Lade Inhalt...

Entstehung, Entwicklung und Auswirkungen von Renditen

Eine empirische Betrachtung über einen langen Zeithorizont

Seminararbeit 2018 45 Seiten

VWL - Makroökonomie, allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Renditen
2.1 Grundlagen
2.2 Renditen sicherer Vermogenswerte
2.2.1 Bills
2.2.2 Bonds
2.3 Renditen risikoreicher Vermogenswerte
2.3.1 Aktien
2.3.2 Immobilien

3 Ergebnisse der Studie
3.1 Renditen sicherer Vermogenswerte
3.2 Renditen risikoreicher Vermogenswerte
3.3 Vergleich von risikoreichen und sicheren Renditen

4 Okonomische Auswirkungen
4.1 Die Macht der EZB im Nullzinsumfeld
4.1.1 Problemstellung
4.1.2 Quantitative easing als mogliche Losung
4.1.3 Auswirkungen
4.2 Die Piketty Debatte
4.2.1 Pikettys zentraler Widerspruch des Kapitalismus
4.2.2 Kritiken

5 Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Verteilung der gewahlten Zinssatze fur Bills

Abbildung 2: Verteilung der gewahlten Anlagearten fur Bonds

Abbildung 3: DAX Kursindex (blau) vs. Performance-Index (lila) 31.05.2008-31.05.2018

Abbildung 4: Australien: Miet-Preis-Verhaltnis

Abbildung 5: Trend in realen Renditen von kurz- und langfristigen Staatsanleihen (Bills und Bonds)

Abbildung 6: Trend in realen Renditen von Aktien und Immobilien

Abbildung 7: Renditen und Risiko von Immobilien und Aktien

Abbildung 8: Globale reale Renditen sicherer gegen risikoreicher Renditen

Abbildung 9: Einwicklung des nominalen Zinssatzes fur das Hauptrefinanzierungsgeschaft der EZB

Abbildung 10: Zu geldpolitischen Zwecken gehaltene Wertpapiere von Ansassigen im Euro- Wahrungsgebiet

Abbildung 11: Differenzen zwischen Anwendung des quantitative easing und nicht Anwendung

Abbildung 12: Antworten von Produktion, Inflation und Zinssatz auf das PSPP Programm von 2015

Abbildung 13: Kapital- / Einkommensverhaltnis in Europa, 1870 - 2010

Abbildung 14: Reale Vermogensrenditen und reales BIP-Wachstum

Abbildung A. 1: Korrelationen zwischen Renditen sicherer Anlageklassen

Abbildung A. 2: Korrelationen zwischen Renditen risikoreicher Anlageklassen

Abbildung A. 3: Korrelationen risikoreichen und sicherer Anlageklassen

Abbildung A. 4: Monatliche Nettokaufe nach Programmen der EZB gegliedert

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Auszug der verwendeten Datenquellen fur kurzfristige Staatsanleihen

Tabelle 2: Auszug der verwendeten Datenquellen fur langfristige Staatsanleihen

Tabelle 3: Datenquellen Renditen aus Aktienvermogen Deutschland

Tabelle 4: Komponenten der nominalen Gesamtrendite fur Immobilien und Aktien

Abkurzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Immobilien, Aktien und Staatsanleihen machen mehr als die Halfte aller Investitionsmoglich- keiten in heutigen, fortgeschrittenen Volkswirtschaften aus.[1] Fur Investoren spielt dabei die Rendite der jeweiligen Anlageklasse eine wichtige Rolle.[2]

Mit dem Forschungsthema, die Entstehung, Entwicklung und Auswirkungen von Renditen im Kontext eines langen Zeithorizonts analysieren wir diese Thematik. In diesem Zusammenhang betrachten wir die Studie "The rate of return on everything, 1870-2015" von JORDA ET AL. (2017). Dafur gehen wir zunachst auf das Konzept der Autoren ein: Welche Renditen wurden betrachtet, wie wurden diese berechnet und woher stammen die Daten fur die darauffolgen- den Ergebnisse? Danach zeigen wir die empirischen Ergebnisse der Studie. Besonders erwah- nenswert ist, dass die Studie einen langen Zeithorizont betrachtet und erstmals auch die Ren- diten von Immobilien in diesem Kontext einbezieht. Evident ist, dass sich die Renditen von Immobilien- und Aktienvermogen auf einen langen Zeitraum in ihrer Hohe kaum unterschei- den. Allerdings differiert deren Risikostruktur, gemessen an der Volatilitat, deutlich. Zudem kann gezeigt werden, dass die Wachstumsraten der Renditen, zumindest in Zeiten des Frie- dens, grofter ist als die Wachstumsrate der Gesamtwirtschaft.

