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Welchen Einfluss haben Soziale Medien auf das Kommunikationsverhalten von Jugendlichen?

Eine medienpädagogische Analyse des Instant-Messaging-Dienstes Snapchat

Hausarbeit 2018 16 Seiten

Pädagogik - Medienpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hauptteil
2.1 Social Media
2.1.1 Das Unternehmen und die App Snapchat
2.2 Digitale Kommunikation bei Jugendlichen
2.2.1 Kommunikation - Begriffserklärung
2.2.2 Soziale Kommunikation im Internet
2.2.3 Welche Auswirkungen haben soziale Medien auf Körper und Geist?
2.3 Die Notwenigkeit von Medienpädagogik
2.3.1 Inwiefern sollten Heranwachsende vor den Gefahren sozialer Medien geschützt werden?

3 Schlussteil
3.1 Zusammenfassung
3.2 Mögliche Entwicklungen
3.3 Fazit & Reflexion
3.4 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Guck mal das ess' ich heute“ unter diesem Titel steht meine Hausarbeit. Ich habe diesen Titel und somit auch das Thema meiner Hausarbeit gewählt, weil mir jeden Tag zahlreiche Beiträge auf sozialen Medien begegnen, in denen Personen zur Schau stellen was sie tun, wo sie sind oder was sie eben gerade essen. Es ist keine Seltenheit in Restaurants heutzutage, dass der Teller schön positioniert wird oder extra optisch attraktives Essen bestellt wird, um dieses anschließend zu fotografieren und zu posten.

Tatsächlich erlebe ich es sehr häufig, dass ich mit Freunden und Bekannten essen gehe und erst gegessen werden darf nachdem ausreichend Fotos für die jeweiligen Snapchat-Storys entstanden sind. Mittlerweile hat sich daraus sogar schon der Beruf des Foodbloggers entwickelt. Personen die teilweise schon davon leben essen zu gehen, dieses Essen zu fotografieren und mit entsprechenden Texten zu posten.

Ich nutze die App Snapchat selbst schon einige Jahre und erwische mich auch hin und wieder dabei, dass ich bestimmte Dinge besonders schön herrichte um diese zu posten oder einfach schöne Momente am liebsten direkt mit meinen Freunden teilen möchte. In meinem gesamten Freundeskreis gibt es niemanden, der den Instant-Messaging-Dienst nicht auf seinem Smartphone installiert hat. Auch große Unternehmen haben die Vorzüge der App erkannt und nutzen diese für Marketing Zwecke.

Des Weiteren interessiert mich der rasante Anstieg der Nutzerzahlen der App. Ich finde es sehr spannend, dass die Welt scheinbar auf so eine Erfindung gewartet hat, Momente innerhalb kürzester Zeit mit anderen zu teilen.

Aber warum ist das so? Damit möchte ich mich genauer auf den folgenden Seiten auseinandersetzen und schauen inwiefern Digitale Medien und insbesondere Snapchat Einfluss auf unser Kommunikationsverhalten haben und wie sie unseren Alltag verändern. Es muss jedoch gesagt werden, dass ich während meiner Recherche herausgefunden habe, dass es zum Thema „Snapchat“ leider nur wenig Literatur gibt und das Thema nur in geringem Maße wissenschaftlich behandelt wurde. Somit habe ich mich mit neuen Studien, aktuellen Diskursen zu dem Thema befasst und zusätzlich Fachliteratur hinzugezogen.

Das Ziel meiner Hausarbeit ist es einen Überblick darüber zugeben, welche neuen Kommunikationskulturen in einer Gesellschaft entstehen, in der digitale Medien immer wichtiger werden.

Zunächst werde ich eine allgemeine Einführung in das Thema „Social Media“ geben, um dann genauer auf das Unternehmen „Snap.Inc.“ und die App Snapchat einzugehen.

Danach thematisiere ich die digitale Kommunikation bei Jugendlichen. Dabei beschäftige ich mich zunächst mit dem Thema Kommunikation an sich und gehe dann auf die Auswirkungen digitaler Kommunikation auf Körper und Geist ein.

