als Akteur bezüglich der Flüchtlingsthematik und in der darauffolgenden Stunde der Fokus auf persönliche Flüchtlingsschicksale, die den steinigen Weg der Flucht mit all der Ablehnung, Xenophobie und Heimatlosigkeit dokumentieren. Die letzte Stunden der Einheit sollte eine Abschlussdiskussion innerhalb der Klasse ermöglichen, die das neu erlangte Wissen der Schülerinnen und Schüler in seiner Gesamtheit noch einmal aufruft und ordnet.[6] Möglich wäre als Abschluss auch eine Projektarbeit mit anderen Kollegen, um so das neu erworbene Wissen aktiv anzuwenden und die Kreativität der Schülerinnen und Schüler zu fördern.

1.3 Worauf richtet sich mein Unterricht?

Mein Unterricht richtet sich hauptsächlich auf drei Bereiche, die sich kurz und knapp wie folgt definieren:

1. Erfahrung: „Die Schülerinnen und Schüler sind fähig, ihre eigenen Erfahrungen mit der Flüchtlingsthematik als existentielle menschliche Erfahrungen wahrzunehmen, die keine zeitliche Beschränkung besitzen, sondern schon in „biblischen Zeiten“ große Aktualität besaßen.“
2. Identität: „Die Schülerinnen und Schüler sind durch die Begegnung mit dem Thema Flucht und Migration in der Lage, sich selbst in der Frage nach dem Umgang mit Flüchtlingen zu positionieren und so ihre eigene Identität als Christ und/oder Mensch klarer zu definieren.“
3. Selbsttätigkeit: „Die Schülerinnen und Schüler werden durch eigene Projekte und Diskussionen zu selbstständigem und reflektiertem Denken, Lernen, Urteilen und Handeln befähigt.

Mein Anliegen ist es, die Schülerinnen und Schüler in ihren eigenen lebensweltlichen Erfahrungen aufzusuchen, um darauf aufbauend deren Erfahrungen mit Hintergrundwissen und anderen Perspektiven zu ergänzen. Gerade das Thema Migration und Flucht eignet sich sehr gut, um sich der Erfahrung zu widmen. Denn diese ist vielfältig: Es gilt, die Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler in den Blick zu nehmen, aber auch die der Flüchtlinge, die aus ihrer Heimat fliehen müssen und in der Fremde vor der Herausforderung stehen, einen Platz für sich zu finden, der sich irgendwann nach „Zuhause sein“ anfühlt. Gleichzeitig bezieht sich die unterrichtliche Ausrichtung auf „Erfahrung“ aber auch auf die Erfahrung eines ganzen Volkes mit Flucht, so wie es in der Bibel über das Volk Israel zu lesen ist, aber auch gerade jetzt in den Nachrichten immer aufs Neue deutlich wird, wenn es um all die Menschen aus Syrien geht, die aus den Trümmern ihres eigenen Landes schon nahezu eine „Völkerwanderung“ begonnen haben. Und auch die „andere Seite“ ist zu bedenken: Es machen nicht nur Flüchtlinge ihre Erfahrungen mit Flucht, sondern auch Einwanderungsländer und deren Bürger, die die Aufnahme der Flüchtlinge und deren Versorgung vor Ort organisieren und sich oft im Zwiespalt zwischen Willkommenskultur und Ablehnung aus Angst vor Überfremdung wiederfinden. Die Flüchtlingsthematik ist somit eine existentielle menschliche Erfahrung auf mehreren Ebenen, die das Auge der Schülerinnen und Schüler für Multiperspektivität schärft.

Identität ist insofern für meine Unterrichtseinheit von Bedeutung, als dass die Schülerinnen und Schüler in der Oberstufe kurz vor der Volljährigkeit und damit auch der politischen Mündigkeit stehen. Für sie ist es wichtig, sich selbst so genau wie möglich zu kennen und zu wissen, wer sie sind, welche Werte und Ansichten sie vertreten und worauf sich diese stützen. Sie sind dabei, ihren Platz innerhalb der Gesellschaft zu finden und setzen sich auf dem Weg dorthin mit Ethik, Moral, Religion und eigener Erziehung auseinander. Am Beispiel der Flucht- und Migrationsthematik lernen die Schülerinnen und Schüler, sich ein eigenes Urteil zu bilden, ihre Position zu begründen und sich als verantwortungstragender Teil der Gesellschaft zu begreifen, sei es nun aus christlicher oder aus ethisch-moralischer Perspektive. Aber auch Identität kann wieder auf mehreren Ebenen betrachtet werden: Menschen, die fliehen müssen, verlieren mit ihrer Heimat gleichzeitig auch ein Stück ihrer selbst, da sie aus ihrem Alltag, ihrem Umfeld und auch aus ihrer „Komfortzone“ herausgerissen werden und in der Fremde all das neu aufbauen bzw. ankommen müssen. Aber was bedeutet angekommen sein überhaupt? Ankommen hat immer etwas mit Zufriedenheit, mit Entspannung und Aufgenommensein, also auch mit Integration und Akzeptanz, zu tun. Daraus ergibt sich, dass es ein offener und besonders auch ein interaktiver Prozess ist, in dem sowohl Flüchtlinge, als auch aufnehmende Gesellschaft als handelnde Akteure gefragt sind, die zum Gelingen beitragen.[7] Die Identität der Ankommenden wandelt sich im Zuge dieser Erfahrungen und wird häufig auch durch die völlig andere Kultur, die sie nun umgibt, in Frage gestellt bzw. erschüttert. Sie müssen sich selbst und ihr Leben neu definieren und stehen vor der Schwierigkeit, sich bei all der Anpassung an ein neues Leben mit all den Kompromissen und neuen Einflüssen nicht selbst zu verlieren. Ebenso geht es auch den Menschen des jeweiligen Einwanderungslandes, denn je mehr Menschen aus fremden Kulturen gemeinsam mit ihnen im Land leben, desto multikultureller wird es. Für sie gilt es dann, eine Balance zu finden zwischen eigener Identität und Offenheit gegenüber neuen Einflüssen.

