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Die Postmoderne - Eine Darstellung der für ihre Dramatik typischen Aspekte am Beispiel von Sarah Kanes Stück "Zerbombt"

Hausarbeit 2005 18 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Die Postmoderne - Eine Darstellung für ihre Dramatik typischen Aspekte am Beispiel von Sarah Kanes Stück „Zerbombt“
2.1 Die Postmoderne – Ursprung und Standpunkt
2.2 Die postmoderne Dramatik. Eine Darstellung der für sie typischen Aspekte am Beispiel von Sarah Kanes Stück „Zerbombt“
2.2.1 Das In-yer-face theatre als postdramatische Theaterform
2.2.2 Die Autorin - Sarah Kane
2.2.3 Das Stück - „Zerbombt“
2.2.3.1 Entstehungsdaten und Thematik
2.2.3.2 Postmoderne Aspekte in „Zerbombt“
2.2.3.2.1 Bilder der Trostlosigkeit und Zeichen des Mangels
2.2.3.2.2 Figuren bzw. Charaktere
2.2.3.2.3 Ambivalenz
2.2.3.2.4 Perversion
2.2.3.2.5 Anti-mimetische Dramaturgie
2.2.3.2.6 Endzeitgefühl
2.2.3.2.7 Zeichengebrauch
2.2.4 Rezeption
2.2.5 Überlegung zur zukünftigen Entwicklung des Theaters in Zusammenhang mit dem Wandel der Gesellschaft

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis
4.1 Primärliteratur
4.2 Sekundärliteratur

1. Vorwort

Es glitzert und funkelt im Nabel und im Gesicht und bunte Verzierungen blitzen aus Hemdsärmeln und Jeans hervor - man erblickt Piercings und Tattoos soweit das Auge reicht. Auch Bungeejumping oder Fallschirmspringen sind mittlerweile zum gängigen Zeitvertreib geworden. Wir leben in einer Zeit der Mutproben und Wagnisse, in der niemand als „altbacken“ oder unmodern gelten will. Es scheint fast, als hätten sich nie zuvor derart viele Menschen mit solcher Vehemenz dagegen gewehrt, mit solchen Attributen in Verbindung gebracht zu werden. Und um dem zu entgehen sind sie sogar bereit, nicht einmal geringfügigen Schmerzen in Kauf zu nehmen. Ob nun beim Stechen des Tattoos oder beim späteren Bezahlen dessen.

Wenn es jedoch ums Theater geht, halten die meisten Menschen noch immer an der alten, konservativen Form des dramatischen Theaters fest. Sie wagen zwar den Sprung aus dem Flugzeug, beispielsweise jedoch nicht den Sprung ins zunächst vielleicht kalte Wasser des postdramatischen Theaters, der durchaus eine erfrischende Abwechslung und Alternative sein kann. Es lohnt sich, auch hier einmal über den Tellerrand hinauszuschauen, offen zu sein für neue Erfahrungen und dafür, den persönlichen Horizont zu erweitern.

Denn das postdramatische Theater hat einiges zu bieten, das es wert ist, dass man sich damit auseinandersetzt. Eine komplett andere Art der Inszenierungsweise, der Wirkungsästhetik, des Umgangs mit Sprache und des Theatererlebnisses sind nur wenige der spannenden Aspekte, die auf den warten, der sich darauf einlässt.

Auch ich möchte mich an diese kleine Herausforderung heran wagen und werde im Folgenden einige Aspekte der postmodernen Dramatik anhand von Sarah Kanes Stück „Zerbombt“ darzulegen versuchen.

2. Die Postmoderne - Eine Darstellung der für ihre Dramatik typischen Aspekte am Beispiel von Sarah Kanes Stück „Zerbombt“

2.1 Die Postmoderne - Ursprung und Standpunkt

Den Begriff der Postmoderne zu erläutern und zu vermitteln gestaltet sich als äußerst schwierig, handelt es sich hierbei doch um eine geistige Strömung und damit verbunden ein komplexes Geflecht neuer Werte und Sichtweisen. Ohne ihn somit vollständig zu erfassen und zu begreifen, lassen sich ihm jedoch einige Merkmale zuordnen.

Zunächst einmal bezeichnet die Postmoderne eine Epoche, die etwa in den 1960ern bis 1990ern anzusiedeln ist und aus der Moderne hervorgegangen ist. Sie stellt keine prinzipielle Ablehnung der „im Modernismus erreichten Positionen“[1] dar, distanziert sich jedoch von ihnen und verfolgt im Gegensatz zur Moderne nicht die „Realisierung des Neuen“[2], sondern eine „Rekombination oder neue Anwendung vorhandener Ideen“[3].

Dies überträgt sich auf die künstlerischen Bereiche zum Beispiel der Literatur, Malerei, Architektur oder Mode[4]. Die Postmoderne vollzieht in ihnen eine Vermischung der bisherigen Stilzüge und Merkmale mit neuen, indem sie diese aus dem ihnen spezifischen Kontext herauslöst - es ist offensichtlich, dass ihre Vertreter vehemente Verfechter des Poststrukturalismus[5] sind. Durch eine solche Dekonstruktion eröffnet die Postmoderne dem Rezipienten die Möglichkeit der Differenzierung[6] und offeriert ihm anstelle einer expliziten Aussage die Pluralität der Bedeutung.

