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Die Auswirkungen von proklamiertem Katharsis Effekt sowie Gewalt in Videospielen auf aggressives Verhalten

Hausarbeit 2013 21 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

Die Auswirkungen von proklamiertem Katharsis Effekt sowie Gewalt in Videospielen auf aggressives Verhalten

1) Studie: “Catharsis, Agression, and Persuasive Influence: Self-Fulfilling or Self-Defeating Prophecies?” (Bushman et al., 1999)
1.1 Theoretischer Hintergrund des Katharsis Effektes
1.2 Studie 1
1.3 Studie 2
1.4 Generelle Schlussfolgerung

2) Studie 2: „The effect of video game violence on physiological desensitization to real-life violence (Carnagey et al., 2006)
2.1 Theoretischer Hintergrundüber Gewalt in den Medien und daraus resultierende Desensibilisierungsprozesse
2.2 Fragestellung und Hypothesen
2.3 Methode
2.4 Ergebnisse
2.5 Schlussfolgerung

3) Praktische Konsequenzen und Ausblick

Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Ein Schwerpunkt der folgenden Hausarbeit ist der Einfluss, den eine Darstellung des Katharsis Effektes in den Medien auf aggressives Verhalten hat. Im Rahmen einer Studie werden sowohl die Präferenz nach einer solchen Darstellung tatsächlich aggressive Ersatzhandlungen auszuführen als auch die Konsequenzen, die sich hieraus ergeben, näher untersucht. Die Möglichkeit der sich selbsterfüllenden oder selbstzerstörenden Prophezeiung wird diskutiert.

Ein weiterer Schwerpunkt der folgenden Arbeit ist die Auswirkung des Spielens Gewalt enthaltender Videospiele. Hierbei wird in einer zweiten Studie insbesondere der Effekt der Desensibilisierung gegenüber realer Gewalt näher untersucht. Außerdem wird der Frage nachgegangen, welche Folgen eine solche Desensibilisierung auf Hilfeverhalten möglicherweise haben kann.

Die Auswirkungen von proklamiertem Katharsis Effekt sowie Gewalt in Videospielen auf aggressives Verhalten

Immer wieder werden wir mit aggressivem Verhalten anderer Personen konfrontiert. Neben Vorfällen wie Amokläufen oder Schlägereien, bei denen scheinbar grundlos Menschen zusammengeschlagen werden, kennen wir Aggressionen zumeist in deutlich kleinerem Rahmen auch aus unserem unmittelbaren Alltag. Das kann die vom Schlüssel zerkratze Autotür oder die scheinbare grundlose Aggression mancher Autofahrer sei. Und auch das tatenlose Zusehen, wenn andere Menschen aggressiven Handlungen ausgesetzt sind, ist leider keine Seltenheit.

Da die Medien ein elementarer Bestandteil des Lebens geworden sind, sei es durch Berichterstattungen oder auch durch Videospiele, stellt sich die Frage, welchen Einfluss sie auf solche potentiell aggressiven Handlungen haben.

In der folgenden Hausarbeit werde ich zunächst anhand einer Studie von Bushman, Baumeister und Stack (1999) darstellen, welchen Einfluss es haben kann, wenn Medien den sogenannten Katharsis Effekt proklamieren. Diese Studie zeigt, wie Personen aufgrund von Überzeugungen, zu denen sie durch Mediendarstellungen gelangt sind, ein verändertes Verhalten zeigen und welche Gefahren aus solchen Pro-Katharsis Darstellungen resultieren können.

In einer zweiten Studie von Carnagey, Anderson und Bushman (2006) werde ich dann auf den direkten Gewalt enthaltenden Inhalt von Medien und die daraus resultierende Desensibilisierung gegenüber realer Gewalt eingehen.

Abschließend werde ich mit den praktischen Konsequenzen, die sich aus den beiden Studien ergeben sowie einem Ausblick für mögliche weitere Forschung enden.

1) Studie: “Catharsis, Agression, and Persuasive Influence: Self-Fulfilling or Self-Defeating Prophecies?” (Bushman et al., 1999)

Weitverbreitet kann man die fälschliche Überzeugung finden, dass sich empfundene Wut reduzieren lässt, indem man sie zum Ausdruck bringt (Bushman et al., 1999). Die folgende Studie widmet sich in einer ersten Untersuchung dem Einfluss von Darstellungen eines solchen Katharsis Effektes in den Medien und die Auswirkung solcher Proklamationen auf aggressive Handlungen von Personen. In einer zweiten Untersuchung werden die Auswirkungen solcher aggressiven Handlungen näher betrachtet, um festzustellen, ob sich eventuell durch sich selbsterfüllende Prophezeiungen tatsächlich ein Katharsis Effekt einstellt.