Anschließend betrachte ich die Chancen und Gefahren, die digitale Kommunikation mit sich bringt Zuletzt werde ich mich damit auseinandersetzten inwieweit medienpädagogisch daran gearbeitet werden sollte, Medienkompetenzen zu stärken, Gefahren zu minimieren und Chancen der digitalen Gesellschaft auszubauen.

2 Hauptteil

2.1 Social Media

Der englische Begriff „Social Media“ (deutsch: Soziale Medien) hat sich mittlerweile weltweit etabliert. Unter Social Media versteht man im Allgemeinen alle Netzwerke über die digitale Kommunikation stattfinden kann. Die Definition im Duden lautet beispielsweise: „Gesamtheit der digitalen Technologien und Medien wie Weblogs, Wikis, soziale Netzwerke u. Ä., über die Nutzerinnen und Nutzer miteinander kommunizieren und Inhalte austauschen können.“ (Duden, „Social Media“)

„Online-Dienste in diesem Sinne müssen nicht unbedingt Webseiten/-Portale sein, sondern können auch Apps oder andere Software-basierte Angebote sein“. (Primbs 2016, S.5)

In der letzten Zeit sind die Nutzerzahlen von Sozialen Medien, sowie das öffentliche und wissenschaftliche Interesse an eben diesem Thema, deutlich angestiegen. (vgl. Taddicken, Schmidt 2017)

Digitale Medien sind mittlerweile aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Es wird heutzutage ein sicherer Umgang damit schon fast als selbstverständlich vorrausgesetzt. Denn wie es schon von Süss bereits dargestellt wurde, „[Medien] sind unverzichtbar, um den Alltag zu bewältigen, an der Gesellschaft teilzuhaben und verschiedene Rollen wahrnehmen zu können, um ein vollwertiges und Handlungsfähiges Mitglied der Gesellschaft zu werden und zu bleiben.“ (Süss, in: Brüggemann/Knaus/ Meister 2016, S.43)

Wie Taddicken und Schmidt (2017) bereits feststellen ist [eine erste wesentliche Gemeinsamkeit dieser [Medien -] Angebote, dass sie es Menschen ermöglichen, Informationen aller Art mithilfe der digital vernetzten Medien anderen zugänglich zu machen.]

Zu den bekanntesten Social Media Plattformen zählen Facebook, Twitter, Instagram und Snapchat.

Innerhalb dieser sozialen Medien kann unterschiedlich kommuniziert werden. Plattformen wie Twitter sind eher textbasiert wohin gegen Instagram und Snapchat eher auf die Kommunikation über Fotos setzen.

„Die gemeinsame Zielsetzung der sozialen Medien - neben verschiedenen anderen - ist der kommunikative Austausch und die soziale Interaktion.“ (Taddicken, Schmidt 2017, S.5)

2.1.1 Das Unternehmen und die App Snapchat

Auf der eigenen Website bezeichnet sich Snap Inc. selbst als „ein Unternehmen, bei dem sich alles um die Kamera dreht.“ Des Weiteren sagt Snapchat "Wir glauben, dass in der Neuerfindung der Kamera unsere größte Chance steckt, die Art und Weise zu verbessern, wie Menschen leben und kommunizieren“ (snapchat.com , 15.12.17).

„Snapchat ist eine kostenlose Instant-Messaging App, bei der Fotos und kurze Videos, sogenannte Snaps entweder öffentlich innerhalb des Netzwerks des Nutzer in der sogenannten Story geteilt werden oder als Privatnachricht an ausgewählte Personen gesendet.“ (Schmiertz 2016, S.8)

Gründer und CEO des Unternehmens ist Evan Spiegel, der im Alter von 23 Jahren, die App am 16. September 2011 während seines Studiums im Elternhaus in Zusammenarbeit mit Bobby Murphy entwickelte und später sein Studium abbrach, um sich nur auf Snapchat zu konzentrieren. (vgl. stern.de; welt.de , 16.12.17)

Schmiertz spricht in seinem Buch „Der Snapchat-Report - was sie schon immer über Snapchat wissen wollten für Eltern und Anfänger“ von der Vergänglichkeit als Besonderheit. (vgl. Schmiertz 2016, S.8) Damit geht er darauf ein, dass die Fotos und Videos in den Snapchat Stories nach 24 Stunden und die Snaps in den Privatnachrichten nach einer zuvor eingestellten Zeit automatisch vom Smartphone des Empfängers gelöscht werden.