Die Selbsttätigkeit innerhalb meiner Unterrichtseinheit ist mir ein großes Anliegen. Gerade Diskussionen, eigene Recherchearbeit, kritisches Hinterfragen und die Projektarbeit am Ende der Einheit befähigen Schülerinnen und Schüler dazu, selbstständig zu denken, zu lernen und zu urteilen – und diese Dinge sollten Ziel einer jeden ganzheitlichen „Erziehung“ sein, wobei Erziehung nicht bedeutet, dass sie von ausschließlich von außen kommt, sondern in Selbsttätigkeit von den Schülerinnen und Schülern selbst. Die Lehrkraft gibt Impulse, Denkanstöße und nötige Anleitung, lässt aber viel Raum zum selbstständigen Lernen und Arbeiten, sodass die Entfaltung von Kreativität und Persönlichkeit der Schülerinnen und Schüler möglich ist.

1.4 Bezug zu Bildungsplan 2016 (Baden-Württemberg)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[8]

2. Sachanalyse und theologische Entfaltung

Seit Menschengedenken verlassen Menschen ihre Heimat und ziehen in eine ungewisse Zukunft, um an einem anderen Ort ein neues Leben zu beginnen.[9] Aber nicht immer ist dies eine freiwillige Auswanderung, sondern oft eine Flucht aufgrund von politischer oder religiöser Verfolgung, Hunger, Armut, Naturkatastrophen oder Krieg.[10] Aber es spielen auch die sogenannten Push- und Pullfaktoren eine Rolle, die zum einen die wirkenden Faktoren im Herkunftsland und zum anderen die Anreize des Einwanderungslandes bezeichnen. Im Einwanderungsland angekommen, haben Flüchtlinge dennoch nicht alle den gleichen Status. Ein Sonderfall liegt zum Beispiel vor, wenn Personen sich längerfristig im Land aufhalten, ohne eine entsprechende Aufenthaltserlaubnis zu besitzen. Sie verstoßen gegen die geltenden Gesetze und leben in der Illegalität, woraus für sie selbst selbstverständlich erhebliche Schwierigkeiten u. a. bezüglich medizinischer Versorgung oder Bildung erwachsen. Diese Art der Migration wird häufig als „illegale Migration“[11] bezeichnet, wobei dieser Ausdruck jedoch wenig passend erscheint, da das Adjektiv „illegal“ schließlich nicht die Personen beschreiben kann, sondern nur deren Handlungen. Stattdessen sollte in Anlehnung an Marianne Heimbach-Steins der Begriff „irreguläre Migration“ gebraucht werden.[12]

Groben Schätzungen zufolge leben weltweit betrachtet mehr als 150 Millionen Menschen in einem Staat, der nicht deren ursprüngliche Heimat ist.[13] Deutschland ist nach einer sowohl von Kriegen, als auch von wirtschaftlichen Faktoren geprägten, durch unterschiedliche Dynamiken bestimmten Aus- und Einwanderungsgeschichte seit dem 17. Jahrhundert eines der wichtigsten Einwanderungsländer europa- und auch weltweit. Flüchtlinge und Asylsuchende genießen in Deutschland, aber auch in fast allen anderen Ländern der Welt besonderen Schutz, da als Reaktion auf die Verfolgungen des NS-Regimes 1949 entsprechende Normen in den Artikel 16 des deutschen Grundgesetzes aufgenommen und 1951, also nur unwesentlich später, aufgrund der Flüchtlingsströme infolge des Zweiten Weltkrieges schließlich auch die Genfer Flüchtlingskonvention verabschiedet wurde.[14] Das statistische Bundesamt untersucht die Bevölkerungszahlen Deutschlands und damit auch die Migrationszahlen jedes Jahr genau. Dabei wird zwischen „ausländischer Bevölkerung“ und Menschen mit „Migrationshintergrund“ unterschieden. Als „Ausländer“ werden „alle Personen, die nicht Deutsche im Sinne des Art. 116 Abs. 1 GG sind, d.h. nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen“[15], definiert. Und eine Person hat laut Definition einen Migrationshintergrund, „wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil die deutsche Staatsangehörigkeit nicht durch Geburt besitzt.“[16] Im Jahre 2016 belief sich die Zahl der Menschen in Deutschland, die dieser Definition entsprechen auf rund 18,6 Millionen Menschen; die ausländische Bevölkerung wurde mit 10 Millionen Menschen beziffert.[17]