In Kapitel 4 betrachten wir zwei ausgewahlte und in diesem Kontext okonomisch relevante Themen: Zum einen geben wir einen Einblick in die Machtposition der EZB im aktuellen Zin- sumfeld und zum anderen zeigen wir die Piketty Debatte auf, die sich mit Grundlegenden Problemstellungen von kapitalistischen Wirtschaftssystemen auseinandersetzt.

2 Renditen

Der dieser Arbeit zugrundeliegende Artikel von JORDA ET AL. (2017) arbeitet mit verschie- denen Varianten von Renditen. Kapitel 2 betrachtet diese naher und erlautert deren Ursprung sowie Aussagekraft. Dafur soll in Kapitel 2.1 zunachst auf grundlegende Eigenschaften von Renditen eingegangen werden: Was sind Renditen, wie werden diese berechnet und welche Schwierigkeiten konnen bei einem Vergleich von Renditen auftreten? In den darauffolgenden Kapiteln 2.2 und 2.3 wird detaillierter und zusatzlich auf die Datenquellen von Renditen aus sicheren (Bills und Bonds) und riskanten (Aktien und Immobilien) Anlageformen eingegan­gen, welche gemeinsam mehr als die Halfte aller Anlagemoglichkeiten in heutigen Industrie- staaten ausmachen.[3]

2.1 Grundlagen

Grundsatzlich handelt es sich bei einer Rendite um den Gesamtertrag einer Kapitalanlage. Dabei wird die Rendite als Verhaltnis zum eingesetzten Kapital ausgedruckt und in der Regel als prozentualer Wert dargestellt.[4] Dieser Gesamtertrag, und damit auch die Gesamtrendite, eines Vermogenswertes bzw. einer Kapitalanlage kann in zwei Komponenten[5] aufgeteilt wer­den: Zum einen in die Preisveranderung der Anlage und zum anderen in eine Ertragskompo- nente, welche durch den Vermogenswert erwirtschaftet wird. Eine Berechnungsformel fur diese Gesamtrendite lautet:[6]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dabei stehen die Indizes, welche in der weiteren Ausarbeitung beibehalten werden, fur die jeweilige Anlage (i), das Land (j) und den Zeitpunkt (t). Der erste Term beschreibt die Preis- veranderung der Anlage und der zweite Term die Ertragskomponente. Hierbei ist zu beach- ten, dass auch die Ertragskomponente im Verhaltnis zum eingesetzten Kapital steht und somit ein einheitenloser Wert ist.

Bei genauerer Betrachtung lasst sich feststellen, dass es sich hierbei um einen nominalen Wert handelt, da etwaige Inflationsfaktoren nicht beachtet werden und somit die Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen der jeweiligen Volkswirtschaft ignoriert wird. In Kapitel 3 werden Renditen aus unterschiedlichen Landern und in verschiedenen Zeitabschnitten mitei- nander verglichen. Ein Vergleich von nominalen Renditen ist hierbei allerdings nicht sinnvoll, da die Inflationsraten in den verschiedenen Landern sowie uber unterschiedliche Zeitraume variieren. Es ist daher zweckmaftig, nominale Renditen preisbereinigt darzustellen. Unter Be- rucksichtigung der Inflationsrate njt ergibt sich fur die reale Gesamtrendite[7]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Renditen sicherer Vermogenswerte

Sichere Anlageformen bestehen in der Studie von JORDA ET AL. (2017) aus Bills und Bonds. Dabei handelt es sich jeweils um Staatsanleihen, deren Laufzeit unterschiedlich hoch ist. Wah- rend Bills in der Regel eine ca. sechsmonatige Laufzeit haben, betragt diese bei Bonds mehre- re Jahre.[8]

Die Studie nimmt an, dass die gesamte Staatsverschuldung eines Landes jeweils zur Halfte aus Bills und Bonds besteht. Dies ist jedoch eine stark vereinfachende Annahme. So machten Bills zum Ende des Jahres 2015 in Deutschland einen Gesamtanteil aller Investitionsmoglichkeiten lediglich 0,2 Prozent aus, wahrend Bonds einen Wert von 5,6 Prozent haben. Trotzdem wurde diese Annahme getroffen, da aktuell keine Daten uber den langen Zeitraum von 1870-2015 uber die Verteilung von Bills und Bonds vorliegen. Damit lasst sich ein kombinierter Wert be- rechnen (Gleichung 2.1), der die gewichtete Rendite von Bills und Bonds angibt und somit die Gesamtrendite von sicheren Anlagen ausdruckt.[9]

