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Der Kopftuchstreit. Eignungsmangel für Beamtinnen?

Essay 2017 9 Seiten

Theologie - Islamische Religionswissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Kopftuch
a) Historie
b) Einordnung im Koran

3. Der Kopftuchstreit
a) Die Entstehung und Lage in Deutschland
b) Fallbeispiel „Fereshta Ludin“
c) Pro – Contra

4. Schluss

5. Literatur

1. Einleitung

In einer Gesellschaft, in der freiheitlich – demokratische Ordnung herrscht, sollten Bekleidungsvorschriften keine Probleme darstellen. Die Kleidung jedes Menschen ist individuell. Aus diesem Grund sollten Muslime, die aus Überzeugung und Vorschrift ein Kopftuch tragen wollen, dies gegeben sein. Die Frage ist nun, ob das ebenfalls Lehrkräften erlaubt sein soll, die an deutschen Schulen tätig sind und den deutschen Rechtsstaat repräsentieren. Daher wird bei dieser Arbeit zuerst das Kopftuchgebot im Koran diskutiert, die Entstehung des Kopftuchstreits anhand zweier Fallbeispiele näher gebracht und die Argumente für und gegen das Kopftuchverbot erläutert.

2. Das Kopftuch

a) Historie

Das Kopftuch ist als Kopfbedeckung für islamische Frauen bekannt. Früher war es ebenfalls im christlichen Glaubenüblich, Kopftuch zu tragen. In ländlichen Regionen ist das Tragen von Kopftuch noch erhalten geblieben. Das Kopftuch wurde mit dem Islam in Verbindung gebracht, doch viele Menschen sahen darin die Unterdrückung der Frauen. Der eigentliche Ursprung des Kopftuches liegt nicht im Islam. Um 4000 bis 3000 v. Chr. wurde bei den Sumerern das Kopftuch als Kopfbedeckung getragen.[1] Die Nonnen trugen außerhalb Kopftücher, um ihre Anonymität zu bewahren.

Die Assyrer lebten in Mesopotamien und waren ein semitisches Volk. In ihrem Sozialsystem wurden Frauen unterdrückt. Verheiratete Frauen und Witwen mussten eine Kopfbedeckung tragen, die Prostituierten jedoch nicht.[2] Die Tradition des Kopftuches gingüber in das Judentum und später in das Christentum. Das Kopftuch zur Zeit Christi wurde von Frauen aus einem höheren sozialen Status getragen und hatte keine religiöse Bedeutung.[3] Zuletzt taucht das Kopftuch im Islam auf. In der Bibel steht, dass Frauen sich zu bedecken haben. Deshalb tragen Nonnen und Ordensschwestern eine Kopfbedeckung.[4]

b) Einordnung im Koran

Im Islam gibt es keine explizite Forderung, Kopftuch zu tragen. Es gibt insgesamt fünf Suren, die die Thematik der Bedeckung der Frauen anspricht. Es werden zwei Suren vorgestellt: die Sure „Al-Nur“ - „Das Licht“ (Sure 24, Vers 31) und die Sure „Al-Ahzab“ - „Die Verbündeten“ (Sure 33, Vers 59).[5]

Die Sure „Al-Nur“ besagt:

„Und sprich zu den gläubigen Frauen, daßsie ihre Blicke zu Boden schlagen und ihre Keuschheit wahren und ihren Schmuck nicht zur Schau tragen sollen - bis auf das, was davon sichtbar sein darf, und daßsie ihre Tücher um ihre Kleidungsausschnitte schlagen und ihren Schmuck vor niemand (anderem) enthüllen sollen als vor ihren Gatten oder Vätern oder den Vätern ihrer Gatten oder ihren Söhnen oder den Söhnen ihrer Gatten oder ihren Brüdern oder den Söhnen ihrer Brüder oder Söhnen ihrer Schwestern oder ihren Frauen oder denen, die sie von Rechts wegen besitzen, oder solchen von ihren männlichen Dienern, die keinen Geschlechtstrieb mehr haben, und den Kindern, die der Blöße der Frauen keine Beachtung schenken. Und sie sollen ihre Füße nicht so (auf den Boden) stampfen, daßbekannt wird, was sie von ihrem Schmuck verbergen. Und wendet euch allesamt reumütig Allah zu, o ihr Gläubigen, auf daßihr erfolgreich sein möget.“[6]