Die Postmoderne ist außerdem geprägt durch das Bild einer „pluralistisch[en], zufällig[en], chaotisch[en]“[7] Welt, was zur Entstehung einer neuen Wirklichkeit führt. Die Realität besteht demnach „mehr aus instabilen Systemen als aus geschlossenen Kreisläufen“[8]. So wird beispielsweise auch die Existenz des „autonomen Subjekts als agierende Einheit“[9] negiert. „Identität“ wird als instabil bzw. unmöglich angesehen.

Zusätzlich thematisiert und kritisiert postmoderne Kunst häufig die fortschreitende Technologisierung und zunehmende Präsenz bzw. Dominanz der neuen Medien und weist auf die Virtualisierung des Menschen und seines Lebensraumes hin. In Zusammenhang damit erteilt sie außerdem Vernunft und Zweckrationalität eine Absage und wendet sich Affektivität und Emotionalität zu[10].

Wichtige Philosophen dieser Epoche sind Jean-Francois Lyotard und Jacques Derrida[11], zu den bedeutendsten Theater-Autoren dieser Zeit zählen Elfriede Jelinek, Sarah Kane oder auch David Harrower[12].

2.2. Die postmoderne Dramatik. Eine Darstellung der für sie typischen Aspekte am Beispiel von Sarah Kanes Stück „Zerbombt“

2.2.1 Das In-yer-face theatre als postdramatische Theaterform

Der Ausdruck „in-your-face“ hat seinen Ursprung im amerikanischen Sportjournalismus der 1970er und fand in den 80ern/90ern den Weg in die amerikanische Umgangssprache. Er wurde synonym für „aggressiv“, „provokativ“ oder „frech“ gebraucht[13].

Diese Attribute sind auch bezeichnend für das „In-yer-face theatre“ in Großbritannien, das dort in den 90ern zum dominanten Schreibstil vieler neuer Texte wurde[14]. Dieses untergräbt die dramatische Textstruktur und „grabs the audience […] by the neck and shakes it until it gets the message.”[15]. Durch die Überschreitung gesellschaftlich festgelegter Grenzen mittels extremer Sprache und provokativer Bilder wird der Zuschauer und Rezipient mit Gewalt jeglicher Art konfrontiert, gerät in Bedrängnis, Beunruhigung und Verwirrung[16]. Er ist gezwungen, zu reagieren. Derart werden soziale Missstände des heutigen Zeitgeistes aufgezeigt und kritisiert. Außerdem wird so eine neue ästhetische Sensibilität provoziert und kreiert[17].

In Großbritannien wurden In-yer-face Dramen bisher vornehmlich am Royal Court Theatre (London), dem Soho Theatre (London) oder dem Traverse Theatre (Edinburgh) aufgeführt[18]. Mark Ravenhill und Anthony Neilson sind neben Sarah Kane die wichtigsten Vertreter dieser Theaterform[19].

2.2.2 Die Autorin - Sarah Kane

Sarah Kane wurde am 03.02.1971 in Essex/England als Tochter zweier Journalisten geboren und absolvierte ein Studium der Theaterwissenschaft in Bristol und Birmingham[20]. Sie führte Regie am Paines Plough Theatre in London und verfasste zwischen 1995 und 1999 fünf Theatertexte, darunter Zerbombt (Blasted; 1995) , Gesäubert (Cleansed; 1997) und 4.48 Psychose (4.48 Psychosis; 1998/1999)[21] . Alle fünf Stücke befassen sich „mit dem Thema Liebe in Zeiten der Zerstörung und der gegenseitigen Manipulation und Abhängigkeit“[22].

Aufgrund ihrer neuen[23], extremen und schockierenden Art zu schreiben und zu inszenieren führte Kanes Arbeit zunächst zu heftigen Diskussionen, die nicht selten mit Ablehnung einhergingen. Später jedoch erkannte man ihr Potential, und ihre Stücke brachten ihr Anerkennung und Lob ein. In den Jahren 1999 und 2000 erhielt sie den Preis für die „Beste ausländische Theaterautorin in Deutschland“[24].

Da Kane ihr Leben lang an starken Depressionen litt, unternahm sie im Februar 1999 einen Suizidversuch mit Schlaftabletten, der scheiterte. Doch nur wenige Tage später – am 20.02.1999 - setze sie ihrem Leben im Alter von 28 Jahren in einem Londoner Krankenhaus ein Ende durch Erhängen[25].

Sarah Kane gilt als eine der radikalsten Vertreterinnen der modernen Britischen Dramatik[26].