Wie man aus der Gleichung leicht erkennt, ist die Gesamtrendite fur sichere Anlagen der Mit- telwert aus den Rendite fur Bills und Bonds. Dies kann mit der oben genannten Annahme begrundet werden, dass Bills und Bonds jeweils die Halfte der Staatsverschuldung ausma- chen. Damit ergeben sich formal Gewichtungsfaktoren von jeweils 50 Prozent.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2.1 Bills

Wie in Gleichung 2.1 auf Seite 2 beschrieben, bestehen Renditen im Allgemeinen aus einer Preisveranderungskomponente und einer Ertragskomponente. Fur Bill Renditen wird in der von uns betrachteten Studie ausschlieElich die Ertragskomponente genutzt. Dies lasst sich aus unserer Sicht dadurch begrunden, dass Preisveranderungen aufgrund der kurzen Laufzeit von Bills eine untergeordnete Rolle fur deren Rendite spielen.

Die Daten dieser Renditen stammen aus einer Sammlung von (Jorda et al. 2016a). Primar wurde dabei direkt der Zinssatz fur kurzfristige Staatsanleihen gewahlt. Allerdings sind fur diesen in einigen Perioden in den betrachteten Landern keine Daten vorhanden. Sofern dies der Fall ist, wurden andere Zinssatze als Rendite fur Bills ausgewahlt.[10] Konkret handelt es sich dabei um den Interbankenzinssatz, den Geldmarktzinssatz, die Einlagenrate oder den Leitzins der jeweiligen Zentralbank.[11]

Der Einlagensatz ist derjenige Zinssatz, den Banken an die Zentralbank zahlen mussen, falls sie uberschussige Liquiditat bei der Zentralbank als Einlage anlegen. Der hier als Leitzins be- zeichnete Zins entspricht dem Zinssatz fur das Hauptrefinanzierungsgeschaft. Beispielsweise kauft die Europaische Zentralbank Wertpapiere von Banken auf Zeit an und legt dabei den Zinssatz fur die Ruckzahlung fest.[12] Es handelt sich in beiden Fallen also um ein geldpoliti- sches Instrument der Zentralbanken.

Tabelle 1 zeigt einen reprasentativen Auszug der Daten, die fur kurzfristige Staatsanleihen herangezogen wurden. Dabei ist zu erkennen, dass der vom Staat gewahrte direkte Zinssatz auf kurzfristige Staatsanleihen nicht haufig herangezogen wird. Im Auszug ist dies lediglich in Belgien im Zeitraum von 1965-2015 der Fall.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Auszug der verwendeten Datenquellen fur kurzfristige Staatsanleihen.[13]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[14]

Um die von JORDA ET AL. (2017) verwendeten Daten genauer zu hinterfragen, haben wir die Verteilung der aggregierten Zeitraume aller Lander fur den jeweiligen gewahlten Zinssatz ermittelt. Abbildung 1 zeigt die Ergebnisse dieses Vorgehens. Dabei fallt auf, dass der am hau- figsten genutzte Zinssatz der Geldmarktzins mit 48,38 Prozent ist. Danach folgt die Einlagen- rate mit 35,79 Prozent. Der von den Staaten gezahlte Zins auf die kurzfristigen Staatsanleihen wird nur in 10,16 Prozent des gesamten Zeitraums genutzt. Der Interbankenzinssatz sowie der Leitzins werden zusammen lediglich in 5,68 Prozent des Gesamtzeitraums genutzt.