1.1 Theoretischer Hintergrund des Katharsis Effektes

Trotz gegenteiliger Befunde ist der Glaube an den Katharsis Effekt weitverbreitet (Bushman et al., 1999). Die Katharsis Theorie ist der Auffassung, dass Wut und Aggression ausgedrückt werden müssen, um ihre schädliche Wirkung zu verhindern und eine psychische Entlastung zu erfahren (Bushman, Baumeister, & Phillips, 2001).

Dieser Gedanke ist schon lange bestehend und wurde insbesondere durch Freud bekannt, der davon ausging, dass unterdrückte Gefühle zu psychischen Störungen führen können (Kriependorf, 2008, S. 3) Seine Ideen zur Katharsis Theorie als therapeutisches Nutzen, wurden Teil des sogenannten Hydraulik Modells der Wut, das die Basis der modernen Theorie vom Katharsis Effekt zur Verringerung von Wut ist. Das Hydraulik Modell geht davon aus, dass Frustration zu Wut führt. Diese Wut wirke im Inneren der Person wie hydraulischer Druck, der durch das Ausdrücken der Wut herausgelassen werden muss, um eine Erleichterung zu finden (Green & Quanty, 1977).

Diese Annahme ist jedoch nicht korrekt. Wie verschiedenste Forschungsergebnisse zeigen, kann das Ausdrücken von Wut sogar zu gesteigerter Aggression führen (Bohart, 1980; Bushman, 2002; Warren & Kurlycheck, 1981). Die fälschliche Proklamation der Massenmedien, dass Katharsis ein effektiver Weg zur Aggressionsreduktion ist, birgt also nicht unwesentliche Gefahren (Bushman et al., 1999).

1.2 Studie 1

Da in den Medien der Katharsis Effekt häufig proklamiert wird, untersucht diese erste Studie, welche Konsequenzen eine solche Darstellung auf das Verhalten von Personen hat.

1.2.1 Fragestellung und Hypothesen

Die Fragestellung in der ersten Studie bezieht sich auf die Auswirkungen, die die Darstellung eines Pro-Katharsis Artikels hat. Die Hypothese besagt, dass Personen nach dem Lesen eines solchen Pro-Katharsis Artikels und einer anschließenden Provokation von Wut, häufiger das Verlangen haben auf einen Boxsack einzuschlagen, als dies bei Personen der Fall ist, die einen neutralen oder Anti-Katharsis Artikel gelesen haben (Bushman et al., 1999).

1.2.2 Methoden

360 Studenten wurden randomisiert den beiden Versuchsgruppen und einer Kontrollgruppe zugeordnet. Die beiden Versuchsgruppen bekamen hierbei einen Pro- bzw. Anti-Katharsis Artikel zu lesen. Der Artikel der Kontrollgruppe machte keinerlei Aussagenüber den Katharsis Effekt. Nachdem die Teilnehmer den Text gelesen hatten, von dem sie glaubten, dass sie ihn zu einem späteren Zeitpunkt mit einem anderen Versuchsteilnehmer diskutieren sollten, hatten die Teilnehmer die Aufgabe ein Essay zum Thema Abtreibung zu schreiben. Dieses Essay wurde den Teilnehmern anschließend bewertet zurückgegeben, wobei den Probanden gesagt wurde, dass dies durch einen anderen Versuchsteilnehmer geschehen sei, den es in Wirklichkeit nicht gab. Die Hälfte der Teilnehmer bekam das Essay mit sehr schlechten Bewertungen zurück, um das Gefühl von Wut auf den vorgetäuschten anderen Teilnehmer zu provozieren. Die andere Hälfte der Probanden erhielt ihr Essay mit positiven Bewertungen zurück.

Nach Rückgabe des Essays sollten die Teilnehmer 10 verschiedene Aktivitäten nach ihrer Präferenz diese später im Experiment zu machen, sortieren. Eine der möglichen Aktivitäten war hierbei das Schlagen auf einen Boxsack (Bushman et al., 1999).

1.2.3 Ergebnisse

Bei der Auswertung der Ergebnisse zeigte die 3 (Artikel: Pro-Katharsis, Anti-Katharsis, Kontrolle) x 2 (Wut, nicht Wut) x 2 (Geschlecht des Teilnehmers) ANOVA einen signifikanten Haupteffekt für die Bedingung Artikel. Die Teilnehmer, die den Anti-Katharsis Artikel gelesen hatten, wollte weniger häufig auf den Boxsack schlagen als dies bei den andere beiden Gruppe, zwischen denen kein Unterschied bestand, der Fall war (p <.05).

Außerdem gab es eine signifikante Interaktion zwischen dem Inhalt des Artikels und der Wutmanipulation (p <.05). Wütende Teilnehmer, die zuvor den Pro-Katharsis Artikel gelesen hatten, wollten signifikant häufiger auf den Boxsack schlagen, als dies bei den Teilnehmern der beiden anderen Gruppen der Fall war. Bei den wütenden Teilnehmern war kein Unterschied zwischen der Kontrollgruppe und der Anti-Katharsis Artikelgruppe erkennbar, lediglich die Probanden der Pro-Katharsis Gruppe wollten häufiger auf den Boxsack schlagen. Bei den nicht wütenden Probanden spielte es keine Rolle, welcher Artikel zuvor gelesen wurde (Bushman et al., 1999).