Diese Sure behandelt die Bedeckung der Frauen, um so ihre „Keuschheit“ und ihre Jungfräulichkeit zu bewahren. Ihren „Schmuck“ sollen sie nicht enthüllen, außer vor ihren Ehemännern oder näheren Familienangehörigen. Diese Aufforderung ist zweierlei zu verstehen: Einerseits im Sinne von Gold oder Schmuck und andererseits auch das Dekolleté und Brustbereich, also die weiblichen Reize.

Die Sure „Al-Ahzab“ besagt:

„O Prophet! Sprich zu deinen Frauen und deinen Töchtern und zu den Frauen der Gläubigen, sie sollen ihre Übergewänder reichlichüber sich ziehen. So ist es am ehesten gewährleistet, daßsie (dann) erkannt und nicht belästigt werden. Und Allah ist Allverzeihend, Barmherzig.“[7]

In dieser Sure geht es darum, dass sich die gläubigen Frauen von den Nichtgläubigen Frauen unterscheiden, indem sie sich bedecken. Die Bedeckung soll die Frauen vor einer Belästigung der Männer schützen. Wenn diese Suren und Verse näher betrachtet werden, stellt man fest, dass es Unklarheitenüber die Art und Form der Bedeckung gibt. Im Koran ist die Rede von Übergewändern, die zum Beispiel die Brust bedecken sollen und von Kopfbedeckungen, doch eine genaue Erläuterung, wie diese Kopfbedeckung auszusehen hat, ist nicht explizit genannt. Es gibt auch im Ganzen keine Sure, die vorschreibt, dass die Haare bedeckt werden sollen. In manchen islamischen Ländern ist esüblich, dass Frauen ihr Gesicht und ihre Augen bedecken. Im Koran ist ebenfalls nicht die Rede von solch einer Bedeckung.[8] Außerdem ist nicht erklärt, wie ein Kopftuch zu tragen oder zu binden ist.

Mit der Übersetzung der arabischen Suren besteht die Gefahr, dass die Suren anders interpretiert werden. Beispielsweise wird der Begriff „Khumur“, der eigentlich als Kopftuch stehen soll, in verschiedenen Koranübersetzungen anders interpretiert. Es werden Begriffe wie „Kopftücher“, „Schleier“ oder „Schal“ verwendet, die darauf hindeuten, dass bei einer Übersetzung auch die eigene Interpretation mithinenbezogen wird.[9] Die Vorschrift, ein Kopftuch tragen zu müssen ist im Hinblick auf die Suren zweifelhaft. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Kopftuch eine Schutzfunktion der Frau und die Unterscheidung von Nichtgläubigen hatte.[10] Ob es im Islam eine Kopftuchpflicht gibt, ist sehr fraglich. Viele Islamwissenschaftler aus dem 19. Jahrhundert sehen das Tragen von Kopftuch als keine islamische Verpflichtung.[11] Über diese Problematik wird auch heute diskutiert und es gibt Für- und Gegensprecher dieser Verpflichtung.

3. Der Kopftuchstreit

a) Die Entstehung und Lage in Deutschland

Von 7 Millionen Ausländer, die in Deutschland[12] leben, sind ca. 3,2 bis 3,5 Millionen Muslime. Das sind etwa 4% der Bevölkerung. Die christliche Kultur vertritt nicht die Vorstellungen der muslimischen Kultur, weshalb es zu Konflikten kommen kann.[13] Diese Konflikte sind zum Beispiel der Bau von Moscheen, die Ausübung religiöser Rituale und die Befreiung von muslimischen Schülerinnen aus dem Sportunterricht.[14] Das Tragen des Kopftuches ist einer der Hauptursachen für diese Konflikte, denn es war unklar, ob das Tragen des Kopftuchs für Schülerinnen und Studenten zum Ausüben der Religionsfreiheit zählt.