2.2.2 Bonds

Die Bond Rendite wird anhand der realen Gesamtrendite[15] von langfristigen Staatsanleihen bestimmt. Dabei werden Staatsanleihen, die an Borsen der eigenen Lander und in lokaler Wahrung gehandelt werden, genutzt. Dies macht die Bond Renditen besser mit den Renditen aus kurzfristigen Staatsanleihen, Aktien- und Immobilienvermogen vergleichbar. Zudem ist der Stichprobenumfang und die Wahrscheinlichkeit, dass der reprasentative Haushalt in den Bond des eigenen Landes investiert, grofter. Uber den gesamten Zeitraum wurden, sofern die Daten vorhanden waren, Bonds mit einer Laufzeit von ca. zehn Jahren priorisiert.[16]

Einen ersten Uberblick uber die verwendeten Daten zeigt Tabelle 2. Diese ist ahnlich wie Ta- belle 1 aus dem vorherigen Kapitel aufgebaut und stellt einen Auszug der verwendeten Ge- samtdaten dar. Die Daten fur die Bond Rendite lassen sich hauptsachlich in drei Klassen[17] einteilen: In Staatsanleihen mit einer Laufzeit von ca. zehn Jahren, Staatsanleihen mit einer Laufzeit von mehr als zehn Jahren und Staatsanleihen mit unbegrenzter Laufzeit.

Auch hier ist zu erkennen, dass ein Groftteil der Daten nicht die ursprunglich praferierten Staatsanleihen mit einer Laufzeit von ca. 10 Jahren sind. Daher haben wir auch hier die ag- gregierten Zeitraume aller Lander fur die jeweilige gewahlte Anlageform ermittelt und in Ab- bildung 2 auf Seite 7 dargestellt. Wie erwartet machen Staatsanleihen mit einer Laufzeit von ca. 10 Jahren lediglich 29,41 Prozent aus. Staatsanleihen mit einer Laufzeit von mehr als 10 Jahren wurden in 51,23 Prozent aller Zeitraume gewahlt und haben damit den groftten An- teil.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Auszug der verwendeten Datenquellen fur langfristige Staatsanleihen.[18]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[19]

2.3 Renditen risikoreicher Vermogenswerte

Zu den risikoreichen Renditen gehoren nach der Einteilung von JORDA ET AL. (2017) Rendi­ten aus Aktien- und Immobilienvermogen.

Um diese beispielsweise mit den Renditen aus sicheren Anlageklassen vergleichbar zu ma- chen, haben die Autoren eine gewichtete Rendite berechnet, die sowohl die Renditen aus Im- mobilien als auch aus Aktienvermogen berucksichtigt. Diese gewichtete Rendite wird im fol- genden "risikoreiche Rendite" genannt. Gleichung 2.4 zeigt deren Berechnung auf. Dabei wer- den die realen Gesamtrenditen fur Aktien und Immobilienvermogen nach Gleichung 2.2 be­rechnet. Die Gewichtungsfaktoren wequityjt und whousingj t sind anhand von Marktkapitali- sierungsanteilen der jeweiligen Vermogenstypen (Aktien- oder Immobilienvermogen) be- stimmt worden und geben in Summe eins. Eine weitere Form der Renditedarstellung, welche von JORDA ET AL. (2017) genutzt wird ist die Risikopramie. Sie stellt die Differenz zwischen der sicheren Rendite aus Kapitel 2.2 und der oben gezeigten risikoreichen Rendite dar. Ein Anleger, der sich fur eine risikoreiche Anlage entscheidet, wird demnach fur das groRere Risi- ko durchschnittlich mit der zusatzlichen Rendite in Hohe der Risikopramie entschadigt. Glei­chung 2.5 zeigt die Berechnung der Risikopramie auf.[20]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3.1 Aktien

Um die Entwicklung des Aktienmarktes reprasentativ zu dokumentieren, werden sogenannte Aktienindizes verwendet. Dafur wird eine ausgewahlte Menge an Aktien betrachtet und nach definierten Charakteristika gewichtet. Beispielsweise beinhaltet der Deutsche Aktienindex (DAX) die 30 nach Marktkapitalisierung[21] und Umsatz groRten deutschen Unternehmen. Die Gewichtung wird wiederum anhand des Borsenumsatzes sowie der Marktkapitalisierung vor- genommen.[22]

Renditen aus Aktienvermogen werden nach Formel 2.2 bzw. 2.1 berechnet. Sie bestehen so- mit aus einem Preisentwicklungs- und einem Ertragsanteil. Der Preisentwicklungsanteil ergibt sich uber das Handeln der Aktien an der Borse, der Ertragsanteil wird durch die Ausschut- tungspolitik der jeweiligen Unternehmen, also den ausgezahlten Dividenden, bestimmt. Akti- enindizes werden haufig als sog. Kursindex dargestellt. Bei diesem wird nur der Preisentwick- lungsanteil betrachtet. Abbildung 3 zeigt dies am Beispiel des DAX. Sie zeigt die prozentuale Entwicklung des Kursindex (blaue Linie) und des Performance-Index (lila Linie) vom 31.05.2008 bis zum 31.05.2018. Der Performance-Index stellt die Gesamtrendite dar. Aus der Grafik wird ersichtlich, dass sich der Performance-Index mit Zunahme des betrachteten Zeit- horizonts immer deutlicher vom Kursindex unterscheidet. Es ist demnach wichtig, dass im folgenden immer der Performance-Index, also die Gesamtrendite betrachtet wird.[23]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[24]