In Deutschland ist die Flüchtlingsthematik heutzutage von höchster Aktualität, da angesichts der zunehmenden Erfahrungen mit Flüchtlingsströmen, die nach Europa drängen, die Diskussionen um erfolgreiche Integration immer aufs Neue auflodern und sowohl Politik und Gesellschaft, als auch Kirchen vor Herausforderungen stellen.

[...]


[1] Vgl. Hans-Georg Ziebertz: Dialogische Theologie, in: Entwurf einer pluralitätsfähigen Religionspädagogik, hrsgg. v. Hans-Georg Ziebertz, Friedrich Schweitzer, Rudolf Englert und Ulrich Schwab, Freiburg 2002, S. 131.

[2] Vgl. Schoberth: Diskursive Religionspädagogik, S. 198.

[3] Vgl. Manfred Quentmeier: Migration und Menschenrechte im Unterricht?, in: in: Vertrieben, geflohen – angekommen? Das Thema Flucht und Vertreibung im Geschichts- und Politikunterricht, hrsg. v. Manfred Quentmeier, Martin Stupperich und Rolf Wernstedt, Schwalbach 2016, S. 208.

[4] Ich setze volle Stunden an, da ich bereits an einer Schule gute Erfahrungen damit gemacht habe, wenn eine Schulstunde nicht auf die herkömmlichen 45min beschränkt wird und stattdessen noch etwas mehr Raum für die Schülerinnen und Schüler bleibt.

[5] Vgl. Ingrid Schoberth: Diskursive Religionspädagogik, Göttingen 2009, S. 115.

[6] Für eine genauere Beschreibung des unterrichtlichen Zusammenhangs siehe Kapitel 3.

[7] Vgl. Ludger Pries: Migration und Ankommen. Die Chancen der Flüchtlingsbewegung, Frankfurt a. M. 2016, S. 130ff.

[8] Bildungsplan zu finden unter: http://www.bildungsplaene-bw.de/,Lde/LS/BP2016BW/ALLG/GYM/REV, zuletzt aufgerufen am 1.3.2018, 16:53.

[9] Zur historischen und zeitgeschichtlichen Sicht von Flucht und Vertreibung siehe z.B. Andreas Kossert: Flüchtlinge – Böhmen, Pommern, Syrien, in: Vertrieben, geflohen – angekommen? Das Thema Flucht und Vertreibung im Geschichts- und Politikunterricht, hrsg. v. Manfred Quentmeier, Martin Stupperich und Rolf Wernstedt, Schwalbach 2016, S. 74-78 oder Jan M. Piskorski: Die Verjagten. Über Krieg, Flucht und Vertreibung im Europa des 20. Jahrhunderts, in: Vertrieben, geflohen – angekommen? Das Thema Flucht und Vertreibung im Geschichts- und Politikunterricht, hrsg. v. Manfred Quentmeier, Martin Stupperich und Rolf Wernstedt, Schwalbach 2016, S. 44-59.

[10] Vgl. Heimbach-Steins: Grenzverläufe gesellschaftlicher Gerechtigkeit, S. 22.

[11] Vgl. Bundesministerium des Inneren (Hrsg.): Migrationsbericht des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge im Auftrag der Bundesregierung 2007, Nürnberg 2008, S. 16.

[12] Vgl. Heimbach-Steins: Grenzverläufe gesellschaftlicher Gerechtigkeit, S.23.

[13] Vgl. Bundesministerium des Inneren (Hrsg.): Migrationsbericht des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge im Auftrag der Bundesregierung 2007, S. 16.

[14] Vgl. Pries: Migration und Ankommen, S. 36.

[15] Vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Ausländische Bevölkerung – Ergebnisse des Ausländerzentralregisters 2016, Wiesbaden 2017, S. 6.

[16] Vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Bevölkerung mit Migrationshintergrund – Ergebnisse des Mikrozensus 2016, Wiesbaden 2017, S. 3.

[17] Ibidem.

Details

Seiten
32
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668734630
ISBN (Buch)
9783668734647
Dateigröße
658 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v429452
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Theologisches Seminar
Note
2,0
Schlagworte
flucht migration menschengedenken

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Titel: Flucht und Migration: Ein langer Weg seit Menschengedenken