2.2.3 Das Stück - „Zerbombt“

2.2.3.1 Entstehungsdaten und Thematik

Mit Zerbombt (Blasted) gab Sarah Kane im Januar 1995 ihr Debüt am Royal Court Theatre in London[27]. Das Stück behandelt – wie Kanes gesamtes Werk – die Frage danach, „wie Menschen [...] in Normal- wie in Extremsituationen miteinander umgehen, zu welcher Art von Beziehungen sie bereit sind.“[28]. Sie kommt nicht nur zu dem Ergebnis, dass die Menschen sich gegenseitig zerstören, sondern schlussfolgert auch, dass die Zerstörung selbst ein Resultat zerstörter Beziehungen ist. „[Eine] Folge physischer und psychischer Übergriffe [...] des Stärkeren auf den Schwächeren.“[29]. Kane behauptet im Zusammenhang damit, „wenn man [...] emotionale Gewalt über eine bestimmte Grenze [treibe], [endete] es mit wirklicher Gewalt.“[30].

Wahrscheinlich bezieht sich Kane mit Zerbombt auch auf den Krieg in Sarajewo[31].

[...]


[1] Der Literatur Brockhaus, Postmodernismus. (Mannheim; Leipzig; Wien; Zürich: BI-Taschenbuchverlag, 1995) 303/304.

[2] Postmoderne. 01.03.2005 http://de.wikipedia.org/wiki/Postmoderne.

[3] Postmoderne. 01.03.2005 http://de.wikipedia.org/wiki/Postmoderne.

[4] Postmoderne. 01.03.2005 http://de.wikipedia.org/wiki/Postmoderne.

[5] Postmoderne. 01.03.2005 http://de.wikipedia.org/wiki/Postmoderne.

[6] Gerda Poschmann, Der nicht mehr dramatische Theatertext. (Tübingen: Max Niemeyer Verlag, 1997) 130.

[7] Postmoderne. 01.03.2005 http://de.wikipedia.org/wiki/Postmoderne.

[8] Hans-Thies Lehmann, Postdramatisches Theater. (Frankfurt/Main: Verlag der Autoren, 1999) 141.

[9] Postmoderne. 01.03.2005 http://de.wikipedia.org/wiki/Postmoderne.

[10] Postmoderne. 01.03.2005 http://de.wikipedia.org/wiki/Postmoderne.

[11] Postmoderne. 01.03.2005 http://de.wikipedia.org/wiki/Postmoderne.

[12] In-yer-face theatre. 01.03.2005 www.inyerface-theatre.com/what.html.

[13] In-yer-face theatre. 01.03.2005 www.inyerface-theatre.com/what.html.

[14] In-yer-face theatre. 01.03.2005 www.inyerface-theatre.com/what.html.

[15] In-yer-face theatre. 01.03.2005 www.inyerface-theatre.com/what.html.

[16] In-yer-face theatre. 01.03.2005 www.inyerface-theatre.com/what.html.

[17] In-yer-face theatre. 01.03.2005 www.inyerface-theatre.com/what.html.

[18] In-yer-face theatre. 01.03.2005 www.inyerface-theatre.com/what.html.

[19] In-yer-face theatre. 01.03.2005 www.inyerface-theatre.com/what.html.

[20] Sarah Kane overview. 01.03.2005 http://www.iainfisher.com/kane/eng/kaneov.html

[21] Sarah Kane . 01.03.2005 http://de.wikipedia.org/wiki/Sarah_Kane.

[22] Sarah Kane. 01.03.2005 http://de.wikipedia.org/wiki/Sarah_Kane.

[23] Die moderne Britische Dramatik hat ihren Ursprung in den 1960ern, setzt sich aber erst in den 1990ern durch. In-yer-face theatre. www.inyerface-theatre.com/what.html.

[24] Sarah Kane. 01.03.2005 http://de.wikipedia.org/wiki/Sarah_Kane.

[25] Sarah Kane overview. 01.03.2005 http://www.iainfisher.com/kane/eng/kaneov.html

[26] In-yer-face theatre. 01.03.2005 www.inyerface-theatre.com/what.html.

[27] In-yer-face theatre. 01.03.2005 www.inyerface-theatre.com/az.html#b.

[28] Herbert Fuchs. „ Die Glasmenagerie von Tennessee Williams. Zerbombt von Sarah Kane. Zwei Premieren von schauspielfrankfurt.“ 01.03.2005 http://www.philosophia-online.de/mafo/heft20003-5/Fuchs_Williams_Kane.doc.

[29] Herbert Fuchs. „ Die Glasmenagerie von Tennessee Williams. Zerbombt von Sarah Kane. Zwei Premieren von schauspielfrankfurt.“ 01.03.2005 http://www.philosophia-online.de/mafo/heft20003-5/Fuchs_Williams_Kane.doc.

[30] Herbert Fuchs. „ Die Glasmenagerie von Tennessee Williams. Zerbombt von Sarah Kane. Zwei Premieren von schauspielfrankfurt.“ 01.03.2005 http://www.philosophia-online.de/mafo/heft20003-5/Fuchs_Williams_Kane.doc.

[31] Love By Its Nature Desires A Future. 01.03.2005 http://www.txt.de/blau/blau20/sarah.htm.

Details

Seiten
18
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638408615
ISBN (Buch)
9783656006534
Dateigröße
398 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v42950
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
1,3
Schlagworte
In-Yer-Face-Theater In-Your-Face-Theater Postdramatik Dekonstruktion Postmoderne

Autor

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