Abbildung 3: DAX Kursindex (blau) vs. Performance-Index (lila) 31.05.2008-31.05.2018.[24]

Die in Kapitel 3 betrachteten Daten zur Gesamtrendite aus Aktienvermogen stammen aus ei- ner Vielzahl von Quellen. Es wurden beispielsweise Jahrbucher von Statistikamtern und Zent- ralbanken, Borsennotierungen, Zeitungen und Unternehmensberichte verwendet. Bei einem Groftteils des Datensatzes stutzen sich die Autoren auf Indizes, die nach Marktkapitalisierung einzelner Aktien gewichtet sind. Aufterdem werden bevorzugt Indizes gewahlt, die reprasen- tativ fur den gesamten Aktienmarkt sind.[25]

Allerdings sind auch hier zu einigen Zeitraumen keine Daten, die den oben genannten Krite- rien optimal nachkommen, vorhanden. Sofern dies der Fall ist, greifen die Autoren auf Indizes zuruck, die auf anderen Kriterien bzgl. der Auswahl und Gewichtung von Aktien basieren. Die Kriterien sind im Detail verschieden, allerdings haben die Autoren eine grobe Einteilung vor- genommen. So wurden fur die Auswahl der Aktien die folgenden Eigenschaften genutzt: Im Ausland gelistet, breite Auswahl, Auswahl aller Aktien, Unternehmen mit besonders hohem Wert[26] oder eigen ausgewahlte Aktien. Neben der Marktkapitalisierung fanden der Buchwert, das Transaktionsvolumen, eine Gleichgewichtung sowie Mischungen aus diesen Kriterien fur die Gewichtung der Aktien Anwendung.[27]

Um dem Leser einen Eindruck uber die im einzelnen verwendeten Daten zu vermitteln, haben wir diese exemplarisch fur Deutschland in Tabelle 3 dargestellt. Dabei ist zu erkennen, dass im Zeitraum von 1870-1990 Daten von vier verschiedenen Studien verwendet wurden. Ab 1991 wurden die in der Tabelle dargestellten Performance-Indizes der Deutschen Borse AG verwendet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Datenquellen Renditen aus Aktienvermogen Deutschland.[28]

2.3.2 Immobilien

Renditen aus Immobilienvermogen fanden in der makrookonomischen Forschung bisher we- nig bis keine Beachtung. JORDA ET AL. (2017) veroffentlicht erstmals eine Datenbank mit Renditen, welche auch Renditen aus Immobilieneigentum berucksichtigt. Hierbei werden Langzeitdaten zu Immobilienpreisen und neue Mietpreisdaten von 16 Landern verknupft, um aggregierte Trends fur Immobilienrenditen uber 150 Jahre darstellen zu konnen.[29]

Zur Ermittlung einer Zeitreihe von Miet-Preis-Verhaltnissen wird ein Ansatz gewahlt, der lan- derspezifische Immobilienpreisindex-Reihen (HPIt/HPI0) und landerspezifische Mietpreisin- dex-Reihen (RIt/RI0) so in ein Verhaltnis setzt, dass allein uber die Wachstumsrate von Mie- ten und Immobilienpreisen eine Aussage uber die Gesamtrenditen getroffen werden kann. Fur die meisten Lander kamen die Daten fur die Mietpreis-Reihe aus den Mietkomponenten der Lebenshaltungskosten von Verbraucherpreisindizes der jeweiligen nationalen Amter fur Statis- tik. Bei den betrachteten Mieteinnahmen handelt es sich um Netto-Werte bei denen Kosten wie Instandhaltungskosten, Erbpacht und andere unwiederbringliche Ausgaben abgezogen wurden.[30] Die Daten fur die Immobilienpreise kamen von Knoll, Schularick und Steger (2017). Sie haben alle Daten gesammelt die zur Verfugung standen und diese dann mittels verschiedener Methoden so aufbereitet, dass sie reprasentativ wurden. Bei den eingesetzten Methoden handelt es sich unter anderem um hedonische Regressionen, Verkaufspreis-Ansatze (SPAR), gewichtete Wiederholungsverkaufsmethoden und normale Durchschnittsberechnun- gen.[31] Die Zeitreihe kann dann iterative abgeleitet werden aus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wie in Kapitel 2.1 erlautert besteht auch der Gesamtertrag einer Immobilie aus zwei Kompo- nenten und wird als Verhaltnis von Rendite zu eingesetztem Kapital ausgedruckt (2.7). Das eingesetzte Kapital wird dabei als Immobilienpreis der letzten Periode angegeben. Da die fur den Miet-Preis-Ansatz benotigten Werte nicht fur alle Lander bis 1870 vorhanden waren, konnten mit dem Miet-Preis-Verhaltnis die Renditen fur die Jahre 2012, 2013 oder 2014 er- mittelt und mittels Wachstumsraten der Immobilienpreis- und Mietpreisindizes extrapoliert werden.[32]