1.2.3 Schlussfolgerungen

Die Ergebnisse dieser ersten Studie zeigen deutlich, dass Aussagen in den Medien, die den Katharsis Effekt unterstützen, einen Einfluss darauf haben können, für welches Verhalten sich Personen anschließend entscheiden. Gerade bei Personen, die aus irgendwelchen Gründen wütend sind, scheint eine positive Darstellung vom Ausdrücken dieser Wut, wie wir sie im Pro-Katharsis Artikel finden können, vermehrt zu dem Wunsch zu führen auf den Boxsack einzuschlagen (Bushman et al., 1999).

Nicht ganz offensichtlich ist nach dieser Studie jedoch, ob die Teilnehmer wirklich aufgrund des zuvor gelesenen Artikels vermehrt auf den Boxsack einschlagen wollten, wenn sie wütend waren. Denkbar wäre durchaus auch, dass sie eine stärkere Präferenz hierfür angaben, da sie eventuell der Auffassung waren, dass der Versuchsleiter dies so haben wollte (Bushman et al., 1999).

1.3 Studie 2

In der ersten Studie wurde deutlich, dass durch eine Pro-Katharsis Darstellung in den Medien, wütende Personen vermehrt aggressive Handlungen ausführen möchten, wie in diesem Fall das Schlagen auf einen Boxsack. In einer weiteren Studie wurde nun die Frage aufgegriffen, was durch solche Handlungen eigentlich passiert. Denkbar wäre einerseits ein Effekt der sich selbsterfüllenden Prophezeiung, bei dem sich durch die Überzeugung, dass das aggressive Handeln hilfreich ist, tatsächlich eine Minderung der Wut einstellt. Ebenso denkbar wäre allerdings auch, dass die Aggression, die durch die aggressive Handlung noch mehr wird, stärker als die Erwartungshaltung ist. Dies würde also in der Konsequenz bedeuten, dass der Glaube an die Katharsis Hypothese zu aggressivem Handeln führt, welches die Aggression weiter ansteigen lässt und somit letztendlich eine Steigerung statt einer Verringerung von interpersonellem aggressivem Verhalten bedeuten würde (Bushman et al., 1999).

Diese Auswirkungen werden in der zweiten Studie näher untersucht.

1.3.1 Fragestellung und Hypothesen

In der zweiten Studie schlug eine Teilnehmergruppe nach der Wutprovokation tatsächlich auf den Boxsack ein. In einer anschließenden Aufgabe hatten sie die Möglichkeit sich gegenüber einer anderen Person aggressiv zu verhalten.

Die Hypothese der sich selbsterfüllenden Prophezeiung besagt, dass die Personen, die zuvor den Pro-Katharsis Artikel gelesen hatten, denken, dass sich ihre Wut durch das Schlagen auf den Boxsack mindert. Durch die sich selbsterfüllende Prophezeiung ist anzunehmen, dass die Personen sich anschließend tatsächlich besser fühlen und sich in der folgenden Aufgabe weniger aggressiv zeigen (Bushman et al., 1999).

Die Hypothese der selbstzerstörenden Prophezeiung geht hingegen davon aus, dass die Aggression durch das Schlagen auf den Boxsack weiter ansteigt und in der folgenden Aufgabe zu vermehrten interpersonellen Aggressionen führt (Bushman et al., 1999).

1.3.2 Methoden

In der zweiten Studie wurden 707 Studenten randomisiert den Gruppen Pro-Katharsis Artikel, Anti-Katharsis Artikel und Kontrollgruppe mit neutralem Artikel zugeordnet. Der Beginn des Experimentes war identisch zu dem in Studie 1. Allerdings bekamen in dieser Studie alle Teilnehmer bei der Rückgabe des Essays schlechte Bewertungen um bei allen das Gefühl von Wut zu provozieren.

Nach der Auflistung der Präferenz bestimmter Handlungen wie in Studie 1, schlugen die Teilnehmer der Boxsack Gruppe 2 Minuten lang auf diesen ein. Anschließend wurden sie befragt, ob es ihnen Spaßgemacht habe. Die Teilnehmer der Nicht-Boxsack Gruppe saßen statt der aggressiven Aktivität 2 Minuten wartend im Raum.

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Details

Seiten
21
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668729605
ISBN (Buch)
9783668729612
Dateigröße
596 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v429586
Institution / Hochschule
Universität Ulm
Note
1,6
Schlagworte
auswirkungen katharsis effekt gewalt videospielen verhalten

Autor

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Titel: Die Auswirkungen von proklamiertem Katharsis Effekt sowie Gewalt in Videospielen auf aggressives Verhalten