Das heißt, dass Snapchat die Grundsorge bei der Internetnutzung „das Internet vergisst nie“ einfach umgeht. Und selbst, wenn der Empfänger einen Screenshot machen sollte, wird dies dem Sender automatisch mitgeteilt. „Anstelle von inszenierten, für die eigene kuratierte Öffentlichkeit in Szene gesetzten Kommuniqués will Snapchat laut Selbstaussage unmittelbare, ungefilterte, ungeschönte (nicht selten auch sexuelle) Kommunikation fördern.“ (Gerlitz 2015, S.43)

Die angebliche kurze Haltbarkeit des veröffentlichten Inhalts senkt die Hemmschwelle der Nutzer. Bei vielen anderen Social Media Apps werden die Beiträge erst im Nachhinein gepostet und aufwendig bearbeitet. Bei Snapchat ist das anders. In dieser App werden persönliche Momente des Alltags geteilt, da die Nutzer annehmen, dass Fotos und Videos nach maximal 24 Stunden gelöscht werden.

„Snapchat zeichnet sich nicht nur durch die Flüchtigkeit seiner Inhalte aus, das Fehlen von Funktionen wie „liken“, „kommentieren“ und „teilen“.(...) Aufgrund der Flüchtigkeit der Inhalte, die dich nach kurzer Zeit automatisch löschen, und dem Nicht-Vorhandensein der o.g. Funktionen entzieht sich Snapchat den Sichtbarkeits- und Öffentlichkeitsparadigmen, die üblicherweise für soziale Medien gelten.“ (Gerhards 2017, S.2)

Mittlerweile ist bekannt, dass die Haltbarkeit der Bilder garnicht so kurz ist, wie von den Nutzern angenommen. So hat Sat1 veröffentlicht, dass „Im Oktober 2014 [..] ein Archiv mit rund 200.000 privaten Bilder aufgetaucht, welches bei gehackten Webservern, bei Sharehostern und BitTorrent-Webseiten hochgeladen wurde. Die Fotos stammen ausnahmslos von Snapchat-Anwendern, viele sind Nacktfotos Minderjähriger. Somit handelt es sich beim Großteil der Bilder um kinderpornografisches Material.“ (sat1.de, 03.02.2018)

2.2 Digitale Kommunikation bei Jugendlichen

2.2.1 Kommunikation - Begriffserklärung „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ (Watzlawick, Beavin, Jackson 1990, S.53)

Diese Aussage des österreichisch-amerikanischen Kommunikationswissenschaftlers Paul Watzlawick ist der Grundbaustein sämtlicher Kommunikationstheorien.

Watzlawick geht darauf ein, dass sich der Begriff Kommunikation nicht nur auf verbale Kommunikation bezieht, sondern auch auf jegliche Form der nonverbalen Kommunikation wie Körpersprache, Gestik und Mimik.

Betrachtet man das lateinische Wort „communicare“, so bedeutet dies übersetzt so viel wie „jemandem etwas mitteilen“. (Stowasser et al. 1994, S.101)

Kommunikation ist somit eine Vermittlung von Informationen an einen Kommunikationspartner.

„Kommunikation findet immer mit einem Partner, personal oder apersonal, statt. Sie kann einseitig und gegenseitig, direkt und indirekt verlaufen.“ (Delhees 1994, S.12)

2.2.2 Soziale Kommunikation im Internet

Zunächst lässt sich Soziale Kommunikation nach bestimmter Charakteristik in verschiedene Dimensionen unterteilen.

So gibt es die Abgrenzung von direkter und indirekter Kommunikation, welche man innerhalb der räumlich-zeitlichen Dimension unterscheidet.

Unter direkter Kommunikation wird verstanden, dass sich beide Kommunikationspartner zeitgleich am selben Ort aufhalten und die Kommunikation von Angesicht zu Angesicht stattfindet. Bei indirekter Kommunikation handelt es sich hingegen um mediale Kommunikation, welche zeit-/ und ortsunabhängig stattfinden kann.