[...]


[1] Vgl. Jorda et al. 2017, S. 7.

[2] Vgl. Becker 2011, S. 1.

[3] Vgl. Jorda et al. 2017, S. 7.

[4] Vgl. Gabler Kompakt-Lexikon Wirtschaft 2013, S. 374.

[5] Die Komponenten lassen sich am Beispiel einer Aktie verdeutlichen. Diese werden an der Borse gehandelt und unterliegen somit einer Preisveranderung, der Borsenwert steigt oder fallt. Zudem werden zyklisch Dividen- den an die Aktionare ausgezahlt, was der Ertragskomponente entspricht.

[6] Vgl. Jorda et al. 2017, S. 9.

[7] Vgl. Blanchard und Illing 2017, S. 59-62; Jorda et al. 2017, S. 9-10.

[8] Vgl. Goodhart 2017, S. 3.

[9] Vgl. Jorda et al. 2017, S. 8, 10.

[10] Diese Zinssatze stammen aus einer Datensammlung von Zimmermann 2017.

[11] Vgl. Jorda et al. 2017, S. 7.

[12] Vgl. Blanchard und Illing 2017, S. 131.

[13] Eigene Tabelle in Anlehnung an Jorda et al. 2017, A71.

[14] Eigene Darstellung. Die Daten folgen aus Jorda et al. 2017, A71.

[15] Siehe hierfur Gleichung 2.2 auf Seite 3.

[16] Vgl. Jorda et al. 2017, S. 7, 9.

[17] Der Vollstandigkeit halber sei erwahnt, dass sich insgesamt sechs Klassen beobachten lassen. Die drei weiteren Klassen fanden allerdings nur vereinzelt Anwendung, weshalb sie oben nicht aufgefuhrt wurden. Es handelt sich dabei um Staatsanleihen von lokalen Behorden, Staatsanleihen mit einer Laufzeit von lediglich 5 Jahren und Pfandbriefe der Deutschen Bundesbank.

[18] Eigene Tabelle in Anlehnung an Jorda et al. 2017, A71.

[19] Eigene Darstellung. Die Daten folgen aus Jorda et al. 2017, A71.

[20] Vgl. Jorda et al. 2017, S. 10.

[21] Die Marktkapitalisierung berechnet sich als Produkt vom Preis der Aktie an der Borse und der Anzahl ausgege- bener Aktien.

[22] Vgl. Deutsche Borse AG 2018, S. 1.

[23] Vgl. Gabler Kompakt-Lexikon Wirtschaft 2013, S. 10.

[24] Borse Stuttgart GmbH 2018.

[25] Vgl. Jorda et al. 2017, S. 9.

[26] Fur diese wird auch haufig die Bezeichnung "blue chips" verwendet. Vgl. Gabler Kompakt-Lexikon Wirtschaft 2013, S. 65.

[27] Vgl. Jorda et al. 2017, A72.

[28] Jorda et al. 2017, A99.

[29] Vgl. Jorda et al. 2017, S. 1.

[30] Vgl. Jorda et al. 2017, S. 9.

[31] Vgl. Knoll et al. 2014, S. 8-12.

[32] Vgl. Jorda et al. 2017, A73.

Details

Seiten
45
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668738478
ISBN (Buch)
9783668738485
Dateigröße
2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v429882
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt
Note
folgt
Schlagworte
entstehung entwicklung auswirkungen renditen eine betrachtung zeithorizont

Teilen

Zurück

Titel: Entstehung, Entwicklung und Auswirkungen von Renditen