b) Fallbeispiel „Fereshta Ludin“

Das bekannte Fallbeispiel ist der Fall Fereshta Ludin. Sie ist eine deutsche Staatsbürgerin und Muslimin afghanischer Herkunft. Sie hat im Jahr 1998 ihr Referendariat abgeschlossen. Während dem Vorbereitungsdienst durfte sie Ihr Kopftuch tragen. Nach erfolgtem 2.Staatsexamen konnte Sie nicht in den Schuldienst eingestellt werden, da sie ein Kopftuch trug.[15] Das Amt der Lehrerin wurde ihr verweigert, da das baden-württembergische Oberschulamt und die damalige Kultusministerin Annette Schavan (CDU) sich dagegen entschieden. Das Kopftuch stellte im Referendariat kein Problem dar, da es ein Teil der Ausbildung war und nicht untersagt werden durfte.[16]

Die Ablehnung wurde damit begründet, dass das Kopftuch kein religiöses, sondern ein politisches Symbol sei und somit den sozialen Frieden der Gesellschaft gefährden würde. Fereshta Ludin klagte gegen dieses Urteil, Ihre Klage wurde aber im Jahre 2000 zurückgewiesen. Im Jahre 2002 wurde sie ebenfalls vom Bundesverwaltungsgericht zurückgewiesen. Am 24. September 2003 ging dieser Fall an das Bundesverfassungsgericht. Dieses sah den Ausschluss von Frau Ludin aus dem Lehramt für unzulässig, da ohne eine besondere Rechtsgrundlage ihr Kopftuch nicht untersagt werden kann.[17] Das Gericht gab jedoch die endgültige Entscheidung den Gesetzgebern der Bundesländer, damit sie in ihren gesetzlichen Regelungen die Aspekte staatliche Verpflichtung zur Neutralität, positive und negative Glaubensfreiheit der Schüler und der Lehrkräfte und zum Schluss das Erziehungsrecht der Eltern beachten.[18] Im Oktober 2003 versammelten sich die Kultusminister aller Bundesländer. Die Entscheidung sah folgendermaßen aus:

[...]


[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Sumer [September 2017].

[2] PAPE, Elise (2005), S. 15.

[3] Vgl. ebd.

[4] Vgl. ebd.

[5] Suren und ihre Verse: 24:30-31; 24:60; 33:32-33; 33:53; 33:59.

[6] http://islam.de/1391.php [September 2017].

[7] http://islam.de/1382.php [September 2017].

[8] PAPE, Elise (2005), S. 16.

[9] http://www.bpb.de/themen/0S0DT8,0,0,Schreibt_der_Koran_das_Kopftuch_vor.html [September 2017].

[10] OESTREICH, Heide (2004): Der Kopftuch-Streit: Das Abendland und ein Quadratmeter Islam. Frankfurt a.M.: Brandes & Apsel. S. 16.

[11] Vgl. ebd.

[12] http://www.bamf.de/DE/Infothek/Statistiken/Auslaenderzahlen/auslaenderzahlen-node.html [September 2017].

[13] Vgl. PAPE, Elise (2005), S. 17.

[14] http://www.gesetze-im-internet.de/gg/index.html [September 2017].

[15] Mann, Suzanne (2004), S. 1.

[16] Vgl. Karakaşoğlu (2003), S. 62. In: PAPE, Elise (2005), S. 18.

[17] http://www.bpb.de/themen/NNAABC,0,0,Konfliktstoff_Kopftuch.html [September 2017].

[18] http://www.bverfg.de/entscheidungen/rs20030924_2bvr143602.htm [September 2017].

Details

Seiten
9
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668732698
ISBN (Buch)
9783668732704
Dateigröße
809 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v429517
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
3,0
Schlagworte
Kopftuch Frauen Islam Religion Diskriminierung

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