Eine weitere Unterscheidung erfolgt zwischen einseitiger und wechselseitiger Kommunikation.

Die einseitige Kommunikation ist hierbei eher wie eine Einbahnstraße zu verstehen. Der Informationsfluss verläuft also, wie der Begriff schon beschreibt, einseitig vom Sender zum Empfänger. Die wechselseitige Kommunikation hingegen beinhaltet Interaktion zwischen den Gesprächspartnern. Alle Beteiligten können sowohl Sender als auch Empfänger sein und haben die Möglichkeit Informationen aufzunehmen und entsprechend auf diese zu reagieren. (vgl. Maletzke 1963, S. 32; Pürer 1993, S. 17ff)

Durch das Internet findet ein gewisser Wandel in der sozialen Kommunikation statt.

Greift man die oben genannten Dimensionen im Kontext der sozialen Kommunikation über das Internets auf, so lässt sich sagen, dass es sich bei Computerbasierter Kommunikation, auch CMC genannt, um indirekte Kommunikation handelt, welche sowohl die Opportunität der einseitigen, als auch der wechselseitigen Kommunikation bietet. Je nach Intention des Senders kann hierbei die gesendete Nachricht privat, an einen spezifischen Empfänger gerichtet oder öffentlich sein.

Viele Medien- und Kommunikationsforscher kritisieren die ansteigende Mediennutzung und befürchten, dass die direkte Kommunikation darunter leide.

So gelten die „Neuen Medien“ nach Jürgen W. Brückmann beispielsweise als Hauptursache für Kommunikationsstörungen. (vgl. Brückmann 1996, S. 181f.)

Des Weiteren spricht er davon, dass die persönliche und direkte Kommunikation nach und nach durch elektronische Kommunikation ersetzt werde und dadurch eine Art Isolation und eine damit einhergehende Vereinsamung des Menschen herbei geführt wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Digitale Kommunikation der Messenger-Nutzer

-Nachrichten-Arten: Man bleibt dem Kommunikationsstil zwischen verschiedenen Gruppen treu.

- Mit Personen im HH (mind, häufig): 68% Text-, 37% Bild-, 24% Sprach-, 10% Videonachrichten
- Mit Familie außerhalb vom HH (mind, häufig): 56% Text-, 32% Bild-, 22% Sprach-, 11% Videonachrichten
- Mit Freunden/Bekannten (mind, häufig): 61% Text-, 37% Bild-, 23% Sprach-,13% Videonachrichten

- Über was wird kommuniziert (Top 3):

- Mit Personen im HH (mind, häufig): 49% Termine, 38% Organisation, 35% lustige Bilder/Videos
- Mit Familie außerhalb vom HH (mind, häufig): 28% lustige Bilder/Videos, 28% Termine, 28% Teilen von Erlebnissen über Text
- Mit Freunden/Bekannten (mind, häufig): 35% lustige Bilder/Videos, 30% Teilen von Erlebnissen über Text, 29%Termine

- Gruppenunterhaltungen:

- mit Freunden: 54%
- Weitere Familie außerhalb des HH: 37%
- Personen aus dem HH: 33%
- Kollegen: 32%

Quelle: Studie zur digitalen Familienkommunikation 2017, Basis: Erwachsene Online-Bevölkerung 18+, die mindestens einen der genannten Messenger nutzen (n=1.628); Fragen: Q24/Q27 (Filter: Mehrpersonen-HH) + Q25/Q28 + Q26/Q29 + Q30

Aktuelle Studien kommen jedoch immer öfter zu anderen Ergebnissen.

Laut der repräsentativen Studie des Münchner Kantar TNS-Institut „Studie zur digitalen Familienkommunikation - Key Findings“ (August 2017) fördern soziale Medien und Messenger-Dienste sogar den Dialog innerhalb von Familien und Freundeskreisen.

Wie Abbildung 1 darstellt ist WhatsApp derzeit der beliebteste Messenger und wird von der Online-Bevölkerung 18+ laut der Befragung am häufigsten verwendet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Details

Seiten
16
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668735002
ISBN (Buch)
9783668735019
Dateigröße
871 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v429763
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
Schlagworte
einfluss soziale medien kommunikationsverhalten analyse instant-messaging-dienstes

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